{"id":21449,"date":"2012-09-21T10:49:24","date_gmt":"2012-09-21T08:49:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=21449"},"modified":"2012-09-21T10:52:54","modified_gmt":"2012-09-21T08:52:54","slug":"kasachstan-erneut-blut-hinter-den-gefaengnismauern-aeltere-frau-von-sondereinheiten-zertrampelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/09\/kasachstan-erneut-blut-hinter-den-gefaengnismauern-aeltere-frau-von-sondereinheiten-zertrampelt\/","title":{"rendered":"Kasachstan: \u201eErneut Blut hinter Gef\u00e4ngnismauern&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/26075469.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-21450\" title=\"26075469\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/26075469-e1348217335576.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"128\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/26075469-e1348217335576.jpg 206w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/26075469-e1348217335576-162x100.jpg 162w\" sizes=\"(max-width: 206px) 100vw, 206px\" \/><\/a>Eine \u00e4ltere Frau wurde von Sondereinheiten zertrampelt. Aus der Strafkolonie sind Schreie wie \u201eWir werden umgebracht\u201c zu h\u00f6ren<\/strong><\/p>\n<p><em>Der Folgende Text erschien am 20.09.12 auf Russisch auf <a title=\"Kuramshyn.org\" href=\"http:\/\/www.kuramshyn.org\/blog\/2012-09-20-181\">Vadim Kuramshins Blog<\/a>. Vadim Kuramshin ist Anwalt f\u00fcr Menschen- und Arbeiterrechte und sa\u00df bis vor Kurzem selbst in Kasachstan im Gef\u00e4ngnis. Seine Freilassung war ma\u00dfgeblich ein Erfolg der internationalen Solidarit\u00e4tskampagne Campaign Kazakhstan.<\/em><\/p>\n<p>Gestern begann in der Stadt Karabas, 40 Autominuten von Karaganda, in der Strafkolonie AK 159\/18 eine Milit\u00e4roperation. Augenzeugenberichten zufolge, darunter Angeh\u00f6rige der Gefangenen, wurden 400 Soldaten und bis zu 200 Mitglieder von Sondereinheiten ins Lager gef\u00fchrt. Zu welcher Einheit die Sondereinheiten geh\u00f6ren, ist nicht bekannt. Die Ereignisse in der Kolonie entwickelten sich wie folgt: Am 18.09.12 wurde eine \u201eInventur\u201c, also eine allgemeine Durchsuchung aller pers\u00f6nlichen Gegenst\u00e4nde der Gefangenen sowie der Gemeinschafts- und Arbeitsr\u00e4ume, durchgef\u00fchrt. Anders gesagt: Das Lager wurde komplett durchw\u00fchlt. Gleich fr\u00fch am morgen wurden s\u00e4mtliche Gefangenen auf den Mittelplatz geschickt, wo sie bis zum Abendessen hocken mussten.<\/p>\n<p>Bei der Durchsuchung wurden verbotene Gegenst\u00e4nde gefunden und \u201esichergestellt\u201c. Es kam zu keinerlei Ausschreitungen w\u00e4hrend dieser Vorg\u00e4nge. Letzteres ist insofern von Bedeutung, als in allen F\u00e4llen, in denen Gefangene gefoltert oder get\u00f6tet werden, die Beh\u00f6rden das auf widerst\u00e4ndisches Verhalten abzuschieben versuchen. Ich best\u00e4tige hier: Es kam zu keinerlei Widerstand bei der Abnahme der verbotenen Gegenst\u00e4nde. Mehr noch: Niemand von klarem Verstand w\u00fcrde beim Fund verbotener Gegenst\u00e4nde in seinen Sachen auch nur Beschwerde einreichen wollen.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag setzten die Beh\u00f6rden die Gefangenen weiter unter Druck. Forderungen nach illegalen \u201eSektionen zur Erhaltung der Ordnung\u201c, einer Art Straflagerpolizei, bestehend aus Gefangenen, wurden erneut erhoben. Mindestens drei Gefangene begannen, sich aus Protest Schnittverletzungen zuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Der stellvertretende Vorsitzende des Justizministeriums, Achmetov, ruft weitere Einheiten und Sondereinheiten nach Karabas. Zugleich werden Angeh\u00f6rige der Gefangenen aus dem Besuchsraum vertrieben und es wird unerwartet eine \u201eQuarant\u00e4ne\u201c f\u00fcr aus der Ferne angereiste Ehefrauen und M\u00fctter von Gefangenen verh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Die Information verbreitet sich in ganz Kasachstan. Angeh\u00f6rige, die