{"id":16795,"date":"2002-10-02T09:45:57","date_gmt":"2002-10-02T07:45:57","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.sozialismus.info\/?p=16795"},"modified":"2012-06-12T16:02:24","modified_gmt":"2012-06-12T14:02:24","slug":"empire-oder-imperialismus-2-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2002\/10\/empire-oder-imperialismus-2-teil\/","title":{"rendered":"Empire oder Imperialismus? (2. Teil)"},"content":{"rendered":"<p>Zweiter Teil der Buchbesprechung. <a title=\"erster Teil\" href=\"\/?p=10182\">Zur\u00fcck zum 1. Teil<\/a><\/p>\n<p><strong>Wie kam es zur Globalisierung?<\/strong><\/p>\n<p> Der grundlegende Globalisierungsprozess ist die Ausdehnung des Welthandels (der grenz\u00fcberschreitende Handel ist nach Angaben der WTO von 1950 bis Mitte der 90er Jahre von sieben auf 23 Prozent des Weltbruttosozialprodukts gestiegen), die Aufbl\u00e4hung und Internationalisierung der Finanzm\u00e4rkte und der ausl\u00e4n\u00addischen Direktinvestitionen (durch den Aufkauf von Firmen und den Aufbau neuer Fabriken). Dies hat seit Beginn der 80er Jahre massiv zugenommen (in den 80er Jahren haben sich ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen vervierfacht und in den 90ern zwei Billionen US-Dollar erreicht; sie \u00fcberschreiten heute die weltweiten Exporte und sogar das weltweite Bruttoinlandsprodukt). Die internationale Arbeitsteilung und die Anzahl international operierender Konzerne hat enorm zugenommen. Die verschiedenen Einzelteile f\u00fcr ein Auto werden heute vielfach in verschie\u00addenen L\u00e4ndern produziert und dann zur Endmontage quer \u00fcber die Erde transportiert. Ein entscheidender Prozess war das Niederrei\u00dfen von Zollschranken und anderen Kapitalverkehrskontrollen. Diese wurden schon im langen Aufschwung der Nachkriegsperiode von 1950-1975 gesenkt, aber in der Zeit seitdem drastisch reduziert. Dieser Prozess f\u00fchrte zu einer enormen Dominanz des Weltmarkts und wachsender Exportabh\u00e4ngigkeit vieler Konzerne und Volkswirtschaften. \u00d6konomische Prozesse sind enger miteinander verflochten, was auch bedeutet, dass sich zum Beispiel wirtschaftliche Krisen in einem Teil der Welt rasant in anderen Teilen auswirken k\u00f6nnen. Wir werden noch zeigen, dass es sich hierbei allerdings eher um einen Prozess der Regionalisierung und Blockbildung handelt und die neokolonialen und ein Gro\u00dfteil der ex-stalinistischen L\u00e4nder weitgehend von diesem Prozess aus\u00adgeschlossen sind. <\/p>\n<p> Der Prozess der Globalisierung wurde durch die Aufbl\u00e4hung und Internationalisierung der Finanzm\u00e4rkte angetrieben. In diesem Bereich hat auch am ehesten eine wirkliche Globalisierung stattgefunden. Finanzspekulationen haben die Produktion von neuen Waren als profitabelsten Bereich von Wirtschaftst\u00e4tigkeit f\u00fcr Kapitalisten abgel\u00f6st. Schon in den 80er Jahren bestanden achtzig Prozent der ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen nicht aus produktiven Investitionen. Das Volumen der Weltfinanzm\u00e4rkte ist zwischen 1972 und 1995 von ca. 20 Milliarden US-Dollar auf 832 Milliarden US-Dollar angewachsen. Das entspricht einer 42-fa\u00adchen Zunahme, w\u00e4hrend der Welthandel nur um den Faktor 12 gewachsen ist.\u00a0 Die Ums\u00e4tze im Devisen- und in\u00adternationalen Wertpapierhandel haben sich alleine seit 1985 mehr als verzehnfacht.<\/p>\n<p> Globalisierung war keine bewusste oder geplante Politik der Kapitalisten und ihrer Regierungen. Globalisierung und Neoliberalismus (beides ist nicht zu trennen, denn letzterer ist die Politik und Ideologie, worin sich die Globalisierung ausdr\u00fcckt) haben ihre Ursache in der krisenhaften Periode, in der sich der Kapitalismus seit der ersten Weltwirtschaftsrezession nach dem Zweiten Weltkrieg 1973-75 befindet &#8211; einer langanhaltenden Niedergangsphase, die gepr\u00e4gt ist von schwachen Konjunkturaufschwungphasen und tieferen Krisen. Ursache der Rezession waren eine strukturelle \u00dcberakkumulation von Kapital aus dem Nachkriegsaufschwung und fallende Profitraten. Damit setzte der Prozess der Aufbl\u00e4hung der Finanzm\u00e4rkte ein. Mit Kapital wurde verst\u00e4rkt an den Finanzm\u00e4rkten spekuliert, weil hier h\u00f6here Gewinne zu erwarten waren. Investitionen in die reale Produktion rech\u00adneten sich immer weniger. Wenn in die Produktion investiert wurde, dann vor allem in Rationalisierung statt in Erweiterung. Die Finanzm\u00e4rkte hoben von der realen \u00d6konomie ab, entwickelten eine Eigendynamik und wurden zu einem besonderen Krisenfaktor f\u00fcr die kapitalistische Weltwirtschaft.<br \/> Durch die Globalisierung ist das Kapital weltweit auf die Suche nach profitablen Anlagem\u00f6glichkeiten gegangen. Dies ging einher mit einer Versch\u00e4rfung der Ausbeutung der Arbeiterklasse durch Verlagerung der Produktion be\u00adstimmter Bereiche in Niedriglohngebiete, durch Versuche die Arbeitszeit zu verl\u00e4ngern und L\u00f6hne zu dr\u00fccken, durch die Ausweitung von Billigjobs und Leiharbeit, durch den Abbau von Sozialleistungen etc. Ein weiteres Ph\u00e4nomen dieser Zeit ist die Privatisierungswelle, die weltweit stattgefunden hat und immer noch stattfindet. Privatisierung ist Diebstahl an \u00f6ffentlichem Eigentum. Mit \u00f6ffentlichen Investitionen aufgebaute Unternehmen und Infrastrukturen werden zur privaten Profitmaximierung freigegeben. Auch hier gilt: es ist profitabler in schon be\u00adstehende \u00f6ffentliche Unternehmen zu investieren (sie &#8211; in der Regel zu Spottpreisen &#8211; aufzukaufen), als die Produktion auszuweiten und neue Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen. Privatisierungen sind Geschenke von kapitalistischen PolitikerInnen an ihre Herren. Kein Wunder, dass nur gewinntr\u00e4chtige Bereiche privatisiert werden und verlust\u00adbringende in \u00f6ffentlicher Hand bleiben.<\/p>\n<p> <strong>Kapitalistischer Boom durch neue Technologien?<\/strong><\/p>\n<p> Die Propagandisten der Globalisierung haben in den 90er Jahren die These vertreten, dass Globalisierung und die Anwendung neuer Technologien eine neue Epoche kapitalistischen Aufschwungs einleiten w\u00fcrden. <br \/> Hardt und Negri bezeichnen das Empire als einen historischen Fortschritt. Der Schritt vom Imperialismus zum Empire ist f\u00fcr sie vergleichbar mit dem Schritt vom Feudalismus zum Kapitalismus. Sie schreiben: &#8222;Das Empire ist in dem Sinn besser, in dem Marx darauf bestand, dass der Kapitalismus besser sei als die Gesellschaftsformationen und Produktionsweisen, die ihm voraus gingen.&#8220; F\u00fcr Marx war das entscheidende Kriterium f\u00fcr die historisch fort\u00adschrittliche Rolle des Kapitalismus im Vergleich zum Feudalismus die Tatsache, dass der Kapitalismus in seiner Bl\u00fctezeit die Produktivkr\u00e4fte und damit die gesamte menschliche Gesellschaft, Zivilisation, Kultur weiterentwi\u00adckeln konnte, w\u00e4hrend diese in der Feudalgesellschaft stagnierten. <br \/> Dementsprechend ist es kein Zufall, dass Hardt und Negri keine \u00f6konomischen Krisenprozesse im heutigen Kapitalismus (ihrem Empire) erkennen, sondern schreiben: &#8220; Nun, w\u00e4hrend wir dieses Buch schreiben und sich das 20. Jahrhundert dem Ende zuneigt, ist der Kapitalismus auf wundersame Weise gesund und die Akkumulation kr\u00e4ftig wie nie.&#8220;<br \/> Wie so oft wird auch diese These nicht mit Fakten gest\u00fctzt. Die Fakten sprechen auch gegen diese Einsch\u00e4tzung eines gesunden und boomenden Kapitalismus. Das Gegenteil ist der Fall: der Kapitalismus ist ein kranker Mann, dessen Krankheit sich tendenziell verschlimmert, die aber in Sch\u00fcben kommt. Nach jedem Krankheitsschub gibt es eine Phase der Erholung, aber es geht dem Patienten niemals besser als vor dem letzten Schub. <\/p>\n<p> Die Entwicklung neuer Technologien ist bedeutend und sie hat unser Leben ver\u00e4ndert. Die Welt ist in vielerlei Hinsicht durch die Anwendung von Telefonen, Satelliten, Internet globalisiert. Aber es darf nicht vergessen werden, dass die Mehrheit der Menschen noch niemals ein Telefon benutzt, geschweige denn einen Computer gesehen haben. Auch in dieser Frage entpuppt sich die Globalisierung als eine Regionalisierung, die in den entwi\u00adckelten kapitalistischen Staaten und f\u00fcr eine kleine Elite in der neokolonialen Welt eine Wirkung hat, aber nicht f\u00fcr die Massen der armen L\u00e4nder.