{"id":16158,"date":"2012-05-21T15:00:33","date_gmt":"2012-05-21T13:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.sozialismus.info\/?p=16158"},"modified":"2018-02-21T14:32:27","modified_gmt":"2018-02-21T13:32:27","slug":"der-kampf-fuer-das-frauenwahlrecht-und-die-suffragetten-bewegung-teil2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/05\/der-kampf-fuer-das-frauenwahlrecht-und-die-suffragetten-bewegung-teil2\/","title":{"rendered":"Der Kampf f\u00fcr das Frauenwahlrecht und die Suffragetten-Bewegung (Teil2)"},"content":{"rendered":"<p>Teil 2 des Artikels. <a title=\"Teil 1\" href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/2012\/05\/der-kampf-fuer-das-frauenwahlrecht-und-die-suffragetten-bewegung\/\">Zur\u00fcck zu Teil 1<\/a><\/p>\n<h4>Die WSPU und die Suffragetten<\/h4>\n<p>Die unklare Positionierung der ILP und ihre Tatenlosigkeit bez\u00fcglich des Frauenwahlrechts und der generellen Haltung der F\u00fchrung der Arbeiterorganisationen, die offenbar kein gro\u00dfes Interesse an einer Gef\u00e4hrdung der m\u00e4nnlichen Vorherrschaft in der Politik hatten, f\u00fchrte zu einer gro\u00dfen Unzufriedenheit vieler Aktivistinnen. Ihnen erschienen aber auch die gem\u00e4\u00dfigten Methoden der NUWSS eher fruchtlos. 1903 gr\u00fcndete die bekannte K\u00e4mpferin und damalige Sozialistin Emmeline Pankhurst zusammen mit ihren T\u00f6chtern Christabel und Sylvia, Hannah Mitchell und anderen die WSPU (Women`s Social and Political Union), die f\u00fcr \u201eTaten statt Worte\u201c stehen und politischen Druck auf die m\u00e4nnlichen Arbeiteraktivisten entfalten sollte. Obwohl sie zu Beginn nur eine Handvoll Aktivistinnen umfasste, erfreute sich die WSPU einiger Aufmerksamkeit auf der Linken. So schrieb Julie Dawson in der wichtigsten sozialistischen Tageszeitung \u201eThe Clarion\u201c am 1. Januar 1904: \u201eMrs Pankhurst und einige andere ernsthafte Frauen haben dieses Jahr einen Kreuzzug begonnen, um die Labour Party zu zwingen, sich f\u00fcr Frauen einzusetzen. Sie denken, dass sich Frauen in der Vergangenheit zu sehr f\u00fcr ihre Existenz gesch\u00e4mt haben und zu unterw\u00fcrfig waren&#8230; Das ist gut. Ich blicke nun auf Frauen in anderen St\u00e4dten und frage, was sie denn tun?\u201d<\/p>\n<p>Die WSPU-Aktivistinnen wollten eine schlagkr\u00e4ftige Gruppe. Die Forderung nach gleichem Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit und ein gleiches Ehe- und Scheidungsrecht f\u00fcr beide Geschlechter waren Teil ihres Programms. Im Vordergrund stand jedoch klar die Forderung nach dem Frauenwahlrecht. Als ILP-Mitglieder suchten sie auch die Verbindung zu ArbeiteraktivistInnen und organisierten als erste Aktion im Mai 1904 eine Kundgebung vor dem Unterhaus, an der sich auch 400 Mitglieder der \u201cWomen&#8220;s cooperative guild\u201d der Textilarbeiterinnen teilnahmen.<\/p>\n<p>Offensichtlich hatten die Suffragetten gro\u00dfen Einfluss vor allem in Wahlkampagnen. Im Januar 1908 lobte der Manchester Guardian in seinem Bericht \u201eihre Aktivit\u00e4t, das bei ihren Versammlungen an den Tag gelegte Interesse, der Erfolg ihrer \u00fcberzeugenden Methoden, \u00f6ffentliche Sympathie zu erringen, die gro\u00dfe Zahl von Arbeiterfrauen, die als Freiwillige mit ihnen arbeiten \u2026\u201c<\/p>\n<p>Popul\u00e4r wurde die WSPU vor allem durch zahlreiche zum Teil sehr Aufsehen erregende Protestaktionen wie das St\u00fcrmen von Wahlveranstaltungen der Liberalen mit Reden und Transparenten, um deren Unterst\u00fctzung zu unterminieren (zum Teil mit gro\u00dfem Erfolg, so verlor Churchill einige Wahlkreise) und so genug Druck zu machen, dass sie die Forderung nach dem Frauenwahlrecht \u00fcbern\u00e4hmen. Auch massiver Saalschutz und andere Sicherheitsvorkehrungen konnten die Aktivistinnen nicht abhalten, so versteckten sie sich vor einer Veranstaltung mit Llyod George in Louth 25 Stunden lang in den Dachsparren, um sie st\u00f6ren zu k\u00f6nnen. Im Bericht der Tageszeitung Daily Mail \u00fcber eine solche Aktion im Jahr 1905 wurden die WSPU-Aktivistinnen zum ersten Mal als \u201eSuffragetten\u201c bezeichnet, ein Begriff, der sp\u00e4ter oft synonym f\u00fcr alle Frauenstimmrechtsaktivstinnen verwendet wurde.<\/p>\n<p>Die zum Teil sehr militanten Aktionen der Suffragetten zogen zahlreiche, manchmal gezielt provozierte Verhaftungen nach sich, die gro\u00dfe mediale Aufmerksamkeit erregten. Zu Hunderten landeten die Aktivistinnen im Gef\u00e4ngnis und insbesondere die sozial niedriger gestellten Aktivistinnen litten unter den furchtbaren Haftbedingungen. B\u00fcrgerliche Suffragetten, die wesentlich komfortabler untergebracht wurden als die Arbeiterinnen, protestierten gegen diese Ungerechtigkeit. Die adelige Constance Lytton verkleidete sich sogar als Arbeiterin, um nicht privilegiert zu werden \u2013 ihr schlechter Allgemeinzustand mit lebenslangen L\u00e4hmungserscheinungen am Ende der Haft verursachte einen Skandal.<\/p>\n<p>Im Gef\u00e4ngnis traten die Suffragetten meist sogleich in den Hungerstreik und erzwangen so ihre vorzeitige Freilassung. Sp\u00e4ter wurden sie allerdings neben anderer Repressionen der grausamen Zwangsern\u00e4hrung unterzogen, unter dem Vorwand, ihr Leben retten zu wollen. Mit allen Mitteln sollte der Widerstand der \u201ewild gewordenen Weiber\u201c gebrochen werden. 1913 erlie\u00df die liberale Regierung den sogenannten \u201eCat and Mouse Act&#8220;\u201c, der es erlaubte, die hungerstreikenden Frauen so lange aus der Haft zu entlassen bis sie sich wieder erholt hatten, danach aber sofort wieder einzusperren, was f\u00fcr viele dauerhafte gesundheitliche Sch\u00e4den nach sich zog.<\/p>\n<p>Doch gerade das alles verschaffte den Suffragetten immer mehr Popularit\u00e4t und immer neue Mitglieder, die dem beeindruckenden Beispiel der disziplinierten Suffragetten folgen wollten. Da sie sich als \u201eArmee im Kampf\u201c verstanden, bestanden sie auf die \u00e4u\u00dferste Hingabe an den Kampf, was allerdings auch dazu f\u00fchrte, dass arbeitende Frauen aus zeitlichen Gr\u00fcnden nicht dieselbe Rolle spielen konnten wie die Mittel- oder Oberklasse-\u201eHausfrauen\u201c. Zu ihren Spitzenzeiten z\u00e4hlte die WSPU wohl 2000 Mitglieder, aber unz\u00e4hlige SympathisantInnen. Ihr Zentralorgan Votes for Women erreichte eine Auflage von 40.000 Exemplaren pro Woche.