{"id":17891,"date":"2012-06-23T00:00:43","date_gmt":"2012-06-22T22:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.sozialismus.info\/?p=17891"},"modified":"2012-08-08T12:17:26","modified_gmt":"2012-08-08T10:17:26","slug":"klimawandel-ein-sozialistischer-plan-fuer-die-umwelt-ist-dringend-noetig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/06\/klimawandel-ein-sozialistischer-plan-fuer-die-umwelt-ist-dringend-noetig\/","title":{"rendered":"Klimawandel: ein sozialistischer Plan f\u00fcr die Umwelt ist dringend n\u00f6tig"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/3028910296_9f910a54d3_b.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-17892\" title=\"3028910296_9f910a54d3_b\" src=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/3028910296_9f910a54d3_b-e1340887491259-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" \/><\/a>Um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern, sind umgehende und ma\u00dfgebende Schritte n\u00f6tig. Diese werden aber nicht von den Kapitalisten und ihren Politikern kommen. <\/strong><strong> <\/strong><\/p>\n<p><em>von Pete Dickenson, Wissenschaftler, Dozent f\u00fcr Umweltmanagement und Osteurop\u00e4ische Studien und langj\u00e4hriges Mitglied der \u201eSocialist Party\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in England und Wales) <\/em><\/p>\n<p>Bei der globalen Klimaerw\u00e4rmung handelt es sich um das \u00fcberragende Umweltproblem, mit dem die Welt konfrontiert ist. 20 Jahre sind seit dem \u201eEarth Summit\u201c (\u201eKonferenz der Vereinten Nationen \u00fcber Umwelt und Entwicklung\u201c 1992 in Rio de Janeiro; Erg. d. \u00dcbers.) vergangen, der das Problem in den Mittelpunkt stellte. Und dennoch ist der Aussto\u00df von Treibhausgasen, die den Klimawandel verursachen, weiter und kontinuierlich bis auf ein kritisches Ausma\u00df angestiegen, das dieses zur Umweltkatastrophe zu f\u00fchren droht. In der Zeit, in der die Emissionen in die H\u00f6he schnellten, hat sich die Kluft zwischen der \u201egr\u00fcnen Rhetorik\u201c der Regierungen aus den industrialisierten kapitalistischen L\u00e4ndern und ihrer wirkungslosen politischen Reaktion zu einem un\u00fcberwindbar erscheinenden Abgrund ausgeweitet.<\/p>\n<h4>Die globale Erderw\u00e4rmung ist eine gef\u00e4hrliche Bedrohung<\/h4>\n<p>Die verheerenden \u00dcberschwemmungen in Pakistan 2010 und der Hurrikan Katrina 2005 in den USA brachten die M\u00f6glichkeit ins Bewusstsein, dass der Klimawandel, der sich in extremen Wetterereignissen widerspiegelt, heute Teil unserer Lebensrealit\u00e4t sein w\u00fcrde. Dies zerst\u00f6rte jede Form noch bestehender Selbstgef\u00e4lligkeit, nach der es sich lediglich um ein Problem f\u00fcr sp\u00e4tere Generationen handele. Der Meteorologe und ehemalige Hurrikan-J\u00e4ger Dr. Jeff Masters wendet ein, dass \u201ees m\u00f6glich ist, dass 2010 global gesehen das Jahr mit den extremsten Wetterkapriolen seit 1816\u201c war.<\/p>\n<p>Auch wenn manche meinen, es w\u00fcrde sich hierbei um isoliert voneinander stattfindende Ereignisse handeln, die nichts mit irgendwelchen zu tun h\u00e4tten Umweltver\u00e4nderungen, so legen die Forschungsergebnisse vor allem nach Katrina nahe, dass die Erw\u00e4rmung der Ozeane zu weiteren schweren Hurrikanen f\u00fchren wird. Bis zum Beweis des Gegenteils gibt es f\u00fcr KlimawissenschaftlerInnen keinen hinreichenden Anhaltspunkt daf\u00fcr, zu fordern, dass extreme Wetterereignisse als Ergebnis der globalen Erderw\u00e4rmung betrachtet werden m\u00fcssen \u2013 und umgekehrt.