{"id":14766,"date":"2012-04-14T00:00:00","date_gmt":"2012-04-13T22:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14766"},"modified":"2012-05-09T14:13:14","modified_gmt":"2012-05-09T12:13:14","slug":"14766","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/04\/14766\/","title":{"rendered":"Syrien: Gegen Assad und gegen den Imperialismus"},"content":{"rendered":"<p>  Der Kampf f&#252;r demokratische Rechte und die soziale Lage in Syrien<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n<!-- too long \"tooLong-sid0\" --><\/p>\n<p>  <b>Am 16. Februar verabschiedete die Generalversammlung der UNO eine   unverbindliche Resolution, welche die Forderung der Arabischen Liga nach   einem R&#252;cktritt Assads unterst&#252;tzte. Sie kn&#252;pfte an eine fr&#252;here   Resolution des Sicherheitsrates vom 31. Januar an, die von Russland und   China abgelehnt worden war. Die Resolution beinhaltete die Entsendung   von &#8222;Friedenstruppen&#8220;, die in die eskalierenden K&#228;mpfe zwischen der   syrischen Regierung und der Opposition eingreifen sollten, sowie die   Forderung an Assad, seine Macht abzugeben. Laut Russland er&#246;ffnet die   Resolution den Weg f&#252;r einen B&#252;rgerkrieg in Syrien. Assads Regime   verk&#252;ndete, es werde &#8222;jeden Versuch aus dem Ausland, Chaos in Syrien zu   verursachen, verhindern&#8220;. <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Aysha Zaki<\/i><\/h4>\n<p>  In den letzten Wochen hat das Regime seine Armee, Sicherheitskr&#228;fte und   schwere Waffen gegen die Oppositionsgruppen zum Einsatz gebracht.   Berichten zufolge schlie&#223;en sich den bewaffneten Oppositionsgruppen auch   immer mehr ehemalige Soldaten der syrischen Armee an. Die Armee des   Regimes bombardiert St&#228;dte, t&#246;tet jeden Tag Aufst&#228;ndische, verhaftet   AktivistInnen und f&#252;hrt brutale Sanktionen gegen ganze St&#228;dte aus. Diese   sind von Gas, Strom, Telefon oder Internetverbindungen und oftmals auch   einigen Nahrungsmitteln abgeschnitten. Es wird berichtet, die Angriffe   der Staatsmacht h&#228;tten Wohnungen, Schulen und Krankenh&#228;user zum Ziel,   wobei Kinder und Frauen get&#246;tet w&#252;rden. Ganze Familien w&#252;rden aus ihren   Stadtvierteln vertrieben und lebten unter unertr&#228;glichen Bedingungen.<\/p>\n<p>  Andere Berichte erz&#228;hlen eine andere Geschichte. Einige   Oppositionsgruppen bewaffnen sich, um die Proteste zu verteidigen, in   einigen F&#228;llen um Vergeltungsschl&#228;ge gegen das Regime zu ver&#252;ben. Sie   w&#252;rden Stra&#223;enkontrollen in St&#228;dten und Stadtvierteln errichten. Es gibt   Berichte von Entf&#252;hrungen, &#220;bergriffen und L&#228;den, die gezwungen sind, zu   schlie&#223;en und zu streiken. Menschen, die sich noch nicht am Aufstand   beteiligt haben, seien erschrocken und blieben zu Hause. Nat&#252;rlich nutzt   das Assad-Regime diese in einen bewaffneten Konflikt eskalierende   Situation aus und versucht, jeden Widerstand zu unterwerfen, um ein   &#220;bergreifen des Massenaufstands auf Damaskus zu verhindern. Das Ergebnis   sind &#252;ber 5.000 Tote, ohne die Soldaten des Regimes, aber inklusive den   Deserteuren. Sch&#228;tzungen zufolge sind auch um die 2.000 Soldaten des   regimetreuen Milit&#228;rs umgekommen.<\/p>\n<p>  Seit nunmehr elf Monaten entfesselt Assads Regime seine Milit&#228;rkr&#228;fte im   Versuch, den Aufstand zu zerschlagen. Doch er konnte die Ereignisse   nicht umkehren. Der brutale Diktator Assad hat Panzer in D&#246;rfer und   St&#228;dte geschickt, wo die Aufst&#228;ndischen konsequent seinen R&#252;cktritt   fordern, auch nach Daraa, Homs, Hama, Idlib und Vororte von Damaskus. Zu   den tausenden Toten und Verletzten kommen Zehntausende, die verhaftet   und gefoltert wurden oder vermisst werden, unter ihnen Frauen und Kinder.<\/p>\n<h4>  Der Aufstand 2011<\/h4>\n<p>  Der Aufstand begann in Deraa vor 11 Monaten und breitet sich als   Massenprotestbewegung gegen die Korruption der herrschenden Elite aus.   Bei den meisten Forderungen ging es zu Beginn um die immer   unertr&#228;glicheren sozialen und &#246;konomischen Bedingungen, unter denen die   ArbeiterInnen und Armen in den St&#228;dten und auf dem Land zu leiden haben.   Inspiriert durch die Revolutionen, welche 2011 durch die gesamte Region   fegten, entwickelten sich die Proteste schnell zu einem revolution&#228;ren   Aufstand der ArbeiterInnen und Jugend. Sie wehren sich heroisch gegen   die Kugeln und die Massenverhaftungen der monstr&#246;sen Staatsmaschinerie.   Die Forderungen versch&#228;rften sich bis hin zum Ruf nach dem Sturz des   Assad-Regimes und der korrupten und repressiven Herrschaft seines Clans.<\/p>\n<p>  Der syrische Aufstand begann, als der Westen sich dem Regime gegen&#252;ber   offener zeigte und Verbindungen mit ihm kn&#252;pfte. Der Aufstand ist das   Ergebnis der rasanten neoliberalen Wirtschaftsma&#223;nahmen und der   Pl&#252;nderung des Reichtums im Land, welche zum Zusammenbruch der syrischen   Industrie und Landwirtschaft sowie zur Verarmung der Arbeiterklasse   f&#252;hrten. Diese Verarmung und die wachsende Arbeitslosigkeit, welche eine   gro&#223;e Anzahl an Jugendlichen und Armen auf dem Land betrifft,   resultieren aus Assads neoliberaler Politik, die mit Korruption und   Dominanz seines Clans &#252;ber die Wirtschaft einher geht.<\/p>\n<p>  Aber trotz der Versuche der Opposition, Streikaktionen und   Verteidigungskomitees zu organisieren, entwickelt sich der Kampf   j&#252;ngsten Berichten zufolge zu einem bewaffneten Konflikt zwischen   verschiedenen Regimegegnern mit unterschiedlichen Charakteristika und   den Staatskr&#228;ften. Diese potentiell sehr gef&#228;hrliche Entwicklung ist   eine Folge des Fehlens einer Massenalternative zu Assad, die in der Lage   ist, ArbeiterInnen und die Armen in ganz Syrien zu erreichen und zu   organisieren, und einen Klassenappell an die einfachen Soldaten der   Streitkr&#228;fte zu richten, um die Armee entlang der Klassenlinien zu   spalten. Eine sozialistische Massenpartei ist die einzige Kraft, die   f&#228;hig w&#228;re, die Massen zu vereinigen und der verrotteten   kapitalistischen Klasse Syriens die Macht zu entrei&#223;en.