{"id":16866,"date":"2009-01-02T00:00:26","date_gmt":"2009-01-01T23:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.sozialismus.info\/?p=16866"},"modified":"2012-08-21T13:14:12","modified_gmt":"2012-08-21T11:14:12","slug":"castros-kuba-eine-marxistische-kritik-5-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/01\/castros-kuba-eine-marxistische-kritik-5-teil\/","title":{"rendered":"Castros Kuba \u2013 eine marxistische Kritik (5. Teil)"},"content":{"rendered":"<p>Vierter Teil des Buches. <a title=\"Vierter Teil\" href=\"\/?p=16862\">Zur\u00fcck zum 4. Teil<\/a><\/p>\n<h2>Keine R\u00e4te<\/h2>\n<p>Er f\u00fchrt weiter aus: \u201eDie Gewerkschaften arbeiten weniger wie eine unabh\u00e4ngige Arbeiterorganisation als vielmehr wie Delegiertenkomitees der Arbeiter, um sie in Bezug auf die Arbeitsbedingungen zu vertreten und um die knappen Ressourcen gleichm\u00e4\u00dfig an die Arbeiter zu verteilen.\u201cZur Frage der Kontrolle \u00fcber die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Fabriken meint Zeitlin: \u201eUnterschiede zwischen der Partei, den Arbeiterkomitees, der Generalversammlung und den Gewerkschaften als das Instrument, was ihre Interessen vertreten soll, sind in den K\u00f6pfen [der Arbeiter] kaum vorhanden.\u201cIn Bezug auf die Gefahr der B\u00fcrokratie schreibt Zeitlin offen: \u201eEs gibt die M\u00f6glichkeit, dass unter dem sozialen Druck von verfestigten Interessen, die durch Karrieristen, B\u00fcrokraten und politische Opportunisten entstehen k\u00f6nnen (Che nannte dies \u201aGetreide, das auf dem ged\u00fcngten Boden der staatlichen Subventionen in die H\u00f6he schie\u00dft\u2019) und dadurch, dass einige Angeh\u00f6rige der alten Elite in die Verwaltung der Wirtschaft, die Regierungsgesch\u00e4fte und die Partei einbezogen wurden, der Schwung Richtung soziale Gleichheit, der zur Zeit deutlich zu erkennen ist, kaum merklich, sogar unbewusst, abgelenkt werden k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p>Er erkl\u00e4rt, dass Lenin und Trotzki daf\u00fcr waren, dass die Arbeiter die Freiheit haben, sich zu organisieren, um ihre unmittelbaren Interessen zu verteidigen. Unabh\u00e4ngige Gewerkschaften sollten sowohl dazu dienen, einen gesunden Arbeiterstaat zu verteidigen als auch zur Verteidigung der Arbeiter gegen \u201eihren\u201c eigenen Staat. Am wichtigsten sind Zeitlins Kommentare \u00fcber die Leitung von Gesellschaft und Wirtschaft : \u201eZum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt spielen die Arbeiter, obwohl sie sich rege an der Diskussion und den Entscheidungen \u00fcber die Umsetzung der Ziele des nationalen Plans f\u00fcr ihre Fabrik beteiligen, meines Erachtens nach keine Rolle dabei, den Plan selbst zu entwerfen. Sie haben keine Mitsprache \u00fcber die Priorit\u00e4tensetzung bei Investitionen. Die Entscheidung was und wie viel produziert wird, wird von den zentralen Planungsinstitutionen der revolution\u00e4ren Regierung gef\u00e4llt, die dem Ministerrat gegen\u00fcber verantwortlich sind.\u201c<\/p>\n<p>Er macht auch deutlich, das anders als in den Tagen der Revolution als \u201eechte Differenzen zwischen f\u00fchrenden Regierungsleuten \u00f6ffentlich diskutiert wurden, wenn auch in ged\u00e4mpften T\u00f6nen\u201c 1969 so aussah, dass \u201ees keine \u00f6ffentliche Debatte gibt.\u201c Bezug auf die Escalante-Aff\u00e4re Anfang 1968 (siehe dazu die Kuba-Brosch\u00fcre im Anhang) best\u00e4tigt er eher meine Ansicht als die unkritische Meinung Lorimers dar\u00fcber. Er \u00fcber den Prozess gegen die sogenannte \u201eMikro-Fraktion\u201c Anibal Escalante, vormals Organisationssekret\u00e4r der PSP, schreibt er: \u201eEine ganze Reihe der Anklagen der Regierung waren so vage, sie umfassten sogar Positionen aus der Zeit vor der Revolution, die im Widerspruch zur aktuellen Politik der revolution\u00e4ren Regierung standen &#8230; Die Anklagen sind im Kern, dass Escalante und seine Genossen mit der Politik der revolution\u00e4ren Regierung nicht \u00fcbereinstimmen und versuchen, andere von ihren Ideen zu \u00fcberzeugen. Sie wurden beschuldigt, in der Partei \u201aideologische Differenzen zu vertiefen\u2019, obwohl sie \u201abei verschiedenen Gelegenheiten zur Diskussion gebeten wurden, ihre Ideen und ihre Haltung zu diskutieren, welche der Linie der Revolution widersprechen.