{"id":16862,"date":"2009-01-02T00:00:37","date_gmt":"2009-01-01T23:00:37","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.sozialismus.info\/?p=16862"},"modified":"2012-08-21T13:13:56","modified_gmt":"2012-08-21T11:13:56","slug":"castros-kuba-eine-marxistische-kritik-4-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/01\/castros-kuba-eine-marxistische-kritik-4-teil\/","title":{"rendered":"Castros Kuba \u2013 eine marxistische Kritik (4. Teil)"},"content":{"rendered":"<p>vierter Teil des Buches. <a title=\"dritter Teil\" href=\"\/?p=16859\">Zur\u00fcck zum 3. Teil<\/a><\/p>\n<h2>Gab es Arbeiterdemokratie?<\/h2>\n<p>Carlos Franqui schrieb \u00fcber die M\u00f6glichkeiten am Anfang und seine Entt\u00e4uschung \u00fcber die Machtkonzentration in den H\u00e4nden einer Elite: \u201eTats\u00e4chlich hatten wir die M\u00f6glichkeit unseren eigenen kubanischen Sozialismus aufzubauen, da die Arbeiterklasse, die Bauern, die Jugend des Landes und ein Gutteil der Mittelschichten auf unserer Seite waren. Die Nation fand wieder zu sich selbst, denn sie hatte ihre Reicht\u00fcmer zur\u00fcck erobert, ihre W\u00fcrde wiedergefunden und war frei und unabh\u00e4ngig. Das war der richtige Zeitpunkt, um Vertrauen in die Menschen zu haben und neue Formen des Zusammenlebens zu schaffen. Es w\u00e4re einfach gewesen, die wichtigsten Industrien zu vergesellschaften. Die Zuckerarbeiter waren schon politisiert und es w\u00e4re relativ einfach gewesen, ihnen zu zeigen, dass sie f\u00fcr ihre eigenen Interessen genauso hart arbeiten k\u00f6nnen, wie sie es f\u00fcr die Bosse getan hatten. Das gleiche galt f\u00fcr die Rinderwirtschaft, welche das Land schon mit billiger Milch und Fleisch versorgte. Weitere Industrien wie die Tabakverarbeitung w\u00fcrden den gleichen Weg gehen. Wir h\u00e4tten die Fischerei ermutigen und den Import von Speise\u00f6len stoppen k\u00f6nnen \u2013 eine Absurdit\u00e4t in einem Land, welches Erdn\u00fcsse, Mais und Sonnenblumen produziert. Wir h\u00e4tten uns an das Volk wenden k\u00f6nnen, mit seiner langen Erfahrung der Landarbeit. Die Landreform w\u00e4re kein Problem gewesen, denn nur eine kleine Minderheit der Bauern waren Landbesitzer, die meisten davon, weil die Revolution ihnen das Land gebeben hatte. Wir hatten ein funktionierendes Transportsystem, die Verteilung w\u00e4re also kein Problem gewesen. Selbst die Freiberufler \u2013 unter ihnen 10.000 Mediziner \u2013 unterst\u00fctzten die Revolution. Die konterrevolution\u00e4re Bourgeoisie war schon in die USA geflohen, was f\u00fcr ein Gl\u00fcck, dass wir die los waren. Es gab zur Revolution nirgendwo auf Kuba eine wirkliche Opposition. (Nat\u00fcrlich existierte im Ausland eine Opposition, aber die h\u00e4tte nicht ohne die Unterst\u00fctzung der USA die Revolution st\u00fcrzen k\u00f6nnen.)\u201c<\/p>\n<p>Franqui f\u00e4hrt mit einer Schilderung der w\u00fctenden Debatten zwischen den F\u00fchrern der Revolution fort, welche Richtung man einschlagen solle: Richtung st\u00e4rkerer Kontrolle und Verwaltung durch die Arbeiterklasse und die arme Bauernschaft oder hin zum russischen \u201eSowjet-Modell\u201c. Wie auch Che Guevara hatte Franqui keine klare Vorstellung was getan werden m\u00fcsste, aber seine Bemerkungen zeigen, dass es Widerstand gegen die verst\u00e4rkte Anlehnung an das stalinistische Russland und die unvermeidlich damit zusammenh\u00e4ngende B\u00fcrokratisierung gab.<\/p>\n<p>\u201eWir h\u00e4tten einfach dem Volk die Macht geben m\u00fcssen \u2013 nicht einem Milit\u00e4rdiktator. Wir brauchten das russische Modell oder irgendeinen sowjetischen Einfluss nicht. Unsere These war, wie Kommandant Daniel in einer Polemik mit Che Guevara formulierte: \u201aWir wollen frei sein vom Yankee-Imperialismus, aber wir wollen nicht dem russischen Imperialismus in die Arme laufen, wir vor den USA weglaufen.&#8220;67 &#8230; Russische Ersatzteile waren nutzlos f\u00fcr die in den USA hergestellten Maschinen. Russland produzierte nicht die Dinge, die wir brauchten. Und die russische Wirtschaft, nicht sozialistisch sondern vom Staat kontrolliert, hatte schon in Osteuropa und China ihre mangelnde Effizienz bewiesen. Au\u00dferdem neigen Gro\u00dfm\u00e4chte dazu, die Kleinen zu kontrollieren. In Unterhaltungen mit Fidel formulierten wir unsere Sorgen \u00fcber die Sowjetunion und ihr Modell, vor allem \u00fcber ihre Tendenz zum Staatsmonopol anstatt wirklichen Sozialismus\u2018. Einige von Fidels Entscheidungen machten uns Kopfzerbrechen: Staatsfarmen statt selbstverwalteter Kooperativ-Farmen. Eine Tendenz zum Gigantismus: wo es gro\u00dfe Plantagen gab, vereinte Fidel zehn und machte daraus eine Superplantage. Wir wollten eine b\u00e4uerliche Landwirtschaft, so dass der Gehorsame gegen\u00fcber dem alten Boss nicht durch die Unterordnung unter einen neuen Verwalter, der alte Eigent\u00fcmer nicht durch den Staat als Eigent\u00fcmer ersetzt werden w\u00fcrde. Aber Fidel hatte einen angeborenes Misstrauen gegen\u00fcber dem Volk, er zog die Militarisierung der Organisation vor. Er dachte auch, dass im Frieden und der Wirtschaft die gleichen Regeln wie im Krieg und im Guerilla-Kampf gelten \u2013 dass eine Gruppe von F\u00fchrern alles \u00e4ndern k\u00f6nnte. Aber so war es eben nicht.\u201c<\/p>\n<p>Er zeigt weiterhin auf, dass Fidel Castros Strategie war \u201edie Sowjetunion durch die schnelle \u00dcbernahme der Strukturen des sowjetischen Staates \u2013 die kommunistische Partei und den Staatssicherheitsdienst \u2013 hineinzuziehen. Aber selbst die sowjetisch Regierung wollte diesem Wunsch nicht nachkommen. Die Sowjets rieten zu Geduld und warnten uns best\u00e4ndig, vorher und nachher, Kuba in einen sozialistischen Staat umzuwandeln. Alle sowjetischen Botschafter und Gesandten \u2013 selbst Chrustchow und Mikojan \u2013 verlangten Ruhe und Geduld. So auch China und die Ostblockstaaten. Sie waren alle \u00fcber den beschleunigten und k\u00fcnstlichen Prozess von Verstaatlichungen geschockt, der auf Kuba stattfand. Je mehr sie sich Sorgen machten, desto mehr dr\u00fcckte Fidel aufs Tempo. Er stellte sich eine neue Form von Regierung vor \u2013 eine russische Strukur mit sich selbst an der Spitze \u2013 welche f\u00fcr die Nationen der Dritten Welt perfekt w\u00e4re. In dieser Struktur w\u00e4re es die Rolle des Volkes zu arbeiten und zu gehorchen. Fidel dachte, dass die Teilnehmer an der Revolution nicht bereit f\u00fcr den Sozialismus w\u00e4ren. Das war nicht wahr: wir waren nicht bereit f\u00fcr den russischen Nicht-Sozialismus, nicht bereit f\u00fcr einen neuen caudillo [F\u00fchrer]. In einer Diskussion mit mir sagte Fidel, dass die einzigen Leute auf Kuba, die was vom Sozialismus verst\u00e4nden die alten Kommunisten seien und dass ich meine Vorurteile gegen sie und die Sowjetunion ablegen solle. Er meinte, und sagte das auch, dass das Volk nicht bereit f\u00fcr den Sozialismus war und dass der Stalinismus die einzige M\u00f6glichkeit einer revolution\u00e4ren Minderheit in der Sowjetunion gewesen sei, die Revolution gegen eine nicht-revolution\u00e4re Mehrheit durchzusetzen. Ich muss betonen, dass zu diesem Zeitpunkt kein politischer Apparat in Kuba existierte. Fidel hatte die Bewegung des 26. Juli in der Versenkung verschwinden lasssen und hatte das Direktorium durch zwei Reden im Januar 1959 f\u00fcr erledigt erkl\u00e4rt. Die freien Gewerkschaften, die Volksmilizen, die revolution\u00e4re Presse und ihre Anh\u00e4nger k\u00e4mpften gegen die Reaktion\u00e4re, die alten Kommunisten und den sowjetischen Einfluss. Ra\u00fal, Ramiro, Che und auch Fidel selbst begannen uns zu attackieren. Die Regierung hatte ihren Krieg gegen das Volk begonnnen. Das Volk leistete Widerstand, aber Fidel besa\u00df die Macht, welche das Volk vom Hauptakteur zu untert\u00e4nigen Dienern machte.