{"id":15157,"date":"2012-05-17T00:00:50","date_gmt":"2012-05-16T22:00:50","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.sozialismus.info\/?p=15157"},"modified":"2012-05-15T14:21:43","modified_gmt":"2012-05-15T12:21:43","slug":"griechenland-raus-aus-dem-euro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/05\/griechenland-raus-aus-dem-euro\/","title":{"rendered":"Griechenland: Raus aus dem Euro?"},"content":{"rendered":"<p>Die griechische Linke, die Krise und die Wiedereinf\u00fchrung der Drachme<\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Euro.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-15158\" title=\"Euro\" src=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Euro-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" \/><\/a>von Andros Payiatsos<\/em>, Herausgeber der marxistischen Zeitung Xekinima<\/p>\n<h4>Vorwort zur deutschen Ausgabe<\/h4>\n<p>Die Weltwirtschaftskrise, die 2007\/08 in den USA ihren Anfang nahm, hat<br \/> Griechenland in eine tiefe wirtschaftliche Depression gest\u00fcrzt. Der<br \/> griechische Staat kann seine Schulden nicht mehr bedienen und musste<br \/> durch zwei so genannte Rettungspakete vor einem formellen Staatsbankrott<br \/> bewahrt werden. Die Wirtschaftsleistung ist in den Jahren 2010 und 2011<br \/> um 11,3 Prozent gesunken, f\u00fcr 2012 liegen die Prognosen bei einem<br \/> weiteren R\u00fcckgang zwischen 4,5 und 8 Prozent.<\/p>\n<p>Unter dem Diktat der Troika1 wird ein radikales Verarmungsprogramm gegen<br \/> die griechische Bev\u00f6lkerung umgesetzt. Nicht die Verursacher<br \/> kapitalistischer Krisen und ausufernder Verschuldung in den Regierungen<br \/> und Chefetagen der Banken und Konzerne zahlen f\u00fcr die Krise, sondern die<br \/> Masse der Arbeiterklasse und einfachen Bev\u00f6lkerung. Die Folge ist eine<br \/> soziale Katastrophe: das Einkommen griechischer ArbeitnehmerInnen ist in<br \/> den letzten drei Jahren um bis zu f\u00fcnfzig Prozent gesunken, der<br \/> Mindestlohn wurde drastisch abgesenkt, staatliches Eigentum wurde<br \/> privatisiert, Tarifvertr\u00e4ge aufgehoben, L\u00f6hne werden nicht ausgezahlt.<br \/> Eltern k\u00f6nnen ihre Kinder nicht mehr ern\u00e4hren und m\u00fcssen sie in<br \/> SOS-Kinderd\u00f6rfer schicken. Die Suizidrate ist drastisch gestiegen. Im<br \/> April 2012 t\u00f6tete sich der Rentner Dimitris Christoulas und schrieb in<br \/> seinem Abschiedsbrief: \u201eDa mein fortgeschrittenes Alter mir keine<br \/> dynamische Reaktion erlaubt (obwohl wenn ein Mitgrieche eine<br \/> Kalaschnikow aufnehmen w\u00fcrde, w\u00e4re ich gleich hinter ihm), sehe ich<br \/> keine andere L\u00f6sung, au\u00dfer dieses w\u00fcrdevolle Ende zu meinem Leben, damit<br \/> ich mich nicht dabei vorfinde durch Abfalleimer zu w\u00fchlen f\u00fcr mein<br \/> \u00dcberleben.\u201c<\/p>\n<p>Menschen infizieren sich absichtlich mit HIV, weil sie dadurch bessere<br \/> und dauerhafte Sozialleistungen erhalten. Obdachlosigkeit und Armut<br \/> f\u00fchren in den Stra\u00dfen Athens zu Auseinandersetzungen um den Zugang zu<br \/> weggeworfenen Lebensmitteln in den M\u00fclltonnen. Die griechisch-orthodoxe<br \/> Kirche ern\u00e4hrt mittlerweile eine viertel Million Menschen t\u00e4glich in<br \/> ihren Suppenk\u00fcchen. Griechenland ist auf dem Weg in die Barbarei.<\/p>\n<p>Doch die griechische Arbeiterklasse und Jugend leistet erbitterten<br \/> Widerstand. 16 Generalstreiks in zwei Jahren, die Bewegung der<br \/> \u201eEmp\u00f6rten\u201c im Sommer 2011, Massendemonstrationen, Streiks, Besetzungen<br \/> von Betrieben und Institutionen wie dem Gesundheitsministerium, eine<br \/> Bewegung zum Zahlungsboykott von Autobahnmaut und Bustickets \u2013<br \/> Griechenland ist eine Gesellschaft im Aufruhr. Zum ersten Mal seit \u00fcber<br \/> drei Jahrzehnten entwickelt sich eine revolution\u00e4re Situation in einem<br \/> westeurop\u00e4ischen Land. Tats\u00e4chlich lag die Macht im Februar 2012 auf der<br \/> Stra\u00dfe und eine entschlossene Arbeiterbewegung mit einer revolution\u00e4ren<br \/> F\u00fchrung und einer Massenpartei h\u00e4tte die Regierung st\u00fcrzen und eine<br \/> alternative Macht etablieren k\u00f6nnen. Die gro\u00dfen linken Parteien KKE2 und<br \/> SYRIZA3 lagen im April 2012 in Meinungsumfragen bei bis zu drei\u00dfig<br \/> Prozent. Hinzu kommen \u00fcber f\u00fcnfzehn Prozent f\u00fcr die Demokratische Linke,<br \/> einer Rechtsabspaltung der Synaspismos. Eine Einheit der Linken k\u00f6nnte<br \/> zu einer parlamentarischen Mehrheit f\u00fchren, die auch den Weg zur Bildung<br \/> einer Arbeiterregierung weisen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Linke stellen sich in Griechenland viele wichtige Fragen. Kann<br \/> sie einen Weg aus der kapitalistischen Krise aufzeigen? Was sollen ihre<br \/> zentralen Forderungen und Ziele sein? Bedarf es einer L\u00f6sung im Rahmen<br \/> kapitalistischer Wirtschaftsstrukturen oder kann eine solche nur durch<br \/> den Bruch mit kapitalistischen Verh\u00e4ltnissen gefunden werden? Und welche<br \/> Rolle spielt dabei das Verh\u00e4ltnis zur Europ\u00e4ischen Union und dem Euro?<br \/> Gerade letzteres spielt eine zentrale Rolle in den Debatten innerhalb<br \/> der griechischen Linken und Arbeiterbewegung.<\/p>\n<p>Angesichts der Vorgaben aus Berlin und Br\u00fcssel und der Tatsache, dass<br \/> Griechenland einen gro\u00dfen Teil seiner nationaler Souver\u00e4nit\u00e4t abgeben<br \/> musste und weil die Mitgliedschaft in der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion wie<br \/> eine Zwangsjacke wirkt, die eine eigenst\u00e4ndige W\u00e4hrungspolitik<br \/> verhindert, fordert eine wachsende Zahl linker Kr\u00e4fte einen Austritt aus<br \/> dem Euro und eine R\u00fcckkehr zu einer nationalen W\u00e4hrung, der Drachme.<br \/> Damit ist die Hoffnung verbunden, dass dann ein gr\u00f6\u00dferes Ma\u00df nationaler<br \/> Unabh\u00e4ngigkeit erreicht wird und die M\u00f6glichkeit der W\u00e4hrungsabwertung<br \/> zu einer Stimulierung f\u00fcr die griechische Volkswirtschaft f\u00fchren kann.<br \/> Dieser Gedanke beinhaltet die Hoffnung darauf, dass die Krise im Rahmen<br \/> des Kapitalismus, nur unter anderen kapitalistischen Parametern<br \/> \u00fcberwunden werden kann.<\/p>\n<p>In dieser Brosch\u00fcre setzt sich Andreas Payiatsos ausf\u00fchrlich mit dieser<br \/> Frage auseinander. Payiatsos ist Herausgeber der marxistischen Zeitung<br \/> Xekinima und Generalsekret\u00e4r der gleichnamigen sozialistischen<br \/> Organisation, die die Schwesterorganisation der Sozialistischen<br \/> Alternative &#8211; SAV und griechische Sektion des Komitees f\u00fcr eine<br \/> Arbeiterinternationale ist.<\/p>\n<p>Xekinima stellt nicht die Forderung nach einem Austritt Griechenlands<br \/> aus dem Euro und\/oder der EU auf. Nicht weil sie den Euro oder die<br \/> kapitalistische EU unterst\u00fctzen w\u00fcrde oder f\u00fcr den Verbleib des Landes<br \/> in der Einheitsw\u00e4hrung und dem Staatenbund w\u00e4re. Im Gegenteil: Xekinima<br \/> argumentiert, dass es im Rahmen des Kapitalismus keine L\u00f6sung f\u00fcr<br \/> Griechenland gibt \u2013 egal, ob innerhalb oder au\u00dferhalb des Euro. Aus<br \/> dieser Grund\u00fcberlegung leitet die Organisation ein Programm ab, das aus<br \/> \u00dcbergangsforderungen besteht, die einen Weg zur \u00dcberwindung des<br \/> Kapitalismus aufzeigen sollen: die Weigerung der Schuldenr\u00fcckzahlung,<br \/> die Verstaatlichung des Bankwesens und der wichtigsten<br \/> Wirtschaftsbereiche unter demokratischer Arbeiterkontrolle und<br \/> -verwaltung, um auf dieser Basis die n\u00f6tigen Investitionen zum Aufbau<br \/> der Wirtschaft zu t\u00e4tigen, die Bildung einer Arbeiterregierung. Xekinima<br \/> stellt mit der Losung der Vereinigten Sozialistischen Staaten von Europa<br \/> eine internationalistische Perspektive auf und betont, dass es keinen<br \/> nationalen Ausweg aus der Krise geben kann \u2013 weder auf kapitalistischer<br \/> Basis noch als Sozialismus in einem Land.<\/p>\n<p>Diese Haltung wird in dieser Brosch\u00fcre ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt. Sie gibt die<br \/> zentrale Debatte wieder, die zur Zeit in der griechischen Linken und<br \/> Arbeiterbewegung diskutiert wird. Sie birgt aber auch viele Lehren f\u00fcr<br \/> die Linke in anderen L\u00e4ndern \u2013 auch in Deutschland, wo auch ein<br \/> wachsender Teil der Bev\u00f6lkerung den Euro immer skeptischer sieht und<br \/> rechtspopulistische Kr\u00e4fte eine R\u00fcckkehr zur D-Mark fordern.<\/p>\n<p><em>Sascha Stanicic im April 2012<\/em><\/p>\n<h4>Einleitung zur zweiten Auflage<\/h4>\n<p>Das erste, was bei dieser Brosch\u00fcre ins Auge sticht, ist der Titel. Was<br \/> f\u00fcr eine Beziehung kann der Euro und die Drachme zur Revolution und zur<br \/> Linken haben? Doch wenn man die Debatten und Kontroversen innerhalb der<br \/> Linken verfolgt, wird der Zusammenhang klar.<\/p>\n<p>Was zuerst festgehalten werden muss, ist der offene Bezug zur<br \/> \u201eRevolution\u201c. Etwas, das bis vor zwei Jahren als weit entfernt und<br \/> romantisch erschien, kommt pl\u00f6tzlich auf die Tagesordnung und man<br \/> betrachtet es als v\u00f6llig nat\u00fcrlich, dies \u00f6ffentlich und breit zu<br \/> diskutieren. Dabei haben zwei wichtige Faktoren eine Rolle gespielt. Der<br \/> eine sind die arabischen Revolutionen, die Anfang 2011 von Tunesien<br \/> ihren Ausgang nahmen und sich in Windeseile auf die \u00fcbrige arabische<br \/> Welt ausweiteten. Der zweite ist die Weltwirtschaftskrise, die mit dem<br \/> Crash auf dem Wohnungsmarkt in den USA 2007 begann und sich seitdem<br \/> weiter fortsetzt. Dabei hat sie das Bankensystem erfasst und nimmt heute<br \/> die Gestalt der Schuldenkrise an, die die Eurozone trifft.<\/p>\n<p>Diese Krise ist noch nicht vorbei und schafft in einer Reihe von L\u00e4ndern<br \/> explosive Verh\u00e4ltnisse. Sie war die Grundlage f\u00fcr die arabischen<br \/> Revolutionen. Sie war die Grundlage auch f\u00fcr die Bewegung der<br \/> \u201eEmp\u00f6rten\u201c, die sich an den Platzbesetzungen in Tunesien und \u00c4gypten ein<br \/> Beispiel genommen und sich auf die ganze Welt ausgebreitet hat. Sie ist<br \/> auch die Grundlage f\u00fcr die katastrophale Krise, die heute die Eurozone<br \/> trifft und insbesondere in Griechenland eine explosive Mischung<br \/> hervorruft.<\/p>\n<p>Die Prozesse, die wir seit zwei Jahren in Griechenland erleben,<br \/> beinhalten revolution\u00e4re Charakteristika. Und dies wird heute auch in<br \/> der ganzen Gesellschaft und nicht nur in irgendwelchen Zirkeln von<br \/> \u201eRevolution\u00e4ren\u201c diskutiert. Allein die Tatsache, dass Aleka Papariga,<br \/> die Generalsekret\u00e4rin der Kommunistischen Partei Griechenlands am 20.<br \/> Oktober 2011 erkl\u00e4rte, dass es in Griechenland \u201ekeine revolution\u00e4re<br \/> Situation\u201c gebe, zeigt aber, dass Entwicklungen in diese Richtung<br \/> begonnen haben.<\/p>\n<p>Wir sind in eine neue Epoche, die mit revolution\u00e4ren Ereignissen<br \/> schwanger geht, eingetreten. Das ist au\u00dferordentlich wichtig f\u00fcr die<br \/> Gesellschaft, die Linke und f\u00fcr die Diskussionen die in den n\u00e4chsten<br \/> Jahren gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Was ist nun der Zusammenhang dieser Situation mit dem Euro und der<br \/> Drachme? Es ist folgender: Wenn die Linke das Thema des Auswegs aus der<br \/> Krise mit der W\u00e4hrung verbindet \u2013 d.h. dass mit dem \u00dcbergang vom Euro<br \/> zur Drachme \u2013 ohne das Thema des Sturzes des kapitalistischen Systems<br \/> aufzuwerfen, dann begeht sie einen Fehler katastrophalen Ausma\u00dfes, den<br \/> sowohl die Linke als auch die Gesellschaft teuer bezahlen wird.<\/p>\n<p>Wenn die Linke das Thema des Sturzes des kapitalistischen Systems<br \/> aufwirft, dann reden wir von der Notwendigkeit der sozialistischen, der<br \/> Arbeiter- und Volksrevolution als dem einzigen Weg dahin, durch den die<br \/> griechische Gesellschaft aus dem Schraubstock herauskommt, in dem sie<br \/> sich befindet. Richtig. Welchen Sinn haben dann jedoch die Bez\u00fcge auf<br \/> die W\u00e4hrungsfrage? Was ist ihre Bedeutung? Helfen sie der Bewegung,<br \/> voranzukommen, oder verwirren sie sie? Die Antworten darauf sind alles<br \/> Andere als \u201eschwarz-wei\u00df\u201c.<\/p>\n<h4>Einleitung zur ersten Auflage<\/h4>\n<p>Immer mehr Menschen besch\u00e4ftigt die Frage, inwieweit ein Austritt aus<br \/> dem Euro und aus der EU Antworten auf die Probleme der Krise der<br \/> griechischen Wirtschaft und auf den Angriff auf die Arbeiterbewegung und<br \/> die Bev\u00f6lkerung unseres Landes geben kann. Darauf soll diese Brosch\u00fcre<br \/> eine Antwort geben.<\/p>\n<p>Soll die Linke diese Forderungen in ihr Programm aufzunehmen und ihr<br \/> eine gro\u00dfe Betonung zu geben? Ist ein Austritt aus dem Euro und der EU<br \/> vielleicht sowieso unvermeidbar? Wie beeinflusst das dann die Haltung,<br \/> die die Linke einnehmen muss? Was lehrt uns die Erfahrung Argentiniens,<br \/> die in Griechenland so sehr diskutiert wird? Was f\u00fcr eine Art<br \/> Staatsmacht brauchen wir, um die Kampfziele der Linken zu erreichen?<br \/> Sind ein vollst\u00e4ndiger Umsturz und die Errichtung einer Arbeitermacht<br \/> bzw. sozialistische Verh\u00e4ltnisse notwendig, um L\u00f6sungen zu finden oder<br \/> kann eine \u201eVolksfront\u201c, eine \u201efortschrittliche\u201c Regierung im Rahmen des<br \/> Kapitalismus ausreichend sein? Und welche Bedeutung hat die in letzter<br \/> Zeit viel diskutierte \u201eNationale Befreiungsfront\u201c EAM f\u00fcr diese Frage?<\/p>\n<p>Die Linke hat alles Andere als eine einheitliche Haltung zu diesen<br \/> Fragen. Sicher ist, dass aufgrund der Vertiefung der Krise sowohl in<br \/> Griechenland als auch in der Eurozone die Stimmen st\u00e4rker werden, die<br \/> den Austritt aus der EU vorbringen.