{"id":17852,"date":"2012-06-19T00:00:53","date_gmt":"2012-06-18T22:00:53","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.sozialismus.info\/?p=17852"},"modified":"2012-06-28T13:56:00","modified_gmt":"2012-06-28T11:56:00","slug":"syrien-angst-vor-dem-ausbruch-eines-buergerkriegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/06\/syrien-angst-vor-dem-ausbruch-eines-buergerkriegs\/","title":{"rendered":"Syrien: Angst vor dem Ausbruch eines B\u00fcrgerkriegs"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/7446954384_2e94d2a058_b.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-17853\" title=\"7446954384_2e94d2a058_b\" src=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/7446954384_2e94d2a058_b-e1340884534721-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" \/><\/a>Im Kampf gegen das brutale Assad-Regime muss die Arbeiterklasse sich gegen Sektierertum und imperialistische Intervention wehren <\/strong><strong> <\/strong><\/p>\n<p><em>von Niall Mulholland, CWI<\/em><\/p>\n<p>Die T\u00f6tung von 108 Menschen nahe der syrischen Stadt Houla hat die Menschen \u00fcberall schockiert und entsetzt. Besonders abscheulich war der kaltbl\u00fctige Mord an 49 Kindern, von denen viele aus n\u00e4chster N\u00e4he erschossen wurden. Die Spannungen zwischen den Bev\u00f6lkerungsgruppen, welche durch diesen barbarischen Akt gesch\u00fcrt werden, wecken das schreckliche Gespenst eines Abgleitens in einen breiteren Konflikt und einen richtigen B\u00fcrgerkrieg. Wie immer werden die arbeitenden Menschen und die Armen am meisten leiden.<\/p>\n<p>Seit 15 Monaten protestieren die Massen in vielen Teilen Syriens gegen die 40-j\u00e4hrige diktatorische Herrschaft der Assad-Familie. Zun\u00e4chst waren sie Teil des \u201earabischen Fr\u00fchlings\u201c. Da es keine unabh\u00e4ngigen Bewegung der Arbeiterklasse gibt, welche den Kampf anf\u00fchrt, reaktion\u00e4re Regime wie Katar und Saudi Arabien und imperialistische Kr\u00e4fte sich zunehmend einmischen, nimmt der Konflikt in Syrien immer mehr den Charakter eines B\u00fcrgerkriegs mit wachsenden Untert\u00f6nen der Spaltung entlang von religi\u00f6ser Zugeh\u00f6rigkeit an.<\/p>\n<p>Die Westm\u00e4chte, besonders die USA, Gro\u00dfbritannien und Frankreich, waren schnell dabei, die Gr\u00e4ueltat in Houla zu verurteilen. Sie beschuldigen das Regime des syrischen Pr\u00e4sidenten Bashar al-Assad, welcher jede Verantwortung ablehnt. Sicherlich geben viele Augenzeugen und \u00dcberlebende den syrischen bewaffneten Kr\u00e4fte und den Shabiha-Gangs, welche routinem\u00e4\u00dfig Ermordungen und Entf\u00fchrungen von Oppositionellen durchf\u00fchren, die Schuld am Schlachten in Houla. UN- Ermittler sprechen von Indizien daf\u00fcr, dass die Shabiha zumindest einige der Morde am 25. und 26. Mai ausf\u00fchrten.<\/p>\n<p>Bisher sind die Worte der imperialistischen M\u00e4chte zutiefst heuchlerisch und ekelhaft. Hunderttausende ZivilistInnen lie\u00dfen und lassen ihr Leben zuerst im Irak und jetzt in Afghanistan durch die westliche Invasion und Besatzung. In der imperialistischen Suche nach Macht, Einfluss und Zugang zu den Ressourcen finden t\u00e4glich kontrollierte Angriffe unbemannter Flugzeuge in Pakistan, Somalia und im Jemen statt. Am Tag nach dem Massaker in Houla zerfetzte eine Nato-Drohne in Ostafghanistan acht Mitglieder einer Familie.<\/p>\n<p>Wie das brutale Assad-Regime rechtfertigen die westlichen M\u00e4chte den Einsatz unermesslicher milit\u00e4rischer Kr\u00e4fte mit der Behauptung, \u201eterroristische Ziele\u201c anzugreifen. In beiden F\u00e4llen m\u00fcnden diese staatlich gebilligten willk\u00fcrlichen Angriffe in Massenhinrichtungen und potentielle Kriegsverbrechen.