\u201c<\/p>\n<p>Der einfache Spruch \u201eWess\u2018 Brot ich ess&#8220;, dess\u2018 Lied ich sing\u201c trifft auf die wechselseitigen Beziehungen zwischen Kuba und dem russischen stalinistischen Regime zu. Chruschtschow war bereit, Hilfe zu geben, um die Position des russischen Stalinismus zu verbessern. Das wurde nicht etwa getan, um in der Welt Revolutionen anzusto\u00dfen, sicher nicht, um einen \u201egesunden Arbeiterstaat\u201c aufrechtzuerhalten. Tats\u00e4chlich, das zeigen Franquis \u00c4u\u00dferungen, wollte die stalinistische B\u00fcrokratie nicht einmal einen deformierten Arbeiterstaat auf Kuba aufbauen. Sie tat nichts, um Castro zu seinem Kampf zu ermutigen und wie das Beispiel von Nicaragua in den 80ern zeigt, griff sie ein, um Staaten in der neo-kolonialen Welt daran zu hindern, mit Gro\u00dfgrundbesitz und Kapitalismus zu brechen, wenn sie eine Wahl hatte. Ihr Hauptmotiv war, die Lage des russischen Stalinismus zu st\u00e4rken, vor allem im Vergleich mit den USA. (Die DSP liegt weit daneben, wenn sie uns daf\u00fcr kritisiert, den Ausdruck \u201erussisch\u201c in bezug auf die UdSSR zu verwenden. Alle Staaten der \u201eUdSSR\u201c wurden in der Realit\u00e4t von der zentralisierten russischen B\u00fcrokratie dominiert.) W\u00e4hrend sie nicht von Beginn an die Bildung eines deformierten Arbeiterstaates unterst\u00fctzten, waren Chruschtschow und der russische Stalinismus allerdings bereit, zu seiner Hilfe zu eilen, als die Fakten geschaffen waren. Sie taten dies aus vielerlei Gr\u00fcnden, nicht zuletzt, weil solch ein Regime ein Unruhestifter im Hinterhof des US-Imperialismus w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die DSP und Lorimer macht viel Aufhebens dar\u00fcber, dass Castro die Bildung der Miliz genehmigt hatte und die Privilegien der Staats- und Armee-Funktion\u00e4re sehr begrenzt waren. Er zieht einen f\u00fcr Kuba vorteilhaften Vergleich zu China. Er vertritt die irrige Annahme, dass in den 60er und 70er Jahren die Unterschiede im Lebensstandard der chinesischen Arbeiter und Bauern zu den Spitzen der B\u00fcrokratie gr\u00f6\u00dfer waren als die zwischen den russischen Arbeitern und den obersten Sowjet- B\u00fcrokraten. Mal ganz abgesehen von der nackten Statistik waren die Unterschiede in der Sowjetunion sehr viel gr\u00f6\u00dfer, wenn man die versteckten Privilegien der dortigen B\u00fcrokratie einrechnet. In China konnte es in der ersten Phase nach Maos Sieg auf der Grundlage des niedrigen wirtschaftlichen und kulturellen Niveaus der Gesellschaft ohnehin keine gro\u00dfen Einkommensunterschiede geben. Selbst in der ersten Phase der stalinistischen Entartung in Russland waren die offiziellen Privilegien der wachsenden b\u00fcrokratischen Elite nicht sehr gro\u00df. Die Erinnerung an die Revolution mit ihrem Ideal der Gleichheit war immer noch relativ frisch. Erst die zunehmende Isolierung der russischen Revolution durch die Niederlage von Revolutionen in anderen L\u00e4ndern \u2013 welche wiederum das Ergebnis der falschen Politik Stalins und seiner Gefolgschaft waren \u2013 bereiteten den Boden f\u00fcr die Beseitigung der egalit\u00e4ren Prinzipien der Revolution und f\u00fcr das Auseinanderklaffen der Einkommensschere.<\/p>\n<p>In Kuba waren die Einkommensunterschiede zu Anfang sehr klein, Castro und Guevara \u2013 der letztere auf jeden Fall \u2013 bezogen zu diesem Zeitpunkt eher weniger den kubanischen Durchschnittslohn. Da jedoch die Basis der Bewegung des 26. Juli schmal war, waren Castro und Guevara gezwungen, Posten an die stark b\u00fcrokratisierte PSP zu vergeben und auch die Teile der alten B\u00fcrokratie zu nutzen, die zur Revolution \u00fcbergelaufen waren. Eine Sache ist klar: alle ma\u00dfgeblichen Zeitzeugenberichte \u00fcber die Geschichte Kubas zeigen, dass kein System von Arbeiterkontrolle und -verwaltung, in dem Sinn, wie es Marxisten verstehen, existierte. Carlos Franqui sagt \u00fcber die Situation am Anfang: \u201eKuba war keine neue, von unten aufgebaute Gesellschaft, sondern eine Gesellschaft, in der die Arbeiter eine Produktivkraft waren, gegen\u00fcber den Anweisungen der Machthaber zum Gehorsam verpflichtet. Die Macher dieser neuen Gesellschaft waren Fidel, zehn Commandantes und die Mitglieder der alten Kommunistischen Partei. Es kam zu einer Fusion des russischen Modells und dem neuen diktatorischen Militarismus von Fidel Castro. In einer beil\u00e4ufigen Diskussion mit ihm dr\u00fcckte ich meine Besorgnisse \u00fcber die Entwicklung aus und er machte eine Bemerkung, die mich bis ins Mark ersch\u00fctterte: \u201aNur die alten Kommunisten und die Sowjets wissen alles \u00fcber den Kommunismus. Wir m\u00fcssen geduldig sein und von ihnen lernen.\u2018 Ich sagte, ich kannte die kubanischen Kommunisten besser als er und dass diese nichts \u00fcber den Kommunismus w\u00fcssten. Ich sagte ihm, sie seien unpopul\u00e4r, die Leute betrachteten sie nicht als Revolution\u00e4re und sie hatten mit Batista gemeinsame Sache gemacht. Sie hatten gegen die Revolution von 1930 gek\u00e4mpft, die Arbeiterbewegung ruiniert, den Sturm auf die Moncada-Kaserne verurteilt, hatten das Sierra-Unternehmen und den Untergrundkampf abgelehnt und sich auf die Seite der Tyrannei geschlagen. Fidel sah das auch so aber bestand darauf, dass Kuba die Kommunisten brauchen und von ihnen lernen w\u00fcrde. Ich sagte ihm, er solle vor den Kommunisten aus der zweiten F\u00fchrungsschicht, den J\u00fcngeren aus der Prag-Mexiko-Gruppe, unter ihnen Anibal Escalante und Isidoro Malmierca, auf der Hut sein, da sie Stalinisten mit engen Verbindungen nach Moskau seien. Fidel bestand darauf, dass sich in revolution\u00e4ren Situationen oft gezeigt hatte, dass das Volk noch nicht bereit war und eine revolution\u00e4re Minderheit sich der Sache annehmen und den Sozialismus dem Volk aufzwingen m\u00fcsse. Das war eine Entschuldigung f\u00fcr Stalinismus. Ich konnte es kommen sehen und es gab keinen Ausweg. Aber was konnte das Volk sehen? Es sah, wie die Revolution Eigentum verstaatlichte, Industrien in ausl\u00e4ndischem Besitz enteignete. Es sah, wie die alte Ordnung verschwand und Kuba nationale Unabh\u00e4ngigkeit und W\u00fcrde wiedererlangte. Es konnte auch die m\u00e4chtige CIA und die Kapitalisten sehen, die von au\u00dferhalb des Landes Feldz\u00fcge organisierten. Die Arbeiter unterst\u00fctzten ihre Gewerkschaften so gut sie konnten. Sie wussten, dass die Anschuldigungen gegen die Gewerkschaftsf\u00fchrung falsch waren. Das Einzige, dessen die Gewerkschaften schuldig waren, war, dass sie nicht militant kommunistisch waren. Dies war allerdings so, denn sie hatten ihren Ursprung in den Parteien der Aut\u00e9nticos und Ortodoxos, die wiederum als Ergebnis der Revolution von 1930 entstanden waren, welche Batista zerst\u00f6rt hatte. Warum die Revolution ihr eigenes Kind, die Arbeiterklasse, verschlang, war unerkl\u00e4rlich.\u201c<\/p>\n<p>Er beschreibt weiterhin einen Streit im Pr\u00e4sidentenpalast zwischen ihm und Ra\u00fal Castro. Che Guevara war anwesend. Dieser Dialog ist sehr aufschlussreich. \u201e\u201aDu bist anti-sowjetisch&#8220;, meinte Ra\u00fal zu Franqui. \u201aSchau, Ra\u00fal, wenn die Russen wirklich Sowjets w\u00e4ren, w\u00e4re ich auf ihrer Seite. Die Partei hat die Sowjets [=R\u00e4te] sofort liquidiert. Dein Problem ist, dass du denkst, B\u00fcrokratie und Sowjets w\u00e4ren ein und dieselbe Sache. Das andere ist, dass du Stalin liebst, den Mann, der ein Feind des Volkes war, den neuen Zar, der Tausende Bolschewiki und Millionen Unschuldige t\u00f6tete.