<\/p>\n<p>In diesem Text versuchen wir nicht, eine Antwort auf eine bestimmte<br \/> Str\u00f6mung der Linken zu geben. Es gibt Teile der Linken, die den Austritt<br \/> aus der EU und dem Euro mit der Notwendigkeit sozialer und politischer<br \/> Umst\u00fcrze verbinden. Es gibt andere Teile der Linken, die sich im Grunde<br \/> darauf beschr\u00e4nken, das Thema des Austritts als einen ersten sehr<br \/> wichtigen Schritt aufzuwerfen und danach weiter sehen wollen. F\u00fcr einen<br \/> wichtigen Teil der Linken, die f\u00fcr den Austritt aus der EU und dem Euro<br \/> eintreten, ist diese Position ein unverhandelbares Prinzip \u2013 und jeder,<br \/> der das nicht akzeptiert, geh\u00f6rt dann zum Lager der \u201ereformistischen\u201c<br \/> Linken, ist ein linkes Feigenblatt des Systems und folglich ist keine<br \/> Zusammenarbeit mit ihm erlaubt. Wir werden uns nicht mit den Differenzen<br \/> und unterschiedlichen Betonungen zwischen den verschiedenen Teilen der<br \/> Linken befassen. Wir werden uns mit dem grundlegenden Thema befassen:<br \/> Muss der Austritt aus der EU und dem Euro eine zentrale programmatische<br \/> Zielsetzung der Linken sein oder nicht?<\/p>\n<h2>Wenn Volksabstimmung, dann NEIN!<\/h2>\n<p>Die Diskussion \u00fcber das Thema Euro, den Austritt aus diesem und die<br \/> R\u00fcckkehr zur Drachme hat neue Dimensionen angenommen nach dem Fiasko der<br \/> Volksabstimmung, die Georgos Papandreou am Dienstag, den 31. Oktober<br \/> 2011 angek\u00fcndigt hat, und nach den brutalen Drohungen, die von Merkel,<br \/> Sarkozy und dem \u00fcbrigen europ\u00e4ischen Establishment darauf folgten.<\/p>\n<p>Eine Volksabstimmung \u00fcber verschiedene EU-Vertr\u00e4ge wird von vielen<br \/> Parteien der Linken in der EU gefordert und diejenigen, die dies in der<br \/> Regel ablehnen, sind die Repr\u00e4sentanten der herrschenden Klasse, die die<br \/> Ergebnisse von Volksabstimmungen f\u00fcrchten. Deshalb w\u00e4hlen sie in der<br \/> \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit der F\u00e4lle den Weg, dass Vertr\u00e4ge und<br \/> Gesetzesvorschl\u00e4ge, die die EU betreffen, \u00fcber die Parlamente<br \/> beschlossen werden. Papandreou wurde zur Ank\u00fcndigung einer<br \/> Volksabstimmung \u00fcber die Billigung des neuen Kreditabkommens, das das<br \/> Gipfeltreffen der EU am 26.\/27. Oktober 2011 beschlossen hatte,<br \/> gedr\u00e4ngt. Wenn das Ergebnis der Volksabstimmung negativ gewesen w\u00e4re,<br \/> h\u00e4tten sich die Prozesse hin zum Zusammenbruch des Euro, die sich<br \/> ohnehin entwickeln, au\u00dferordentlich beschleunigt. (Wir haben hier nicht<br \/> den Platz, zu erkl\u00e4ren, warum und wie das passieren w\u00fcrde.) Das Ergebnis<br \/> seiner Ank\u00fcndigung eines Referendums war eine internationale Unruhe, die<br \/> B\u00f6rsen auf der ganzen Welt st\u00fcrzten wiederholt ab, Merkel und Sarkozy<br \/> fassten Papandreou am Ohr und dieser zog sich ungeordnet zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Aber die Frage stand somit im Raum und es war damit bewiesen, dass die<br \/> M\u00f6glichkeit einer Volksabstimmung \u00fcber den Verbleib in oder Austritt aus<br \/> dem Euro und der EU, keine theoretische ist \u2013 unter gewissen Umst\u00e4nden<br \/> kann es dazu kommen. Was m\u00fcsste die Haltung der Linken in einem solchen<br \/> Fall sein? \u201eXekinima\u201c hat eine klare Position zu dieser Frage und hat<br \/> sie am Tag nach der Ank\u00fcndigung der Volksabstimmung eingenommen. In<br \/> ihrer Erkl\u00e4rung mit dem Titel \u201eNein! Klar und laut! Nieder mit der<br \/> Regierung, raus mit der Troika!\u201c hat \u201eXekinima\u201c klargestellt, dass im<br \/> Falle einer Volksabstimmung \u00fcber den Euro der Vorschlag der Linken an<br \/> die Bev\u00f6lkerung eine NEIN-Stimmabgabe sein m\u00fcsste.<\/p>\n<h4>Gr\u00fcnde f\u00fcr das NEIN<\/h4>\n<p>Was sind die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Positionierung? Georgos Papandreou hat<br \/> seine Zuflucht in einer Volksabstimmung nicht gesucht, weil er<br \/> demokratisch sensibel w\u00e4re, sondern weil seine Politik unter den<br \/> w\u00fctenden Reaktionen und K\u00e4mpfen der griechischen Arbeiterbewegung seit<br \/> Anfang 2010 in eine ausweglose Situation geraten war. Seine Regierung<br \/> stand kurz vor dem Zusammenbruch. Die Gesellschaft war gegen ihn. Seine<br \/> Partei war durch interne Konflikte zerrissen. Die Regierung Papandreou<br \/> ging dem Abgrund entgegen und er erkannte das. Ein Teil der<br \/> Parteif\u00fchrung, die diese Realit\u00e4t verstand, beschloss, durch eine<br \/> Volksabstimmung ihren Gegnern und der Bev\u00f6lkerung den Fehdehandschuh<br \/> hinzuwerfen. Auf diese Weise versuchte sie, die Initiative des Handelns<br \/> zur\u00fcckzugewinnen. Papandreou wollte die Gesellschaft und seine<br \/> politischen Gegner erpresst, denn ein negatives Ergebnis der<br \/> Volksabstimmung h\u00e4tte zwei Dinge bedeutet.<\/p>\n<p>Erstens ein Ende der Kreditvergabe durch die Troika. Griechenland h\u00e4tte<br \/> weder die acht Milliarden Euro der sechsten Tranche des ersten<br \/> Memorandums noch die 130 Milliarden Euro des neuen Kreditabkommens, des<br \/> zweiten Memorandums, erhalten.<\/p>\n<p>Zweitens h\u00e4tte dies den Austritt Griechenlands aus dem Euro bedeutet.<br \/> Sobald die Kreditzahlungen von der EU eingestellt w\u00fcrden, w\u00e4re die<br \/> griechische Regierung gezwungen, Geld zu drucken \u2013 und das einzige Geld,<br \/> das sie drucken k\u00f6nnte, sind Drachmen. (Dies stellten \u00fcbrigens Merkel<br \/> und Sarkozy sofort danach klar: Wenn eine Volksabstimmung stattfinden<br \/> w\u00fcrde, ginge diese \u00fcber den Verbleib oder den Austritt aus dem Euro.)<\/p>\n<p>Papandreou h\u00e4tte also mit einer Volksabstimmung die griechische<br \/> Gesellschaft vor ein erpresserisches Dilemma zu stellen versucht. Ein<br \/> Dilemma folgender Art: Entweder stimmt ihr daf\u00fcr und billigt das neue<br \/> Kreditabkommen und meine Politik \u2013 eine Dampfwalze gegen die<br \/> Arbeiterbewegung mit einer offiziellen Dauer von mindestens zehn<br \/> weiteren Jahren \u2013 oder wir werden keine neuen Kredite bekommen, wir<br \/> werden die L\u00f6hne und die Renten nicht zahlen und wir werden uns<br \/> au\u00dferhalb des Euro befinden. Die Volksabstimmung w\u00e4re im Kern zu<br \/> folgender Frage gewesen: \u201eEntweder stimmt ihr daf\u00fcr, dass eine<br \/> Dampfwalze \u00fcber euer Leben rollt, oder wir werden aus dem Euro<br \/> austreten.\u201c<\/p>\n<p>Wenn die herrschende Klasse der Arbeiterbewegung ein \u201eMesser\u201c namens<br \/> \u201eEuro\u201c an die \u201eKehle\u201c setzt, dann kann die Antwort keine andere als<br \/> \u201eNein zum Euro\u201c sein. Das ist die einzige Art und Weise, wie die<br \/> Massenbewegung \u201eNein zum Messer\u201c, \u201eNein zur Dampfwalze\u201c sagen kann!<br \/> W\u00fcrde sie mit \u201eJa\u201c stimmen, w\u00e4re das ein schwerer Schlag f\u00fcr die<br \/> Bewegung und w\u00fcrde ihre F\u00e4higkeit untergraben, in der Zukunft Widerstand<br \/> zu leisten, da die Politik der Vernichtung des Lebensstandards und der<br \/> Abschaffung der Rechte vom Volk selbst bereits \u201egebilligt\u201c worden w\u00e4re.<\/p>\n<p>Wenn wir uns die Meinungsumfragen anschauen, so zieht die Mehrheit des<br \/> griechischen Volkes den Euro der Drachme vor. Die Erkl\u00e4rung f\u00fcr dieses<br \/> Ph\u00e4nomen werden wir an anderer Stelle geben. In dem Moment jedoch, wo<br \/> die herrschende Klasse das griechische Volk vor das Dilemma stellt,<br \/> \u201eDein Leben oder den Euro\u201c, kann die Linke nur stark und k\u00e4mpferisch an<br \/> der Seite der Arbeiterklasse stehen, indem sie zum Euro Nein sagt. Das<br \/> w\u00e4re unter anderen Bedingungen von der Bev\u00f6lkerung nicht leicht zu<br \/> verstehen, doch unter diesen Bedingungen k\u00f6nnte eine entschlossene<br \/> Kampagne der Linken die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse positiv \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Im Falle einer Volksabstimmung kann die Bev\u00f6lkerung und die Linke<br \/> aufgerufen sein, f\u00fcr das \u201eNein zum Euro und zur EU\u201c zu k\u00e4mpfen. Es kann<br \/> auch andere Voraussetzungen geben, die eine solche Position erforderlich<br \/> machen, dich aus Platzgr\u00fcnden k\u00f6nnen wir uns nicht mit allen befassen.<\/p>\n<p>Wir wollen folgenden grundlegenden Punkt betonen: Unter bestimmten<br \/> Bedingungen, wenn sich eine Frage praktischer politischer Haltung wie im<br \/> obigen Beispiel der Volksabstimmung stellt, wird die Linke eine<br \/> k\u00e4mpferische Position f\u00fcr den Austritt aus dem Euro und der EU beziehen<br \/> m\u00fcssen. Das darf jedoch keine Illusionen in die Drachme oder<br \/> Unterst\u00fctzung f\u00fcr diese bedeuten! Es ist auch etwas anderes, wenn nach<br \/> einem negativen Ausgang einer Volksabstimmung das Ergebnis tats\u00e4chlich<br \/> die R\u00fcckkehr zur Drachme ist, als wenn die Linke die Drachme unabh\u00e4ngig<br \/> von einer solchen praktischen Situation in ihre programmatischen Ziele<br \/> aufnimmt \u2013 also wenn sie erkl\u00e4rt, sie habe die R\u00fcckkehr zur Drachme zum<br \/> Ziel, oder zu verstehen gibt, dass der Austritt aus dem Euro oder auch<br \/> der EU an sich irgendetwas zur L\u00f6sung der Probleme der ArbeitnehmerInnen<br \/> beizutragen habe. Behandeln wir die Dinge jedoch der Reihe nach, indem<br \/> wir mit einem Beispiel anfangen, das in letzter Zeit viel diskutiert<br \/> wird.<\/p>\n<h4>Das Beispiel Argentinien<\/h4>\n<p>Argentinien ist von vielen Linken als Beispiel zur Nachahmung empfohlen<br \/> worden, doch von der Regierung auch als abschreckendes Beispiel!<\/p>\n<p>Die Arbeiter- und die Jugendbewegung unseres Landes haben als eines<br \/> ihrer Symbole den Hubschrauber, mit dem der argentinische Pr\u00e4sident De<br \/> La Rua im Dezember 2001 aus dem Pr\u00e4sidentenpalast abgehauen ist, als die<br \/> Massen diesen st\u00fcrmten. Andererseits ist Pangalos4 soweit gegangen,<br \/> Anfang 2011 damit zu drohen, dass er, sollten in Griechenland<br \/> argentinische Verh\u00e4ltnisse entstehen, Panzer auf die Stra\u00dfen rollen<br \/> lassen werde (um angeblich \u201eunsere\u201c Bankeinlagen zu sch\u00fctzen).<br \/> Offensichtlich gibt es zwei diametral entgegengesetzte Blickwinkel,<br \/> unter denen man die Entwicklungen analysieren kann.<\/p>\n<p>Im Jahr 2002 entschied sich Argentinien unter dem Druck einer Bewegung<br \/> mit revolution\u00e4ren Charakteristika f\u00fcr die Verweigerung der Bezahlung<br \/> seiner Staatsschulden und schaffte die \u201eDollarisierung\u201c seiner<br \/> nationalen W\u00e4hrung, des Peso, ab. (Es schaffte den festen Wechselkurs<br \/> von eins zu eins des Peso zum Dollar ab.) Die Schulden Argentiniens<br \/> betrugen ungef\u00e4hr einhundert Milliarden Euro (das hei\u00dft etwa 27 bis 28<br \/> Prozent der heutigen griechischen Schulden) und der Internationale<br \/> W\u00e4hrungsfond (IWF) hatte 1999 in Argentinien interveniert, um es zu<br \/> \u201eretten\u201c. Er erzwang eine Herabsetzung der L\u00f6hne der Staatsbediensteten<br \/> um zwanzig Prozent, trieb die Arbeitslosigkeit in die H\u00f6he und versenkte<br \/> das Land in eine tiefe Rezession. Im Dezember 2001 beschloss die<br \/> Regierung Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr B\u00fcrger, Geld von der Bank abzuheben \u2013 im<br \/> Grunde entzog sie der Bev\u00f6lkerung das Recht, ihre eigenen Bankeinlagen<br \/> einzuziehen. Als Reaktion auf diesen brutalen Angriff st\u00fcrzten die<br \/> argentinischen Massen von Dezember 2001 bis Februar 2002 innerhalb<br \/> weniger Wochen f\u00fcnf Regierungen und schickten den IWF zum Teufel.<\/p>\n<p>Was war das Ergebnis? Es war nicht so katastrophal, wie es Venizelos5<br \/> und Pangalos darstellen wollen. Zwischen 2002 und 2008 wuchs die<br \/> argentinische Wirtschaft um 65 Prozent! Das ist ein erstaunlicher<br \/> Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP), das im Verlauf des Jahres 2011<br \/> nochmals um acht Prozent steigt!<\/p>\n<p>Man m\u00f6ge dies mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch, den wir heute in<br \/> Griechenland erleben und mit dem, was noch bevorsteht, vergleichen! Mit<br \/> dem zweiten Memorandum vom 26.\/27. Oktober 2011 tritt Griechenland<br \/> offiziell in eine Sparpolitik bis zum Jahr 2020 ein! Mit welchem Ziel?<br \/> Dass seine Staatsverschuldung dann 120 Prozent seines BIP ausmacht! So<br \/> hoch waren jedoch seine Schulden im Jahr 2009, also bevor die<br \/> Schuldenkrise \u201ezuschlug\u201c!<\/p>\n<p>Der Weg Argentiniens scheint also auf den ersten Blick eine Antwort auf<br \/> die griechische Krise anzubieten. Dieser Weg Argentiniens lie\u00df den<br \/> Pr\u00e4sidenten der argentinischen Zentralbank Mercedes Marco del Pont (der<br \/> sicherlich keinerlei Beziehung zum revolution\u00e4ren Marxismus hat \u2013 der<br \/> Mann ist ein Repr\u00e4sentant der herrschenden Klasse und des Kapitalismus)<br \/> das Folgende erkl\u00e4ren: \u201eDas traditionelle und offizielle \u00f6konomische<br \/> Denken ist gescheitert. Was wir in Argentinien gemacht haben, war genau<br \/> das Gegenteil der offiziellen Wirtschaftspolitik des Establishments und<br \/> das Ergebnis hat sich als sehr gut f\u00fcr uns erwiesen.\u201c<\/p>\n<p>Der international ber\u00fchmte Wirtschaftsnobelpreistr\u00e4ger Paul Krugman<br \/> unterstrich dies: \u201eDie \u201arichtige\u2018 Politik hat sich f\u00fcr Argentinien Ende<br \/> der 90er Jahre als sehr schlecht und verfehlt herausgestellt. Und obwohl<br \/> die Zahlungseinstellung ein sehr abruptes Schrumpfen der Wirtschaft<br \/> hervorrief, setzte in sehr kurzer Zeit ein schneller und lang<br \/> andauernder Aufschwung ein. Sicherlich zeigt das Beispiel Argentiniens,<br \/> dass ein Bankrott eine sehr gute Idee sein kann.\u201c<\/p>\n<p>So gesehen scheinen die Dinge sehr einfach zu sein: Auf den ersten Blick<br \/> kann die Zahlungseinstellung (nach den \u201eM\u00e4rkten\u201c ein Bankrott) und der<br \/> Austritt aus dem Euro sehr viel zur \u00dcberwindung der Krise beitragen.<br \/> Oder vielleicht nicht?