<\/p>\n<h4>Arbeiterinnen und Sozialistinnen in der WSPU<\/h4>\n<p>Die gesamte Stimmrechtsbewegung war als Teil der b\u00fcrgerlichen Frauenbewegung vorwiegend von Frauen aus der Mittel- und Oberschicht getragen, ebenso die WSPU, worauf auch ihre finanzielle St\u00e4rke hinweist. F\u00fcr Frauen ohne finanziellen Hintergrund waren die H\u00fcrden ungleich h\u00f6her, sich stark einzubringen. Nichtsdestotrotz fanden sich auch zahlreiche Arbeiterinnen in den Reihen der WSPU. Bereits bei der Gr\u00fcndung hatte die Arbeiterinnenbewegung einigen Einfluss auf die WSPU, zum einen durch die Gr\u00fcndungsversammlung in der Industriestadt Manchester, zum anderen durch die anf\u00e4ngliche Orientierung auf die Independent Labour Party. Schlie\u00dflich war Emmeline Pankhurst langj\u00e4hrige Parteiaktivistin und -funktion\u00e4rin in Manchester gewesen, lange bevor sie sich f\u00fcr das Frauenwahlrecht engagierte.<\/p>\n<p>Die Sozialistin Sylvia Pankhurst selbst organisierte gemeinsam mit der ehemaligen Textilarbeiterin Annie Kenny in den Ortsgruppen in East London, damals das aufstrebende Zentrum der Arbeiterbewegung in England, den proletarischen Fl\u00fcgel der WSPU. Die East End Sufragetten verbanden den Kampf f\u00fcr das Frauenwahlrecht mit dem Kampf f\u00fcr die Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Arbeiterinnen und verstanden sich als Teil der Arbeiterbewegung und arbeiteten eng mit Labour und den Gewerkschaften zusammen. So organisierte Sylvia Pankhurst 1904 eine Demonstration mit 1000 Teilnehmerinnen von East End nach Westminster.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz wurden die Suffragetten oft von den proletarischen SuffragistInnen kritisiert, unter anderem f\u00fcr ihre beschr\u00e4nkten Forderungen. Die Suffragistin Julie Dawson schrieb im Clarion am 24. August 1906: \u201e Sie haben ihre Transparente mit dem Slogan \u201cStimmrecht f\u00fcr Frauen\u201d, und die unwissende Menge, die ihnen zuh\u00f6rt, denkt, dies bedeute Stimmrecht f\u00fcr alle Frauen. Damit ist jedoch vielmehr Stimmrecht f\u00fcr einige Frauen gemeint. Nicht f\u00fcr mich, sicher nicht, und nicht f\u00fcr dich, gesch\u00e4tzte Leserin, vielleicht, sondern f\u00fcr einige Frauen die Qualifikationen besitzen, die wir nicht haben.\u201d In der Tat traten die Suffragetten f\u00fcr ein eingeschr\u00e4nktes, an Besitz gebundenes Frauenwahlrecht ein, mit der Begr\u00fcndung, ein allgemeines Frauenwahlrecht sei eine zu weitgehende Forderung, f\u00fcr die sie kaum Geh\u00f6r finden w\u00fcrden bei den Parteien im Parlament. Damit repr\u00e4sentierte sie einen allgemeinen Trend der b\u00fcrgerlichen Frauenbewegung zur \u201cM\u00e4\u00dfigung\u201d ihrer Forderungen und st\u00e4rkerer Auspr\u00e4gung ihres Klasseninteresses.<\/p>\n<p>Andere f\u00fchlten sich von ihrer \u201eart of rioting\u201c bei den St\u00f6raktionen der Suffragetten abgesto\u00dfen und konnten sich nicht gemein f\u00fchlen mit \u201egebildeten und Oberklassefrauen, die treten, kreischen, bei\u00dfen und spucken\u201c (Eva Gore-Both in einem Brief an Mrs Fawcett, 25.10.1906) und sahen diese provokativen Aktionen als kontraproduktiv f\u00fcr ihren Kampf an. Ein praktisches Problem, welches Arbeiterinnen davon abhielt, an solchen Aktionen teilzunehmen, war die Gefahr, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, wenn sie ins Gef\u00e4ngnis m\u00fcssten. Au\u00dferdem waren sie f\u00fcr den Haushalt, Kinderbeaufsichtigung usw. von so hoher Wichtigkeit, dass sie nicht lange Zeit abwesend sein konnten. Ihre Lebensumst\u00e4nde erforderten andere Protestformen.<\/p>\n<p align=\"center\"><img src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/2012\/suffrage3.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<h4>Der Schwarze Freitag<\/h4>\n<p>Auf ihrem H\u00f6hepunkt brachte die Wahlrechtsbewegung gro\u00dfe Massen auf die Stra\u00dfe. Zehntausende demonstrierten am 19. Februar 1906. Am 21. Juni 1908 marschierten 500.000 Menschen f\u00fcr das Stimmrecht durch den Londoner Hyde Park. Auch die WSPU organisierte Infotische, Spontankundgebungen und Demonstrationen. Am 13. Februar 1907 rief sie in der Londoner Caxton Hall das erste Frauenparlament ein, das solange Bestand haben sollte, bis Frauen auch das passive Wahlrecht f\u00fcr das offizielle Parlament bes\u00e4\u00dfen. Von dem ausgehend gab es zahlreiche Demonstrationen zum Parlament, denen die Polizei immer wieder mit Brutalit\u00e4t begegnete.<\/p>\n<p>Durch diese Aktionen und den jahrelangen harten Kampf hatte die Stimmrechtsbewegung erreicht, dass ein \u201eVers\u00f6hnungsausschuss\u201c aller Parteien im Parlament eine Gesetzesvorlage f\u00fcr ein eingeschr\u00e4nktes, da nur Frauen mit einem gewissen Besitz (Mindestmiete) betreffendes, Frauenwahlrecht ins Parlament einbrachte. Nun mussten sie aber erleben, wie die dritte Lesung dieser Vorlage immer wieder \u00fcber Monate hinweg verschoben wurde und der neue liberale Premierminister Herbert Asquith, ein entschiedener Gegner des Frauenwahlrechts, am Ende verk\u00fcndete, dass es keine weitere Debatte \u00fcber dieses Gesetz geben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Daraufhin brach das Frauenparlament einen zuvor mit der Regierung verabredeten \u201eWaffenstillstand\u201c und eine Abordnung von 300 Frauen zog zum House of Commons, um dort zu protestieren. Obwohl sich die Suffragetten brav an die Auflagen der Polizei hielten, nur in Kleingruppen von h\u00f6chstens 12 zum Geb\u00e4ude zu ziehen, ging die Polizei mit \u00e4u\u00dferster Brutalit\u00e4t gegen sie vor. Mehrere Polizisten bedr\u00e4ngten einzelne Frauen, schlugen sie, traten sie, warfen sie zu Boden, bis hin zu sexuellen Misshandlungen \u2013 sechs Stunden lang. 115 Frauen und vier M\u00e4nner wurden verhaftet, mindestens drei Frauen starben infolge ihrer Verletzungen oder an Herzversagen. Eine weitere Aktivistin starb ein paar Tage sp\u00e4ter, nachdem sie aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen worden war. Eine Untersuchungskommission seitens der Regierung wurde vom damaligen Home Secretary Winston Churchill nicht zugelassen.