\u2019 Ra\u00fal schrie mich an: \u201aNiemand greift Stalin an, wenn ich dabei bin.\u2019 \u201aWirklich? H\u00f6r zu, Ra\u00fal, als ich zum ersten Mal in Moskau war, nannte ich ihn einen motherfucker, direkt vor dem Mausoleum, vor den ganzen Russen. Ich mach es noch mal f\u00fcr dich, gleichhier, wenn du magst.\u2018 Da drehte er durch, mit Schaum vor dem Mund und br\u00fcllte sich die Seele aus dem Leib.<\/p>\n<p>Dortic\u00f3s, [damals kubanischer Pr\u00e4sident, der sp\u00e4ter Selbstmord beging, als er von Castro vorzeitig aus dem Amt entfernt wurde], wie immer ganz der clevere Anwalt, kam rein. \u201aDieser Gentleman ist ein Trotzkist\u2019, sagte er. Ich bestritt dies, f\u00fcgte aber hinzu, dass er mich jederzeit einen Anti-Stalinisten nennen k\u00f6nne. Ich sagte weiterhin, dass ich meine Gedanken nie verheimlicht hatte wie einige andere, die ich kenne. Ich hatte im Miguel-Schultz-Gef\u00e4ngnis gegen\u00fcber Fidel selbst meine Einstellung zu Stalin, Macht, B\u00fcrokratie und Unterdr\u00fcckung beschrieben. Ich sagte, ich w\u00e4re froh, wenn wir \u00fcber die Invasion und Besetzung von Polen, Budapest und Prag reden w\u00fcrden. \u201aWas w\u00e4re, wenn wir dich an die Wand stellen w\u00fcrden? Die Geschichte w\u00fcrde uns Recht geben\u2019, meinte Ra\u00fal. \u201aDie Geschichte gab uns Recht, als wir uns gegen Batista erhoben. Aber jetzt, wo du an der Macht bist und t\u00f6ten kannst wie ein Batista, wirst du lernen, das du dich selbst zum Untergang verdammmst, genau wie Batista. Du kannst dir deine Drohungen sparen&#8220;, antwortete ich. \u201aIch erschie\u00df dich sofort, hier.\u2019 Ich riss mein Hemd auf und schrie: \u201aSchie\u00df wenn du wei\u00dft wie!\u2018 (Man soll nicht denken, dass ich nicht die lustige Seite dieses theatralischen Mists sah. Ich hatte meinen Spa\u00df.) Dann beruhigte sich Ra\u00fal wieder. Ich f\u00fchlte mich l\u00e4cherlich. Aleida March meinte, sie w\u00fcrde jetzt gehen, da sie Leute, die sich so verhalten, nicht ausstehen k\u00f6nne. Dortic\u00f3s versuchte noch einmal, seinen Trotzki-Trick anzuwenden. Ich drehte mich zu ihm um und sagte: \u201aDas ist nicht mein erster wilder Streit mit Ra\u00fal, aber ich habe nicht die Absicht mit Leuten wie ihnen zu streiten, die nicht einmal bei der Revolution dabei waren.\u2018 Sein Kinn zitterte. Das erinnerte mich an Camilo Cienfuegos Lachen, wenn er Leute wie Dortic\u00f3s oder Augusto Mart\u00ednez Sanchez beschrieb und ihr zitterndes Kinn, wenn sie Angst haben. Dortic\u00f3s, wei\u00df vor lauter Wut, wurde polemisch: \u201aMein Herr, sie beleidigen das Amt des Pr\u00e4sidenten.\u2019 \u201aDie einzige Person, die hier beleidigt wurde, bin ich\u2019, war meine Antwort.\u201c<\/p>\n<p>Auf der einen Seite haben wir Franqui, ein wichtiger Teilnehmer der Revolution, verwirrt, aber hochgradig alarmiert \u00fcber die stattfindende B\u00fcrokratisierung. Er versuchte sie, durch Demokratie unter Kontrolle zu bekommen. In der Zeitschrift, die er damals herausgab, ver\u00f6ffentlichte er unter anderem auch Artikel von Trotzki. Dieses und sein Misstrauen gegen\u00fcber der wachsenden b\u00fcrokratischen Elite brachten Dortic\u00f3s dazu, ihn mit dem Schimpfwort \u201eTrotzkist\u201c zu belegen. F\u00fcr die B\u00fcrokratie, die sich auf Kuba damals entwickelte, die durch Typen wie Dortic\u00f3s repr\u00e4sentierte privilegierte Funktion\u00e4rsschicht, war das das absolute \u201eVerbrechen\u201c. Wie kann man diese Erkenntnisse ignorieren oder dazu schweigen? Dortic\u00f3s\u2018 Schm\u00e4hungen kamen von einem Menschen, der nicht in der Revolution gek\u00e4mpft hatte und den Aufstieg einer B\u00fcrokratie symbolisierte. Das macht deutlich, was damals in Kuba geschah. War es ein Missverst\u00e4ndnis, eine ungl\u00fcckliche Wortwahl? Im Gegenteil. In der Politik ist die Sprache nicht zuf\u00e4llig, besonders, wenn die zentralen Interessen von Klassen oder Kasten betroffen sind. \u201eTrotzki\u201c und \u201eTrotzkismus\u201c bedeuten f\u00fcr jede herrschende Klasse und jede b\u00fcrokratische Gruppe auf der Welt das gleiche: eine Bedrohung ihrer Herrschaft durch eine bewusste Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>Selbst wenn in Kuba ein gesunder Arbeiterstaat errichtet worden w\u00e4re, h\u00e4tte die Entartung unvermeidlich begonnen, wenn die Revolution nicht international, vor allem nach Mittelamerika und Lateinamerika insgesamt, ausgebreitet worden w\u00e4re. Aber wie wir sehen k\u00f6nnen, herrschte die kubanische Regierung fast von Beginn an durch die neugebildete \u201eKommunistische\u201c Partei und die CDR. Dies f\u00fchrte dazu, dass die Unterst\u00fctzung durch die Arbeiterklasse von oben angezapft wurde. Tad Szulc machte folgende Bemerkung \u00fcber die CDR (bei seiner Arbeit an dem Buch hatte er sich ausf\u00fchrlich mit Castro unterhalten): \u201eEin professioneller Sicherheitsdienst wurde nicht als ausreichend angesehen und am 28. September, dem Tag nach seiner R\u00fcckkehr aus New York, verk\u00fcndete Castro die Gr\u00fcndung der Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDR), ein System der kollektiven Wachsamkeit des Volkes. Die CDR waren Castros Erfindung \u2013 so etwas existierte nicht einmal in der Sowjetunion. Ihre ersten Aufgaben waren, Polizei und Staatssicherheit zu informieren, wenn sich Fremde in der Nachbarschaft herumtreiben (es gab ein CDR f\u00fcr jeden st\u00e4dtischen H\u00e4userblock, f\u00fcr jede Plantage und jede Farm), wenn sich B\u00fcrger kritisch \u00fcber das Regime \u00e4u\u00dferten usw. Castro sch\u00e4tzte 1986, dass 80 Prozent der Bev\u00f6lkerung den CDR angeschlossen sind, ein bisher nicht gekanntes Sicherheitsnetzwerk. Heute sind die CDR auch f\u00fcr Schutzimpfungen von Kindern und andere kommunale Dienste zust\u00e4ndig.\u201c<\/p>\n<p>Lorimer antwortet auf unserer Kritik an der Rolle der CDR: \u201eTaaffe scheint sich nicht im Klaren dar\u00fcber zu sein, dass die CDR gegr\u00fcndet wurden, um eine repressive Funktion zu erf\u00fcllen \u2013 um die Masse der Arbeiter und Bauern zu organisieren, um (wie schon der Name sagt) konterrevolution\u00e4re Aktivit\u00e4t, Sabotage und Terrorismus, zu unterdr\u00fccken.\u201c<\/p>\n<p>Um sich alle Wege offen zu halten, behauptet er einige Seiten weiter: \u201eZwischen 1974 und 1975 wurden auf der Basis der CDR repr\u00e4sentative Institutionen der Arbeiterdemokratie auf Stadtteil-, Stadt-, Provinz- und landesweiter Ebene geschaffen \u2013 die Organe der Volksmacht. Das sind keine gesetzgeberischen Organe wie im parlamentarischen Modell, sondern arbeitende Gremien, die gesetzgeberische und ausf\u00fchrende Funktionen vereinen. Es sind repr\u00e4sentative Institutionen vom Typ der fr\u00fchen russischen Sowjets.\u201c Lorimer hat keine Vorstellung davon, wie Einrichtungen, die mit Unterst\u00fctzung und Billigung der Massen geschaffen wurden, um gegen die kapitalistische Konterrevolution vorzugehen, bei einer \u00c4nderung der Lage \u2013 durch verst\u00e4rkte B\u00fcrokratisierung \u2013 in ihr Gegenteil verwandelt werden k\u00f6nnen, in eine Waffe gegen Marxisten, Sozialisten und die Kritiker eines b\u00fcrokratischen Regimes. Die Tscheka, der Sicherheitsdienst der bolschewistischen Macht, war urspr\u00fcnglich genutzt worden, die Arbeiterdemokratie zu verteidigen und die b\u00fcrgerliche Konterrevolution zu unterdr\u00fccken. Diese Sicherheitspolizei verwandelte sich in den Samurai der stalinistischen Konterrevolution, obwohl die \u00e4u\u00dfere Form die gleiche blieb wie in der heroischen Phase zuvor. Die Tscheka wurde unter ver\u00e4nderten Umst\u00e4nden dazu genutzt, diejenigen zu unterdr\u00fccken, die f\u00fcr die Arbeiterdemokratie und die urspr\u00fcnglichen Ziele der Revolution eintraten.