<\/p>\n<p>Es gibt eine gro\u00dfe Bandbreite an Prognosen \u00fcber m\u00f6gliche Temperaturanstiege, die mit dem Aspekt der globalen Erderw\u00e4rmung in Zusammenhang stehen, weil die Szenarien von der angenommenen Sensibilit\u00e4t der Erde gegen\u00fcber einem Anstieg der Treibhausgas-Konzentrationen abh\u00e4ngen. Zwar hat man die letzten Erkenntnisse \u00fcber die Sensibilit\u00e4t gegen\u00fcber den Treibhausgasen noch nicht gewonnen, aber wenn das obere gesch\u00e4tzte Ma\u00df von 13,3 Grad Celsius als realistisch angenommen wird, so ist nur schwer vorstellbar, dass Leben auf diesem Planeten weiter m\u00f6glich ist. Auch wenn dieser Extremwert statistisch betrachtet kaum erreicht werden wird, handelt es sich bei dieser Annahme dennoch um eine Warnung vor den profunden Gefahren, mit den wir konfrontiert sind. Eine j\u00fcngst aufgestellte niedriger angesetzte Prognose, die eher im Bereich des Wahrscheinlichen liegt und die nicht weniger gravierende Auswirkungen nach sich z\u00f6ge, geht von einem Anstieg von vier Grad Celsius bis zum Jahr 2055 aus. Urheber dieses Szenarios ist das \u201eUK Met Office\u201c, eine f\u00fchrende Kapazit\u00e4t im Bereich der Klimawissenschaft.<\/p>\n<p>Der \u201eStern Report\u201c zum Thema Klimawandel, der von der ehemaligen sozialdemokratischen (Erg. d. \u00dcbers.) \u201eNew Labour\u201c-Regierung in Auftrag gegeben und sp\u00e4ter ignoriert wurde, geht von einem Temperaturanstieg von zwei bis drei Grad Celsius aus. Dieser Bericht ging auch von h\u00e4ufiger auftretenden D\u00fcrre- und \u00dcberschwemmungsperioden aus. Dar\u00fcber hinaus warnte Stern vor zur\u00fcckgehenden Ernteertr\u00e4gen und Fischbest\u00e4nden sowie vor zehn bis hundert Millionen Menschen, die aufgrund von \u00dcberflutungen obdachlos werden k\u00f6nnten. Der Klimawandel wird obendrein zu vermehrten Todesf\u00e4llen aufgrund von Unterern\u00e4hrung, Hitzschlag und Dehydrierung f\u00fchren (Anstieg der F\u00e4lle von Malaria und Denguefieber etc.). Alles in allem werden die Folgen der globalen Erderw\u00e4rmung verheerend sein und in erster Linie die Armen betreffen.<\/p>\n<p>Abgesehen von der globalen Erderw\u00e4rmung haben wir es mit noch anderen bedeutsamen Gefahren zu tun. Die Umweltsch\u00e4den aufgrund der Nutzung atomarer Energie z\u00e4hlt ebenso dazu wie die, die durch andere Quellen verursacht werden. Abholzung und W\u00fcstenbildung (Desertifikation) sind Bedrohungen f\u00fcr die Umwelt und die Lebensgrundlagen der \u00c4rmsten auf dem Planeten. Beide Ph\u00e4nomene stehen ebenso in direktem Zusammenhang mit der globalen Erderw\u00e4rmung wie das beschleunigt stattfindende Artensterben. Die Ozeane und die darin vorkommenden Mikroorganismen stehen von unterschiedlicher Seite her unter Beschuss. Dazu z\u00e4hlt die Verringerung der Fischbest\u00e4nde wie auch die Umweltverschmutzung durch toxische Schadstoffe aus unterschiedlichsten Quellen. Nicht zuletzt die \u00d6lbohrplattformen z\u00e4hlen dazu, wie die Katastrophe um die \u201eDeepwater Horizon\u201c im Golf von Mexiko im Jahr 2010 deutlich machte.