<\/p>\n<h4>\u201eDirekte Aktion\u201c der Suffragetten<\/h4>\n<p>Die Niederlage f\u00fcr ihre Forderungen in der Labour Party hatte der WSPU bereits einen schweren Schlag versetzt und ihre F\u00fchrung immer weiter von Massenmobilisierungen und der Arbeiterbewegung entfernt. Der Schwarze Freitag schlie\u00dflich markierte den endg\u00fcltigen Wendepunkt der WSPU hin zur Untergrundbewegung. Unmittelbar nach dieser enormen Niederlage warfen Suffragetten die Fenster von Privath\u00e4usern und Automobilen b\u00fcrgerlicher Politiker ein, \u00fcberfielen sie manchmal sogar in ihren Kutschen. Das \u201eWindow smashing\u201c, das Einwerfen von Fensterscheiben, war damals keine ungew\u00f6hnliche Form des Protestes und ging zur\u00fcck auf alte radikal-b\u00fcrgerliche Traditionen. Bereits 1908, nachdem sich die Regierung von der halben Million DemonstrationsteilnehmerInnen unbeteiligt gezeigt hatte, flogen Steine durch das Fenster des Premiers in Downing Street 10. Nun weitete die WSPU ihre Aktionen aus, \u00e4tzte z.B. ihren Slogan \u201eVotes for Women\u201c in den Rasen von Golfpl\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Emmeline Pankhurst erkl\u00e4rte die zerbrochene Fensterscheibe zum \u201ewertvollsten Argument in der modernen Politik\u201c. Energien sollten nicht mehr auf fruchtlose Protestaktionen verwendet werden, wenn man doch so viel besser zeigen konnte, dass die Regierung das Privateigentum f\u00fcr wichtiger hielte als das Frauenwahlrecht.<\/p>\n<p>Die WSPU isolierte sich immer mehr vom Rest der Frauen- und von der Arbeiterbewegung. Als Reaktion auf das Scheitern einer Gesetzesvorlage der Labour Party zum Frauenwahlrecht im Jahr 1912 distanzierte sich die WSPU frustriert von allen Parteien und allen M\u00e4nnern im Parlament und k\u00fcndigte auch der Labour Party die Unterst\u00fctzung. Im Zuge dessen verfestigte sie auch ihren Standpunkt, dass der Kampf um Frauenrechte allein den Frauen \u00fcberlassen sein sollte und entfernte s\u00e4mtliche m\u00e4nnliche Unterst\u00fctzer aus ihren Reihen. Einige dieser M\u00e4nner folgten ihrer Argumentation und gr\u00fcndeten eigene Organisationen, um den Kampf f\u00fcr das Frauenwahlrecht zu unterst\u00fctzen, wie zum Beispiel die Men Federation for Women Suffrage, die \u00e4hnliche Methoden wie die WSPU anwendete. Auch ihre Aktivisten nahmen Misshandlungen, Verhaftungen und Zwangsern\u00e4hrung auf sich.<\/p>\n<p>Trotzdem erkl\u00e4rte die WSPU- F\u00fchrung am Schluss ihren Kampf de facto zum Geschlechterkampf. Ab 1912 arbeitete die WSPU im Untergrund, einige ihrer F\u00fchrungspersonen gaben ihre Weisungen aus dem Exil. Sie steigerte die Aktionen zur Zerst\u00f6rung von Eigentum und erkl\u00e4rte sie zur offiziellen Politik. Die Suffragetten warfen nicht l\u00e4nger nur Schaufensterscheiben von L\u00e4den und Kaufh\u00e4usern ein, sondern z\u00fcndeten auch gro\u00dfe Landsitze, Amtsgeb\u00e4ude und Kirchen an und warfen Bomben auf \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude, darunter Westminster Abbey. Wenige Tage nach einer Protestaktion beim Derby 1913 starb Emily Davison an den Verletzungen, die sie sich beim Zusammensto\u00df mit dem Pferd Georgs V. zugezogen hatte.<\/p>\n<h4>Spaltung der WSPU<\/h4>\n<p>1910 -1914 war von einer riesigen Streikwelle in der Industrie gepr\u00e4gt, dem so genannten Great Unrest, die ArbeiterInnen aller Schl\u00fcsselindustrien mit einbezog. Die allgemeine Polarisierung in der britischen Gesellschaft spiegelte sich auch in der Stimmrechtsbewegung wieder.<\/p>\n<p>H\u00e4tte die WSPU Seite an Seite mit den k\u00e4mpfenden ArbeiterInnen gek\u00e4mpft, h\u00e4tten sie die Regierung wahrscheinlich in die Knie zwingen k\u00f6nnen, denn die WSPU war extrem einflussreich. Die East London Suffragettes wollten sich der Bewegung anschlie\u00dfen, nahmen an Streikaktionen und Maidemos teil. Doch als Sylvia Pankhurst im November 1913 bei einer Kundgebung vor 10.000 ArbeiterInnen in Solidarit\u00e4t mit ausgesperrten streikenden ArbeiterInnen in Dublin und dem irischen Sozialisten James Larkin gesprochen hatte, wurde sie von der autorit\u00e4ren WSPU-F\u00fchrung um Emmeline und Christabel Pankhurst aus der Organisation geworfen.<\/p>\n<p>Besonders Christabel sah immer schon die Mittel- oder Oberklassenfrauen als zentrale Aktivistinnenschicht im Kampf f\u00fcr das Wahlrecht, nicht zuletzt, weil sie nicht durch \u00f6konomische und soziale Probleme an ihrem Engagement gehindert wurden. Sylvia Pankhurst sagte sp\u00e4ter \u00fcber Christabel, sie \u201ef\u00fchle dass eine Bewegung arbeitender Frauen nicht von Wert\u201c sei: \u201eArbeitende Frauen waren in der schw\u00e4chsten Position des Geschlechtes: wie k\u00f6nnte es anders sein? Ihr Leben war zu hart, ihre Bildung zu gering, um sie f\u00fcr den Kampf zu r\u00fcsten.\u201c Christabel hatte kein Vertrauen in die Kampfkraft der weiblichen Arbeiterklasse und konzentrierte sich auf \u201eeinflussreiche Figuren\u201c und individuelles Heldinnentum. In dieselbe Richtung tendierte auch ihre Mutter Emmeline, die generell immer konservativer wurde und in ihren letzten Jahren sogar f\u00fcr die Tories kandidierte.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund der undemokratischen Strukturen der WSPU, wo der Gro\u00dfteil der Aktivistinnen besonders in der illegalen Phase der Organisation kaum Einfluss nehmen konnte, war es den Pankhursts m\u00f6glich, die Suffragetten immer abseits der sozialen und industriellen Bewegungen zu halten und v\u00f6llig auf das Frauenwahlrecht zu fokussieren. Hier beschr\u00e4nkten sie sich auf die Forderung nach einem den M\u00e4nnern \u00e4hnlichen Wahlrecht, was damals \u00fcber 60% der Arbeiterklasse ausschloss. Sie bef\u00fcrchteten, die Forderung nach einem allgemeinen Frauenwahlrecht sei zu weitgehend und k\u00f6nnte die Durchsetzung jeden Frauenwahlrechts verhindern. 