{"id":16748,"date":"2012-06-08T00:00:59","date_gmt":"2012-06-07T22:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.sozialismus.info\/?p=16748"},"modified":"2012-06-12T14:38:37","modified_gmt":"2012-06-12T12:38:37","slug":"vorsitzender-der-sozialistischen-bewegung-kasachstan-tot-aufgefunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/06\/vorsitzender-der-sozialistischen-bewegung-kasachstan-tot-aufgefunden\/","title":{"rendered":"Vorsitzender der \u201eSozialistischen Bewegung Kasachstan\u201c tot aufgefunden"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120606Grafik7944035745185808154.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-16749\" title=\"20120606Grafik7944035745185808154\" src=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120606Grafik7944035745185808154.jpg\" alt=\"\" width=\"162\" height=\"100\" \/><\/a>In Gedenken an Takhir Narimanovich Mukhamedzyanov <\/strong><strong> <\/strong><\/p>\n<h4>Stellungnahme der Gewerkschaft \u201eZhanartu\u201c und der \u201eSozialistischen Bewegung Kasachstan\u201c<\/h4>\n<p>Am 5. Juni fuhren FreundInnen und KollegInnen, die in Sorge waren, weil Takhir Mukhamedzyanov nach dem vergangenen Wochenende nicht zur Arbeit erschienen war, zu seiner Wohnung in Karaganda, wo sie nur noch seinen Leichnam auffanden. Zwar ist die Todesursache noch ungekl\u00e4rt, der Tod von Takhir, einem gesunden, 51-j\u00e4hrigen Mann mit viel Energie, wirft aber einige Fragen auf. Nicht zuletzt weil Takhir in der letzten Zeit Drohungen von anonymer Seite erhielt, man w\u00fcrde sicher seiner \u201eentledigen\u201c.<\/p>\n<p>Seit vielen Jahren arbeitete Takhir als Bergmann, zuerst in der Industrie der Sowjetunion und dann, nach der Privatisierung, f\u00fcr \u201eArcelor-Mittal\u201c, die alle bedeutenden Bergwerke und Metallgie\u00dfereien in der kasachischen Region Karaganda aufgekauft hatten. 2008 wurde er illegaler Weise entlassen, was er zum Anlass nahm, in Vollzeit und als stellvertretender Vorsitzender der Organisation \u201eFamilien der Bergleute\u201c Kampagnenarbeit zu machen. Diese Funktion hatte er bis zu seinem Tod inne. Takhir und seine KollegInnen der \u201eFamilien der Bergleute\u201c leisteten wertvolle Unterst\u00fctzungsarbeit f\u00fcr alle jene, f\u00fcr die die Organisation sich urspr\u00fcnglich auch gegr\u00fcndet hatte: die Witwen und hinterbliebenen Kinder von M\u00e4nnern, die bei Arbeitsunf\u00e4llen ums Leben gekommen waren. \u00dcber die Zeit wurde die Organisation immer mehr in den Kampf zur Verteidigung der Rechte der Bergleute einbezogen. In den Minen und metallverarbeitenden Betrieben der Region Karaganda werden Gesundheits- und Sicherheitsstandards von den Konzernchefs auf ihrer Jagd nach Profiten einfach ignoriert. Da die offiziellen und vom Staat unterst\u00fctzten Gewerkschaften nur sehr wenig tun, um die Position der ArbeiterInnen zu verteidigen, hat die Organisation \u201eFamilien der Bergleute\u201c die Rolle einer unabh\u00e4ngigen Gewerkschaft angenommen.<\/p>\n<p>Derlei Aktivit\u00e4ten fanden nicht unbemerkt statt. Auf die \u201eFamilien der Bergleute\u201c wurde auf unterschiedlichste Weise Druck ausge\u00fcbt. So wurden am 10. Oktober 2010 die Garage und das darin befindliche Auto von Takhir \u201eals Warnung\u201c in die Luft gejagt. AktivistInnen von \u201eFamilien der Bergleute\u201c glauben, dass die Explosion in direktem Bezug stand zu Takhirs Arbeit, der Verteidigung der Rechte der Bergleute und ihrer Witwen. Nach Aussage seiner Genossin Natalia Tomilova ist die Androhung gewaltsamer und terroristischer Mittel gegen f\u00fcr Arbeitnehmerrechte eintretende AktivistInnen zum Normalzustand geworden.