von der Schlie\u00dfung des Lagers erfahren, rufen massenweise im Justizministerium in Astana an, wo die \u201eQuarant\u00e4ne\u201c verleugnet und stattdessen behauptet wird, Angeh\u00f6rige k\u00f6nnten das Lager jederzeit verlassen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig verbietet die Straflagerverwaltung Angeh\u00f6rigen, deren Besuchszeit ansteht, den Eintritt und berufen sich auf die&#8230; Quarant\u00e4ne im Lager. So auch gegen\u00fcber Daria Prutko, Ehefrau eines Gefangenen, die einen Nervenzusammenbruch erlitt. \u201eMilit\u00e4rs sind in die Straflagerzone eingef\u00fchrt worden, mein Mann wird jetzt umgebracht werden, und wof\u00fcr? Was hat er gemacht? Er wurde bestraft, vor Gericht gestellt, der Freiheit beraubt. Aber wozu diese Grausamkeit? Wer kann das wollen? Und was geschieht \u00fcberhaupt? Auf welcher Grundlage wird mein Besuch verweigert?\u201c fragt Daria. Zur Kl\u00e4rung: Eine Quarant\u00e4ne erfolgt \u00fcblicherweise nur auf Grundlage einer klaren Ursache: Krankheit, Naturkatastrophen, Aufst\u00e4nde.<\/p>\n<p>\u201eAls wir uns der Straflagerzone n\u00e4herten, war sie von der Verkehrspolizei umzingelt. Wir haben versucht, herauszufinden was passiert. Als wir den Oberst fragten, rief er uns nur \u201eQuarant\u00e4ne\u201c entgegen und lief weg! Um etwa 10 Uhr morgens wurden die Milit\u00e4rs in die Zone gef\u00fchrt. Wir waren schockiert. Sie marschierten wie richtige Faschisten ein. Wir baten sie, flehten sie an, uns zu erkl\u00e4ren, was geschieht. Eine \u00e4ltere Frau, Sophia Artemovna Shmatchkova, Jahrgang 1939, ist unter die R\u00e4der gekommen. Sie wurde einfach von dieser Maskerade niedergetrampelt.<\/p>\n<p>In Astana wird, wie in solchen Situationen \u00fcblich geworden, die Einf\u00fchrung der Quarant\u00e4ne bestritten. Das Justizministerium gibt unter der Nummer 87172723065 die gegenteilige Information heraus. Allerdings ist es den Angeh\u00f6rigen bislang nicht gelungen, einen Namen des best\u00e4tigenden Mitarbeiters oder eine Sch\u00e4tzung zur Zahl der Folteropfer zu erfahren.<\/p>\n<p>Wie viele Opfer jene H\u00f6lle heute haben wird, kann ich nicht sagen. Aber das Schrecklichste ist, dass S\u00e4uberungen wie diese mittlerweile nicht mehr als S\u00e4uberungen gelten. Sie sind Alltag in kasachischen Gef\u00e4ngnissen. Praktisch w\u00f6chentlich, und manchmal t\u00e4glich, treffen solche Nachrichten ein, und \u00fcblicherweise gehen sie mit Meldungen von Toten in den Straflagern einher.<\/p>\n<p>Der Name Talgat Achmetov (der stellvertretende Justizminister, der den Einsatz des Milit\u00e4rs anwies) ist f\u00fcr die Gefangenen eine Art Vorbote des Todes. So war es auch im Fall von Shamil Yaroslavlev. Ebenjener Achmetov versprach Shamil kurz vor seinem Tod einen leidvollen und grausamen Tod. Wie er umgebracht wurde, kann anhand des Fotos von seiner entstellten Leiche unter diesem Link nachempfunden werden: \u00a0<a title=\"Foto\" href=\"http:\/\/www.kuramshyn.org\/blog\/2011-11-06-70\">http:\/\/www.kuramshyn.org\/blog\/2011-11-06-70<\/a><\/p>\n<p>Nachtrag: Soeben wurde ich von der Versammlung von Angeh\u00f6rigen vor den Toren des Lagers angerufen. Das Eingreifen des Milit\u00e4rs im Lager hat begonnen. Die Gefangenen schreien \u201eWir werden umgebracht\u201c. Die Polizei drau\u00dfen vor dem Lager versucht, die wahnsinnigen Schreie mit lauter, fr\u00f6hlicher Musik zu \u00fcberdecken. Augenzeugen zufolge erinnert die Aktion an die S\u00e4uberungsaktionen der Faschisten im zweiten Weltkrieg.<\/p>\n<p>Die Angeh\u00f6rigen laufen Sturm gegen das Gef\u00e4ngnis. Zig M\u00fctter, Ehefrauen und Schwestern der Gefolterten brechen die T\u00fcren auf. Die Spezialeinheiten sind ratlos. Diejenigen, die mit mir in Kontakt stehen, werden nicht reingelassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00c4ltere Frau von Sondereinheiten zertrampelt. 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