{"id":17897,"date":"2012-06-24T00:00:28","date_gmt":"2012-06-23T22:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.sozialismus.info\/?p=17897"},"modified":"2012-06-28T14:53:44","modified_gmt":"2012-06-28T12:53:44","slug":"enteignet-springer-60-jahre-bild-sind-genug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/06\/enteignet-springer-60-jahre-bild-sind-genug\/","title":{"rendered":"Enteignet Springer! 60 Jahre BILD sind genug!"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/7419401748_a93aea5435_b.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-17898\" title=\"7419401748_a93aea5435_b\" src=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/7419401748_a93aea5435_b-264x173.jpg\" alt=\"\" width=\"264\" height=\"173\" \/><\/a>Zum BILD-Jubil\u00e4um am 24. Juni 2012 &#8211; eine kritische Bilanz <\/strong><\/p>\n<p>Am 24. Juni Juni 1952 erschien die erste Ausgabe der \u201eBild\u201c, der heute zweitauflagenst\u00e4rksten Printpublikation in Europa. Zeit f\u00fcr eine Bilanz.<\/p>\n<h4><em>von Torsten Sting, Rostock<\/em><\/h4>\n<p>Untrennbar mit \u201eBild\u201c ist der Name Axel C\u00e4sar Springer verbunden. Der Sohn eines Hamburger Zeitungsbesitzers, trat in dessen Fu\u00dftapfen und begann nach dem 2. Weltkrieg mit tatkr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung der britischen Besatzungsbeh\u00f6rden mit dem Aufbau eines Verlages. W\u00e4hrend der Arbeiterbewegung beim Wiederaufbau Steine in den Weg gelegt wurden, konnte Springer, schnell \u201eentnazifiziert\u201c, sich ans Werk machen<\/p>\n<p>Den Anfang machten Illustrierte und eine \u201eseri\u00f6se\u201c Tageszeitung, ehe dann \u201eBild\u201c gegr\u00fcndet wurde. Als Vorbild dienten die englischen Boulevard Massenbl\u00e4tter. Nat\u00fcrlich ging es dem jungen Besitzer darum Geld zu verdienen. Die Herausgabe von Zeitungen ist jedoch ein besonderes Gesch\u00e4ft. Hier geht es um Beeinflussung von Millionen Menschen und politische Meinungsmache. Der sich entwickelnde Springer-Verlag ist bis heute ein besonders politisch agierender Konzern der \u00fcber beste Kontakte zur Regierung verf\u00fcgt.<\/p>\n<h4>Ausrichtung<\/h4>\n<p>\u201eBild\u201c richtete sich von Beginn an bewusst an die Arbeiterschaft. Dies war auch eine Konsequenz der Kapitalistenklasse aus der Zeit vor dem Krieg. W\u00e4hrend der Weimarer Republik verf\u00fcgte die Arbeiterbewegung \u00fcber Zeitungen, die Millionen arbeitende Menschen erreichte. Bei aller Kritik an der Politik von reformistischer SPD und stalinisierter KPD bezogen deren Publikationen einen Klassenstandpunkt. Es wurde aus Sicht der ArbeiterInnen berichtet und ein Kontrapunkt zu den b\u00fcrgerlichen Medien gesetzt. Dies war eine wichtige Voraussetzung daf\u00fcr, dass bis zum Sieg der Faschisten die Loyalit\u00e4t der Lohnabh\u00e4ngigen zu ihren Parteien ungebrochen war. \u201eBild\u201c sollte auch ein Mittel sein, den Einfluss der Linken zur\u00fcckzudr\u00e4ngen und reaktion\u00e4re Ideen zu verbreiten. Im Verlauf der Jahrzehnte gab es nat\u00fcrlich immer wieder unterschiedliche konjunkturelle journalistische Entwicklungen. Der Grundaufbau der Zeitung ist bis heute jedoch gleich geblieben: Rei\u00dferischer Aufmacher, viele kurze Texte in \u201evolkst\u00fcmlicher\u201c Sprache zu Politik, Sport, Klatsch &amp; Tratsch.