<\/p>\n<p>Nur zwei Wochen nach der Explosion der Garage um 21.30 nachts tauchte die Polizei vor Takhirs Wohnung auf und brachte ihn unter Zwang in ein \u00f6rtliches psychiatrisches Krankenhaus. Zwei \u00c4rzte, drei uniformierte Polizisten und ein Beamter in zivil behaupteten, dass Takhir nach dem Verlust seines Besitzes bei der Explosion, unter einem Nervenzusammenbruch leiden w\u00fcrde und eines Krankenhausaufenthalts sowie psychiatrischer Behandlung bed\u00fcrfe. Als sie versuchten, Takhir eine Spritze mit unbekannter Substanz zu injizieren, schaffte er es sich zu befreien. Er rief einen Freund an und seine Tochter holte ihn ab und brachte ihn nach Hause. Dank einer \u00f6ffentlichen Kampagne waren die besagten \u00c4rzte dann gezwungen, Takhir in Ruhe zu lassen.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2011 wohnte Takhir in der N\u00e4he des Bergbauzentrums Schachtinsk als ein Jugendlicher auf ihn zu kam und sagte, dass Dokumente, die sich vor der Explosion in Takhirs Auto befanden und die laut Polizeiangaben s\u00e4mtlich vernichtet wurden, nach der Schneeschmelze auf einer M\u00fcllhalde am Ende der Stadt gefunden wurden. Das belegt, dass Takhirs Garage aufgebrochen wurde, bevor es zur Explosion gekommen war.<\/p>\n<h4>Er konnte Ungerechtigkeit nicht teilnahmslos hinnehmen<\/h4>\n<p>Die GenossInnen der \u201eSozialistischen Bewegung Kasachstan\u201c (vorher bekannt unter dem Namen \u201eKasachstan 2012\u201c) trafen Takhir als erstes im Januar 2009. Im September 2010 organisierte er einen Besuch von Joe Higgins in Karaganda, der damals f\u00fcr die \u201eSocialist Party\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Irland) im Europaparlament sa\u00df und heute wieder Abgeordneter im irischen Parlament ist. Im November 2010 nahm Takhir an der Gr\u00fcndungskonferenz der Gewerkschaft \u201eZhanartu\u201c teil und wurde in deren Zentralkomitee gew\u00e4hlt. Im Mai 2011 war er bei der Gr\u00fcndung der \u201eSozialistischen Bewegung Kasachstans\u201c mit dabei und wurde dort zu einem der f\u00fcnf Mitglieder des Leitungsteams gew\u00e4hlt. Im Juli 2011 organisierte Takhir abermals den Besuch eines Europaabgeordneten in Karaganda. Diesmal handelte es sich um Paul Murphy von der \u201eSocialist Party\u201c aus Irland, der auch die streikenden \u00d6larbeiterInnen in Schanga\u00f6sen besuchen wollte. Nur zwei Wochen vorher hatte Takhir die 100.000 Einwohner-Stadt Scheskasgan besucht, wo ArbeiterInnen Streikma\u00dfnahmen eingeleitet und deshalb mit Repression zu k\u00e4mpfen hatten. Takhir fand schnell zu einer gemeinsamen Sprache mit ihnen und konnte mit einer festen Zusage im Gep\u00e4ck wieder abreisen, dass die ArbeiterInnen von Scheskasgan und Karaganda sich bei K\u00e4mpfen gegenseitig unterst\u00fctzen werden.<\/p>\n<p>Takhir arbeitete hart. Er konnte nicht weitergehen oder tatenlos zusehen, wenn er irgendwo Ungerechtigkeit wahrnahm. Wir werden ihn als unerm\u00fcdlichen und konsequenten K\u00e4mpfer f\u00fcr die Rechte der Arbeiterklasse Kasachstans in Erinnerung behalten. Wir werden ihn als echte Pers\u00f6nlichkeit in Erinnerung behalten. Er ma\u00dfte sich nie etwas an und war immer mutig und energiegeladen. Wer sich in seiner Gegenwart befand, erlebte, was er f\u00fcr eine gro\u00dfartige Person war. Wir werden ihn vermissen.