<\/p>\n<h4>  Brutales Regime und zunehmendes Blutvergie&#223;en<\/h4>\n<p>  Heute zeigen die schrecklichen Bilder von Morden an M&#228;nnern, Frauen und   Kindern (von denen einige bei YouTube zu sehen sind) nicht nur   Protestierende, die von den Sicherheitskr&#228;ften angegriffen oder   erschossen werden, sondern auch bewaffnete Gruppen, die ihre Gebiete   gegen die brutalen Angriffe des repressiven Regimes verteidigen. Die   Bilder zeigen zunehmend die T&#246;tung bewaffneter M&#228;nner und wahllose   Bombardierungen von kleineren und gr&#246;&#223;eren St&#228;dten seitens des Staates.   Von diesen St&#228;dten sind einige bereits an sektiererischen und   konfessionellen Linien gespalten, so wie Homs. Menschenrechtsgruppen ,   die t&#228;glich die Anzahl der Toten, Verletzten und Verhaftungen   festhalten, sehen dies als wachsenden Trend, was auch die Namen auf den   Opferlisten best&#228;tigen.<\/p>\n<p>  Horrorberichte sprachen vor kurzem von einigen F&#228;llen besonders   grausamer T&#246;tungen auf beiden Seiten &#8211; Bilder, die der Konflikt im Irak   vor einigen Jahren in das Bewusstsein der arabischen Massen in der   Region eingebrannt hat. In den letzten paar Wochen rief das &#8222;Lokale   Koordinationskomitee&#8220; zu Freitagsdemonstrationen auf und betonte dabei,   dass diese friedlich sein sollten. Das Komitee warnt bei diesen   w&#246;chentlichen Aufrufen davor, dass die Protestbewegung mit der Gewalt   infiziert werden k&#246;nnte, welche das Regime s&#228;t und die   Widerstandsbewegung in Teilen des Landes zu charakterisieren beginnt.   Syrische AktivistInnen berichten von der Angst vieler Menschen davor,   dass diese Gewalt zu jenem blutigen Chaos f&#252;hrt, das der Region nur   allzu vertraut geworden ist, besonders den Menschen in Irak und Libanon.<\/p>\n<p>  SozialistInnen unterst&#252;tzen das Recht auf Bewaffnung f&#252;r die Rebellen   und revolution&#228;ren Gruppen, angesichts der kaltbl&#252;tigen Morde,   Folterungen, und Verhaftungen von AktivistInnen durch das brutale   Assad-Regime, das seine &#252;berw&#228;ltigende milit&#228;rische St&#228;rke einsetzt.   Aber damit der Widerstand effektiv ist und die Basis f&#252;r eine   Regierungsalternative legt, muss er sich auf demokratisch gew&#228;hlte   Verteidigungskomitees der ArbeiterInnen und Armen st&#252;tzen. Diese w&#252;rden   als rechenschaftspflichtige bewaffnete Einheiten handeln, um die   Massenproteste zu sch&#252;tzen. Von der &#8222;Freien Syrischen Armee&#8220;, welche   sich selbst zur &#8222;Verfechterin der Revolution&#8220; erkl&#228;rt und aus 25.000   desertierten Soldaten und Offizieren besteht, wird berichtet, dass sie   von verschiedenen reaktion&#228;ren arabischen Staaten gef&#246;rdert wird, wie   der Saudi-Diktatur und der Autokratie in Katar. Filmausschnitte zeigen   Soldaten der Freien Syrische Armee als &#8222;Guerillak&#228;mpfer&#8220;. In Interviews   sagen sie aus, sie w&#252;rden von lybischen Rebellentruppen, k&#228;mpfenden   Hisbollah, iranischen K&#228;mpfern sowie aus der syrischen Armee   unterst&#252;tzt. Egal wie wahr oder falsch, diese Berichte zeigen in jedem   Fall die Unw&#228;gbarkeit der Lage, die dem Regime immer mehr entgleitet.   Dieser Umschwung in der Protestbewegung weist auf die Gefahr hin, dass   die Bewegung den BasisaktivistInnen aus den H&#228;nden genommen und sich von   Massenprotesten zu bewaffneten K&#228;mpfen zwischen unberechenbaren Milizen   entwickelt. Wie das CWI in fr&#252;heren Artikeln und Stellungnahmen betont   hat, kann die syrische Revolution nur auf Basis einer unabh&#228;ngigen   Massenbewegung der ArbeiterInnen und Armen, die mit dem Kapitalismus   bricht, das Leben der breiten Mehrheit ver&#228;ndern.<\/p>\n<p>  Das bedeutet auch, weder in die imperialistischen M&#228;chte noch die   regionalen autokratischen Diktaturen irgendein Vertrauen zu haben. Trotz   all ihrer sch&#246;nen Worte &#252;ber die Verteidigung des syrischen Volkes haben   M&#228;chte wie die USA und Gro&#223;britannien zu den Angriffen Israels auf den   Libanon 2006 und Gaza 2009 geschwiegen. Sie kritisierten auch die   brutale Unterdr&#252;ckung der Protestbewegung in Bahrain im letzten Jahr   durch den bahrainischen und saudischen Staat nur sehr milde, ebenso wie   das anhaltende Vorgehen gegen die Rebellen seit diesen Protesten. Die   Arabische Liga ist alles andere als eine Gruppe demokratischer oder   &#8222;neutraler&#8220; Regimes und ist in keiner Weise in einer Position, Predigten   &#252;ber demokratische Rechte zu halten.<\/p>\n<h4>  Rechte islamistische Gruppen<\/h4>\n<p>  Die arabischen Satelliten-Nachrichtensender, von denen die meisten von   den despotischen Regimes gegr&#252;ndet wurden, berichten wie in &#196;gypten,   Libanon und Irak selten &#252;ber die Rolle der rechtsradikalen   islamistischen Gruppen in Syrien, z.B. den von Saudi Arabien und Katar   gegr&#252;ndeten Salafisten. Die Rolle von Takfiri-Gruppen in Syrien wird   zwar vom Regime &#252;berbetont (Takfiris werden als gewaltt&#228;tige Spr&#246;sslinge   der Salafi &#8211; Bewegung betrachtet und sunnitische Gruppen haben das   Konzept bereits schon fr&#252;her benutzt, um Angriffe auf Schiiten zu   rechtfertigen), aber sie versuchen, Zwietracht entlang sektierischen und   konfessionellen Linien zu s&#228;en. In den letzten Wochen wird aus St&#228;dten   wie Homs berichtet, Kinder aus einer Gemeinschaft w&#252;rden aus ihren   &#246;rtlichen Schulen aus sektiererischen Gr&#252;nden ausgeschlossen bzw.   vertrieben. Gruppen von Menschen fl&#246;hen aus Angst vor blutiger   sektiererischer Rache von einem Teil des Landes in den anderen. Zivile   Busse, die PendlerInnen oder Regierungsangestellte bef&#246;rdern, w&#252;rden   hinterr&#252;cks &#252;berfallen und die Fahrg&#228;ste entweder befreit oder get&#246;tet &#8211;   abh&#228;ngig davon, zu welcher Religionsgemeinschaft sie geh&#246;ren. Die Morde   werden als besonders grausam und furchtbar beschrieben.