{"id":14811,"date":"2012-05-06T00:00:00","date_gmt":"2012-05-05T22:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14811"},"modified":"2012-05-09T15:24:06","modified_gmt":"2012-05-09T13:24:06","slug":"14811","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/05\/14811\/","title":{"rendered":"Rostock Lichtenhagen"},"content":{"rendered":"<p>  20 Jahre Naziterror<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/neu.sozialismus.info\/2012\/05\/14811\/s1_lichtenhagen\/\" rel=\"attachment wp-att-14882\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-14882\" title=\"S1_Lichtenhagen\" src=\"http:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/S1_Lichtenhagen-e1336487480942-280x148.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"148\" \/><\/a>Dass Neonazis nicht nur saubl\u00f6d sind, wie die SPD und Andere gern behaupten, sondern eine m\u00f6rderische Truppe sind, ist in fast jeder Stadt an der Masse an P\u00f6beleien und Angriffen und sogar Morden abzulesen. Anfang der Neunziger war das Naziproblem in Ostdeutschland besonders ausgepr\u00e4gt und eskalierte zum Beispiel im August 1992 in Rostock Lichtenhagen. <\/p>\n<h4>22.August 1992<\/h4>\n<p> 2000 Leute, zum gro\u00dfen Teil extra hingefahrene Neonazis, und f\u00fcr die Parolen offene AnwohnerInnen griffen zwei von MigrantInnen bewohnte H\u00e4user an: Die Aufnahmestelle f\u00fcr AsylbewerberInnen und ein Wohnheim, im dem VietnamesInnen wohnten, die als billige Arbeitskr\u00e4fte von der DDR-Regierung angeworben worden waren. \u00dcber mehrere Tage wurden zuerst Steine und sp\u00e4ter Molotow Cocktails geworfen. Die Menschenmenge wurde immer gr\u00f6\u00dfer. Schon Tage vorher war der Angriff nicht nur in Antifakreisen bekannt. Sogar die Presse hatte dar\u00fcber berichtet. Trotzdem wurden am ersten Wochenende der Rostocker Angriffe nur 30 Polizisten aus S\u00fcddeutschland geschickt. Der Oberb\u00fcrgermeister, der Innensenator und der stellvertretende Polizeidirektor waren im Urlaub. Letzterer hatte seinen Azubi per Zettel aufgefordert, den Job zu \u00fcbernehmen. <\/p>\n<h4>Wessen Freund und Helfer?<\/h4>\n<p> Als auf Dr\u00e4ngen besorgter AnwohnerInnen die Polizei aufkreuzte, sah sie sich mangels Personal und Ausr\u00fcstung \u201enicht in der Lage\u201c, die H\u00e4user und deren BewohnerInnen zu besch\u00fctzen. Stattdessen wurden AntifaschistInnen wegen angeblicher Gewaltbereitschaft und Landfriedensbruchs durchsucht, verpr\u00fcgelt und festgenommen, die sich den Naziangriffen in den Weg stellten und spontan demonstrierten. Als eine Woche sp\u00e4ter in Rostock eine bundesweit mobilisierte Gro\u00dfdemo gegen Naziterror statt fand, wurden 3000 Polizisten geschickt, um die Demo zu verhindern. Die Polizei leistete ganze Arbeit und hatte nun pl\u00f6tzlich genug Hubschrauber, Wasserwerfer und Personal zur Einsch\u00fcchterung der DemoteilnehmerInnen zur Verf\u00fcgung.  Die Konvois aus Berlin und Hamburg wurden vor der Stadt mehrere Stunden eingekesselt und auf Waffen durchsucht. Man fand nichts. Beschlagnahmt wurden aber Handschuhe, Schraubendreher und Schraubenschl\u00fcssel. \u00dcber 80 Menschen wurden dennoch festgenommen, unter anderem, weil sie Feuerzeuge dabei hatten, mit denen ja eventuell Molotow-Cocktails angez\u00fcndet werden k\u00f6nnten. <\/p>\n<h4>Rassistische Ossis?<\/h4>\n<p> Die weit verbreiteten rassistischen Vorurteile im Lichtenhagen des Jahres 1992 fielen nicht vom Himmel. Nachdem in der DDR Arbeitslosigkeit kein reales Problem war, sa\u00dfen Anfang der Neunziger im Osten viele pl\u00f6tzlich auf der Stra\u00dfe. Die Nazis beziehen die Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihre rassistische Schuldzuweisung aus Perspektivlosigkeit, Sozialabbau und einer fremdenfeindlichen Asylpolitik. Letztere ist mit ein Grund daf\u00fcr, dass viele Asylsuchende noch nicht einmal die Aufnahmestelle betreten durften und davor unter freiem Himmel schlafen mussten, ohne Zugang zu Duschen oder Toiletten, obwohl sie wussten, dass sie nicht erw\u00fcnscht waren und nicht aufgenommen werden w\u00fcrden. So war es f\u00fcr PolitikerInen, Nazis und die Presse leicht, das eigentliche Problem bei diesen Fl\u00fcchtlingen selbst zu sehen, statt beim Kapitalismus, der diese Zust\u00e4nde erst schafft. MigrantInnen, die nur geduldet sind, bekommen in vielen F\u00e4llen keine Arbeitserlaubnis und m\u00fcssen mit diskriminierenden Wertgutscheinen auskommen.  Lichtenhagen wurde als Anlass genutzt, um ein lange geplantes Vorhaben endlich umzusetzen: Die faktische Abschaffung des Asylrechts. Damit wurde das Problem nat\u00fcrlich nicht gel\u00f6st, sondern weiter versch\u00e4rft. <\/p>\n<h4>Alerta!Alerta!&#8230;<\/h4>\n<p> Bei Naziaufm\u00e4rschen werden antifaschistische Blockaden kriminalisiert und, sofern politisch umsetzbar, mit gro\u00dfem Polizeiaufgebot niedergepr\u00fcgelt. Die Gegenwehr aus der Bev\u00f6lkerung war damals in Rostock wichtig, um Schlimmeres zu verhindern, und ist es auch weiterhin. Auf wessen Seite dieser Staat steht, hat Lichtenhagen einmal mehr eindr\u00fccklich gezeigt. Der Jugendverband Linksjugend [&#8222;solid] plant anl\u00e4sslich des 20. Jahrestags der Pogrome von Lichtenhagen Plakatieraktionen, Mahnwachen, Filmabende in den Basisgruppen oder Infoveranstaltungen. So k\u00f6nnten sich die Basisgruppen und andere Interessierte die Geschichte ins Bewusstsein rufen und aus ihr f\u00fcr zuk\u00fcnftige Aktionen gegen den ganzen Nazischei\u00df lernen. <em>Torsten<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      20 Jahre Naziterror\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14811"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14811"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14811\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14811"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14811"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14811"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}