1919 gab es ein an Alter (28 Jahre) und Besitz (10 Pfund Mindestmiete im Jahr) gebundenes Frauenwahlrecht. Erst 1928 schlie\u00dflich wurde das allgemeine Wahlrecht f\u00fcr alle eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Mit Sylvia Pankhurst, Hannah Mitchell und Pethick Lawrence trennten sich weitere linke Suffragetten von der WSPU und gr\u00fcndeten andere Frauenstimmrechtsorganisationen, die aber nicht ann\u00e4hernd deren Einfluss erreichten. Sylvia hatte die Methoden der WSPU, sich auf individuelle Aktionen statt auf Mobilisierung der Arbeiterklasse zu konzentrieren, schon fr\u00fch hinterfragt. Obwohl sie selbst zwischen Juni 1913 und Juni 1914 zehn Hungerstreiks vollzogen hatte, forderte sie \u201cnicht l\u00e4nger eine ernsthafte Kampfbereitschaft von wenigen, sondern einen st\u00e4rkeren Aufruf an die Massen, an dem Kampf teilzunehmen\u201d, was sie selbst im East End auch umsetzte und immer neue Aktivistinnen ausbildete. Mit der ELFS (East London Federation of the Suffragettes) organisierte sie weiterhin Arbeiterinnen in der Frauenbewegung, Arbeiterbewegung und Antikriegsbewegung. Sie f\u00fchrte 1915 eine Kampagne gegen Niedrigl\u00f6hne unter anderem zusammen mit der Hafenarbeitergewerkschaft, gr\u00fcndete eine selbst verwaltete Fabrik und eine Kinderkrippe.<\/p>\n<h4>Suffragetten als Kriegsagitatorinnen &#8230;<\/h4>\n<p>1914 waren in Britannien 300 000 Frauen in 56 Organisationen organisiert, bis der Erste Weltkrieg zu einem massiven Einbruch der Stimmrechtsbewegung f\u00fchrte. Die Mehrheit der SuffragistInnen beugten sich dem Druck der Kriegspropaganda und verk\u00fcndeten, die Sache mit dem Frauenwahlrecht habe auf einmal hinter den nationalen Interessen zur\u00fcck zu stehen. Auch die WSPU erkl\u00e4rte sofort einen Waffenstillstand und unterst\u00fctzte aktiv den britischen Staat. Im Zuge ihres fortschreitenden Rechtsrucks hatten die Suffragetten bereits zuvor patriotische Tendenzen gezeigt und beispielsweise im Juni 1911 eine Kr\u00f6nungsprozession zu Ehren des K\u00f6nigs organisiert. Zusammen mit ihren ehemaligen konservativen Gegnern Llyod George und Winston Churchill agitierten die Pankhursts nun f\u00fcr den Krieg und griffen alle M\u00e4nner und Frauen an, die \u201eihr Recht zu dienen\u201c in der Armee und Waffenproduktion nicht wahrnahmen. Ihre monatliche Zeitschrift \u201eThe Suffragette\u201c wurde in \u201eBritannia\u201c umbenannt. Sie bekam die Unterzeile \u201eF\u00fcr K\u00f6nig, Vaterland und f\u00fcr Freiheit\u201c. In dieser Zeitung wurden nun Gewerkschafterinnen, die f\u00fcr ein allgemeines Frauenwahlrecht streiten, als Bolschewistinnen beschimpft, die ihr Land verraten. Annie Kenny erinnerte sich: \u201eWir hielten riesige Veranstaltungen im ganzen Land ab. Wir wandten uns sowohl an m\u00e4nnliche und weibliche Arbeiter in den Munitionsfabriken, und erkl\u00e4rten ihnen die Gefahren eines Streiks dort, oder in den Kohlemienen, und in den H\u00e4fen \u2026 Wir nannten das die \u201cAnti-Bolschewisten-Kampagne\u201d (Jo Vellacott, \u201eAnti-War Suffragists&#8220;).<\/p>\n<p>Unter ihrer immer autorit\u00e4reren F\u00fchrung benannte sich die WSPU 1917 in Women Party um und setzte ihre finanziellen Mittel im wesentlichen f\u00fcr die Kriegsagitation ein. Sie forderte die Aufl\u00f6sung der Gewerkschaften, die Internierung aller nicht britischen Staatsangeh\u00f6rigen im Land und die S\u00e4uberung des staatlichen Verwaltungsapparates von nichtpatriotischen Angestellten, allerdings nach wie vor auch neben gleichen Ehe-und Scheidungsrechten, gleiche Berufs- und politische Rechte sowie gleiche Bezahlung von Frauen.<\/p>\n<h4>\u2026 und als Kriegsgegnerinnen<\/h4>\n<p>Mit ihrer Zustimmung zu den Kriegskrediten und ihrer Abkehr von der Revolution hatten die sozialdemokratischen Parteien Europas auch den Zusammenbruch der internationalen sozialistischen Frauenbewegung eingel\u00e4utet. Auch die sozialdemokratischen Frauenorganisationen verteidigten nun \u201eihre Vaterl\u00e4nder\u201c, einige sozialistische Frauenverb\u00e4nde verbanden sich zu diesem Zweck mit b\u00fcrgerlichen Frauenverb\u00e4nden ihres jeweiligen Landes. Konsequente Revolution\u00e4rinnen wie Clara Zetkin und Rosa Luxemburg protestierten dagegen, veranstalteten 1917 eine internationale Frauenkonferenz gegen den Krieg in Stockholm, organisierten und unterst\u00fctzten zahlreiche Demonstrationen und Streiks, besonders in der R\u00fcstungsindustrie gegen den Krieg, die in \u00d6sterreich, England, Schottland und Frankreich stattfanden. Der Internationale Frauentag 1917, der illegal begangen werden musste, stand unter dem Motto \u201eFriede und Freiheit\u201c.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund spaltete sich die NWUSS an den unterschiedlichen Positionen zur Kriegsfrage. Zusammen mit linken KriegsgegnerInnen anderer L\u00e4nder gr\u00fcndeten sie die Women International League for Peace and Freedom als einzige b\u00fcrgerliche Antikriegsorganisation von Frauen, wobei die Agitation f\u00fcr das Wahlrecht aber hinter ihren Kampagnen f\u00fcr Frieden und Sturz des Kapitalismus zur\u00fcck trat. Von den anti-militaristischen SuffragistInnen setzte nur Sylvia Pankursts East London Federation ( ab 1916 Workers&#8220; Suffrage Federation ) die Kampagne auch in Kriegszeiten fort. Die Politik der ELF verband hierbei die Fragen der Gleichberechtigung deutlich mit Forderungen gegen Krieg, Ausbeutung und Kapitalismus und einer sozialistischen Ausrichtung. Die Zeitung der ELF\/ WSF, \u201eThe Woman `s Dreadnought\u201c, wurde zu einem der wichtigsten Anti-Kriegs-Organe.