\u2019\u201c<\/p>\n<p>Seine Schlussfolgerungen: \u201eDieses Verfahren f\u00fchrte dazu, dass oppositionelle Ansichten selbst im Zentralkomitee und unter den meisten revolution\u00e4ren Kadern nicht mehr ge\u00e4u\u00dfert wurden. Es ist ein Pr\u00e4zedenzfall f\u00fcr die Inhaftierung von Revolution\u00e4ren, die von der Parteilinie abweichen &#8230; Sobald \u201aEinstellungen, Ideen und Argumente\u2018 zur Inhaftierung f\u00fchren k\u00f6nnen, existiert das Potential f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung aller widerstreitenden Ideen selbst der loyalsten Revolution\u00e4re. Es ist gut aber nicht ausreichend wenn Fidel nach dem Prozess sagt \u201adas revolution\u00e4re Gericht war nicht so hart wie einige das gew\u00fcnscht hatten, aber letztendlich war unn\u00f6tige H\u00e4rte noch nie ein Charakterzug der Revolution.\u201c<\/p>\n<p>Es steht au\u00dfer Frage, dass in Russland vor der Revolution und der ersten Phase danach Sowjets existierten. Sie wurden durch den B\u00fcrgerkrieg geschw\u00e4cht, in dem die Bl\u00fcte des Proletariats aufmarschierte, um die Revolution gegen die bewaffneten Angriffe des Imperialismus zu verteidigen. Das Proletariat selbst wurde, wie Lenin erkl\u00e4rte, durch den B\u00fcrgerkrieg und den damit verbundenen extremen Entbehrungen nahezu atomisiert. Allerdings war es zu diesem Zeitpunkt noch immer gerechtfertigt, den Staat als relativ gesunden Arbeiterstaat zu beschreiben. Die Macht wurde durch die revolution\u00e4rste Partei der Geschichte ausge\u00fcbt, und, das mag hinzugef\u00fcgt werden, durch die demokratischste Partei. Die F\u00fchrer dieses Staates, namentlich Lenin, Trotzki und die Bolschewiki waren sich der Gefahren der B\u00fcrokratisierung bewusst, die durch die Isolation der Revolution entstanden. Sie ergriffen daher Ma\u00dfnahmen, um diesen Prozess zu verhindern beziehungsweise zu bremsen. In Kuba gab es allerdings keine \u201eSowjets\u201c im marxistischen Sinn des Wortes. Au\u00dferdem hatten die F\u00fchrer der Revolution kein ausgearbeitetes Programm und keine klare Perspektive und waren, wie wir gesehen haben, gezwungen, sich auf die B\u00fcrokratie der \u201eKommunistischen\u201c Partei und die \u00dcberbleibsel des alten Staatsapparates zu st\u00fctzen. Daher war die Situation in Kuba anders als die in Russland zwischen 1917 und 1923.<\/p>\n<p>Unser alter Bekannter Karol, der von Lorimer vollkommen au\u00dfer acht gelassen wird, \u00e4u\u00dfert sich zu den Fragen von Arbeiterdemokratie, R\u00e4ten und dem Fehlen davon in Kuba traurigerweise wesentlich zutreffender als die Ex-Trotzkisten der DSP. Seine Kommentare \u00fcber die Situation in Kuba zeugen von einem tieferen Verst\u00e4ndnis der Frage des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus als es die DSP-F\u00fchrung hat. Er macht die folgenden erhellenden Kommentare: \u201eFidel Castro wird immer wieder sagen: es ist f\u00fcnf mal so schwer, ein Land nach der Revolution zu entwickeln als die Macht zu ergreifen. Er z\u00f6gert nicht, diese These zu belegen, in dem er Beispiele von seinen eigenen praktischen Fehlern gibt, die durch seinen Mangel an Erfahrung gemacht wurden. Aber das ist nicht der Punkt. Der Grund, warum es f\u00fcnf mal so schwierig ist, eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen als die Macht zu ergreifen, ist das Versagen, schon w\u00e4hrend des Kampfes eine sozialistische Perspektive zu entwickeln und die Kontrolle und Verwaltung der neuen Gesellschaft durch das Volk sicherzustellen. Der Sozialismus hat keine M\u00f6glichkeit zum Erfolg, solange nicht \u2013 mitten im Kampf, genau zum Zeitpunkt der sozialen Explosion \u2013 die Initiative ergriffen wird, die schwierige Frage des Verh\u00e4ltnisses zwischen den Massen und der politischen F\u00fchrung zu l\u00f6sen. Aber die Suche nach der L\u00f6sung dieses Problems war niemals Teil des castristischen Vorgehens. Tats\u00e4chlich, ohne Fidel w\u00e4re Kuba wie die Dominikanische Republik, aber das \u00e4ndert nichts an der Tatsache, dass Fidels Methode \u2013 vielleicht die einzig m\u00f6gliche \u2013 die Ursache seiner gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten ist. Ein Volk, das sagt \u201aWenn Fidel Sozialist ist, sind wir es auch\u2018 ist nicht wirklich reif, eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen, ihm wurde lediglich zugestanden, die Aufgabe eines Auszubildenden auf dem Bau zu spielen.