<br \/> Au\u00dferdem m\u00fcssen diese technologischen Ver\u00e4nderungen historisch eingeordnet werden und ihre Anwendung in der \u00d6konomie betrachtet werden. Die Anwendung technologischer Erneuerungen ist abh\u00e4ngig von der Phase, die die kapitalistische Wirtschaft durchl\u00e4uft. So waren Erfindungen wie Gummi oder Plastik, die erst im Nachkriegsboom breite Anwendung fanden, schon in den 30er Jahren gemacht worden. Sie konnten aber wegen der Stagnationsphase des Kapitalismus noch keine Anwendung finden. <\/p>\n<p> Die technologischen Erneuerungen der letzten zwei Jahrzehnte sind nicht vergleichbar mit der technologischen Revolution zu anderen Zeiten, zum Beispiel der Erfindung des Benzinmotors und von Kraftfahrzeugen, des Flugzeugs, des Telefons, des Radios, der Filmtechnik und anderer Erneuerungen um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts herum.<br \/> Charles Jonscher beschreibt in seinem Buch &#8222;Wired Life: Who we are in the Digital Age&#8220;: &#8222;In Paris und New York ist die Struktur unseres allt\u00e4glichen Lebens weitgehend unver\u00e4ndert. Einige neue architektonischen Stilrichtungen und Automodelle sind entstanden, aber der Verkehr staut sich immer noch, wie schon vor Jahrzehnten, vor den St\u00e4dten. Die Menschen gehen dieselben Stra\u00dfen und Alleen entlang, zwischen B\u00fcrogeb\u00e4uden und Wohnblocks, Caf\u00e9s und Restaurants. Die Infrastruktur, die uns mit Gas, Elektrizit\u00e4t und Wasser versorgt, besteht weitgehend aus der ersten H\u00e4lfte des Jahrhunderts.<br \/> Unser Lebensstil wurde nicht durch das Reisen mit Raketen, magnetisches Schweben oder automatisierte Wohnungen transformiert, was f\u00fcr einen optimistischen Futuristen des Jahres 1950 sicher erstaunlich ist. F\u00fcnfzig Jahre sp\u00e4ter tanken wir unser Benzin immer noch an den selben Tankstellen f\u00fcr Autos, die mit Verbrennungsmotoren, Kolben, Kurbelwellen, Getriebegeh\u00e4usen und Differentiale funktionieren. Wir beenden dieses halbe Jahrhundert sehr \u00e4hnlich, wie wir es begonnen haben. Benutzen B\u00fcgeleisen, um unsere Kleidung zu gl\u00e4tten, Staubsauger, um sauber zu machen und einen Schraubenschl\u00fcssel, um einen tropfenden Wasserhahn zu reparieren. Infektionskrankheiten sind weiterhin weit verbreitet.&#8220;<\/p>\n<p> Und auch f\u00fcr die kapitalistische Wirtschaft haben die neuen Technologien nur eine begrenzte Auswirkung. Sie wurden vor allem in der Informationstechnologie und im Finanzsektor angewendet. Nat\u00fcrlich auch in einigen Bereichen der Industrie, aber neue Technologien haben nicht zu einer qualitativen Steigerung der Produktivit\u00e4t gef\u00fchrt. Die durchschnittliche Produktivit\u00e4tssteigerung in den 90er Jahren ist geringer als in den 80er Jahren, ge\u00adschweige denn im langen Nachkriegsboom von 1950 bis 1975. Die Steigerung der Profite, die phasenweise Erholung der Produktivit\u00e4t in einzelnen L\u00e4ndern und teilweise auch der Profitrate basierte nicht in erster Linie auf neuen Technologien, sondern auf der neoliberalen Politik, also der Versch\u00e4rfung der Ausbeutung der Arbeiterklasse. <br \/> Die Anwendung von neuen Technologien ist vor allem intensiv und nicht extensiv, dass hei\u00dft sie f\u00fchrt zu effek\u00adtiveren Arbeitsabl\u00e4ufen, aber schafft keine besonderen neuen Werte. Neue Technologien werden in der Industrie mehr f\u00fcr die Effektivierung des Managements, der Personalabteilungen und Verwaltungen, des Handels und der Werbung eingesetzt, als in der Produktion selber. Jonscher sagt dazu: \u201eB\u00fcroautomatisierung wird helfen, Autos zu verkaufen oder die Sitzpl\u00e4tze in Flugzeugen zu f\u00fcllen, aber wird diese Autos nicht herstellen oder die Flugzeuge zum Fliegen bringen. Wir m\u00fcssen realistisch sein: w\u00e4hrend neue Technologie genauso wichtig ist, wie die alte als ein Mittel im Konkurrenzkampf, ist sie doch nicht vergleichbar als ein Beitragender zur allgemeinen wirtschaftli\u00adchen Produktion.&#8220;<\/p>\n<p> Die weltweite wirtschaftliche Krise, die sich seit der Asienkrise 1997 entwickelt, der Verfall der Aktienkurse welt\u00adweit, die strukturelle Massenarbeitslosigkeit, der Kollaps ganzer Volkswirtschaften wie in Argentinien und der T\u00fcrkei &#8211; all das spricht eine andere Sprache als Antonio Negri und Michael Hardt, die noch eine lange Wachstumsphase des Kapitalismus vor uns sehen. Auch damit desorientieren sie die Bewegung gegen die kapi\u00adtalistische Globalisierung. Leider haben wir nicht so viel Zeit, um den Kapitalismus abzuschaffen. Tats\u00e4chlich be\u00adfinden wir uns in einem Wettlauf mit der Zeit. Die historische Alternative, die Rosa Luxemburg formulierte &#8211; Sozialismus oder Barbarei &#8211; ist heute brandaktuell. Der Kapitalismus hat ungeheure Destruktionskr\u00e4fte mobilisiert und diese wirken jeden Tag st\u00e4rker und bedrohen unser Leben, unsere Umwelt, unsere Zukunft &#8211; ob durch Erderw\u00e4rmung, (Nuklear-)Kriege oder den Zusammenbruch von sozialen Sicherungssystemen.<\/p>\n<p> <strong>Globalisierung als Ideologie<\/strong><\/p>\n<p> Globalisierung ist ein realer Prozess. Aber Globalisierung ist auch eine ideologische Waffe in der Hand der Kapitalisten und ihrer PolitikerInnen und Medien. Sie wird als Totschlagargument benutzt, um ArbeiterInnen zu erpressen. &#8222;Wenn Ihr keine niedrigeren L\u00f6hne, keinen Arbeitsplatzabbau, keine schnelleren B\u00e4nder akzeptiert &#8211; verlegen wir die Produktion eben ins Ausland. Dort sind die Arbeiterinnen und Arbeiter gen\u00fcgsamer und geben sich mit weniger Lohn und l\u00e4ngeren Arbeitszeiten zufrieden. Wir k\u00f6nnen sowieso machen, was wir wollen. Denn wir sind ja ein Multi und uns kann keine Regierung etwas sagen.&#8220; So oder so \u00e4hnlich wird argumentiert. Regierungen greifen diese Argumentation gerne auf, denn sie befreit sie von der Aufgabe, Konzernen Schranken aufzuzeigen und zur Sicherung von Arbeitspl\u00e4tzen und sozialen Standards einzugreifen &#8211; man w\u00fcrde ja gerne, aber es geht ja nicht, denn man ist angesichts des globalisierten Kapitalismus und der freischwebenden multinationalen Konzerne leider machtlos. <br \/> Das ist nichts als Propaganda. Multinationale Konzerne sind nicht freischwebend und tats\u00e4chlich nur multinatio\u00adnal, was ihr Operationsgebiet angeht, aber nicht was ihren Charakter angeht (siehe n\u00e4chsten Abschnitt). Die Lohnkosten sind aus Sicht der Kapitalisten nicht der einzige und oftmals auch nicht der entscheidende Faktor, wenn es darum geht, m\u00f6glichst profitabel zu produzieren. Dies mag f\u00fcr einige arbeitsintensive Industrien, wie die Textilbranche, gelten &#8211; und diese ist dementsprechend weitgehend in Billiglohnl\u00e4nder abgewandert. Aber in vielen Bereichen machen die Lohnkosten nur f\u00fcnf bis zehn Prozent der Gesamtkosten in der Produktion aus. In Deutschland zum Beispiel ist die Produktivit\u00e4t in der Regel um ein vielfaches h\u00f6her als in Billiglohnl\u00e4ndern. Hier k\u00f6nnen sich die Kapitalisten h\u00f6here L\u00f6hne leisten, weil die Produktivit\u00e4t noch h\u00f6her ist. Entscheidend sind die Lohnst\u00fcckkosten. Ein Unternehmer zahlt an seine ArbeiterInnen gerne den dreifachen Lohn im Vergleich zu einem anderen Land, wenn sie daf\u00fcr das achtfache in der selben Arbeitszeit herstellen.