{"id":17773,"date":"2012-07-01T00:00:50","date_gmt":"2012-06-30T22:00:50","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.sozialismus.info\/?p=17773"},"modified":"2012-06-28T10:18:46","modified_gmt":"2012-06-28T08:18:46","slug":"von-ueberteuerten-mieten-und-wohnraummangel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/07\/von-ueberteuerten-mieten-und-wohnraummangel\/","title":{"rendered":"Von \u00fcberteuerten Mieten und Wohnraummangel"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/monopoly.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-17774\" title=\"monopoly\" src=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/monopoly-e1340871498972-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" \/><\/a><\/em><strong>Das Betongold in Krisenzeiten<\/strong><\/p>\n<p>In den letzten Jahren galt der deutsche Immobilienmarkt als der ruhigste der Welt. Ein Teil der herrschenden Klasse bem\u00e4ngelte, dass er hierzulande vom sogenannten Immobilienboom abgeschnitten war. Von 1980 bis 2006 stiegen die Hauspreise in Spanien um 1.342 Prozent, in den USA in der gleichen Zeit um 308 Prozent. Deutschland bildete dagegen mit einem Anstieg von blo\u00df 29 Prozent das Schlusslicht.<\/p>\n<p><em>von Anne Engelhardt, zur Zeit M\u00fcnchen<\/em><\/p>\n<p>Wohin dieser \u201eBoom\u201c f\u00fchrte, ist kein Geheimnis. Das Platzen der Immobilienblase in den USA wurde zum Ausl\u00f6ser der tiefsten Weltwirtschaftskrise seit 1929, in Irland und Spanien sind die Preise auf H\u00e4user in den Keller gesaust. Viele Menschen k\u00f6nnen nun ihre Kredite nicht mehr zahlen.<\/p>\n<p>Genau zu diesem Zeitpunkt beginnt die Immobilienspekulation auch auf scheinbar stabile M\u00e4rkte wie Deutschland \u00fcberzugreifen. Die Investitionen in Gold und sogenanntes \u201eBetongold\u201c sind jedenfalls ein sicheres Zeichen, dass sich trotz aller Wunschfantasien vom Ende der Krise Unsicherheit und Angst vor weiteren Einbr\u00fcchen noch lange nicht gelegt haben. Die \u201eS\u00fcddeutsche\u201c behauptet, dass auf dem Kapitalmarkt derzeit kaum etwas so begehrt ist wie Wohnraum. Offensichtlich bem\u00fchen sich zum Beispiel Immobiliengesellschaften, Pensionskassen, Fonds und Versicherungen zunehmend, ihr Geld aus Sorge vor Inflation und weiteren W\u00e4hrungs- und Aktienturbulenzen sicher anzulegen.<\/p>\n<h4>Gr\u00fcnde f\u00fcr den Mangel an erschwinglichen Wohnungen<\/h4>\n<p>Aus Sicht privater Bauunternehmen, die der Profitlogik verhaftet sind, ist es nur logisch, in so einer Zeit \u00fcberteuerte Luxuswohnungen zu errichten. Dementsprechend schie\u00dfen beispielsweise in M\u00fcnchen, wo akuter Wohnraummangel herrscht, \u201ePal\u00e4ste\u201c aus dem Boden, die sich nur Anleger leisten k\u00f6nnen, die das entsprechende Eigenkapital beisteuern. Denn auch die Banken sind bei der Kreditvergabe vorsichtiger geworden.<\/p>\n<p>Es gibt noch weitere Gr\u00fcnde f\u00fcr fehlenden Wohnraum besonders f\u00fcr Lohnabh\u00e4ngige mit niedrigerem Einkommen. Dazu geh\u00f6rt, dass sich der Bund in den letzten 15 Jahren aus der Wohnungsbauf\u00f6rderung nahezu komplett zur\u00fcckgezogen hat. In der gleichen Zeit haben die L\u00e4nder die Mittel f\u00fcr soziale Wohnraumf\u00f6rderung um 80 Prozent reduziert.<\/p>\n<p>Wohnungsnot kann in manchen Ballungszentren auch f\u00fcr einen Teil der Kapitalisten zum Problem werden, wenn diese auf den Zuzug von flexiblen Arbeitskr\u00e4ften, sowohl im Fachkr\u00e4ftebereich als auch im Niedriglohnsektor, setzen. Dieses Problem entsteht aktuell in M\u00fcnchen.<\/p>\n<h4>Warum schie\u00dfen die Mietpreise in die H\u00f6he?<\/h4>\n<p>Wenn immer mehr Lofts aus dem Boden sprie\u00dfen, dann hat das nat\u00fcrlich Folgen f\u00fcr die Mietpreisentwicklung als Ganzes. Dabei klagen Mieterverb\u00e4nde schon jetzt \u00fcber rasant steigende Mieten, vor allem in einigen Gro\u00dfst\u00e4dten.<\/p>\n<p>Einen wichtigen Grund f\u00fcr das Ansteigen der Mieten liefern die Privatisierungswellen. In Berlin wurden von 2001 bis 2010 \u00fcber 100.000 Wohnungen verkauft. In Baden-W\u00fcrttemberg gab es erst k\u00fcrzlich einen Verkauf von 21.000 Wohnungen, in Bayern steht der Verkauf von 32.000 Wohnungen an, in Hessen wird geplant, \u00fcber 40.000 Wohnungen zu ver\u00e4u\u00dfern. Durch den Verkauf von Wohnraum schwindet der Einfluss von L\u00e4ndern und Kommunen auf die Preisgestaltung der Mieten. Kurzfristig sp\u00fclt der Verkauf Geld in die Kasse. Langfristig bleiben f\u00fcr die \u00f6ffentlichen Kassen Mieteinnahmen aus, was bedeutet, dass auch keine Gelder mehr f\u00fcr den Bau von neuen Wohnungen zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<h4>Armutsgrund Mietwuche<\/h4>\n<p>Die Lage auf dem Wohnungsmarkt macht die Situation f\u00fcr Lohnabh\u00e4ngige noch schwieriger. Durch die Ausweitung des Niedriglohnsektors sind viele darauf angewiesen, sich g\u00fcnstigere Wohnungen zu suchen. Menschen, die durch die Krise ihren Job verlieren, m\u00fcssen bei einem starken Einbruch der Wirtschaft und massiven Steuerausf\u00e4llen damit rechnen, dass der Staat nur noch Wohngeld f\u00fcr begrenzte Zeit zur Verf\u00fcgung stellen wird.<\/p>\n<p>Das bedeutet besonders f\u00fcr Frauen, die gar keinen oder nur schlecht bezahlte Jobs aus\u00fcben, eine gr\u00f6\u00dfere soziale und wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit von ihren Partnern, was selbstbestimmte Lebensplanungen wie zum Beispiel Trennungen oder auch Familiengr\u00fcndungen enorm einschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Statt in Luxuslofts m\u00fcssen Bund und L\u00e4nder in den Bau von sozialem Wohnraum investieren. Guter Wohnraum zu g\u00fcnstigen Preisen kann nur in \u00f6ffentlicher Hand garantiert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Betongold in Krisenzeiten<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[272],"tags":[276],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17773"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17773"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17773\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17773"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17773"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17773"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}