{"id":16801,"date":"2002-07-22T11:18:29","date_gmt":"2002-07-22T09:18:29","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.sozialismus.info\/?p=16801"},"modified":"2014-03-19T20:48:34","modified_gmt":"2014-03-19T19:48:34","slug":"afghanistan-islam-und-die-revolutionaere-linke-2-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/07\/afghanistan-islam-und-die-revolutionaere-linke-2-teil\/","title":{"rendered":"Afghanistan, Islam und die revolution\u00e4re Linke (2. Teil)"},"content":{"rendered":"<p>Zweiter Teil des Artikels. <a title=\"erster Teil\" href=\"\/?p=10359\">Zur\u00fcck zum 1. Teil<\/a><\/p>\n<h4>KEIN TRADITIONELLER KOLONIALER KRIEG<\/h4>\n<p>30) Aber es war nicht, wie das Vereinigte Sekretariat (USFI) argumentierte, einfach eine neue Version eines \u00fcblichen kolonialen Krieges, haupts\u00e4chlich wegen wirtschaftlicher Gr\u00fcnde: &#8222;Ein Krieg um \u00d6l&#8220;. Die Wirklichkeit der Ziele des US-Imperialismus im Afghanistan-Krieg sind viel komplizierter. Letztendlich sind nat\u00fcrlich wirtschaftliche Macht, die finanziellen Interessen des Imperialismus und die Quelle seines Profits und Einkommens wichtige, ja entscheidende, Faktoren. Es waren diese Gr\u00fcnde, warum US-\u00d6l-Firmen die Taliban umgarnten und sie in den 90er auf Reisen in die USA einluden. Ihre Einsch\u00e4tzung Afghanistans damals war das einer bedeutender Region f\u00fcr eine m\u00f6gliche Pipeline f\u00fcr die ebenso gr\u00f6\u00dftenteils ungenutzten \u00d6l- und Gasreicht\u00fcmer des Kaspischen Meer und des Transkaukasus. Gleichwie, vor dem Hintergrund der organischen Instabilit\u00e4t Afghanistans und ganz Transkaukasiens, w\u00e4re dieses Land f\u00fcr eine Pipeline, um es vorsichtig zu formulieren, problematisch gewesen. Selbst in einer Nach-Kriegs-Situation g\u00e4be es wahrscheinlich so gro\u00dfes Chaos und Anarchie, dass es ein \u00e4u\u00dferst risikoreiches Spiel f\u00fcr die \u00d6l-Firmen w\u00e4re, sich in einem solch riskanten Spiel zu engagieren.<\/p>\n<p>31) Die Ressourcen der transkaukasischen und kaspischen Region k\u00f6nnten f\u00fcr den Imperialismus langfristig von gro\u00dfer Bedeutung sein. Sie waren aber nicht die unmittelbaren Gr\u00fcnde dieses Krieges. Vor dem 11. September fand zwischen Putins Russland, das den Kaukasus weiter als vitalen Bestandteil ihrer Einflusssph\u00e4re sieht, und den von der Bush-Administration unterst\u00fctzten \u00d6l-Konzernen, die um Einfluss dort k\u00e4mpfen, ein Wettlauf statt.<\/p>\n<p>Nach dem Angriff auf die Twin-Towers, welcher die Involvierung saudischer Staatsangeh\u00f6riger und zumindest auf finanzieller Ebene auch einige Figuren aus dem saudischen Regime aufdeckte, kam eine gro\u00dfe Debatte in der b\u00fcrgerlichen US-Presse auf, die US-Interessen von saudischem \u00d6l zu m\u00f6glichen Ressourcen in den Kaukasus zu verlagern. Jedoch ist das noch immer Zukunftsmusik, sieht man die seit dem Golfkrieg gestiegene Abh\u00e4ngigkeit des US-Imperialismus vom \u00d6l des Nahen Ostens (haupts\u00e4chlich saudisches). Der ausschlaggebende Faktor f\u00fcr den US-Imperialismus zu Beginn war die Wiederherstellung von Macht und Prestige, welche durch den 11. September schweren Schaden erlitten haben. Jedes gr\u00f6\u00dfere Einkommen als Ergebnis dieses Sieges wird zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt eintreffen.