<\/p>\n<h4>Grunds\u00e4tze f\u00fcr Redakteure<\/h4>\n<p>Springer setzte in allen Zeitungen durch, dass sich die Redakteure seinen \u201eUnternehmensgrunds\u00e4tzen\u201c beugen mussten. Die zentralen Punkte sind: Unterst\u00fctzung der Westbindung (West-)Deutschlands, Verteidigung der \u201efreien sozialen Marktwirtschaft\u201c, \u201eAblehnung jeglicher Art von Totalitarismus\u201c, Kritiklose Unterst\u00fctzung des Staates Israel. Soweit zum M\u00e4rchen, das Medien \u201eobjektiv\u201c oder neutral seien.<\/p>\n<h4>Westbindung<\/h4>\n<p>\u201eBild\u201c bezog im Rahmen des Springer- Konzerns nat\u00fcrlich immer am deutlichsten Position. In den zentralen Auseinandersetzungen der 1950er Jahren unterst\u00fctzen die Macher die Orientierung an den USA und den westeurop\u00e4ischen Nachbarn. Dies m\u00fcndete in dem Beitritt zur \u201eEurop\u00e4ischen Gemeinschaft\u201c und der NATO. Die Spaltung Deutschlands war damit besiegelt, was \u201eBild\u201c und die anderen Springer Gazetten nicht davon abhielt die Wiedervereinigung (unter kapitalistischen Vorzeichen) zu fordern.<\/p>\n<h4>Unterst\u00fctzung Israels<\/h4>\n<p>Bis heute nimmt die Verteidigung Israels einen wichtigen Raum in der Philosophie des Medienkonzerns ein. Nach dem Krieg war die Anerkennung des j\u00fcdischen Staates eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr die westdeutschen Kapitalisten wieder in die \u201eWeltgemeinschaft\u201c zur\u00fcckzukehren. Nach Gr\u00fcndung des Staates Israel, spielte dessen herrschende Klasse eine entscheidende Rolle dabei, die Interessen des imperialistischen Westens im Nahen Osten zu vertreten. Unter dem Deckmantel der \u201eVers\u00f6hnung\u201c mit den j\u00fcdischen Menschen entsprach diese Politik n\u00fcchternen Kalkulationen des deutschen Kapitals und damit auch Springers. Im \u00dcbrigen haben die vielen Besuche des Medienmoguls in Israel, diesen nicht davon abgehalten, einige treue Diener des Naziregimes auf den verschiedenen Ebenen des Unternehmens zu besch\u00e4ftigen. Fakt ist, durch die Propaganda seiner Bl\u00e4tter hat Springer in nicht unerheblichem Ma\u00dfe dazu beigetragen, dass die Unterst\u00fctzung der israelischen herrschenden Klasse zur deutschen Staatsr\u00e4son geworden ist und bis heute nicht angetastet werden darf.<\/p>\n<h4>68er-Bewegung<\/h4>\n<p>Mitte der 1960er Jahre begann weltweit ein fundamentaler Wandel. Der Nachkriegsaufschwung kam an sein Ende, die erste Rezession k\u00fcndigte das Comeback von Arbeitslosigkeit und sozialen Spannungen an. Eine neue Generation wuchs heran die kritisch hinterfragte, warum in der Gesellschaft in allen Bereichen Menschen Verantwortung trugen, die am Massenmord der Nazis beteiligt waren. Junge ArbeiterInnen und Studierende gingen auf die Stra\u00dfe, die wie viele ihrer Generation weltweit emp\u00f6rt waren \u00fcber den Krieg der USA gegen das vietnamesische Volk.