\u201c<\/p>\n<p>Wir lehnen Karols Vermutung ab, dass Fidels Methode \u201evielleicht die einzig m\u00f6gliche\u201c ist. Aber der allgemeine Punkt \u00fcber das Bewusstsein der Arbeiterklasse und den Sozialismus ist korrekt. Karol geht auf die Debatten innerhalb der F\u00fchrung kurz nach dem Sieg ein: \u201eIn dieser ganzen Debatte gab es eine L\u00fccke, welche Marxisten h\u00e4tten schlie\u00dfen m\u00fcssen. Weder Che noch seine Gegenspieler haben das Problem der politischen Machtaus\u00fcbung und der Organisation in all den Gesellschaften, in denen es zentralisierte oder reformistische Experimente der Planung und der wirtschaftlichen Verwaltung gegeben hat, wirklich verstanden. Die von beiden Seiten so eifrig zitierten \u201aKlassiker\u2018 hatten Sozialismus niemals nur mit wirtschaftlicher Effizienz gleichgesetzt, soll hei\u00dfen, mit einer Wirtschaft, die von einer kleinen Gruppe kontrolliert wird und die im Namen des Volkes entscheidet, was der beste Weg ist, Arbeit und Freizeit zu organisieren. Man kann bei Marx lange nach diesem Konzept permanenter Delegierung von politischer und wirtschaftlicher Autorit\u00e4t suchen, es bleibt vergebens. Im Gegenteil, f\u00fcr Marx war die gesamte \u00dcbergangsperiode zum Sozialismus und Kommunismus von der direkten Teilnahme aller Arbeiter bestimmt, die alle kommunalen Belange selbst entscheiden. Selbst f\u00fcr Lenin, den Sch\u00f6pfer der Theorie der proletarischen Avantgarde-Partei, war die R\u00e4temacht gegen\u00fcber der Elektrifizierung vorrangig.\u201c<\/p>\n<h4>Zur Frage der \u201edirekten Demokratie\u201c, die von US-amerikanischen linken Intellektuellen<\/h4>\n<p>C. Wright Mills und Paul Baran in Kuba gesehen wurde, meint Karol: \u201eDie Castristen haben niemals so getan, als sei die direkte Demokratie, die aus dem Dialog zwischen Fidel und der Basis bestand, ein Schritt Richtung wirklicher Arbeiterdemokratie. Sie waren weit davon entfernt, \u201aein System st\u00e4rkerer organischer Beziehungen zwischen der rechtm\u00e4\u00dfigen Regierung und dem kubanischen Volk\u2018 aufzubauen und meinten, dass dieses System schon existierte, dass es 1959-60 pl\u00f6tzlich entstanden sei und seinen Wert immer wieder bewiesen habe.\u201c<\/p>\n<p>Seine Schlussfolgerung: \u201eDer Aufbau des Sozialismus kann nicht die Angelegenheit eines Mannes oder einer Gruppe von M\u00e4nnern sein, wie gut ihre Absichten auch sein m\u00f6gen. Wenn das sozialistische Schiff den Hafen sicher erreichen soll, muss jeder an die Ruder \u2013 ein paar Ruderer vorne reichen nicht aus. Das mag sich wie eine Parole anh\u00f6ren, aber sozialistische Demokratie ist kein Luxus, den sich die Leute leisten k\u00f6nnen, wenn alles andere erledigt ist. Solange nicht jeder sein volles Gewicht in die Waagschale wirft, sind die F\u00fchrer nicht anders als die Arbeiter einer nicht auszuhaltenden Belastung ausgesetzt. Unter solchen Umst\u00e4nden spielt es keine gro\u00dfe Rolle, dass die gro\u00dfen Opfer nicht mehr dazu da sind, eine kleine Minderheit von Privilegierten zu bereichern oder das die F\u00fchrer integre Leute sind \u2013 und niemand kann bestreiten, dass die Castristen integer sind. Das Ergebnis ist Teilnahmelosigkeit und das Nachlassen politischen Interesses.\u201c<\/p>\n<p>Diese Zeilen sind vielleicht nicht besonders wissenschaftlich, aber sie dr\u00fccken mehr Sinn f\u00fcr die Wirklichkeit Kubas damals und heute aus als die Ideen Lorimers. Bei unserer Schlussfolgerung, dass eine b\u00fcrokratische Elite die kubanische Gesellschaft dominiert, st\u00fctzen wir uns nicht nur auf diese oder jene Beobachtung von Kommentatoren, sondern auf die Analyse der Prozesse, welche sich mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit nach einer isolierten Revolution entwickeln, wenn sie zudem noch in einem unterentwickelten Land wie Kuba stattgefunden hat. Wir st\u00fctzen uns auf die Erfahrung der russischen Revolution und der folgenden Entwicklung, einschlie\u00dflich der b\u00fcrokratischen Entartung als Produkt der Isolation, wie wir oben ausgef\u00fchrt haben. Es kommt Lorimer \u00fcberhaupt nicht in den Sinn zu fragen, wie, angenommen 1959 bis 1960 wurde in Kuba ein relativ gesunder Arbeiterstaat aufgebaut, dieser sich 30 Jahre halten konnte? Wie konnte Kuba ein gesunder Arbeiterstaat bleiben, ohne die Revolution international auszudehnen, vor allem auf die industrialisierten L\u00e4nder? Wie konnte Kuba der b\u00fcrokratischen Degeneration entgehen, die in Russland nach 1923 erfolgte? Ist es wegen der revolution\u00e4ren Standfestigkeit von Castro und seinem Anhang, einschlie\u00dflich der kubanischen \u201eKommunistischen\u201c Partei? Das ist reiner Idealismus, welcher das gro\u00dfe Erbe Trotzkis ignoriert, dass dieser uns durch die Analyse der objektiven Ursachen der b\u00fcrokratischen Entartung der russischen Revolution hinterlassen hat.<\/p>\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chten wir eine grobe Fehlinterpretation unserer Position durch berichtigen. Er beschuldigt uns zu sagen: \u201eCastro ist der kubanische Stalin.