<\/p>\n<h4>Argentinien \u2013 eine zweite Lesart<\/h4>\n<p>Wenn die Existenz einer nationalen W\u00e4hrung und ihre Abwertung eine<br \/> L\u00f6sung f\u00fcr die wirtschaftlichen Probleme darstellt, warum wird dann die<br \/> Welt von Wirtschaftsproblemen heimgesucht?<\/p>\n<p>Au\u00dfer Europa gibt es keinen Kontinent mit einer gemeinsamen W\u00e4hrung.<br \/> Haben vielleicht alle L\u00e4nder, die eine eigene \u201enationale\u201c W\u00e4hrung haben,<br \/> L\u00f6sungen f\u00fcr die \u00f6konomische Krise gefunden? Schauen wir uns das<br \/> Beispiel der USA an. Diese sind kein armes Landes der \u201edritten Welt\u201c ,<br \/> sondern die \u201eentwickelteste\u201c Wirtschaft mit der fortgeschrittensten<br \/> Technologie und der st\u00e4rksten von allen W\u00e4hrungen. Die Krise, die die<br \/> Welt heute durchmacht, ging 2007 von den USA mit dem Zusammenbruch des<br \/> Wohnungsmarktes und des Bankensystems aus. Zur Zeit leben in den USA<br \/> \u00fcber 46 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Sie sind das am<br \/> h\u00f6chsten verschuldete Land, das es jemals in Friedenszeiten gegeben hat.<br \/> Eine zweite Rezession steht bevor. Oder sollen wir vielleicht den Fall<br \/> Japans nehmen, dessen Wirtschaft sich seit \u00fcber zwei Jahrzehnten in<br \/> Stagnation befindet\u2026?<\/p>\n<p>Nachdem wir die Grenzen der \u201enationalen\u201c W\u00e4hrungspolitik im Falle der<br \/> beiden st\u00e4rksten \u00d6konomien der Erde betrachtet haben, schauen wir uns<br \/> an, was am anderen Extrem des Spektrums \u2013 in den armen L\u00e4ndern \u2013<br \/> geschieht. Die L\u00e4nder Afrikas haben eigene nationale W\u00e4hrungen, doch<br \/> fast \u00fcberall herrscht Hunger. Indien hat seine eigene W\u00e4hrung und<br \/> gewaltige Ressourcen, doch es ist das Land mit den meisten Armen auf der<br \/> Welt. Die Liste ist unendlich lang und wir wollen die LeserInnen nicht<br \/> langweilen \u2013 wir halten nur fest, dass es auf der Erde drei Milliarden<br \/> Arme gibt (Menschen, die von weniger als 1,50 Euro am Tag leben) und<br \/> eine Milliarde Menschen, die hungern (die weniger als 0,75 Euro t\u00e4glich<br \/> zur Verf\u00fcgung haben) und all diese leben in L\u00e4ndern, die ihre eigenen<br \/> nationalen W\u00e4hrungen haben.<\/p>\n<p>Offensichtlich kann also das Vorhandensein einer nationalen W\u00e4hrung<br \/> unter bestimmten Umst\u00e4nden gewisse positive wirtschaftliche Ergebnisse<br \/> mit sich bringen. Doch in der \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit der F\u00e4lle l\u00f6st<br \/> sie kein wesentliches Problem. Sie rettet kein Land vor der Katastrophe,<br \/> in die es die Krise des kapitalistischen Systems f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem d\u00fcrfen wir Folgendes nicht vergessen: Das griechische Volk<br \/> unterst\u00fctzte den Eintritt Griechenlands in die EU und den Euro gerade<br \/> weil die Zeit der Drachme eine Zeit der Krise, der wirtschaftlichen<br \/> Instabilit\u00e4t und hoher Inflation war. Das ist au\u00dferdem der Grund,<br \/> weshalb sogar heute &#8211; trotz des verallgemeinerten Zornes der<br \/> griechischen Bev\u00f6lkerung auf die Regierung und die Troika \u2013 nur wenige<br \/> die R\u00fcckkehr zur Drachme unterst\u00fctzen. Diese Haltung der GriechInnen ist<br \/> weder sehr bewusst und sicherlich auch nicht wissenschaftlich begr\u00fcndet.<br \/> Sie ist im Grunde instinktiv und ist haupts\u00e4chlich eine Folge der<br \/> negativen Erfahrungen aus der Zeit der Drachme.<\/p>\n<p>Wie Paul Krugman sagt, gab es vor dem Wirtschaftsaufschwung Argentiniens<br \/> ein \u201eabruptes Schrumpfen der Wirtschaft\u201c. Der Wert des Peso gegen\u00fcber<br \/> dem Dollar fiel. Tats\u00e4chlich brach der Peso zusammen \u2013 er verlor \u00fcber 70<br \/> Prozent seines Wertes innerhalb eines Jahres! Kapital wurde<br \/> \u201evernichtet\u201c. Das Land stand einer gewaltigen Rezession gegen\u00fcber, die<br \/> allein im Jahr 2002 ein Minus von zw\u00f6lf Prozent erreichte. (Zum<br \/> Vergleich: In den drei Krisenjahren 2009 bis 2011 reduzierte sich das<br \/> griechische BIP ungef\u00e4hr um 14 Prozent.) Und die Arbeitslosigkeit<br \/> erreichte (offiziell) etwa 25 Prozent.<\/p>\n<p>Der Prozentsatz der Menschen in Argentinien, die unter der Armutsgrenze<br \/> lebten, erreichte im Oktober 2002 57,5 Prozent, w\u00e4hrend 27,5 Prozent<br \/> hungerten! Innerhalb von zw\u00f6lf Monaten hatte sich die Zahl der Armen und<br \/> Hungernden fast verdoppelt, im Oktober 2001 lagen die Prozents\u00e4tze<br \/> jeweils bei 38,3 bzw. 13,6 Prozent!<\/p>\n<p>Nachdem sie ihren Tiefpunkt erreicht hatte, begann sich die Wirtschaft<br \/> zu erholen: Die W\u00e4hrungsabwertung machte die Exporte wettbewerbsf\u00e4higer<br \/> (billiger als die entsprechenden Waren auf dem Weltmarkt). Und gest\u00fctzt<br \/> auf seine Exporte konnte Argentinien ein hohes Wirtschaftswachstum<br \/> erreichen. Doch es brauchte fast vier Jahre, bis Sommer 2005, damit die<br \/> Zahl der Armen und Hungernden auf das Vorkrisenniveau zur\u00fcckkehrte!<\/p>\n<p>Aber es ging mit der Wirtschaft aufw\u00e4rts. War es am Ende der M\u00fche wert,<br \/> trotz der anf\u00e4nglichen \u201eKosten\u201c? Und wieder ist die Antwort nicht ein<br \/> einfaches \u201eJa\u201c! Die Gr\u00fcnde f\u00fcr Argentiniens wirtschaftliche Erholung<br \/> gelten in keinem Punkt f\u00fcr alle \u00d6konomien, die in \u00e4hnliche Verh\u00e4ltnisse<br \/> geraten sind. Und dies gilt besonders f\u00fcr das heutige Griechenland. Im<br \/> Prinzip war die internationale Konjunktur, mit der Argentinien damals<br \/> konfrontiert war, sehr g\u00fcnstig. In den Jahren 2002 bis 2007 befand sich<br \/> die Weltwirtschaft in einer Phase hohen Wirtschaftswachstums. Die Krise<br \/> traf die Weltwirtschaft 2008. Argentinien wertete also seine W\u00e4hrung<br \/> unter sehr g\u00fcnstigen \u00e4u\u00dferen Bedingungen ab. Es hatte Gl\u00fcck, dass sich<br \/> diese f\u00fcr das Land g\u00fcnstigen Bedingungen auch nach 2007 fortsetzten, da<br \/> die wichtigsten Exportl\u00e4nder Argentiniens, China und Brasilien sind.<br \/> Diese L\u00e4nder hatten sehr hohe Wachstumsraten und waren die wesentlichen<br \/> Lokomotiven der Weltwirtschaft in den Jahren 2008 und 2009. Und das ist<br \/> bis heute der Fall. (Dies in einer Zeit, als Amerika und Europa in einen<br \/> Abschwung st\u00fcrzten und heute den Konsequenzen der Schuldenkrise und der<br \/> Perspektive eines zweiten Abschwungs gegen\u00fcberstehen.)<\/p>\n<p>Diese f\u00fcr Argentinien g\u00fcnstige Konstellation wird nicht f\u00fcr immer<br \/> anhalten. Dies gilt vor allem, weil Argentinien nicht haupts\u00e4chlich ein<br \/> Industrieland ist, sondern seine Exporte zu zwei Dritteln aus<br \/> Agrarprodukten und Rohstoffen bestehen (darunter auch \u00d6l). Und in diesem<br \/> Punkt hatte Argentinien \u201eGl\u00fcck\u201c: Seit 2008, als die B\u00f6rsen aufgrund der<br \/> Krise international zusammenbrachen, wandten sich die Spekulanten<br \/> (\u201eInvestoren\u201c genannt) der Spekulation mit Agrarprodukten und Rohstoffen<br \/> zu, deren Preise auf dem Weltmarkt in die H\u00f6he schossen. Das ist sehr<br \/> bequem f\u00fcr die argentinische Wirtschaft \u2013 nur: Das hat ein<br \/> \u201eVerfallsdatum\u201c. Und dieses Datum wird auch die R\u00fcckkehr Argentiniens in<br \/> den Abschwung und die Krise markieren.<\/p>\n<p>Argentiniens Wirtschaft entwickelt sich heute weitaus dynamischer, als<br \/> sie es unter dem Stiefel des IWF t\u00e4te. Doch wie ist die tats\u00e4chliche<br \/> Lage der argentinischen Gesellschaft? Das Bild ist nicht das beste. Arm<br \/> waren 2007, zu Beginn der Weltwirtschaftskrise, zwanzig Prozent der<br \/> Bev\u00f6lkerung. Die Inflation und die Arbeitslosigkeit sind weiterhin hoch<br \/> und Millionen leben in Barackensiedlungen am Rande der gro\u00dfen St\u00e4dte.<br \/> Argentinien ist ein armes Land mit einem BIP pro Kopf, das etwa vierzig<br \/> Prozent des griechischen betr\u00e4gt! Das ist nicht gerade ein \u201eParadies\u201c.<br \/> Und das in einem Land, das bis zum Zweiten Weltkrieg das neuntreichste<br \/> Land der Erde war!<\/p>\n<h4>\u201eR\u00fcckkehr\u201c Griechenlands zur Drachme<\/h4>\n<p>Wenn wir dieses sehr komplexe und widerspr\u00fcchliche Bild ber\u00fccksichtigen,<br \/> m\u00fcssen wir als erstes betonen, dass die g\u00fcnstigen wirtschaftlichen<br \/> Rahmenbedingungen, die es nach 2002 f\u00fcr Argentinien gab, f\u00fcr<br \/> Griechenland heute nicht bestehen. Die Weltwirtschaft steht am Beginn<br \/> eines neuen Abschwungs und die EU, als wichtigste Exportzone f\u00fcr<br \/> Griechenland, befindet sich in einem Zustand der Panik, die von der<br \/> allgemeinen Wirtschaftskrise, dem neuen drohenden Abschwung und der<br \/> Schuldenkrise hervorgerufen wird. Was w\u00fcrde nun also genau geschehen,<br \/> wenn Griechenland die EU und den Euro verl\u00e4sst?<\/p>\n<p>Als erstes w\u00fcrde die Drachme in Relation zu ihrer vorangegangenen<br \/> Parit\u00e4t gegen\u00fcber dem Euro abgewertet. Wenn wir annehmen, dass diese<br \/> Abwertung mit siebzig Prozent \u00e4hnlich der Peso-Abwertung von 2002<br \/> verliefe, so bedeutete dies ein Hochschnellen der Kosten (in Drachmen)<br \/> aller importierten Konsumg\u00fcter6, deren Preise sich verdoppeln oder<br \/> verdreifachen w\u00fcrden. Auch w\u00fcrde der \u00d6lpreis steigen. Das \u00d6l bildet die<br \/> Basis der Energieproduktion f\u00fcr die Wirtschaft des Landes. So werden<br \/> alle Preise aller G\u00fcter, die im Inland produziert werden, als Ergebnis<br \/> des \u00d6lpreisanstiegs (\u00fcber den Anstieg der Transportkosten hinaus)<br \/> steigen. Und dar\u00fcber hinaus w\u00fcrden sich entsprechend der Abwertung der<br \/> Drachme auch die Preise der Kapitalg\u00fcter \u2013 das hei\u00dft die Maschinen und<br \/> die Werkzeuge, die in der griechischen Wirtschaft f\u00fcr Produktions- und<br \/> Handelszwecke gebraucht werden \u2013 erh\u00f6hen. Und das w\u00fcrde wiederum die<br \/> Kosten aller produzierten Waren und Dienstleistungen ansteigen lassen.<\/p>\n<p>Inflation ist eine der gro\u00dfen Schw\u00e4chen jeder Wirtschaft (der<br \/> kapitalistischen, doch auch anderer). Die Inflation w\u00fcrde zu einem<br \/> permanenten Charakteristikum der griechischen Wirtschaft werden, in<br \/> einem Umfeld der Krise und auf einem Kontinent, der sich in der Krise<br \/> befindet. Und mit Inflation meinen wir nicht zwei, drei, vier Prozent im<br \/> Jahr, sondern wir m\u00fcssen uns an die 20 bis 25 Prozent erinnern, die die<br \/> griechische Wirtschaft bis in die Mitte der 90er Jahre charakterisierten.<\/p>\n<p>Haben wir einen Grund, zu glauben, dass die griechische Wirtschaft mit<br \/> der Drachme bessere M\u00f6glichkeiten als mit dem Euro hat? Internationale<br \/> behaupten eine Reihe angesehener Wirtschaftswissenschaftler der<br \/> herrschenden genau das: Dass die W\u00e4hrungsabwertung die Exporte billiger<br \/> macht und dies einen Ansto\u00df f\u00fcr die inl\u00e4ndische Produktion geben wird.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist f\u00fcr das kapitalistische System die W\u00e4hrungsabwertung<br \/> eine der wenigen M\u00f6glichkeiten, zu versuchen, auf relativ schnelle Art<br \/> und Weise aus einer Krise herauszukommen. Das kann jedoch nicht die<br \/> Antwort der Linken sein! Erstens, weil ein Erfolg nie garantiert ist!<br \/> Und zweitens, weil er nicht von Dauer sein wird!<\/p>\n<p>Es ist richtig, dass mit einer W\u00e4hrungsabwertung Exporte billiger<br \/> werden, doch das ist nur die halbe Wahrheit! Dem steht die permanente<br \/> Inflation gegen\u00fcber, die wir weiter oben erw\u00e4hnt haben, das hei\u00dft der<br \/> permanente Preisanstieg auf dem Binnenmarkt f\u00fcr das t\u00e4gliche Leben der<br \/> ArbeitnehmerInnen. Das f\u00fchrt zu einem Teufelskreis: Einerseits w\u00fcrden<br \/> die Preise der Exporte aufgrund der Drachmenabwertung, die wie in den<br \/> 70er und 80er Jahren eine Dauererscheinung w\u00e4re, sinken. Doch<br \/> andererseits werden die teuren Importe (Rohstoffe, Kapitalg\u00fcter und<br \/> Konsumg\u00fcter) die Preise nach oben treiben. Und die Arbeitnehmer werden<br \/> ununterbrochen k\u00e4mpfen m\u00fcssen, damit die L\u00f6hne nicht ihren Wert<br \/> verlieren, w\u00e4hrend die Lebenshaltungskosten permanent steigen werden.<\/p>\n<p>Wird f\u00fcr die Wirtschaft und die Bev\u00f6lkerung die R\u00fcckkehr zur Drachme<br \/> besser sein? Niemand kann das ernsthaft behaupten. Es ist nicht<br \/> vorhersehbar, ob es mit der Drachme oder mit dem Euro besser sein wird!<br \/> Unter gewissen Umst\u00e4nden kann die Krise etwas weniger katastrophal sein.<br \/> Unter anderen Umst\u00e4nden kann sie katastrophaler sein. Jedenfalls ist<br \/> eines sicher: Die Krise wird tiefgehend bleiben und die Lebensumst\u00e4nde<br \/> der griechischen ArbeitnehmerInnen werden dramatisch sein. Sogar wenn es<br \/> eine bestm\u00f6gliche Entwicklung wie in Argentinien g\u00e4be, bliebe die<br \/> Wirtschaft schwach, labil und zerbrechlich und die Gesellschaft w\u00fcrde<br \/> weiterhin unter Armut und Arbeitslosigkeit leiden.<\/p>\n<p>Wir fassen zusammen: Mit dem Euro und innerhalb der EU wird die<br \/> griechische Gesellschaft in den Abgrund gest\u00fcrzt. Innerhalb von zwei<br \/> Jahren Memorandum und Troika ist der Lebensstandard der Mehrheit der<br \/> ArbeitnehmerInnen um vierzig bis f\u00fcnfzig Prozent zusammen gebrochen. Die<br \/> tats\u00e4chliche Arbeitslosigkeit schwankt um 25 Prozent, die<br \/> Jugendarbeitslosigkeit betr\u00e4gt (offiziell) 43 Prozent. Die<br \/> Massenentlassungen sind ein Charakteristikum nicht nur des privaten,<br \/> sondern auch des \u00f6ffentlichen Sektors. Die Sozialversicherung wird<br \/> aufgel\u00f6st. Die Tarifvertr\u00e4ge sind im Wesentlichen abgeschafft worden.<br \/> Der ganze \u00f6ffentliche Reichtum kommt unter den Hammer. Kinder fallen<br \/> aufgrund von Hunger in den Schulen in Ohnmacht. 20.000 Obdachlose leben<br \/> auf den Athener Stra\u00dfen. All das nach zwei Jahren Troika, damit \u201eder<br \/> Euro gerettet wird\u201c \u2013 und wir haben auf Grundlage des zweiten<br \/> Memorandums weitere zehn Jahre Sparpolitik vor uns. Und danach \u2026 sehen<br \/> wir weiter.