{"id":14793,"date":"2012-04-23T06:00:00","date_gmt":"2012-04-23T06:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14793"},"modified":"2012-05-09T14:06:35","modified_gmt":"2012-05-09T12:06:35","slug":"14793","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/04\/14793\/","title":{"rendered":"Es w\u00e4re mehr drin gewesen \u2013 Nein zu diesem Abschluss"},"content":{"rendered":"<p>  dokumentiert: Stellungnahme des Netzwerks f&#252;r eine k&#228;mpferische und   demokratische ver.di zum vorl&#228;ufigen Tarifergebnis<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Hunderttausende Kolleginnen und Kollegen haben sich an den Warnstreiks<br \/>  der letzten Wochen beteiligt. 23.000 Kolleginnen und Kollegen konnten<br \/>  neu f&#252;r die Gewerkschaft gewonnen werden. Damit wurde mehr als deutlich<br \/>  gemacht, dass die Besch&#228;ftigten im &#214;ffentlichen Dienst kampfbereit sind<br \/>  und endlich mehr Geld haben wollen, dass Schluss sein soll mit der<br \/>  Verzichtspolitik im &#214;ffentlichen Dienst. Noch in den Tarifverhandlungen<br \/>  wurde auch von der ver.di-Spitze verbreitet, dass es dies Mal anders<br \/>  laufen werde: Keine Schlichtung, Aufholen der Lohnverluste der letzten<br \/>  Jahre, Verbesserungen f&#252;r Auszubildende und Geringverdiener. Das dr&#252;ckte<br \/>  die Forderung aus: 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro, bei<br \/>  12 Monaten Laufzeit. 100 Euro f&#252;r die Auszubildenden mit anschlie&#223;end<br \/>  unbefristeter &#220;bernahme.<\/p>\n<p>  Das nun vorliegende Tarifergebnis f&#252;r die Besch&#228;ftigten bei Bund und<br \/>  Kommunen vom 31. M&#228;rz 2012 ist leider kein Ergebnis &#8222;mit viel Licht,<br \/>  aber auch Schatten&#8221;. Denn mit einem Streik h&#228;tte den Arbeitgebern mehr<br \/>  abgerungen werden k&#246;nnen, h&#228;tte ein Zeichen f&#252;r eine grundlegend andere<br \/>  Politik gesetzt werden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die politische Ausgangslage war gut und die Unterst&#252;tzung innerhalb der<br \/>  Bev&#246;lkerung zur Durchsetzung der Forderungen war gegeben. Die Ablehnung<br \/>  des Niedriglohnsektors ist in der Bev&#246;lkerung weit verbreitet. Sogar die<br \/>  arbeitnehmerfeindliche Ursula von der Leyen hatte sich f&#252;r &#8222;kr&#228;ftige<br \/>  Lohnerh&#246;hungen&#8220; ausgesprochen und daf&#252;r, dass die &#8222;Arbeitnehmer jetzt an<br \/>  den Erfolgen der Wirtschaft beteiligt werden&#8220;.<\/p>\n<p>  Offensiv h&#228;tte ver.di argumentieren k&#246;nnen, dass diese<br \/>  Auseinandersetzung Teil des politischen Kampfes gegen Prekarisierung und<br \/>  Lohndumping ist und dass mit dieser Tarifrunde eine Wende eingel&#228;utet<br \/>  werden muss und dass deshalb der Kampf um den Sockelbetrag von 200 Euro<br \/>  mehr f&#252;r jeden Kollegen und jede Kollegin gef&#252;hrt wird. Der laufende<br \/>  Wahlkampf in NRW h&#228;tte die Parteien zus&#228;tzlich unter Druck gesetzt.