{"id":19525,"date":"2012-08-09T09:55:57","date_gmt":"2012-08-09T07:55:57","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.sozialismus.info\/?p=19525"},"modified":"2012-08-21T11:57:05","modified_gmt":"2012-08-21T09:57:05","slug":"arbeiter-von-vio-me-in-thessaloniki-besetzen-fabrik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/08\/arbeiter-von-vio-me-in-thessaloniki-besetzen-fabrik\/","title":{"rendered":"Arbeiter von VIO.ME. in Thessaloniki besetzen Fabrik"},"content":{"rendered":"<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\"><a href=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_20120724_1146391-e1345542824664.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-19972\" title=\"IMG_20120724_114639\" src=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_20120724_1146391-e1345542824664-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_20120724_1146391-e1345542824664-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_20120724_1146391-e1345542824664-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_20120724_1146391-e1345542824664-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/IMG_20120724_1146391-e1345542824664.jpg 1971w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Ein Interview mit Makis Anagnostou und Dimitris Mokas<\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\"><strong><span style=\"color: #888888;\">Vorbemerkung:<\/span><\/strong> Nachdem die Arbeiter von VIO.ME. f\u00fcr 14 Monate nicht oder nur unvollst\u00e4ndig ausgezahlt wurden, und nun auch noch die Gefahr besteht, dass die Firma geschlossen und die Maschinen verkauft werden, haben die Arbeiter beschlossen, die Fabrik zu besetzen. Sie wollen die Fabrik in eigener Hand und unter ihrer Kontrolle weiterlaufen lassen, und fordern vom alten Management die ausstehenden L\u00f6hne zu zahlen und zu verschwinden.<\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\">Am 24.7. waren Mitglieder von Xekinima (CWI in Griechenland) und der SAV (CWI in Deutschland) in der Fabrik von VIO.ME. und haben mit Makis Anagnostou (Vorsitzender der Gewerkschaft) und mit Dimitris Mokas (Schatzmeister der Gewerkschaft) gesprochen.<\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\"><em>Wieviele arbeiten in der Fabrik und was produziert ihr? <\/em><\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\"><strong>Makis<\/strong>: Wir sind 70 Arbeiter. Wir produzieren verschiedene Baumaterialien, wie Fliesenklebstoffe und weitere Baustoffe. Wir haben auch an neuen Materialien geforscht, wie zum Beispiel umweltfreundliche Isoliermaterialien f\u00fcr H\u00e4user.<\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\"><em>Wie hat sich die Krise auf euch ausgewirkt? <\/em><\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\"><strong>Makis<\/strong>: 2010 hat die Firma das erste mal einen 15 prozentigen R\u00fcckgang der Profite angek\u00fcndigt. Als n\u00e4chstes wurde uns erz\u00e4hlt dass der R\u00fcckgang 20 Prozent betr\u00e4gt. Aber die Firma war weiterhin profitabel. Das Management hat sich nicht wegen Verlust, sondern nur wegen dem R\u00fcckgang der Profite zur Schlie\u00dfung der Firma entschlossen.<\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\">Aber sogar dieser R\u00fcckgang der Profite scheint falsch zu sein. VIO.ME. hat ein gro\u00dfes Darlehen an die Mutterfirma Philkeram Johnson gezahlt. Die Gesamtsumme dieses Darlehens betr\u00e4gt 1,9 Millionen Euro. Das heisst, dass bei einem &#8222;Verlust&#8220; von 300.000 Euro letztes Jahr ohne dieses Darlehen ein \u00dcberschuss von 1,6 Millionen Euro zu verbuchen gewesen w\u00e4re. Das w\u00e4re eines der besten Jahre der Firma gewesen.<\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\">In den Jahren zwischen 2000 und 2006 geh\u00f6rte die Firma zu den 20 schnellstwachsenden Firman in Griechenland. Die Ums\u00e4tze stiegen um 136 Prozent, die Profite um 118 Prozent.<\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\"><strong>Dimitris<\/strong>: Auch 2009 hat die Firma noch Profit gemacht, auch wenn es ein bisschen weniger war, fast 300.000 Euro. 2010 gab es ein Minus von 300.000 Euro, das liegt aber auch daran, dass die Firma alle Mieten bis 2014 vorgeschossen hat.<\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\"><strong>Makis<\/strong>: Wir, die Arbeiter, haben auch ein paar Zugest\u00e4ndnisse gemacht. Wir haben akzeptiert, dass wir alle ein bis anderthalb Monate eine Woche unbezahlt frei bekommen.