<\/p>\n<p>  Einige oppositionelle AktivistInnen sagen, dass sie sich zeitweilig von   der Protestbewegung zur&#252;ckgezogen h&#228;tten, aus Angst und als Protest   gegen eine Entwicklung, die auf B&#252;rgerkrieg und sektiererische   Auseinandersetzungen zusteuert. Das Regime wird weithin korrekterweise   f&#252;r diese Entwicklung verantwortlich gemacht, da es politische   Islamisten in der Vergangenheit unterdr&#252;ckt und massakriert hat, und   deswegen deren Bedeutung als mit am h&#228;rtesten Unterdr&#252;ckte verst&#228;rkt   hat. Die politischen Islamisten genossen auch die Finanzierung und   Unterst&#252;tzung der sunnitischen Elite der Region. Aufgrund dieser   Entwicklungen haben viele SyrerInnen Angst davor, was nach dem Sturz des   Assad-Regimes kommen mag. Aber die Verschlechterung der Situation   spiegelt auch das Versagen der Opposition wider, neben den   demokratischen auch soziale und politische Forderungen aufzustellen und   eine Massenbewegung der ArbeiterInnen und der Armen aufzubauen. Um ein   alternatives Programm der Arbeiterklasse w&#252;rden sich arbeitende und arme   Menschen vereinigen lassen. Solch eine Bewegung w&#252;rde imperialistische   Interventionen ablehnen und vereint gegen die gesamte korrupte und   repressive syrische Kapitalistenklasse vorgehen &#8211; die   Pro-Assad-Vertreter sowie die vom Big Business gest&#252;tzten   &#8222;Oppositionsf&#252;hrer&#8220; im Exil. Diese Herangehensweise w&#252;rde sich auf einer   Klassenbasis an die einfachen Soldaten in der Armee wenden und sie   auffordern, sich dem Aufstand anzuschlie&#223;en und eine Revolution   durchzuf&#252;hren, die das Leben der Masse der SyrerInnen umwandeln w&#252;rde &#8211;   auch das der Arbeiter in Uniform.<\/p>\n<h4>  Auslandseinsatz<\/h4>\n<p>  Viele Analysten sprechen von einem &#8222;neuen Scheideweg&#8220; an welchem Syrien   stehe: der R&#252;ckzug des US-Milit&#228;rs aus dem Irak bedeutet einige   Ver&#228;nderungen in der Region. Einige weisen auf die Kollaboration der   USA, Europas und ihrer arabischen Verb&#252;ndeten mit verschiedenen Teilen   der syrischen Opposition hin, um Assad zu st&#252;rzen. Teil dieser Pl&#228;ne ist   die prominenteste Gruppe in der Opposition, der Syrische Nationalrat   (SNC), mit regimekritischern Figuren wie Ghalioun, der eine   F&#252;hrungsposition im SNC innehat und auf einen &#228;hnlichen Aktionsplan wie   der Intervention in Libyen dr&#228;ngt. Nat&#252;rlich sind die westlichen M&#228;chte   und die arabischen Staaten angesichts der Gefahren oder der Konsequenzen   noch nicht bereit, diesen Forderungen nachzukommen.<\/p>\n<p>  Obwohl jedoch die westlichen M&#228;chte sicherlich weniger an einem Angriff   auf Syrien interessiert sind &#8211; aufgrund seiner demografischen   Komplexit&#228;t, den potentiellen Nebenwirkungen eines Milit&#228;reinsatzes und   weil es nicht Libyens &#214;lvorkommen besitzt &#8211; ist es im Interesse der   arabischen &#214;lstaaten und des Imperialismus, das iranische Regime durch   eine Schw&#228;chung der Herrschaft Assads zu isolieren. Die Ank&#252;ndigung   Assads, ein &#8222;Verfassungsreferendum&#8220; am 26. Februar und danach Wahlen   abzuhalten, illustriert den Druck, unter welchem sich das syrische   Regime infolge der unerm&#252;dlichen Massenwiderstandes und der Auswirkungen   der Wirtschaftssanktionen befindet. Dies mag ein Trick des Regimes sein   im Versuch, Teile der vom Westen unterst&#252;tzten Oppositionsgruppen in die   Regierung einzubinden. Dies gesch&#228;he nat&#252;rlich auf Kosten der   Protestierenden, deren Lebensstandard sich nicht fundamental verbessern   wird. Ein Milit&#228;reinsatz kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, da die   herrschende Elite um Assad sich weigert, ihre Position, Macht, Reichtum   und Einfluss auf katarische und syrische Gesch&#228;ftsleute im Exil   aufzugeben. Am Ende hat Katar angek&#252;ndigt, dass es nicht nur einen   Milit&#228;reinsatz in Syrien finanzieren wird, sondern auch den   &#8222;Wiederaufbau&#8220; danach. Denn neben seinem enormen Reichtum ist Syrien auf   regionaler Ebene von strategischer Bedeutung f&#252;r die Oligarchen.<\/p>\n<p>  Da sich die Erfahrung des libanesischen B&#252;rgerkrieges sehr viel eher auf   Syrien &#252;bertragen l&#228;sst als die Erfahrungen in Libyen oder im Jemen, da   sich die zwei Nachbarl&#228;nder mit ihren sektierischen Spaltungen und   politischen Ausrichtungen &#228;hneln, w&#252;rde die Allianz Westeuropa-USA im   Bunde mit den Golfstaaten und der T&#252;rkei mit jedem milit&#228;rische   Eingreifen eine Destabilisierung der Region riskieren. Dar&#252;ber hinaus   w&#252;rde ein solches Eingreifen lang-, wenn nicht gar kurzfristig, von den   Massen der Region abgelehnt werden, die bittere Erfahrungen mit dem   Imperialismus gemacht haben. Zus&#228;tzlich m&#252;ssen die &#214;lstaaten am Golf die   demografische Zusammensetzung ihrer eigenen Bev&#246;lkerung und die   Instabilit&#228;t ihrer eigenen Regimes bedenken, denn die Massen am Golf   f&#252;hlen sich zunehmend inspiriert von den Revolutionen in der arabischen   Region. Dies hei&#223;t jedoch nicht, dass andere Formen eines vom Ausland   gef&#246;rderten Konfliktes in Syrien nicht m&#246;glich sind, wie z.B. die   Bewaffnung und Unterst&#252;tzung einiger Oppositionsgruppen, um einen   milit&#228;rischen Umsturz des Assad- Regimes herbeizuf&#252;hren.