{"id":15134,"date":"2012-05-09T00:00:52","date_gmt":"2012-05-08T22:00:52","guid":{"rendered":"http:\/\/neu.sozialismus.info\/?p=15134"},"modified":"2012-05-15T14:36:19","modified_gmt":"2012-05-15T12:36:19","slug":"profite-auf-kosten-der-gesundheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/05\/profite-auf-kosten-der-gesundheit\/","title":{"rendered":"Profite auf Kosten der Gesundheit"},"content":{"rendered":"<p>3.Qualit\u00e4tsbericht zeigt trotz gewisser Verbesserungen weiterhin gravierende M\u00e4ngel in der Pflege auf<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Krankenschwester-e1336573540247.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-15135\" title=\"Krankenschwester\" src=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Krankenschwester-e1336573540247-280x168.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"168\" \/><\/a>Der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) meldet, dass sich die Qualit\u00e4t der Pflege in Pflegeheimen verbessert habe. Vor allem bei der Ern\u00e4hrung und Fl\u00fcssigkeitsversorgung sowie im Umgang mit Menschen mit Demenz habe es Fortschritte im Vergleich zum Bericht aus dem Jahr 2007 gegeben. Allerdings best\u00e4nden bei anderen Pflegeproblemen \u2013 etwa, wenn es darum gehe, ein Druckgeschw\u00fcr zu vermeiden \u2013 noch Schw\u00e4chen. F\u00fcr den ambulanten Bereich w\u00e4ren die Ergebnisse \u00e4hnlich. Was besagt der Bericht genau und wie sind die Zahlen zu bewerten?<br \/> von Julia Blum, Aachen<br \/> F\u00fcr den aktuellen Bericht wurden 8.101 station\u00e4re Einrichtungen (79 % der zugelassenen station\u00e4ren Pflegeeinrichtungen) mit 61.985 in die Pr\u00fcfung einbezogenen BewohnerInnen und 7.782 ambulante Einrichtungen (60% der zugelassenen Pflegedienste) mit 44.889 in die Pr\u00fcfung einbezogenen Pflegebed\u00fcrftigen kontrolliert.<\/p>\n<h4>Verbesserungen ausgehend von niedrigem Niveau<\/h4>\n<p>Wie der MDS meldet sind tats\u00e4chlich gewisse Verbesserungen im Vergleich zum letzten Berichtszeitraum erreicht worden. Beispiel Ern\u00e4hrung und Fl\u00fcssigkeitsversorgung: Wurde beim letzten Bericht bei nur 64% der gepr\u00fcften Personen in Pflegeheimen eine sachgerechte Ern\u00e4hrung und Fl\u00fcssigkeitsversorgung festgestellt, so wurden im aktuellen Berichtszeitraum bei immerhin 79.5% der einbezogenen Personen mit Einschr\u00e4nkungen bei der selbst\u00e4ndigen Ern\u00e4hrung und bei immerhin 82.4% der Personen mit Einschr\u00e4nkungen bei der selbst\u00e4ndigen Fl\u00fcssigkeitsversorgung die notwendigen Ma\u00dfnahmen in erforderlichen Umfang durchgef\u00fchrt. Das hei\u00dft aber, dass bei ca. jedem f\u00fcnften bzw. sechsten die erforderlichen Ma\u00dfnahmen immer noch nicht ausreichend durchgef\u00fchrt wurden.<br \/> Beispiel Menschen mit eingeschr\u00e4nkter Alltagskompetenz, vor allem Demenzkranke: 76,3% der Betroffenen wurden im aktuellen Berichtszeitraum ihrer Erkrankung entsprechende Angebote unterbreitet, was im Gegensatz zu 66,7% im letzten Berichtszeitraum eine erhebliche Verbesserung darstellt, aber trotzdem bedeutet, dass ca. jedem f\u00fcnften Demenzkranken in Pflegeheimen keine entsprechenden Angebote gemacht wurden.<\/p>\n<h4>In manchen Bereichen sogar Verschlechterungen<\/h4>\n<p>In anderen Bereichen hat es dagegen sogar noch leichte Verschlechterungen gegeben. Beispiel Vorbeugung von Druckgeschw\u00fcren: Eine angemessene Dekubitusprophylaxe fand nur bei 59,3% (2007: 64,5%) derjenigen PflegeheimbewohnerInnen statt, die zum Beispiel aufgrund von Bettl\u00e4gerigkeit ein erh\u00f6htes Risiko haben, ein Druckgeschw\u00fcr zu entwickeln.