<\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\"><em>Was passierte dann?<\/em><\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\"><strong>Makis<\/strong>: Sie haben angefangen, die Zusch\u00fcsse zu unseren L\u00f6hnen (f\u00fcr Familien, Nacht- und Sonntagsarbeit) zu senken. Diese Zusch\u00fcsse hatten vorher unsere L\u00f6hne um 15-20 Prozent angehoben. Das heisst von einem Durchschnittslohn von 850 Euro sind unsere L\u00f6hne auf 650 Euro gesenkt worden. Wir haben Beschwerde bei der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde eingelegt, die der Firma dann auch eine Strafe auferlegt hat. Die Firma wollte aber diesen Kampf unbedingt gewinnen, und hat so weiter gemacht. Ab Mai 2011 wurden wir schlie\u00dflich gar nicht mehr bezahlt, also sind wir vor Gericht gegangen um das Geld zu bekommen dass die Firma uns schuldet. Die Verhandlungen begannen im August 2011. Seit September 2011 bekommen wir Arbeitslosengeld (359 Euro) und ein bisschen finanzielle St\u00fctze von der Gewerkschaft. Von der Firma haben wir nur noch einmal Urlaubsgeld bekommen, das m\u00fcssen sie zahlen um nicht empfindliche Strafen zu kassieren. Aber sie haben die Tore geschlossen, und zahlen nicht f\u00fcr die Materialien, die wir zum weiterarbeiten brauchen. Sie wollen die Maschinen verkaufen, deswegen haben wir die Fabrik besetzt und besch\u00fctzen sie.<\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\"><em>Was sind eure Forderungen<\/em><\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\"><strong>Makis<\/strong>: Zun\u00e4chst wollen wir unsere L\u00f6hne. Dann wollen wir, dass die Fabrik wieder aufmacht. Das Management hat offiziell erkl\u00e4rt, dass sie das ablehnt. Dann hatten wir die Idee, dass wenn die Firma die Fabrik nicht mehr weiterf\u00fchren will, wir es selber machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wir wollen eine gesetzliche Grundlage f\u00fcr Industrielle Arbeitergenossenschaften. Wir wollen vom Arbeitsamt die Gr\u00fcndungshilfen, f\u00fcr Arbeitslose, die sich Selbstst\u00e4ndig machen wollen (23.000 Euro pro Person). Wir fordern ausserdem, dass <strong>Philkeram Johnson<\/strong> (die Muttergesellschaft) uns die Aktien \u00fcberl\u00e4sst. Wir w\u00fcrden sie dann gleichberechtigt an die Arbeiter verteilen, die sich an der Genossenschaft beteiligt wollen.<\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\"><em>Wie reagiert das Management auf eure Forderungen?<\/em><\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\"><strong>Makis<\/strong>: Die reagieren \u00fcberhaupt nicht. Zuerst haben sie noch versprochen, die B\u00fccher zu \u00f6ffnen, so dass wir ein konkretes Angebot h\u00e4tten machen k\u00f6nnen. Dann kamen die ersten Schritte, die Maschinen zu verkaufen. Deswegen sind wir jetzt hier, besetzen die Fabrik und bewachen die Maschinen und die Produkte.<\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\"><em>Was erwartet ihr von der Regierung? <\/em><\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\"><strong>Dimitris<\/strong>: Wir brauchen zun\u00e4chst eine gesetzliche Grundlage f\u00fcr Arbeitergenossenschaften. Ohne das k\u00f6nnen wir nichts machen. Dann k\u00f6nnten wir unser Angebot abgeben und Druck aus\u00fcben, das anzunehmen.<\/p>\n<p lang=\"en-US\" align=\"JUSTIFY\">Wenn wir alleine w\u00e4ren, w\u00fcrden sie uns nat\u00fcrlich nicht h\u00f6ren. Wir versuchen, unseren Fall so bekannt wie m\u00f6glich zu machen, und soviele Unterst\u00fctzer wie m\u00f6glich zu gewinnen, die uns unterst\u00fctzen und die Regierung dazu zwingen k\u00f6nnte, eine gesetzliche Grundlage zu schaffen. Alles was wir hier tun, machen wir, um den Leuten zu zeigen, dass es am Ende auch einen anderen Weg gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Interview mit Makis Anagnostou und Dimitris Mokas<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":19972,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[44,17],"tags":[275],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19525"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19525"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19525\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19972"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19525"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19525"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19525"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}