{"id":21540,"date":"2012-09-25T00:00:09","date_gmt":"2012-09-24T22:00:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=21540"},"modified":"2012-09-24T11:47:47","modified_gmt":"2012-09-24T09:47:47","slug":"das-beispiel-von-viomet-in-griechenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/09\/das-beispiel-von-viomet-in-griechenland\/","title":{"rendered":"Das Beispiel von VIOMET in Griechenland"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_20120724_1146391-e1345542824664.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-19972\" title=\"IMG_20120724_114639\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_20120724_1146391-e1345542824664-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_20120724_1146391-e1345542824664-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_20120724_1146391-e1345542824664-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_20120724_1146391-e1345542824664-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_20120724_1146391-e1345542824664.jpg 1971w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Wenn die Kapitalisten nicht \u201ek\u00f6nnen\u201c, dann k\u00f6nnen die Arbeitnehmer!<\/strong><\/p>\n<p><em>von Jannis Pistolis und Nikos Anastasiadis (Thessaloniki)<\/em><\/p>\n<p><em>Wir ver\u00f6ffentlichen hier einen Artikel vom 22. und 24. Juli der Webseite Xekinima, von der griechischen Sektion des CWI und Schwesterorganisation der SAV in Griechenland. So weit wir wissen, h\u00e4lt die Besetzung des Betriebes an und die Besch\u00e4ftigten sind weiterhin auf Solidarit\u00e4t angewiesen. (Redaktion von sozialismus.info)<\/em><\/p>\n<p><strong>Seit \u00fcber zwei Jahren hat die griechische Gesellschaft einen noch nicht dagewesenen Angriff von Seiten des griechischen und des europ\u00e4ischen Kapitals erlebt. Die Arbeitslosigkeit steigt tagt\u00e4glich, Unternehmen schlie\u00dfen massenhaft und ein gewaltiger Teil der Gesellschaft wird zu Armut und Verarmung gezwungen. Als Ergebnis dessen suchen gro\u00dfe Teile der Arbeitnehmer nach Antworten auf die Frage, wie dieser Angriff zur\u00fcckgeschlagen werden kann.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mitten in diesen Verh\u00e4ltnissen kam der Beschluss der Betriebsgewerkschaft des Unternehmens Viomichaniki Metalleftiki (VIOMET), eines Unternehmens der Metallindustrie in Thessaloniki, selbst die Produktion und die Verwaltung der Fabrik zu \u00fcbernehmen. Dies kann ein wichtiges Beispiel sein daf\u00fcr, dass f\u00fcr gro\u00dfe Teile der Arbeiterbewegung sich ein Weg \u00f6ffnet.<\/strong><\/p>\n<h4>14 Monate ohne Bezahlung<\/h4>\n<p>Das Unternehmen VIOMET, eine Fabrik, die Baumaterialien produziert, war bis 2009 ein gewinnbringendes Unternehmen und von 2000 bis 2006 hatte es eine Gewinnsteigerung um 118 %, wie die Arbeitnehmer selbst erkl\u00e4ren. Ab 2010 und danach \u201eentdeckt\u201c die Muttergesellschaft Philkeram Johnson, dass VIOMET verschuldet sei mit Krediten in H\u00f6he von 1,9 Mio. \u20ac. Und als Ergebnis dessen schreitet das Unternehmen im Mai 2011 zur Einstellung der Lohn-und Gehaltszahlungen an die Arbeitnehmer und gibt die Fabrik auf.<\/p>\n<p>Die Antwort der Arbeitnehmer kam direkt durch Streiks, einen Bummelstreik und schlie\u00dflich die Besetzung der Fabrik, f\u00fcr Auszahlung der L\u00f6hne und die Wiederinbetriebnahme der Fabrik. Sie schufen sogar eine Kasse zur gegenseitigen Hilfe zur Unterst\u00fctzung ihres Kampfes. Ebenfalls gingen sie dazu \u00fcber, Schichten zu bilden zur Bewachung und zur Instandhaltung der Maschinen der Fabrik.<\/p>\n<p>Nachdem die Betriebsgewerkschaft aufgerufen hatte, den Kampf zu unterst\u00fctzen, wurde in Thessaloniki ein Solidarit\u00e4tskomitee gegr\u00fcndet. Es haben bereits zwei Versammlungen stattgefunden, die \u00fcber die Forderungen der Betriebsgewerkschaft diskutierten sowie dar\u00fcber, welche Aktivit\u00e4ten durchgef\u00fchrt werden m\u00fcssen, um den Kampf der ArbeiterInnen zu unterst\u00fctzen. Es wurde auch ein Konto zur finanziellen Unterst\u00fctzung er\u00f6ffnet. Ebenso wurden Lebensmittel und andere Produkte gesammelt.