{"id":16181,"date":"2012-05-24T00:00:28","date_gmt":"2012-05-23T22:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.sozialismus.info\/?p=16181"},"modified":"2012-06-01T15:40:44","modified_gmt":"2012-06-01T13:40:44","slug":"tarifabschluss-metallindustrie-mehr-schein-als-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/05\/tarifabschluss-metallindustrie-mehr-schein-als-sein\/","title":{"rendered":"Tarifabschluss Metallindustrie: Mehr Schein als Sein"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/7249367632_b881b520f9_b.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-16182\" title=\"7249367632_b881b520f9_b\" src=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/7249367632_b881b520f9_b-260x173.jpg\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"173\" \/><\/a><\/strong><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eDer h\u00f6chste Abschluss seit 20 Jahren\u201d hei\u00dft es in den b\u00fcrgerlichen Medien zum Tarifergebnis. Tats\u00e4chlich wurde eine Lohnsteigerung von 4,3 Prozent \u00fcber 13 Monate erreicht. Und auf den ersten Blick sieht das auch nach einem akzeptablen Ergebnis aus. Doch tats\u00e4chlich wurde eine gro\u00dfe Chance vergeben.<\/strong><\/p>\n<h4><em>von Holger Dr\u00f6ge, Berlin<\/em><\/h4>\n<p>Die IG Metall hatte in dieser Tarifrunde eine gute Ausgangssituation. Angesichts des gro\u00dfen Nachholbedarfs gab es eine gro\u00dfe Kampfbereitschaft, mehr als 830.000 KollegInnen aus 3.300 Betrieben beteiligten sich an Warnstreiks. Und noch l\u00e4uft die deutsche Wirtschaft, ein Streik h\u00e4tte die Arbeitgeber empfindlich getroffen. Das jedoch kann sich schnell \u00e4ndern. Grund genug in dieser Tarifrunde kr\u00e4ftige Lohnerh\u00f6hungen zu erk\u00e4mpfen. Mehr noch: Etwa zeitgleich standen die KollegInnen bei der Deutschen Telekom, dem \u00f6ffentlichen Dienst und den Banken in Tarifauseinandersetzungen. Ein Zusammenf\u00fchren dieser Tarifk\u00e4mpfe h\u00e4tte die Herrschenden in Berlin und in den Betrieben in Schwierigkeiten bringen k\u00f6nnen. Damit h\u00e4tte die Gewerkschaftsbewegung ein Zeichen gegen die Politik im Interesse von Banken und Konzernen setzen k\u00f6nnen. Angesichts von massiven Angriffen auf den Lebensstandard von Besch\u00e4ftigten in ganz Europa w\u00e4re dies ein Signal f\u00fcr Gegenwehr gewesen. Die Gewerkschaftsspitzen von ver.di und IG Metall haben darauf verzichtet, da sie zur Konfrontation mit Regierung und Kapital nicht bereit sind.<\/p>\n<h4>Lohnerh\u00f6hung<\/h4>\n<p>Mit der jetzigen Lohnerh\u00f6hung von 4,3 Prozent \u00fcber 13 Monate wurde dies vergeben. Das ist zwar nach momentaner Sicht eine Erh\u00f6hung der Reall\u00f6hne. Aber niemand kann sagen, ob es in den n\u00e4chsten 13 Monaten Steuererh\u00f6hungen geben wird und wie sich die Preise entwickeln. Die Einbu\u00dfen im Verlauf der Weltwirtschaftskrise und die Reallohnverluste der letzten Jahre wurden bei weitem nicht ausgeglichen.<\/p>\n<p>Der Abschluss ist auch nicht so einmalig, wie viele nun behaupten. Ein Blick in die Brosch\u00fcre zur Geschichte der IG Metall (herausgegeben von IG Metall-Vorstand) gibt ein anderes Bild: So wurden zum Beispiel 1960, 1970 und 1974 Lohnerh\u00f6hungen zwischen 11,6 und 15,3 Prozent erreicht. 21 Tarifabschl\u00fcsse zwischen 1956 und 2000 brachten zwischen 5 und 9 Prozent Lohnerh\u00f6hung.