<\/p>\n<p>Seit der Aufstand im M\u00e4rz 2011 begonnen hat, sind um die 15.000 Menschen in Syrien gestorben, Berichten zufolge im wesentlichen durch die H\u00e4nde der syrischen Armee und Pro-Assad-Kr\u00e4fte. Unter Obamas Regierung wurden \u00fcber 500 ZivilistInnen allein bei Luftangriffen in Pakistan get\u00f6tet, 175 davon Kinder.<\/p>\n<h4>Kriegsgegner<\/h4>\n<p>Die USA, welche die syrische Opposition unterst\u00fctzen, und Russland, Unterst\u00fctzer des Assad-Regimes, stehen angesichts der sich verschlechternden Situation in Syrien immer mehr auf Kriegsfu\u00df miteinander. Dies spiegelt sich wieder im Streit beim UN-Sicherheitsrat \u00fcber den Umgang mit Syrien.<\/p>\n<p>Russland und China stimmten gegen die Anti-Assad-Resolutionen, die von den USA, Gro\u00dfbritannien und Frankreich gepr\u00e4gt wurden. Trotz ihrer Rhetorik haben die Positionen der USA und Russlands nichts zu tun mit der Notlage der syrischen Menschen. Es geht allein um die Interessen ihrer jeweiligen herrschenden Klassen und ihrer engsten Verb\u00fcndeten.<\/p>\n<p>Die USA, Gro\u00dfbritannien und Frankreich stellten klar, dass sie das Ende des Assad-Regime sehen wollen. Sie haben es lange Zeit als \u00e4rgerliches Hindernis f\u00fcr ihre imperialistischen Interessen in der Region betrachtet. An seiner Stelle h\u00e4tten sie gerne eine f\u00fcgsame pro-westliche Regierung. Nach dem Sturz zweier Schl\u00fcsselverb\u00fcndeter des Westens in der Region im letzten Jahr, Ben Ali und Hosni Mubarak, wollen die imperialistischen M\u00e4chte auch entschlossen sicherstellen, dass der Volksaufstand in Syrien nicht \u00fcber die \u201eakzeptablen\u201c Grenzen (das hei\u00dft in Richtung einer unabh\u00e4ngigen Klassenposition) hinausgeht und sich zu ihrem Vorteil entwickelt.<\/p>\n<p>Die USA verwenden das Versagen des \u201eFriedensplans\u201c von Kofi Annan f\u00fcr die Drohung, \u201eau\u00dferhalb des Annan-Plan\u201c und der Autorit\u00e4t des UN-Sicherheitsrates in Aktion zu treten, mit der Unterst\u00fctzung seiner engsten Verb\u00fcndeten im Syrienkonflikt, Gro\u00dfbritannien und Frankreich. Dies \u00e4hnelt der ber\u00fcchtigten \u201eKoalition der Willigen\u201c unter F\u00fchrung von George Bush und Tony Blair, welche illegalerweise in den Irak einmarschierte.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite sieht Russland Assads Regime als einen entscheidenden Verb\u00fcndeten in der Region, der ihm Zugang zu einem Kriegshafen im Mittelmeer verschafft. Der russische Au\u00dfenminister lie\u00df durchblicken, er sei bereit f\u00fcr eine so genannte \u201eJemenitische L\u00f6sung\u201c, was erfordere, Assad abzusetzen, w\u00e4hrend vieles der Struktur seiner Regierung intakt bleiben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Vorbild ist hierbei ein Plan der Arabischen Liga, der nach Monaten von Massenprotesten einen R\u00fccktritt des jemenitischen Pr\u00e4sidenten Ali Abdullah Saleh zu Beginn des Jahres vorsah.<\/p>\n<p>Der Kreml ist jedoch strikt gegen jede westliche milit\u00e4rische Intervention, besonders nach der bitteren Erfahrung im Libyen-Konflikt im letzten Jahr. Russland unterst\u00fctzte eine Resolution des UN-Sicherheitsrates f\u00fcr eine Flugverbotszone. Aber die westlichen M\u00e4chte benutzten die Resolution, um eine bewaffnete NATO-Intervention in Libyen zu erm\u00f6glichen, die Revolution umzudrehen und Kolonel Gaddafis Regime zu ihren Bedingungen zu st\u00fcrzen, und eine pro-westliche Regierung zu installieren.