<br \/> Auch andere Faktoren sind f\u00fcr Kapitalisten von Bedeutung, wenn es um die Frage des Produktionsstandortes geht: Marktn\u00e4he, Infrastruktur und politische Stabilit\u00e4t geh\u00f6ren dazu. <br \/> <strong><br \/> Multis und Nationalstaat<\/strong><\/p>\n<p> Es ist ein Mythos, dass die multinationalen Konzerne keine nationale Basis mehr haben. Eigentlich kann man nur von sehr wenigen Konzernen sagen, dass sie keine nationalstaatliche Basis haben: ABB, Shell und Unilever sind die bekanntesten Beispiele. ABB ist ein schweizerisch-schwedisches Unternehmen, die beiden letzteren sind von ihrer Eigent\u00fcmerstruktur her einigerma\u00dfen parit\u00e4tisch niederl\u00e4ndisch-britisch. Unter den einhundert gr\u00f6\u00dften euro\u00adp\u00e4ischen Konzernen sind diese drei die einzigen, die nicht einem Nationalstaat zugeordnet werden k\u00f6nnen. In der gro\u00dfen Mehrzahl der Konzerne dominiert eine Nation. Das gilt f\u00fcr die Eigentumsstruktur, das Management, die Produktion, die Investitionen, die Forschung und Entwicklung und die Mehrzahl der Besch\u00e4ftigten. In diesem Zusammenhang von einer Globalisierung des Charakters der Konzerne zu sprechen ist um so unsinniger, da die Exporte und Auslandsinvestitionen sich weitgehend auf die entwickelten kapitalistischen Staaten konzentrieren und hier wieder auf die drei dominierenden Bl\u00f6cke NAFTA, EU und Japan. Rund 80 Prozent der weltweiten Exporte der 200 gr\u00f6\u00dften Konzerne konzentrieren sich auf die OECD-Staaten (50 Prozent und mehr entfallen sogar auf den Austausch zwischen den Konzernen).<br \/> Wir haben es sehr viel mehr mit einer Regionalisierung und Blockbildung zu tun, als einer Globalisierung im Sinne einer wirtschaftlichen Integration aller Teile der Welt. Das gilt f\u00fcr den Welthandel genauso wie f\u00fcr die aus\u00adl\u00e4ndischen Direktinvestitionen. Die Konzentration von Reichtum und Kapital hat enorm zugenommen und findet in den entwickelten kapitalistischen Staaten der Triade Nafta\/USA, Europ\u00e4ische Union und Japan statt. Die in diesen Bl\u00f6cken beheimateten multinationalen Konzerne sind f\u00fcr vier F\u00fcnftel der weltweiten industriellen Produktion und mehr als zwei Drittel des Welthandels verantwortlich. Vierzig Prozent des Welthandels ist Intra-Firm-Trade, also Handel, der innerhalb der Konzerne stattfindet (wenn zum Beispiel das VW-Werk in Belgien be\u00adstimmte Teile nach Wolfsburg liefert). Die neokolonialen L\u00e4nder werden weiter abgeh\u00e4ngt. Der Anteil des s\u00fcdlich der Sahara gelegenen Afrikas am Welthandel ist zum Beispiel von 1965\u00a0 bis 1986 von 0,4 auf 0,2 Prozent gesun\u00adken und sinkt weiter. Heute konzentrieren sich auf 13 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung 66 Prozent der Exporte. In 44 von 93 sogenannten Entwicklungsl\u00e4ndern sank das Bruttoinlandsprodukt im Zeitraum Mitte der 80er bis Mitte der 90er Jahre. Es findet eine Internationalisierung der \u00d6konomie der kapitalistischen Industriestaaten statt, die vor allem die Form von Blockbildungen angenommen hat. Der Rest der Welt nimmt an diesem Prozess kaum teil. <br \/> Winfried Wolf hat in seinem Buch &#8222;Fusionsfieber&#8220; dazu einige interessante Fakten zusammengetragen:<br \/> &#8222;Rund 70 Prozent des Umsatzes der Multis wird im eigenen &#8218;Nationalstaat&#8216; realisiert. Nimmt man als Bezugsgr\u00f6\u00dfe die &#8218;Bl\u00f6cke&#8216;, dann konzentrieren sich z.B. bei den US-Konzernen mehr als 80 Prozent des Weltumsatzes der US-Gro\u00dfkonzerne auf die NAFTA. F\u00fcr die EU-Konzerne d\u00fcrften sich \u00e4hnliche Konzentrationen ergeben, wenn wir einmal von Sonderf\u00e4llen wie DaimlerChrysler und Renault-Nissan mit ihren enormen transatlantischen Engagements absehen.&#8220; <br \/> &#8222;Das Eigentum an den gr\u00f6\u00dften Konzernen der Welt ist zu mehr als 90 Prozent insofern &#8217;national&#8216;, als es an einen der neun wirtschaftlich m\u00e4chtigsten Staaten dieser Welt gebunden und in einen der drei gr\u00f6\u00dften kapitalistischen Wirtschaftsbl\u00f6cke Nordamerika (NAFTA), Japan und Westeuropa (EU) eingebettet ist.&#8220; <br \/> &#8222;Es handelt sich bei den &#8218;100&#8216; oder &#8218;200&#8216; oder &#8218;500 Gr\u00f6\u00dften&#8216; so gut wie immer um Konzerne, die in einem starken Nationalstaat verankert sind. Sie nutzen diesen Nationalstaat oder gegebenenfalls nationalstaats\u00e4hnliche Institutionen der NAFTA oder der EU f\u00fcr ihre weltweiten Aktivit\u00e4ten und zur Verbesserung ihrer Position im in\u00adternationalen Konkurrenzkampf.&#8220; <br \/> Das Beispiel der Fusion des deutschen Daimler-Konzerns mit dem US-amerikanischen Autohersteller Chrysler ist in diesem Zusammenhang sehr aufschlussreich. Der \u00d6ffentlichkeit wurde diese Fusion als eine Ehe unter Gleichen pr\u00e4sentiert. Tats\u00e4chlich handelte es sich um eine \u00dcbernahme Chryslers durch Daimler &#8211; entstanden ist ein gr\u00f6\u00dferer weltweit operierender deutscher Konzern. Die bisherigen Daimler-Aktion\u00e4re erhielten mit 54 Prozent die Mehrheit am neuen Konzern. Auch in der Unternehmensf\u00fchrung wurden schnell die Verh\u00e4ltnisse wieder gerade ger\u00fcckt. Nach zwei Jahren schied der vormalige Chrysler-Boss Bob Eaton aus. Von f\u00fcnf Top-Managern von Chrysler war Mitte des Jahres 2000 noch einer \u00fcbriggeblieben. Die DaimlerChrysler-Aktie wird auch nicht mehr in den US-amerikanischen Dow Jones-Aktienindex aufgenommen, denn die Wall Street f\u00fchrt den Konzern als deutsches Unternehmen. Wenn es um Gesch\u00e4fte geht glaubt das Kapital nicht an seine eigene Propaganda, sondern nur an die Tatsachen: der Sitz der Firma ist in Stuttgart. <br \/> Interessant an dieser \u00dcbernahme ist auch, dass alle strategisch wichtigen Bereiche des Chrysler-Konzerns in den Jahren vor der \u201eFusion&#8220; an US-amerikanische Unternehmen abgegeben worden waren. \u00c4hnlich hat DaimlerChrysler dann \u00fcbrigens vor der Bildung des europ\u00e4ischen R\u00fcstungskonzerns EADS gehandelt. Der strate\u00adgisch bedeutende Triebwerkehersteller MTU wurde aus der DASA ausgegliedert und ging nicht in die EADS mit ein. <\/p>\n<p> \u00dcbernahmen, wie die von Chrysler durch Daimler, haben nichts mit\u00a0 transnationalen Konzernen zu tun, die keine nationalstaatliche Basis mehr haben. Dann h\u00e4tte man auch behaupten k\u00f6nnen, dass die milit\u00e4rische Unterwerfung Europas in der ersten Phase des Zweiten Weltkriegs durch Nazi-Deutschland eine Form der Globalisierung war. <\/p>\n<p> Das Gerede vom machtlosen Staat und den freischwebenden transnationalen Konzernen ist blanker Unsinn. Hardt und Negri fehlt auch ein Grundverst\u00e4ndnis von der Rolle des Staates im Kapitalismus. Das kapitalistische System basiert auf dem Nationalstaat. Dieser ist eine historisch gewachsene soziale Einrichtung und hat viele Bestandteile: Geschichte, Tradition, gemeinsame Sprache, Kultur, Territorium usw.<br \/> Die Kapitalisten brauchen den Staat, denn er sch\u00fctzt sie sowohl gegen\u00fcber dem Widerstand der Arbeiterklasse als auch gegen\u00fcber anderen kapitalistischen Konkurrenten. Der Staat dient dazu die Bedingungen zur Profitmaximierung aufrecht zu erhalten. Dazu geh\u00f6rt auch, Aufgaben zu \u00fcbernehmen, die der Einzelkapitalist nicht bezahlen kann oder die nicht in seinem unmittelbaren Interesse sind. Der Staat hat auch eine Vermittlungsfunktion zwischen den Klassen und zwischen den verschiedenen Einzelkapitalisten und Kapitalfraktionen. <br \/> Zum Beispiel war\/ist es Aufgabe des Staates eine gute Infrastruktur zu schaffen, die es den Kapitalisten erm\u00f6glicht,\u00a0 ihre Waren zu transportieren oder mit Kunden zu kommunizieren. Die Aufrechterhaltung eines Bildungswesens ist eine solche staatliche Aufgabe (was \u00fcbrigens nicht durch die Versuche, Privatisierungen be\u00adstimmter Bereiche des Bildungswesens durchzuf\u00fchren widersprochen wird, zum Teil versuchen heute private Kapitalisten die vom Staat aufgebaute Infrastruktur zu \u00fcbernehmen und profitabel auszunutzen).<br \/> Letztlich besteht der Staat aus speziellen Formationen bewaffneter Menschen &#8211; aus Polizei, Milit\u00e4r, Geheimdiensten und den dazu notwendigen Einrichtungen wie Justizwesen und Gef\u00e4ngnissen. <br \/> Es gibt heute keine internationalen Einrichtungen oder Strukturen, die staatliche Funktionen \u00fcbernehmen k\u00f6nnten. Die Kapitalisten greifen weiterhin auf ihren Nationalstaat zur\u00fcck, wenn sie ihn brauchen.