<\/p>\n<h4>Leiharbeit<\/h4>\n<p>Auch bei der Leiharbeit gibt es nur bescheidene \u00c4nderungen. Nach zwei Jahren Einsatz in demselben Betrieb muss dem Betroffenen ein regul\u00e4rer Arbeitsvertrag angeboten werden. Davon werden aber nur wenige profitieren. Denn ein Gro\u00dfteil der Leiharbeiter ist deutlich k\u00fcrzer in einem Betrieb eingesetzt \u2013 rund die H\u00e4lfte f\u00fcr weniger als drei Monate. Laut Tarifvertrag k\u00f6nnen Betriebsvereinbarungen getroffen werden, die Zweck, Bereiche und Volumen der Eins\u00e4tze oder auch eine h\u00f6here Verg\u00fctung festschreiben. Mal abgesehen davon, dass dies auch jetzt schon in vielen Betrieben m\u00f6glich war, steckt der Teufel im Detail. Denn im Gegenzug f\u00fcr eine solche Vereinbarung k\u00f6nnen die Unternehmen dabei eine \u201eErh\u00f6hung der innerbetrieblichen Flexibilit\u00e4t\u201d verlangen, die bisherigen Tarifvertr\u00e4gen widerspricht und die Belegschaften spaltet. So ist laut S\u00fcdwestmetall sowohl eine 12-prozentige Ausweitung der Quote von Besch\u00e4ftigten m\u00f6glich, die 40 statt 35 Wochenstunden arbeiten, als auch \u201eein zus\u00e4tzliches Arbeitszeitvolumen der Gesamtbelegschaft\u201d.<\/p>\n<p>Am 22. Mai hat die IG Metall auch eine Einigung mit den Verb\u00e4nden der Leiharbeitsbranche erzielt. Demnach erhalten an Betriebe der Metall- und Elektroindustrie verliehene Besch\u00e4ftigte k\u00fcnftig Zuschl\u00e4ge zum Grundentgelt. Eine Gleichstellung von LeiharbeiterInnen und Stammbesch\u00e4ftigten, die die Gewerkschaft stets verlangt, wird damit allerdings nicht erreicht. Ab einer Einsatzzeit von sechs Wochen sollen die Betroffenen einen Zuschlag von 15 Prozent aufs Grundentgelt erhalten. Nach drei Monaten gibt es 20, nach f\u00fcnf 30, nach sieben 45 und nach neun Monaten 50 Prozent zus\u00e4tzlich. Die Arbeitgeber loben sich nun selbst und erkl\u00e4ren, dass damit die gleiche Bezahlung von LeiharbeiterInnen und Stammbelegschaften erreicht sei. Das entspricht allerdings nicht den Tatsachen. Denn zum einen geht es lediglich um eine Erh\u00f6hung des Grundentgelts \u2013 Schicht- und Wochenendzuschl\u00e4ge bleiben ebenso unber\u00fchrt wie Sonderzahlungen. Zum anderen wird auch die Differenz zum Grundlohn der regul\u00e4r Besch\u00e4ftigten nur teilweise ausgeglichen. Zudem ist die Laufzeit des Vertrags auf bis 2017 festgelegt, was eine Akzeptanz des Niedriglohnvertrags Zeitarbeit f\u00fcr weitere f\u00fcnf Jahre bedeutet.<\/p>\n<h4>\u00dcbernahme verbessert?<\/h4>\n<p>Die unbefristete \u00dcbernahme war ein zentraler Teil der Forderungen in der Tarifrunde. Jetzt gibt es eine neue Regelung. So sollen die Auszubildenden nach bestandener Abschlu\u00dfpr\u00fcfung k\u00fcnftig unbefristet \u00fcbernommen werden. Das ist gut, wenn es denn stimmen w\u00fcrde. Denn die Regelung gilt nur im Rahmen des betrieblichen \u201eBedarfs\u201d und wenn dem keine akuten Besch\u00e4ftigungsprobleme oder personenbedingten Gr\u00fcnde entgegenstehen. Wie hoch der Bedarf ist, wird laut IG Metall \u201evon den Betriebsparteien ermittelt und festgelegt\u201d. Die Unternehmerverb\u00e4nde haben jedoch sogleich klargestellt: \u201eDen voraussichtlichen Bedarf bestimmt der Arbeitgeber.\u201d M\u00f6glichkeiten, die \u00dcbernahmeverpflichtung zu umgehen, gibt es also einige. Das Zugest\u00e4ndnis der Arbeitgeber hat vor allem mit dem wachsenden Fachkr\u00e4ftemangel zu tun. Sie haben kaum mehr versprochen, als in der Vergangenheit schon \u00fcblich gewesen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kampfkraft nicht f\u00fcr deutlichere Verbesserungen genutzt.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16181"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16181"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16181\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16181"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16181"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16181"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}