<\/p>\n<h4>  Sanktionen<\/h4>\n<p>  W&#228;hrenddessen werden &#246;konomische und finanzielle Sanktionen von der UNO   und der arabischen Liga benutzt, um nicht nur das Regime und seine   Institutionen und F&#252;hrer ins Visier zu nehmen, sondern auch die syrische   Kapitalistenklasse, die anscheinend zu gro&#223;en Teilen immer noch bereit   ist, das Regime zu unterst&#252;tzen, aber nicht f&#252;r immer und um jeden   Preis. Zu diesem Zeitpunkt sind es die Kleingewerbetreibenden und die   Arbeiterklasse, die den Preis f&#252;r die Sanktionen zahlen. Die   Gro&#223;unternehmer und gro&#223;en Staatsbetriebe belasten die ArbeiterInnen mit   ihrer Krise durch h&#246;here Warenpreise und Entlassungen. Dar&#252;ber hinaus   konnte die Unterst&#252;tzung, die das Assad-Regime derzeit von Iran,   Russland, China und bis zu einem gewissen Grad von Libanon und Irak   erf&#228;hrt, kurzfristig die Auswirkungen der Sanktionen abmildern. Iran hat   signalisiert, dass er in der Lage sei, strategische Handelsrouten   abzuschotten, was die Wirtschaft auf internationaler Ebene bis zum   Stillstand bringen w&#252;rde und Handelsaktivit&#228;ten zwischen Ost und West   paralysieren k&#246;nnte, wenn die Sanktionen gegen ihn weiter andauern. Und   die iranische Regierung unterzeichnete ein Freihandelsabkommen mit   Syrien im Dezember und kaufte die H&#228;lfte der landwirtschaftlichen   Jahresproduktion des Landes und best&#228;tigte damit die Unterst&#252;tzung f&#252;r   das Regime.<\/p>\n<p>  Allein in den letzten zwei Monaten jedoch sind die Preise in Syrien um   durchschnittlich 25 Prozent gestiegen, Stromausf&#228;lle dauern mittlerweile   12 Stunden am Tag und die syrische W&#228;hrung ist um 15 Prozent gefallen.   Und da die &#214;l- und Tourismusindustrie betroffen ist, sprach der   Finanzminister Al Shaar von der &#8222;Verantwortung&#8220; der Regierung gegen&#252;ber   den &#8222;einfachen B&#252;rgern&#8220; und der &#8222;R&#252;ckkehr zur Inlandsproduktion&#8221; sowie   der &#8222; Selbstversorgung&#8221; (womit protektionistische Ma&#223;nahmen gemeint   sind). Aber die syrische Industrie ist unf&#228;hig, mit ausl&#228;ndischen G&#252;tern   zu konkurrieren. Eine Reihe von Betrieben musste bereits schlie&#223;en und   die ArbeiterInnen wurden entlassen. Au&#223;erdem stehen die Interessen des   t&#252;rkischen Kapitals auf dem Spiel, wenn die Region einem Embargo   unterworfen wird, denn ca. 160.000 Lastwagen fahren jedes Jahr von der   T&#252;rkei nach Syrien und meist weiter zum Golf oder in eines der   Nachbarl&#228;nder. Die T&#252;rkei exportiert dreimal so viel nach Syrien wie sie   aus dem Land importiert. Auf der Suche nach kurzfristigen L&#246;sungen, um   die Verluste der Gro&#223;konzerne in Syrien auszugleichen, gab es bereits   Vorschl&#228;ge, wie z.B. &#8222; einen gemeinsamen Markt mit dem Irak aufzubauen&#8221;.<\/p>\n<p>  Die T&#252;rkei und die Golfstaaten wollen, wie in Libyen, Machtpositionen in   Syrien aufbauen, um Einfluss auf die Zukunft des Landes auszu&#252;ben und   seinen regionalen Einfluss zu untergraben. Es ist kein Zufall, dass die   USA, Europa und ihre arabischen Verb&#252;ndeten wollen, dass Israel sich   zur&#252;ckh&#228;lt, damit seine Beteiligung die &#8222;Feinde&#8220; des Regimes nicht in   Misskredit bringt. Wir haben das gleiche Spektakel in Libanon nach der   Ermordung des ehemaligen Premierministers Rafiq Hariri gesehen. Aber   dasselbe Problem k&#246;nnte wieder auftreten. Wenn die Kombination aus   Opposition, ausl&#228;ndischem Milit&#228;r, politischem und wirtschaftlichem   Druck das Regime nicht st&#252;rzen kann, k&#246;nnte Israel mithilfe der USA   wieder aufgefordert werden, die Rolle des Kriegstreibers einzunehmen.   Dieser Gang der Dinge w&#228;re jedoch sehr problematisch, weil das syrische   Regime Nationalismus nutzen w&#252;rde, um sich Unterst&#252;tzung zu verschaffen   und sich selbst als F&#252;hrer des Widerstandes gegen Israel darzustellen.   Ein milit&#228;risches Eingreifen in Syrien k&#246;nnte schnell au&#223;er Kontrolle   geraten und sich zu einem regionalen Krieg entwickeln, zum Teil wegen   der Angst der Hisbollah vor einem &#8222;Embargo&#8220; und der Furcht des Iran vor   mehr Isolation. Der UN-Sicherheitsrat ist sich dieses Dilemmas bewusst   und k&#246;nnte wohl eine &#228;hnliche Rolle spielen wie bereits im Jemen, also   die &#8222;arabische Initiative&#8220; unterst&#252;tzen (das Regime st&#252;rzen, aber das   System erhalten).<\/p>\n<p>  Jedoch kann nichts die Aufmerksamkeit von Assad Staatsterror, der   Ermordung Aufst&#228;ndischer und den Verhaftungen Zehntausender ablenken.   Dem Regime ist klar, dass niemand dies &#252;bersehen, entschuldigen oder so   tun kann, als ob die T&#246;tungen, Verhaftungen und Folterungen nie   stattgefunden h&#228;tten. Deswegen muss jeder &#8222;Reformprozess&#8220; seitens des   Regimes Oppositionsf&#252;hrer mit einbeziehen und sie an den Diskussionen   und Formulierungen der &#8222;Reformen&#8220; beteiligen. Was in Syrien geschieht   bleibt abzuwarten, aber die Situation, vor deren Hintergrund der   Aufstand begann, kann nur grundlegend ge&#228;ndert werden, wenn sich die   Arbeiterklasse beginnt unabh&#228;ngig zu organisieren und als Klasse in den   Widerstand zu treten. Methoden des Massenkampfes sind n&#246;tig, auch   Generalstreik und Massenaufstand, wie letztes Jahr in Tunesien und   &#196;gypten, um das Assad-Regime und die gesamte verfaulte   Kapitalistenklasse in Syrien hinweg zu fegen.<\/p>\n<h4>  Schwanken zwischen &#8222;Reform&#8220; und Reaktion<\/h4>\n<p>  Seit seiner Machtergreifung 2000 versucht Assad, zwischen beschr&#228;nkter   &#8222;Reform&#8220; und skrupellosem milit&#228;rischem Durchgreifen zu balancieren. Mit   &#8222;Reform&#8220; ist die Freilassung einiger politischer Gefangener gemeint und   die Erlaubnis, so genannte unabh&#228;ngige Zeitungen zu gr&#252;nden. F&#252;r eine   begrenzte Zeitspanne erlaubte Assad sogar &#8222;demokratischen&#8220;   Intellektuellen, &#246;ffentliche Veranstaltungen abzuhalten, aber diese   wurden verboten, als Verhaftungen und Schikane die bevorzugte Methode   des Regimes zur Unterdr&#252;ckung der Opposition wurden.   