{"id":14813,"date":"2012-04-27T10:00:00","date_gmt":"2012-04-27T08:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14813"},"modified":"2012-12-27T17:48:43","modified_gmt":"2012-12-27T16:48:43","slug":"14813","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/04\/14813\/","title":{"rendered":"Spanien: Arbeitslosigkeit erreicht mit 24,4 Prozent historisches Hoch"},"content":{"rendered":"<p>Nach Angaben der spanischen Regierung wurden im ersten Quartal dieses Jahres 374.300 Arbeitspl\u00e4tze vernichtet. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt auf dem europaweiten Hoch von 52 Prozent<\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p><strong>Vor allem die Bereiche der Industrie (+20,18%) und der Agrarwirtschaft (+28,47%) sind betroffen. Damit rutschen die l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Regionen im S\u00fcden weiter in die Armut. In Bundesl\u00e4ndern wie Extremadura und Andaluc\u00eda betr\u00e4gt die Arbeitslosenquote jeweils \u00fcber 32% und 33%. Am h\u00e4rtesten trifft es dort ebenfalls die Jugend mit Erwerbslosigkeit von teilweise 70% aller Erwerbsf\u00e4higen unter 25 Jahren.<\/strong><\/p>\n<h4><em><strong>von Ren\u00e9 Kiesel, Berlin<\/strong><\/em><\/h4>\n<p>Es ist das Jahr der Arbeitsmarktreform, die im Februar eingef\u00fchrt wurde und laut der rechtskonservativen Regierung unter Mariano Rajoy (Partido Popular \u2013 Volkspartei) die Wirtschaft ankurbeln und Arbeitspl\u00e4tze schaffen sollte. Rajoy meinte lapidar, dass diese Reform ihn einen <a href=\"\/?p=14754\">Generalstreik<\/a> kosten wird und er wurde nicht entt\u00e4uscht. Insgesamt wurden in den letzten zw\u00f6lf Monaten sogar 729.400 Stellen vernichtet.<\/p>\n<p>Trotzdem seine Partei bei den nationalen Parlamentswahlen eine Mehrheit der Stimmen bekam und sie daraufhin die K\u00fcrzungssozialisten der PSOE abl\u00f6sten, hatte die spanische Arbeiterklasse und Jugend zurecht keine Hoffnung in das Programm des \u201eAufschwungs\u201c und der Rhetorik, dass Spanien nicht Griechenland w\u00e4re.<\/p>\n<p>Wie sehr die spanischen ArbeiterInnen nun nach den griechischen ausgepresst werden sollen, um die Vorgaben der Haushaltskonsolidierung durch die EU zu erf\u00fcllen, bekommen sie jetzt am eigenen Leib zu sp\u00fcren. Das j\u00e4hrliche Defizit soll in diesem Jahr von 8,5% des BIP auf 5,3% gesenkt werden (im Jahre 2013 dann auf 3%). Das bedeutet, dass unnachgiebig die Axt an Ausgaben f\u00fcr Soziales, Bildung und Gesundheit gesetzt wird. In einem Land, in dem die Arbeitslosenunterst\u00fctzung nur f\u00fcr ein Jahr gew\u00e4hrt wird und 2.385.400 Menschen \u00fcber einem Jahr ohne Arbeit sind!<\/p>\n<h4><strong>Krise ohne Ende und die Jugend trifft es am h\u00e4rtesten<\/strong><\/h4>\n<p>W\u00e4hrend die spanische Wirtschaft gemessen am realen Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr um 0,7% gewachsen ist (wobei sie bereits im dritten Quartal stagnierte und ab dem vierten in die Rezession abfiel), wird in diesem Jahr ein Absinken um 1,7% prognostiziert. Dabei ist sie bereits in den ersten drei Monaten 2012 um 0,5% geschrumpft. Bei einer Vertiefung der europa- und weltweiten Krise wird die Prognose bald nach oben korrigiert werden m\u00fcssen. Bisher rechnet selbst die Regierung mit insgesamt 630.000 neuen Arbeitslosen allein in diesem Jahr.