<\/p>\n<p>  Es w&#228;re m&#246;glich gewesen, die Streikaktionen der Metallbesch&#228;ftigten und<br \/>  der Telekom-KollegInnen mit den Streiks der Besch&#228;ftigten in Bund und<br \/>  Kommunen zu synchronisieren. Die Gewerkschaftsf&#252;hrungen h&#228;tten gemeinsam<br \/>  ausrufen k&#246;nnen: &#8222;F&#252;r die Rettung von Banken werden Milliarden<br \/>  ausgegeben, Wulff erh&#228;lt einen Ehrensold von mehreren Hunderttausend<br \/>  Euro. In der Privatindustrie steigen die Profite. Wo ist das Geld f&#252;r<br \/>  die Besch&#228;ftigten und wer will uns erz&#228;hlen, es sei kein Geld da?<br \/>  Millionen sind st&#228;rker als Million&#228;re!&#8220;<\/p>\n<p>  Mit einer solchen Strategie und politischen Zuspitzung h&#228;tten die<br \/>  Forderungen durchgesetzt werden k&#246;nnen. Das dies nicht geschehen ist,<br \/>  ist eine verpasste Chance. Damit wurde auch eine gro&#223;e Gelegenheit<br \/>  vers&#228;umt, den Niedriglohnsektor &#8211; der bei Bund und Kommunen ja schon<br \/>  lange Einzug erhalten hat &#8211; endlich wieder zur&#252;ckzudr&#228;ngen.<\/p>\n<h4>  Keine soziale Komponente<br \/><\/h4>\n<p>  Zentraler Bezugspunkt der aktuellen Tarifrunde waren die mindestens 200<br \/>  Euro. Das h&#228;tte f&#252;r die unteren Einkommensgruppen angesichts der<br \/>  explodierenden Lebenshaltungskosten den dringenden Nachholeffekt bewirkt<br \/>  und den immer gr&#246;&#223;er werdenden Abstand zu den oberen Lohngruppen<br \/>  verringert. Doch hier wurden die KollegInnen mit geringem Einkommen im<br \/>  Stich gelassen. F&#252;r viele KollegInnen in den unteren Lohngruppen hei&#223;t<br \/>  es weiterhin: Aufstocken mit Hartz IV. Allein die &#8222;kategorische<br \/>  Weigerung der Arbeitgeber&#8220; in diesem Punkt h&#228;tte f&#252;r die ver.di-<br \/>  Verhandlungsf&#252;hrer ausreichend sein m&#252;ssen, die Gespr&#228;che f&#252;r<br \/>  gescheitert zu erkl&#228;ren. Es wurde ja nicht einmal der Versuch<br \/>  unternommen, soziale Komponente und prozentualer Zuwachs zu kombinieren.<\/p>\n<p>  Laut Tabelle TV&#214;D VKA ab 1. M&#228;rz 2012 macht die Lohnerh&#246;hung f&#252;r die<br \/>  Gruppen 1 &#8211; 9\/3 +10\/1 zwischen 50,71 und 96,52 Euro aus, erst dar&#252;ber<br \/>  betr&#228;gt das Lohnplus zwischen 100,58 und 192,81. Selbst bei der<br \/>  2-j&#228;hrigen Laufzeit haben die Lohngruppen bis 9\/4, bzw.10\/3 die 200<br \/>  Euro-Marke nicht erreicht (Diff. Tabelle-Summe Ts&#246;D wp 30. M&#228;rz 2012).<\/p>\n<h4>  Viel zu lange Laufzeit<br \/><\/h4>\n<p>  Niemand kann sagen, wie sich die Inflation in den n&#228;chsten zwei Jahren<br \/>  entwickeln wird. Die Laufzeit wurde auf 24 Monate verl&#228;ngert und daf&#252;r<br \/>  benutzt den Abschluss auf 6,44 Prozent hochzurechnen. Zum vierten Mal in<br \/>  Folge wurde die Chance verspielt die Tariflaufzeiten von Bund und<br \/>  Kommunen mit denen der L&#228;nder zu synchronisieren und so gemeinsam in die<br \/>  Tarifauseinandersetzung gehen zu k&#246;nnen. Auch ein Arbeitskampf vor den<br \/>  Bundestagswahlen wurde so verhindert.