<\/p>\n<h4>Die Unterdr\u00fcckung der Schriftsteller<\/h4>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man die CDR selbst heute nicht mit der NKWD oder der GPU vergleichen, aber ein Teil ihrer Repression ist nicht gegen kapitalistische Konterrevolution\u00e4re, sondern gegen die gerichtet, die das Castro-Regime von links kritisieren, mehr Freiheit und Offenheit verlangen oder die sich Richtung der Idee der Arbeiterdemokratie bewegen. Lorimer argumentiert, Castro w\u00e4re der moderne Lenin. H\u00e4tte sich Lenin mit dem russischen stalinistischen Regime und seiner Presse gut ? Die Prawda, die erste revolution\u00e4re Zeitung der Bolschewiki, war von der B\u00fcrokratie zu ihrem Sprachrohr gemacht worden, um jedes Verbrechen Stalins und der Stalinisten gegen die Arbeiterklasse zu rechtfertigen. 1968, vier Jahre nachdem Breschnjew Chrustschow ersetzt hatte, meinte Castro bei einem Besuch der UdSSR, \u201ein vollem Ernst, die Prawda w\u00e4re die beste Zeitung der Welt.\u201c Lorimer versucht in skandal\u00f6ser Weise die Verfolgung von Dichtern, Schriftstellern und anderen, die der Revolution sympathisierend gegen\u00fcberstanden, zu rechtfertigen. Tad Szulc gibt reichlich Informationen \u00fcber die Unterdr\u00fcckung dieser Schicht von 1969 bis in die Mitte der 70er und dar\u00fcber hinaus. Er schreibt: \u201e1970 entdeckten die bekanntesten kubanischen Schriftsteller und Dichter auf einmal, dass kein Verlag, keine Zeitschrift ihre Arbeiten drucken w\u00fcrde, ohne jede Erkl\u00e4rung. Dieser geheimnisvolle Bann sollte bis zur Mitte der 70er Jahre anhalten.\u201c<\/p>\n<p>Lorimer entschuldigt sogar die Unterdr\u00fcckung, von der Herberto Padilla im M\u00e4rz 1971 betroffen war. Eine fr\u00fchere trotzkistische Organisation versteigt sich dazu, Padillas \u201eSelbstkritik\u201c, die geradewegs der stalinistischen Schule der Selbsterniedrigung entsprungen ist, zu rechtfertigen. Tad Szulc berichtet weiter: \u201eCastro bef\u00fcrwortete eindeutig das Durchgreifen gegen die kubanischen Intellektuellen, denn die Verhaftung des Dichters Herberto Padilla im M\u00e4rz 1971 musste von ihm pers\u00f6nlich autorisiert werden. Diese Verhaftung f\u00fchrte dazu, dass einige beeindruckende europ\u00e4ische und lateinamerikanische Intellektuelle, darunter Sartre und Garcia M\u00e1rquez, an Castro schrieben und Padillas Freilassung forderten. 37 Tage sp\u00e4ter wurde er freigelassen, nachdem er seine Selbstkritik vorgetragen hatte und andere Schriftsteller aufforderte, es ebenso zu machen. Seine Freunde sahen in ihm einen \u201aVerr\u00e4ter&#8220;, aber Padilla blieb weitere zehn Jahre in Kuba und arbeitete als \u00dcbersetzer f\u00fcr fremdsprachige Literatur. Er ging schlie\u00dflich 1981, nachdem Garcia M\u00e1rquez noch einmal pers\u00f6nlich an seinen Freund Fidel appelliert hatte. Selbst die untert\u00e4nige UNEAC [Kubanische Schriftsteller Vereinigung] protestierte in einem Brief an Castro gegen die lang anhaltende Haft von Homosexuellen in den milit\u00e4rischen Zwangsarbeitslagern und am Ende wurden sie herausgelassen. Die Aff\u00e4re hinterlie\u00df allerdings eine h\u00e4ssliche Narbe auf dem Angesicht der kubanischen Gesellschaft.\u201c<\/p>\n<p>Die DSP behauptet, dass die Padilla-Aff\u00e4re \u201eungl\u00fccklich\u201c war, aber so etwas seitdem nicht mehr vorgekommen ist und dies die Offenheit und die literarische und kulturelle Freiheit auf Kuba zeigt. Tad Szulc sagt dar\u00fcber: \u201eCastros repressive Kulturpolitik hatte der Kreativit\u00e4t in seinem Land einen t\u00f6dlichen Schlag versetzt. Selbst 1986 war das Land ein \u00d6dland der Ideen, unter der Herrschaft einer strikten Selbstzensur. Es kann Generationen dauern, bis Kuba zur freien Kultur wie zur Zeit Jose Mart\u00eds zur\u00fcckkehrt.\u201c Lorimer verwendet die gleiche oberfl\u00e4chliche Herangehensweise, wenn er \u00fcber die angebliche \u201eArbeiterdemokratie\u201c und die \u201eVolksmacht\u201c schreibt, die laut ihm in Kuba existieren. \u00dcber die von Castro so genannte \u201eInstitutionalisierung\u201c der Revolution durch die Einf\u00fchrung der neuen kubanischen Verfassung am 24. Februar 1976 schreibt wiederum Tad Szulc: \u201eIm Laufe der vergangenen 17 Jahre haben das Grundgesetz, was sofort nach dem Sieg von der ersten revolution\u00e4ren Regierung verfasst wurde und buchst\u00e4blich Tausende Gesetze und Erlasse den rechtlichen Rahmen des kubanischen Staates dargestellt \u2013 es gab allerdings niemals Zweifel dar\u00fcber, wo die Macht tats\u00e4chlich lag.\u201c<\/p>\n<p>Mit anderen Worten, Castro und seine Gefolgschaft \u00fcbten die Macht unabh\u00e4ngig von den geltenden Gesetzen aus. Es fand eine landesweite Diskussion \u00fcber die Verfassung , in der die Bildung von \u201evom Volk beherrschten Strukturen der lokalen Selbstverwaltung mit einer Nationalversammlung an der Spitze\u201c wurde, die gesetzgeberische Funktionen haben sollte und als \u201edas oberste Organ der Staatsmacht\u201c beschrieben wurde. Es gab Differenzen dar\u00fcber, nach welcher Methode die Abgeordneten zur Nationalversammlung gew\u00e4hlt werden sollten, zwischen denjenigen, die direkte Wahlen wollten und denjenigen, die vorschlugen, dass die \u201e\u00f6rtlichen Versammlungen der Volksmacht\u201c Kandidaten ausw\u00e4hlen sollten. Direkte Wahlen h\u00e4tten den W\u00e4hlern zumindest theoretisch erm\u00f6glicht, ihre Stimme im Entscheidungsprozess einzusetzen wohingegen die zweite Variante \u2013 Nominierungen f\u00fcr die Nationalversammlung durch \u00f6rtliche Versammlungen \u2013 in der kubanischen Situation bedeutet h\u00e4tte, dass eine Manipulation durch die Kandidatenk\u00fcr auf lokaler Ebene m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Im ersten Entwurf stand noch, dass die Deputierten die Politik des Staates erkl\u00e4ren und ihren W\u00e4hlern regelm\u00e4\u00dfig Rechenschaft sollten. Aber Tad Szulc berichtete, dass dies als \u201ekatastrophal f\u00fcr die Zentralregierung\u201c betrachtet wurde, vor allem im Fall einer direkten Wahl. Der Streit dar\u00fcber war so tiefgehend, dass das Wahlverfahren bei der Volksabstimmung am 15. Februar 1976 \u00fcberhaupt nicht mehr erw\u00e4hnt wurde. Szulc kommentiert: \u201eErst nachdem 97,7 Prozent der W\u00e4hler sich f\u00fcr die Vorlage ausgesprochen hatten, f\u00fcgte die Zentrale Vorbereitungskommission unter dem Vorsitze von Fidel Castro hinzu, dass \u201aDie Nationalversammlung &#8230; sich aus Deputierten zusammensetzt, die von den \u00f6rtlichen Versammlungen gew\u00e4hlt werden.\u2018. Das war das Ende des ersten gr\u00f6\u00dferen Versuches den kubanischen Marxismus zu demokratisieren.\u201c<\/p>\n<p>In der Verfassung wurde Kuba als \u201esozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern und aller anderen manuellen und intellektuellen Werkt\u00e4tigen\u201c definiert, mit der \u201eKommunistischen\u201c Partei als \u201ewichtigste f\u00fchrende Kraft der Gesellschaft und des Staates, welche die gemeinsamen Anstrengungen auf dem Weg zum Aufbau des Sozialismus und dem Weiterschreiten zur kommunistischen Gesellschaft organisiert und leitet.