<\/p>\n<h4>Die Gefahr der Nuklearenergie<\/h4>\n<p>Als es am Freitag, dem 11. M\u00e4rz 2011, vor der japanischen K\u00fcste in der N\u00e4he der Stadt Sendai zu dem Erdbeben mit der St\u00e4rke neun auf der Richterskala kam, wurde der seismische Schock unmittelbar danach von den Sensoren der Atomenergieanlage Fukushima 1 registriert, die sich direkt am Meer, s\u00fcdlich des Epizentrums befindet. Als \u201eVorsichtsma\u00dfnahme\u201c wurden die Reaktoren heruntergefahren. Dutzende sogenannter Experten, die der Nuklearenergie wohlwollend gegen\u00fcber stehen, beeilten sich dann umgehend, den FernsehzuschauerInnen zu versichern, dass \u201ealles unter Kontrolle\u201c sei. Doch leider folgte auf das Erdbeben ein Tsunami, der die K\u00fcstenschutz-Anlagen rund um die Atomanlage m\u00fchelos \u00fcberwinden konnte, die Geb\u00e4ude mit den Reaktoren unter Wasser setzte und die Diesel-Generatoren zerst\u00f6rte.<\/p>\n<p>Zu Fukushima 1 geh\u00f6rten sechs Reaktoren, von denen zur Zeit des Erdbebens drei in Betrieb waren. In den Reaktoren 1, 2 und 3 kam es daraufhin zur Kernschmelze. Die Geb\u00e4ude, die die Reaktoren 1 und 3 beherbergten, wurden durch Wasserstoff-Explosionen zerst\u00f6rt, weil Wasserdampf aus den Drucktanks in diese Abschnitte entl\u00fcftet wurden. Bei dem daraus resultierenden radioaktiven Niederschlag handelte es sich um den schlimmsten seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986.<\/p>\n<p>Der private Betreiber von Fukushima, die \u201eTokyo Electric Power Company\u201c (TEPCO) sorgte w\u00e4hrenddessen f\u00fcr einen skandal\u00f6sen Mangel an Informationsdaten. Diesem Unternehmen war in den sp\u00e4ten 1980er und in den 1990er Jahren nachgewiesen worden, systematisch Hinweise auf Sicherheitsprobleme gef\u00e4lscht zu haben. Sp\u00e4ter musste man auch zugeben, dass man nicht bemerkt hatte, dass die Anlage von Kashiwazaki Kariwa direkt auf einer aktiven Verwerfungslinie gebaut wurde, wo vier tektonische Platten aufeinander sto\u00dfen. Als die Nuklearanlage 2007 von einem Erdbeben heimgesucht wurde, wurde sie f\u00fcr zwei Jahre au\u00dfer Betrieb genommen.<\/p>\n<p>Neun Monate nach dem Desaster von Fukushima verk\u00fcndete die japanische Regierung endlich, dass signifikante radioaktive Lecks abgedichtet werden konnten, obwohl es 40 Jahre dauern wird, die Anlage zu reinigen und stillzulegen.<\/p>\n<p>Auf lange Sicht wird die Aufbewahrung der toxischen R\u00fcckst\u00e4nde aus den Nuklearanlagen ein weit gr\u00f6\u00dferes Problem darstellen als der Versuch, mit einem Desaster wie dem von Fukushima zurechtzukommen. Das liegt daran, dass dieser M\u00fcll noch nach 100.000 Jahren radioaktiv sein wird und bislang keine vollst\u00e4ndig sichere Methode zur Einlagerung dieser Abf\u00e4lle gefunden wurde.<\/p>\n<h4>Nicht nukleare toxische Kontamination<\/h4>\n<p>Jedes Jahr werden tausende toxische Substanzen freigesetzt, die von den weltgr\u00f6\u00dften Chemiekonzernen hergestellt wurden und die eine Bedrohung f\u00fcr die Luft, die B\u00f6den und die Meere dieser Welt darstellen. Einige Umwelts\u00fcnden wie bekannte Beispiele havarierender \u00d6lplattformen oder das radioaktive Leck von Fukushima finden ihren Weg in die Schlagzeilen. Und dennoch \u00fcbersteigt das Volumen an Schadstoffen, die unter weniger dramatischen Umst\u00e4nden in die Umwelt gelangen bei weitem das Ma\u00df, das bei den bekannten F\u00e4llen erreicht wurde. Auch wird die Umwelt dabei wahrscheinlich viel st\u00e4rker in Mitleidenschaft gezogen. Zu diesen F\u00e4llen geh\u00f6ren die Ableitung von Industrieabw\u00e4ssern ebenso wie die Hochseeverklappung, Verrieselungen und die Auswirkungen des Pestizid-Einsatzes sowie von synthetischen D\u00fcngemitteln.