<\/p>\n<p>Im Namen der unabh\u00e4ngigen Gewerkschaft \u201eZhanartu\u201c und der \u201eSozialistischen Bewegung Kasachstans\u201c m\u00f6chten wir den Angeh\u00f6rigen und Freunden von Takhir unser tief empfundenes Beileid aussprechen.<\/p>\n<h4>Takhir wird immer in unserer Erinnerung bleiben. Sein Name geh\u00f6rt zur Geschichte der Arbeiterklasse Kasachstans. Ruhe sanft, lieber Genosse!<\/h4>\n<h4>Das Zentralkomitee der unabh\u00e4ngigen Gewerkschaft \u201eZhanartu\u201c<\/h4>\n<h4>Das Leitungsteam der \u201eSozialistischen Bewegung Kasachstans\u201c<\/h4>\n<h4>\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026<\/h4>\n<h2>Beileidsbekundungen vom \u201eKomitee f\u00fcr eine Arbeiterinternationale\u201c (CWI)<\/h2>\n<h4>Der folgende Brief wurde vom CWI an die Hinterbliebenen, GenossInnen und Freunde von Takhir Mukhamedzyanov gesandt:<\/h4>\n<p>Im Namen des \u201eKomitee f\u00fcr eine Arbeiterinternationale\u201c, das mit Sektionen in mehr als vierzig L\u00e4ndern organisiert ist, sprechen wir den Hinterbliebenen, GenossInnen und Freunden von Takhir Mukhamedzyanov unser tief empfundenes Beileid aus.<\/p>\n<p>Diejenigen Mitglieder des CWI, die das Privileg hatten, Takhir pers\u00f6nlich kennenlernen zu d\u00fcrfen, darunter Peter Taaffe vom Internationalen Sekretariat des CWI, Joe Higgins und Paul Murphy als Europaabgeordnete, erinnern sich an Takhir als rastlosen K\u00e4mpfer, einen Mann, der sein Leben dem Kampf f\u00fcr die Rechte der Arbeiterklasse widmete; entweder als Mitstreiter der \u201eFamilien der Bergleute\u201c, der Gewerkschaft \u201eZhanartu\u201c oder der \u201eSozialistischen Bewegung Kasachstans\u201c.<\/p>\n<p>Das CWI fordert die vollst\u00e4ndige und unabh\u00e4ngige Untersuchung der Todesumst\u00e4nde von Takhir, der viel zu fr\u00fch starb. Sollte sich herausstellen, dass es sich um ein Verbrechen handelt, so m\u00fcssen die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden<\/p>\n<p>Das CWI verpflichtet sich, Takhirs Andenken zu ehren. Wir tun dies, indem wir die Kampagne gegen die Ungerechtigkeit fortsetzen, von der arbeitende Menschen betroffen sind und die von den multinationalen Konzernen wie \u201eArcelor-Mittal\u201c, \u201eKazakhmys\u201c und \u201eKazMunaiGaz\u201c sowie vom kapitalistischen System selbst ausgeht. F\u00fcr die Abl\u00f6sung des Kapitalismus durch eine demokratische und internationale, sozialistische Gesellschaft, in der der Wohlstand der Gesellschaft im Interesse der Menschen eingesetzt wird und in der arbeitende Menschen die Kontrolle \u00fcber ihr Leben haben.<\/p>\n<p>Mit sozialistischen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>i.A. Tony Saunois<\/p>\n<p>\u201eInternationales Sekretariat des CWI\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Gedenken an Takhir Narimanovich Mukhamedzyanov<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":16749,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[43],"tags":[268],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16748"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16748"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16748\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16749"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16748"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16748"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16748"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}