<\/p>\n<h4>  Ein Tag Urlaub geopfert<br \/><\/h4>\n<p>  Beim Urlaubsanspruch wurde ohne Not ein Urlaubstag geopfert. Der Urlaub<br \/>  war in einer Gehaltsrunde nicht Thema der Verhandlungen. Erst Tage zuvor<br \/>  wurde vom Bundesarbeitsgericht (BAG) festgestellt, dass die Aufsplittung<br \/>  des Urlaubsanspruchs im Manteltarifvertrag (26, 29, 30 Tage) nach Alter<br \/>  nicht zul&#228;ssig sei, sondern das alle Besch&#228;ftigten, egal welchen Alters<br \/>  Anspruch auf 30 Tage haben.<\/p>\n<p>  In seinem Flugblatt vom 26. M&#228;rz 2012 hat das Stuttgarter Netzwerk schon<br \/>  darauf hingewiesen, dass Urlaub nicht als Kompensation genommen werden<br \/>  d&#252;rfe, zu Mal es sowieso nur eine Gehaltsrunde sei. Doch dazu ist es<br \/>  gekommen. Nun sollen die Auszubildenden 27 Tage Urlaubsanspruch haben,<br \/>  die Besch&#228;ftigten bis 55 (!) Jahre 29 Tage und danach 30 Tage.<\/p>\n<p>  Sicherlich h&#228;tten die Arbeitgeber die Urlaubsregelung von sich aus<br \/>  gek&#252;ndigt. Nun gut, dann h&#228;tte ver.di eben einen Streik zur Verteidigung<br \/>  des Urlaubsanspruchs f&#252;hren m&#252;ssen. Dieser w&#228;re angesichts der<br \/>  zunehmenden Arbeitsverdichtung sicherlich auf gro&#223;e Unterst&#252;tzung<br \/>  gesto&#223;en.<\/p>\n<h4>  Bescheidene Lohnerh&#246;hung<br \/><\/h4>\n<p>  Das Ergebnis l&#228;sst sich verschieden interpretieren. Selbst Michael<br \/>  Wendl, ehemals stellvertretender ver.di-Vorsitzender in Bayern, schreibt<br \/>  in seiner Stellungnahme: &#8222;Lineare Erh&#246;hungen mit vom Kalenderjahr<br \/>  abweichender Laufzeit werden zur Bewertung unterschiedlich gerechnet.<br \/>  Einmal nach der so genannten Westrick-Formel, um einen Vergleich mit der<br \/>  j&#228;hrlich fixierten Inflationsrate zu haben, zum zweiten nach dem<br \/>  tabellenwirksamen Effekt, auf dem die Lohn- oder Entgelterh&#246;hungen der<br \/>  folgenden Jahre aufsetzen. Nach der Westrick-Formel bekommen wir 2012<br \/>  eine Erh&#246;hung von umgerechnet 2,92 Prozent und 2013 von rund 1,98<br \/>  Prozent.&#8221;<\/p>\n<p>  Gleichzeitig werden aber auch die Entgelte am 28. Februar 2014 6,3<br \/>  Prozent &#252;ber denen vom 28. Februar 2012 liegen. Wie sich die<br \/>  Inflationsrate im gleichen Zeitraum entwickelt ist aber v&#246;llig offen.<br \/>  Die steigenden Benzinpreise (und damit auch steigende Heizkosten)<br \/>  verhei&#223;en jedenfalls nichts gutes. Ebenso stiegen 2011 Steuern und<br \/>  Sozialabgaben so stark wie seit 17 Jahren nicht mehr. Im Schnitt stieg<br \/>  die Abgabenbelastung damit um 553 Euro im Jahr. Da bleibt von der<br \/>  jetzigen Lohnerh&#246;hung wenig &#252;brig.<\/p>\n<p>  Das Aufsummieren &#252;ber zwei Jahre bringt aber auch nichts. Dieser Logik<br \/>  folgend h&#228;tte auch ein Tarifabschluss von 15,75 Prozent, aufgeteilt in<br \/>  verschiedene Abstufungen &#252;ber 60 Monate ausgehandelt und als Erfolg<br \/>  verkauft werden k&#246;nnen. Ein Grund mehr, warum sich das Netzwerk f&#252;r<br \/>  klare Festgelderh&#246;hungen auf j&#228;hrlicher Basis einsetzt. Die sind f&#252;r<br \/>  jeden einfach nachpr&#252;fbar.