<\/p>\n<p>Die erfolgreiche sozialistische Revolution in Russland 1917, die im Februar durch den spontanen Streik von 90.000 Textilarbeiterinnen am 8. M\u00e4rz ausgel\u00f6st worden war, im November die Herrschaft der Kapitalisten und Gro\u00dfgrundbesitzer zu Fall brachte und zun\u00e4chst durch eine R\u00e4tedemokratie der ArbeiterInnen und B\u00e4uerInnen ersetzte, weckte gro\u00dfe Hoffnungen bei linken SuffragistInnen in ganz Europa: auf ein schnelles Kriegsende, weitreichende demokratische Reformen, den Sturz des Kapitalismus und damit des Patriarchats durch weitere Revolutionen auch in ihren L\u00e4ndern, auf wirkliche Gleichberechtigung im Sozialismus.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich konnten die Arbeiterinnen im revolution\u00e4ren Russland sofort nie da gewesene Reformen durchsetzen: in den ersten Jahren vor ihrer stalinistischen Entartung hatten Frauen in der jungen Sowjetunion das Recht auf Abtreibung, auf zivile Heirat und sofortige Scheidung, Mutterschutz, die gleichen Familienrechte wie die M\u00e4nner und nat\u00fcrlich das allgemeine Wahlrecht. Staatliche KiTas, \u00f6ffentliche W\u00e4schereien und Kantinen, die in kurzer Zeit eingerichtet wurden, befreite die Frauen von ihrer Rolle als Erzieherin und Haushaltshilfe. Einige dieser Errungenschaften konnten sich auch unter Stalin noch halten.<\/p>\n<div style=\"margin: 0; margin-right: 10px; border: 2px solid #000000; padding: 0em 1em 1em 1em; background-color: #c0c0c0;\">\n<p><strong>Exkurs: Sylvia Pankhurst <\/strong><br \/>\n\u201eUnsere sehnlichsten Hoffnungen gelten dem schnellen Sieg der Bolschewiki in Russland. M\u00f6gen sie die T\u00fcr \u00f6ffnen, die zur Freiheit f\u00fchrt f\u00fcr alle V\u00f6lker aller L\u00e4nder\u201c schrieb Sylvia Pankhurst 1917. Die ELF benannte ihre Zeitung in Workers&#8220; Dreadnought um und propagierte die Idee einer R\u00e4tedemokratie. Sylvia Pankhurst gr\u00fcndete das People&#8220;s Russian Information Bureau und vertrieb verschiedene Erstausgaben von Schriften russischer Revolution\u00e4rInnen wie Lenin, Trotzki und Alexandra Kollontai sowie Clara Zetkin. 1919 beteiligte sich die ELF an der &#8222;Hands Off Russia&#8220;- Kampagne gegen die Belagerung der jungen Sowjetunion durch die imperialistischen Armeen.<br \/>\nSylvia Pankhurst war zu einer wichtigen Pers\u00f6nlichkeit der sozialistischen Bewegung geworden, die zwar unklare Vorstellungen vom Aufbau und der Rolle einer revolution\u00e4ren Organisation hatte, aber ihre enorme Begeisterung f\u00fcr die Revolution und den Sozialismus auf andere \u00fcbertragen und viele Anh\u00e4ngerInnen gewinnen konnte. Sie wurde 1920 zwar Mitbegr\u00fcnderin der Kommunistischen Partei Englands, allerdings 1921 bereits wieder ausgeschlossen, als sie sich weigerte, \u201eThe Worker`s Dreadnought\u201c als Parteiorgan herauszugeben. Dar\u00fcber hinaus lehnte sie mittlerweile eine Zusammenarbeit mit der reformistischen, aber in der Arbeiterklasse sehr einflussreichen Labour Party und die Arbeit auf parlamentarischer Ebene generell ab, welches sie als kapitalistische Institution ablehnte und dessen Rolle als B\u00fchne f\u00fcr revolution\u00e4re Ideen sie nicht sah.<br \/>\nDiese unter Revolution\u00e4rInnen auf internationaler Ebene damals hei\u00df diskutierte Position verurteilte Lenin scharf in seinem Buch \u201eDer Linksradikalismus \u2013 eine Kinderkrankheit des Kommunismus\u201c. Nichtsdestotrotz verwendete auch er einige Anstrengung darauf, Sylvia als wichtige Figur der radikalen Frauenbewegung zu gewinnen.<br \/>\nUnter dem Druck wirtschaftlicher R\u00fcckst\u00e4ndigkeit, den Auswirkungen des B\u00fcrgerkrieges und ausbleibender sozialistischer Revolutionen in den entwickelten kapitalistischen Staaten degenerierte der russische Arbeiterstaat immer mehr zur stalinistischen B\u00fcrokratie.<br \/>\nFrustriert stellte Sylvia ihre politische Arbeit in London 1924 ein und beschr\u00e4nkte sich wieder auf Frauenthemen. Sp\u00e4ter k\u00e4mpfte sie gegen den Faschismus, unter anderem im spanischen B\u00fcrgerkrieg gegen Franco, und widmete sich gegen Ende ihres Lebens der Unterst\u00fctzung antikolonialer Bewegungen, zuletzt in Eritrea.<\/p>\n<\/div>\n<h4>Einf\u00fchrung des Wahlrechts und anderer Verbesserungen f\u00fcr Frauen<\/h4>\n<p>Die letzten Monate vor Ausbruch des Krieges schienen f\u00fcr die Ziele der NUWSS erstaunlich erfolgversprechend: im Zuge eines allgemeinen Wechsel des politischen Klimas schien selbst Erzfeind Asquith zu Zugest\u00e4ndnissen in das unvermeidliche bereit zu sein. Als 1916 die Diskussion um das Frauenwahlrecht erneut aufkam, schrieben sich die Friedensaktivistinnen nun das allgemeine Wahlrecht f\u00fcr alle statt eines beschr\u00e4nkten Frauenwahlrechts auf die Fahnen, da sie nun selbstbewusster geworden waren und sich nicht von vornherein mit Zugest\u00e4ndnissen zufrieden geben wollten.<\/p>\n<p>Der jahrzehntelange unerm\u00fcdliche Kampf der WSPU, NUWSS und der Massen proletarischer SuffragistInnen hatte auch letzten Endes gro\u00dfen Druck aufgebaut und ein entsprechendes Bewusstsein f\u00fcr die Frage geschaffen. Zudem konnten die Aktivistinnen auf die Erfolge der Frauenbewegung in anderen L\u00e4ndern verweisen, wie Finnland, wo bereits seit 1906 das Frauenwahlrecht eingef\u00fchrt worden war, oder auch D\u00e4nemark, wo seit 1915 weibliche Abgeordnete im Parlament sa\u00dfen. Dies traf nun auf eine bedeutendere Rolle der Frau im Produktionsprozess, die sich im Zuge des Ersten Weltkriegs unwiderruflich und auf internationaler Ebene ver\u00e4nderte. Da Frauen zunehmend die M\u00e4nner in der Produktion ersetzen mussten, die auf dem Feld verheizt wurden, hatten sie auf einmal Zugang zu bisher unerreichbaren Berufen und h\u00f6heren Lohnstufen. Besonders f\u00fcr ihre gef\u00e4hrliche Arbeit in den Munitionsfabriken konnten sie betr\u00e4chtliche Lohnerh\u00f6hungen durchsetzen.