<\/p>\n<h4>Nato<\/h4>\n<p>Assad zeigt keinerlei Anzeichen, bald zur\u00fcckzutreten oder durch einen internen Putsch zu fallen. Obwohl Syrien von den Sanktionen getroffen wird, hat ein bedeutender Teil seiner Bev\u00f6lkerung, unter anderem viele sunnitische Gesch\u00e4ftsleute, noch nicht entscheidend mit dem Regime gebrochen. Damaskus spekuliert auch auf die Unf\u00e4higkeit des Westens, eine direkte Milit\u00e4rintervention im libyschen Stil durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Der britische Au\u00dfenminister William Hague drohte vor kurzem damit, dass keine Option ausgeschlossen sei im Umgang mit Assad, und warf die Perspektive einer westlichen Milit\u00e4raktion gegen Syrien auf. Aber die Nato-Angriffe auf Libyen im letzten Jahr k\u00f6nnen nicht einfach so in Syrien wiederholt werden, einem Land mit einer weit gr\u00f6\u00dferen Bev\u00f6lkerung und einer Armee, die Milit\u00e4rexperten zufolge viel st\u00e4rker, besser trainiert und ausger\u00fcstet ist.<\/p>\n<p>Assad hat eine Armee von 295.000 Soldaten plus 300.000 aktive Reservisten zu seiner Verf\u00fcgung. Im letzten Jahr war die Nato in der Lage, willk\u00fcrlich Tausende von Eins\u00e4tzen \u00fcber Libyen zu fliegen und mit wenig oder gar keinen Vergeltungsschl\u00e4gen Raketen abzufeuern. Aber Syrien hat \u00fcber 80 Kampfflugzeuge, 240 Kampfhubschrauber und \u00fcber 4.000 Boden-Luft-Raketen, als Teil seines Luftverteidigungssystems. Westliche Milit\u00e4rstrategen r\u00e4umen ein, dass eine Bodeninvasion eine \u201egewaltige Anstrengung\u201d erfordern w\u00fcrde. Westliche Truppen liefen Gefahr, ohne Ausweg in gro\u00dfen, feindlichen st\u00e4dtischen Gebieten festzustecken.<\/p>\n<p>Die verschiedenen Vorschl\u00e4ge, welche die Hilfe f\u00fcr das Opposition und das syrische Regime schw\u00e4chen und hinter einer direkten milit\u00e4rischen Offensive zur\u00fcckbleiben sollen &#8211; \u201ehumanit\u00e4re Korridore\u201c, \u201eSicherheitsgebiete\u201c und \u201eFlugverbotszonen\u201c &#8211; verlangen alle offensive Milit\u00e4roperationen.<\/p>\n<p>So genannte \u2018zivile Zufluchtsorte\u2019 m\u00fcssten gesichert und dann gegen Angriffe verteidigt werden, was nahezu unausweichlich Bodentruppen und Luftwaffe verlangt. Britische Verteidigungsstrategen r\u00e4umen ein, dass jedes milit\u00e4risches Vorgehen gegen Syrien \u201efast unvermeidlich zu einem noch bittereren und blutigeren B\u00fcrgerkrieg f\u00fchren wird\u201d.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus hei\u00dft Syriens komplexe religi\u00f6se und ethnische Zusammensetzung &#8211; eine sunnitische Mehrheit neben christlichen, alewitischen, drusischen, schiitischen, kurdischen und anderen Minderheiten \u2013 dass eine westliche Milit\u00e4rintervention einen Gro\u00dfbrand in einer Region mit vielen konfessionellen und ethnischen Bruchlinien ausl\u00f6sen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Selbst ohne direkte Milit\u00e4rintervention des Westens gleitet Syrien immer weiter in Richtung eines \u201eB\u00fcrgerkriegs libanesischen Stils\u201c ab. Dies wird beg\u00fcnstigt durch die direkte Beteiligung lokaler rechter Regime und Weltm\u00e4chte, die entweder die Opposition oder das Regime unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die reaktion\u00e4ren sunnitischen arabischen M\u00e4chte der Region, angef\u00fchrt von Saudi Arabien und Katar, benutzen die Syrienkrise zur St\u00e4rkung ihrer Position gegen die schiitischen Regime. Mit den USA und Israel im R\u00fccken konfrontieren die sunnitischen Regime den Iran, Syriens wichtigsten Verb\u00fcndeter in der Region.