<\/p>\n<p>32) Wenn wir nun diesen Krieg von Seiten des Imperialismus als durch und durch reaktion\u00e4r begreifen, bedeutet dies, dass wir uns, und sei es &#8222;kritisch&#8220;, mit jenen zusammentun, die angeblich den USA &#8222;Widerstand&#8220; geleistet haben, namentlich bin-Ladin, seine al-Qa`ida und die Taliban-Regierung? Unglaublich, das ist die Position von einigen kleinen trotzkistischen Gruppen wie &#8222;Workers Power\u2019 (Arbeitermacht (D); ArbeiterInnenstandpunkt (\u00d6)) und der morenoistischen LIT. Letztere ist haupts\u00e4chlich in Lateinamerika aktiv. Ihr Anspruch wird absolut kein Echo unter der weltweiten ArbeiterInnenklasse, im Speziellen jener der entwickelten kapitalistischen L\u00e4nder, finden. Nichts desto trotz, da sie w\u00e4hrend des Krieges einige von Trotzkis alten Schriften zur Rechtfertigung ihrer Position herangezogen haben, k\u00f6nnten (und taten dies in einigen F\u00e4llen) sie einige Jugendliche und ArbeiterInnen verwirren und irreleiten, die mit ihnen in Kontakt gekommen sind. Es ist deshalb n\u00f6tig, sich hier mit ihren Argumenten auseinander zu setzen, als einem Mittel, Klarheit \u00fcber diese Punkte in unseren eigenen Reihen zu schaffen. Sie zeigen auch grundlegende Verwirrung \u00fcber die Entwicklungen innerhalb des &#8222;Islam&#8220;.<\/p>\n<h4>ISLAMISMUS &#8211; RADIKAL UND RECHTS<\/h4>\n<p>33) Deshalb ist es n\u00f6tig, bevor wir ihre Positionen analysieren, unsere Herangehensweise an den &#8222;politischen Islam&#8220; zu kl\u00e4ren. Was manches mal &#8222;Fundamentalismus&#8220; genannt wird, wird oft innerhalb der moslemischen Welt als &#8222;politischer Islam&#8220; bezeichnet. Das passt f\u00fcr b\u00fcrgerliche Professoren und Kommentatoren, genauso wie manche auf der Linken. Aber f\u00fcr das CWI ist das keine ausreichende Beschreibung der politischen Vorgeschichte und die Positionen der verschiedenen islamischen Gruppen innerhalb des gegenw\u00e4rtigen politischen Spektrums.<\/p>\n<p>34) Einige der Trends und Organisationen innerhalb der Massenbewegung, welche die Iranische Revolution und den Sturz des Shah (Kaiser; Anm.) gef\u00fchrt haben, waren Beispiele dessen, was wir mit &#8222;radikalem Islam&#8220; oder &#8222;radikaler islamischer Fundamentalismus&#8220; meinen. Diejenigen, die diese Ideen unterst\u00fctzten, antworteten \u00fcblicherweise auf die Frage, f\u00fcr welche Art von Gesellschaft sie k\u00e4mpfen, dass sie eine &#8222;Republik der Armen&#8220; wollten. Gleichwie, der globale Hintergrund, vor dem die Iranische Revolution stattfand, war verglichen mit heute grundlegend anders. Damals existierten die stalinistischen Staaten &#8211; mit einer Planwirtschaft und einem totalit\u00e4ren Regime. Das und der offensichtliche Bankrott von Gro\u00dfgrundbesitz und Kapitalismus in der neo-kolonialen Welt radikalisierte die Oppositionsbewegung zur Tyrannei des Shah und der iranischen Elite, die sich auf den gro\u00dfen \u00d6lreserven des Iran aufbaute. Diese Opposition st\u00fctzte sich gr\u00f6\u00dftenteils auf die st\u00e4dtische Armut in Teheran im speziellen und die teilweise hungernden iranischen b\u00e4uerlichen Massen. Das &#8222;Model&#8220; einer geplanten Wirtschaft im Hintergrund gab der Bewegung einen betont radikalen und &#8222;linken&#8220; Charakter.