<\/p>\n<p>Denn in einer ganzen Reihe von L\u00e4ndern wurden das Frauenstimmrecht und andere, zum Teil bahnbrechende Verbesserungen letzten Endes durch bedeutende K\u00e4mpfe der Arbeiterklasse oder Revolutionen eingef\u00fchrt. Hierbei waren es aber die arbeitenden Frauen, welche die Emanzipationsbewegungen mit sozialistischen Ideen verkn\u00fcpften und zu Erfolgen f\u00fchrten. Dies war zum Beispiel in Deutschland 1918 der Fall, wo die SPD den Kapitalismus vor seinem Sturz durch die sozialistische Novemberrevolution gerettet hatte. Das vom Rat der Volksbeauftragten beschlossene allgemeine und gleiche Wahlrecht f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen, freie Partnerwahl und Mutterschutzgesetze blieben bestehen &#8211; die Klassengesellschaft und damit die t\u00e4gliche Doppelbelastung und Diskriminierung der Frauen auf vielen Ebenen allerdings auch.<\/p>\n<p>Aus Angst vor m\u00f6glichen gemeinsamen revolution\u00e4ren Bewegungen von SuffragistInnen und ArbeiterInnen, die ihre Machtstellung gef\u00e4hrden k\u00f6nnten, waren die britischen Herrschenden 1919 bereit, Frauen ab 21 Jahren und mit einem gewissen Besitz das aktive Wahlrecht ( bzw. ab 30 Jahren das passive )zuzugestehen; ein uneingeschr\u00e4nktes Wahlrecht f\u00fcr alle gab es erst 1928.<\/p>\n<p>Clara Zetkin hatte Recht behalten, als sie unter anderem als Chefredakteurin der Zeitung der Sozialistischen Frauen-Assoziation \u201eGleichheit\u201c immer wieder betonte, dass Sozialistinnen zwar die Forderungen b\u00fcrgerlicher Frauen nach Gerechtigkeit unterst\u00fctzen, sich aber trotzdem auf Klassenbasis in eigenen Organisationen engagieren m\u00fcssen. Auch um das allgemeine Wahlrecht f\u00fcr Frauen zu erreichen, bed\u00fcrfe es der Kampfmethoden der Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>Auch Sylvia Pankhurst war sich der Schl\u00fcsselrolle bewusst, welche die russische Revolution und die revolution\u00e4ren Bewegungen gegen Ende des Weltkrieges in Europa f\u00fcr ihren Kampf spielte: \u201eEs ist interessant zu beobachten, dass die gesetzlichen H\u00fcrden f\u00fcr die Beteiligung von Frauen am Parlament und seinen Wahlen nicht beseitigt worden sind bis die Bewegung f\u00fcr die Abschaffung des Parlamentes als Zeuge des Sturzes der parlamentarischen Regierung in Russland und der Gr\u00fcndung der Sowjets die st\u00e4rkste Ermutigung erfahren hatte.\u201c<\/p>\n<p>Leider blieben weitere sozialistische Revolutionen in anderen europ\u00e4ischen Industriestaaten entweder aus oder wurden von den sozialdemokratischen Parteien, sp\u00e4ter auch von den kommunistischen Parteien selbst, verraten. Vor diesem Hintergrund war in der isolierten Sowjetunion der Aufbau des Sozialismus zum Scheitern verurteilt. Dort hatten Frauen zwar sowohl sozial als auch politisch mehr Rechte, von einer Gleichstellung mit den M\u00e4nnern blieben sie jedoch weit entfernt.<\/p>\n<p>Den Herrschenden in den entwickelten kapitalistischen L\u00e4ndern war es immer weniger m\u00f6glich, den Frauen grundlegende demokratische Rechte vorzuenthalten. Neben Deutschland f\u00fchrten nach dem Ende des Ersten Weltkriegs unter anderem \u00d6sterreich, die Tschechoslowakei, Polen, Ungarn und die USA das Frauenwahlrecht ein, viele weitere Staaten folgten in den 1920ern und 1940ern (unter anderem Frankreich und Belgien 1945 und 1946). Nachdem 1993 der letzte Schweizer Kanton gezwungen wurde, das seit 1971 bestehende landesweite allgemeine Frauenstimmrecht zu \u00fcbernehmen, ist das Frauenwahlrecht in den europ\u00e4ischen Staaten kein Thema mehr.<\/p>\n<h4>Trotz Wahlrecht keine Befreiung der Frau<\/h4>\n<p>\u00dcber 100 Jahre nach dem ersten Weltfrauentag und dem \u201eSchwarzen Freitag\u201c haben sich die Lebensumst\u00e4nde von Frauen in den entwickelten kapitalistischen L\u00e4ndern enorm verbessert. Selbst in neokolonialen L\u00e4ndern wurden wichtige Fortschritte auf \u00f6konomischer, sozialer und politischer Ebene erk\u00e4mpft. Doch von wirklicher Gleichberechtigung sind wir immer noch weit entfernt. In einigen Bereichen gab es bereits R\u00fcckschritte, die sich mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf Sozialsysteme und Arbeitspl\u00e4tze vor allem im Euro-Raum versch\u00e4rfen werden. Heute haben in fast allen L\u00e4ndern der Erde Frauen das Wahlrecht \u2013 aber nichts zu w\u00e4hlen. Rund um den Globus gibt es kaum eine Regierungspartei, die nicht fortlaufend Angriffe auf den Lebensstandard der Arbeiterklasse f\u00fchrt und so die Errungenschaften der Frauen in Frage stellt.<\/p>\n<p>Frauen haben sich einen Platz in der Arbeitswelt erobert. Aufgrund des massiven Abbaus von Industriearbeitspl\u00e4tzen in den letzten Jahren sind in einigen L\u00e4ndern heute sogar mehr Frauen als M\u00e4nner in Besch\u00e4ftigung. Auch im Zusammenhang mit sinkenden Reall\u00f6hnen werden die Einkommen von Frauen im 21. Jahrhundert immer wichtiger: Frauen sind in 34 Prozent aller deutschen Haushalte, in denen eine Frau lebt, auch die Hauptverdiener.<\/p>\n<p>Das \u00e4ndert aber nichts daran, dass Frauen im Job nach wie vor benachteiligt sind. Frauenl\u00f6hne sind weltweit im Durchschnitt niedriger als M\u00e4nnerl\u00f6hne. Hierzulande verdienen Frauen 23 Prozent weniger als M\u00e4nner, im EU-Durchschnitt 17,5 Prozent. Immer noch verdienen Frauen durchschnittlich zw\u00f6lf Prozent weniger als M\u00e4nner mit derselben Qualifikation auf demselben Posten. Immer noch arbeiten Frauen \u00fcberwiegend in denselben Berufen wie vor 100 Jahren: Pflege, B\u00fcro, Verkauf, Erziehung, Gastronomie, in anderen L\u00e4ndern auch Textilproduktion, alles wesentlich schlechter bezahlt als typische M\u00e4nnerberufe. Es gibt schlechtere Arbeitsbedingungen und mehr prek\u00e4re Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse. Nach Informationen des Bundesfrauenministeriums bekommt jede dritte Frau in Deutschland mit Vollzeitstelle einen Niedriglohn, z\u00e4hlt man Teilzeitkr\u00e4fte und Mini-JobberInnen dazu, sind zwei Drittel der GeringverdienerInnen weiblich. 2010 hatten nur noch 55 Prozent der erwerbst\u00e4tigen Frauen Vollzeitjobs, 1999 waren es noch 70 Prozent.