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei, Saudi Arabien, Katar und andere Golfstaaten, von denen jeder seine eigenen Pl\u00e4ne verfolgt, leiten Berichten zufolge Geld und Waffen der Opposition in Syrien, mit stillschweigender Unterst\u00fctzung der USA. Eine l\u00e4nder\u00fcbergreifende Basis operiert von der T\u00fcrkei aus. Bewaffnete Kr\u00e4fte der Opposition behaupten, sie h\u00e4tten letztes Wochenende 80 Soldaten der syrischen Armee get\u00f6tet. Zur selben Zeit gab ein Oberbefehlshaber der Iranischen Revolutionsgarden letzte Woche zu, dass iranische Kr\u00e4fte im Land mit Unterst\u00fctzung Assads operieren.<\/p>\n<p>Der erfahrene Nahost-Journalist Patrick Cockburn schrieb, bewaffnete Rebellen \u201ek\u00f6nnten m\u00f6glicherweise eine Kampagne von Bombardierungen und selektiven Ermordungen in Damaskus anzetteln\u201d (Independent vom Sonntag, 3.Juni 2012). Das Assad-Regime w\u00fcrde sich mit noch grausameren \u201eKollektivstrafen\u201c r\u00e4chen. Damaskus w\u00e4re \u201edas Opfer der gleichen Art Hass, Angst und Zerst\u00f6rung, die Beirut, Bagdad und Belfast in den letzten 50 Jahren ersch\u00fcttert haben.\u201d<\/p>\n<p>Die Spaltung und Aufheizung religi\u00f6ser Unterschiede werden st\u00e4rker. Die christliche Minderheit f\u00fcrchtet dasselbe Schicksal wie ihre Glaubensbr\u00fcder und -schwestern im Irak, die nach der US-gef\u00fchrten Invasion in 2003 \u201eethnisch ges\u00e4ubert\u201c wurden. Das Assad-Regime nutzt und facht diese \u00c4ngste an, um eine Basis unter der christlichen Minderheit zu halten, genauso wie unter den AlewitInnen, DrusInnen und KurdInnen. Die USA, Gro\u00dfbritannien, Frankreich und Saudi-Arabien spielen zusammen mit anderen regionalen sunnitischen Verb\u00fcndeten genauso schamlos die religi\u00f6se Karte aus, um einen \u201eRegimewechsel\u201c in Damaskus herbei zu f\u00fchren und als Teil ihrer Kampagne gegen den Iran und seine Verb\u00fcndeten. All dies k\u00f6nnte potentiell gef\u00e4hrliche Konsequenzen f\u00fcr die Menschen der Nachbarl\u00e4nder und in der Region haben.<\/p>\n<p>Der syrische Konflikt hat bereits auf den benachbarten Libanon \u00fcbergegriffen, wo das Assad-Regime die Unterst\u00fctzung der Hisbollah genie\u00dft, die Teil der Koalitionsregierung ist. 15 Menschen starben in der nordlibanesischen Stadt Tripolis am Wochenende bei K\u00e4mpfen zwischen Sunniten und Alewiten, die f\u00fcr Assad sind. In den vergangenen Wochen verbreiteten sich die Auseinandersetzungen gef\u00e4hrlich nach Beirut und weckten \u00c4ngste vor einem erneuten Ausbruch eines verallgemeinerten sektierischen Konfliktes im Libanon.<\/p>\n<p>Die Arbeiterklasse Syriens und der Region muss alle Formen der religi\u00f6sen Spaltung und jeder imperialistischen Eingreifens oder Einmischung strikt zur\u00fcckweisen<\/p>\n<h4>Intervention<\/h4>\n<p>Der M\u00e4rzaufstand in Syrien 2011 begann als wahre Volksbewegung gegen Assads Polizeistaat , der Erosion des Sozialstaates, hohen Niveaus von Armut und Arbeitslosigkeit, und der Herrschaft der reichen, korrupten Elite.<\/p>\n<p>Durch das Fehlen einer starken vereinigten Arbeiterbewegung mit unabh\u00e4ngigem Programm scheint der mutige Stra\u00dfenprotest weitgehend ruhig gestellt und von einer Reihe von zersplitterten bewaffneten Oppositionsgruppen \u00fcberw\u00e4ltigt worden zu sein. W\u00e4hrend viele SyrerInnen weiterhin dem revolution\u00e4ren Wechsel verschrieben bleiben und religi\u00f6sen Provokationen widerstehen, sind die F\u00fchrer dieser Kr\u00e4fte von reaktion\u00e4ren regionalen Regimes und dem Imperialismus beeinflusst.