<br \/> Und sie brauchen ihn im Kampf mit ihren ausl\u00e4ndischen Konkurrenten, wenn es mit der Wirtschaft bergab geht. Nichts anderes geschieht, wenn George W. Bush Strafz\u00f6lle auf Stahlimporte legt, die US-amerikanische Landwirtschaft subventioniert oder andere protektionistische Ma\u00dfnahmen ergreift. <\/p>\n<p> Die Globalisierung ist ein Prozess, eine Tendenz der Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft seit Ende der 70er Jahre. Der Kapitalismus ist unf\u00e4hig diese Tendenz bis ans Ende zu f\u00fchren. Imperialismus, Monopolkapitalismus, Globalisierung heben nicht den Konkurrenzkampf auf und k\u00f6nnen ihn nicht aufheben. <br \/> Die Globalisierung hat die Widerspr\u00fcche des Kapitalismus nicht gel\u00f6st, sondern sie versch\u00e4rft. Auf der Basis einer tiefen weltweiten Wirtschaftskrise wird die Tendenz zur Globalisierung aber zum Ende kommen und sich auch teilweise umkehren k\u00f6nnen. Konfrontiert mit sinkenden Profiten und Verlusten werden die Kapitalisten zu protek\u00adtionistischen Ma\u00dfnahmen greifen, um ihre M\u00e4rkte zu sch\u00fctzen und sich gegen ihre Konkurrenten durchzusetzen. Tats\u00e4chlich hat dies auch in den letzten zwanzig Jahren niemals aufgeh\u00f6rt. <\/p>\n<p> Die Entwicklung Japans in den letzten zehn Jahren zeigt eindrucksvoll, dass eine in die Krise geratene Kapitalistenklasse nach dem Eingreifen des Staates ruft, um die Krise zu \u00fcberwinden. Aller Globalisierungsideologie und neoliberaler Doktrin zum Trotz hat der japanische Staat mit massiver Neuverschuldung, staatlichen Investitionsprogrammen und eine Null-Zins-Politik massiv in die \u00d6konomie eingegriffen. Das wurde auch von den Globalisierungsfetischisten in den anderen kapitalistischen Staaten begr\u00fc\u00dft, weil sie die weltweiten Folgen eines Zusammenbruchs der japanischen Wirtschaft f\u00fcrchten. <br \/> \u00c4hnlich argumentieren zur Zeit immer mehr &#8222;Wirtschaftsexperten&#8220;, die europ\u00e4ischen Staaten d\u00fcrfen sich nicht sklavisch an die Vorgaben des Maastrichter Vertrages halten und sollten stattdessen die Geldpolitik lockern. Die Aufhebung der Frist f\u00fcr die EU-Mitgliedsstaaten bis Ende 2004 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen ist ein Beispiel daf\u00fcr, dass der Kapitalismus in der Krise von Globalisierung und Neoliberalismus abr\u00fccken kann und wird. Wie weit dieser Prozess gehen wird ist nicht genau vorherzusagen. Es wird wahrscheinlich keine vollst\u00e4n\u00addige Deglobalisierung oder ein Zur\u00fcck zu einer Situation wie in den 30er Jahren geben, als ausgehend von der Weltwirtschaftsdepression die internationale Integration der Wirtschaft zusammengebrochen war und Autarkiebestrebungen die Politik vieler kapitalistischer Staaten dominierten. Aber die Zunahme von ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen und von Fusionen hat schon im letzten Jahr deutlich nachgelassen. Eine tiefe Rezession wird Handelsauseinandersetzungen und Protektionismus f\u00f6rdern. <\/p>\n<p> <strong>Das Ende der Industriegesellschaft?<\/strong><\/p>\n<p> F\u00fcr Hardt und Negri befindet sich die Welt im Zeitalter der Postmoderne. \u00d6konomisch hat die Industrialisierung das Zeitalter der Moderne eingel\u00e4utet. Die Postmoderne werde demgegen\u00fcber gepr\u00e4gt von der Dominanz von Dienstleistungen und immaterieller Arbeit. Sie schreiben unter anderem:<\/p>\n<p> &#8222;Die zentrale Rolle bei der Produktion des Mehrwerts, die fr\u00fcher der Arbeitskraft der Fabrikarbeiter, dem &#8218;Massenarbeiter&#8216; zukam, spielt heute \u00fcberwiegend die intellektuelle, immaterielle und kommunikative Arbeit.&#8220; <\/p>\n<p> &#8222;In der Gegenwart allerdings ist der Prozess der Modernisierung an ein Ende gekommen. Mit anderen Worten, die industrielle Produktion kann ihre Dominanz nicht l\u00e4nger \u00fcber die anderen \u00f6konomischen Formen und die sozialen Ph\u00e4nomene ausweiten.&#8220;<\/p>\n<p> &#8222;(&#8230;)ist im Prozess der Postmodernisierung oder Informatisierung eine Abwanderung aus der Industrie in die Dienstleistungsjobs, in den terti\u00e4ren Sektor der \u00d6konomie, festzustellen.&#8220;<\/p>\n<p> &#8222;In diesem Sinne kann die postindustrielle \u00d6konomie als ein informationelle \u00d6konomie bezeichnet werden. Die Feststellung, dass der Prozess der Modernisierung beendet ist und dass die globale \u00d6konomie heute einen Prozess der Postmodernisierung hin zu einer informationellen \u00d6konomie unterliegt, bedeutet keineswegs, von einer Abschaffung der industriellen Produktion auszugehen oder zu unterstellen, sie habe, zumal in den dominanten Regionen der Erde, aufgeh\u00f6rt, eine wichtige Rolle in der \u00d6konomie zu spielen. Wie schon die industrielle Revolution die Landwirtschaft nicht abgeschafft, sondern transformiert und ihre Produktivit\u00e4t gesteigert hat, so wird auch die informationelle Revolution die Industrie transformieren.&#8220;<\/p>\n<p> &#8222;Das Detroiter Autowerk von 1930 war die Krone der globalen \u00d6konomie, es befand sich in beherrschender Position, dort wurde der h\u00f6chste Wert produziert; die Autofabrik der 1990er, ob in Sao Paulo, Kentucky oder Wladiwostok, nimmt in der globalen \u00d6konomie eine untergeordnete Stellung ein &#8211; untergeordnet im Verh\u00e4ltnis zur Produktivit\u00e4t der Dienstleistungen, die den h\u00f6chsten Wert produzieren. Jede \u00f6konomische T\u00e4tigkeit tendiert heute dazu, von der Informations\u00f6konomie beherrscht und von ihr qualitativ ver\u00e4ndert zu werden.&#8220;<\/p>\n<p> &#8222;Information und Kommunikation f\u00fchren die heutige Produktion an, sie sind die eigentlich produzierten Waren.&#8220;<\/p>\n<p> Nat\u00fcrlich ist es eine Tatsache, dass der Dienstleistungssektor im Vergleich zum Beginn des letzten Jahrhunderts oder im Vergleich zur Nachkriegsperiode eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung hat. In vielen entwickelten kapitalistischen Staaten sind mehr Menschen im Dienstleistungsbereich besch\u00e4ftigt als in der Industrie. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass die heutige kapitalistische \u00d6konomie vom terti\u00e4ren Sektor dominiert wird und immaterielle Arbeit den \u00fcberwiegenden Teil des produzierten Mehrwerts erzielt. Auch in dieser Frage arbeiten Hardt und Negri mit Behauptungen, die sie weder erkl\u00e4ren noch mit statistischem Material untermauern. Die Realit\u00e4t widerspricht ihnen einmal mehr.<\/p>\n<p> Die Produktion materieller G\u00fcter ist die Basis der gesamten \u00d6konomie. Die Dienstleistungsbranche befasst sich vor allen Dingen mit der Verteilung materieller Produkte (Handel, Werbung) oder mit der Finanzierung von Produktion (Banken). Es liegt auf der Hand, dass ohne materielle Produktion die sogenannte immaterielle Arbeit gar nicht stattfinden k\u00f6nnte. <br \/> Um in den Genuss von Kunst und Kultur zu kommen bedarf es materieller Produkte: das Fernsehen, den CD-Player, Ton- und Filmstudios, die Theatergeb\u00e4ude, das Holz f\u00fcr die Kulissen etc. Ohne Telefone keine Call-Center. Ohne Eisenbahnen, Flugzeuge, Busse und Hotels kein Tourismus. Ohne Halbleiter, Computer, Bildschirme kein Internet.