\u201c Sie preist auch Jose Mart\u00ed, der \u201euns zum revolution\u00e4ren Sieg des Volkes gef\u00fchrt hat\u201c, dann Fidel Castro, unter dessen F\u00fchrung \u201edie siegreiche Revolution fortgef\u00fchrt werden wird.\u201c Wieder kommentiert Tad Szulc: \u201eEs wurde in den Verfassungstext eingebaut, dass Castro faktisch zum F\u00fchrer auf Lebenszeit ernannt wurde, mit dem Ergebnis, dass es verfassungsfeindlich w\u00e4re, gegen ihn aufzutreten (und nicht nur \u201akonterrevolution\u00e4r\u2019). Den Regelungen der Verfassung folgend w\u00e4hlte die Nationalversammlung einen 31-k\u00f6pfigen Staatsrat, darunter Fidel Castro als dessen Pr\u00e4sident und Ra\u00fal Castro als ersten Vizepr\u00e4sident. Als Pr\u00e4sident des Rates wurde Castro \u201aOberhaupt des Staates und der Regierung\u2018. So wurde die totale Macht bei ihm konzentriert, als Pr\u00e4sident von Kuba, Vorsitzender des Ministerrates, erster Sekret\u00e4r der Kommunistischen Partei und milit\u00e4rischer Oberbefehlshaber.\u201c<\/p>\n<p>Ra\u00fal Castro als \u201eErster Vizepr\u00e4sident und Armee-General\u201c wurde automatisch als Nachfolger seines Bruders vorgesehen. Fidel Castro \u201esagte in vollem Ernst, dass die Schaffung der Institutionen die Kontinuit\u00e4t der Revolution gesichert h\u00e4tten \u2013 auch nach seinem Tod. Er sagte ohne eine Miene zu verziehen, dass er nicht mehr gebraucht w\u00fcrde, weil schlie\u00dflich sein Bruder Ra\u00fal sein Nachfolger w\u00e4re (dies w\u00e4re automatisch so, weil er die F\u00fchrungsqualit\u00e4ten habe und nicht weil er sein Bruder sei).\u201c Szulc beschreibt weiter: \u201e1986, nach zwei weiteren, alle f\u00fcnf Jahre stattfindenden Kongressen der Kommunistischen Partei, war alles beim Alten geblieben. Fidel Castro war der einzige und ma\u00dfgebliche Autor und Vermittler aller in Kuba getroffenen Entscheidungen. Die Nationalversammlung hielt zwei j\u00e4hrliche Versammlungen ab, wie in der Verfassung beschrieben, aber diese dauerten nur zwei oder drei Tage.\u201c<\/p>\n<p>All dies wird von Lorimer mit dem Staat, der von Lenin und Trotzki 1917 bis 1923 aufgebaut wurde, gleichgesetzt. Allein dies zeigt, wie durcheinander die F\u00fchrer der DSP in bezug auf die Frage der Arbeiterdemokratie sind. Das ist aber nicht nur durcheinander, sondern auch extrem gef\u00e4hrlich. Die DSP ist verantwortlich f\u00fcr die verwirrte politische Ausbildung von potentiell wichtigen revolution\u00e4ren Kr\u00e4ften vor allem in Asien.<\/p>\n<h2>Gibt es eine privilegierte Elite?<\/h2>\n<p>Lorimer verbraucht viele Seiten bei dem Versuch zu erkl\u00e4ren, dass in Kuba keine Elite existierte oder heute existiert. Tats\u00e4chlich meint er, dass die Macht durch die Arbeiter und Bauern ausge\u00fcbt wurde und wird, in der gleichen Weise wie in Russland direkt nach der Revolution. Er bleibt allerdings den Beweis schuldig und \u00e4u\u00dfert sich h\u00f6hnisch dar\u00fcber: \u201eDa ist der \u201aBeweis\u2018 meint Taaffe: \u201a&#8230; schon 1963 beschreibt KS Karol, dass er in einer Fabrik einen Ingenieur getroffen hat, der 17 mal so viel verdient hat wie ein Arbeiter! Er nennt andere Verg\u00fcnstigungen und Privilegien der B\u00fcrokratie wie \u201ahochklassige\u2018 Restaurants wie \u201aMonse\u00f1or\u2019, den \u201aTurm&#8220;, das \u201a1830\u2019, das \u201aFloridita\u2019, welche gewaltige Preise f\u00fcr ein Essen verlangen. Auf der Parteikonferenz der KP 1975 wurde beschlossen, Kubanern zu erlauben, Autos zu kaufen \u2013 was bis dahin ein Vorrecht der Partei- und Staatsfunktion\u00e4re war! \u201aDas sind alle \u201aBeweise\u2018 die Taaffe anf\u00fchrt, um seine Auffassung zu st\u00fctzen.\u2019\u201c<\/p>\n<p>Lorimer bietet eine ganze Reihe von Entschuldigungen auf, um die Privilegien zur rechtfertigen. Sie laufen darauf hinaus, dass die Nobel-Restaurants nur f\u00fcr ausl\u00e4ndische Touristen waren und dass vor 1975 Autos das Vorrecht des Staates waren. Aber spricht das gegen das Argument von Karol, dass dieses \u201eStaatseigentum\u201c fast aussschlie\u00dflich von den Staatsfunktion\u00e4ren genutzt wurde? Guevara, der ein sehr bescheidenes Leben f\u00fchrte und weniger annahm als sein offizielles Gehalt, erkannte die b\u00fcrokratischen Tendenzen schon kurz nach der Revolution \u2013 ganz zu schweigen von heute \u2013 und zeigte keine Toleranz gegen\u00fcber seinen Gefolgsleuten, die solche Tendenzen erkennen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Jon Lee Anderson gibt daf\u00fcr Beispiele. Er schreibt: \u201eEs war allgemein bekannt, dass Che verzichtete, Gehalt anzunehmen, das ihm als Pr\u00e4sident der Nationalbank zustand. Auch als Industrieminister hielt er sich an diese Praxis und nahm standhaft nur seinen sp\u00e4rlichen Sold als Commandante in Anspruch. Orlando Borrego, inzwischen stellvertretender Minister, f\u00fchlte sich daher verpflichtet, ebenfalls nur eine entsprechende Summe seines Gehalts einzubehalten, und \u00fcberlie\u00df den Rest einem Fonds zur Landwirtschafsreform. Es w\u00e4re unschicklich gewesen, mehr Geld als der eigene Vorgesetzte zu verdienen.\u201c<\/p>\n<p>Anderson kommentiert au\u00dferdem: \u201eNicht alle von Ches Genossen, darunter auch einige seiner Mitarbeiter in der F\u00fchrung des Ministeriums, bewunderten seinen offen zu Schau gestellten revolution\u00e4ren Geist &#8230; als die Reichen aus Kuba geflohen waren, hatten sie einen gro\u00dfe Menge Autos hinterlassen, die sofort verstaatlicht wurden. Die verschiedenen Ministerien stellten diese ihren Funktion\u00e4ren und einigen Angestellten zur Verf\u00fcgung. Borrego hatte ein gutes Exemplar erhalten. W\u00e4hrend eines Besuches einer Zuckerfabrik hatte deren Verwalter einen brandneuen Sportwagen von Jaguar ausgesucht, der von seinem Vorbesitzer zur\u00fcckgelassen worden war und hatte vorgeschlagen, dass Borrego ihn nehmen solle, weil niemand anders wisse, wie man damit umgehen kann. Borrego verliebte sich sofort in das Auto und raste damit rund eine Woche stolz herum. Bis zu dem Tag, als er ihn in die Garage fuhr, in der Che und er ihre Autos parkten und Che ihn erblickte. Er ging zu ihm und rief: \u201aDu bis ein chulo \u2013 ein Zuh\u00e4lter.\u201c<\/p>\n<p>In diesem Fall konnte der auf Gleichheit bedachte Che Guevara die Tendenz eines Ministers zum B\u00fcrokratismus erkennen und stoppen. Aber angesichts der Isolation der kubanischen Revolution und ihr Sich-St\u00fctzen auf das stalinistische Russland konnte so die b\u00fcrokratische Entartung insgesamt nicht verhindert werden. Nat\u00fcrlich, wir haben das schon ausgef\u00fchrt, waren die Privilegien der Elite relativ bescheiden, solange die Lava der Revolution noch nicht abgek\u00fchlt war, vor allem, wenn man sie mit dem luxuri\u00f6sen Lebensstil der Eliten in den stalinistischen Staaten Osteuropas, in Russland und selbst in China vergleicht. Aber die Privilegien bestanden nicht nur in Geh\u00e4ltern, die 17 mal so hoch wie die von Arbeitern waren \u2013 Lorimer bezeichnet das als eine Abweichung in nur einer Fabrik. Sie bestehen auch aus den Nobel- Restaurants, die es in Kuba gab und immer noch gibt \u2013 nicht nur f\u00fcr Touristen, sondern auch f\u00fcr die privilegierten Funktion\u00e4re.<\/p>\n<p>Wenn Lorimer unsere Beweise oder die von Karol nicht akzeptieren m\u00f6chte, was ist mit den Schlussfolgerungen von Fran\u00e7ois Maspero in seiner Einleitung zu Janette Habels wichtigen Buch \u201eKuba \u2013 Revolution in Gefahr?