<\/p>\n<p>Grund daf\u00fcr ist unter anderem, dass die meisten Frauen heute immer noch doppelt belastet sind, mit Job und Haushalt, Kindererziehung oder gar Pflege. Daher bekommen sie auch jede K\u00fcrzung im Gesundheits-, Pflege- und Bildungsbereich direkt zu sp\u00fcren. Zum einen sind sie beim Arbeitsplatzabbau im Dienstleistungssektor am st\u00e4rksten von Arbeitslosigkeit betroffen, zum anderen m\u00fcssen sie die ehemals gesellschaftlich organisierte Arbeit privat zu Hause \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Das Beispiel Griechenland zeigt, dass vor allem die Frauen jetzt f\u00fcr die Krise der Kapitalisten zahlen: dort hat sich die offizielle Arbeitslosenquote seit Fr\u00fchjahr 2010 fast verdoppelt (auf 21%, bzw. 50% unter Jugendlichen). Infolge der massiven K\u00fcrzungen im \u00f6ffentlichen Dienst, wo ein Gro\u00dfteil von (akademischen) Frauen arbeitete, liegt die weibliche Arbeitslosenquote bei 25%. Vor diesem Hintergrund ziehen sich vor allem junge Frauen auf \u201etraditionelle\u201c Werte und ihre Rolle als Hausfrauen und M\u00fctter zur\u00fcck. Da Frauen eine niedrigere Rente beziehen, leiden sie auch mehr unter den K\u00fcrzungen. Die massive Arbeitslosigkeit, die drakonischen Lohn- und Sozialk\u00fcrzungen und verst\u00e4rkte wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit von EhepartnerInnen voneinander f\u00fchrt zu enormen Spannungen in Partnerschaften und Familien, h\u00e4usliche Gewalt gegen Frauen hat zugenommen. Zwar stellen sie nicht die eigentliche Ursache f\u00fcr diese \u00dcbergriffe dar, aber der Verlust des Arbeitsplatzes und damit auch der Ern\u00e4hrerrolle, Existenzangst usw. k\u00f6nnen solche Verhaltensweisen verst\u00e4rken.<\/p>\n<h4>Gewalttaten gegen Frauen<\/h4>\n<p>Weltweit wird eine von f\u00fcnf Frauen im Laufe ihres Lebens Opfer einer Vergewaltigung, in den entwickelten kapitalistischen L\u00e4ndern eine von sieben. In Deutschland gelangen j\u00e4hrlich etwa 12.000 bis 13.000 F\u00e4lle von Vergewaltigung und sexueller Gewalt zur Anzeige, wobei die Dunkelziffer hundertfach h\u00f6her liegen kann. Drastische K\u00fcrzungen in \u00f6ffentlichen Dienstleistungen untergraben schon allein durch den Wegfall von Beratungs- und Betreuungsangeboten den Kampf gegen h\u00e4usliche und sexuelle Gewalt gegen Frauen. Grundlage f\u00fcr Gewalt von M\u00e4nnern gegen Frauen ist letzten Endes deren Drang, Macht \u00fcber die Frauen auszu\u00fcben, in einer Gesellschaft, in der die \u00fcbergro\u00dfe Mehrheit der Menschen von einer kleinen Minderheit ausgebeutet und beherrscht wird. Immer noch herrscht bei vielen M\u00e4nnern die Vorstellung, \u201eihre\u201c Frau sei auch ihr Eigentum, mit dem sie machen k\u00f6nnen, was sie wollen. Die Gesetzgebung selbst in den entwickelten kapitalistischen Staaten hat dies lange unterst\u00fctzt, erst seit 1997 steht z.B. Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe.<\/p>\n<h4>Frauenbewegung heute<\/h4>\n<p>Die proletarische Frauenbewegung selbst ging im Grunde den gleichen Weg wie die Arbeiterbewegung: mit dem Faschismus brach auch sie zun\u00e4chst zusammen, auch in den Aufschwungjahren blieb es schwierig. Erst 1968 kam neuer Schwung in die Emanzipationsbewegung, vor dem Hintergrund revolution\u00e4rer Bewegungen und Aufst\u00e4nden gegen kapitalistische Ausbeutung weltweit. Neben neuen Organisationen auf der Linken gr\u00fcndeten sich auch neue Frauengruppen, z.B. in der StudentInnenbewegung. Auf Parteiebene hatten sp\u00e4ter die Gr\u00fcnen gro\u00dfen Einfluss auf die neue Frauenbewegung, die in der Mehrheit &#8211; ganz im Sinne der b\u00fcrgerlichen Frauenbewegung &#8211; durch schrittweise Gesetzes\u00e4nderungen Fortschritte in der Gleichberechtigung erreichen wollten, wie Bezahlung von Hausarbeit, Frauenquoten, Gleichstellungsgesetz usw. \u00c4hnliche Positionen vertreten auch Feministinnen wie Alice Schwarzer.<\/p>\n<p>Solchen b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4ften geht es h\u00f6chstens darum, b\u00fcrgerlichen Frauen dieselben Privilegien in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft zu verschaffen wie den M\u00e4nnern und beide Geschlechter damit in Konkurrenz zueinander zu setzen. Das f\u00fchrt unter anderem die Gesetzesinitiative der Gr\u00fcnen f\u00fcr eine Frauenmindestquote von 30 Prozent in den Aufsichtsr\u00e4ten (aktuell: 3,7%) und Vorst\u00e4nden b\u00f6rsennotierter Unternehmen vom 2.12.2011 vor Augen. L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen weiblicher Besch\u00e4ftigter in diesen Unternehmen interessieren nicht.<\/p>\n<p>Die Vorstellung, mehr Frauen in F\u00fchrungspositionen in der m\u00e4nnerdominierten Politik und Wirtschaft w\u00fcrden einiges verbessern, da Frauen frauenfreundlichere Entscheidungen treffen w\u00fcrden, ist weit verbreitet. Manchmal wird das sogar mit angeblich \u201etypisch weiblichen\u201c positiven Eigenschaften wie Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und Friedfertigkeit begr\u00fcndet. Doch die Erfahrung widerlegt beides: aggressiver Sozialkahlschlag und arbeiter- und gewerkschaftsfeindliche Politik wird in Gro\u00dfbritannien immer noch vor allem mit dem Namen Maggie Thatcher in Verbindung gebracht. KurdInnen in der T\u00fcrkei erinnern sich immer noch mit Schrecken an die ehemalige Ministerpr\u00e4sidentin Tansu Ciller, in deren Amtszeit die kurdische Bev\u00f6lkerung dort unter brutalsten Repressionen zu leiden hatte. Die Familienministerin der Merkel-Regierung Schr\u00f6der zeichnet sich f\u00fcr die Einf\u00fchrung des Elterngeldes verantwortlich, welches gerade einkommensschwache Frauen benachteiligt. Und Merkel selbst d\u00fcrfte nicht zuletzt wegen ihrer Rolle als K\u00fcrzungs-Hardlinerin in der Eurokrise kaum in die Geschichte eingehen als Vork\u00e4mpferin der Emanzipation.<\/p>\n<p>B\u00fcrgerliche Politikerinnen erf\u00fcllen genauso wie ihre m\u00e4nnlichen Pendants die Interessen der b\u00fcrgerlichen herrschenden Klasse, die grunds\u00e4tzlich von der Ungleichbehandlung der Frauen profitiert. Und wenn man Renate K\u00fcnast glauben will, sind Frauen sogar die gr\u00f6\u00dferen Profithaie \u2013 schlie\u00dflich appelliert sie in ihrem offenen Brief an die 30 DAX-Unternehmen vom 30.11.11 an deren Interesse, ihre \u201eInnovations- und Wettbewerbsf\u00e4higkeit\u201c zu sichern, und zwar durch einen \u201ehohen Frauenanteil in der F\u00fchrungsebene\u201c, der Unternehmen \u201enachweislich erfolgreicher und rentabler\u201c mache.