<br \/> Die materielle Produktion ist die Basis der gesamten \u00d6konomie und auch der Dienstleistungsbranche. An jedem Industriearbeitsplatz h\u00e4ngen eine Reihe weiterer Arbeitspl\u00e4tze bei Zulieferern und Dienstleistern. Wenn VW in Wolfsburg oder Opel in Bochum dichtmachen w\u00fcrden, w\u00fcrden Geisterst\u00e4dte entstehen. Im Fall des britischen Rover-Werks in Longbridge hingen an den 5 000 Rover-Arbeitspl\u00e4tzen \u00fcber 15 000 Zulieferer, weitere 15 000 im Autohandel und\u00a0 5 000 Dienstleister in der Stadt. Wenn, aus welchem Grund auch immer, alle Edeka-Filialen in M\u00fcnchen schlie\u00dfen w\u00fcrden, w\u00fcrde die Nachfrage nach den Lebens- und Reinigungsmitteln, die dort verkauft werden kaum nachlassen und die Produkte w\u00fcrden in anderen Gesch\u00e4ften gekauft oder eine andere Handelskette w\u00fcrde in die Verkaufsr\u00e4ume einziehen. <br \/> Au\u00dferdem hat ja die Zunahme des Dienstleistungssektors nicht etwas damit zu tun, dass die Produktion materieller G\u00fcter zur\u00fcckgegangen w\u00e4re, sondern dass diese in immer produktiveren Fabriken von immer weniger ArbeitnehmerInnen hergestellt werden k\u00f6nnen. Die US-Industrie produziert heute mit derselben Anzahl von Besch\u00e4ftigten die doppelte Menge an Produkten wie 1973. <br \/> Von den zw\u00f6lf gr\u00f6\u00dften Unternehmen der BRD sind f\u00fcnf zum Teil im Dienstleistungsbereich t\u00e4tig. Die vier Spitzenpl\u00e4tze werden von reinen Industrieunternehmen belegt (Daimler, VW, Siemens und Veba). Unter den reinen Dienstleistungsunternehmen sind mit Metro, Rewe und Edeka drei Handelsketten, die wahrlich nichts anderes machen als materielle Produkte zu verkaufen. Selbst wenn diese einen h\u00f6heren Umsatz haben als manches Industrieunternehmen liegt es auf der Hand, dass sie eine geringere Bedeutung in der \u00d6konomie haben als gro\u00dfe Industriekonzerne. <br \/> Bei einer Betrachtung der gr\u00f6\u00dften Industriekonzerne der Welt, also der stofflichen Zusammensetzung des Weltkapitals, zeigt sich, dass wir weit davon entfernt sind in einer Mediengesellschaft zu leben. Es dominieren \u00d6l-, Auto- und R\u00fcstungskonzerne. Diese vereinen \u00fcber 50 Prozent der Ums\u00e4tze der einhundert gr\u00f6\u00dften Industriekonzerne. Die elektronische Industrie, Internet, Computerherstellung k\u00f6nnen nicht mithalten. Sie errei\u00adchen nur etwas \u00fcber ein Viertel der Ums\u00e4tze der einhundert gr\u00f6\u00dften Industriekonzerne. Da kann Bill Gates der reichste Mann der Welt sein: Microsoft macht nur ein Achtel des Umsatzes von General Motors und steht auf Rang 210 der 500 gr\u00f6\u00dften Unternehmen (Zahlen von 1999).<\/p>\n<p> <strong>Das Ende der Arbeiterklasse?<\/strong><\/p>\n<p> Ausgehend von der Annahme, dass die materielle Produktion in der Gesamt\u00f6konomie nur noch eine untergeordne\u00adte Rolle spiele, negieren Hardt und Negri die Arbeiterklasse und sprechen stattdessen vom gesellschaftlichen Arbeiter und der Multitude\/der Menge. Sie betonen, dass das Proletariat (im Sinne der industriellen Arbeiterklasse) seine Rolle als revolution\u00e4res Subjekt verloren habe. Der gesellschaftliche Arbeiter ist f\u00fcr Hardt und Negri jeder Mensch &#8211; au\u00dfer den Kapitalisten. Die Autoren benutzen auch den Begriff der Bioproduktion, wo\u00admit sie die Produktion des menschlichen Lebens selbst meinen, welche wiederum von allen Individuen immer und \u00fcberall get\u00e4tigt wird. Letztlich sind das abstrakte Kategorien, die dazu dienen sollen, der Arbeiterklasse den R\u00fccken zu kehren. Diese Position wurde von Antonio Negri schon in den 70er Jahren entwickelt.<br \/> Negri war in den 70er Jahren einer der f\u00fchrenden Theoretiker der linksradikalen Bewegung in Italien. Er geh\u00f6rte zur Gruppe Autonomia Operaia, die aufgrund der reformistischen Politik der F\u00fchrung von Kommunistischer Partei und Gewerkschaften eine ablehnende Haltung gegen\u00fcber der Arbeiterklasse entwickelte. Negri bezeichnete Gewerkschafter damals als Kulaken (russische Gro\u00dfbauern) und IndustriearbeiterInnen als Kapitalisten. F\u00fcr ihn war nicht mehr das Ausbeutungsverh\u00e4ltnis zwischen Kapital und Arbeit entscheidend und die Arbeiterklasse de\u00adfinierte sich nicht mehr durch ihre Stellung in der Wirtschaft. Der gesellschaftliche Arbeiter konnte StudentIn, Hausfrau, Arbeitslose(r) sein &#8211; wurde er doch gesellschaftlich durch den Kapitalismus ausgebeutet. Diese gesell\u00adschaftlichen Arbeiter sollen das neue Proletariat sein, was nun aber sehr viel heterogener zusammengesetzt sei: &#8222;Die Klassenzusammensetzung des Proletariats hat sich gewandelt, und das m\u00fcssen wir nachvollziehen. Wir verwenden einen weiteren Begriff von Proletariat und fassen in dieser Kategorie all jene, deren Arbeitskraft direkt oder indirekt ausgebeutet wird und die in Produktion und Reproduktion kapitalistischen Normen unterworfen sind.&#8220; Dieses neue Proletariat ist die Multitude\/Menge.<\/p>\n<p> Letztlich werden sich in Hardts und Negris Definition all jene linken SkeptikerInnen wieder finden, die die Arbeiterklasse abgeschrieben haben. Die Idee, die Arbeiterklasse sei ein Ph\u00e4nomen der Vergangenheit ist nicht wirklich neu. Dieser Annahme liegt in der Regel eine falsche oder nicht vorhandene Definition von Arbeiterklasse zu Grunde. F\u00fcr viele, die die Arbeiterklasse abgeschrieben haben, muss ein ArbeiterIn im Blaumann in der Fabrik, verschmutzt im Bergwerk oder Bier trinkend auf dem Bau malochen. Davon gibt es zwar immer noch ziemlich viele, aber zumindest in den USA und Westeuropa doch immer weniger. Auch wenn Hardt und Negri den Begriff des Proletariats nicht verwerfen verst\u00e4rken sie doch diese Ideen \u00fcber die Arbeiterklasse.<\/p>\n<p> Doch f\u00fcr MarxistInnen macht sich die Arbeiterklasse weder an \u00c4u\u00dferlichkeiten fest, noch daran, ob man in der in\u00addustriellen Produktion t\u00e4tig ist. MarxistInnen nehmen eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Definition vor. Entscheidend ist, dass einE ArbeiterIn ihre\/seine Arbeitskraft zum Verkauf anbietet und &#8211; so er\/sie denn einen Arbeitsplatz hat &#8211; Mehrwert schafft. Ob dies im Bergwerk, bei Opel am Flie\u00dfband, bei Mc Donald&#8217;s an der Kasse, im Call Center oder als ProgrammiererIn geschieht ist zweitrangig. Nun gibt es Lohnabh\u00e4ngige, die nicht direkt Mehrwert schaffen, weil sie zum Beispiel im \u00f6ffentlichen Dienst besch\u00e4ftigt sind und nicht von Kapitalisten aus\u00adgebeutet werden. Sie sind aufgrund ihrer sozialen Stellung trotzdem Mitglieder der Arbeiterklasse. Genauso gibt es formell Lohnabh\u00e4ngige, die aber faktisch keinen Mehrwert schaffen und aufgrund ihrer sozialen Situation andere objektive Interessen haben und nicht zur Arbeiterklasse geh\u00f6ren &#8211; die Top-Manager in den Konzernzentralen (die aber in der Regel heutzutage sowieso gleichzeitig Gro\u00dfaktion\u00e4re sind).<br \/> Die Arbeiterklasse ist heute weltweit die quantitativ st\u00e4rkste Kraft in der Gesellschaft. In der Bundesrepublik sind knapp 90 Prozent der Erwerbst\u00e4tigen lohnabh\u00e4ngig. Zu Lebzeiten von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht waren das vielleicht vierzig Prozent, da ein viel gr\u00f6\u00dferer Teil der erwerbst\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung selbst\u00e4ndige Handwerker, Gewerbetreibende, H\u00e4ndler und Bauern waren. <br \/> Und selbst die Industriearbeiterklasse ist heute weltweit um ein vielfaches gr\u00f6\u00dfer als zu Marxens oder Lenins Zeiten. In den 24 gr\u00f6\u00dften Volkswirtschaften gab es im Jahr 1900 51,7 Millionen IndustriearbeiterInnen, 1950 waren es 88 Millionen und 1971 waren es 120 Millionen. Diese Zahl ist bis zum Jahr 1998 leicht auf 112,8 Millionen gesunken. <\/p>\n<p> Die Arbeiterklasse ist die einzige Kraft in der Gesellschaft, die in der Lage ist den Kapitalismus zu st\u00fcrzen und eine sozialistische Demokratie aufzubauen und zu gestalten. Warum? Aufgrund ihrer Stellung in der kapitalis\u00adtischen Wirtschaft. Durch kollektives Handeln &#8211; Streiks, Betriebsbesetzungen, Arbeiterkontrolle und -verwaltung \u00fcber die Produktion &#8211; ist sie in der Lage das weitere Funktionieren des Kapitalismus zu beenden, die Wirtschaft unter ihre Kontrolle zu bringen und demokratisch zu organisieren. Die Lohnabh\u00e4ngigen sind heute ausnahmslos von der Krise des Kapitalismus betroffen, durch Lohnk\u00fcrzungen, Stress, Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen, Arbeitsplatzverlust (oder zumindest der Sorge davor), Abbau von Sozialleistungen. Durch ih\u00adre