<\/p>\n<p>  Aber vor allem w&#228;re mehr drin gewesen und auch mehr n&#246;tig gewesen. Nicht<br \/>  zu Unrecht hie&#223; es den Tarifinfos, dass im &#214;ffentlichen Dienst<br \/>  mittlerweile deutlich schlechter als in der Privatwirtschaft bezahlt<br \/>  wird.<\/p>\n<h4>  Erfolg f&#252;r Auszubildende?<br \/><\/h4>\n<p>  Die Lohnerh&#246;hungen f&#252;r Auszubildende fallen zwar h&#246;her aus als ingesamt.<br \/>  Das ist gut, aber angesichts steigender Kosten und vor allem der<br \/>  Tatsache, dass mehr Jugendliche fr&#252;her auf eigenen Beinen stehen m&#252;ssen<br \/>  als fr&#252;her, weil die Eltern einfach weniger Geld haben, bleibt es zu<br \/>  wenig. 750 Euro pro Monat. Das reicht kaum zum Leben.<\/p>\n<p>  Auch die &#220;bernahmeregelung ist bescheidener als sie verkauft wird. In<br \/>  den FAQ zum Abschluss hei&#223;t es: &#8222;Gibt es jetzt eine unbefristete<br \/>  &#220;bernahme f&#252;r Auszubildende?!Eine echte unbefristete &#220;bernahme f&#252;r alle<br \/>  Auszubildenden gibt es leider nicht. Hierzu waren die Arbeitgeber nicht<br \/>  bereit.&#8221; (Quelle: ver.di FAQ zum Tarifabschluss)<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich waren die Arbeitgeber dazu nicht bereit. Warum sollten sie<br \/>  auch? Sie waren auch nicht zur Zahlung von Lohnerh&#246;hungen bereit und<br \/>  mussten durch Warnstreiks dazu gezwungen werden.<\/p>\n<p>  Was die ver.di-Spitze als &#8222;unbefristet&#8220; bezeichnet, relativiert sie<br \/>  selbst im Nachsatz. Denn die folgenden Zus&#228;tze und genaugenommen<br \/>  Einschr&#228;nkungen sind so schwammig formuliert, dass sich der<br \/>  auszubildende Betrieb aussuchen kann wie er es drehen und wenden m&#246;chte.<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich hei&#223;t es zum Beispiel bei der Frage des Bedarfs: &#8222;Der<br \/>  dienstliche bzw. betriebliche Bedarf muss zum Zeitpunkt der Beendigung<br \/>  der Ausbildung nach Satz 1 vorliegen und setzt zudem eine freie und<br \/>  besetzbare Stelle bzw. einen freien und zu besetzenden Arbeitsplatz<br \/>  voraus, die\/der eine ausbildungsad&#228;quate Besch&#228;ftigung auf Dauer<br \/>  erm&#246;glicht.&#8221; (Endfassung der Einigung)<\/p>\n<p>  Sprich, wenn zum Abschluss der Ausbildung ein unbefristeter Arbeitsplatz<br \/>  im Beruf des Azubis vorhanden ist, dann wird er nach einj&#228;hriger<br \/>  Bew&#228;hrung unbefristet eingestellt. Nur das passiert auch heute schon.<\/p>\n<p>  Zur Frage der Bew&#228;hrung hei&#223;t es in den FAQ: &#8222;Zu der Frage der Bew&#228;hrung<br \/>  kann auf zur&#252;ckliegende Rechtsprechung im Zusammenhang mit dem fr&#252;heren<br \/>  Bew&#228;hrungsaufstieg verwiesen werden. Folglich hat sich bew&#228;hrt, wer die<br \/>  aus der &#252;bertragenen T&#228;tigkeit resultierenden, arbeitsvertraglichen<br \/>  Pflichten und Anforderungen erf&#252;llt. Kommt jemand diesen Pflichten nicht<br \/>  nach, bzw. kann die Anforderungen nicht hinl&#228;nglich erf&#252;llen, hat der<br \/>  Arbeitgeber dies innerhalb der Bew&#228;hrungszeit mitzuteilen und dem<br \/>  Besch&#228;ftigten Gelegenheit auf Nachbesserung zu geben.