<\/p>\n<p>Auch muss die Ausgabe genetisch modifizierter Organismen (GMOs) zur Liste potentiell gef\u00e4hrlicher Schadstoff-Freisetzungen hinzugez\u00e4hlt werden. Die Methode der Genmanipulation hat das Potential, Medikamente zu transformieren und vergleichbare positive Aspekte, die unser Leben betreffen, zu erreichen. Haupts\u00e4chlich wird die Genmanipulation heutzutage aber von den Agrarkonzernen angewendet, um den schnellen Umsatz zu generieren. Da die langfristigen Folgen davon immer noch nicht gekl\u00e4rt sind, sollte Genmanipulation im Bereich der Agrar\u00f6konomie keine Anwendung finden, so lange es keine ausreichenden wissenschaftlichen Erkenntnisse \u00fcber deren sicheren Einsatz gibt.<\/p>\n<h4>Weltnaturerbe wird zugrunde gerichtet<\/h4>\n<p>Bei der fl\u00e4chendeckenden Waldrohdung, der Verschlechterung um die Biosph\u00e4re Meer und das Artensterben handelt es sich um Beispiele f\u00fcr die beschleunigte Vernichtung des Weltnaturerbes. Verursacht von der Umwandlung in landwirtschaftlich genutzte Fl\u00e4chen f\u00fcr Weidewirtschaft und vor allem die Soja- und Palm\u00f6lproduktion ist der Regenwald am Amazonas um 15 Prozent kleiner geworden und der indonesische Regenwald um 72 Prozent zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p>Behauptet wurde, dass die gr\u00f6\u00dfte f\u00fcr sich genommene Bedrohung f\u00fcr das \u00d6kosystem Meer von der \u00dcberfischung ausgeht. Moderne Fabrikschiffe, die Sonartechnik nutzen, um Fischschw\u00e4rme aufzusp\u00fcren, und Grundschleppnetze einsetzen, um den Meeresboden zu erreichen, zerst\u00f6ren ganze Fisch-Populationen. 90 Prozent der gro\u00dfen Fischarten wie Thunfisch, Dorsch und Heilbutt sind ausgemerzt worden. Das wiederum f\u00fchrt zu einer Ver\u00e4nderung des ozeanischen \u00d6kosystems. Am Ende steht, dass Arten wie Quallen dominieren, die sich von Kleinst-Plankton ern\u00e4hren. Als die Fischfangflotten in Neufundland, an der Nordsee und in der Ostsee zu gro\u00dfen Teilen zusammenbrachen, gingen zehntausende, wenn nicht gar hunderttausende von Arbeitspl\u00e4tzen verloren.<\/p>\n<p>Die Aufmerksamkeit der gro\u00dfen Konzerne richtet sich jetzt auf den Pazifischen Ozean, das einzige \u00fcbrig gebliebene Gew\u00e4sser, das noch nicht \u00fcberfischt ist. Doch auch \u00fcber dieses Gebiet wird dasselbe Schicksal herienbrechen wie \u00fcber die Nordsee, wenn der derzeit gefahrene, vom Profit geleitete Ansatz nicht grundlegend ge\u00e4ndert wird. Und wenn dies nicht geschieht, dann wird wohl nur noch Qualle mit Salzkartoffeln auf der Karte stehen!<\/p>\n<p>Waldrohdung und \u00dcberfischung sind beides Teile eines umfassenderen Problems: der Zerst\u00f6rung des Lebensraums, die den Abbau der Biodiversit\u00e4t vorantreibt. Jedes Jahr gehen laut Douglas Crawford-Browne, Direktor des \u201eCambridge Centre for Climate Change Mitigation\u201c 20.000 Arten verloren. Wie die meisten Umweltsch\u00fctzerInnen macht auch er daf\u00fcr \u201emenschliches Handeln\u201c verantwortlich. Es handelt sich dabei jedoch um eine ganz bestimmte Form von \u201emenschlichem Handeln\u201c, die zur Anklage steht: das Streben nach Profit in einer kapitalistischen Marktwirtschaft.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Mehrzahl der Probleme, die hier diskutiert werden, lassen sich zur\u00fcckf\u00fchren auf die sch\u00e4dlichen Vorgehensweisen der Gro\u00dfkonzerne und vor allem auf die der multinationalen Unternehmen und ihre Komplizen.