<\/p>\n<p>Mit der Drachme (und au\u00dferhalb der EU) wird dasselbe geschehen.<br \/> Vielleicht kommt es etwas besser, doch es kann auch schlimmer kommen.<br \/> Die R\u00fcckkehr zur Drachme wird keines der wirtschaftlichen und sozialen<br \/> Probleme l\u00f6sen. Und was folgt daraus?<\/p>\n<h4>Das Wesen des Problems ist der Kapitalismus \u2013 nicht die W\u00e4hrung<\/h4>\n<p>Wenn die W\u00e4hrungsabwertung einfach und schnell positive Ergebnisse f\u00fcr<br \/> die kapitalistische Wirtschaft zeitigen w\u00fcrde, w\u00fcrden die herrschenden<br \/> Klassen (international) sie bei der ersten Gelegenheit einsetzen. Doch<br \/> sie tun es nicht. Die W\u00e4hrungsabwertung als Mittel zur Ankurbelung der<br \/> Wirtschaft ist etwas, zu dem sie nur greifen, wenn alle anderen Mittel<br \/> ersch\u00f6pft sind. Und es wundert uns, dass es heute linke<br \/> Wirtschaftswissenschaftler und Analysten gibt, die die Abwertung als das<br \/> grundlegende Werkzeug zur L\u00f6sung der Wirtschaftskrise vorbringen.<\/p>\n<p>Die Kapitalisten w\u00fcnschen die Abwertung aus zwei Gr\u00fcnden nicht. Der<br \/> erste ist bereits erw\u00e4hnt worden: es ist der Teufelskreis der Inflation,<br \/> der einen allgemeinen Zustand der Instabilit\u00e4t in der Wirtschaft<br \/> herbeif\u00fchrt. Der zweite ist, dass eine Abwertung durch alle<br \/> kapitalistischen Regierungen die Wirkung h\u00e4tte, als wenn es gar keine<br \/> Abwertung g\u00e4be. Die Abwertung einer W\u00e4hrung funktioniert konkurrierend<br \/> gegen\u00fcber den anderen kapitalistischen \u00d6konomien, die abw\u00e4gen werden, in<br \/> welchem Ma\u00df ihre eigene Wirtschaft durch die Abwertung irgendeines ihrer<br \/> Konkurrenten untergraben wird. Und wenn sie schlie\u00dflich zu dem Schluss<br \/> kommen, dass auch ihnen ein solcher Schritt nutzt, dass die Vorteile<br \/> gr\u00f6\u00dfer sind als die Nachteile, dann werden auch sie zur Abwertung<br \/> greifen. Wir wollen den LeserInnen, die keine Wirtschaftsfachleute sind,<br \/> ein Beispiel geben. Nehmen wir an, Griechenland und Portugal geh\u00f6ren<br \/> nicht zur EU und zur Eurozone und haben eigene nationale W\u00e4hrungen \u2013<br \/> Drachme und Escudo. Nehmen wir auch noch an, beide L\u00e4nder st\u00fctzen ihre<br \/> Exporte in hohem Ma\u00dfe auf Oliven\u00f6l. Wenn Griechenland die Drachme<br \/> abwertet, wird es dadurch das griechische Oliven\u00f6l auf den M\u00e4rkten<br \/> verbilligen. Wenn daraufhin an den M\u00e4rkten das portugiesische Oliven\u00f6l<br \/> verdr\u00e4ngt wird und die portugiesische Regierung ihrerseits zu einer<br \/> entsprechenden Abwertung des Escudo greift, dann f\u00fchrt das zu einem<br \/> Zustand wie vor der Drachmenabwertung. Das Beispiel ist sehr<br \/> vereinfachend, gibt jedoch ein Bild von den grundlegenden Prozessen, die<br \/> in Bewegung gesetzt werden. Wir k\u00f6nnten anstelle Griechenlands,<br \/> Portugals und des Oliven\u00f6ls auch Griechenland, die T\u00fcrkei und den<br \/> Tourismus als Beispiel nehmen.<\/p>\n<p>Das Ergebnis einer Abwertung ist also, in dem Ma\u00dfe, in dem es einen<br \/> Nutzen f\u00fcr eine \u00d6konomie bringt, nur vor\u00fcbergehend. Und dies ist ein<br \/> entscheidender (nicht der einzige) Grund daf\u00fcr, dass starke \u00d6konomien<br \/> wie die deutsche die W\u00e4hrungsstabilit\u00e4t als einen grundlegenden Wert<br \/> ihrer Wirtschaftspolitik betrachten. So kann eine Abwertung nationaler<br \/> W\u00e4hrungen, sogar in Kombination mit einer Verweigerung der<br \/> Schuldenzahlung, die Probleme in Wirtschaft und Gesellschaft, die von<br \/> der kapitalistischen Krise hervorgerufen werden, nicht l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Angesichts der Tatsache, dass die heutige Wirtschaftskrise<br \/> wahrscheinlich tiefer als die Krise nach 1929 sein wird und sich kein<br \/> Ausweg abzeichnet, ist die Wahl zwischen Euro und Drachme, solange das<br \/> kapitalistische System erhalten bleibt, gleichbedeutend mit der<br \/> Situation \u201evor uns der Abgrund und hinter uns die Flut\u201c. Es keinen<br \/> Grund, den Abgrund oder die Flut zu w\u00e4hlen, denn die Linke hat einen<br \/> alternativen Vorschlag, eine andere Antwort auf die Krise: Der Kampf f\u00fcr<br \/> eine sozialistische Gesellschaft. Darin stimmt, zumindest in Worten, die<br \/> gesamte Linke \u00fcberein. Die gesamte Linke stimmt auch mit den Worten von<br \/> Marx \u201eProletarier aller L\u00e4nder vereinigt Euch\u201c \u00fcberein. Das bedeutet,<br \/> sie ist internationalistisch, sie vertritt keine nationalen Interessen,<br \/> sondern hat den Sozialismus auf der ganzen Welt zum Ziel. Wenn die Linke<br \/> es schaffen w\u00fcrde, nicht nur bei Worten stehen zu bleiben, dann w\u00e4re die<br \/> Welt heute ein besserer Ort. Doch wir wollen nicht unser Thema wechseln\u2026<\/p>\n<h4>Die Antwort auf die Krise ist sozialistisch und internationalistisch &#8230;<\/h4>\n<p>Wenn es im Rahmen des Kapitalismus keine L\u00f6sung f\u00fcr die Probleme der<br \/> Krise gibt und wenn die einzige L\u00f6sung in der Perspektive der<br \/> Arbeitermacht und des Sozialismus liegt, welchen Sinn hat dann die<br \/> Diskussion \u00fcber die W\u00e4hrung?<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick k\u00f6nnte die Frage einfach erscheinen. Wenn es der<br \/> Linken gelingen w\u00fcrde, die gesamte europ\u00e4ische Arbeiterbewegung zu<br \/> mobilisieren, so dass diese sich gegen den europ\u00e4ischen Kapitalismus<br \/> erhebt, mit der herrschenden Klasse den Konflikt eingeht und die<br \/> Voraussetzungen f\u00fcr Arbeitermacht und Sozialismus (in der wirklichen<br \/> Bedeutung des Begriffs und nicht in der von Papandreou oder den<br \/> stalinistischen Regimes in der ehemaligen UdSSR, China usw.) auf<br \/> gesamteurop\u00e4ischer Ebene schafft, dann hat die Diskussion \u00fcber die<br \/> nationalen W\u00e4hrungen keinen Sinn! Warum?<\/p>\n<p>Wir gehen von der Tatsache aus, dass der Kampf f\u00fcr die sozialistische<br \/> Ver\u00e4nderung der Gesellschaft f\u00fcr die Arbeiterklasse nicht Ergebnis<br \/> irgendeiner \u201ephilosophischen\u201c Suche ist, sondern Ergebnis der Forderung<br \/> nach einer Reihe von notwendigen Ma\u00dfnahmen, um der Verarmung und der<br \/> Barbarei zu entgehen, zu denen sie das kapitalistische System<br \/> verurteilt. Diese Ma\u00dfnahmen haben immer einen praktischen Inhalt.<\/p>\n<p>Heute ist beispielsweise Folgendes notwendig, um die Arbeiterklasse vor<br \/> dem sie bedrohenden Angriff zu retten: Die Verweigerung der<br \/> Schuldenzahlungen, die Verstaatlichung des Bankenwesens, die<br \/> Verstaatlichung der privatisierten \u00f6ffentlichen Unternehmen und der<br \/> entscheidenden Wirtschaftsbereiche, Arbeiterkontrolle und -Verwaltung<br \/> und die Planung der Wirtschaft nach den Bed\u00fcrfnissen der gesamten<br \/> Gesellschaft statt f\u00fcr den Profit einer Handvoll Kapitalisten.<\/p>\n<p>Dieser \u00f6konomische Vorschlag kann geradezu Wunder vollbringen. Er w\u00fcrde<br \/> auf der Basis des existierenden gewaltigen Reichtums zu massenhaften<br \/> Investitionen in die Bildung, die Gesundheit, die Infrastruktur und auch<br \/> in die \u201ereale\u201c Produktion f\u00fchren. Dieser Reichtum kann auf zwei Arten<br \/> genutzt werden. Erstens durch die Verweigerung der Schuldenzahlung, die<br \/> momentan 360 bis 370 Milliarden Euro betragen. Und zweitens dadurch,<br \/> dass das Eigentum am Bankensystem an die Gesellschaft \u00fcbergeht. Das<br \/> w\u00fcrde erm\u00f6glichen, die ungef\u00e4hr zweihundert Milliarden Euro an<br \/> Bankeinlagen der griechischen Arbeitnehmer, statt zur Spekulation, f\u00fcr<br \/> produktive und n\u00fctzliche Zwecke f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse der Gesellschaft zu<br \/> verwenden.<\/p>\n<p>Dies ist auch die einzig m\u00f6gliche Garantie, zu verhindern, dass die<br \/> einfache Bev\u00f6lkerung nicht wegen der Bankenkrise, die von der<br \/> kapitalistischen Krise hervorgerufen wird, ihre Einlagen verliert.<\/p>\n<p>Es ist offensichtlich, dass eine solche Politik nur von einer Regierung<br \/> und einer Staatsmacht umgesetzt werden kann, die sich in den H\u00e4nden der<br \/> ArbeitnehmerInnen befindet. Und f\u00fcr eine richtige, gesunde, effektive<br \/> Staatsmacht der ArbeitnehmerInnen muss jede Zentral-\u201eRegierung\u201c<br \/> demokratisch gew\u00e4hlt und kontrolliert werden durch Arbeiter- und<br \/> Volksr\u00e4te, Versammlungen und Basiskomitees mit demokratischer<br \/> Funktionsweise und abw\u00e4hlbaren Repr\u00e4sentantInnen.<\/p>\n<p>Diese Ma\u00dfnahmen werden nicht aufgrund irgendeiner fixen Idee von einer<br \/> abstrakten Ideologie aus vorgeschlagen. Es sind die absolut notwendigen<br \/> praktischen Ma\u00dfnahmen, damit die Zerst\u00f6rung des Lebensstandards und der<br \/> Rechte der ArbeitnehmerInnen zur\u00fcckgeschlagen werden und die Wirtschaft<br \/> auf einen Weg der Entwicklung kommen kann.<\/p>\n<p>Diese Ma\u00dfnahmen sind jedoch gleichzeitig ein totaler Bruch mit dem<br \/> kapitalistischen System. Sie nehmen der herrschenden Klasse (und es sind<br \/> nicht mehr als ein paar Dutzend Familien, die die griechische Wirtschaft<br \/> kontrollieren) sowohl die \u00f6konomische als auch die politische Macht. Sie<br \/> sind so die Pfeiler, auf denen eine sozialistische Gesellschaft und eine<br \/> Staatsmacht der ArbeiterInnen errichtet werden kann.<\/p>\n<p>Der Sozialismus ist nicht irgendeine \u201estrategische\u201c Aufgabe f\u00fcr eine<br \/> entfernte Zukunft unabh\u00e4ngig davon, was die Arbeiterbewegung und die<br \/> Linke heute verlangen und f\u00fcr was sie k\u00e4mpfen. Er ist ein Prozess von<br \/> Klassenk\u00e4mpfen, die organisch mit den Forderungen, die den Bed\u00fcrfnissen<br \/> der ArbeiterInnen entsprechen, verbunden sind! Der Kampf f\u00fcr diese<br \/> Forderungen muss heute beginnen! \u00dcber die Durchsetzung dieser<br \/> Forderungen durch die Massenbewegung werden die wirtschaftlichen,<br \/> gesellschaftlichen und politischen Voraussetzungen geschaffen f\u00fcr den<br \/> \u00dcbergang der Macht vom Gro\u00dfkapital auf die Arbeiterklasse und die Masse<br \/> der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<h4>\u2026und hat Nichts mit der W\u00e4hrung zu tun<\/h4>\n<p>Die Aktualit\u00e4t dieser Forderungen betrifft nicht nur Griechenland. Sie<br \/> betrifft aus objektiver Sicht auch Portugal, Irland, Spanien und<br \/> Italien, die der Reihe nach ins Auge des Taifuns eintreten. Alle diese<br \/> L\u00e4nder hinken der Situation in Griechenland noch hinterher \u2013 doch sie<br \/> n\u00e4hern sich ihr mit gro\u00dfem Tempo. Sie betrifft schlie\u00dflich auch<br \/> Nordeuropa, obwohl das momentan noch nicht offensichtlich ist.<\/p>\n<p>Es werden also objektiv die Voraussetzungen f\u00fcr eine Bewegung<br \/> geschaffen, die alle diese L\u00e4nder vereint. Wenn wir also davon ausgehen,<br \/> dass es die Arbeiterbewegung in diesen L\u00e4ndern schafft, die genannten<br \/> (revolution\u00e4ren, sozialistischen, umst\u00fcrzlerischen \u2013 wie man sie auch<br \/> charakterisieren will) Ziele zu erreichen, dann wird sich am Tag nach<br \/> der Errichtung der Macht der ArbeiterInnen und der sozialistischen<br \/> Revolution die Aufgabe stellen, die \u201eKr\u00e4fte\u201c dieser V\u00f6lker und L\u00e4nder im<br \/> Rahmen einer freiwilligen, demokratischen, gleichberechtigten<br \/> sozialistischen F\u00f6deration zu vereinigen.<\/p>\n<p>Wenn man mit dieser Forderung nicht einverstanden ist, ist das keine<br \/> Meinungsverschiedenheit mit \u201eXekinima\u201c. Denn die Forderung nach einer<br \/> Sozialistischen F\u00f6deration der L\u00e4nder Europas ist keine Erfindung von<br \/> \u201eXekinima\u201c. Sie ist eine Forderung der revolution\u00e4ren Bewegung seit den<br \/> Zeiten von Lenin, Trotzki, Rosa Luxemburg zu Beginn des vorigen<br \/> Jahrhunderts und insbesondere in den Jahren der Russischen Revolution<br \/> von 1917.<\/p>\n<p>Und auch dieses programmatische Ziel der Linken ist nicht Ergebnis<br \/> irgendeiner \u201emoralischen\u201c Positionierung, irgendeines \u201ephilosophischen<br \/> Ideologems\u201c. Es ist Ergebnis der Tatsache, dass mit der Errichtung der<br \/> Arbeitermacht in einer Reihe von L\u00e4ndern die Vereinigung ihrer Kr\u00e4fte<br \/> f\u00fcr bessere \u00f6konomische Ergebnisse und f\u00fcr eine st\u00e4rkere<br \/> (wirtschaftliche und politische) Einheit gegen\u00fcber der feindlichen<br \/> kapitalistischen Umgebung im Interesse Aller liegen wird. Der<br \/> Sozialismus war vom ersten Augenblick seines Entstehens an eine<br \/> internationalistische Aufgabe. Deshalb hat sich auch Marx nie daran<br \/> gemacht, eine deutsche revolution\u00e4re Arbeiterbewegung aufzubauen,<br \/> sondern die erste internationale Organisation der ArbeiterInnen. Das<br \/> Ziel der Sozialistischen F\u00f6deration der Staaten Europas war f\u00fcr die<br \/> Klassiker des revolution\u00e4ren Marxismus vor \u00fcber einem Jahrhundert<br \/> aktuell. Wenn jedoch dieses unser Ziel sein muss, wie passt dann in<br \/> diese Diskussion die Drachme, die Lire oder der Peso?<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: wenn das Ziel der Linken die sozialistische<br \/> Arbeiterrevolution ist und wenn sie dieses Ziel als ein<br \/> internationalistisches Ziel und nicht als ein auf nationaler Ebene<br \/> begrenztes begreift, dann macht die Zielsetzung eines R\u00fcckzugs aus<br \/> welcher gemeinsamen W\u00e4hrung auch immer im Rahmen kapitalistischer<br \/> Verh\u00e4ltnisse keinen Sinn. Denn in einer solchen sozialistischen<br \/> Perspektive m\u00fcsste die Linke, sogar wenn wir \u00fcber L\u00e4nder ohne gemeinsame<br \/> W\u00e4hrung, gemeinsamen Markt oder gemeinsame Organe sprechen w\u00fcrden, eben<br \/> dieses \u2013 mit sozialistischem Inhalt &#8211; vorschlagen. Die Antwort auf das<br \/> Europa der Kapitalisten ist also nicht \u201eRaus aus der EU und dem Euro\u201c,<br \/> sondern ein \u201eVereinigtes Sozialistisches Europa\u201c auf freiwilliger,<br \/> demokratischer und gleichberechtigter Grundlage.