Menschenrechtsgruppen sprechen heute von &#252;ber 50.000 H&#228;ftlingen,   zus&#228;tzlich zu den tausenden politischen Gefangenen, die schon l&#228;nger in   syrischen Gef&#228;ngnissen sitzen.<\/p>\n<p>  Beim Beginn des Aufstands im letzten Jahr wurden Reformversprechungen   gemacht, die sich aber nicht materialisierten. Das Regime bezeichnete es   als &#8222;verfr&#252;ht&#8220;, vor der Pr&#228;sidentschaftswahl 2014 &#252;ber   Verfassungs&#228;nderungen zu reden, welche die Herrschaft der Baath Partei   beenden w&#252;rde, des &#8222;F&#252;hrers von Staat und Gesellschaft&#8220;.<\/p>\n<p>  Aber Assads Angst vor einem Wachsen der Bewegung lie&#223; ihn eine Reihe von   Generalamnestien f&#252;r Gefangene erlassen, auch f&#252;r jene, die &#8222;politischer   Verbrechen&#8220; angeklagt werden. Dies zeigt den Druck des Aufstands, den   das Regime trotz des massiven Einsatzes milit&#228;rischer Kraft nicht   niederschlagen konnte. Diese Angebote werden von der Opposition als   weiterer Trick des Regimes, um Zeit zu gewinnen, zur&#252;ckgewiesen. Laut   syrischem Staatsfernsehen betreffe die Amnestie &#8222; alle Teilnehmer an   politischen Bewegungen,&#8221; auch die verbotene Muslimbruderschaft, die   einen bewaffneten Aufstand gegen Assads Vater 1982 angef&#252;hrt hatte. Eine   Mitgliedschaft in der Partei wird mit dem Tode bestraft.<\/p>\n<p>  Die Freilassung politischer Gefangener ist eine Schl&#252;sselforderung der   Opposition. Das erste Angebot kam, als Mitglieder der syrischen   Opposition sich zu einer Konferenz im Sommer 2011 in der T&#252;rkei   versammelt hatten. Es war gedacht als Teil einer Serie von Reformen, und   beinhaltete auch dieAufhebung des vierzigj&#228;hrigen Ausnahmezustandes   sowie die Gew&#228;hrung der Staatsb&#252;rgerschaft f&#252;r die staatenlosen   KurdInnen in Ostsyrien, um auf die Beschwerden der kurdischen Rebellen   einzugehen. Aber dieser Schritt wurde von den Massen als versp&#228;tet   angesehen, denn Hunderte von Aufst&#228;ndischen waren bereits get&#246;tet   worden, und die Protestierenden versch&#228;rften ihre Forderungen von   &#8222;Reform&#8220; hin zum &#8222;Sturz der Regierung&#8221;.<\/p>\n<h4>  Die syrische Opposition<\/h4>\n<p>  Im Dezember hie&#223; es, der syrische Aufstand sei in eine &#8222;Pattsituation&#8220;   geraten. Der Pakt zwischen den beiden Dachverb&#228;nden der Opposition war   zerbrochen: der Syrische Nationalrat (SNC) setzt sich f&#252;r eine   Auslandsintervention ein, und der Nationale Koordinationsrat f&#252;r   demokratischen Wechsel in Syrien (NCB) ist gegen einen Milit&#228;reinsatz   aus dem Ausland, wobei einige seiner Fraktionen Offenheit gegen&#252;ber   einem Dialog mit dem Regime ausdr&#252;cken.<\/p>\n<p>  Die &#8222;Opposition&#8220; im Exil, die vier Monate nach Ausbruch der Proteste   ank&#252;ndigte, einen &#8222;&#220;bergangsrat&#8220; bilden zu wollen, um &#8222;den Kampf gegen   das Regime zu f&#252;hren&#8220;, wurde w&#228;hrend einer dreit&#228;gigen Konferenz in der   T&#252;rkei gegr&#252;ndet, privat finanziert durch syrische und arabische   Gro&#223;unternehmer. Zu ihnen geh&#246;ren der Luxuswagenh&#228;ndler Sanqar aus   Damaskus und der Satellitensender Orient TV aus den Vereinigen   Arabischen Emiraten, dessen Gesch&#228;ftsstelle in Damaskus nach einer   feindlichen &#220;bernahme durch Assads Cousin Makhlouf schlie&#223;en musste.<\/p>\n<p>  Der ehemalige, jetzt im Exil lebende, syrische Vizepr&#228;sident Khaddam,   der im israelischen Staatsfernsehen von einem Plan f&#252;r ein milit&#228;risches   Vorgehen gegen Syrien sprach, meinte voller Selbstbewusstsein, das   syrische Regime w&#252;rde gest&#252;rzt und die NATO w&#252;rde sich auf irgendeine   Weise milit&#228;risch beteiligen. Khaddam war in einem fr&#252;heren   Oppositionsb&#252;ndnis unter dem Namen &#8222;Nationale Rettungsfront&#8220;(National   Salvation Front &#8211; Jabhat Al Khoulas Al Watani) zusammen mit der   Muslimbruderschaft. Andere politische Gruppen, darunter auch die   ehemaligen Kommunisten und Nationalisten, die sich zu einem anderen   B&#252;ndnis zusammenschlossen, der &#8222;Erkl&#228;rung von Damaskus&#8220; (Damascus   Declaration &#8211; Ealan Dimashk)&#8217;, verurteilten Khaddam f&#252;r seine korrupte   pers&#246;nliche Geschichte und bezeichnete die Bruderschaft als   opportunistisch. Nichtsdestotrotz einigten sich die beiden B&#252;ndnisse auf   gemeinsame Anstrengungen in einer Oppositionsfront gegen das   Assad-Regime. Dies zeigt, dass keine dieser Parteien und B&#252;ndnisse   tats&#228;chlich eine wirkliche soziale Basis f&#252;r Unterst&#252;tzung hat und nicht   f&#228;hig ist, die Massen der ArbeiterInnen und Jugendlichen zu erreichen,   die auf Syriens Stra&#223;en protestieren.<\/p>\n<p>  Die traditionelle Opposition in Syrien besteht, anders als die   Muslimbruderschaft und die Salafisten, vor allem aus &#220;berbleibseln der   so genannten &#8222;linken&#8220; Parteien, also entweder Intellektuellen, die sich   von den syrischen ArbeiterInnen gel&#246;st haben oder Verb&#252;ndeten des   Regimes. Die letzteren, die durch ihre fr&#252;heren Verbindungen mit dem   Regime verdorben wurden, w&#228;hrend sie sich &#8222;SozialistInnen&#8220; nannten,   haben keinen Bezug zu den protestierenden Jugendlichen und ArbeiterInnen   auf der Stra&#223;e.