<br \/> Beispiel Medikamente: Im aktuellen Berichtszeitraum entsprach die Medikamentenversorgung bei 18,5% der BewohnerInnen, die Medikamente erhalten sollten, nicht der \u00e4rztlichen Anordnung und bei 18,2% war kein sachgerechter Umgang mit den Medikamenten vorhanden. Vor dem Hintergrund welche gravierenden Auswirkungen Fehler besonders in der Medikamentenversorgung f\u00fcr den Gesundheitszustand der BewohnerInnen haben k\u00f6nnen, sieht selbst der MDS dringenden Handlungsbedarf<br \/> Beispiel freiheitsentziehende Ma\u00dfnahmen wie Bettgitter, Gurtfixierungen oder Abschlie\u00dfen von Zimmert\u00fcren: Bei 11,2% (2007: 9%) der eingesetzten freiheitsentziehenden Ma\u00dfnahmen lag keine Einwilligung oder richterliche Genehmigung vor und bei 21,6% wurde die Notwendigkeit der Ma\u00dfnahmen nicht regelm\u00e4\u00dfig \u00fcberpr\u00fcft. Allein diese Tatsache, dass bei ca. jedem zehnten Bewohner, der freiheitsentziehenden Ma\u00dfnahmen unterlag, diese unbegr\u00fcndet durchgef\u00fchrt wurden, ist schon einen Skandal wert.<\/p>\n<h4>Verbesserungen durch Einf\u00fchrung Niedriglohngruppe<\/h4>\n<p>Die Verfasser des Berichts weisen selbst darauf hin, dass manche Zahlen aufgrund einer Ver\u00e4nderung des Fragenzuschnitts nicht ohne weiteres vergleichbar sind, die Verbesserungen seien zum Teil aber sicherlich auch auf die Qualit\u00e4tsbem\u00fchungen der Pflegeeinrichtungen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Defacto sind die Verbesserungen aber wohl vor allem dem Einsatz von Alltagsbegleitern, den sogenannten \u00a787b-Kr\u00e4ften, zu verdanken. Arbeitskr\u00e4fte, die innerhalb von 3 Monaten mit den wichtigsten Grundlagen \u201equalifiziert\u201c werden und dann zum Niedriglohn im Pflegeheim eingesetzt werden.<br \/> Insgesamt zeigen die Zahlen, dass insbesondere in eben den Bereichen, in denen qualifiziertes Personal zur Erf\u00fcllung der Anforderungen von N\u00f6ten ist, sich nichts an der Pflegesituation ver\u00e4ndert hat. Kein Wunder, besteht ja schon seit Jahren in der Altenpflege ein eklatanter Personalmangel, vor allem an qualifiziertem Personal. So meldete die Zeitschrift Altenheim im Jahre 2010, dass mehr als jede 4. Einrichtung die geforderte Fachkraftquote von 50% nicht erf\u00fcllen kann. Dem k\u00f6nnte Abhilfe geschaffen werden, w\u00fcrde man das Arbeitsfeld der Altenpflege zum Beispiel durch bessere Arbeitsbedingungen und h\u00f6here L\u00f6hne attraktiver gestalten.<\/p>\n<h4>Kosten zu Lasten der arbeitenden Bev\u00f6lkerung<\/h4>\n<p>Um den kommenden Herausforderungen zunehmender Pflegebed\u00fcrftigkeit Herr zu werden, soll in 2013 der Beitrag zur Pflegeversicherung um 0,1% steigen und eine private Zusatzversicherung, die sogenannte Pflege-Bahr, soll steuerlich gef\u00f6rdert werden. Abgesehen davon, dass damit der Einstieg in die Privatisierung der Pflegeversicherung vollzogen werden soll, sind solche Ma\u00dfnahmen allein schon deshalb abzulehnen, weil sie die steigenden Kosten wieder mal nur den Besch\u00e4ftigten aufb\u00fcrden. Au\u00dferdem bedeutet es auch nicht, dass das zus\u00e4tzliche Geld tats\u00e4chlich den Pflegebed\u00fcrftigen zu Gute kommt.<\/p>\n<h4>Pflege vom Profitprinzip befreien<\/h4>\n<p>Solange mit der Pflege von alten Menschen Profit und damit Menschen zu Waren gemacht werden, solange wird es nicht um gute Pflege gehen k\u00f6nnen und sich an den beschriebenen Zust\u00e4nden auch nicht grundlegend etwas ver\u00e4ndern, sondern das Geld wird nur in die Taschen der Aktienbesitzer der privaten \u201eGesundheits\u201ckonzerne wandern. Auch wenn der MDK jetzt j\u00e4hrliche Pr\u00fcfungen durchf\u00fchrt, kontrollieren kann man nur, was einem geh\u00f6rt. Deshalb ist es n\u00f6tig, die Pflegeheime aber auch die ambulanten Pflegedienste zu vergesellschaften und unter demokratische Kontrolle und Verwaltung der arbeitenden Bev\u00f6lkerung zu stellen. Nur wenn nicht der Profit, sondern die Bed\u00fcrfnisse der Menschen entscheidend sind, kann eine menschliche Pflege gew\u00e4hrleistet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3.Qualit\u00e4tsbericht zeigt trotz gewisser Verbesserungen weiterhin gravierende M\u00e4ngel in der Pflege auf<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[111],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15134"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15134"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15134\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15134"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15134"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}