<\/p>\n<h4>Gegenargumente<\/h4>\n<p>Das h\u00e4ufigste Gegenargument ist, dass diese Perspektive \u201ezu einer<br \/> entfernten Zukunft geh\u00f6re\u201c, dass sie eine sch\u00f6ne Idee sei, doch die<br \/> M\u00f6glichkeit ihrer praktischen Umsetzung sich in der voraussehbaren<br \/> Zukunft nicht abzeichne.<\/p>\n<p>Es ist richtig, dass diese Perspektiven nicht unmittelbar ansteht.<br \/> \u201eWarum sie nicht unmittelbar ansteht\u201c ist jedoch eine Frage von<br \/> wichtiger Bedeutung! Denn sie betrifft den heutigen Zustand der<br \/> Arbeiterbewegung, der zuerst und haupts\u00e4chlich von ihren F\u00fchrungen<br \/> bestimmt wird \u2013 das hei\u00dft von den Gewerkschaften und den Parteien der<br \/> Linken.<\/p>\n<p>Wenn es heute in Griechenland und in einer Reihe europ\u00e4ischer L\u00e4nder<br \/> Massenparteien der Linken mit revolution\u00e4rer Politik und Zielen g\u00e4be,<br \/> l\u00e4ge die Perspektive des Kampfes f\u00fcr den Sturz des Kapitalismus und f\u00fcr<br \/> die sozialistische Gesellschaft nicht in irgendeiner weit entfernten<br \/> Zukunft, sondern sie st\u00fcnde unmittelbar an.<\/p>\n<p>Wir sind jedoch verpflichtet, die Realit\u00e4t anzuerkennen, so unangenehm<br \/> sie auch ist. Denn nur auf dieser Grundlage k\u00f6nnen wir die n\u00e4chsten<br \/> Schritte vorbereiten. Heute haben wir in Europa keine Linke, die das<br \/> Ziel der gesellschaftlichen (revolution\u00e4ren, sozialistischen,<br \/> kommunistischen oder wie man es nennen will) Ver\u00e4nderung aufstellt \u2013 so<br \/> dass sie das Bewusstsein der Arbeiterbewegung massenhaft in eine<br \/> revolution\u00e4r-sozialistische Richtung beeinflussen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Also m\u00fcssen wir eine M\u00f6glichkeit ber\u00fccksichtigen, wenn wir von den<br \/> Aufgaben der griechischen Arbeiterbewegung sprechen: Dass die<br \/> griechische Arbeiterbewegung die Voraussetzungen f\u00fcr Arbeitermacht in<br \/> Griechenland schafft, jedoch das \u00fcbrige Europa nicht zu folgen \u201ebereit\u201c<br \/> ist. Zumindest nicht in der nahen Zukunft. Was wird dann geschehen?<\/p>\n<p>Dann stellt sich tats\u00e4chlich die Frage einer nationalen W\u00e4hrung. Die EU<br \/> und das europ\u00e4ische Establishment werden sich gegen ein Griechenland<br \/> wenden, das aus dem Kampf der aufst\u00e4ndischen griechischen ArbeiterInnen<br \/> entsteht. Und sie werden es mit allen Mitteln bek\u00e4mpfen. Sie werden<br \/> sicher die Zurverf\u00fcgungstellung von Finanzmitteln und einer W\u00e4hrung<br \/> stoppen \u2013 vergessen wir nicht, dass der Euro nicht in Griechenland<br \/> gedruckt wird, sondern von der Europ\u00e4ischen Zentralbank, die ihn den<br \/> verschiedenen Mitgliedsl\u00e4ndern der Eurozone zur Verf\u00fcgung stellt.<br \/> Insbesondere wird die EU aufh\u00f6ren, der griechischen Wirtschaft Gelder<br \/> zur Verf\u00fcgung zu stellen, wenn ein sozialistisches Griechenland sich<br \/> weigert, seine Kreditgeber zu bezahlen und zur Verstaatlichung des<br \/> Bankwesens und so weiter vorangeht. (Wie sie im November 2011 die<br \/> sechste Tranche des ersten Memorandums vom Mai 2010 im Wert von acht<br \/> Milliarden Euro einbehalten hat.) Unter solchen Bedingungen wird der<br \/> griechische sozialistische Arbeiterstaat eine eigene W\u00e4hrung ausgeben<br \/> m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ob es die europ\u00e4ischen Kapitalisten schaffen werden, den Staat der<br \/> griechischen ArbeiterInnen zu isolieren, h\u00e4ngt von der europ\u00e4ischen<br \/> Arbeiterbewegung ab! Wenn sie ihre eigenen revolution\u00e4re Erhebung<br \/> erreichen, wenn sie der griechischen Arbeiterbewegung zu Hilfe eilen und<br \/> sie unterst\u00fctzen, dann wird sich das Thema der getrennten nationalen<br \/> W\u00e4hrung nicht stellen. Wenn im Gegenteil die europ\u00e4ische Revolution sich<br \/> versp\u00e4tet, w\u00e4hrend die griechische schon voran geschritten ist, dann<br \/> wird die Drachme die unvermeidliche Folge der Entwicklungen sein.<\/p>\n<p>Bedeutet das aber, dass die griechische Arbeiterbewegung und Linke die<br \/> R\u00fcckkehr zur Drachme fordern soll, weil ein wahrscheinliches, oder sogar<br \/> das wahrscheinlichste, Szenario ist, dass sie dazu gezwungen sein wird<br \/> zur Drachme zur\u00fcckzukehren? Soll sie also aus einer Schw\u00e4che eine<br \/> programmatische Position machen?<\/p>\n<h4>Das Programm der Linken ist eine Sache und die Kompromisse, die ihr<br \/> vielleicht aufgezwungen werden, eine andere.<\/h4>\n<p>Auf dem Weg des Kampfes f\u00fcr Arbeiterrechte und Sozialismus werden die<br \/> Bewegung und die Linke gezwungen sein, viele Kompromisse zu schlie\u00dfen.<br \/> Die Ergebnisse eines jeden Kampfes werden durch die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse<br \/> zwischen den Klassen bestimmt \u2013 vollst\u00e4ndige Siege werden am Ende eines<br \/> von Auf und Ab gepr\u00e4gten weiten Weges voller Widerspr\u00fcche stehen. Dies<br \/> gilt f\u00fcr die einfachsten K\u00e4mpfe wie beispielsweise den Kampf f\u00fcr<br \/> Lohnerh\u00f6hungen oder gegen Entlassungen bis hin zum Kampf f\u00fcr eine<br \/> alternative sozialistische Gesellschaft und f\u00fcr Arbeiterdemokratie. Doch<br \/> das Programm ist etwas anderes als ein Kompromiss! Das Programm ist das,<br \/> wof\u00fcr man k\u00e4mpft, es verk\u00f6rpert das Ziel. Man macht den Kompromiss nicht<br \/> zum Teil des Programms \u2013 der Kompromiss ist nicht das Ziel. Er ist das<br \/> genaue Gegenteil: die Schw\u00e4che der Umsetzung der Ziele aufgrund<br \/> \u00fcberlegener Kr\u00e4fte des Gegners.<\/p>\n<p>Die Prinzipien und die programmatischen Ziele der Arbeiterbewegung und<br \/> der Linken m\u00fcssen klar sein. Und wenn die Linke und die Bewegung<br \/> gezwungen werden, Kompromisse zu schlie\u00dfen, weil der Gegner aufgrund<br \/> seiner St\u00e4rke gewisse Bedingungen durchsetzen kann, dann sollen sie sie<br \/> schlie\u00dfen. Aber sie sollen sich auch offen und klar als solche<br \/> anerkennen! (Diese Frage analysiert Lenin in seinem Buch \u201eDer \u201alinke<br \/> Radikalismus\u2018, die Kinderkrankheit des Kommunismus\u201c.)<\/p>\n<p>Das hei\u00dft: Die Linke muss sagen, dass die K\u00e4mpfe und die Visionen der<br \/> griechischen Arbeiterbewegung nur durch den gemeinsamen Kampf mit der<br \/> \u00fcbrigen Arbeiterbewegung Europas und durch den Sturz des Kapitalismus<br \/> auf gesamteurop\u00e4ischer Ebene voran gebracht werden k\u00f6nnen. Nur so werden<br \/> wir den Sozialismus in Griechenland auf gesunder Grundlage aufbauen<br \/> k\u00f6nnen. Sie muss erkl\u00e4ren, dass die Macht des Kapitals und das Europa<br \/> der Kapitalisten gest\u00fcrzt und dass ein Europa der ArbeitnehmerInnen und<br \/> des Sozialismus aufgebaut werden m\u00fcssen. Die Linke muss in Erinnerung<br \/> rufen, dass diese Losung f\u00fcr die revolution\u00e4ren SozialistInnen und<br \/> KommunistInnen seit \u00fcber einem Jahrhundert aktuell ist.<\/p>\n<p>Daraus folgt aber, dass es keinen Grund gibt, heute das Thema der<br \/> W\u00e4hrung aufzuwerfen. Wenn wir dieses Ziel des sozialistischen Europas<br \/> erreichen (wie die russische Revolution die Gr\u00fcndung der Sowjetunion<br \/> erreicht hat), dann wird sich die Frage der W\u00e4hrung ganz einfach nicht<br \/> stellen. Dann wird es kein Problem geben, das die \u00c4nderung der W\u00e4hrung<br \/> zu l\u00f6sen h\u00e4tte. Wenn aber das sozialistische Europa nicht erreicht<br \/> werden kann, weil die \u00fcbrigen Arbeiterbewegungen dem griechischen (oder<br \/> irgendeinem anderen) Beispiel nicht folgen konnten, dann werden wir<br \/> bereit sein m\u00fcssen, zu unserer eigenen W\u00e4hrung \u00fcberzugehen!<\/p>\n<p>Dazu muss man aber auch klar sagen, dass dies auch eine Reihe von<br \/> negativen Entwicklungen f\u00fcr die Wirtschaft und das Lebensniveau unseres<br \/> Volkes bedeuten wird, dass es sich jedoch trotzdem lohnen wird! Denn der<br \/> Nutzen aus der Arbeitermacht und der sozialistischen Wirtschaftsplanung<br \/> wird unvergleichlich gr\u00f6\u00dfer sein als alle Probleme, die die Ersetzung<br \/> einer starken stabilen W\u00e4hrung (wie des Euro) durch eine instabile<br \/> W\u00e4hrung (wie der Drachme) hervorrufen wird. Eine instabile W\u00e4hrung, die<br \/> f\u00fcr einen gewissen Zeitraum destabilisierend f\u00fcr die Wirtschaft wirken<br \/> wird, bis die Maschinen der sozialistischen Wirtschaft sich<br \/> beschleunigen werden, um die Probleme zu \u00fcberwinden, die die Einf\u00fchrung<br \/> der Drachme hervorrufen wird.<\/p>\n<h4>Die \u201elebendige Wirklichkeit\u201c<\/h4>\n<p>Manchen werden diese bisherigen Ausf\u00fchrungen als \u00fcbertrieben abstrakt<br \/> erscheinen und sie fragen sich vielleicht, was f\u00fcr eine Bedeutung sie<br \/> haben. Doch in der Geschichte des Marxismus nimmt die Theorie eine<br \/> zentrale Position ein. Die ProtagonistInnen der revolution\u00e4ren Bewegung<br \/> &#8211; wie Marx, Engels, Lenin, Trotzki, Rosa Luxemburg usw. \u2013 steckten viel<br \/> Energie in die Ausarbeitung der theoretischen Modelle, des Programms der<br \/> Linken. Manche andere m\u00f6gen das als \u201eZeitverschwendung\u201c betrachtet<br \/> haben. So bezeichnete Stalin die theoretischen K\u00e4mpfe, die Lenin nach<br \/> der Niederlage der Revolution von 1905 ausfochte als \u201eSturm im<br \/> Wasserglas\u201c, denn er verstand ihre Bedeutung nicht.<\/p>\n<p>Wir wollen den Gedanken, den wir im vorangegangenen Kapitel entwickelt<br \/> haben, noch einmal betonen: man darf die Dinge nicht in einem<br \/> Schwarz-Wei\u00df-Schema betrachten, sondern muss sie als Prozesse verstehen,<br \/> die sich entwickeln, Zeit brauchen zu reifen und nicht im Voraus<br \/> festgelegt ist. Wir k\u00f6nnen nicht wissen, auf welchem Weg sich der<br \/> Klassenkampf und speziell der Kampf um die Macht entwickeln werden.<\/p>\n<p>Die Revolution ist ein Prozess \u2013 auf nationaler, kontinentaler und auch<br \/> internationaler Ebene. Sie ist nichts Augenblickliches \u2013 im Gegenteil,<br \/> sie kann Jahre und in manchen F\u00e4llen viele Jahre dauern. Das gilt umso<br \/> mehr, wenn wir von einem Kontinent und nicht nur von einem Land<br \/> sprechen. So war es immer und so wird es immer sein! Im \u201ewirklichen<br \/> Leben\u201c wird die Revolution in Europa also von einem Land, das nicht<br \/> notwendigerweise Griechenland sein muss, ausgehen und sich auf andere<br \/> L\u00e4nder ausdehnen.<\/p>\n<p>Ist diese Annahme vielleicht \u00fcbertrieben optimistisch? Diese Frage l\u00e4sst<br \/> sich beantworten, indem wir einen kurzen Blick auf die Geschichte des<br \/> europ\u00e4ischen Kontinents werfen. Wir werden sehen, dass es keine<br \/> historische Periode gibt, die Europa nicht durch Revolutionen<br \/> ersch\u00fcttert hat. Ob es sich um das 19. oder um das 20. Jahrhundert<br \/> handelt, die Geschichte zeigt, dass alle diejenigen, die die Idee der<br \/> Revolution verspotten, jegliche Objektivit\u00e4t beim Herangehen an die<br \/> Geschichte verloren haben.<\/p>\n<h4>Es gibt keine national isolierte Revolution<\/h4>\n<p>Die Geschichte Europas (und nicht nur Europas) zeigt, dass es keine<br \/> national isolierten Revolutionen gibt. Jede bedeutende Revolution in<br \/> irgendeinem Land dehnte sich auf Nachbarl\u00e4nder aus und nahm kontinentale<br \/> und internationale Eigenschaften an. Ein charakteristisches Beispiel ist<br \/> die Russische Revolution von 1917, die sich schnell auf Deutschland<br \/> ausdehnte und von 1918 bis 1923 das Land ersch\u00fctterte. Sie dehnte sich<br \/> ebenfalls auf Ungarn, \u00d6sterreich, Italien und andere L\u00e4nder aus und<br \/> durchdrang den ganzen Kontinent. Die Revolution\u00e4re dieser Zeit gingen<br \/> fest vom \u00dcbergang Europas in die sozialistische Revolution aus \u2013 ein<br \/> Optimismus, der sich leider nicht bewahrheitete.<\/p>\n<p>Die russische Revolution war nicht die Ausnahme, sondern die Regel \u2013<br \/> eine Regel, von der wir nicht eine Ausnahme finden k\u00f6nnen. Nehmen wir<br \/> eines der weniger bekannten Beispiele: die Revolution von 1848. Der<br \/> Historiker Eric Hobsbawm schrieb diesbez\u00fcglich: \u201eDie Revolution brach<br \/> fast gleichzeitig aus. (\u2026) Nie ist etwas geschehen, was mehr einer<br \/> internationalen Revolution \u00e4hnelte, der Traum der Revolution\u00e4re jener<br \/> Zeit von diesem spontanen und allgemeinen Brand. (\u2026) Es glich dem<br \/> \u201eFr\u00fchling der V\u00f6lker\u201c eines ganzen Kontinents.\u201c<\/p>\n<p>Es gab also die Revolution von 1848, die Pariser Kommune von 1871, die<br \/> Russische Revolution von 1917, die spanische Revolution von 1936. In der<br \/> j\u00fcngeren Geschichte gab es den Mai 1968 in Frankreich, die<br \/> portugiesische Revolution von 1974 usw. Alle diese Revolutionen<br \/> ersch\u00fctterten den europ\u00e4ischen Kontinent und die ganze Welt. \u00c4hnliches<br \/> gilt f\u00fcr alle Kontinente. Dies weiter auszuf\u00fchren w\u00fcrden den Rahmen<br \/> dieser Brosch\u00fcre sprengen. Sogar heute beweisen die arabischen<br \/> Revolutionen und die Bewegung der \u201eEmp\u00f6rten\u201c, die in nie gekannter<br \/> Schnelligkeit von Kontinent zu Kontinent die Welt durchdringen, die<br \/> Korrektheit dieser Position.<\/p>\n<p>In Griechenland sehen wir heute revolution\u00e4re Elemente in der objektiven<br \/> Situation \u2013 die griechische Gesellschaft kocht, sie ist bereit zu<br \/> explodieren und die herrschende Klasse befindet sich in einer nie<br \/> dagewesenen Krise. Von diesem Punkt bis zum Ausbruch einer Revolution<br \/> und viel mehr noch bis zum Sieg dieser Revolution gibt es eine gro\u00dfe<br \/> Distanz. Es ist jedoch von Bedeutung, dass dieser Prozess begonnen hat.<br \/> Seine Reifung wird Zeit brauchen, insbesondere angesichts des Fehlens<br \/> einer revolution\u00e4ren Massenpartei, die ihn enorm beschleunigen w\u00fcrde!