<\/p>\n<h4>Wie gr\u00fcn k\u00f6nnen Kapitalisten werden?<\/h4>\n<p>Wie viele vorherige Gipfeltreffen auch, scheiterte die von der UNO durchgef\u00fchrte Klimakonferenz von 2011 in Durban, S\u00fcdafrika, auf kl\u00e4gliche Art und Weise darin, eine \u00dcbereinkunft zur Eind\u00e4mmung der globalen Erderw\u00e4rmung zu erzielen. Am Ende der Konferenz stand lediglich die Hoffnung, dass ein neues und bis dato nicht weiter spezifiziertes Abkommen ausgearbeitet werden soll, das dann das Kyoto Protokoll abl\u00f6sen wird, welches 2012 ausl\u00e4uft. Ein derartiges neues Abkommen w\u00fcrde fr\u00fchestens 2020 in Kraft treten. Das hei\u00dft, dass vorher kein neuer Verhandlungsstand erreicht werden wird.<\/p>\n<p>Doch das Jahr 2020 ist auch die Frist, die von der Klimawissenschaft gesetzt wurde, um die Treibhausgase um 40 Prozent zu verringern, damit eine m\u00f6gliche Katastrophe noch abgewendet werden kann. Die Wortwahl, auf die man sich einigte und mit der eine rechtlich bindende Basis f\u00fcr ein zuk\u00fcnftiges Abkommen geschaffen werden sollte, war derlei vage gehalten, dass fast nichts darin stand. Die j\u00fcngsten Gespr\u00e4che, die im Nachgang dazu in Bonn stattfanden, gingen am 25. Mai zu Ende. Das Ergebnis waren so viele Meinungsverschiedenheiten und R\u00fcckschritte, dass damit selbst ein vages Abkommen wieder zur Disposition steht.<\/p>\n<p>Das Scheitern des Kopenhagen-Gipfels 2009 und des Durban-Gipfels 2011 (Zusammenk\u00fcnfte, die eigentlich die Fehler von Kyoto beheben sollten) hat die Unf\u00e4higkeit der kapitalistischen Klasse offengelegt, die globale Erderw\u00e4rmung aufzuhalten. Im Vorfeld der Kopenhagen-Konferenz hatte die UNO dazu aufgerufen, die letzte Chance zur Vermeidung der katastrophalen globalen Erderw\u00e4rmung wahrzunehmen. W\u00e4hrend der Veranstaltung wurde dann aber klar, wie tief die Widerspr\u00fcche in den Beziehungen zwischen den Gro\u00dfm\u00e4chten sind, die eine \u00dcbereinkunft gegen den Klimawandel verhindern.<\/p>\n<p>Direkte Steuern auf Kohlendioxidemissionen, wie viele Vertreter von \u201egr\u00fcnen\u201c Parteien sie bef\u00fcrworten, k\u00f6nnten eine st\u00e4rkere Wirkung haben, als ein System zur Reduzierung der Treibhausgase, wie es Kyoto darstellen sollte. Es bleibt aber festzuhalten, dass Steuern auf Kohlendioxide die \u00e4rmsten Schichten der Gesellschaft am meisten treffen w\u00fcrden. Schlie\u00dflich zahlen die armen Leute f\u00fcr Kraftstoffe einen wesentlich gr\u00f6\u00dferen Anteil ihrer Eink\u00fcnfte. Und das w\u00e4re vor allem dann der Fall, wenn Steuern wie geplant in dem Ma\u00dfe eingef\u00fchrt werden, dass auch Wirkung feststellbar w\u00e4re. Derlei regressive Ma\u00dfnahmen sollten von SozialistInnen abgelehnt werden.<\/p>\n<p>Statt das marktfreundliche System zu unterst\u00fctzen, das in Kopenhagen diskutiert wurde, rufen viele AktivistInnen, die die Dringlichkeit der Lage erkannt haben, dazu auf, Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, die die Treibhausgase reduzieren. Zu diesen Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnten auch Gesetze geh\u00f6ren, die bis zu einem bestimmten Datum eine H\u00f6chstgrenze an Emissionen festlegen. Und jedes Nichteinhalten dieser Werte w\u00fcrde dann dazu f\u00fchren, dass Schritte gegen kriminelle Handlungen eingeleitet werden.