&#8221; (Quelle: ver.di<br \/>  FAQ zum Tarifabschluss).<\/p>\n<p>  Das l&#228;sst leider auch wie bisher Interpretationspielr&#228;ume zu. Es ist zu<br \/>  bef&#252;rchten, dass der wahre Wert der getroffenen Regelung erst durch<br \/>  viele Arbeitsgerichtsverfahren wird erstritten werden m&#252;ssen.<\/p>\n<h4>  Wir sagen &#8222;Nein&#8221; bei der Mitgliederbefragung<br \/><\/h4>\n<p>  Wie zu erfahren war (Junge Welt 2. April 2012), hat die Tarifkommission<br \/>  den ausgehandelten Kompromiss zun&#228;chst abgelehnt. Das man so lange<br \/>  abstimmt, bis das Ergebnis passt, dass kannten wir bisher nur aus der<br \/>  Politik.<\/p>\n<p>  Wir forderten in der Vergangenheit und fordern f&#252;r die Zukunft: Keine<br \/>  geheimen und abgeschlossenen, sondern transparente und f&#252;r die<br \/>  Mitglieder jeder Zeit nachverfolgbare Verhandlungen. Es darf nicht sein,<br \/>  dass man drei Tage nur Ger&#252;chte h&#246;rt und in Unwissenheit gehalten wird.<br \/>  Transparenz dr&#252;ckt sich in soweit aus, dass nach jedem<br \/>  Verhandlungsteilschritt informiert wird und dass vor einer Abstimmung<br \/>  die M&#246;glichkeit der R&#252;ckmeldung der Mitlieder an die (einzelnen)<br \/>  Tarifdelegationen besteht. Im Zeitalter der elektronischen Kommunikation<br \/>  sollte das keine un&#252;berwindbare H&#252;rde sein.<\/p>\n<p>  Die Vorraussetzungen in dieser Tarifrunde waren g&#252;nstig zumal es die<br \/>  Perspektive gab mit den Kolleginnen von Telekom und Metall gemeinsam zu<br \/>  streiken. Mehr als 300.000 KollegInnen beteiligten sich an der zweiten<br \/>  Warnstreikwelle. In vielen Bereichen war die Beteiligung sehr gro&#223; bis<br \/>  nahezu 100 Prozent. Darauf h&#228;tte man aufbauen k&#246;nnen. Druckpotenzial war<br \/>  also mehr als vorhanden. In Ostdeutschland w&#228;re es schwieriger gewesen,<br \/>  hei&#223;t es . Doch wie soll man denn eine Gewerkschaft aufbauen, wenn man<br \/>  nicht k&#228;mpft? In Berlin haben die KollegInnen bei Charite und CFM<br \/>  gezeigt, dass auch mit niedrigen Organisationsgrad Verbesserungen<br \/>  erk&#228;mpft und neue Mitglieder f&#252;r die Gewerkschaft gewonnen werden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Aber von der ver.di-Spitze wurden die Warnstreiks nicht als<br \/>  Ausgangspunkt eigener St&#228;rke begriffen, um darauf aufbauend die mehr als<br \/>  berechtigten Forderungen in einem Erzwingungsstreik durchzusetzen,<br \/>  sondern es wurde ohne Not ein Abschluss vereinbart. Daher lehnen wir das<br \/>  vorl&#228;ufige Verhandlungsergebnis ab und fordern alle KollegInnen auf,<br \/>  dies in der Mitgliederbefragung ebenfalls zu tun.<\/p>\n<p>  Die ver.di-Spitze droht nun mit einem Zur&#252;ck auf Null, und damit dass<br \/>  die Arbeitgeber eine harte Linie fahren werden. Die Antwort kann nur<br \/>  sein, dass wir dann auch eine harte Linie fahren m&#252;ssen. Mal sehen was<br \/>  passiert wenn nicht nur die Kitas geschlossen sind sondern auch am<br \/>  Frankfurter und anderen Flugh&#228;fen nichts mehr geht. Die<br \/>  Kampfbereitschaft ist da. Das haben die Warnstreiks mehr als deutlich<br \/>  gezeigt.