\u201c. Beide Autoren stehen der DSP von ihrer Tradition her n\u00e4her. Habel ist ein f\u00fchrendes Mitglied des Vereinigten Sekretariats der Vierten Internationale (VS). Maspero sagte, er sei \u201ewieder der Vierten Internationale beigetreten\u201c, damit meint er wahrscheinlich das VS. Diese Organisation hatte in der fr\u00fchen Phase der Revolution Illusionen in Kuba. Er schreibt: \u201eEs stimmt ja, es ist unn\u00f6tig, Wortspiele zu betreiben: Auf Kuba existiert keine Demokratie. Menschenrechte hat es dort nicht gegeben und sie werden dort nicht respektiert: in den schlimmsten Zeiten wurde die Zahl von 80.000 Gefangenen erreicht. Und weder das Recht auf freie Information, noch das Recht auf Meinungsfreiheit, noch das Recht auf Ausreise wird gew\u00e4hrt.\u201c In Bezug auf Karol, dessen Aussage Lorimer verwirft, schreibt er: \u201eK. S. Karol, der \u2013 von Fidel Castro pers\u00f6nlich dazu ermutigt \u2013 eine gewissenhafte Analyse der castristischen Macht vorgelegt hat, die bis heute die ehrlichste und vollst\u00e4ndigste Quelle dieser Zeit geblieben ist, machte damit gewisse Erfahrungen; ebenso erging es Ren\u00e9 Dumont, der sich in seiner gewohnten Offenherzigkeit zu Fragen der Landwirtschaft und des Sozialismus ge\u00e4u\u00dfert hatte: Fidel denunzierte sie vor einer halben Million KubanerInnen, die schon ganz anderes vernommen hatten, als CIA-Agenten.\u201c<\/p>\n<p>Castro f\u00fchlte sich durch Karols ausf\u00fchrlich belegte Kritik herausgefordert. Ergebnis war, dass Karols Buch und seine Name in Kuba ge\u00e4chtet wurden. In den ersten Jahren waren Privilegien und Korruption noch begrenzt, nahmen aber sp\u00e4ter deutlich zu. Habel widmet der Korruption innerhalb der B\u00fcrokratie, die sich in den 80er Jahren im ganzen Land ausbreitete, fast ein ganzes Kapitel. Hier nur einige Beispiele ihrer Nachforschungen: \u201eDie Verschwendung und allseits bekannte Korruption hatten bei den Lohnabh\u00e4ngigen \u2013 bei der Basis des Systems \u2013 angesichts der Bereicherung bestimmter Teile der Bauernschaft und wegen der Privilegien, die die Verwaltungsb\u00fcrokratie und die hohen Funktion\u00e4re des Wirtschafts- und Staatsapparates genossen, zur Ver\u00e4rgerung gef\u00fchrt. Zus\u00e4tzlich zu den vorhandenen Hinweisen auf Unwirtschaftlichkeit, Verschwendung, Diebstahl und Warenunterschlagung, waren der Schwarzmarkt, der Handel mit Devisen, die Prostitution und Kleinkriminalit\u00e4t in den neu entstehenden Zentren des Tourismus hinzugekommen. In den ersten Jahren nach der Revolution waren diese gesellschaftlichen Fehlentwicklungen betr\u00e4chtlich zur\u00fcckgegangen, ja sogar verschwunden. Im Juni 1986 hatte das Politb\u00fcro der Kommunistischen Partei Kubas eine \u201agr\u00fcndliche Analyse \u00fcber die Kriminalit\u00e4tsproblematik und F\u00e4lle von \u2018antisozialem Verhalten\u2018 mit dem Schwerpunkt Havanna vorgelegt und darin auf F\u00e4lle von \u201aAggression, Gewalt gegen Personen und Vandalismus, die in der Hauptstadt aufgetreten waren\u2019, hingewiesen.<\/p>\n<p>Wenig mehr als ein Jahr sp\u00e4ter hatten sich hohe Funktion\u00e4re in die USA abgesetzt, wobei sie entweder beachtliche Deviseneinnahmen unterschlugen oder materielle M\u00f6glichkeiten ausnutzten und auf diese Weise die Bedeutung bestimmter Privilegien offenkundig machten. 1986 hatte sich der stellvertretende Minister Manuel S\u00e1nchez Perez, der f\u00fcr den Kauf von technischem Zubeh\u00f6r im Ausland zust\u00e4ndig war, mit 499.000 US-Dollar nach Spanien abgesetzt. Nach seinen Angaben \u201awar er dank bestimmter Handelsbeziehungen zu ausl\u00e4ndischen Firmen noch auf Kuba in der Lage gewesen\u2019, diese Betr\u00e4ge mit der Zeit anzuh\u00e4ufen, im Ausland eine Institution zu gr\u00fcnden, die \u201aeine Strategie f\u00fcr die R\u00fcckkehr der Demokratie auf Kuba\u2018 entwickeln sollte. Dies vermittelt einen Eindruck von den Verg\u00fcnstigungen, die die F\u00fchrungsmitglieder genie\u00dfen. Im Mai 1987 gelang es General Rafael del Pi\u00f1o, einem ehemaligen K\u00e4mpfer von Playa Gir\u00f3n, an Bord eines kleinen Flugzeugs vom Typ Cessna 402, die USA zu erreichen. Er war mit seiner Frau und seinen drei Kindern von einem Flughafen aus \u201aunter dem Vorwand, einen Rundflug \u00fcber die Insel machen zu wollen\u2019, gestartet. Die Leichtigkeit, mit der jener General sich einen privaten Flug verschaffen konnte ist erstaunlich. Im Juni 1987 wurde Luis Dominguez, Pr\u00e4sident des Instituts f\u00fcr zivile Luftfahrt (INA), unter der Anklage der Korruption und der betr\u00fcgerischen Unterschlagung von Staatseinnahmen verhaftet. Er stand unter dem Verdacht, \u00fcber eine Summe von 500.000 USDollar auf seinen privaten Bankkonten zu verf\u00fcgen. Nach der Verhaftung von Dominguez setzte sich Kommandant Florentino Aspillaga Lombard, Chef der kubanischen Spionage-Abwehr, in die Tschechoslowakei ab, und im Januar 1988 Gustavo Perez Cortt, Vizepr\u00e4sident des Staatskomitees f\u00fcr Materialbeschaffung und Technologie (CEAMT), nach einer Versammlung des Rates f\u00fcr gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW).<\/p>\n<p>Schon vor der Ochoa-Aff\u00e4re war die Absetzbewegung hoher Funktion\u00e4re ein Symptom f\u00fcr die Versch\u00e4rfung der sozialen und politischen Spannungen und insbesondere f\u00fcr die Unsicherheit, die gerade die Kreise versp\u00fcren, die \u00fcber die gr\u00f6\u00dften Privilegien verf\u00fcgen, weil sie sich vom gegenw\u00e4rtigen Kurs Castros bedroht f\u00fchlen. Korruption, Unterschlagung oder Verwendung von Betriebseinnahmen f\u00fcr private Zwecke wurden mehrfach in der \u00d6ffentlichkeit angeprangert. (\u2026) Im April 1986, anl\u00e4sslich des 25. Jahrestags der Invasion in der Schweinebucht, wurde der Kampf wieder aufgenommen \u201agegen diejenigen, die das Einkommen aus der Arbeit mit dem aus der Spekulation verwechseln, gegen die chaucullos (Betr\u00fcger), die den Diebstahl decken oder wirklichen Diebstahl begehen\u2018. Dieses Leitmotiv tauchte w\u00e4hrend des Gewerkschaftstages der CTC wieder auf: Gewaltige Gewinne wurden angeprangert, die aufgrund des Bestehens eines bedeutenden Privatsektors von \u201aNeureichen\u2018 (Lastwagenbesitzer, Landwirte, mit dem Verkauf von Kunstgegenst\u00e4nden beauftragte Zwischenh\u00e4ndler) eingestrichen werden; von den Verwaltungsfunktion\u00e4ren, die \u00fcber Handelsbeziehungen zum Ausland verf\u00fcgen oder die wegen ihrer Reisen in die westlichen L\u00e4nder Privilegien genie\u00dfen (was ebenfalls von den Jungen Kommunisten auf ihrem Kongress 1987 angeprangert wurde), von den \u201aB\u00fcrokraten, die komfortable Wohnungen besitzen\u2019, und von den Technokraten, die \u201azwei gro\u00dfe Fabriken zur Weiterverarbeitung von Nickel aufbauen und die \u2013 abgesehen von den Wohnungen f\u00fcr den Verwalter und 30 oder 40 leitende Vorgesetzte \u2013 keine weiteren Wohnungen eingeplant haben, w\u00e4hrend die Arbeiter in behelfsm\u00e4\u00dfigen Baracken hausen m\u00fcssen.\u2019\u201c<\/p>\n<h2>Die B\u00fcrokratie und die Arbeiter<\/h2>\n<p>Die Verurteilung des \u201eB\u00fcrokratismus\u201c ist nichts Neues f\u00fcr Castro oder andere f\u00fchrende Pers\u00f6nlichkeiten des Staates. Aber, so schreibt Habel: \u201eSchon 1965 waren Kommissionen eingesetzt worden, die die Aufgabe hatten, \u00fcberz\u00e4hliges Verwaltungspersonal zu verringern. (\u2026) Aber das, was damals angeprangert wurde, ist nicht vergleichbar mit der heutigen Situation. Die 70er Jahre waren Jahre, in denen die Sowjetunion einen bestimmenden Einfluss in allen Bereichen \u2013 in Staat, Politik, Wirtschaft und Ideologie \u2013 errungen hatte. Diese Vorrangstellung und die anschlie\u00dfende Einf\u00fchrung der Wirtschaftsreformen hatten die Zunahme der B\u00fcrokratisierung in einem Land wie Kuba, in dem die Mehrzahl der Waren f\u00fcr den Grundbedarf noch rationiert sind, beschleunigt.