<\/p>\n<h4>Die Vorschl\u00e4ge der ArbeiterInnen<\/h4>\n<p>Die ArbeiterInnen stellten aufgrund ihrer Erfahrung die Forderung nach Selbstverwaltung auf. Zuerst bem\u00fchten sie sich darum, Druck auf die Betriebsleitung auszu\u00fcben, die Fabrik wieder in Betrieb zu nehmen. Danach bem\u00fchten sie sich darum, m\u00f6gliche Investoren zu finden. Alle ihre Anstrengungen scheiterten jedoch. So haben sie die Schlussfolgerung daraus gezogen, dass die einzige L\u00f6sung, die ihre Arbeitspl\u00e4tze retten kann, die ist, selbst die Fabrik zu \u00fcbernehmen. Nach 13 Monaten Besetzung der Fabrik stellten sie auf ihrer Vollversammlung folgende Forderungen auf:<\/p>\n<ol>\n<li>Abbezahlung aller antizipativen Passiva durch die fr\u00fchere Betriebsleitung der Fabrik. Die fr\u00fchere Betriebsleitung muss die Schulden des Unternehmens komplett \u00fcbernehmen.<\/li>\n<li>R\u00fccktritt des fr\u00fcheren Verwaltungsrates und Wahl eines neuen, der haupts\u00e4chlich aus Vertretern der ArbeiterInnen bestehen wird. Der neue Verwaltungsrat wird gew\u00e4hlt und direkt abrufbar sein durch die Vollversammlung der ArbeiterInnen<\/li>\n<li>Prinzipielle Finanzierung der \u201eneuen\u201c Gesellschaft durch das Arbeitslosengeld, auf das die Arbeitnehmer Anspruch haben, und Zahlung des Zuschusses f\u00fcr arbeitslose Unternehmer durch das Arbeitsamt (OAED).<\/li>\n<li>Die Aktien der Gesellschaft sollen unter den ArbeiterInnen genossenschaftlich aufgeteilt werden. Alle diejenigen, die keine Aktien \u00fcbernehmen wollen, werden die Arbeit in der Fabrik fortsetzen gem\u00e4\u00df dem kollektiven Tarifvertrag.<\/li>\n<li>Schaffung eines rechtlichen Rahmens, der die Genossenschaft der ArbeiterInnen im Bereich der Industrie erlaubt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das Unternehmen, das die ArbeiterInnen aufzubauen versuchen, hat eine sehr gro\u00dfe Bedeutung. Sein Erfolg kann ein Beispiel f\u00fcr alle ArbeiterInnen schaffen, die in diesem Moment angegriffen werden, und er kann eine Dynamik hervorrufen zur Ausbreitung der Arbeiterverwaltung und der Arbeiterkontrolle auch in anderen Fabriken und anderen Arbeitsst\u00e4tten.<\/p>\n<p>Deshalb ist es von Bedeutung, dass wir alle gemeinsam f\u00fcr den Erfolg des Unternehmens k\u00e4mpfen. Dieser Kampf kann, wie auch so viele andere, sich nicht einfach auf der Ebene einer Fabrik entscheiden. Es ist eine Ausweitung auf andere Arbeitsst\u00e4tten notwendig. Ebenso die aktive Unterst\u00fctzung der Arbeiter- und der sozialen Bewegungen in Thessaloniki, wie auch der Kampf f\u00fcr eine Regierung der Linken, die auf zentraler Ebene die Errungenschaften der Arbeitnehmer absichert.<\/p>\n<p>Klar muss jedoch auch sein, dass der Weg zur Arbeiterkontrolle und \u2013verwaltung nicht auf Rosen gebettet ist. Ganz im Gegenteil.<\/p>\n<p>Es ist sicher und steht ganz au\u00dfer Zweifel, dass die fr\u00fchere Unternehmensverwaltung Alles tun wird, die Anstrengungen der ArbeiterInnen zu unterbrechen und zu sabotieren. Das griechische und europ\u00e4ische Kapital will auf jeden Fall nicht, dass eine solche Bewegung Erfolg hat. Denn sie ber\u00fchrt direkt ihre Interessen und unter den Verh\u00e4ltnissen in Griechenland kann sich eine solche Bewegung direkt ausbreiten und kann schnell viele andere Bereiche erfassen.<\/p>\n<p>Die Eigent\u00fcmergesellschaft wird, in dem Grade, in dem die ArbeiterInnen selbst zur Er\u00f6ffnung der Produktion unter ihrer eigenen Kontrolle und Verwaltung voranschreiten, Himmel und Erde in Bewegung setzen, um sie zu stoppen: Sie wird anstreben, jegliche staatliche oder Bankenfinanzierung zu stoppen, die Lieferung von Rohstoffen zu stoppen oder Probleme bei der Zurverf\u00fcgungstellung der fertigen Produkte zu schaffen. Sie wird die Regierung, die Justiz und die Polizei finanzieren, damit sie das neue Projekt der Arbeitnehmer des Betriebes angreifen.