<\/p>\n<h4>  Rolle der Muslimbruderschaft<\/h4>\n<p>  Wie viele andere &#8222;RegimegegnerInnen&#8220; spielten die Bruderschaft und die   Salafisten anfangs eine begrenzte Rolle in den Protesten. Viele der   Proteste nahmen ihren Anfang in den Moscheen, da diese die einzigen   &#8222;Zusammenk&#252;nfte&#8220; waren, welche die Regierung nicht aufl&#246;ste, und   religi&#246;se Texte die einzigen &#8222;Meinungen&#8220;, welche die Regierung nicht   unterdr&#252;cken kann.<\/p>\n<p>  Anstatt islamistischer Slogans erhoben sich in den Moscheen vielmehr   Sprechch&#246;re, die nach Einheit des syrischen Volkes und nach Freiheit   riefen. Bei einer Reihe von Protesten seit dem 27. Mai 2011 stand auf   selbst gemalten Transparenten: &#8222; Wir sind keine Salafisten!&#8220;, &#8222;Wir sind   keine bewaffnete Gruppe!&#8220;, &#8222;Wir sind die Jugend des freien Syriens!&#8220; und   &#8222;Wo sind die Medien?&#8220;<\/p>\n<p>  Es ist der Kampf f&#252;r einen besseren Lebensstandard und f&#252;r die Freiheit,   sich zu organisieren und f&#252;r bessere Bedingungen zu k&#228;mpfen, der die   Massen der syrischen ArbeiterInnen und Jugendlichen anzieht. Dies ist   die wirkliche Dynamik hinter der wachsenden Anzahl von Protestierenden,   die ihre Angst &#252;berwinden und auf die Stra&#223;e gehen, und der Grund f&#252;r   die Defensive der Regierung. Aber w&#228;hrend die Muslimbruderschaft eine   Schicht der syrischen Gesellschaft anziehen mag, k&#246;nnen sie die Massen   nicht auf einer Klassenbasis erreichen. Der Einfluss der Bruderschaft   auf die Proteste an der Basis ist begrenzt (obwohl er von den   Massenmedien &#252;bertrieben wird). Nichtsdestotrotz versch&#228;rft die Rolle   der Muslimbruderschaft die &#196;ngste der zehn Prozent christlichen   Bev&#246;lkerung vor einer islamischen Bewegung, welche sie aus Syrien   vertreiben k&#246;nnte, so wie es im Irak geschah. Die F&#252;hrer der   Bruderschaft wollen nach dem &#228;gyptischen Vorbild sowohl eine Rolle in   der westlich gef&#246;rderten Opposition spielen als auch bei zuk&#252;nftigen   Wahlen.<\/p>\n<p>  Das Assad-Regime spielt bewusst sektierische und religi&#246;se Spaltungen im   Namen der Verteidigung der &#8222;s&#228;kularen&#8220; Tradition der syrischen   Gesellschaft aus. Sie hoffen, damit entscheidenden Kampfschritte der   Arbeiterklasse gegen das Regime aufhalten zu k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Syrischer Kapitalismus in der Krise<\/h4>\n<p>  In den letzten Jahren bef&#252;rwortete die Baath-Partei die &#214;ffnung der   M&#228;rkte, was in Syrien bereits zu Verbindung von Wettbewerb und privaten   &#8222;Initiativen&#8220; im korrupten und unterfinanzierten &#246;ffentlichen Dienst   f&#252;hrte. Dadurch wurde die Rolle des Staates zur&#252;ckgeschraubt und der   Aufstieg neuer Monopole bef&#246;rdert. Die Qualit&#228;t der Waren und   Dienstleistungen ging zur&#252;ck, Arbeitspl&#228;tze wurden vernichtet und der   Lebensstandard ist gesunken. Mit den korrupten Gerichtsh&#246;fen, die unter   der Kontrolle der baathistischen F&#252;hrer stehen, entwickelte sich eine   starke B&#252;rokratie. Die so genannten &#246;konomischen &#8222;Reformen&#8220; bedeuteten,   dass die Reichen und M&#228;chtigen die &#246;konomische Macht ergriffen, die in   fast allen F&#228;llen mit der Familie Assads verbunden sind.<\/p>\n<p>  &#214;konomischer Neoliberalismus in Syrien hei&#223;t wie in &#196;gypten, Tunesien   und Libyen, dass dieselbe Staatsb&#252;rokratie, die als ein Ergebnis eines   Milit&#228;rputsches entstand, zur korrupten kapitalistischen Klasse wurde.   Sie sieht sich nun mit wachsenden sozialen und politischen Protesten   konfrontiert. In St&#228;dten wie Daraa und Latakia begannen die Proteste   gegen Makhlouf, einen gef&#252;rchteten und verhassten Gro&#223;unternehmer und   Cousin Assads. Er kontrolliert das Mobilfunknetz des Landes und   repr&#228;sentiert mehr als jeder andere die Verflechtung von Macht und   Reichtum in Syrien.<\/p>\n<p>  Die Protestbewegung wurzelt in der verschlechterten &#246;konomischen Lage   der ArbeiterInnen und Armen in Syrien, und der Frage des Grundbesitzes   an Syriens Grenzen. Den meisten GrundbesitzerInnen an der Grenze ist es   nicht erlaubt, zu verkaufen oder nur in ihr Land zu investieren, was es   den armen Bauern und kleinen Farmern sehr erschwert, von etwas anderen   zu leben als von Schwarzhandel und vom G&#252;terschmuggel &#252;ber die Grenze.   Die meisten jungen M&#228;nner sind gezwungen, in gro&#223;e St&#228;dte zu pendeln &#8211;   auf der Suche nach Arbeit, die nur f&#252;r wenige und nur zu niedrigen   L&#246;hnen vorhanden ist.<\/p>\n<p>  Dies f&#252;hrte auch zu einer Wohnungskrise. Familien k&#246;nnen es sich nicht   leisten, professionell errichtete Eigentumswohnungen zu kaufen, d&#252;rfen   aber auch nicht expandieren und selbst weitere Stockwerke in ihre H&#228;user   einziehen. In Daraa stand auf einem der ersten Transparente der   Bewegung: &#8222;Hebt nicht den Ausnahmezustand auf, hebt die   Stockwerksbegrenzung auf&#8221;. Auf dem Weg von Damaskus nach Daraa kann man   die Klassenzusammensetzung der Siedlungen auf Basis des Zustandes der   Behausungen ermitteln. Hunderttausende Familien leben in &#228;rmlichen   Behausungen, in massiver Arbeitslosigkeit und Armut. In Syrien ist es   &#252;blich, dass junge Menschen mit akademischem Abschluss in Restaurants   arbeiten. Die Jugendarbeitslosigkeit w&#228;chst und wie in allen arabischen   L&#228;ndern bietet der neoliberale Kapitalismus den neuen Generationen keine   Zukunft. Die Jugend stellt rund 60 Prozent der Gesamtbev&#246;lkerung Syriens.