\u201c Das macht er, obwohl er ein Zitat aus unserer Brosch\u00fcre verwendet, welches belegt, dass wir nicht glauben, Castro geh\u00f6re in die gleiche Kategorie wie Stalin. Stalin war eine graue, mittelm\u00e4\u00dfige Figur und spielte keine bedeutende Rolle in der russischen Revolution. Er entwickelte sich zu einem Tyrannen und war der perfekte F\u00fchrer der b\u00fcrokratischen Konterrevolution, welche die bolschewistische Partei vernichtete und das b\u00fcrokratische Regime errichtete. Castro war ein Revolution\u00e4r, allerdings ohne marxistisches Programm oder Analyse. Er bewies enorme Kampfbereitschaft und Improvisationsf\u00e4higkeit im Kampf gegen das Batista-Regime. Es ist ihm auch anzurechnen, dass er den gro\u00dfen Druck der Massen in der fr\u00fchen Phase der Revolution, dem Kapitalismus zu brechen und eine geplante Wirtschaft aufzubauen, nachgegeben hat. Angesichts des Charakters der kubanischen Revolution und der Tatsache, Castro und die Bewegung des 26. Juli aus der stalinistischen Tradition kamen und auch wegen der eigenen kubanischen Traditionen konnte das Regime nicht von Anfang an eine Kopie der Regime in Osteuropa, Russland oder China sein. Die Lage in Kuba war viel st\u00e4rker im Fluss. Wir haben in unserer Brosch\u00fcre erkl\u00e4rt, dass es nicht nur eine massenhafte Unterst\u00fctzung des Volkes f\u00fcr die Revolution gab, sondern auch Elemente von Arbeiterkontrolle in den Fabriken und auf den landwirtschaftlichen G\u00fctern. Allerdings ist das nicht genug, damit wir von einem gesunden Arbeiterstaat reden k\u00f6nnen. Selbst in Jugoslawien unter Tito gab es Elemente von Arbeiterkontrolle in den Fabriken, als die B\u00fcrokratie versuchte, die Initiative der Massen zu nutzen, um die Planwirtschaft aus der Sackgasse zu holen, in welche die b\u00fcrokratische Kaste, die Wirtschaft und Gesellschaft kontrollierte, sie gef\u00fchrt hatte. Wir zitieren wiederum Habel, die interessante Details zu dieser Frage beschreibt.<\/p>\n<p>Sie schreibt \u00fcber Kuba: \u201eEin derartiges hierarchisches Verst\u00e4ndnis der F\u00fchrung ist mehr oder weniger in allen Teilen der Gesellschaft zu finden, sogar soweit, dass man im Betrieb den Direktor oft el jefe (den Chef) nennt. Seine Privilegien und seine Macht gegen\u00fcber den ArbeiterInnen sind offensichtlich. 1983 kritisierte ein Gewerkschaftsaktivist, der Sekret\u00e4r f\u00fcr soziale Angelegenheiten der Basisorganisation in der Leichtindustrie, der an den Sitzungen der consejos de trabajo (Arbeiterr\u00e4te) teilgenommen hatte, das h\u00e4ufige Fernbleiben von bestimmten F\u00fchrungsmitgliedern und forderte, dass die Arbeiterr\u00e4te sich auch mit diesem Problem besch\u00e4ftigen sollten. \u201aDie Verwaltung verh\u00e4lt sich z\u00f6gernd\u2019, erkl\u00e4rte er. \u201aAber ich kann beweisen, dass bei 24 Zeitabrechnungsformularen in diesem Betrieb in 18 F\u00e4llen unberechtigtes Fehlen nachgewiesen wird. Doch die Verwaltung scheute vor einer Auseinandersetzung zur\u00fcck. Ich habe es auf anderen Wegen versucht. Ich wandte mich an die Gewerkschaft, aber die Gewerkschaft hat mich nicht unterst\u00fctzt. Es war f\u00fcr die Gewerkschaftsf\u00fchrer zu schwierig, Druck auszu\u00fcben, denn das w\u00fcrde hei\u00dfen, dass sie sich mit den Chefs anlegen m\u00fcssten. Diese Situation wurde nie gel\u00f6st. Der Arbeiterrat konnte nie etwas unternehmen.\u2019\u201c<\/p>\n<p>Sie erkl\u00e4rt auch: \u201eDie Arbeiterr\u00e4te wurden 1965 eingerichtet, um in den Betrieben Probleme der Disziplin und der \u00dcbertretung von Arbeitsgesetzen zu regeln. Sie bestanden nur aus ArbeiterInnen. Nach dem Gesetz von 1965 mussten sie aus f\u00fcnf Mitgliedern zusammengesetzt sein, die im Betrieb nach geheimer Abstimmung f\u00fcr einen Zeitraum von drei Jahren gew\u00e4hlt wurden. Ihre Aufgabe war es, Streitigkeiten zwischen ArbeiterInnen und Betriebsleitern in Fragen der Disziplin und der Rechte der ArbeiterInnen zu schlichten. Die behandelten Auseinandersetzungen betrafen vor allem Fernbleiben von der Arbeitsstelle, Zu-Sp\u00e4t-Kommen, Nichterf\u00fcllen von Arbeitsaufgaben, Nachl\u00e4ssigkeit, mangelnden Respekt gegen\u00fcber Vorgesetzten, k\u00f6rperliche \u00dcbergriffe, Besch\u00e4digung vor Werkzeug, Betr\u00fcgereien und Diebstahl. Aber auch L\u00f6hne, Arbeitsbedingungen und Versetzungen geh\u00f6rten zu ihrem Verantwortungsbereich.\u201c<\/p>\n<p>Sie weist auf Guevaras Rolle dabei hin: \u201eVon Che initiiert, entwickelten sich diese Arbeiterr\u00e4te in den ersten Jahren zu unabh\u00e4ngigen Einrichtungen, die von den ArbeiterInnen selbst gebildet wurden. Sie hatten eine wirkliche Kontrollgewalt, obwohl sie ihre Befugnisse wegen des allgemein niedrigen Bildungsstandes, der zu Beginn der Revolution herrschte, nur eingeschr\u00e4nkt wahrnehmen konnten. Gegenw\u00e4rtig ist bezeichnend, dass der Mangel an Zeit zu den gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten der Arbeit der Arbeiterr\u00e4te z\u00e4hlt. Die Zahl der Streitf\u00e4lle nahm betr\u00e4chtlich zu und die Arbeiterr\u00e4te wurden kritisiert, weil sie nicht mehr in der Lage waren, sich mit allen Vorg\u00e4ngen zu befassen. Um daraus einen Ausweg zu finden, mussten die ArbeiterInnen ihre Aufgabe zus\u00e4tzlich zu ihrer t\u00e4glichen Arbeitszeit erledigen, was eine Tendenz zur Aufl\u00f6sung der Arbeiterr\u00e4te zur Folge hatte. Die Verk\u00fcrzung der Arbeitszeit h\u00e4tte diese Schwierigkeit beheben k\u00f6nnen, doch jetzt steht die Intensivierung der Arbeit au der Tagesordnung.