\u201c<\/p>\n<p>Nachdem er die Berichte von Karol verworfen hat, zitiert Lorimer Robert Scheer und Maurice Zeitlin, die ihre Analysen auf pers\u00f6nliche Beobachtungen st\u00fctzen. In Buch \u201eCuba \u2013 An American Tragedy\u201c sie eine ausgewogene Betrachtung der fr\u00fchen Jahre der Revolution vor. Franqui warnte jedoch schon kurz nach dem Sieg der Revolution die Schriftsteller und Journalisten, die Kuba besuchten: \u201eF\u00fcr fortschrittliche Leute ist es einfach, die Unterdr\u00fcckung in der kapitalistischen Welt zu erkennen. Gegen diese Unterdr\u00fcckung rebellierten wir in Kuba. Es ist die gleiche Sorte Unterdr\u00fcckung, die die Gef\u00e4ngnisse in Franco-Spanien f\u00fcllt, aus den Schwarzen-Ghettos in New York eine H\u00f6lle macht und Brasiliens Elend zur Karnevals-Zeit versteckt. Aber man sollte mit offenen Augen die Verbrechen betrachten, die den Sozialismus, wie er heute in der Welt praktiziert wird, zum Gegenteil des sozialistischen Ideals machen. Mein Rat an Besucher ist, das was man sieht nicht mit dem zu verwechseln, was wirklich ist. Schaut hinter die Fassade.\u201c Das ist ein Ratschlag, den Lorimer und die DSP heute befolgen sollten. Trotzdem sind Scheer und Zeitlin ehrliche Beobachter der kubanischen Revolution in ihrem ersten Jahrzehnt. Obwohl sie ein idealisiertes und romantisches Bild der Lage in Kuba malen, so entspricht doch ihre Schilderung der Tatsache, dass die Privilegien in der ersten Phase der Revolution nicht sehr gro\u00df waren: \u201eEs gab nicht viele Fabrikleiter, die mehr verdienten als der am besten bezahlte Facharbeiter in der Fabrik. Ein typischer Verwalter bekam das niedrige Gehalt von 350 Dollar im Monat, viele verdienten nicht mehr als 250 Dollar. Viele Verwalter waren fr\u00fcher Facharbeiter in der selben Fabrik gewesen. Ihre Geh\u00e4lter waren nicht nur relativ niedrig, weil Che, der Industrieminister das als ein sozialistisches Prinzip ansah, sondern auch, weil die L\u00f6hne eingefroren wurden und die Fabrikleiter die gleichen Geh\u00e4lter bekamen wie in ihren vorherigen Jobs. Einige von ihnen konnten \u201anebens\u00e4chliche\u2018 materielle Verg\u00fcnstigungen genie\u00dfen, wie zum Beispiel ein Auto, wenn ihre Arbeit dies erforderte.\u201c<\/p>\n<p>Allerdings spricht das nicht gegen unsere Annahme, dass der Umfang der Privilegien dieser noch nicht gefestigten B\u00fcrokratie sehr gering war. Es konnte in der ersten Phase der Revolution auch gar nicht anders sein. Aber selbst zu diesem Zeitpunkt bekamen die Funktion\u00e4re einige \u201eLuxusg\u00fcter\u201c, zum Beispiel die M\u00f6glichkeit, Autos zu fahren, was f\u00fcr die Massen nicht m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem fand auf der Grundlage des industriellen Wachstums eine Differenzierung zwischen der Masse der Bev\u00f6lkerung und einer gr\u00f6\u00dfer werdenden B\u00fcrokratie statt. Diese musste sch\u00e4rfer werden, da die Kontrolle und Verwaltung \u00fcber Staat und Gesellschaft nicht in den H\u00e4nden der Arbeiter und armen Bauern lag. Tats\u00e4chlich belegt Zeitlin das Fehlen wirklicher Arbeiterdemokratie in der fr\u00fchen Periode der Revolution. Er schreibt: \u201eDie Mitglieder der Regierung, die Kabinettsmitglieder, sind nicht der Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber rechenschaftspflichtig, welche sie nicht gew\u00e4hlt und keine direkte Stimme bei ihrer Auswahl hatte, sondern nur sich selbst und einer Handvoll F\u00fchrer \u2013 Fidel, Ra\u00fal, Che \u2013 gegen\u00fcber, welche sie ernannt haben. Diese F\u00fchrer sind die wirkliche Regierung. Sie treffen die Entscheidungen. Es gibt keine offiziellen Kan\u00e4le, durch welche die Massen sie beeinflussen oder absetzen k\u00f6nnten. (Man darf andererseits nicht vergessen, dass das Volk bewaffnet ist. Egal wo man hingeht, man sieht immer einfache B\u00fcrger, darunter Frauen mit langen Fingern\u00e4geln und St\u00f6ckelschuhen, mit Gewehren oder halbautomatischen Waffen \u00fcber den Schultern. Wenn das auch keine offizielle Methode ist, die Rechenschaftspflicht der Regierungsmitglieder herzustellen, wird doch zumindest ein gewisses Gegengewicht geschaffen.)\u201c<\/p>\n<p>Ja, es gab zu Anfang ein \u201eGegengewicht\u201c, verk\u00f6rpert durch die Miliz und die Elemente von Arbeiterdemokratie, aber dies alleine war nicht ausreichend, und ist es heute nicht, das Wachstum der b\u00fcrokratischen Elite zu stoppen. Zeitlin schreibt weiter: \u201e[Die revolution\u00e4ren F\u00fchrer] hatten es vers\u00e4umt, eigenst\u00e4ndige Machtzentren au\u00dferhalb der Partei zu schaffen, welche die St\u00e4rke der Partei kontrollieren und ausgleichen k\u00f6nnten. Sie machten augenscheinlich keinen Versuch, neue autonome Institutionen zu gr\u00fcnden, um eine andere Meinung zu erm\u00f6glichen und die Einschr\u00e4nkungen der pers\u00f6nlichen Freiheit zu verhindern..\u201c Das gleiche berichtet er in bezug auf die Unabh\u00e4ngigkeit der Gewerkschaften in einem Arbeiterstaat. Guevara verteidigte in einer Diskussion mit Zeitlin das Recht der Arbeiter zu streiken und vertrat die Meinung, dass \u201eStreiks das Ergebnis von Fehlverhalten der Verantwortlichen auf allen Ebenen der Industrie sind. Und sie sind \u2013 selbstverst\u00e4ndlich sollten sie nicht ermutigt werden \u2013 eine notwendige Waffe der Arbeiterklasse, wenn alle anderen Mittel versagt haben.<\/p>\n<p>Guevara hatte verstanden, dass die Gewerkschaften in einem Arbeiterstaat sowohl zur Unterst\u00fctzung \u201eihres\u201c Staates gebraucht werden als auch zur Verteidigung der Arbeiterklasse gegen den selben Staat. Doch die F\u00fchrer vieler Gewerkschaften teilten Guevaras Meinung. Jesus Sotu, Organisationssekret\u00e4r der Zentralen Arbeiterorganisation und ein weiteres Mitglied des Exekutivkomitees der Gewerkschaften und Chefredakteur von dessen Zeitung machten dies in einer Diskussion mit Zeitlin deutlich: \u201eKeiner von ihnen vertrat auch nur das elementare leninistische Konzept, dass die Gewerkschaften eine Rolle als Verteidiger gegen \u201ab\u00fcrokratische Deformationen\u2018 in einer \u201asozialistischen Gesellschaft\u2018 spielen sollen. Beide betonten die Aufgabe der Gewerkschaften, die Produktivit\u00e4t der Arbeiter anzuheben &#8230; [aber] keiner erw\u00e4hnte, dass eine Gewerkschaft die unmittelbaren Interessen der Arbeiter besch\u00fctzten sollte.\u201c<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter beschreibt Zeitlin in \u201eCuba\u2019s Workers, Workers\u2018 Cuba, 1969\u201c, eine neue Einleitung zu seinem Buch \u201eRevolutionary Politics and the Cuban Working Class\u201c, seine Eindr\u00fccke \u00fcber das damalige Kuba. Lorimer st\u00fctzt sich stark auf diesen Bericht, um zu widerlegen, was wir \u00fcber die Existenz einer b\u00fcrokratischen Elite sagen. Er behauptet, dass Zeitlin belegt h\u00e4tte, dass es nicht \u201evon Anfang an\u201c eine \u00fcrokratie gegeben hat, selbst bis 1969 nicht. Er meint, dass Kuba im ersten Jahrzehnt der Revolution faktisch ein Regime des \u201eKriegskommunismus\u201c erlebt h\u00e4tte, \u00e4hnlich wie in der Zeit des B\u00fcrgerkrieges direkt nach der russischen Revolution. Nicht nur dass es \u201eKriegskommunismus\u201c gegeben h\u00e4tte, das Regime in Kuba war, so behauptet er, vom gleichen Charakter wie das Lenins und Trotzkis, grundlegend ein gesunder Arbeiterstaat mit leichten b\u00fcrokratischen Deformationen. Viele von Zeitlins Kommentaren sind wertvoll, sie zeigen, dass selbst angesichts gro\u00dfer Schwierigkeiten in den 60er Jahren die Masse der Arbeiterklasse und der Landbev\u00f6lkerung die kubanische Revolution unterst\u00fctzt hat. Seine Bemerkungen \u00fcber die Haltung der verschiedenen Schichten der Arbeiterklasse \u2013 nicht alles bedingungslose Unterst\u00fctzer von Castro oder dem politischen Regime \u2013 sind sehr n\u00fctzlich, um ein Bild von Kuba zu dieser Zeit zu bekommen. Er meint: \u201eDer egalit\u00e4re Geist der Revolution wurde durch die egalit\u00e4re Praxis unterstrichen. &#8230; L\u00f6hne und Geh\u00e4lter spiegeln dieses Muster sozialer Gleichheit wider.