<\/p>\n<p>Die Bek\u00e4mpfung der \u201e68er\u201c geh\u00f6rt zu den widerlichsten Kapiteln der \u201eBild\u201c-Zeitung. Bei den Protesten gegen den Besuch des pro-westlichen, diktatorisch regierenden Schahs von Persien konnten seine Lakaien unbehelligt von der deutschen Polizei, friedliche Demonstranten verpr\u00fcgeln. Als dann auch noch der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten ermordet wurde, war dies Anlass f\u00fcr \u201eBild\u201c die Wahrheit auf den Kopf zu stellen und den Protestierenden die Schuld an den Ereignissen zu geben. In ihrem Kommentar am Tag danach hie\u00df es: \u201eStudenten drohen: Wir schie\u00dfen zur\u00fcck\u201c sowie \u201eHier h\u00f6ren der Spa\u00df und der Kompromiss und die demokratische Toleranz auf. Wir haben etwas gegen SA-Methoden.\u201c In dieser Form wurde die Bewegung bis zu ihrem Ende denunziert. Als an Ostern 1968 deren f\u00fchrender Kopf Rudi Dutschke, von einem jungen Hilfsarbeiter angeschossen wurde \u2013 der sich als regelm\u00e4\u00dfiger Leser der \u201eBild\u201c herausstellte &#8211; war die Wut der Studierenden auf dem H\u00f6hepunkt. In den Wochen zuvor hatten die Macher des Blattes eine Pogromstimmung gegen die Bewegung entfacht. Die Schlagzeile \u201eStoppt den Terror der Jungroten jetzt\u201c war schon deutlich. Den anschlie\u00dfenden Text kann man als Aufruf zur Lynchjustiz verstehen: \u201e\u2026man darf auch nicht die ganze Drecksarbeit der Polizei und ihren Wasserwerfern \u00fcberlassen.\u201c<\/p>\n<p>Nun war es f\u00fcr viele an der Zeit diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die unter dem Deckmantel der \u201ePressefreiheit\u201c die Privilegien der Reichen verteidigten, gegen die Linke hetzten und letztlich Menschenleben aufs Spiel setzten. Die Auslieferung der Zeitung wurde in einigen St\u00e4dten verhindert, die Forderung \u201eEnteignet Springer\u201c wurde von Millionen Menschen unterst\u00fctzt. Dennoch gelang es dem Establishment, die Studentenschaft zu isolieren und den Br\u00fcckenschlag zur Arbeiterbewegung zu verhindern. Dies lag sicher auch an den Fehlern der Bewegung selber. Die Hauptverantwortung trug aber die damalige SPD- und Gewerkschaftsf\u00fchrung, die jede Radikalisierung der Lohnabh\u00e4ngigen verhindern wollte.<\/p>\n<h4>Gegen die Arbeiterbewegung<\/h4>\n<p>\u201eBild\u201c gab sich immer gern als Anwalt der \u201ekleinen Leute\u201c. Wenn es um die konkrete Verbesserung der Lebensbedingungen der Besch\u00e4ftigten ging und z.B. h\u00f6here L\u00f6hne mittels Streik durchgesetzt werden sollten, war die Berichterstattung im Laufe der Jahrzehnte faktisch identisch. Panik vor den Auswirkungen von Arbeitsk\u00e4mpfen in Kommentaren (\u201eDroht uns eine h\u00f6here Inflation?\u201c) \u00fcber das zu Wort kommen lassen von Arbeitgebervertretern. W\u00e4hrend des Streiks f\u00fcr die 35-Stunden-Woche im Jahre 1984, gab es reihenweise Artikel die auf unterschiedliche Wei\u00dfe Stimmung gegen die KollegInnen und die IG Metall machten. &#8222;BILD bekommt Leserbriefe, in denen die 35-Stunden-Woche scharf abgelehnt wird\u201c, &#8222;Das Ausland jubelt!&#8220;, &#8222;Wenn M\u00e4nner streiken, haben wir Frauen meistens das Nachsehen.