\u201c<\/p>\n<h2>Entscheidungsprozesse<\/h2>\n<p>\u00dcber die entscheidende Frage der Verwaltung der Wirtschaft zitiert Habel Pisani: \u201eDer Compa\u00f1ero Gada (der Betriebsdirektor) erkl\u00e4rt mit unendlicher Geduld die Grunds\u00e4tze der sogenannten \u201aJojo-Wirtschaft\u2019 die darin besteht, dass die Zahlen, Vorschl\u00e4ge oder Antr\u00e4ge \u201anach oben\u2018 an die Leitung des Plans weitergereicht werden und abgewartet wird, dass \u201avon oben\u2018 die Antworten, Richtlinien und Anordnungen zur\u00fcckkommen in einem endlosen Hin und Her zwischen Basis und F\u00fchrung. Es ist au\u00dferordentlich schwierig, die Ebene zu ermitteln, auf der die Entscheidungen getroffen werden, obwohl die richtige Antwort fast immer darin besteht, \u201aoben\u2018 zu sagen, aber ohne anzugeben, wo.\u201c<\/p>\n<p>Aus den anerkannten Werken wie \u201eCuba or the Pursuit of Freedom\u201c von Hugh Thomas oder Jon Lee Andersons \u201eChe Guevara\u201c entsteht ein Bild \u00fcber den Charakter der -F\u00fchrung zu Beginn der Revolution. Es ist eine F\u00fchrung, die von den Umst\u00e4nden getrieben wird, aber sehr mutig eine geplante Wirtschaft aufbaut. Allerdings ist die Macht nicht in Organisationen verankert, die von der Masse der Bev\u00f6lkerung demokratisch kontrolliert werden. Die Macht war zu Beginn in den H\u00e4nden von Castro, Guevara und der f\u00fchrenden Gruppe konzentriert. Entscheidungen wurden durch pers\u00f6nliches Eingreifen von Castro und anderen gef\u00e4llt und nicht durch die Massenorganisationen. \u00dcber Castros Rolle schreibt Tad Szulc: \u201eSeine Detailversessenheit und seine \u00dcberzeugung, dass er \u00fcber alle Dinge besser Bescheid wei\u00df als jeder andere, haben Castro zu einem Hindernis f\u00fcr die effiziente Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft gemacht &#8230; Dadurch ist eine Seilschaft von B\u00fcrokraten entstanden, die sich gegenseitig absichern. Ein bitterer Witz kursiert in Havanna, dass es am Ende doch ein Zwei-Parteien- System auf Kuba g\u00e4be, bestehend aus der Kommunistischen Partei und der B\u00fcrokratischen Partei. Das Ausma\u00df der Verschwendung von Ressourcen und Talenten ist ersch\u00fctternd.\u201c<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter f\u00fcgt er hinzu: \u201eSeine Ungeduld f\u00fchrte dazu, dass er best\u00e4ndig zwischen kurz-, mittel- und langfristiger Planung hin- und herschwankte sowie zu einer endlosen Reihe von Improvisationen. Keiner Politik wurde genug Zeit gegeben, erfolgreich zu sein (oder ihr Scheitern zu beweisen), und politischer oder vision\u00e4rer Druck brachten Castro dazu, bombastische Projekte zu starten, welche die Wirtschaft unm\u00f6glich bew\u00e4ltigen konnte.\u201c<\/p>\n<p>Habel schreibt: \u201eBereits 1970 prangerte ein kubanischer Intellektueller in aller Deutlichkeit die inzwischen noch gr\u00f6\u00dfere Machtkonzentration in Fidel Castros Hand an. Er betonte vor allem die Notwendigkeit, die Bev\u00f6lkerung und die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen an den Entscheidungen in Wirtschaft und Politik zu beteiligen, angesichts der Unm\u00f6glichkeit, die Partei einzig und allein aus ihrem Zentrum heraus zu f\u00fchren. Damals schon \u00e4u\u00dferte er jedoch Zweifel: \u201aIch bin etwas pessimistisch in bezug auf die M\u00f6glichkeit, dass diese grundlegenden \u00c4nderungen eintreten werden, Gerne w\u00fcrde ich mich irren, aber Fidels eigene Worte machen seine Vorstellung deutlich, Ver\u00e4nderungen bei einzelnen Menschen herbeizuf\u00fchren, einige untergeordnete Probleme zu l\u00f6sen, die die Bev\u00f6lkerung st\u00f6ren, und mit Hilfe von pers\u00f6nlichen Besuchen und Gespr\u00e4chen an den Arbeitspl\u00e4tzen mehr Popularit\u00e4t zu gewinnen. Wie Sie aber verstehen werden, kann dies nichts grunds\u00e4tzlich ver\u00e4ndern, und man darf nicht glauben, dass solche Ma\u00dfnahmen zur Wiederbelebung der Wirtschaft f\u00fchren k\u00f6nnten und in der Lage w\u00e4ren, das Vertrauen der Bev\u00f6lkerung in die F\u00fchrung wiederherzustellen.