<\/p>\n<p>35) Dieser Trend war derart kraftvoll, dass er das iranische Regime von Ayatollah Khomeini in ihrer ersten Phase dazu zwang, eine linke radikale Phraseologie und eine unvers\u00f6hnliche Feindschaft zum Imperialismus gegen\u00fcber, speziell den USA, anzunehmen. Das wurde von Aktionen erg\u00e4nzt, die zur staatlichen \u00dcbernahme eines Gro\u00dfteils der Industrie f\u00fchrten. Auf einer gewissen Stufe erschien sogar die M\u00f6glichkeit, dass im Iran ein deformierter Arbeiterstaat entstehen k\u00f6nnte; ein Abziehbild Moskaus, mit einer geplanten Wirtschaft, wenn auch mit einem totalit\u00e4ren politischen Regime, in dem die Macht in den H\u00e4nden der Mullahs und des moslemischen Klerus konzentriert gewesen w\u00e4re. Gleichwie, die Revolution blieb stecken. Ein beginnender B\u00fcrgerkrieg zwischen verschiedenen Fraktionen des Klerus folgte. Der Schwerpunkt bewegte sich graduell nach rechts. Das f\u00fchrte zur Privatisierung vormals nationalisierter Sektoren.<\/p>\n<p>36) Heute gibt es im Iran einen erbitterten Kampf zwischen verschiedenen Fl\u00fcgeln des Islam. Dem liegt folgender Konflikt zugrunde: zwischen einem rechten Klerus, der entschlossen ist, die Kontrolle der Staatsmacht zu halten und Sektoren der Bourgeoisie und jenen, die in eine mehr &#8222;moderne&#8220; Richtung, sprich westlichen Kapitalismus gehen m\u00f6chten, derzeit von einer Mehrheit der Bev\u00f6lkerung unterst\u00fctzt. Jugendliche sind im speziellen in einer offenen Revolte gegen die erstickenden Bedingungen, die ihnen von den Mullahs und der &#8222;religi\u00f6sen Polizei&#8220; aufgezwungen werden.<\/p>\n<p>37) Im Kontrast zur fr\u00fchen radikalen Phase der iranischen Revolution, ist der Aufstieg des Islam und dessen, was nunmehr &#8222;politischer Islam&#8220; genannt wird, speziell in der arabischen Welt, im letzten Jahrzehnt ein haupts\u00e4chlich rechtes Ph\u00e4nomen. Die Entwicklung dieser Organisationen und deren Verankerung in mehr und mehr Teilen der Bev\u00f6lkerung inklusive gro\u00dfer Sektoren der Mittelklassen in L\u00e4ndern wie \u00c4gypten, ist teilweise eine Widerspiegelung der Niederlagen der vorangegangenen arabischen Bewegungen und teilweise ein bewusster Schritt seitens des Imperialismus und ihrer lokalen Statthalter (die feudalen, diktatorischen Regimes Arabiens), den Islam gegen Linke und radikale Kr\u00e4fte im Nahen Osten zu verwenden.<\/p>\n<p>38) In einem Artikel der New York Times (abgedruckt im International Herald Tribune vom 3. Dezember 2001), gab Saad Mehio eine eindringliche Beschreibung, wie die vergangene Instrumentalisierung des Islam durch die gegenw\u00e4rtigen Regimes, vom US-Imperialismus voll unterst\u00fctzt, nun mit fatalen Konsequenzen auf diese zur\u00fcckf\u00e4llt. Er folgerte aus der Frage, was nach bin-Ladin und den Taliban kommen w\u00fcrde: &#8222;Vielleicht mehr Talibans und neue Osama bin-Ladins&#8220;. Und der Grund f\u00fcr dieses Ph\u00e4nomen &#8222;umfasst die unmoralische, skrupellose und unreligi\u00f6se Ausbeutung des Islam als eine politische Waffe &#8211; durch jeden. Der Westen, die USA, arabische und andere moslemische Tyranneien haben alle diese Waffe des Islam ben\u00fctzt. Und alle zahlen nun einen unterschiedlichen Preis daf\u00fcr.&#8220;<\/p>\n<p>39) Er beschreibt, wie der Islam beauftragt wurde, den &#8222;Kommunismus&#8220; zu bek\u00e4mpfen &#8211; eine breite Definition um im Kalten Krieg alles einzuschlie\u00dfen, das links oder sozialistisch, nicht nur stalinistisch, war. Die F\u00e4higkeit des Imperialismus und ihrer lokalen arabischen Agenten wurde durch das Versagen des arabischen Nationalismus und den Stalinismus enorm gef\u00f6rdert. Kommunistische Massenparteien hatten in L\u00e4ndern wie Irak und dem Sudan die M\u00f6glichkeit, die Macht zu \u00fcbernehmen, aber