gemeinsame T\u00e4tigkeit am Arbeitsplatz &#8211; und das zum Teil nach wie vor in Gro\u00dfbetrieben bzw. gro\u00dfen Unternehmen zu vielen Tausenden &#8211; k\u00f6nnen sie ein kollektives Klassenbewusstsein entwickeln und zu kollektiven Handlungen und kollektiven Organisationsformen kommen. <br \/> Die Arbeiterklasse ist die einzige Kraft in der Gesellschaft die dieses Potenzial hat. Dar\u00fcber ist sie sich nicht zu je\u00adder zeit bewusst. Wie Marx es ausdr\u00fcckte, muss sie von einer &#8222;Klasse an sich&#8220; zu einer &#8222;Klasse f\u00fcr sich&#8220; werden, also Klassenbewusstsein entwickeln. Das Bewusstsein der Arbeiterklasse ist heute international auf einem ver\u00adgleichsweise niedrigen Stand aufgrund der R\u00fcckschl\u00e4ge f\u00fcr die Arbeiterbewegung und den Sozialismus in den 90er Jahren. Die Erfahrung mit der Krise des Kapitalismus und mit gro\u00dfen Klassenk\u00e4mpfen, kombiniert mit dem Eingreifen sozialistischer Organisationen in diese K\u00e4mpfe, wird zu einem neuen Klassenbewusstsein und einem Bewusstsein f\u00fcr Sozialismus f\u00fchren. <br \/> Die Macht der Arbeiterklasse hat sich nicht zuletzt bei den Generalstreiks in Italien und Spanien im Jahr 2002 ge\u00adzeigt, wo sie die ganze Gesellschaft zum Stillstand gebracht und unter Beweis gestellt hat, dass der traditionelle Slogan der Arbeiterbewegung &#8211; alle R\u00e4der stehen still, wenn dein starker Arm es will &#8211; nach wie vor g\u00fcltig ist.<\/p>\n<p> <strong>Welches Programm f\u00fcr welche Bewegung?<\/strong><\/p>\n<p> Wenn man darauf hofft, dass Hardt und Negri ein Programm und eine Strategie vorschlagen, wie der Kapitalismus abgeschafft werden kann, wird man entt\u00e4uscht. Sie wissen ziemlich genau, welchen Weg sie nicht beschreiten wollen, aber ihre Ausf\u00fchrungen zum Widerstand, zum Gegen-Empire, zu einem politischen Programm sind d\u00fcnn und abstrakt und bieten keinerlei Anleitung zum Handeln. <br \/> Gleichzeitig weisen sie mit aller Vehemenz die traditionelle Arbeiterbewegung und den Marxismus zur\u00fcck. Den Vorschl\u00e4gen von Marx und Engels und ihrem Kommunistischen Manifest soll nach Hardt und Negri nicht gefolgt werden, um eine Gegenmacht aufzubauen. Die Zeiten des proletarischen Internationalismus sind f\u00fcr die beiden Autoren vorbei. An ihre Stelle tritt die Multitude\/Menge und soziale Bewegungen. Unter anderem beziehen sich Hardt und Negri auf die mexikanischen Zapatistas. Der Idee der Arbeiterr\u00e4te stellen Hardt und Negri entgegen: &#8222;Die Organisation des gesellschaftlichen Arbeiters und immaterieller Arbeit, eine Organisation produktiver und politischer Macht in Gestalt einer biopolitischen Einheit, die von der Menge koordiniert und gelenkt wird &#8211; sozu\u00adsagen absolute Demokratie in Aktion.&#8220; Was genau darunter zu verstehen ist wird dem Leser und der Leserin nicht mitgeteilt. <br \/> Die Multitude\/Menge, die ja aus Sicht von Hardt und Negri die industrielle Arbeiterklasse als revolution\u00e4res Subjekt abgel\u00f6st hat, ist aus ihrer Sicht zwar eine m\u00e4chtige und nicht aufzuhaltende Kraft &#8211; hat aber keine gemein\u00adsame Sprache, ist nicht organisiert, wei\u00df nicht wer ihr Gegner ist, handelt nicht kollektiv. Die Autoren selber weisen darauf hin: &#8222;Das einzige Ereignis, auf das wir noch warten, ist dasjenige der Errichtung oder genauer: der revolution\u00e4ren Erhebung einer m\u00e4chtigen Organisation.&#8220; Allerdings m\u00fcssen sie zugeben: &#8222;Feste Modelle haben wir f\u00fcr dieses Ereignis nicht zu bieten. Erst die Menge wird im praktischen Experiment diese Modelle bereitstellen und dar\u00fcber bestimmen, wann und wie das M\u00f6gliche Wirklichkeit wird.&#8220;<br \/> W\u00e4hrend sie in ihrer Analyse der Entstehung des Empire einen enormen Subjektivismus an den Tag legen (die Entstehung des Empire wird nicht auf objektive \u00f6konomische Prozesse, der Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte, zu\u00adr\u00fcckgef\u00fchrt, sondern als Antwort auf den internationalen proletarischen Klassenkampf verstanden &#8211; ein Aspekt des Buches, auf den in dieser Kritik leider nicht ausf\u00fchrlich eingegangen werden kann), fehlt hier jegliches Verst\u00e4ndnis von der Rolle des subjektiven Faktors &#8211; sozialistischer Organisationen &#8211; Bewusstseinsentwicklungen und K\u00e4mpfe anzusto\u00dfen und zu beschleunigen. Letztlich sind die Aussagen von Hardt und Negri zu dieser Frage ein Rezept f\u00fcr Passivit\u00e4t &#8211; die Menge wird&#8217;s schon richten. <\/p>\n<p> Hardt und Negri f\u00fchren die aus ihrer Sicht wichtigsten K\u00e4mpfe der letzten Jahre des 20. Jahrhunderts auf: den chinesischen Studierendenaufstand 1989, die pal\u00e4stinensische Intifada, die Revolte 1992 in Los Angeles, den zapa\u00adtistischen Aufstand im mexikanischen Chiapas 1994, die Streikbewegungen in Frankreich 1995 und S\u00fcdkorea 1996. Daraufhin behaupten sie, diese K\u00e4mpfe h\u00e4tten keinen neuen internationalen Kampfzyklus ausgel\u00f6st, &#8222;weil die darin zum Ausdruck kommenden W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse sich nicht in unterschiedliche Kontexte \u00fcbersetzen lie\u00dfen.&#8220; Sie sprechen auch davon, dass die unterschiedlichen K\u00e4mpfe in verschiedenen Teilen der Welt eine unter\u00adschiedliche Sprache zu sprechen scheinen und formulieren: &#8222;Auch hier deutet sich eine wichtige politische Aufgabe an: eine neue gemeinsame Sprache zu finden, die uns die Kommunikation erleichtert, so wie es f\u00fcr die K\u00e4mpfe einer fr\u00fcheren Epoche die Sprache des Antiimperialismus und des proletarischen Internationalismus taten.&#8220;<\/p>\n<p> Zurecht weisen die Autoren darauf hin, dass eine Strategie, die eine Lokalisierung von K\u00e4mpfen vorschl\u00e4gt und keine globale Dimension des Widerstandes vertritt, sch\u00e4dlich ist. Gleichzeitig erkennen sie aber die globalen Auswirkungen der K\u00e4mpfe und den globalen Charakter der Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung nicht. Man muss den Autoren zugestehen, dass sie ihr Buch vor den Massendemonstrationen gegen die Welthandelsorganisation in Seattle 1999 geschrieben haben, aber eben diese Proteste widerlegen Hards und Negris Einsch\u00e4tzung der sozialen K\u00e4mpfe. <\/p>\n<p> Hardt und Negri untersch\u00e4tzen die von ihnen selbst aufgef\u00fchrten K\u00e4mpfe (auch wenn die Auswahl sehr willk\u00fcrlich ist, so werden zum Beispiel nicht die Massenbewegungen erw\u00e4hnt, die 1989-91 die stalinistischen Regime st\u00fcrzten), denn alle diese K\u00e4mpfe hatten internationale Auswirkungen. Der Aufstand der chinesischen Studierenden war ein Vorbote der m\u00e4chtigen Massenbewegungen, die das SED-Regime, die Ceaucescu-Diktatur und die anderen stalinistischen Regime hinwegfegten und motivierte diese (trotz seiner blutigen Niederschlagung). Die franz\u00f6sischen Streiks von 1995 waren eine Motivation f\u00fcr die deutschen GewerkschafterInnen, die 1996 hunderttausendfach gegen Kanzler Kohl nach Bonn marschierten (&#8222;Mit Kohl Franz\u00f6sisch reden&#8220; war einer der beliebtesten Slogans). Der Pal\u00e4stinenseraufstand hat zu einer Radikalisierung in der gesamten arabischen Welt ge\u00adf\u00fchrt und der zapatistische Aufstand in Chiapas spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung neuer internatio\u00adnalistischer Proteste und Debatten, die Vorboten der Bewegung von Seattle und Genua waren.<br \/> Hardt und Negri versuchen aber gar nicht den Charakter von K\u00e4mpfen und Bewegungen in der post-stalinistischen Periode zu erfassen. Sie stellen fest, dass die verschiedenen K\u00e4mpfe (ihrer Meinung nach) keine gemeinsame Sprache gefunden haben, beantworten aber weder die Frage, warum dies der Fall ist, noch wie das zu \u00e4ndern ist. Vor allem erkennen sie die Auswirkungen des Zusammenbruchs des Stalinismus nicht.