<\/p>\n<p>  Die Marktwirtschaft in Syrien f&#252;hrte unter anderem dazu, dass   chinesische und t&#252;rkische Gro&#223;unternehmen &#8211; vor allem M&#246;belhersteller   und Landwirtschaftsunternehmen &#8211; Tischler und kleine Farmer vom Markt   verdr&#228;ngen. Gesch&#228;fte und kleine Firmen schlie&#223;en und treiben vor allem   jugendliche ArbeiterInnen auf der Suche nach einem Lebensunterhalt in   die St&#228;dte. Au&#223;erdem werden die verbleibenden Kleinbetriebe hoch   besteuert, was es den meisten Familienbetrieben noch schwerer macht,   sich &#252;ber Wasser zu halten. Durch die zerbr&#246;ckelnden Sozialsysteme und   Sozialk&#252;rzungen hat sich die Schere zwischen arm und reich sowie gro&#223;en   und kleinen St&#228;dten noch weiter ge&#246;ffnet. Dazu grassiert die Korruption   auf allen Ebenen der Gesellschaft.<\/p>\n<p>  Die herrschende Elite Syriens ist v&#246;llig abgehoben von den allt&#228;glichen   Problemen der Mehrheit der SyrerInnen, besonders den ArbeiterInnen und   Armen. Diese Interessenvertreter des Gro&#223;kapitals, die nun versuchen,   sich in der Opposition zu organisieren, werden die Protestierenden, die   ihr Leben im Kampf f&#252;r eine bessere Zukunft f&#252;r ihre Kinder riskieren,   f&#252;r ihre eigenen Klasseninteressen ausnutzen.<\/p>\n<h4>  Die Notwendigkeit, die Arbeiter in Uniform zu erreichen<\/h4>\n<p>  Der syrische Kapitalismus st&#252;tzt sich auf eine Armee von 500.000   Menschen, die Sicherheitskr&#228;fte und Geheimdienstagenten nicht mit   einbezogen. Angesichts der Tatsache, dass ein Drittel der Bev&#246;lkerung   unter der Armutsgrenze lebt und eine neue Generation Jugendlicher   Massenarbeitslosigkeit erf&#228;hrt, schlie&#223;en sich viele Arbeiterjugendliche   der Armee und der Staatsmacht an, um den Lebensunterhalt f&#252;r sich und   ihre Familie bestreiten zu k&#246;nnen. Der syrische Kapitalismus l&#228;sst eine   ganze Generation im Stich, deren Arbeitslosigkeit offiziell bei 25   Prozent liegt und zwingt Jugendliche, zu sehr niedrigen Geh&#228;ltern zur   Armee zu gehen. Bestechung und Korruption in den R&#228;ngen der Armee sind   &#252;blich und eine Folge der grassierenden Korruption im ganzen   &#214;ffentlichen Dienst. Seit den Protesten am 27. Mai 2011, wo Slogans die   Armee aufforderten, sich den Protesten anzuschlie&#223;en, sind Tausende   Soldaten und Offiziere desertiert und der Opposition beigetreten.<\/p>\n<p>  Das zeigt, dass es eine Basis f&#252;r einen Klassenappell an diese &#8222;Arbeiter   in Uniform&#8220; gibt, in deren Klasseninteresse es ist, sich mit der   Arbeiterklasse und ihren armen Br&#252;dern und Schwestern zu organisieren,   um das Regime zu st&#252;rzen. Sollte dieser Aufruf von breiten Schichten der   ArbeiterInnen in der Gesellschaft kommen und mit Massenaktionen wie   Streiks verbunden werden, w&#252;rden das Assad-Regime und die Clans der   Bosse zu Fall gebracht. Solch eine Entwicklung w&#252;rde, wie die &#228;gyptische   Revolution, die Notwendigkeit der Bildung einer Regierung von   VertreterInnen der ArbeiterInnen und Armen aufwerfen, um sowohl   wirkliche demokratische Rechte zu erreichen als auch die Verwendung der   Ressourcen des Landes im Interesse der Masse der Bev&#246;lkerung.<\/p>\n<h4>  Das Recht auf Selbstbestimmung<\/h4>\n<p>  Eine weitere entscheidende Frage in Syrien ist die Position der   KurdInnen und die Forderungen nach der Bildung &#8222;Kurdistans&#8220;.   SozialistInnen fordern volle und wirkliche gleiche Rechte f&#252;r alle   Nationalit&#228;ten und unterdr&#252;ckte religi&#246;se Minderheiten und ein Ende   aller Formen nationaler oder religi&#246;ser Diskriminierung und Verfolgung.   Wir unterst&#252;tzen auch das Recht auf Selbstbestimmung f&#252;r die KurdInnen.<\/p>\n<p>  Im Versuch, die kurdischen Massen in Syrien von der Oppositionsbewegung   zu trennen, machte Assad am 7. April 2011 ein Zugest&#228;ndnis, alswo er   mehr als hunderttausend KurdInnen die Staatsb&#252;rgerschaft anbot. Aber die   kurdischen Rebellen beteiligten sich weiterhin an den Protesten gegen   das Regime und riefen &#8222;Das Anliegen der KurdInnen ist nicht die   Staatsb&#252;rgerschaft sondern die Freiheit!&#8220;<\/p>\n<p>  Die kurdischen Gemeinschaften in Syrien erfahren t&#228;glich Unterdr&#252;ckung   und Diskriminierung vom syrischen Staat, seit die pan-arabischen   Baathisten an der Macht sind. Den kurdischen Massen wird untersagt, ihre   eigene Kultur zu leben und ihre Muttersprache zu sprechen. KurdInnen   stellen zehn Prozent der Bev&#246;lkerung Syriens (mehr als zwei Millionen)   und konzentrieren sich entlang der syrisch-irakischen und   t&#252;rkisch-syrischen Grenzen. &#220;ber 300.000 von ihnen wurde die syrische   Staatsb&#252;rgerschaft entzogen und damit das Recht, im &#214;ffentlichen Dienst   zu arbeiten, an bestimmten Kursen h&#246;herer Bildung teilzunehmen, Eigentum   zu besitzen, syrische Staatsb&#252;rgerInnen zu heiraten oder zu reisen.<\/p>\n<p>  In den 1970ern zielte die Politik der Regierung darauf ab, die KurdInnen   in einer Enklave entfernt von Syriens Grenzen zu halten, arabische   St&#228;mme in die kurdischen Handelsgebiete an der Grenze zu schicken und   kurdische Familien von ihrem Land zu vertreiben und ihnen die   Lebensgrundlage zu nehmen. Die eintreffenden St&#228;mme wurden in der   kurdischen Gemeinschaft als die &#8222;arabischen Siedler&#8220; bekannt. Diese   Politik des Regimes sollte auch die KurdInnen in Syrien von denen in der   T&#252;rkei und Irak isolieren, um die potentielle grenz&#252;bergreifende Einheit   unter den KurdInnen zu untergraben, die f&#252;r eine Bewegung f&#252;r   Selbstbestimmung k&#228;mpften.<\/p>\n<p>  Wie viele KurdInnen in der T&#252;rkei, Iran und Irak sehen die syrischen   KurdInnen die L&#246;sung ihrer nationale Frage in einem &#8222;unabh&#228;ngiges   Kurdistan&#8220;. Diese nationalen Bestrebungen wurden vom US-Imperialismus im   Irak mit dem falschen Versprechen einer unabh&#228;ngigen &#8222;kurdischen Zone&#8220;   ausgenutzt, welche in Wirklichkeit zum Entstehen einer kurdischen   b&#252;rokratischen herrschenden Klasse f&#252;hrte, die ein Gebiet im Irak   beherrscht und vor allem an Gesch&#228;ften mit &#214;lkonzernen und ihrem Anteil   an der Macht im Irak interessiert ist. Pan-arabische Nationalisten   nehmen dieses Beispiel, um die nationalen Anspr&#252;che als &#8222;separatistisch&#8220;   zu brandmarken, sehen aber nicht, dass es tats&#228;chlich hinderlich f&#252;r den   Kampf gegen Unterdr&#252;ckung und Imperialismus ist, wenn den KurdInnen das   Recht auf Selbstbestimmung verwehrt wird.