scheiterten aufgrund ihrer falschen stalinistischen Politik. Das f\u00fchrte, zusammen mit dem Kollaps des &#8222;sozialistischen Modells&#8220; in der Sowjetunion und Osteuropa, symbolisiert durch den Fall der Berliner Mauer 1989, zum Aufstieg des rechten Islamismus. Mehio kommentiert: &#8222;Die Politik, den politischen Islam als ein antikommunistisches Werkzeug zu ben\u00fctzen, war ein bedeutender Grund, warum so gro\u00dfe Teile der moslemischen Welt von stagnierenden, undemokratischen aber stabilen (oder scheinbar stabilen) und ad\u00e4quat pro-westliche Regierungen auf der einen Seite und den traditionellen Kr\u00e4ften des politischen Islam in der letzten Phase des 20. Jahrhunderts auf der anderen Seite dominiert wurden.&#8220;<\/p>\n<p>40) Er f\u00e4hrt fort: &#8222;Die Glanzleistung solcher Politik lag in der Niederlage der modernisierenden Alternative: jener Bewegungen, die hofften, sowohl ein B\u00fcndnis mit der Sowjetunion als auch Amerika vermeiden zu k\u00f6nnen; um ihre Gesellschaften entlang sekul\u00e4rer (aufgekl\u00e4rt, nicht von Religion bestimmt; Anm. d. \u00dc.) Linien zu entwickeln; mit &#8211; im Musterfall &#8211; demokratischeren Mitteln und mit dem Nationalismus als Ersatz f\u00fcr koloniale Dem\u00fctigung und islamischen Traditionalismus. Solche Bewegungen wurden einst Nasserismus genannt, nach Pr\u00e4sident Gamal Abdul Nasser von \u00c4gypten. Er k\u00e4mpfte die meiste Zeit seines politischen Lebens gegen die Moslem-Bruderschaft. Der Spielraum des Nasserismus schrumpfte in den drei Jahrzehnten seit seinem Tod.&#8220;<\/p>\n<p>41) Nassers Nachfolger, Anwar Sadat, und die \u00e4gyptische herrschende Klasse als Ganzes, entschied sich, einen direkt entgegengesetzte Pfad zum Vorg\u00e4nger einzuschlagen. Sadat unterst\u00fctzte bewusst das Wachstum des Islam als Gegengewicht zum Nationalismus und der Linken und suchte die Umarmung des US-Imperialismus. Das \u00e4gyptische Regime wird mittels US-Gelder von 3 Mrd. Dollar j\u00e4hrlich aufgep\u00e4ppelt. Sadats Aktionen fielen auf ihn in t\u00f6dlicher Weise zur\u00fcck; er starb durch die H\u00e4nde genau jener Fundamentalisten, denen er geholfen hatte. Der Grund: sein Abkommen mit Israel.<\/p>\n<h4>ISRAEL F\u00d6RDERT ISLAMISTISCHE GRUPPEN<\/h4>\n<p>42) In einem gr\u00f6\u00dferen oder kleineren Ausma\u00df folgten die arabischen Eliten Sadats Weg, in dem sie jeweils ihren eigenen islamischen Fundamentalismus z\u00fcchteten; zum Beispiel durch Finanzierung von ca. 7.500 religi\u00f6sen Schulen in Pakistan, Indien und Arabien (durch Petro-Dollars). Diese Schulen lehrten die r\u00fcckst\u00e4ndigste und isolierteste Interpretation des Koran und des Islam. Sie waren die Grundlage, von der die Taliban aufbrachen, solche Verw\u00fcstung \u00fcber die Menschen Afghanistans zu bringen, wie in der gegenw\u00e4rtigen Katastrophe. Selbst die Diktatur Pervez Musharrafs, nachdem sie Zeugin der zerst\u00f6rerischen Auswirkungen der obskuren Mullah-dominierten Madrassah-Schulen wurde, machte gro\u00dfes Aufsehen w\u00e4hrend des Konflikts um deren Beschr\u00e4nkungen. Mehio kommentiert: &#8222;Das regionale System (in der arabischen Welt; Anm.) das Washington w\u00e4hrend des Kalten Krieges aufzog und das es ab 1989 sich selbst \u00fcberlies, sah sich als Brutplatz f\u00fcr menschliche Raketen und Selbstmord-Attent\u00e4ter &#8211; direkt gegen die USA gerichtet &#8211; gewandelt.