&#8220;<\/p>\n<h4>Rassismus<\/h4>\n<p>Ein roter Faden \u00fcber all die Jahrzehnte ist rassistische Hetze gegen MigrantInnen. Sei es beim Ford Streik 1973 (\u201eT\u00fcrken-Terror bei Ford\u201c) \u00fcber Kampagnen gegen Asylbewerber Anfang der 1990er Jahre bis zur Hetze gegen Muslime heutzutage. Keine b\u00fcrgerliche Kraft setzt derma\u00dfen auf die rassistische Karte und versteht, dass diese wirkungsvoll und aus Sicht der Herrschenden n\u00f6tig ist um die Macht gegen die Masse der Bev\u00f6lkerung zu verteidigen. Als Anfang der 19990er Jahre infolge des jugoslawischen B\u00fcrgerkrieges die Zahl der Asylbewerber deutlich anstieg, war dies Anlass f\u00fcr die Herrschenden eine bis dahin bespiellose, rassistische Kampagne zu starten. Es sollte damit von zunehmenden sozialen Problemen abgelenkt werden. Der Kahlschlag in der ostdeutschen Industrie machte binnen kurzer Zeit Hunderttausende arbeitslos und f\u00fchrte zu gro\u00dfer Verunsicherung. Zudem wurde Westdeutschland von einer Rezession heimgesucht.<\/p>\n<p>CDU-Generalsekret\u00e4r Volker R\u00fche, schrieb in einem Brief an die Parteigliederungen, dass die SPD durch \u00f6ffentlichen Druck dazu gebracht werden solle, der faktischen Abschaffung des Asylrechts zuzustimmen. Bis dahin gelte die Sprachregelung, jeder Fl\u00fcchtling der bis dahin komme, sei ein \u201eSPD-Asylant\u201c. Der Springer Konzern lie\u00df sich nicht lange bitten, um der ihm nahestehenden Partei unter die Arme zu greifen. Mehrere Monate in Folge gab es regelm\u00e4\u00dfige Horrorm\u00e4rchen \u00fcber \u201eAsylantenflut\u201c oder \u201ekriminelle Ausl\u00e4nder\u201c. Die Macher der Zeitung tragen eine Hauptverantwortung f\u00fcr die Angriffe auf MigrantInnen in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen sowie die Morde von M\u00f6lln und Solingen. Typisch \u201eBild\u201c ist es, die Schuld auf andere zu schieben auch wenn es dem Schwachsinn nahe kommt. Nach dem Pogrom von Lichtenhagen im August 1992 titelte das Blatt u.a.: \u201eDas Ausland pr\u00fcgelt wieder auf die Deutschen ein\u201c oder \u201eStasi steuert Rostock-Chaoten!\u201c.<\/p>\n<h4>Mit Sarrazin gegen Muslime<\/h4>\n<p>Seit den Anschl\u00e4gen vom 11.September 2001 haben die westlichen Gro\u00dfm\u00e4chte mehrere Kriege gegen islamisch gepr\u00e4gte L\u00e4nder gef\u00fchrt. Menschen muslimischen Glaubens, die seit Jahrzehnten hier leben und arbeiten, wurden in die N\u00e4he von Terroristen ger\u00fcckt. Au\u00dferdem wird ihnen unterstellt, sich nicht in die hiesige Gesellschaft einordnen zu wollen und in einer \u201eParallelgesellschaft\u201c zu leben. \u201eBild\u201c spielt auch hier wieder eine zentrale Rolle dabei, eine Ideologie zur Rechtfertigung von imperialistischen Kriegen im Nahen Osten unter die Masse der Bev\u00f6lkerung zu bringen. Zudem soll den Opfern der kapitalistischen Politik die Schuld gegeben werden, statt Regierungen und Kapitalisten. In der Debatte um das Buch von Thilo Sarrazin \u201eDeutschland schafft sich ab\u201c, hat \u201eBild\u201c nicht nur klar Stellung f\u00fcr diesen bezogen, zudem mit einem Vorabdruck eines Teils des Buches, das ganze \u00fcberhaupt ins Rollen gebracht. Mit Schlagzeilen wie \u201eDas wird man ja wohl noch sagen d\u00fcrfen\u201c (u.a. \u201eZu viele junge Ausl\u00e4nder sind kriminell\u201c oder \u201eAusl\u00e4nder die sich nicht an unsere Gesetze halten, haben hier nichts zu suchen\u201c) forcierte sie die Hetze gegen muslimische MigrantInnen. Das sich Vorurteile gegen\u00fcber Menschen, deren Eltern aus der T\u00fcrkei eingewandert sind und sich in Industrie und Bergbau krumm gemacht haben, wieder angestiegen sind, ist zweifellos auch ein \u201eVerdienst\u201c von Springers Hetzblatt.