<\/p>\n<p>Er gibt ein Beispiel einer Fabrik, das Lorimer zitiert. In dieser Fabrik arbeiteten 2.700 Besch\u00e4ftigte, der Verwalter verdient 250 Dollar im Monat. Ein Abteilungsleiter verdiente 400 Dollar. Facharbeiter verdienten rund 300 Dollar, der niedrigste Gehilfe oder ungelernte Arbeiter bekam 95 Dollar. Aber selbst wenn diese Angaben der offiziellen Geh\u00e4lter stimmen, sind sie nicht die ganze Wahrheit. Wir haben zugestanden, sowohl in unserer Brosch\u00fcre als auch in der Antwort auf Lorimer, das angesichts der jungen Jahre der Revolution und des kulturellen Standards in Kuba die Einkommensunterschiede zwischen der B\u00fcrokratie und den Massen in den 60er Jahren nicht so hoch sein konnten wie zum Beispiel in Osteuropa und der Sowjetunion. Allerdings merkt selbst Zeitlin vorsichtig an, dass es auch noch andere Privilegien gegeben hat: \u201eEs gab einige begrenzte Verg\u00fcnstigungen, die mit Funktionen verbunden waren. Viele Regierungsfunktion\u00e4re hatten Autos mit Chauffeuren, die ihnen f\u00fcr die Regierungsarbeit zur Verf\u00fcgung standen, meistens kompakte Wolgas oder Alfa Romeos, ab und zu sieht man auch einen Chevy oder Ford im Dienste der revolution\u00e4ren Regierung &#8230; Funktion\u00e4re, vor allem diejenigen, die mit ausl\u00e4ndischen Besuchern zu tun haben, verf\u00fcgen auch \u00fcber Spesenkonten, die es ihnen erlauben sich \u00f6fter als andere Kubaner in den wenigen verbliebenen Restaurants verw\u00f6hnen zu lassen, die lediglich von den Reichen besucht wurden, die das Land nicht verlassen hatten. Obwohl sie sich im \u00f6ffentlichen Besitz befinden und alle im Prinzip Zutritt haben, sind diese Restaurants ein Luxus, den sich nur wenige Kubaner leisten k\u00f6nnen &#8230; Nach meinen Beobachtungen &#8230; sind enteignete Landh\u00e4user &#8230; nicht die protzigen Wohnsitze einer neuen Elite geworden.\u201c<\/p>\n<p>Dem wird von Carlos Franqui eindeutig widersprochen. Er schreibt: \u201eZu dieser Zeit [1961] organisierte die Staatssicherheit den Umzug von Commandantes, Ministern und allen wichtigen Personen in neue H\u00e4user. Einige von uns versuchten zu bleiben wo sie wohnten \u2013 unter anderem Che, Faustion, Celia, Hayd\u00e9e, Chom\u00f3n, Orlando Blanco und ich. Die neuen H\u00e4user waren die von Havannas Mittelklasse Verlassenen. Das kochte die Polemik von 1959 wieder hoch. Einige von uns waren nach dem Krieg wieder in ihre alten Wohnungen gezogen, w\u00e4hrend andere die H\u00e4user der Reichen (wie sie sagten) \u201aeiner anderen Nutzung zuf\u00fchren\u2018 wollten. Aber sie selbst wurden \u201aeiner anderen Nutzung zugef\u00fchrt\u2018. Diese H\u00e4user wurden mit Wachen rund um die Uhr ausgestattet \u2013 wegen der konterrevolution\u00e4ren Bedrohung, aber es war auch eine gute Methode, um die Leute im sowjetischen Stil im Blickfeld zu haben. Celia, Hayd\u00e9e und ich konnten verhindern, in die neuen H\u00e4user einzuziehen, weil wir Zivilisten waren. Ich lebte die ganze Zeit in meiner eigenen Wohnung und hatte keine Probleme.\u201c<\/p>\n<p>Allerdings wurden die R\u00e4umlichkeiten, in denen Franquis Zeitung Revoluci\u00f3n hergestellt wurde, einige Monate zuvor unter ungekl\u00e4rten Umst\u00e4nden \u00fcberfallen. Er verd\u00e4chtigte weniger rechte, konterrevolution\u00e4re Terroristen als vielmehr die wachsenden stalinistischen \u201eSicherheits\u201c-Dienste, die ihn wegen seiner Kritik an der b\u00fcrokratischen Entartung der Revolution im Visier hatten. Er schreibt: \u201eDa ich der Anweisung umzuziehen nicht Folge leistete, nahm sich Fidel der Sache an und erz\u00e4hlte mir, ich w\u00e4re in Gefahr und m\u00fcsste den Befehlen gehorchen. Am n\u00e4chsten Tag brachten mir die Leute von der St\u00e4dtischen Reform die Schl\u00fcssel f\u00fcr mein neues Haus. Ich w\u00e4re ein Heuchler, wenn ich sagte, es h\u00e4tte mir nicht gefallen, was ich sah \u2013 einen Swimming Pool, B\u00fccher, h\u00fcbsche M\u00f6bel, einen Garten, eine Klimaanlage \u2013 aber ich f\u00fchlte mich auch schuldig. Fidel hatte nie solche Probleme, er war es gewohnt, in solchen H\u00e4usern zu leben &#8230; Tats\u00e4chlich schufen wir eine neue Elite, entgegen allem Gerede, wir m\u00fcssten uns sch\u00fctzen oder davon, dass sich Leute in verantwortlichen Positionen entspannen k\u00f6nnen m\u00fcssten. Diese neue Elite w\u00fcrde eines Tage s gef\u00e4hrlich werden.\u201c<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist, dass Franqui dies 1961 berichtet und nicht erst 1969. Ohne Zeitlins Ehrlichkeit anzuzweifeln: Franquis Beobachtungen \u00fcber die Ereignisse in Kuba sind zutreffender und genauer. Als Teilnehmer der Revolution, als Freund und Vertrauter der F\u00fchrer der Revolution, aber auch als ehrlicher und konsequenter Kritiker von elit\u00e4rem Denken, B\u00fcrokratismus und Stalinismus war er in einer g\u00fcnstigeren Position, um eine vollst\u00e4ndigere Analyse \u00fcber die Ereignisse in Kuba zu entwickeln. Trotzdem spricht selbst Zeitlins Untersuchung gegen Lorimers Annahme, Kuba h\u00e4tte zu dieser Zeit alle Merkmale eines gesunden Arbeiterstaates gehabt. In Bezug auf die Gewerkschaften schreibt er zum Beispiel: \u201eEs sieht fast so aus als seien sie [die Gewerkschaften] \u201adahingewelkt\u2018. Dies zeigen meine Beobachtungen und die vagen und seltenen \u00c4u\u00dferungen von Arbeitern, die ich interviewt habe. Die Arbeiter haben keine unabh\u00e4ngige Organisation, welche im Betrieb, der Branche oder im Land insgesamt die Initiative ergreift, verbesserte Arbeitsbedingungen, oder h\u00f6here L\u00f6hne zu erreichen, ganz zu schweigen davon, dies einzufordern. Es gibt keine Organisation, die als autonome Kraft fungiert, um die grundlegenden Anliegen der Arbeiter zu besch\u00fctzen und voranzutreiben, die unabh\u00e4ngig ist von der Linie der Kommunistischen Partei oder der Politik der revolution\u00e4ren Regierung. Der praktische Unterschied zwischen der Rolle des Arbeitsministerium und der CTC-R, der Arbeiterf\u00f6deration \u2013 soweit er formal existiert \u2013 ist f\u00fcr die einfachen Arbeiter nicht erkennbar. Und ebenso wenig scheint dieser Unterschied f\u00fcr einige Regierungsfunktion\u00e4re und nationale F\u00fchrer, mit denen ich gesprochen habe, klar zu sein.\u201c<\/p>\n<p><a title=\"f\u00fcnfter Teil\" href=\"\/?p=16866\">Weiter zum f\u00fcnften Teil <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Debatten \u00fcber die Revolution und Kuba heute <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16862"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16862"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16862\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16862"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16862"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16862"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}