<\/p>\n<p>43) Gleichwie, es waren nicht nur die USA, sondern auch ihre lokalen Agenten, die israelische herrschende Klasse, welche genauso islamistische Gruppen wie Hamas und Islamischer Jihad, als Gegengewichte aufbauten &#8211; zu dem, was sie in den 1970er und 1980er als die mehr radikalen und sekul\u00e4ren pal\u00e4stinensischen Organisationen gehalten hat, wie Fatah und die PFLP. Robert Fisk untermauerte diesen Punkt als er in &#8222;The Independent&#8220; schrieb: &#8222;Hamas, das prinzipielle Ziel des Sharon-&#8222;Krieg gegen Terror&#8220;, wurde urspr\u00fcnglich von Israel gesponsert. In den 1980er, als Mr. Arafat der &#8222;Super-Terrorist&#8220; und die Hamas eine kleine schrullige moslemische Hilfsorganisation waren; wenn auch geh\u00e4ssig in ihrer Opposition zu Israel. Die israelische Regierung unterst\u00fctzte deren Mitglieder, Moscheen in Gaza zu bauen. Einige Genies in der israelischen Armee entschieden, dass es keinen besseren Weg gab, die nationalistischen Ambitionen der PLO in den besetzten Gebieten zu untergraben, als durch die F\u00f6rderung des Islam.&#8220;<\/p>\n<p>44) &#8222;Selbst nach dem Oslo-Vertrag, w\u00e4hrend eines Treffens mit Arafat, haben hochrangige israelische Armee-Offiziere \u00f6ffentlich angek\u00fcndigt, dass sie mit Hamas-Funktion\u00e4ren sprechen. Als Israel illegal Hunderte Hamas-Mitglieder in den Libanon 1992 deportierte, war es einer ihrer F\u00fchrer, der mir, als er h\u00f6rte, dass ich nach Israel reise, die Privatnummer von Shimon Peres aus seinem Kontaktbuch anbot.&#8220; (5. Dezember 2001)<\/p>\n<p>45) Hamas und Islamischer Jihad in der Westbank und Gaza haben eine grundlegende rechte politische \u00dcberzeugung. Sie unterscheiden sich deutlich von den islamischen K\u00e4mpferInnen, die den Shah im Iran bek\u00e4mpften und die in der unmittelbar auf die Iranische Revolution folgende Periode existierten. Dasselbe gilt f\u00fcr die Menge an islamischen politischen Organisationen im Nahen Osten (\u00c4gypten, Algerien, Jordanien und \u00fcber allem Saudi Arabien). Das Wachstum des rechten &#8222;politischen Islam&#8220; in diesen und anderen arabischen L\u00e4ndern fu\u00dft auf den oben beschriebenen Gr\u00fcnden des Versagen alternativer Modelle, aber ist auch ein direktes Resultat der Einmischung von gesch\u00e4tzten 30.000 Arabern, die mit den Mujaheddins im Kampf gegen die Sowjetkr\u00e4fte in Afghanistan zwischen 1983 und 1989 standen.<\/p>\n<p>46) Viele von diesen glaubten, dass ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Mujaheddin entscheidend war, um eine Bewegung in Gang zu setzen, die in der Niederlage &#8222;des Kommunismus&#8220; und den Sturz einer Supermacht, der UdSSR, endete. Viele US-Strategen des Kalten Krieges wiederbelebten diese Idee und zahlen nun den Preis &#8211; durch die Aktivit\u00e4ten der al-Qa`ida gegen alle Aspekte und Symbole der US-Macht. Gleichwie, es waren nicht die Mujaheddin oder die 30.000 Araber, die mit ihnen gek\u00e4mpft hatten, die zur Niederlage der Sowjetunion in Afghanistan gef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p>47) Das war das Resultat der Verk\u00fcmmerung und des langsamen Verfalls der &#8222;Sowjetunion&#8220;. Die Tendenz in den 1970er und 1980er f\u00fcr die Planwirtschaft f\u00fchrte zur Aufl\u00f6sung unter der stalinistischen, \u00fcberfl\u00fcssigen b\u00fcrokratischen Herrschaft. Die Unterst\u00fctzung des Weltimperialismus, speziell des US-Imperialismus, war der bedeutende milit\u00e4rische Faktor. Das wurde durch massive Waffenlieferungen \u00fcber den Luftweg erm\u00f6glicht, durch die USA zur Verf\u00fcgung gestellt und mit 2 Mrd. Dollar aus saudischen und US-Fonds finanziert. Arabischen K\u00e4mpfern wurden auch Billigstfl\u00fcge von saudischen Fluglinien auf der Route Riad-Peshawar (Saudi Arabien &#8211; Pakistan; Anm.) angeboten.