<\/p>\n<p> Der Zusammenbruch des Stalinismus war auch das Ende der Nachkriegs-Weltordnung und leitete eine Verschiebung im internationalen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zwischen den Klassen ein. Der Prozess von Globalisierung und Neoliberalismus, der schon Ende der 70er Jahre eingesetzt hatte, nahm einen starken Aufschwung. Die Arbeiterklasse und linke Parteien und Bewegungen wurden in die Defensive gedr\u00e4ngt, das Kapital organisierte eine ideologische Offensive mit gro\u00dfen Auswirkungen. Das politische Bewusstsein innerhalb der Arbeiterklasse fiel zur\u00fcck, sozialistische Ideen verloren an Unterst\u00fctzung. Die traditionellen Organisationen der Arbeiterklasse &#8211; Sozialdemokratie, Gewerkschaften, Kommunistische Parteien &#8211; vollzogen einen weitgehenden Rechtsruck und ak\u00adzeptierten fast ausnahmslos die kapitalistische Marktwirtschaft. Im Falle der meisten sozialdemokratischen und einiger Kommunistischer Parteien f\u00fchrte diese Entwicklung zu einer v\u00f6lligen Transformation hin zu durch und durch b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Parteien, die eine aktive Massenbasis in der Arbeiterklasse und unter Jugendlichen verloren haben. In verschiedenen L\u00e4ndern der neokolonialen Welt gaben linke Guerillabewegungen den Kampf auf, begannen Verhandlungen mit den kapitalistischen Regierungen und versuchten sich mit den Regimen, die sie jahrzehntelang bek\u00e4mpften, zu arrangieren. Ein Vakuum entstand auf der Linken, welches von keiner Kraft gef\u00fcllt wurde. <br \/> W\u00e4hrend Leo Trotzki im \u00dcbergangsprogramm von 1938 noch schrieb, die Krise der Menschheit sei die Krise der F\u00fchrung des Proletariats und damit darauf hinwies, dass in vielen F\u00e4llen, wie der Spanischen Revolution, der Wille den Sozialismus zu erk\u00e4mpfen, die Kampf- und Opferbereitschaft, die Massenaktivit\u00e4t innerhalb der Arbeiterklasse gegeben waren und es nur an einer schlagfertigen marxistischen Massenpartei fehlte, muss diese Aussage heute differenziert werden. Die Krise der Menschheit ist heute eine Krise von Bewusstsein, Organisation und F\u00fchrung der Arbeiterklasse. Das bedeutet, dass sich Unzufriedenheit, Wut und soziale K\u00e4mpfe auf lokaler, re\u00adgionaler und nationaler Ebene nicht sofort in politische Bewegungen und sozialistische Organisation verwandeln. Diese R\u00fcckschl\u00e4ge der 90er Jahre sind der Grund, warum der Globalisierung noch keine Welle von internationalen K\u00e4mpfen und Protesten entgegengesetzt wurde, die den K\u00e4mpfen der 20er\/30er Jahre oder der 70er Jahre entspre\u00adchen w\u00fcrde. Die Arbeiterklasse und die Jugend braucht Zeit und muss Erfahrungen sammeln, um den verlorenen Boden aufzuholen. Aber sie hat mit dem Aufholungsprozess begonnen: nichts anderes sind die Massendemonstrationen von Seattle, Prag, G\u00f6teborg, Genua, Barcelona, Sevilla, Berlin. Nichts anderes sind die Entstehung von Strukturen wie ATTAC, dem Weltsozialforum oder innergewerkschaftlichen Oppositionsgruppen. Nichts anderes sind die Streiks und Generalstreiks des Jahres 2002 in Italien, Spanien, Griechenland, Portugal, Deutschland, Gro\u00dfbritannien. Aus diesen K\u00e4mpfen, Protesten und Debatten heraus werden neue sozialistisches Bewusstsein entstehen und neue starke sozialistische Arbeiterorganisationen hervorgehen. SozialistInnen m\u00fcssen heute ihre Kraft daf\u00fcr einsetzen diesen Prozess anzutreiben und zu beschleunigen. Und sie m\u00fcssen den Marxismus weiterentwickeln und eine revolution\u00e4r-sozialistische Organisation aufbauen, die die Basis f\u00fcr das Entstehen revo\u00adlution\u00e4r-sozialistischer Massenparteien in der Zukunft bilden kann, die notwendig sind, um eine Revolution zum Sieg zu f\u00fchren. <\/p>\n<p> Die programmatischen Punkte, die Hardt und Negri vertreten sind schwach und weit davon entfernt, ein Programm zu sein, was der Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung den Weg weisen k\u00f6nnte. Letztlich formulieren sie drei Forderungen:<br \/> &#8211; Das Recht auf Weltb\u00fcrgerschaft und Bewegungsfreiheit<br \/> &#8211; Das Recht auf sozialen Lohn<br \/> &#8211; Das Recht auf Wiederaneignung<\/p>\n<p> <strong>Das Recht auf Weltb\u00fcrgerschaft und Bewegungsfreiheit<\/strong><\/p>\n<p> Die Forderung nach Bewegungsfreiheit und Weltb\u00fcrgerschaft steht im engen Zusammenhang mit der Einsch\u00e4tzung vom Nomadismus, die Hardt und Negri vornehmen. F\u00fcr sie ist der Nomade der neue Revolution\u00e4r. Migrationsbewegungen werden als eine aus der Multitude\/Menge heraus kommende Widerstandsform betrachtet, die nationalstaatliche Autorit\u00e4ten unterwandert: &#8222;Als die wahren Helden der Befreiung der Dritten Welt d\u00fcrfen heute die Emigranten und die Bev\u00f6lkerungsstr\u00f6me gelten, die alte und neue Grenzen zerst\u00f6rt haben.&#8220; Dabei lassen sie vollkommen au\u00dfer Betracht, dass Migration unterschiedliche Ursachen hat, dass es freiwillige und erzwungene Migration gibt. Die Vorschl\u00e4ge der Hartz-Kommission sehen eine Mobilit\u00e4t vor, die sicherlich keine Widerstandsform ist, sondern der Zwang in der gesamten Bundesrepublik einen angebotenen Arbeitsplatz annehmen zu m\u00fcssen. Die Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me sind keine Widerstandsbewegungen, sondern Verzweiflungsbewegungen. F\u00fcr die vollen b\u00fcrgerlichen Rechte f\u00fcr alle MigrantInnen einzutreten ist richtig, doch die Forderung nach einer Weltb\u00fcrgerschaft zielt ins Leere. Staatsb\u00fcrgerliche Rechte sind weiterhin nationalstaat\u00adlich festgelegt. Eine(n) Weltb\u00fcrgerIn kann und wird es erst in einer weltweiten sozialistischen F\u00f6deration geben. Bis dahin muss die Linke die Forderung nach gleichen Rechten f\u00fcr alle in den jeweiligen Nationalstaaten lebenden Menschen aufwerfen. Das ist eine Forderung, f\u00fcr die mobilisiert und gek\u00e4mpft werden kann. Die Forderung nach einem Recht auf Weltb\u00fcrgerschaft ist unter den gegebenen Verh\u00e4ltnissen &#8211; der Fortexistenz der Nationalstaaten als der grundlegenden Einheit gesellschaftlicher Organisation &#8211; gleichbedeutend mit der Forderung nach Meinungsfreiheit f\u00fcr S\u00e4uglinge. Sie ist unsinnig und utopisch.<\/p>\n<p> <strong>Das Recht auf einen sozialen Lohn<\/strong><\/p>\n<p> Hardts und Negris Forderung nach einem sozialen Lohn muss im Zusammenhang mit ihrer Vorstellung des &#8222;gesellschaftlichen Arbeiters&#8220; und der &#8222;biopolitischen Produktion&#8220; betrachtet werden. Da sie davon ausgehen, dass jeder Mensch an dieser biopolitischen Produktion, die ja die Produktion des Lebens selber sein soll, teilnimmt, er\u00adgibt sich daraus das Recht auf einen sozialen Lohn &#8211; unabh\u00e4ngig davon, ob ein Mensch Lohnarbeit verrichtet. &#8222;Arbeit &#8211; materielle oder immaterielle, geistige oder k\u00f6rperliche &#8211; produziert und reproduziert gesellschaftliches Leben und wird dabei vom Kapital ausgebeutet.&#8220; Und: &#8222;Die Forderung nach einem sozialen Lohn erweitert die Forderung, dass jede f\u00fcr die Kapitalproduktion n\u00f6tige T\u00e4tigkeit durch gleiche Kompensation Anerkennung findet, auf die gesamte Bev\u00f6lkerung, so dass ein sozialer Lohn letztlich ein garantiertes Einkommen darstellt. Und da die staatsb\u00fcrgerlichen Rechte allen zustehen, k\u00f6nnen wir dieses garantierte Einkommen als B\u00fcrgereinkommen be\u00adzeichnen, das jedem Mitglied der Gesellschaft zusteht.