<\/p>\n<p>Aus diesen Gr\u00fcnden muss man sich auf eine solche Konfrontation vorbereiten:<\/p>\n<ul>\n<li>Man muss sich an die gesamte Gesellschaft von Thessaloniki wenden, damit sie praktisch dieses Projekt unterst\u00fctzt, um die Sabotage der Bosse ins Leere laufen zu lassen.<\/li>\n<li>Man muss einen Aufruf an andere Fabriken richten, die \u00e4hnliche Probleme haben, mit dem Ziel, dass sich die Bewegung ausbreitet.<\/li>\n<li>Bei allen Fabriken, die schlie\u00dfen, verlagert werden oder Insolvenz anmelden, m\u00fcssen die Arbeitnehmer fordern, dass diese Fabriken, in ihre H\u00e4nde \u00fcbergehen und in den Besitz der Gesellschaft. (Verstaatlichung unter Arbeiterkontrolle und \u2013verwaltung.)<\/li>\n<li>Man muss auch die finanzielle Unterst\u00fctzung dieser Fabriken durch die Zentralregierung und die \u00f6rtliche\/regionale Selbstverwaltung (Kommunale Selbstverwaltung) fordern. Es kann nicht sein, dass die Regierungen mit riesigen Krediten und Steuerbefreiungen die Kapitalisten bedienen, und wenn die Arbeitnehmer darum k\u00e4mpfen, ihre Arbeitspl\u00e4tze zu retten, dass der Staat auf sie einschl\u00e4gt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>So etwas ist sicherlich mit den konkreten heutigen Regierungen, die wir haben, praktisch unm\u00f6glich. Deshalb stellt sich unvermeidlich die Notwendigkeit, dass die ArbeiterInnen ihren Kampf zur Rettung der Unternehmen und ihrer Arbeitspl\u00e4tze mit dem Kampf f\u00fcr eine Regierung der Linken verbinden, von der die Bewegung die Umsetzung eines sozialistischen Arbeiter-Klassen-Programms fordern wird.<\/p>\n<p>Ein solches Programm sollte unter Anderem folgende Punkte umfassen:<\/p>\n<ul>\n<li>Verstaatlichung des Bankensystems<\/li>\n<li>Schaffung eines \u201eEinheitlichen Staatlichen Tr\u00e4gers\u201c in der Branche der Produktion.<\/li>\n<li>Verstaatlichung der gro\u00dfen Produktionsgesellschaften und Ausarbeitung eines Programms massenhafter Investitionen im Interesse der Gesellschaft.<\/li>\n<li>Schaffung einer Quelle der Entwicklung und der Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen, ohne Konkurrenz zwischen \u00e4hnlichen Unternehmen, eine Konkurrenz, die der Kapitalismus vorantreibt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Schlie\u00dflich darf es keinen Zweifel geben an der gewaltigen internationalen Solidarit\u00e4t, die eine solche Anstrengung finden wird. Viele Blicke werden auf Griechenland gerichtet sein und die Menschen werden dazu bereit sein, solche Projekte praktisch zu unterst\u00fctzen. So etwas fand unter \u00e4hnlichen Umst\u00e4nden in Argentinien statt w\u00e4hrend der Krise von 2001. Au\u00dferdem gibt es auch anderswo \u00e4hnliche Bewegungen. Die letzte war die Bewegung der ArbeiterInnen von ArcelorMittal in Belgien, die f\u00fcr die Verstaatlichung ihrer Fabrik k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\"><em>\u00dcbersetzung aus dem Neugriechischen von Hubert Sch\u00f6nthaler<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn die Kapitalisten nicht \u201ek\u00f6nnen\u201c, dann k\u00f6nnen die Arbeitnehmer!<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":19972,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,16,44],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21540"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21540"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21540\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19972"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21540"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21540"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21540"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}