<\/p>\n<p>Der Anstieg der Arbeitslosenquote unterscheidet sich zwischen M\u00e4nnern (+6,47%, auf 3.023.800) und Frauen (+7,49% auf 2.615.700) bislang nicht erheblich. Wobei die reine Statistik keine Aussage \u00fcber die nicht erfassten sozialen und famili\u00e4ren Desaster f\u00fcr viele Frauen treffen kann.<\/p>\n<p>Von den 5,6 Millionen ohne Arbeit ist es knapp eine halbe Million, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine Stelle sucht. Damit sind vor allem die unter 25-J\u00e4hrigen gemeint. Eine knappe Millionen von ihnen sind ohne Arbeit. 52,01% sind historischer Rekord. Seit Beginn der statistischen Erfassung gab es keine Zeit in Spanien, in der mehr Jugendliche ohne Lohnarbeit als mit waren.<\/p>\n<h4>Die Zeichen stehen auf Sturm?<\/h4>\n<p>Das Auge des Orkans der Eurokrise verschiebt sich von Griechenland zunehmend auf die iberische Halbinsel. In den letzten Jahren wurden sowohl in Portugal als auch Spanien brutale K\u00fcrzungspakete aufgelegt, die die Lebensgrundlage von Millionen zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Dagegen gab es vor einem Monat 24-st\u00fcndige Generalstreiks in beiden L\u00e4ndern, wobei in Spanien die Beteiligung gr\u00f6\u00dfer als erwartet war. Das wurde durch ein Zusammengehen der baskischen Gewerkschaften mit denen im restlichen Land und Teilnahme der Bewegung der Indignados erm\u00f6glicht \u2013 vor allem im industriellen Sektor.<\/p>\n<p>Gegen die K\u00fcrzungen im Bildungsbereich laufen seit Monaten Proteste, das brutale Vorgehen der Polizei gegen einer Sch\u00fclerdemonstration rief zehntausende auf die Stra\u00dfen. In breiten Schichten der Jugend ist ein Potential von enormer Sprengkraft gelegen, das im B\u00fcndnis mit der restlichen Arbeiterklasse zu einer rasanten Ver\u00e4nderung der politischen Landschaft und der Verh\u00e4ltnisse auf der Halbinsel f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Die Stimmanteile f\u00fcr das Linksb\u00fcndnis IU (Izquierda Unida \u2013 Vereinigte Linke) haben sich bei den meisten Regionalwahlen erheblich erh\u00f6ht und teilweise mehr als verdoppelt. Die Gewerkschaftsf\u00fchrung wurde zum letzten Generalstreik allein durch den Druck der Basis und gegen ihren erkl\u00e4rten Willen gezwungen. Die Vereinigte Linke wird, wie aus den Stimmanteilen ersichtlich, von einer Schicht von Leuten als kleineres \u00dcbel oder sogar Alternative zu PP und PSOE gesehen, nachdem sie sich lange diskreditiert hatte.<\/p>\n<p>Gerade w\u00e4hrend der Krise m\u00fcssen AktivistInnen in und au\u00dferhalb der traditionellen Organisationen den Unmut f\u00fcr sich nutzen, um eine Alternative aufzubauen. Dabei darf der Kampf gegen das europ\u00e4ische Kapital und den Internationalen W\u00e4hrungsfonds nicht auf ein Land beschr\u00e4nkt bleiben. Eine Koordinierung der Generalstreiks in Europa und Intensivierung (von 24 auf 48 Stunden in Spanien und Portugal) sind dazu notwendig.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chster Termin muss der 1. Mai f\u00fcr eine machtvolle Demonstration der Kr\u00e4fte der Arbeiterklasse und Jugend genutzt werden und ein Schritt sein, die Unt\u00e4tigkeit der Gewerkschaftsf\u00fchrung zu durchbrechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Angaben der spanischen Regierung wurden im ersten Quartal dieses Jahres 374.300 Arbeitspl&#228;tze vernichtet. 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