<\/p>\n<p>48) Diese arabische &#8222;Fremdenlegion\u201d hatte nichts (weder ihrer sozialen Zusammensetzung noch ihrer Ideologie) mit den Internationalen Brigaden zu tun, die auf Seite der Republikaner im Spanien der 1930er gek\u00e4mpft hatten. Ein Experte zur al-Qa`ida kommentierte in der &#8222;Financial Times&#8220;: &#8222;Einige kamen (nach Afghanistan, Anm.) mit dem Vorhaben, ein Monat zu bleiben. Durchaus viele Saudis w\u00fcrden in ihrem Urlaub hierher kommen. Wenn du einige Zeit mit einer Hure in Bangkok verbracht hast, konntest du hierher kommen und dich durch den Jihad wieder reinigen.&#8220;<\/p>\n<p>49) Die sozialen Wurzeln der f\u00fchrenden Gruppe, die al-Qa`ida geformt hat, sind aufgrund der Rolle, die sie in der Ausrichtung und Organisation der Taliban gespielt hat, entscheidend. Das wiederum ist aufgrund der falschen Idee einiger auf der Linken wichtig, dass in einer gewissen Weise die Taliban und al-Qa`ida den nationalen Befreiungskampf des afghanischen Volks und der arabischen V\u00f6lker widerspiegeln w\u00fcrden.<\/p>\n<p>50) Es ist wohl dokumentiert, dass bin-Ladin aus einer reichen saudisch\/jemenitischen Familie stammt. Er erbte 300 Millionen Dollar im Alter von Zehn Jahren (als sein Vater starb) &#8211; sein Anteil eines Familienverm\u00f6gens der Saudi bin Yadin-Gruppe von heute 36 Mrd. Dollar. Teile seines Reichtums wurden im Krieg gegen die Sowjetunion zur Finanzierung der arabischen K\u00e4mpfer verwendet. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen die islamistischen Organisationen, mit denen bin-Ladin verbunden ist, auf 5 &#8211; 16 Mrd. Dollar zur\u00fcckgreifen. Die &#8222;Financial Times\u2019 kommentierte: &#8222;Viel davon wurde gespendet, speziell von Saudis und aus Kuwait, der Quelle von Millionen jedes Monat.&#8220;<\/p>\n<p>51) Dieses Geld kam nicht von den unterdr\u00fcckten Schichten der arabischen Welt, sondern von der islamischen Elite. Noch einmal die FT: &#8222;Viel von seinem Geld kommt von ver\u00e4rgerten saudischen H\u00e4ndlern.\u201d Ein vormaliger Golf-Bankier und Experte in arabischem Finanzwesen, Jean-Fran\u00e7ois Cesnec, stellte fest: &#8222;Ein &#8222;Sturkopf\u2019 klappert sympathisierende H\u00e4ndler in Jedda ab und sammelt von jedem 5.000 Dollar. Sie geben nie mehr als 5.000 Dollar, deshalb musst du sie regelm\u00e4\u00dfig treffen.&#8220;<\/p>\n<h4>AL-QA`IDA &#8211; KEINE NATIONALE BEFREIUNGSBEWEGUNG!<\/h4>\n<p>52) Das ist Teil einer Anforderung f\u00fcr Reiche im Islam; der Zakkat: Eine Spende (ca. 2 % des Einkommens) f\u00fcr einen &#8222;guten Zweck&#8220;. Das schlug zu Gunsten bin-Ladins aus. Und es sind nicht nur reiche Saudis oder Jemenis, welche die herrschende Gruppe von al-Qa`ida bilden, sondern \u00e4hnliche Typen wurden aus nationalistischen islamischen Bewegungen in deren Reihen geholt. So war Ayman al-Zawahari ein Chirurg aus einer reichen \u00e4gyptischen Familie in Alexandrien. Er k\u00e4mpfte in Afghanistan und wurde F\u00fchrer von Jihad, der \u00e4gyptischen islamistischen Gruppe, welche f\u00fcr die Ermordung von Anwar Sadat 1981 verantwortlich war.