&#8220;<br \/> In der Schlussfolgerung ist Hardt und Negri zuzustimmen. Ein garantiertes Einkommen &#8211; SozialistInnen w\u00fcrden es als eine soziale Mindestsicherung nennen &#8211; ist eine zentrale sozialpolitische Forderung. Die Argumentation der Autoren ist aber gef\u00e4hrlich und definiert ihr B\u00fcrgereinkommen anders, als\u00a0 SozialistInnen eine soziale Grundsicherung definieren w\u00fcrden. Eine soziale Mindestsicherung soll f\u00fcr ausnahmslos alle gelten: F\u00fcr Erwerbslose, f\u00fcr Inl\u00e4nderInnen und Ausl\u00e4nderInnen, f\u00fcr Jugendliche und Alte &#8211; unabh\u00e4ngig von ihrer T\u00e4tigkeit. Hardt und Negri sehen produktive T\u00e4tigkeit als Basis f\u00fcr das Recht auf einen sozialen Lohn. Nun m\u00f6gen sie sagen, dass sowieso jeder Mensch ein &#8222;gesellschaftlicher Arbeiter&#8220; ist und an der biopolitischen Produktion teilnimmt. Dies ist &#8211; selbst wenn man den Begriff der Bioproduktion akzeptiert &#8211; zu bezweifeln bzw. wird absurd, wenn man die Frage aufwirft, ob zum Beispiel obdachlose Stra\u00dfenkinder produktiv t\u00e4tig sind. Nach Hardts und Negris Logik w\u00fcrde diesen kein sozialer Lohn zustehen. Auch kn\u00fcpfen sie die Forderung nach sozialem Lohn an die B\u00fcrgerrechte, die zwar allen zustehen sollten, es aber nicht tun. MigrantInnen sind also potenziell ausgeschlossen.<\/p>\n<p> <strong>Das Recht auf Wiederaneignung<\/strong><\/p>\n<p> Wenn Hardt und Negri das Recht auf Wiederaneignung fordern beziehen sie das explizit auf die Produktionsmittel. Doch sie haben keine Vorstellung davon, wie das Proletariat sich die Produktionsmittel aneignen soll. Tats\u00e4chlich sind ihre Aussagen zu Fragen des Privateigentums an Produktionsmitteln \u00e4u\u00dferst wirr. So behaupten sie, dass Gemeinschaftlichkeit heute h\u00f6her zu bewerten sei, als zu jeder anderen Phase der Gesellschaft und das Privateigentum sei daher ein abstrakter und transzendenter Begriff, der sich immer mehr von der Realit\u00e4t entfernt. Damit unterst\u00fctzen sie die Idee, Eigentum sei heute nicht mehr greifbar, weil es sich zum Beispiel \u00fcber Aktienpakete verschiedener Firmen und Firmengruppen definiert. Nach Ansicht der Autoren befinden sich die Produktionsmittel schon in der Menge, werden nur nicht von ihr kontrolliert. Das ergibt sich aus der Idee, dass die immaterielle Produktion \u00fcberwiegt und diese unter anderem aus Worten und Affekten bestehe. Hardts und Negris Schlussfolgerung: &#8222;Das Recht auf Wiederaneignung ist somit in Wahrheit das Recht der Menge auf Selbstkontrolle und autonome Eigenproduktion.&#8220; Das ist leider blanker Unsinn. Wie wir schon oben ausgef\u00fchrt haben, ist der Gro\u00dfteil der Produktion von physischem Charakter und wird weiterhin in real existierenden Produktionsst\u00e4tten, auf Transportmitteln und in Verwaltungen ausgef\u00fchrt. Diese geh\u00f6ren real existierenden Kapitalisten. Und auch wenn die Kapitalisten oftmals versuchen, in der Anonymit\u00e4t zu verschwinden, ist Privateigentum doch nachvollziehbar. Winfried Wolf fasst in seinem Buch &#8222;Fusionsfieber&#8220; zusammen: &#8220; Die Familie Ford kontrolliert heute weiterhin den Autokonzern Ford, die Familie N.I. du Pont de Nemours beherrscht den Chemiekonzern Du Pont und gilt weiter als Hauptaktion\u00e4rin von General Motors. Die Familie Quandt kontrolliert den Autokonzern BMW. Bill Gates ist Alleinherrscher bei dem Software-Riesen Microsoft. Der Thyssen-Konzern wird weiter in erheblichem Ma\u00df von der Familie Claudio Graf Zichy-Thyssen beherrscht; der Henkel-Konzern ist v\u00f6llig unter der Kontrolle der Familie Henkel. Otto Beisheim hat bei der Handelskette Metro das Kommando. Die Familie Albrecht kontrolliert die Aldi-Ketten. Leo Kirch beherrscht mit seinem Medienkonzern unter anderem Pro Sieben, Sat 1 und die Agentur ddp und \u00fcbt auch ma\u00dfgeblichen Einfluss auf den Springer-Konzern aus. Die schwedische Familie Wallenberg beherrschte 1999 noch den Nutzfahrzeughersteller Scania und den Flugzeughersteller Saab, den Elektronikkonzern Ericson und den Kugellagerhersteller SKF. Die Familie Agnelli hat bei Fiat (mit Alfa und Lancia) das Sagen. Der f\u00fchrende Reifenhersteller Europas, Michelin, und der gr\u00f6\u00dfte franz\u00f6sische Autokonzern, PSA Peugeot, werden von Familienimperien kontrolliert. (&#8230;) Die Familie Quandt beispielsweise liegt auf Platz 15 der Weltmilliard\u00e4rsliste; ihr Verm\u00f6gen wird auf 12,8 Milliarden US-Dollar taxiert. Bill Gates gilt danach weiter als der reichste Mann der Welt, obgleich sein Verm\u00f6gen um ein Drittel auf nunmehr 60 Milliarden US-Dollar schrumpfte. Kirch belegt mit einem privaten Verm\u00f6gen von 1,5 Milliarden US-Dollar Rang 19.&#8220;<br \/> Privateigentum an Produktionsmitteln ist also nicht abstrakt und transzendent, sondern ganz konkret und greifbar. Wenn die Masse der Menschheit sich die Produktionsmittel aneignen und diese sinnvoll und nicht in Konkurrenz gegeneinander produzieren soll, dann muss daf\u00fcr die Forderung nach \u00dcberf\u00fchrung der Produktionsmittel in \u00f6ffent\u00adliches Eigentum bei einer demokratischen Kontrolle und Verwaltung derselben durch die arbeitende Bev\u00f6lkerung und ihre Organisationen aufgestellt werden.<\/p>\n<p> Ein Programm, bei dem der Kampf f\u00fcr seine volle Durchsetzung die Ketten des Kapitalismus sprengt und den Weg zu einer anderen Gesellschaft weist, m\u00fcsste sicherlich die Forderungen nach vollen staatsb\u00fcrgerlichen Rechten f\u00fcr alle Menschen, nach einer sozialen Mindestsicherung und nach der \u00dcberf\u00fchrung der gro\u00dfen Produktionsmittel in \u00f6ffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch die arbeitende Bev\u00f6lkerung enthalten. Aber auch noch viel mehr: die Bek\u00e4mpfung der Massenarbeitslosigkeit durch radikale Arbeitszeitverk\u00fcrzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich und durch \u00f6ffentlich finanzierte Investitionsprogramme in Bereichen wie Bau, Gesundheit, Bildung, Verkehr, Umwelt; die drastische progressive Besteuerung von Gewinnen und Verm\u00f6gen; die Ablehnung jeglicher Privatisierungsma\u00dfnahmen; ein \u00f6ffentliches und kostenloses Gesundheitswesen; ein \u00f6ffentliches und kostenloses Bildungswesen, das allen Kindern und Jugendlichen eine gute Bildung vermittelt; die Rettung der Umwelt durch die Stilllegung von Atomkraftwerken, den Ausbau regenerativer Energieformen, den Stopp umweltzerst\u00f6render Produktion und so weiter; die Aufl\u00f6sung kapitalistischer Institutionen wie IWF, Weltbank, WTO und einige weitere Forderungen (siehe dazu zum Beispiel das Wahlprogramm der SAV zur Bundestagswahl 2002 und die Spalte &#8222;Wof\u00fcr wir k\u00e4mpfen&#8220; auf der R\u00fcckseite der SAV-Zeitung &#8222;Solidarit\u00e4t&#8220;)<\/p>\n<p> Zu diesen Fragen schweigen Hardt und Negri. Sie bieten kein Programm und keine Strategie f\u00fcr die wachsende Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung an. Im Gegenteil: liest man ihr Buch, muss man Zweifel an den eigenen F\u00e4higkeiten zum Widerstand bekommen &#8211; oder es kopfsch\u00fcttelnd beiseite legen. Was sonst soll man ma\u00adchen, wenn man Passagen wie die folgende liest: \u201eDenn der Wille dagegen zu sein, bedarf in Wahrheit eines K\u00f6rpers, der vollkommen unf\u00e4hig ist, sich einer Befehlsgewalt zu unterwerfen; eines K\u00f6rpers, der unf\u00e4hig ist, sich an famili\u00e4res Leben anzupassen, an Fabrikdisziplin, an die Regulierungen des traditionellen Sexuallebens usw. (Sollten Sie bemerken, dass ihr K\u00f6rper sich diesen &#8217;normalen&#8216; Lebensweisen verweigert, so verzweifeln sie nicht &#8211; verwirklichen Sie ihre Gaben!). Doch der neue K\u00f6rper muss nicht nur radikal ungeeignet f\u00fcr die Normalisierung sein, sondern auch in der Lage, ein neues Leben zu schaffen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Globalisierung und Nationalstaat, Industriegesellschaft und Neue Technologien, Arbeiterklasse und Multitude &#8211; eine Auseinandersetzung mit Michael Hardt und Antonio Negri <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":16793,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[70,92],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16795"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16795"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16795\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16793"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16795"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16795"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16795"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}