<\/p>\n<p>Islamistische K\u00e4mpfer aus der irakischen Provinz Anbar, Libyen und woanders haben sich Berichten zufolge der zusammengew\u00fcrfelten bewaffneten syrischen Opposition angeschlossen. Eine gro\u00dfen Autobombenattacke in Damaskus, die Dutzende Menschen im Mai t\u00f6tete, wird weithin Widerstandsk\u00e4mpfern zugeschrieben, die mit Al-Kaida verbunden sind.<\/p>\n<p>Der Syrische Nationalrat (SNC), eine Oppositionsgruppe im Exil, fordert eine Resolution des UN-Sicherheitsrates welche zum \u201eEinsatz von Gewalt\u201c gegen Assad erm\u00e4chtigt, was einer Nato-Intervention im libyschen Stil den Weg ebenen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich viele syrische Menschen in einer verzweifelten Lage befinden und einige wirklich auf Hilfe durch eine Milit\u00e4rintervention von au\u00dfen hoffen m\u00f6gen, zeigen die Ereignisse in Libyen, dass das Engagement der Nato weder Frieden noch Stabilit\u00e4t bringt. Nachdem die Nato ihre Angriffe in Libyen begonnen hatte, stieg die Anzahl der Toten um einen Faktor zwischen 10 und 15. Das vom Krieg ruinierte Land wird heute von hunderten konkurrierender Milizen dominiert, die Lehnsg\u00fcter betreiben.<\/p>\n<p>Um die 150 starben in Stammesauseinandersetzungen in S\u00fcdlibyen im M\u00e4rz; letztes Wochenende \u00fcbernahm eine Miliz zeitweise den Hauptflughafen des Landes. Die vermeintliche Zentralregierung des Landes \u2013 der nicht gew\u00e4hlte, vom Westen eingesetzte Nationale \u00dcbergangsrat \u2013 betreibt seine eigene ber\u00fcchtigte Miliz, das 70.000-Mann-starke Oberste Sicherheitskomitee. Zweifellos trachten die b\u00fcrgerlichen pro-imperialistischen Oppositionsf\u00fchrer in Syrien danach, durch westliche Milit\u00e4rmacht auf eine \u00e4hnliche Art und Weise an die Macht gehievt zu werden.<\/p>\n<p>Die Bedrohung durch eine imperialistische Intervention in Syrien und der wachsenden Beteiligung der reaktion\u00e4ren Regimes Saudi-Arabiens und Katars sind keine Gr\u00fcnde, das Assad-Regime zu unterst\u00fctzen. F\u00fcr SozialistInnen stellen die Revolutionen in Tunesien und \u00c4gypten sowie die viel-versprechende Anfangsphase der syrischen Revolte 2011 die Alternative dar.<\/p>\n<p>Diese zeigten, dass es die gemeinsame Massenbewegung der arbeitenden Menschen und der Jugend ist, welche die Despoten und ihre Regime absetzen und f\u00fcr wirklichen sozialen und politischen Wechsel k\u00e4mpfen kann. Die revolution\u00e4re Bewegung in \u00c4gypten, die seit dem ungerechten Ausgang des Verfahrens gegen Mubarak und seiner Kumpane wieder aufgelebt ist, unterstreicht dass nur radikale Massenaktionen der Arbeiterklasse und der Jugend wirkliche Ver\u00e4nderungen bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die arbeitenden Menschen Syriens, gleich welchen religi\u00f6sen oder politischen Hintergrundes, haben das Recht, sich gegen Assads Staatsmaschinerie und Milizen zu verteidigen. SozialistInnen fordern die sofortige Bildung unabh\u00e4ngiger und demokratisch gew\u00e4hlter Arbeiterverteidigungskomittees, um Stra\u00dfenproteste, Stadtviertel und Betriebe zu verteidigen.<\/p>\n<p>Dies muss damit einher gehen, dass arbeitenden Menschen wieder die Initiative ergreifen in Syrien und Aktionskomitees in allen Gemeinden und Betrieben aufbauen als Basis f\u00fcr eine unabh\u00e4ngige Arbeiterbewegung.<\/p>\n<p>Eine ihrer Aufgaben w\u00e4re, durch unabh\u00e4ngige Untersuchungen die Verantwortlichen f\u00fcr das Massaker in Houla und allen anderen Massakern und Morden zu ermitteln. Dies w\u00fcrde auch die Rolle des Assads Regime und seiner Stellvertretermilizen sowie der regionalen und imperialistischen M\u00e4chte vollst\u00e4ndig aufdecken.