<\/p>\n<h4>\u201ePleite-Griechen\u201c<\/h4>\n<p>Aktuellstes Beispiel f\u00fcr den Springer Kampagnenjournalismus ist der Umgang mit der kapitalistischen Krise, im speziellen Griechenland. Fr\u00fcher als andere Teile der Herrschenden wendete sich \u201eBild\u201c gegen \u201eHilfen\u201c f\u00fcr das s\u00fcdeurop\u00e4ische Land. Dass in Wahrheit die Milliarden an deutsche und franz\u00f6sische Banken gehen, verschweigt nat\u00fcrlich das Blatt. Stattdessen wird \u00fcber \u201eLuxusrenten\u201c schwadroniert und die griechische Regierung \u2013 ganz im Sinne der hiesigen Reichen &#8211; aufgefordert, seine Inseln zu verkaufen. Weitere Kostenproben aus den letzten zwei Jahren: &#8222;Griechen-Pleite immer schlimmer \u2013 Wie viel Kohle sollen wir noch ins Land stecken?&#8220;. &#8222;Kl\u00fcngel, Korruption, Familienbande \u2013 So funktioniert das System Griechenland&#8220; &#8222;Warum zahlen wir den Griechen ihre Luxusrenten \u2013 So gut haben es Rentner in Griechenland&#8220;. &#8222;Tsch\u00fcs, Euro! \u2013 Bild gibt den Pleitegriechen die Drachmen zur\u00fcck.\u201c &#8222;Die Griechen \u2013 Sparen? Wieso? Sie streiken lieber!&#8220; &#8222;Aufgeheizte Stimmung bei Protesten in Athen \u2013 Pleite-Griechen bep\u00f6beln Deutsche!&#8220; H\u00f6hepunkt war zweifellos der offene Brief der Zeitung an \u201edie Griechen\u201c, in dem dazu aufgefordert wurde bei den Wahlen am 17. Juni die konservative Partei Nea Demokratia zu w\u00e4hlen.<\/p>\n<h4>\u201eBild\u201c und die Macht<\/h4>\n<p>Das Blatt spielt immer wieder die Rolle des K\u00f6nigsmachers. Und des K\u00f6nigsm\u00f6rders. Oder wie sagte es der Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, Mathias D\u00f6pfner, so treffend:\u201c Wer mit der Bild-Zeitung nach oben f\u00e4hrt, f\u00e4hrt auch mit ihr wieder nach unten.\u201c Aktuellstes Beispiel ist die Aff\u00e4re um den Ex-Bundespr\u00e4sidenten Wulff. Viele Jahre stand das Blatt an dessen Seite. Schrieb eine nette Homestory \u00fcber sein neues Gl\u00fcck, nach seiner Scheidung von seiner ersten Ehefrau. \u201eDie Neue\u201c wurde fortan immer wieder positiv dargestellt und damit auch Wulff in ein gutes Licht gesetzt. Als aus dem nieders\u00e4chsischen Landesvater das deutsche Staatsoberhaupt wurde, \u00e4nderten sich die Vorzeichen. Der Merkel Z\u00f6gling war den rechtskonservativen Machern zu weich und liberal. Der Islam sei ein \u201eTeil Deutschlands\u201c, meinte das Staatsoberhaupt und \u00e4rgerte damit Chefredakteur Kai Diekmann, einen giftigen Wiederg\u00e4nger Axel C\u00e4sar Springers. Als im Winter des letzten Jahres immer neue Details \u00fcber die Verstrickungen zwischen Wulff und Unternehmern ruchbar wurden, hatte \u201eBild\u201c Blut geleckt. Fast t\u00e4glich gab es Schlagzeilen gegen den CDU Politiker. Als sich Wulff pers\u00f6nlich bei Dieckmann beschwerte, l\u00e4utete dies die Schlussphase einer Kampagne ein, an deren Ende dessen R\u00fccktritt stand.<\/p>\n<h4>Warum wird \u201eBild\u201c gelesen ?