<\/p>\n<p>Noch wichtiger ist, dass diese in der griechischen Gesellschaft<br \/> vorhandenen Faktoren auch in einer Reihe anderer L\u00e4nder Europas<br \/> existieren. Die von der Schuldenkrise betroffenen L\u00e4nder \u201ehinken<br \/> Griechenland noch hinterher\u201c. Doch in ausnahmslos allen haben sich in<br \/> den letzten drei Jahren Bewegungen entwickelt, wie seit Jahrzehnten<br \/> nicht. Und dabei handelt es sich nicht nur um den S\u00fcden Europas. Sogar<br \/> in Gro\u00dfbritannien, in dem die die Dampfwalze des der Arbeiterbewegung<br \/> schwere Niederlagen beigebracht hat, gab es in den letzten eineinhalb<br \/> Jahren die gr\u00f6\u00dften Jugendbewegungen und die gr\u00f6\u00dfte Arbeitermobilisierung<br \/> seit dem Zweiten Weltkrieg. Dort entwickelt sich erstmals seit 1926 eine<br \/> starke Dynamik in Richtung eines Generalstreiks! Die revolution\u00e4ren<br \/> Prozesse sind also lebendig! Ja, sie brauchen Zeit zu reifen, doch sie<br \/> haben begonnen!<\/p>\n<h4>Warum erscheint die Perspektive der Revolution entfernt?<\/h4>\n<p>Und doch erscheint die europ\u00e4ische Revolution weit entfernt. Und sie ist<br \/> es in der Tat! Doch warum? Das ist eine der grundlegenden Fragen, die<br \/> beantwortet werden muss. Der Grund ist derselbe, aus dem die Revolution<br \/> auch in Griechenland entfernt zu sein scheint! Das Fehlen einer<br \/> Massenlinken, die sich an die Spitze dieser Bewegung stellt, die ihr<br \/> eine Richtung gibt, die ihr Aktionsvorschl\u00e4ge macht, die ihr einen Plan<br \/> f\u00fcr K\u00e4mpfe vorschl\u00e4gt, die die Staatsmacht der herrschenden Klasse<br \/> abschaffen und die Voraussetzungen f\u00fcr die Eroberung der Staatsmacht<br \/> durch die Arbeiterklasse und die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung schaffen kann.<\/p>\n<p>Es fehlt eine revolution\u00e4re Massenlinke, die einer Gesellschaft, die vor<br \/> Wut und Zorn kocht, eine Perspektive weisen kann. Wenn diese Linke nicht<br \/> aufgebaut wird, ist die ganze Diskussion \u00fcber Revolution eine<br \/> romantische Abstraktion. In diesem Sinne ist der Aufbau dieser Linken<br \/> (und nicht der Linken allgemein) eine der wichtigsten Aufgaben in der<br \/> Periode, in die wir eingetreten sind.<\/p>\n<p>Um zusammenzufassen: Wenn revolution\u00e4re Prozesse in einem Land beginnen<br \/> \u2013 das in Europa nicht unbedingt Griechenland sein muss \u2013 ist der Ausgang<br \/> des Kampfes offen. Die Beschleunigung der Prozesse in einem Land wird<br \/> als unvermeidliche Folge entsprechende Prozesse auch in anderen L\u00e4ndern<br \/> und schlie\u00dflich auf gesamteurop\u00e4ischer Ebene nach sich ziehen. Damit<br \/> jedoch dieser Prozess auf europ\u00e4ischer Grundlage siegreich sein kann,<br \/> ist es notwendig, dass es in einer Reihe europ\u00e4ischer L\u00e4nder<br \/> Massenparteien der revolution\u00e4ren Linken gibt.<\/p>\n<h4>\u201eAufgaben\u201c in Griechenland<\/h4>\n<p>Diese Prozesse erfordern, wie wir oben gesagt haben, Zeit. Sie sind in<br \/> Wirklichkeit nicht Ergebnis der Entscheidungen der Bewegung oder der<br \/> Linken, sondern werden durch ein System hervorgerufen, das die<br \/> Gesellschaft in die Barbarei f\u00fchrt. Je schw\u00e4cher die revolution\u00e4re Linke<br \/> ist, desto l\u00e4nger werden sich diese Prozesse hinziehen. Wenn sich die<br \/> Bewegung und die Linke einen Sieg auf gesamteurop\u00e4ischer Ebene zum Ziel<br \/> setzt, die griechische Arbeiterbewegung als Katalysator oder<br \/> Initialz\u00fcnder wirkt und dieses Ziel erreicht wird, dann wird das Thema<br \/> W\u00e4hrung gel\u00f6st sein. Wenn die Revolution der griechischen<br \/> Arbeiterbewegung sich auf unser eigenes Land beschr\u00e4nkt, dann wird eine<br \/> nationale W\u00e4hrung Folge der Schw\u00e4che der Revolution sein, sich<br \/> auszudehnen und nicht die L\u00f6sung.<\/p>\n<p>In diesem Fall wird die nationale W\u00e4hrung zu einer der negativen Folgen<br \/> der Schw\u00e4che der Arbeiterbewegung, den Kampf auf gesamteurop\u00e4ischer<br \/> Ebene zu gewinnen. Das hei\u00dft sie ist Ergebnis einer relativen Niederlage<br \/> &#8211; des Siegs einer Revolution in einem Land, doch der Schw\u00e4che, sich in<br \/> andere L\u00e4nder auszubreiten. Mit anderen Worten, die nationale W\u00e4hrung<br \/> stellt dann die Kosten der Isolierung dar!<\/p>\n<p>Untersch\u00e4tzen wir nicht die Gefahren, die sich aus der Isolierung einer<br \/> Revolution ergeben! Denn der \u201eZufluchtsort\u201c der nationalen W\u00e4hrung kann<br \/> vielleicht in Kombination mit Ma\u00dfnahmen der W\u00e4hrungs- und<br \/> Handelskontrolle Schutz bieten und der Wirtschaft einen Ansto\u00df geben.<br \/> Doch wenn die Revolution f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit isoliert bleibt, wird sie<br \/> zusammenbrechen! Zu dieser Einsch\u00e4tzung gibt es kein \u201ewenn\u201c und kein<br \/> \u201evielleicht\u201c \u2013 sie wird auf die eine oder andere Weise zusammenbrechen!<br \/> Auch hier bietet die Oktoberrevolution die wertvollste Lehre: Ihre<br \/> Isolierung schuf die Grundlagen f\u00fcr ihre stalinistische Entartung und<br \/> diese f\u00fchrte in der Folge zum Zusammenbruch der Sowjetunion.<\/p>\n<p>Wir wollen den GenossInnen aus der Linken, die uns Kuba und Venezuela<br \/> als Gegenbeispiele entgegenhalten werden, kurz antworten. In Kuba gibt<br \/> es positive Errungenschaften, die wir verteidigen. Wir \u00fcben jedoch<br \/> gleichzeitig Kritik, denn es ist genauso \u201esozialistisch\u201c oder<br \/> \u201ekommunistisch\u201c, wie es die UdSSR und China waren: Die UdSSR ist<br \/> zusammengebrochen, China hat sich in die kapitalistische Welt<br \/> integriert. Auch Kuba hat \u00d6ffnungen in dieselbe Richtung begonnen. Ein<br \/> \u201eSozialismus\u201c ohne Demokratie, Freiheit der Meinungs\u00e4u\u00dferung und der<br \/> Organisierung (freies Gewerkschaftswesen, Mehrparteiensystem usw.) ist<br \/> kein Sozialismus. Was Venezuela betrifft, so redet Chav\u00e9z vielleicht von<br \/> \u201eSozialismus\u201c, doch das von ihm regierte Land ist kapitalistisch, auch<br \/> wenn er gewisse Verstaatlichungen durchgef\u00fchrt und Ma\u00dfnahmen zur<br \/> St\u00e4rkung des Sozialstaates ergriffen hat, die die Linke kritisch<br \/> unterst\u00fctzen muss. Gleichzeitig fehlt es v\u00f6llig an Arbeiterdemokratie in<br \/> der staatlichen Verwaltung, in den \u00f6ffentlichen Unternehmen und in der<br \/> Behandlung der politischen Angelegenheiten.<\/p>\n<h4>Die Widerspr\u00fcche des Kapitalismus bedeuten ohnehin eine Bedrohung f\u00fcr<br \/> den Euro<\/h4>\n<p>Eine noch realistischere Herangehensweise macht es n\u00f6tig daran zu<br \/> erinnern, dass die Widerspr\u00fcche des Kapitalismus gerade dabei sind, den<br \/> Euro in den Zusammenbruch f\u00fchren!<\/p>\n<p>Ein solcher Zusammenbruch des Euro wird eine pl\u00f6tzliche Vertiefung der<br \/> allgemeinen Krise und nicht nur der griechischen Krise hervorrufen! Alle<br \/> internationalen F\u00fchrungsorgane des Kapitals erkl\u00e4ren zur Zeit, dass die<br \/> Kosten eines Zusammenbruchs des Euro gro\u00df sind und dieser mit allen<br \/> Mitteln verhindert werden muss. Deutschlands und Frankreichs Versuch,<br \/> Griechenland innerhalb des Euro zu halten (w\u00e4hrend sie gleichzeitig \u201edie<br \/> Stunde verfluchen\u201c, in der sie es aufnahmen) ist darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren,<br \/> dass ein Zusammenbruch des Euro eine Kettenreaktion ausl\u00f6sen kann, die<br \/> gro\u00dfe Kosten f\u00fcr sie selbst bedeuten w\u00fcrde. Nehmen wir als Beispiel den<br \/> Giganten der europ\u00e4ischen Wirtschaft, Deutschland. Der Financial Times<br \/> aus London zufolge \u201e\u2026 sch\u00f6pft Deutschland unendlichen Nutzen aus der<br \/> W\u00e4hrungsunion. (\u2026) Die deutschen Exporte verzeichneten einen<br \/> schwindelerregenden Anstieg aufgrund der gemeinsamen W\u00e4hrung, der bei<br \/> nahezu 18 Prozent liegt. (\u2026) Wenn Deutschland nicht im Euro w\u00e4re, h\u00e4tte<br \/> dieser Anstieg nicht einmal die H\u00e4lfte erreicht\u201c!<\/p>\n<p>Gleichzeitig w\u00fcrde einer Studie der Schweizer Bank UBS zufolge ein<br \/> Zusammenbruch des Euro eine Reduzierung des BIP in Deutschland um 20 bis<br \/> 25 Prozent innerhalb des ersten Jahres hervorrufen. Zum Vergleich: das<br \/> griechische BIP wird sich von Anfang 2010 bis Ende 2011 um etwa elf<br \/> Prozent reduzieren!<\/p>\n<p>Folglich wird ein wahrscheinlicher Zusammenbruch des Euro eine<br \/> Vertiefung der Wirtschaftskrise in Europa bedeuten. Man muss unglaublich<br \/> naiv sein, zu glauben, dass die griechische Wirtschaft im Rahmen eines<br \/> solchen wirtschaftlichen Armageddons \u201eGro\u00dftaten vollbringen\u201c wird. Diese<br \/> von uns beschriebene Perspektive ist kein theoretisches Szenario. Sie<br \/> betrifft nicht irgendeine weit entfernte Zukunft. Sie ist die heutige<br \/> Wirklichkeit! Stellen wir uns dann den Ausbruch von Zorn vor, den wir<br \/> nicht nur in der griechischen Gesellschaft, sondern auch in einer Reihe<br \/> europ\u00e4ischer L\u00e4nder sehen werden, wenn der Euro zusammenbricht und die<br \/> Krise sich vertieft!<\/p>\n<p>Werden dann nicht die idealen Bedingungen f\u00fcr die Linke vorhanden sein,<br \/> um die herrschende Klasse und ihr System blo\u00df zustellen, indem sie alle<br \/> L\u00fcgen ins Ged\u00e4chtnis ruft, die sie \u00fcber den Euro gesagt haben, und indem<br \/> sie die tiefe Krise aufzeigt, die der Zusammenbruch ihrer W\u00e4hrung<br \/> hervorgerufen hat? Indem sie erkl\u00e4rt, dass die Verantwortung f\u00fcr alles<br \/> \u00dcbel, unter dem die ArbeitnehmerInnen zu leiden haben, zu einhundert<br \/> Prozent auf den Schultern der herrschenden Klasse in Griechenland und in<br \/> Europa lastet?<\/p>\n<p>Wie aber wird die Linke da stehen, wenn sie in dieser ganzen Periode an<br \/> der Spitze des Kampfes f\u00fcr den Austritt aus dem Euro steht? Wie wird sie<br \/> das System angreifen k\u00f6nnen, wenn ihr eigener Vorschlag des Austritts<br \/> aus dem Euro eine Vertiefung der Wirtschaftskrise ausgel\u00f6st haben wird?<br \/> Wie soll unter diesen Bedingungen eine massenhafte Reaktion in der<br \/> Gesellschaft gegen die Linke gestoppt werden? Warum sollten sich<br \/> Menschen dann nicht gegen die Linke wenden, wenn diese nicht erkl\u00e4rt,<br \/> dass nicht die W\u00e4hrung das Thema ist, sondern der Sturz des Systems, und<br \/> dass die alleinige R\u00fcckkehr zur Drachme ohne den Sturz des Systems nicht<br \/> nur keine L\u00f6sungen bietet, sondern gewaltige Gefahren in sich birgt?<\/p>\n<p>Um wieder zusammenzufassen: Der gr\u00f6\u00dfte Fehler der Linken w\u00e4re es,<br \/> Illusionen zu sch\u00fcren, dass der Austritt aus dem Euro f\u00fcr sich allein<br \/> das Leben der ArbeitnehmerInnen bessern kann! Sie muss stattdessen<br \/> erkl\u00e4ren, dass es im Rahmen des Kapitalismus keinerlei Ausweg gibt und<br \/> dass der einzige Weg zur Sicherung des Rechts der ArbeitnehmerInnen auf<br \/> ihr Leben die sozialistische Ver\u00e4nderung der Gesellschaft ist. Wenn sie<br \/> dies macht, hat es aber keinen Sinn, das Thema der W\u00e4hrung aufzustellen.<br \/> Denn dies ist, wie oben erkl\u00e4rt, ein Thema des Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses<br \/> zwischen den Klassen und der Entwicklung der revolution\u00e4ren Prozesse auf<br \/> gesamteurop\u00e4ischer Ebene.<\/p>\n<h4>Der Austritt aus EU und Euro und die \u201enationale Unabh\u00e4ngigkeit\u201c<\/h4>\n<p>F\u00fcr einen Teil der Linken ist das Thema des Austritts aus dem Euro und<br \/> der EU haupts\u00e4chlich eine Frage der \u201enationalen Unabh\u00e4ngigkeit\u201c. Sie<br \/> sind aus diesem Grund der Ansicht, dass die erste und wichtigste Aufgabe<br \/> der Austritt aus der EU und dem Euro ist. Sie schlagen erg\u00e4nzend<br \/> Ma\u00dfnahmen vor, die sich in eine sozialistische Richtung bewegen, wie die<br \/> Verweigerung der Schuldenzahlung (einseitige Schuldenstreichung), die<br \/> Verstaatlichung der Banken und die Neuplanung der Produktion. Doch die<br \/> zentrale Betonung liegt auf der Forderung nach dem Austritt aus der EU.<br \/> Diese Position geht davon aus, dass die nationale Unabh\u00e4ngigkeit<br \/> aufgehoben worden sei, dass es ein \u201eneues Besatzungsregime\u201c gebe und<br \/> dass wir eine neue nationale Befreiungsbewegung vom Typ EAM7 br\u00e4uchten.<br \/> Wir sollten die EU verlassen, um eine \u201eunabh\u00e4ngige\u201c, \u201eungebundene\u201c,<br \/> \u201enationale\u201c Wirtschafts- und W\u00e4hrungspolitik zu haben.<\/p>\n<p>Beginnen wir mit dem Punkt, mit dem wir \u00fcbereinstimmen: Griechenland ist<br \/> in der Tat konfrontiert mit einer neuen Form des Neokolonialismus! Dass<br \/> das griechische Volk nicht \u00fcber sich selbst entscheidet, ist eine<br \/> Tatsache! Das Problem der \u201enationalen Unabh\u00e4ngigkeit\u201c stellt sich in<br \/> einem gewissen Sinne! Alle Beschl\u00fcsse werden in Br\u00fcssel gefasst \u2013 und<br \/> das ist f\u00fcr die Arbeiterklasse nicht akzeptabel. F\u00fcr die herrschende<br \/> Klasse unseres Landes ist dies nicht nur akzeptabel, sondern auch<br \/> richtig und notwendig, denn die griechischen Kapitalisten sind direkt<br \/> verbunden und abh\u00e4ngig vom gro\u00dfen europ\u00e4ischen Kapital. Gegen diesen<br \/> Neokolonialismus m\u00fcssen wir k\u00e4mpfen! Darin sind wir uns einig. Worin wir<br \/> unterschiedlicher Meinung sind, ist das Wie!<\/p>\n<p>Denn der Austritt aus dem Euro und aus der EU wird nie das Problem der<br \/> Abh\u00e4ngigkeit und der Untert\u00e4nigkeit l\u00f6sen, das Griechenland nicht heute,<br \/> sondern in seiner ganzen Geschichte (sei es mit oder ohne Euro)<br \/> charakterisiert hat.<\/p>\n<p>In Wirklichkeit verbirgt sich hinter der Position dieser GenossInnen<br \/> eine Weigerung auf europaweiter oder internationaler Ebene einen klaren<br \/> Kampfvorschlag f\u00fcr den Sturz des Kapitalismus und f\u00fcr den Sozialismus zu<br \/> machen. Wenn wir die Texte der Genossen lesen, die zu diesem Teil der<br \/> Linken geh\u00f6ren, werden wir sehen, dass sie von einem<br \/> \u201eNational-Zentrismus\u201c durchzogen sind. Der gemeinsame Kampf mit den<br \/> \u00fcbrigen europ\u00e4ischen ArbeiterInnen fehlt genauso wie der gemeinsame<br \/> Kampf f\u00fcr den Sozialismus. Wenn man diesen gesamteurop\u00e4ischen und<br \/> internationalen Kampf \u201enicht sieht\u201c, landet man unvermeidlich bei<br \/> \u201enationalen L\u00f6sungen\u201c. Und diese f\u00fchren auf die eine oder andere Weise<br \/> zu dem Vorschlag des Austritts aus der EU und zur Drachme.