&#8220;\u201c<\/p>\n<p>Pisani beschreibt den begrenzten Einfluss der Arbeiter bei Entscheidungsprozessen: \u201eIn einem kleinen Betrieb erschienen 75 ArbeiterInnen von insgesamt 300 zur Versammlung, \u00dcber einen selbstkritischen Bericht der Verantwortlichen sagte eine Aktivistin, es handle sich dabei um eine wohlbekannte Technik, die darin besteht, den zu erwartenden Vorw\u00fcrfen bereits im Voraus den Wind aus den Segeln zu nehmen. Obwohl alle Themen aufgegriffen wurden, einschlie\u00dflich der Ziele, die im Plan vorgesehen waren und nicht eingehalten wurden, war die Teilnahme von Jugendlichen nur gering, und \u00dcberdruss kommt zum Vorschein. Zwei Tage zuvor hatte eine Versammlung in der Produktion dieselben Fragen diskutiert, ein Arbeiter machte w\u00e4hrend der zweiten Versammlung die Situation treffend deutlich, als er erkl\u00e4rte: \u201aWir kennen die Schwierigkeiten. Jetzt wollen wir aber gerne wissen, wie sie zu l\u00f6sen sind.\u2019\u201c<\/p>\n<p>Habels Schlussfolgerung: \u201eDies ist eine gute Zusammenfassung der Hauptprobleme, die Kuba betreffen: Diskussion und kritische \u00c4u\u00dferungen werden nicht behindert, aber diese \u201aDaunenfeder-Demokratie\u2018 verleiht denjenigen, die sie aus\u00fcben, keine Macht.\u201c<\/p>\n<p>Es stimmt, dass diese Situation von der Masse der Bev\u00f6lkerung in Kuba hingenommen, ja, gebilligt wurde, vor allem beim Aufbau des Ger\u00fcsts f\u00fcr die Planwirtschaft. Auf dieser Grundlage war Kuba in der Lage, bemerkenswerte Verbesserungen in den Bereichen Gesundheitswesen, Bildung und bei den sozialen Dienstleistungen einzuf\u00fchren. Viele davon existieren heute noch und sind noch immer besser als die Bedingungen in den lateinamerikanischen Nachbarl\u00e4ndern. Das waren wichtige Aspekte der kubanischen Revolution und des aus ihr hervorgegangenen Regimes, die einen Unterschied zu den stark b\u00fcrokratisierten Regimes in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion darstellen. Das Regime war nicht einfach eine Kopie der stalinistischen Regimes in Osteuropa, Russland oder China. Es gab Elemente in Kuba, die dort nicht existierten. Es konnte auch gar nicht anders sein, betrachtet man die Merkmale der Revolution und die Art, wie der neue Staat entstand.<\/p>\n<p>Marxisten m\u00fcssen die Unterschiede zwischen verschiedenen Staaten wahrnehmen. Die anhaltende Beliebtheit von Castros Regime in der ersten Phase der Revolution offensichtlich. Aber es ist auch n\u00f6tig, die fundamentalen Parallelen der \u00d6konomie und des staatlichen Aufbaus herauszuarbeiten, vor allem, als Castro gezwungen war, sich auf die russischen Stalinisten zu st\u00fctzen. Angesichts der Blockade des USImperialismus wandte sich das kubanische Regime dem stalinistischen Russland zu. In der ersten Stufe der Revolution bekr\u00e4ftigte Castro seine Zustimmung zur USA und zu ausl\u00e4ndischen Investitionen auf Kuba. Er bestand darauf, dass das Agrarreform-Gesetz nur brachliegende L\u00e4ndereien betreffen w\u00fcrde. Er trat f\u00fcr mehr US-Tourismus ein und dr\u00fcckte die Hoffnung aus, dass die Vereinigten Staaten, der gr\u00f6\u00dfte Abnehmer kubanischen Zuckers, die Zucker-Quote des Landes erh\u00f6hen w\u00fcrden. Er sagte auch, dass Kuba \u201eden gegenseitigen Beistandspakt mit den USA ehren w\u00fcrde und weiterhin der US-Marine erlauben w\u00fcrde, die Basis in Guantanamo zu nutzen. Und obwohl es f\u00fcr manche in Havanna eine \u00dcberraschung sein mag, wandte er sich auch gegen den Kommunismus und sprach sich f\u00fcr eine freie Presse aus.\u201c<\/p>\n<p>Dies unterstreicht, wie banal und impressionistisch Lorimers Behauptung ist, Castro w\u00e4re vor der Revolution ein bewusster Marxist gewesen. Er tastete sich auf seinem Weg nach vorne, wie auch die russische B\u00fcrokratie. Um Castro zu radikalisieren, um seine gem\u00e4\u00dfigte Haltung, die er direkt nach der Revolution gezeigt hatte, zu \u00fcberwinden, bedurfte es Ereignisse wie der Erpressung Kubas durch die USA, wie der Verh\u00e4ngung der Blockade. Und tats\u00e4chlich, wir werden nicht m\u00fcde das zu sagen, er \u201eunter dem Druck der Massen\u201c f\u00fcr Schritt die Enteignung des Gro\u00dfgrundbesitzes und des Kapitals auf Kuba. Das war f\u00fcr das kubanische Volk und die niedergedr\u00fcckten Massen in Lateinamerika und der gesamten neo-kolonialen Welt ein gewaltiger Schritt vorw\u00e4rts.<\/p>\n<p>Allerdings hatte Chruschtschow, der Vertreter der russischen B\u00fcrokratie par excelllence, kein Interesse daran, dass sich wirklicher Sozialismus im Rest der Welt ausbreitet. Ein gesunder Arbeiterstaat auf der Grundlage einer Demokratie der arbeitenden Menschen war f\u00fcr die B\u00fcrokratie eine ebenso gro\u00dfe Gefahr wie f\u00fcr den Weltimperialismus. Andererseits w\u00e4ren Regime nach dem \u00f6konomischen und politischen Modell Russlands, eine geplante Wirtschaft ohne Arbeiterdemokratie, nicht nur kompatibel, sondern sogar n\u00fctzlich bei den milit\u00e4risch-diplomatischen Man\u00f6vern gegen den US-Imperialismus.