<\/h4>\n<p>\u201eBild\u201c gibt gerne den Vertreter der kleinen Leute, die Sprache ist \u201ebodenst\u00e4ndig\u201c. Gerne formuliert sie in der \u201ewir\u201c-Form, bezieht das aber nat\u00fcrlich nur auf \u201edie Deutschen\u201c. In der Serie \u201eBild k\u00e4mpft f\u00fcr Sie\u201c nimmt sich das Blatt den kleinen Sorgen ihrer Leser an und macht z.B. Beh\u00f6rden Druck. Hinter \u201eBild\u201c steckt der Springer Konzern, Europas gr\u00f6\u00dfter Medienkonzern, Haupteigent\u00fcmerin ist Friede Springer, Milliardenschwere Witwe des Firmengr\u00fcnders. \u201eBild\u201c hat im Laufe seiner Geschichte immer wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass es ein Instrument der Reichen ist, um die Arbeiterklasse zu spalten und gegeneinander aufzuhetzen. Darin macht \u201eBild\u201c so leicht keiner was vor. Auch wenn die Auflage seit mehreren Jahren sinkt, bleibt der Einfluss dennoch hoch. T\u00e4glich kommen etwa 12,5 Millionen Menschen mit der Propaganda in Kontakt! Worin liegt der Erfolg des Blattes? \u201eBild\u201c kann man gut nebenbei (im Gegensatz zu \u201eFAZ\u201c oder auch \u201ejunge Welt\u201c) in der Fabrik lesen, wenn die Maschine f\u00fcr ein paar Minuten l\u00e4uft oder kurz \u00fcberfliegen, wenn am Bau oder im B\u00fcro die Fr\u00fchst\u00fcckspause ansteht. Die Stories \u00fcber \u201eDeutschlands d\u00fcmmsten Dieb\u201c o.\u00e4. verleiten die meisten Leser zum Schmunzeln und wissen diese auch einzuordnen was den Wahrheitsgehalt anbetrifft. Der Sportteil gilt gerade unter Fu\u00dfballfans als gut und ist f\u00fcr viele ein relevantes Kaufmotiv. Es ist wichtig dies zu verstehen und nicht, wie bei vielen Linken geschehen, am Verstand der Masse der Bev\u00f6lkerung zu (ver)zweifeln.<\/p>\n<h4>Alternative Medien<\/h4>\n<p>Dennoch ist die radikale Kritik an \u201eBild\u201c richtig und wichtig. G\u00fcnter Wallraff hat sich 1977 in Hannover in die dortige Redaktion \u201eeingeschmuggelt\u201c und in seinem Buch \u201eDer Aufmacher\u201c die kriminellen Methoden des Blattes zu Papier gebracht. Er schildert, wie Geschichten erfunden und Menschen manipuliert oder erpresst werden. Bis heute hat sich wenig daran ge\u00e4ndert. Kein Blatt wird so h\u00e4ufig vom Presserat ger\u00fcffelt wie Springers Profitquelle. Internetmedien wie bildblog.de berichten nahezu t\u00e4glich \u00fcber \u201eUngereimtheiten\u201c.<\/p>\n<p>\u201eBild\u201c wird sich nicht \u00e4ndern. Also kommt es darauf an, massentaugliche, alternative Medien aufzubauen. Das Internet spielt dabei eine wichtige Rolle. \u00dcber Webseiten, Blogs und soziale Netzwerke ist es heute leichter, unabh\u00e4ngig von gro\u00dfen Konzernen Informationen zu verbreiten. Bei den revolution\u00e4ren Bewegungen im Nahen Osten wurde dies unter Beweis gestellt. Man sollte die Bedeutung der neuen Medien jedoch auch nicht \u00fcberbewerten. Nach wie vor gibt es Printmedien die Millionenauflage haben. Zudem beherrschen deren Eigent\u00fcmer auch die Nachrichtenangebote im Netz.<\/p>\n<p>Es gilt, eine starke Bewegung von unten aufzubauen, die sich die Parole \u201eEnteignet Springer\u201c wieder zu eigen macht und mit neuem Leben f\u00fcllt. Medienkonzerne geh\u00f6ren unter demokratische, gesellschaftliche Kontrolle. Die Arbeiterbewegung braucht starke Gewerkschaften und eigene Parteien. Diese m\u00fcssen an gute Traditionen ansetzen und ihre eigenen Medien, klassische wie neue aufbauen und eine Alternative zum bestehenden kapitalistischen Irrsinn aufzeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum BILD-Jubil\u00e4um am 24. 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