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig endet der Tarifvertrag in der Metall- und Elektroindustrie,<br \/>  ver.di-Mitglieder bei der Deutschen Telekom bereiten sich auf einen<br \/>  Streik vor. Dies w&#228;re DIE Chance, durch zeitgleiche Streiks, gemeinsame<br \/>  Demonstrationen und Kundgebungen den Druck aus den Betrieben aufzubauen,<br \/>  um tats&#228;chlich die massiven Reallohnverluste aus den letzten zehn Jahren<br \/>  zur&#252;ckzuholen. Mehr noch &#8211; es w&#228;re eine M&#246;glichkeit, gemeinsam St&#228;rke zu<br \/>  zeigen, Kampfkraft zu erproben. Die Bedeutung der Gewerkschaften als<br \/>  Kampforganisationen w&#252;rde wieder aufgezeigt und viele Besch&#228;ftigte<br \/>  w&#252;rden wieder einen Sinn darin sehen, sich zu organisieren. Noch<br \/>  wichtiger: die Besch&#228;ftigten w&#252;rden ihre eigene St&#228;rke sp&#252;ren und die<br \/>  Arbeitgeberseite in ihre Schranken verwiesen. Es w&#252;rde die<br \/>  Ausgangsposition f&#252;r die Masse der Besch&#228;ftigten in zuk&#252;nftigen<br \/>  Auseinandersetzungen, die in Anbetracht der Krise des Kapitalismus sehr<br \/>  hart werden, enorm verbessern. Mit einer solchen Bewegung w&#252;rden die<br \/>  Arbeitgeber zum Nachgeben gezwungen werden k&#246;nnen. Es wird also Zeit,<br \/>  Alleing&#228;nge und Konkurrenzverhalten der Einzelgewerkschaften<br \/>  abzuschaffen und stattdessen daf&#252;r zu sorgen, dass an einem Strang<br \/>  gezogen wird. Davon profitieren letztlich alle Einzelgewerkschaften und<br \/>  ihre Mitglieder.<\/p>\n<h4>  Radikalen Kurswechsel durchsetzen<br \/><\/h4>\n<p>  Gerade aufgrund der sich versch&#228;rfenden Staatschulden- und<br \/>  kapitalistischen Krise brauchen wir dringender denn je k&#228;mpferische und<br \/>  demokratische Gewerkschaften. Wenn wir nicht die volle Kampfkraft der<br \/>  Gewerkschaften in die Waagschale werfen, werden Unternehmer und<br \/>  Regierungen ihre Politik der Umverteilung von unten nach oben radikal<br \/>  fortsetzen. Wir brauchen konsequent gef&#252;hrte Tarifk&#228;mpfe, Streiks in<br \/>  einzelnen Branchen, branchen&#252;bergreifend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      dokumentiert: Stellungnahme des Netzwerks f&#252;r eine k&#228;mpferische und<br \/>\n      demokratische ver.di zum vorl&#228;ufigen Tarifergebnis\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,18],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14793"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14793"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14793\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14793"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14793"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14793"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}