<\/p>\n<p>Bei der Unterst\u00fctzung des kubanischen Regimes ging es trotz aller \u00c4u\u00dferungen Chruschtschows \u00fcber die Unterst\u00fctzung \u201esozialistischer Staaten\u201c um die Ausdehnung der Macht und die Verbesserung des Prestiges der stalinistischen B\u00fcrokratie Russlands im Weltma\u00dfstab und nicht um die internationale Revolution. Das zeigte sich sp\u00e4ter anhand der kubanischen Raketenkrise, als Kuba im Schachspiel gegen den US-Imperialismus als Bauer eingesetzt wurde. Die USA hatte Abschussrampen f\u00fcr Nuklearraketen in der T\u00fcrkei aufgestellt, Chruschtschows antwortete mit der Einrichtung von Basen auf Kuba. Nat\u00fcrlich wollte auch das kubanische Regime ein Schutzschild gegen die Angriffe des US-Imperialismus haben, aber das war f\u00fcr Chruschtschow zweitrangig. Seine Politik war bestimmt von den nationalen Interessen der stalinistischen B\u00fcrokratie und nicht von Sorge um die Arbeiter und Bauern auf Kuba und in ganz Lateinamerika.<\/p>\n<p>Trotzkis Schriften \u00fcber den Stalinismus sind sein wichtigster Beitrag, sogar bedeutender als seine Teilnahme and der russischen Revolution und helfen enorm, unser Verst\u00e4ndnis der Prozesse von Revolution, sozialer Konterrevolution und der Welt, in der wir heute leben, zu vertiefen. Trotzkis \u201eSturz von der Macht\u201c, der von oberfl\u00e4chlichen b\u00fcrgerlichen Kommentatoren erstaunt zur Kenntnis genommen wurde, hat nichts mit seinen pers\u00f6nlichen Qualit\u00e4ten oder dem Mangel davon zu tun, sondern ist das Ergebnis eines objektiven Prozesses, verursacht durch die Isolation der Revolution. Trotzki selbst h\u00e4tte auf der Grundlage seiner enormen Autorit\u00e4t in der Roten Armee die Macht \u00fcbernehmen und Stalin st\u00fcrzen k\u00f6nnen. Aber wie er selbst bemerkte, h\u00e4tte das lediglich dazu gef\u00fchrt, dass er zum Gefangenen einer milit\u00e4rischb\u00fcrokratischen Kaste geworden w\u00e4re, die zumindest zu Anfang sogar Schlimmeres h\u00e4tte anrichten k\u00f6nnen als die \u201ezivile\u201c b\u00fcrokratische Schicht, die Stalin unterst\u00fctzte. Er berichtete auch, dass Krupskaya 1927 sagte, dass Lenin, w\u00fcrde er noch leben, wegen der b\u00fcrokratischen Entartung im Gef\u00e4ngnis gelandet w\u00e4re. Der Prozess der B\u00fcrokratisierung ist, wie Trotzki erkl\u00e4rte, auf der Basis der Armut an kulturellen und wirtschaftlichen Ressourcen unvermeidlich. Russland hatte sogar die Ressourcen eines ganzen Kontinents zur Verf\u00fcgung, sah sich jedoch der zwangsl\u00e4ufigen b\u00fcrokratischen Entartung aufgrund seiner Isolation gegen\u00fcber. es in den Worten von Marx zu sagen: wo \u201edie Not verallgemeinert ist, wird der alte Mist wieder hochkommen\u201c. dabei ist, dass der Staat in einer Gesellschaft des Mangels und der Armut nicht nur weiter existieren, sondern sogar wachsen w\u00fcrde. Der B\u00fcrokrat, der notwendig ist, um die Verteilung der knappen G\u00fcter zu regeln und \u00fcberwachen, w\u00fcrde daf\u00fcr sorgen, dass er \u201eals erster und am besten isst\u201c. Die Isolation der russischen Revolution f\u00fchrte zur Entmutigung der Massen, dazu, dass sie beiseite gesto\u00dfen wurden und zum Aufstieg eines b\u00fcrokratischen Funktion\u00e4rsk\u00f6rpers. Am Anfang unterschied sich die materielle Situation der Funktion\u00e4re nicht wesentlich von jener der Massen. Aber Schritt f\u00fcr Schritt konzentrierten sich die Macht und die damit verbundenen Privilegien in den H\u00e4nden dieser Schicht, durch Stalins Aufstieg verk\u00f6rpert. Auf der Basis der Isolation der Revolution ist solch ein Prozess unvermeidlich. Die Urspr\u00fcnge der kubanischen Revolution unterschieden sich von denen der russischen Revolution, aber der Prozess der b\u00fcrokratischen Entartung weist die gleichen grundlegenden Charakterz\u00fcge auf.<\/p>\n<h2>Au\u00dfenpolitik<\/h2>\n<p>Ein Gro\u00dfteil von Lorimers Kritik an unserer Position betrifft die internationalen Auswirkungen der Revolution und die Au\u00dfenpolitik des kubanischen Staates. Die kubanische Revolution hatte weltweit gro\u00dfe Auswirkungen, vor allem in den L\u00e4ndern Lateinamerikas. Es gab enorme Sympathie und Unterst\u00fctzung unter den Unterdr\u00fcckten. Allerdings unterschieden sich die Auswirkungen von denen der russischen Revolution. Die Massen in Lateinamerika und in der gesamten neo-kolonialen Welt sympathisierten mit der Revolution, auch die politisch bewussteren Schichten in der Arbeiterbewegung der industrialisierten L\u00e4nder. Aber im Fall der russischen Revolution hatte die Arbeiterklasse au\u00dferhalb Russlands verstanden, dass ihre Klasse an die Macht gekommen war, demokratische R\u00e4te und einen Staat geschaffen hatte, der zum ersten Mal in der Geschichte zur Herrschaft der Arbeiter gef\u00fchrt hatte. Es gab keine \u00e4hnliche Reaktion auf die kubanische Revolution \u2013 und es konnte sie auch nicht geben, wegen ihrer unterschiedlichen Klassenbasis.