<\/p>\n<p>Allerdings w\u00fcrde jeder neue und dann m\u00f6glicherweise sogar wirksame Ansatz auf noch st\u00e4rkeren Widerstand sto\u00dfen, wenn die herrschenden Klassen dieser Welt sich schon gegen die haupts\u00e4chlich kosmetischen Ma\u00dfnahmen wehren, die in Kopenhagen vorgeschlagen wurden. Mittlerweile ist der Beweis erbracht, dass die Regierungen Gro\u00dfbritanniens und weltweit trotz ihrer Beteuerungen, ihnen w\u00fcrde es um das Gegenteil gehen, nicht vorhaben, irgendwelche wirksamen Schritte gegen den globalen Klimawandel einzuleiten.<\/p>\n<p>Die Finanz- und Wirtschaftskrise, die 2007 ihren Anfang nahm, hat es wahrscheinlich werden lassen, dass sogar die bereits ergriffenen Ma\u00dfnahmen wie z.B. das Kyoto-Protokoll von den meisten Staaten wieder abgelehnt werden. Die USA zum Beispiel, nach China der zweitgr\u00f6\u00dfte Emittent von Kohlendioxiden, lehnt es kategorisch ab, sich an internationalen Abkommen zu beteiligen, um die Treibhausgase zu reduzieren. Und das gilt sogar dann, wenn eine Vereinbarung wie das System von Kopenhagen vorgeschlagen wird, das vor Schlupfl\u00f6chern nur so durchzogen war. UmweltaktivistInnen sollten sich mit SozialistInnen zusammentun, um der Unt\u00e4tigkeit der Kapitalisten und ihrer Regierungen den Kampf anzusagen. Auch muss die politische Lehre gezogen werden aus den 20 Jahren, die wegen der Kapitalisten f\u00fcr den Kampf gegen den Klimawandel verloren wurden.<\/p>\n<p>Auf kapitalistischer Grundlage ist nachhaltiges Wirtschaftswachstum nicht realisierbar. Das liegt teilweise daran, dass die Methoden, die angewendet werden, um dies zu erreichen, unangemessen und fehlerhaft sind. Doch in erster Linie liegt es daran, dass die zwischen den Nationalstaaten bestehende Rivalit\u00e4t verhindert, dass es zur n\u00f6tigen internationalen Zusammenarbeit kommt.<\/p>\n<h4>Der sozialistische Ansatz<\/h4>\n<p>In gewisser Weise ist ein Vorgehen gegen die globale Erderw\u00e4rmung relativ einfach zu machen. Schlie\u00dflich bedarf es dazu noch nicht einmal einer technischen Erfindung. Alles, was n\u00f6tig ist, ist die ausgeweitete Anwendung und Weiterentwicklung bereits bestehender Technologien wie etwa der Wind- und Wasserkraft und \/ oder der Solarenergie.<\/p>\n<p>Die technischen Kerngebiete sind:<\/p>\n<p>\u2022 Rasche Umorientierung auf die Nutzung erneuerbarer Energietr\u00e4ger wie Wind- und Wasserkraft und Solarenergie<\/p>\n<p>\u2022 Massiver Ausbau des \u00f6ffentlichen Personennahverkehrs<\/p>\n<p>\u2022 Ausbau und Entwicklung der Eisenbahnnetze, damit der Kurz- und Mittelstreckenflugverkehr zun\u00e4chst reduziert und schlie\u00dflich abgel\u00f6st werden kann<\/p>\n<p>\u2022 Neuausrichtung der Automobilindustrie hin zur Nutzung erneuerbarer Energietr\u00e4ger<\/p>\n<p>\u2022 Ausweitung der Forschung im Bereich der erneuerbaren Energien wie z.B. der umweltfreundlichen Kohleverstromung oder dem Einsatz von Materialien, die nicht auf Roh\u00f6lprodukten basieren<\/p>\n<p>Allerdings kann dieses Programm nur realisiert werden, wenn die Macht und Einflussnahme der Gro\u00dfkonzerne ausgeschaltet wird. Das bedeutet Vergesellschaftung der Schl\u00fcsselindustrien, die die Wirtschaft dominieren. Dieser Schritt wird weltweit n\u00f6tig sein und auch die 147 multinationalen Unternehmen umfassen m\u00fcssen, die \u2013 wie die j\u00fcngsten Erhebungen gezeigt haben \u2013 den Globus dominieren.