<\/p>\n<p>Der Kern unserer Meinungsverschiedenheit ist folgender: Es gibt keine<br \/> wirkliche nationale Unabh\u00e4ngigkeit im Rahmen des Kapitalismus. Der<br \/> Kapitalismus war von seinem Beginn an (und ist es heute noch viel mehr)<br \/> ein internationales System. Die gegenseitige Abh\u00e4ngigkeit zwischen den<br \/> \u00d6konomien auf internationaler Ebene ist eines seiner zentralen<br \/> Charakteristika. Die Untert\u00e4nigkeit der schwachen herrschenden Klassen<br \/> gegen\u00fcber den starken, entweder direkt oder indirekt \u00fcber die<br \/> internationalen Organisationen, ist ein Gesetz, denn es ist eine<br \/> Bedingung f\u00fcr das \u00dcberleben der schwachen herrschenden Klassen wie die<br \/> griechische eine ist. Ein Austritt Griechenlands aus der EU und dem<br \/> Euro, wird nicht nationale Unabh\u00e4ngigkeit bedeuten. Au\u00dfer der EU gibt es<br \/> den Internationalen W\u00e4hrungsfond (IWF), die Weltbank, unendlich viele<br \/> internationale Organisationen. Auch wenn hypothetisch ein<br \/> kapitalistisches Land beschlie\u00dft, aus all diesen rauszugehen, wird es<br \/> mit einem anderen Faktor konfrontiert sein: den \u201eM\u00e4rkten\u201c. Vielleicht<br \/> \u201eschm\u00e4hen\u201c sogar die Repr\u00e4sentanten des Kapitals selbst die \u201eM\u00e4rkte\u201c,<br \/> die Spekulanten usw.. Aber sie haben ohne diese \u201eMonster\u201c keine<br \/> Hoffnung, zu \u00fcberleben \u2013 weder sie selbst als Repr\u00e4sentanten der<br \/> herrschenden Klasse noch die kapitalistische Wirtschaft, die sie<br \/> repr\u00e4sentieren. Die Macht des Finanzkapitals ist heute gewaltig,<br \/> unvorstellbar gr\u00f6\u00dfer als vor einem Jahrhundert, als Lenin seine Schrift<br \/> \u201eDer Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus\u201c verfasste.<\/p>\n<p>Wie kann also die imperialistische und neo-kolonialistische Abh\u00e4ngigkeit<br \/> beendet werden? Nur auf eine Weise: Durch den Sturz des Kapitalismus und<br \/> den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft. Und dies kann nur, wie<br \/> wir weiter oben entwickelt haben, auf einer internationalistischen und<br \/> nicht auf einer \u201enational-zentristischen\u201c Grundlage geschehen \u2013 denn<br \/> einen Sozialismus in einem Land kann es nicht geben. Ein<br \/> \u201esozialistisches\u201c Griechenland kann im Rahmen eines kapitalistischen<br \/> Europa und einer internationalen kapitalistisch-imperialistischen<br \/> Umgebung nicht \u00fcberleben, wenn nicht \u00e4hnliche Entwicklungen in anderen<br \/> L\u00e4ndern des Kontinents und international folgen. Entweder wird es<br \/> zusammenbrechen, bevor es sich richtig festigt, oder es wird entarten<br \/> wie die UdSSR, um sp\u00e4ter zusammenzubrechen, oder es wird ein \u201eHybrid\u201c<br \/> des Typs von Kuba geschaffen werden.<\/p>\n<p>Die Verteidiger der \u201enationalen Unabh\u00e4ngigkeit\u201c m\u00fcssen also, wenn sie<br \/> tats\u00e4chlich dieses Ziel erreichen wollen, klar, offen und mutig sagen:<br \/> \u201eDer Kapitalismus muss gest\u00fcrzt werden, um Arbeitermacht und Sozialismus<br \/> aufzubauen. Dies ist etwas, das wir nicht alleine tun k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen<br \/> gemeinsam mit den Arbeitnehmern im \u00fcbrigen Europa und international<br \/> k\u00e4mpfen. Wenn wir auf diesem Weg EU und Euro verlassen m\u00fcssen, dann<br \/> werden wir alle sich daraus ergebenden Kosten akzeptieren, da der Nutzen<br \/> unendlich gr\u00f6\u00dfer sein wird.\u201c<\/p>\n<h4>Die Drachme und die \u201eVolksfronten\u201c<\/h4>\n<p>Die Linken, die den Austritt aus dem Euro und der EU als erste Priorit\u00e4t<br \/> fordern, sehen als Voraussetzung zur Durchsetzung dieses Ziels, den<br \/> Aufbau einer massenhaften \u201eVolksfront\u201c, einer neuen EAM und die Bildung<br \/> einer \u201evolksfreundlichen\u201c oder \u201efortschrittlichen\u201c Regierung. Was<br \/> bedeuten jedoch \u201eVolksfront\u201c, \u201efortschrittliche\u201c Regierung usw. genau?<br \/> Worin besteht der Unterschied zu Arbeitermacht und Sozialismus? Ein<br \/> genauerer Blick auf \u201eVolksfronten\u201c und die EAM wird dabei helfen, die<br \/> Fehler von Teilen der Linken aufzuzeigen.<\/p>\n<p>Der Ausdruck \u201eVolksfront\u201c klingt sehr attraktiv: Eine Front des ganzen<br \/> Volkes, das k\u00e4mpft. Die Realit\u00e4t ist jedoch etwas komplexer\u2026 So sehr man<br \/> in den Schriften Lenins sucht, man wird nirgends den Begriff<br \/> \u201eVolksfront\u201c finden. Das wird m\u00f6glicherweise die erste \u00dcberraschung<br \/> sein. Die zweite ist, dass man einen anderen Begriff finden wird: den<br \/> Begriff \u201eEinheitsfront\u201c. Um genau zu sein \u201eArbeitereinheitsfront\u201c.<\/p>\n<p>Den Begriff \u201eEinheitsfront\u201c gebrauchten die Bolschewiki und die<br \/> Kommunistische Internationale (zur Zeit Lenins), um die Notwendigkeit<br \/> eines einheitlichen Kampfes der Arbeiterklasse eines jeden Landes gegen<br \/> die gemeinsamen Probleme und gegen die herrschende Klasse \u2013 unabh\u00e4ngig<br \/> von Parteizugeh\u00f6rigkeit und politischen Vorlieben &#8211; zu beschreiben.<br \/> Indem sie eine \u201eEinheitsfront\u201c bildet, w\u00fcrde die Arbeiterklasse<br \/> gleichzeitig eine Perspektive weisen und auch ihre Beziehung zu ihren<br \/> B\u00fcndnispartnern in den sozialen K\u00e4mpfen \u2013 das hei\u00dft den armen Bauern und<br \/> Mittelschichten der St\u00e4dte \u2013 auf starken Fundamenten aufbauen.<\/p>\n<p>Der Begriff \u201eVolksfront\u201c taucht in den 30er Jahren auf \u2013 und sein<br \/> Inspirator war kein Anderer als Stalin. Der Unterschied zwischen der<br \/> \u201eEinheitsfront\u201c Lenins und der \u201eVolksfront\u201c Stalins liegt darin, dass<br \/> die \u201eVolksfront\u201c au\u00dfer der Arbeiterklasse (und ihren armen<br \/> B\u00fcndnispartnern) auch die b\u00fcrgerliche Klasse umfasst \u2013 ihre sogenannten<br \/> \u201efortschrittlichen\u201c Teile! Der Begriff \u201eVolk\u201c umfasst Alle, der Begriff<br \/> \u201eArbeiterklasse\u201c nicht. Damals hatte sich der Stalinismus in der<br \/> Sowjetunion schon vollst\u00e4ndig durchgesetzt hat und er versuchte mit<br \/> allen Mitteln die Ausbreitung der sozialistischen Revolution ins \u00fcbrige<br \/> Europa zu verhindern. So entwickelte Stalin aus Anlass des Aufstiegs des<br \/> Faschismus in Deutschland die Theorie, dass die Zusammenarbeit aller<br \/> Klassen, der Arbeiterklasse, der b\u00e4uerlichen und der Mittelschichten in<br \/> den St\u00e4dten und auch der Kapitalistenklasse, die \u201edemokratische\u201c,<br \/> \u201epatriotische\u201c oder \u201efortschrittliche\u201c Eigenschaften hat, gegen den<br \/> Aufstieg des Faschismus notwendig sei.<\/p>\n<p>Doch den Faschismus gab es bereits seit 1922 in Italien. Lenin, Trotzki<br \/> und die anderen Bolschewiki haben aber niemals eine Zusammenarbeit der<br \/> italienischen ArbeiterInnen mit den italienischen Kapitalisten gegen<br \/> Mussolini vorgeschlagen. Im Gegenteil war ihr Vorschlag auch f\u00fcr Italien<br \/> die \u201e(Arbeiter-)Einheitsfront\u201c.<\/p>\n<p>Die \u201eVolksfronten\u201c sind historisch nicht so unschuldig, wie sie sich<br \/> anh\u00f6ren. 1936 gab es in Spanien und Frankreich die \u00dcbernahme der<br \/> Regierung durch \u201eVolksfronten\u201c, das hei\u00dft die Kommunisten bildeten<br \/> gemeinsam mit den politischen Repr\u00e4sentanten des Kapitals eine Regierung.<\/p>\n<p>Doch die Kapitalisten nehmen nie an Regierungen teil, die ihnen die<br \/> Macht zu nehmen drohen! Keine herrschende Klasse ist bereit, an einer<br \/> Staatsmacht teilzunehmen, die ihnen ihre eigene Macht nehmen und sie<br \/> einer anderen (in diesem Fall der Arbeiterklasse) geben wird. Folglich<br \/> ist eine notwendige Bedingung f\u00fcr die Bildung einer \u201eVolksfront\u201c eine<br \/> Linke, die das Ziel des Sturzes der Kapitalisten, mit denen sie<br \/> zusammenarbeitet, aufgibt!<\/p>\n<p>Dies bedeutet ein Akzeptieren des Kapitalismus und (wir wollen das<br \/> betonen!) einen Konflikt mit allen Teilen der Gesellschaft, die bewusst<br \/> oder spontan in Richtung der sozialistischen Revolution schreiten. Als<br \/> Ergebnis wurde die spanische Revolution von Franco besiegt. Als Ergebnis<br \/> wurde die franz\u00f6sische Revolution, die 1935 ausbrach, verraten und<br \/> Frankreich kampflos den Nazis ausgeliefert. Als Ergebnis wurde Aris<br \/> Velouchiotis in den Tod gef\u00fchrt, weil er den Vertrag von Varkiza<br \/> ablehnte, der der Kompromiss der KKE mit der herrschenden Klasse im<br \/> Rahmen ihrer Volksfrontpolitik war.8<\/p>\n<p>Bevor wir jedoch zur EAM \u00fcbergehen, wollen wir auf eine andere Frage<br \/> antworten. Tauchte das Ph\u00e4nomen der \u201eVolksfronten\u201c in der Geschichte<br \/> erstmals in den 30er Jahren auf und stellte so neue Fragen, die neue<br \/> Antworten verlangten? Dies ist nicht der Fall!<\/p>\n<h4>Die erste Volksfront in der Geschichte<\/h4>\n<p>Die erste Volksfront in der Geschichte gab es in Russland 1917. In der<br \/> Periode zwischen dem Sturz des Zaren im Februar und der Macht\u00fcbernahme<br \/> der Bolschewiki im Oktober, herrschte eine als Provisorische Regierung<br \/> bekannt gewordene Koalition, die aus zwei Parteien der Linken und einer<br \/> Partei der b\u00fcrgerlichen Klasse bestand. Die beiden Parteien der Linken<br \/> waren die Menschewiki und die Sozialrevolution\u00e4re (SR). Die Partei des<br \/> Kapitals waren die Konstitutionellen Demokraten (Kadetten).<\/p>\n<p>Wir hatten also eine \u201eVolksfront\u201c, die auf den ersten Blick sehr<br \/> wichtige Existenzgr\u00fcnde zu haben schien: Sie \u201ek\u00e4mpfte\u201c um die Sicherung<br \/> der Demokratie in der Periode direkt nach dem Sturz des Zaren. Sie<br \/> \u201ek\u00e4mpfte\u201c darum, die Demokratie vor dem \u201eFaschismus\u201c zu sch\u00fctzen, den<br \/> General Kornilow repr\u00e4sentierte, der genauso wie der spanische General<br \/> Franco versuchte, mit seinen Truppen die Provisorische Regierung zu<br \/> st\u00fcrzen. Und wir d\u00fcrfen nat\u00fcrlich nicht vergessen, dass sich das Land<br \/> befand im Krieg mit Deutschland befand und seine Regierung \u201ek\u00e4mpfte\u201c<br \/> daf\u00fcr, die Beendigung des Krieges und den Frieden durchzusetzen.<\/p>\n<p>Obwohl das Land sich im Krieg befand, obwohl eine direkte<br \/> \u201efaschistische\u201c Bedrohung existierte, obwohl die Demokratie zerbrechlich<br \/> war und gefestigt werden musste, st\u00fctzten die Bolschewiki weder die<br \/> \u201eVolksfront\u201c noch beteiligten sie sich an ihr! Sie taten etwas Anderes:<br \/> Sie st\u00fcrzten sie!<\/p>\n<h4>Was war die EAM?<\/h4>\n<p>Wenn jemand mit dieser Haltung der Bolschewiki nicht einverstanden ist,<br \/> dann betrifft seine Meinungsverschiedenheit die Oktoberrevolution selbst<br \/> \u2013 und das ist eine andere Diskussion. All das f\u00fchrt uns jedoch zur EAM.<\/p>\n<p>Die EAM war eine erstaunliche Bewegung, auf die jeder griechische<br \/> Arbeiter und jeder Linke stolz ist. Wir m\u00fcssen nicht in Einzelheiten<br \/> gehen, da die Fakten allgemein bekannt sind. Der griechische Widerstand<br \/> gegen die Nazis hat die Welt sprachlos gemacht. Churchill sagte damals:<br \/> \u201eHelden k\u00e4mpfen wie die Griechen.\u201c Etwas sp\u00e4ter schlachtete die<br \/> englische Armee die heldenhaften Griechen ab. Wie ist das geschehen?<\/p>\n<p>Obwohl die EAM und die ELAS im Dezember 1944 ganz Griechenland mit<br \/> Ausnahme von Kolonaki9 unter ihrer Kontrolle hatten, wollte die KKE als<br \/> die F\u00fchrung dieser erstaunlichen Bewegung nicht, dass die ganze Macht<br \/> auf die ELAS \u00fcbergeht. Sie wollte kein \u201esozialistisches Griechenland der<br \/> Arbeiter\u201c. Sie wollte eine Regierung der \u201enationalen Einheit\u201c \u2013 eine<br \/> Regierung, an der die KKE gemeinsam mit den Repr\u00e4sentanten der<br \/> griechischen Kapitalherrschaft teilnehmen sollte. Diese Haltung wurde<br \/> durch die Ideologie der \u201eVolksfront\u201c bestimmt. EAM und ELAS haben im<br \/> Dezember 194410 den Kampf verloren, weil ihre F\u00fchrung ihn in<br \/> Wirklichkeit nie gef\u00fchrt hat. Diese F\u00fchrung unter Zachariadis11 hielt im<br \/> entscheidenden Moment absichtlich Aris Velouchiotis mit seinen<br \/> furchteinfl\u00f6\u00dfenden Schwarzm\u00fctzen in Epirus12 fest \u2013 und in der Folge<br \/> unterschrieb sie den Vertrag von Varkiza, mit dem sie die Waffen dem<br \/> Feind auslieferte! In der Folge wurde sie in einen zerst\u00f6rerischen<br \/> B\u00fcrgerkrieg hineingezogen.13<\/p>\n<p>Hier stellt sich eine Frage. Warum konnten EAM und ELAS nicht den<br \/> politischen Entscheidungen der KKE-F\u00fchrung entgegentreten und sie<br \/> abwenden? Warum konnte Aris Velouchiotis nicht \u00fcberzeugen und blieb<br \/> isoliert? Die KKE-F\u00fchrung isolierte ihn, doch warum lie\u00dfen ihn die<br \/> Bewegung, die Gesellschaft, EAM und ELAS alleine?<\/p>\n<p>Dieser Frage kann man nicht ausweichen. Es ist eine Antwort notwendig,<br \/> damit die Linke von \u00fcberzeugende Antworten findet und eine Wiederholung<br \/> solcher Trag\u00f6dien verhindert wird.<\/p>\n<p>Und die Antwort ist sicherlich, dass keine innere Demokratie vorhanden<br \/> war, die Diskussion, Dialog, Konfrontation und Teilnahme der Basis an<br \/> den Entscheidungen erlaubt h\u00e4tte. Zweitens, weil die EAM ideologisch auf<br \/> der Logik der \u201eVolksfront\u201caufgebaut war , das hei\u00dft der Theorien von<br \/> Stalin, Zachariadis und den anderen von der KKE-F\u00fchrung \u201egeehrten<br \/> F\u00fchrern\u201c. Gem\u00e4\u00df dieser Theorie musste die Kommunistische Partei die<br \/> Staatsmacht mit dem Kapital und seinen politischen Repr\u00e4sentanten<br \/> teilen. Das Anstreben der Arbeitermacht und des Sozialismus sei falsch.