<\/p>\n<p>Doug Lorimer reicht als Antwort seine Behauptung, dass die \u201eCastro-F\u00fchrung immer die Notwendigkeit der Mobilisierung der Arbeiter und Bauern betont hat\u201c. Selbst in diesem Satz \u00fcbernimmt die DSP die gleiche Betonung der Castro-F\u00fchrung: \u201eDie Bauern und die Arbeiter\u201c. Anders als sowohl Castro als auch Guevara stellt Lorimer nicht die Frage, welche Klasse die zentrale Rolle spielte und welche sekund\u00e4r war. Guevara ist in seinem Artikel \u201eKuba: Historische Ausnahme oder Avantgarde des antikolonialistischen Kampfes?\u201c deutlich. Er besch\u00e4ftigt sich mit den Methoden, die in der Revolution in Lateinamerika allgemein angewandt werden sollten. Er schreibt: \u201eDie Bauern Amerikas werden, indem sie sich auf die Ideologie der Arbeiterklasse st\u00fctzen, deren gro\u00dfe Denker die sozialen Gesetze entdeckten, welche uns beherrschen, zur gro\u00dfen Befreiungsarmee der Zukunft werden, wie es schon in Kuba geschehen ist.\u201c Aus dieser Zeit k\u00f6nnen Dutzende von Stellungnahmen von Guevara und Castro herangezogen werden, die beweisen, dass ihrer Ansicht nach die Revolution durch die Bauern siegen w\u00fcrde, die mit den Methoden des Guerilla-Krieges k\u00e4mpfen. Karol schrieb 1970, dass Fidel Castro \u201emir immer wieder erz\u00e4hlt hat, dass die kubanische Revolution keine proletarische Revolution sei.\u201c<\/p>\n<p>Die Arbeiterklasse sollte die Rolle einer Hilfstruppe spielen, wie es in der kubanischen Revolution der Fall war. Castro und Guevara versuchten dies in Lateinamerika umzusetzen, indem sie in den 60ern eine Reihe von Guerilla-Organisationen und Guerilla-Foki (Brennpunkte) unterst\u00fctzten. Das war f\u00fcr den gesamten Kontinent eine falsche Strategie, denn die Arbeiterklasse war dort die entscheidende revolution\u00e4re Klasse, wie die Ereignisse in Argentinien, Brasilien, Brasilien, Chile und Uruguay und vielen anderen L\u00e4ndern zeigten.<\/p>\n<p>Eine korrekte Herangehensweise w\u00e4re gewesen, zur Revolution aufzurufen, die in den St\u00e4dten zu mobilisieren, unterst\u00fctzt durch \u201eeine zweite Auflage des Bauernkrieges\u201c, wie es Marx ausdr\u00fcckte, eine Bewegung der armen Bauern auf dem Land. Das fand in der russischen Revolution statt, deren Lehren f\u00fcr die Bef\u00fcrworter des Guerilla-Krieges wie die DSP ein Buch mit sieben Siegeln sind. Damit die lateinamerikanische Arbeiterklasse von allgemeiner Unterst\u00fctzung f\u00fcr die kubanische Revolution zur aktiven Nachahmung \u00fcbergegangen w\u00e4re, w\u00e4re es n\u00f6tig gewesen, dass in Kuba selbst sichtbar geworden w\u00e4re, dass die Arbeiterklasse die direkte Kontrolle und Verwaltung \u00fcber Staat und Gesellschaft aus\u00fcbt. Das war definitiv nicht der Fall, nicht einmal in der fr\u00fchen Phase und sp\u00e4ter noch viel weniger. Richtig ist, dass die F\u00fchrungen der stalinistischen \u201ekommunistischen Parteien\u201c in Lateinamerika ein gewaltiges Hindernis f\u00fcr eine korrekte revolution\u00e4re Politik darstellten. Trotz dieser F\u00fchrung w\u00e4re ein klarer revolution\u00e4rer Appell eines demokratischen Arbeiterstaates, dem Weg der kubanischen Revolution zu folgen, bei der Masse der Arbeiterklasse und den armen Bauern auf fruchtbaren Boden gefallen. Anstatt den Aufbau von wirklichen revolution\u00e4ren Parteien vorzubereiten, die sich zuallererst auf die st\u00e4dtischen Gebiete und die Arbeiterklasse st\u00fctzen, wurde der auf die Bauernschaft gest\u00fctzte Guerilla-Krieg zur bevorzugten Methode, das Beispiel der kubanischen Revolution zu verbreiten. Trotz der revolution\u00e4ren Integrit\u00e4t Guevaras und seiner heldenhaften Anstrengungen, die Massen Lateinamerikas aufzur\u00fctteln, war dies eine falsche Strategie, welche Castro nach Ches Ermordung in Bolivien 1967 und dem Scheitern \u00e4hnlicher Guerilla-Bewegungen aufgeben musste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Debatten \u00fcber die Revolution und Kuba heute <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16866"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16866"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16866\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16866"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16866"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16866"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}