<\/p>\n<p>Weil die Operationen des auf Konkurrenz und Wettbewerb basierenden Marktes die Umwelt zugrunde richten, ist es essentiell, dieses Marktsystem zur\u00fcckzuweisen, um die globale Erderw\u00e4rmung aufhalten zu k\u00f6nnen. Dies zu tun erfordert eine alternative Herangehensweise bei der Organisierung des Produktionsprozesses. Rationale und demokratische Planung ist nicht nur eine realistische Alternative. Was z.B. den Aspekt des Energiesparens angeht, so birgt sie auch enorme, ihr innewohnende Vorteile gegen\u00fcber dem Markt. So k\u00f6nnte dadurch beispielsweise alles ein Ende finden, was heute noch den Gesetzen der vom Kapitalismus vorgegebenen und scheinbar immerw\u00e4hrenden Auf- und Abschw\u00fcnge unterliegt: die Redundanz von Ressourcen, eine weitere planm\u00e4\u00dfige Veralterung sowie die umfangreiche Vernichtung und Zerst\u00f6rung von Fabriken, Produktionsst\u00e4tten und Maschinenparks, bevor sie dann wieder neu gebaut werden.<\/p>\n<p>Zwei miteinander zusammenh\u00e4ngende Faktoren stellen die Basis f\u00fcr fast alle Bedrohungsszenarien der Umwelt dar. Dabei handelt es sich um das Profitstreben der Gro\u00dfkonzerne sowie \u2013 noch bedeutender \u2013 um die zwangsl\u00e4ufige Tendenz der auf Wettbewerb und Konkurrenz basierenden M\u00e4rkte, die Umwelt zugrunde zu richten. Die Aufgabe ist von gr\u00f6\u00dfter Dringlichkeit. Und zu dieser Aufgabe geh\u00f6rt auch die politische Wiederbewaffnung der Arbeiterbewegung in Gro\u00dfbritannien und weltweit mit einem sozialistischen Programm.<\/p>\n<p>Als ersten Schritt wird dies die Bildung neuer Arbeiter-Massenparteien erfordern, um die diskreditierten alten Arbeiter-Organisationen ersetzen zu k\u00f6nnen. Diese Parteien, wie z.B. die sozialdemokratische (Erg. d. \u00dcbers.) \u201eLabour Party\u201c in Gro\u00dfbritannien, haben \u00fcber Jahrzehnte vollkommen versagt, Programme aufzulegen, um das Zugrunderichten des Planeten aufzuhalten.<\/p>\n<p>Indem sie in den vergangenen 20 Jahren keine wirksame Ma\u00dfnahme ergriffen haben, haben die Vertreter des kapitalistischen Marktsystems daf\u00fcr gesorgt, dass einige der Auswirkungen der globalen Erderw\u00e4rmung bereits als unumkehrbar zu bezeichnen sind. Ungeachtet zuk\u00fcnftiger Ereignisse haben wir es hierbei bereits jetzt mit einer Art historischer Anklage zu tun. Und in der Konsequenz mag es sogar darauf hinauslaufen, dass im Namen des Kapitalismus ein weiteres Schwerverbrechen begangen wird, das nur noch mit den imperialistischen Kriegen des 20. Jahrhunderts zu vergleichen ist.<\/p>\n<p>Um die schlimmsten Folgen der Klimawandels zu vermeiden, sind einschneidende Ma\u00dfnahmen n\u00f6tig. Und diese m\u00fcssen jetzt ergriffen werden. Es gibt aber kein Anzeichen daf\u00fcr, dass das geschehen wird. Und ein Grund daf\u00fcr sind die Rivalit\u00e4ten zwischen den gro\u00dfen Industrienationen. Es ist daher an der internationalen Arbeiterbewegung, ein Programm aufzulegen, das den Ausma\u00dfen des Klimawandels gerecht wird, und das den Kapitalismus durch ein demokratisch-sozialistisches System ersetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern, sind umgehende und ma\u00dfgebende Schritte n\u00f6tig.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[117],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17891"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17891"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17891\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17891"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17891"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17891"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}