<br \/> Eine \u201enationale Einheit\u201c, eine \u201efortschrittliche\u201c \u201eVolks\u201c- Regierung<br \/> gegen den Faschismus sei notwendig.<\/p>\n<p>Wenn also einige der Verteidiger der R\u00fcckkehr zur Drachme von einer<br \/> neuen EAM reden und nur den massenhaften Volkscharakter und den<br \/> Heroismus der EAM anf\u00fchren, ohne zu erkl\u00e4ren was warum \u201efalsch lief\u201c,<br \/> dann best\u00e4tigen sie indirekt, dass sie den Sturz des Kapitalismus, die<br \/> Arbeitermacht und die sozialistische Revolution \u201enicht sehen\u201c. \u201eSie<br \/> sehen\u201c einen breiteren Block von Kr\u00e4ften, die im Namen der \u201enationalen<br \/> Unabh\u00e4ngigkeit\u201c, der \u201eautonomen\u201c und \u201eunabh\u00e4ngigen\u201c Wirtschafts- und<br \/> W\u00e4hrungspolitik usw. gegen die Troika Widerstand leisten.<\/p>\n<p>In Wirklichkeit akzeptiert dieser Teil der Linken insgeheim die<br \/> Unm\u00f6glichkeit des Sturzes des Kapitalismus und sucht die \u201ebeste\u201c L\u00f6sung<br \/> im Rahmen des Systems. Er akzeptiert auch, dass die Worte \u00fcber<br \/> gemeinsame K\u00e4mpfe mit den europ\u00e4ischen ArbeitnehmerInnen wichtige Worte<br \/> sind, aber eben nur Worte. Sie sind nicht gewillt, ernsthafte<br \/> Initiativen f\u00fcr eine gemeinsame Klassenkampffront der europ\u00e4ischen<br \/> ArbeiterInnen zu ergreifen.<\/p>\n<p>Aleka Papariga14 wird sich (beispielsweise in einem Presseinterview) nie<br \/> gegen die gemeinsamen K\u00e4mpfe der europ\u00e4ischen ArbeiterInnen aussprechen.<br \/> Wenn man jedoch ihre beiden wichtigsten politischen Interventionen im<br \/> Verlauf des November 2011 betrachtet &#8211; ihre Rede am Freitag, den 4.<br \/> November auf der Versammlung der KKE auf dem Syntagmaplatz und ihr<br \/> Interview mit Nikos Chatzinikolaou bei Real FM am 18. November &#8211; wird<br \/> man nicht ein Wort finden, das sich auf die europ\u00e4ische Arbeiterbewegung<br \/> und noch weniger auf den gemeinsamen Kampf f\u00fcr den Sozialismus bezieht.<\/p>\n<p>Nachdem wir dies nun gesagt haben, wollen wir betonen, dass die<br \/> Positionen der KKE in gewissem Sinne zu den \u201efortgeschrittensten\u201c unter<br \/> den Linken geh\u00f6ren, weil sie k\u00e4mpferisch das \u201eraus aus der EU und dem<br \/> Euro\u201c vertritt. Das hei\u00dft sie beschr\u00e4nkt sich nicht nur auf die R\u00fcckkehr<br \/> zur Drachme, sondern sie erkl\u00e4rt, dass die Dinge ohne den Sturz der<br \/> Macht der Industriellen schlimmer sein werden als mit dem Euro. Mit<br \/> dieser Seite der Analyse stimmen wir \u00fcberein, wie sich auch aus unseren<br \/> ganzen Texten ergibt. Doch es reicht nicht aus, diese Analyse zu haben!<br \/> Man muss die sozialistische Perspektive aufzeigen, indem man die Wege<br \/> beschreibt, die der Kampf der griechischen und der europ\u00e4ischen Bewegung<br \/> nehmen muss. Und hier haben wir das Fehlen jeglichen Bezuges von Aleka<br \/> Papariga auf diese internationalistische Dimension. Manche werden sagen,<br \/> das sei vielleicht zuf\u00e4llig. Wir antworten, dass Auslassungen dieser Art<br \/> nie zuf\u00e4llig sind!<\/p>\n<h4>Die Perspektive des internationalistischen Widerstands h\u00e4ngt von uns ab<\/h4>\n<p>Nachdem wir all dies gesagt haben, wollen wir feststellen: Es ist eine<br \/> Tatsache, dass Positionen f\u00fcr die R\u00fcckkehr zur Drachme und f\u00fcr<br \/> \u201eVolksfronten\u201c ein gewisses Echo finden und von Teilen der Linken und<br \/> der Bewegung angenommen werden. Der Grund daf\u00fcr ist, dass die<br \/> Perspektive der sozialistischen Arbeitermacht nicht unmittelbar als<br \/> realistisch erscheint. Was jedoch realistisch ist und was nicht, f\u00e4llt<br \/> nicht vom Himmel. Es h\u00e4ngt ab von der Aktion lebendiger Kr\u00e4fte in der<br \/> Gesellschaft.<\/p>\n<p>Warum die Perspektive der Revolution in Europa heute entfernt erscheint,<br \/> haben wir weiter oben erkl\u00e4rt: Es gibt noch keine linken Massenparteien,<br \/> die f\u00fcr dieses Ziel k\u00e4mpfen. Diese Realit\u00e4t bringt Teile der Bewegung<br \/> dazu, anstatt bewusst eine Linke mit dem heute so lebenswichtig<br \/> notwendigen sozialistisch-revolution\u00e4ren Programm aufzubauen, L\u00f6sungen<br \/> zu suchen, die die Bewegung letztlich im Rahmen des Systems gefangen<br \/> halten.<\/p>\n<p>Es gibt keinen Zweifel daran, dass Tausende der besten K\u00e4mpferInnen der<br \/> Linken sich der Forderung nach Austritt aus der EU und dem Euro n\u00e4hern,<br \/> weil sie darin einen revolution\u00e4ren Inhalt des Zusammensto\u00dfes mit dem<br \/> einheimischen und europ\u00e4ischen Establishment erkennen. Diese Ann\u00e4herung<br \/> hat sicher eine gewisse Basis, doch diese ist nicht entscheidend. Denn<br \/> diese Position \u00fcberschattet unbewusst die Hauptaufgabe, die im Kampf f\u00fcr<br \/> den Sturz des Systems besteht, indem sie \u201enationale Illusionen\u201c schafft<br \/> \u2013 den Gedanken, dass sich der griechische Kapitalismus au\u00dferhalb der EU<br \/> besser entwickeln kann.<\/p>\n<p>Dieser Teil der Linken nimmt eine Position des geringsten Widerstands<br \/> ein, wobei er wahrscheinlich hofft, dass so der Weg zum Sturz des<br \/> Kapitalismus erleichtert wird. Solche Motive sind zweifellos die besten<br \/> \u2013sie sind charakterisiert durch Uneigenn\u00fctzigkeit und Sorge um die<br \/> Zukunft der Linken und der Gesellschaft. Der Weg zum Sozialismus \u00f6ffnet<br \/> sich jedoch nicht durch unklare Hoffnungen und auch nicht durch gute<br \/> Vors\u00e4tze und W\u00fcnsche. Vergessen wir nicht: \u201eDer Weg zur H\u00f6lle ist mit<br \/> guten Vors\u00e4tzen gepflastert.\u201c So ist die Linke in der Vergangenheit mit<br \/> historischen Niederlagen konfrontierte worden. Das darf nicht wieder<br \/> passieren.<\/p>\n<h4>Zusammenfassung unserer Position<\/h4>\n<p>1.Es gibt keine Perspektive zur L\u00f6sung f\u00fcr die Krise im Rahmen des<br \/> kapitalistischen Systems. Die historische Aufgabe der Linken, ist<br \/> insbesondere angesichts der heutigen Barbarei und F\u00e4ulnis des<br \/> kapitalistischen Systems, Vorschl\u00e4ge anzubieten, die den Weg zum Sturz<br \/> des Kapitalismus, zu Arbeitermacht und Sozialismus aufzeigen. Die Linke,<br \/> die heute nicht zu dieser Aufgabe schreitet, wird nicht erfolgreich sein<br \/> k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>2.Der Austritt aus dem Euro und der EU allein bietet keine L\u00f6sung f\u00fcr<br \/> irgendein Problem. Ob mit Euro oder Drachme als W\u00e4hrung und selbst bei<br \/> einer Einstellung der Zahlung der Auslandsschulden ist eine Wirtschaft<br \/> wie die griechische, insofern sie im Rahmen des Kapitalismus bleibt, zur<br \/> krisenhaften Entwicklung verurteilt .<\/p>\n<p>3.Im Falle einer Volksabstimmung wie der, die Papandreou Anfang November<br \/> vorschlug &#8211; wo erpresserisch die Wahl zwischen einer Reihe harter<br \/> volksfeindlicher Ma\u00dfnahmen und einem Verbleib im Euro gestellt wird &#8211;<br \/> muss die Linke unabh\u00e4ngig von dieser allgemeinen Position \u201eNein zum<br \/> Euro\u201c sagen. Andernfalls w\u00fcrde sie der scharfen arbeiterfeindlichen<br \/> Politik zustimmen und ihre M\u00f6glichkeit, diese zu bek\u00e4mpfen, untergraben.<\/p>\n<p>4.Dies ist etwas Anderes als den Austritt aus der EU und die R\u00fcckkehr<br \/> zur Drachme selber als Losungen und zentrale Kampfvorschl\u00e4ge<br \/> aufzuwerfen. Eine solche Positionierung schafft nur die \u201enationale<br \/> Illusion\u201c, dass Griechenland sich mit einem \u201efortschrittlichen\u201c,<br \/> \u201epatriotischen\u201c oder \u201enicht bevormundeten\u201c Kapitalismus \u201ebesser<br \/> entwickeln\u201c kann.<\/p>\n<p>5.Wenn die Linke auf der Basis des Internationalismus und des Kampfes<br \/> f\u00fcr ein Europa der Arbeiterdemokratie f\u00fcr den Sozialismus k\u00e4mpft, dann<br \/> macht die Forderung nach dem Austritt aus dem Euro und der EU keinen<br \/> Sinn. Die zentrale Losung kann keine andere sein als das Europa der<br \/> ArbeiterInnen und des Sozialismus.<\/p>\n<p>6.Der EU muss die Linke und die Arbeiterbewegung die Ablehnung jeglicher<br \/> arbeiterfeindlicher Politik und entsprechender Vertr\u00e4ge entgegenstellen.<br \/> Wenn aufgrund der Weigerung der griechischen Gesellschaft, die Vorgaben<br \/> der europ\u00e4ischen Kapitalisten zu akzeptieren, die Herrschenden Europas<br \/> den Rausschmiss Griechenlands aus der EU und dem Euro beschlie\u00dfen, nutzt<br \/> die Linke dies, um das antikapitalistische und Klassenbewusstsein der<br \/> griechischen Arbeiterbewegung und ihre internationalistischen<br \/> Verbindungen mit der Bewegung im Rest Europas zu steigern.<\/p>\n<p>7.Wenn die Entwicklungen erfordern, dass die Linke eine k\u00e4mpferische<br \/> Kampagne gegen den Verbleib in der EU entwickeln muss \u2013 beispielsweise<br \/> im Falle einer Volksabstimmung des Typs Papandreou \u2013 dann muss sie<br \/> wiederum mit dem gr\u00f6\u00dften Nachdruck erkl\u00e4ren, dass die reine R\u00fcckkehr zur<br \/> Drachme keinerlei Perspektive bietet, au\u00dfer wenn sie mit dem Kampf zum<br \/> Sturz des Kapitalismus und f\u00fcr Sozialismus kombiniert wird.<\/p>\n<p>8.Wenn sich unter solchen oder \u00e4hnlichen Verh\u00e4ltnissen eine Art<br \/> \u201efortschrittliche\u201c (Volksfront-) Regierung ergibt, die Ma\u00dfnahmen wie<br \/> einen Austritt aus dem Euro und der EU oder sogar der Verweigerung der<br \/> Schuldenzahlung ergreift, darf die Linke nicht daran teilnehmen (und<br \/> folglich auch nicht zu ihrer Bildung aufrufen), sondern sie muss sie<br \/> kritisieren und sich auf den Konflikt mit dem Ziel der sozialistischen<br \/> Ver\u00e4nderung der Gesellschaft vorbereiten.<\/p>\n<p>9.Die von Teilen der Linken vertretene Position, dass solche Regierungen<br \/> den Weg zu revolution\u00e4ren Umst\u00fcrzen \u00f6ffnen, ist falsch. Eine solche<br \/> \u201eVorhersage\u201c st\u00fctzt sich auf keinerlei wissenschaftlich-marxistische<br \/> Analyse. Sie kann nur g\u00fcltig sein unter sehr speziellen Bedingungen<br \/> jenseits, au\u00dferhalb und gegen den Willen dieser Regierungen und unter<br \/> der Voraussetzung der Existenz einer revolution\u00e4ren Massenlinken.<\/p>\n<p>10.Die Linke muss die sozialistische Perspektive anbieten nicht als ein<br \/> allgemeines \u201estrategisches\u201c Ziel (irgendwie, irgendwo, irgendwann),<br \/> sondern indem sie eine Reihe von Ma\u00dfnahmen vorschl\u00e4gt, die von der<br \/> heutigen Lage ausgehen: Verweigerung der Schuldenzahlung,<br \/> Verstaatlichung des Bankensystems und der strategischen<br \/> Wirtschaftsbereiche, Arbeiterkontrolle und Arbeiterverwaltung, Planung<br \/> der Wirtschaft nach den Bed\u00fcrfnissen der Gesamtheit u. \u00e4.<\/p>\n<p>11.Es kann keinen Sozialismus auf nationaler Basis geben, er k\u00f6nnte<br \/> nicht \u00fcberleben. Der Kampf f\u00fcr Sozialismus muss internationalistische<br \/> Charakteristika haben. In diesem Fall macht die Forderung \u201eAustritt aus<br \/> dem Euro und der EU\u201c keinen Sinn. Sie st\u00e4rkt nicht nur nicht den<br \/> internationalistischen Kampf, sondern schafft Illusionen bei den<br \/> griechischen ArbeiterInnen in einen \u201enationalen Kapitalismus\u201c, der einen<br \/> Ausweg weisen kann \u2013 ohne dass der sozialistische Umsturz notwendig ist.<\/p>\n<p>12.Wenn wir abstrakt annehmen w\u00fcrden, dass es weder eine EU noch eine<br \/> gemeinsame W\u00e4hrung g\u00e4be, m\u00fcsste die Linke im Falle gemeinsamer K\u00e4mpfe<br \/> mit den europ\u00e4ischen ArbeiterInnen sowohl eine freiwillige<br \/> sozialistische F\u00f6deration als auch eine gemeinsame W\u00e4hrung vorschlagen.<br \/> Die revolution\u00e4re Klassenantwort auf das Europa der Kapitalisten ist ein<br \/> \u201esozialistisches Europa\u201c und nicht \u201eRaus aus der EU und dem Euro.\u201c<\/p>\n<p>13.Um dem Kampf f\u00fcr eine sozialistische Ver\u00e4nderung der Gesellschaft<br \/> eine Perspektive zu geben, muss die Linke heute f\u00fcr folgende Forderungen<br \/> eintreten: Weigerung der Schuldenzahlungen, Verstaatlichung des<br \/> Bankensystems und der strategischen Wirtschaftsbereiche,<br \/> Wirtschaftsplanung nach den Bed\u00fcrfnissen der Gesamtheit, unter Kontrolle<br \/> und Verwaltung der ArbeiterInnen und der Gesellschaft. Diese Forderungen<br \/> sind die Basis f\u00fcr den Aufbau einer auf die demokratischen Machtorgane<br \/> der Massenbewegung gest\u00fctzten Arbeitermacht: Komitees und<br \/> Basisversammlungen mit jederzeit abrufbaren Repr\u00e4sentanten.<\/p>\n<p>Die Linke, die sich und der Bewegung heute diese Aufgaben stellt, ist<br \/> eine revolution\u00e4re Linke. Revolution bedeutet nicht das \u201erevolution\u00e4re<br \/> Geschrei\u201c von Teilen der au\u00dferparlamentarischen Linken. Auch nicht die<br \/> Steine und die Molotowcocktails der sogenannten \u201eautonomen\u201c Kr\u00e4fte, die<br \/> am Ende als Alibi des Staates zur Legitimierung der Unterdr\u00fcckung der<br \/> Bewegung fungieren. Revolution bedeutet die massenhafte Einmischung von<br \/> Millionen aus der Arbeiter-, der Jugend- und sonstiger Bewegungen in die<br \/> K\u00e4mpfe, damit solche Forderungen Wirklichkeit werden.<\/p>\n<p>Der entscheidende Faktor, der heute fehlt, damit die Gesellschaft den<br \/> Sprung nach vorne machen kann, ist eine revolution\u00e4re Linke. Der Aufbau<br \/> dieser revolution\u00e4ren Massenlinken ist eine der wichtigsten Aufgaben,<br \/> die sich den uneigenn\u00fctzigen Klassenk\u00e4mpferInnen heute stellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die griechische Linke, die Krise und die Wiedereinf\u00fchrung der Drachme<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[123,44],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15157"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15157"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15157\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15157"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15157"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15157"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}