<\/p>\n<p>53) Nach der Niederlage der UdSSR in Afghanistan kehrten viele der siegreichen Araber in den Nahen Osten und Nordafrika zur\u00fcck, wo sie als &#8222;Islamische Helden&#8220; begr\u00fc\u00dft wurden. Das wiederum f\u00fchrte zur St\u00e4rkung des rechten Charakters der islamischen Organisationen, wie im Fall der Islamischen Heilsfront (FIS) und der Bewaffneten Islamischen Gruppe (GIA) in Algerien, so wie der Islamischen Gruppe und Jihad in \u00c4gypten. Ihre Waffen waren nun auch gegen die eigenen Regierungen gerichtet, jene &#8222;gottlosen Verb\u00fcndeten der ultimativen Feinde, USA und Israel, die Kreuzritter und die Juden&#8220;. Die Regimes antworteten mit harter repressiver Politik und &#8211; im speziellen &#8211; durch die Armee und Geheimdienste; im Fall des brutalen B\u00fcrgerInnen-Kriegs in Algerien, der bisher zu \u00fcber 100.000 Toten gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>54) Diese Tatsachen untermauern die Schlussfolgerung, die wir schon in vormaligen CWI-Stellungnahmen gezogen haben; dass bin-Ladin und al-Qa`ida keine genuine nationale Befreiungsbewegung repr\u00e4sentieren, nicht einmal in einer verzerrten Form. Sie kommen von der reichen, halb-feudalen Elite Saudi Arabiens und der arabischen Welt und ihr &#8222;Programm&#8220;, so sie \u00fcberhaupt eines haben, bedeutet das Zur\u00fcckdrehen des Rads der Geschichte ins 7. Jahrhundert! Deren spezielle obskure Auffassung des Islam, Salifismus (auch bekannt als Wahhabismus), welche sich im 18. Jahrhundert entwickelte, sieht all jene als &#8222;Ungl\u00e4ubige&#8220;, die nicht ihrer engen Definition des Islam zustimmen. Diese (inklusive andere Moslems) sind deshalb zu &#8222;eliminieren\u201d.<\/p>\n<p>55) Einer von bin-Ladins fr\u00fchen Lehrern war der Pal\u00e4stinenser Abdul Assam, der Afghanistan als den Brennpunkt des militanten Islam sah. Es war &#8211; seiner Meinung nach &#8211; f\u00fcr jeden Moslem eine Verpflichtung, dort zu k\u00e4mpfen. Aber das war erst der erste Schritt. &#8222;Jihad (&#8222;heiliger Krieg&#8220;; Anm.) wird eine individuelle Verpflichtung bleiben, bis alle anderen L\u00e4nder, die moslemisch waren, an uns zur\u00fcckgegeben sind, so dass der Islam herrschen wird; vor uns liegen Pal\u00e4stina, Bokara, Libanon, Tschad, Eritrea, Somalia, die Philippinen, Burma, S\u00fcdjemen, Taschkent und Andalusien.&#8220; Wie Justin Marozzi kommentiert: &#8222;Egal ob die V\u00f6lker dieser L\u00e4nder eine solche R\u00fcckkehr zum Islam wollen. Warum fragen, wenn Gott auf deiner Seite steht?&#8220;<\/p>\n<p>56) Diese messianische, fast vormittelalterliche Philosophie ist der Grundstein f\u00fcr den Kult um bin-Ladin und der al-Qa`ida. Letztendlich ist bin-Ladin nat\u00fcrlich auch ein Ausdruck der imperialistischen Unterdr\u00fcckung der arabischen Welt, welche auch, zumindest psychologisch, die privilegierten Schichten betrifft. Trotzdem ist seine Bewegung keine echte b\u00fcrgerliche nationale Befreiungsbewegung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krieg ist eine Nagelprobe f\u00fcr Programm, Perspektiven, Strategie und Taktik aller politischen Formationen \u2013 besonders f\u00fcr jene der Linken.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16801"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16801"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16801\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16801"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16801"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16801"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}