<\/p>\n<h4>&#8222;Ohne Sozialismus keine Befreiung der Frau &#8211; ohne Befreiung der Frau kein Sozialismus!&#8220; (Alexandra Kollontai)<\/h4>\n<p>Frauenunterdr\u00fcckung geh\u00f6rt zum Kapitalismus dazu, genauso wie Ausbeutung, Krieg und Rassismus, deswegen k\u00f6nnen wir den Kampf dagegen im Rahmen des Kapitalismus nie gewinnen. Dazu brauchen wir eine sozialistische Gesellschaft, in der die Produktionsmittel in \u00f6ffentlicher Hand sind und die Herstellung und Verteilung der G\u00fcter demokratisch organisiert wird. Wirtschaftliche T\u00e4tigkeit w\u00e4re nicht mehr am Profitprinzip ausgerichtet, sondern an der Befriedigung der Bed\u00fcrfnisse aller Menschen und der Umwelt. Mit der Konkurrenz von Unternehmen und Menschen untereinander w\u00fcrde auch jegliche Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht oder sexuellen Vorlieben wegfallen, ohne eine herrschende Minderheit, die eine \u00fcbergro\u00dfe Mehrheit ausbeutet, braucht es solche Spaltungsinstrumente nicht mehr. Hausarbeit, Erziehung und andere soziale Aufgaben blieben nicht mehr an den Frauen h\u00e4ngen, sondern l\u00e4gen in der Verantwortung der gesamten Gesellschaft. Auch wenn dies zweifellos ein l\u00e4nger andauernder Prozess w\u00e4re, w\u00fcrden sich M\u00e4nner und Frauen von \u00fcberkommenen Rollenvorstellungen, Gewalt und Sexismus befreien und wirklich gleichberechtigt und frei zusammenleben k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>Aufbau der Arbeiterbewegung, Aufbau der Frauenbewegung<\/h4>\n<p>Ideen von vermeintlichen gemeinsamen Interessen aller Frauen, welche die Klassenfrage in den Hintergrund dr\u00e4ngten, lenkten die Frauenbewegung in eine rechtsreformistische Richtung. Mit dem Rechtsruck ehemaliger Arbeiterparteien und der Gewerkschaftsf\u00fchrung brach Anfang der 1990er auch die Frauenbewegung weitgehend zusammen. Ein wichtiger Faktor dieser Entwicklung war der Sturz der stalinistischen Regime und der scheinbare Sieg des Kapitalismus als einzig m\u00f6gliches Wirtschaftssystem. In vielen L\u00e4ndern gibt es heute am Internationalen Frauentag Blumen f\u00fcr die Frauen statt gro\u00dfer Demonstrationen. Auf der anderen Seite w\u00e4chst die Wut besonders unter jungen Frauen \u00fcber ihre Lage und bricht sich in neuen Protestbewegungen Bahn. Ein Beispiel sind die Slutwalks (\u201eSchlampenm\u00e4rsche\u201c) gegen sexuelle Gewalt, die ausgehend von Kanada weltweit organisiert werden. Ausgel\u00f6st wurde diese Bewegung durch die skandal\u00f6se \u00c4u\u00dferung des kanadischen Polizisten Michael Sanguinetti, der in einem Vortrag \u00fcber Verbrechenspr\u00e4vention meinte, Frauen sollen \u201esich nicht wie Schlampen kleiden, um nicht schikaniert zu werden.&#8220;<\/p>\n<p>Um jedoch wieder eine wirklich starke Frauenbewegung zu schaffen, m\u00fcssen wir auch wieder schlagkr\u00e4ftige Organisationen der Arbeiterbewegung aufbauen. Wir m\u00fcssen in den Gewerkschaften und linken Formationen wie der Partei DIE LINKE f\u00fcr eine k\u00e4mpferische Politik und den Kampf gegen Ungleichbehandlung eintreten. Doch jede Kampagne gegen h\u00e4usliche und sexuelle Gewalt, gegen Sexismus, gegen den Abbau von Sozialleistungen und K\u00fcrzungen bei Fraueneinrichtungen, f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen und h\u00f6here L\u00f6hne muss dies alles in Zusammenhang setzen mit dem Kampf gegen den Kapitalismus. Diesen Kampf k\u00f6nnen Frauen und M\u00e4nner nur gemeinsam f\u00fchren. Auf Grundalge eines revolution\u00e4ren Programms k\u00f6nnen wir dieses System \u00fcberwinden und durch eine sozialistische Demokratie ersetzen.<\/p>\n<p>\u201eWir erwarten unsere volle Emanzipation weder von der Zulassung der Frau zu dem, was man freie Gewerbe nennt, (..) noch von der Gew\u00e4hrung politischer Rechte. Die L\u00e4nder, in denen das angeblich allgemeine, freie und direkte Wahlrecht existiert, zeigen uns, wie gering der wirkliche Wert desselben ist. Das Stimmrecht ohne \u00f6konomische Freiheit ist nicht mehr und nicht weniger als ein Wechsel, der keinen Kurs hat. Wenn die soziale Emanzipation von den politischen Rechten abhinge, w\u00fcrde in den L\u00e4ndern mit allgemeinem Stimmrecht keine soziale Frage existieren. Die Emanzipation der Frau wie die des ganzen Menschengeschlechtes wird ausschlie\u00dflich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein. Nur in der sozialistischen Gesellschaft werden die Frauen wie die Arbeiter in den Vollbesitz ihrer Rechte gelangen.\u201c (Protokoll des Internationalen Arbeiter-Congresses zu Paris. Abgehalten vom 14. bis 20. Juli 1889).<\/p>\n<p>Ausgew\u00e4hlte Literatur:<\/p>\n<p>Clara Zetkin, Zur Geschichte der proletarischen Frauenbewegung Deutschlands, Verlag Roter Stern, Frankfurt a.M. 1970<\/p>\n<p>Sheila Rowbottam, Im Dunkel der Geschichte, Frauenbewegung in England vom 17. bis 20. Jahrhundert, Campus Verlag, Frankfurt am Main 1980<\/p>\n<p>Jill Liddington and Jill Norris, One Hand Tied Behind Us \u2013 The Rise of the Women`s Suffrage Movement, Virago, London 1978<\/p>\n<p>Michaela Karl: &#8222;Wir fordern die H\u00e4lfte der Welt!&#8220;. Der Kampf der englischen Suffragetten um das Frauenstimmrecht, S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2009.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil 2 des Artikels<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":16156,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16158"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16158"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16158\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35923,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16158\/revisions\/35923"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16156"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16158"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16158"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16158"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}