<\/p>\n<p>Genauso wie anderswo sind die Vereinten Nationen aufgrund ihrer Unterw\u00fcrfigkeit gegen\u00fcber den gr\u00f6\u00dften Weltm\u00e4chten unf\u00e4hig, Gr\u00e4ueltaten gegen ZivilistInnen zu verhindern oder bewaffnete Konflikte im Interesse der arbeitenden Menschen zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Nach dem Massaker in Houla treffen \u201eKlage\u201c-Streiks Teile Syriens. Proteste gegen Assad gehen auf den Stra\u00dfen einiger St\u00e4dte weiter, so auch in einigen Teilen von Damaskus. Es ist entscheidend, dass all diese Proteste einen religions- und bev\u00f6lkerungsgruppen\u00fcbergreifenden und arbeiterfreundlichen Charakter tragen. Eine vereinigte Arbeiterbewegung in Syrien w\u00fcrde Proteste der ArbeiterInnen entwickeln, Betriebsbesetzungen und Streiks, auch Generalstreiks, um Spaltung zu beseitigen und f\u00fcr den Sturz des Assad-Regimes zu k\u00e4mpfen. Ein Klassenappell an die einfachen Soldaten, sich gegen die Armeeeinheiten zu organisieren, Gewerkschaften zu bilden und sich dem Widerstand anzuschlie\u00dfen, k\u00f6nnte die m\u00f6rderischen Staatskr\u00e4fte spalten und neutralisieren.<\/p>\n<p>Syrische ArbeiterInnen aller religi\u00f6ser und ethnischer Hintergr\u00fcnde brauchen eine eigene Partei mit unabh\u00e4ngiger sozialistischer Politik. Solch eine Partei mit Massenunterst\u00fctzung kann sich erfolgreich der giftigen \u201eTeile-und-Herrsche\u201c-Politik Assads, der regionalen rechten sunnitischen und schiitischen Regimes und des heuchlerischen Imperialismus widersetzen.<\/p>\n<p>Ein sozialistisches Programm, welches f\u00fcr demokratische Arbeiterkontrolle und -verwaltung der Wirtschaft aufruft, um die Lebensbedingungen zu ver\u00e4ndern, Arbeitspl\u00e4tze zu einem Lohn, von dem man leben kann, und freie Bildung zu schaffen, Gesundheitsversorgung und Wohnungen \u2013 w\u00fcrde ArbeiterInnen und Jugendliche inspirieren, sich auf die Seite der Revolution zu schlagen.<\/p>\n<p>Unter einem wirklich sozialistischen Banner, welches sich klar von dem so-genannten \u201esozialistischen\u201c Kr\u00e4fte, die Assad unterst\u00fctzen, abhebt, w\u00fcrde der Volksaufstand gegen das syrische Regime sich an die ArbeiterInnen der Region wenden, um die Revolution zu verbreiten.<\/p>\n<p>Durch die Verbindung der fortschreitenden revolution\u00e4ren Bewegungen in Syrien, Tunesien, \u00c4gypten und anderswo in Nordafrika und dem nahen Osten mit einem sozialistischen Programm f\u00fcr grundlegende Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnte die Arbeiterklasse die Tyrannen st\u00fcrzen und dem klapprigen Kapitalismus der Region und der imperialistischen Einmischung schwere Schl\u00e4ge versetzen. Dies h\u00e4tte enormen Einfluss auf einen Kampf f\u00fcr eine freiwilligen und gleichen Sozialistischen Konf\u00f6deration der Nahen Ostens, in welcher die Rechte aller Minderheiten garantiert w\u00fcrden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Kampf gegen das brutale Assad-Regime muss die Arbeiterklasse sich gegen Sektierertum und imperialistische Intervention wehren <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17852"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17852"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17852\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17852"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17852"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17852"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}