<\/p>\n<p>  Das Recht der KurdInnen auf Selbstbestimmung zu akzeptieren, schlie&#223;t   einen gemeinsamen Kampf mit den arabischen Massen und den anderen   unterdr&#252;ckten Menschen der Region nicht aus. Die kurdischen   ArbeiterInnen und Armen haben gemeinsame Interessen mit den syrischen   Massen und es gibt das Potential f&#252;r eine gemeinsame Bewegung entlang   von Klassenlinien. Dies w&#252;rde die herrschende Klasse der Region   herausfordern, sei es die syrische, t&#252;rkische oder die neue kurdische   nationale Bourgeoisie, die allesamt den kurdischen Massen im Drang nach   Geld und Macht den R&#252;cken zugekehrt haben. Die Bedingungen, unter denen   die kurdischen ArbeiterInnen und Jugendlichen leben, sind dieselben,   welchen alle ArbeiterInnen und Jugendlichen der Region ausgesetzt sind   und sind Resultat der lokalen und globalen kapitalistischen Ausbeutung   menschlicher Arbeit und nat&#252;rlicher Ressourcen.<\/p>\n<h4>  Assads anti-imperialistische Rhetorik<\/h4>\n<p>  Der westliche Imperialismus mischt sich in Syrien und dem Nahen Osten   seit Jahrzehnten ein und ist nur bereit, Aufst&#228;ndische zu unterst&#252;tzen,   wenn dies im Interesse des &#8222;Big Business&#8220; ist. Fr&#252;here westliche   Verb&#252;ndete wie Ben Ali in Tunesien und Mubarak in &#196;gypten wurden vom   amerikanischen und franz&#246;sischen Imperialismus nur fallen gelassen, als   die strategischen Interessen des Imperialismus und die Profite der   Gro&#223;konzerne durch Massenwiderstandsaktionen und durch die   Arbeiterklasse bedroht wurden. Die herrschenden Klassen in der Region   und weltweit sind alle bereit, Assads Regime sowohl abzulehnen als auch   zu f&#246;rdern, allein abh&#228;ngig von ihren eigenen &#246;konomischen und   geostrategischen Interessen. Dies ist de facto Teil der Konterrevolution   in der Region, angetrieben von den lokalen und regionalen Eliten und dem   Eingreifen der Westm&#228;chte.<\/p>\n<p>  Infolge seiner Auslandspolitik, die sich traditionell gegen die   Interessen des US-Imperialismus richtete und der Unf&#228;higkeit des   Regimes, ein &#8222;Friedensabkommen&#8220; mit Israel zu schlie&#223;en, genie&#223;t das   syrische Regime jedoch m&#246;glicherweise gr&#246;&#223;ere Unterst&#252;tzung als Saleh,   Gaddafi, Mubarak oder Ben Ali. Im Bewusstsein dar&#252;ber verlie&#223; sich Assad   auf die Sicherheitskr&#228;fte, um den Widerstand zu unterdr&#252;cken und zu   isolieren, und versprach, auf die Forderungen der Rebellen einzugehen   und das verbreitete Verlangen nach Freiheit und Gleichheit anzuerkennen.<\/p>\n<p>  Obwohl die arbeitenden Massen noch nicht als organisierte Arbeiterklasse   in die Arena des Massenkampfes getreten sind, geht die Unterst&#252;tzung f&#252;r   Assad zur&#252;ck. Ein Indikator daf&#252;r waren die letzten   Pro-Assad-Demonstrationen, wo trotz der Behauptungen der syrischen   Medien, sie h&#228;tten eine St&#228;rke von mehreren Millionen gehabt, nur   h&#246;chstens einige Zehntausend TeilnehmerInnen zusammen kamen, mobilisiert   vom Regime und im wesentlichen im Zentrum der syrischen Hauptstadt. Die   Mehrheit in Syrien ist offensichtlich nicht bereit, Assad bewusst zu   unterst&#252;tzen. Aber sie sind genauso wenig bereit, ihr Leben zu riskieren   und auf die Stra&#223;e zu gehen, wo sie lebensgef&#228;hrlichen Kugeln ausgesetzt   sind wenn die einzige Alternative der &#8222;Oppositions-&#8220;-f&#252;hrer eine ist,   die von den reaktion&#228;ren Golfstaaten, dem Westen und vom &#8222;Big Business&#8220;   unterst&#252;tzt wird.<\/p>\n<p>  Assad ist sich der Stimmung der Massen bewusst und versucht zu lavieren.   Zum einen macht er &#8222;Reform&#8220;versprechen f&#252;r die Zukunft und zum anderen,   gest&#252;tzt auf seine bew&#228;hrte &#8222;anti-imperialistische&#8220; Rhetorik, behauptet   er, der Aufstand sei eine &#8222;Verschw&#246;rung&#8220;und verleumdet die bewaffneten   Oppositionsgruppen als &#8222;Terroristen&#8220;. Bei einem fr&#252;heren Versuch, die   noch nicht mobilisierten Massen f&#252;r sich zu gewinnen, rief Assad die   Menschen auf, zwischen Aufst&#228;ndischen mit &#8222;legitimen Forderungen&#8220; und   &#8222;Saboteuren&#8220; zu unterscheiden, die eine &#8222;fundamentalistische   Einstellung&#8220; h&#228;tten und die &#8222;Zerst&#246;rung&#8220; anrichteten, um &#8222;Chaos im Namen   der Freiheit (zu) verbreiten&#8220;.<\/p>\n<p>  Es ist wahr, dass den Oppositionsf&#252;hrern nicht zu trauen ist, da hinter   ihnen der Imperialismus und die Interessen des Gro&#223;kapitals stehen, und   damit ein Programm gegen die ArbeiterInnen. Einige Aufst&#228;ndische nehmen   den bewaffneten Kampf auf, um sich und die Protestierenden gegen die   brutalen T&#246;tungen von Seiten der Staatsmacht zu verteidigen, und landen   damit leider bei individuellen bewaffneten Aktionen gegen die   Sicherheitskr&#228;fte eher stellvertretend f&#252;r die Massen, anstatt die   ArbeiterInnen und Armen dazu aufzurufen, sich in demokratisch gew&#228;hlten   Verteidigungskomitees zu organisieren. Das Assad-Regime benutzt dieses   Argument nur, um die Bewegung und die Massen zu spalten. Es setzt seine   bewaffneten Schl&#228;ger ein, um Chaos zu verursachen und Angst zu sch&#252;ren,   besonders unter den christlichen und alevitischen Minderheiten.<\/p>\n<p>  Russland hat die UN-Resolution abgelehnt, die Assads Regime   sanktionieren sollte, da es daran interessiert ist, seine Verbindungen   in Wirtschaft und Handel mit Syrien zu erhalten. Syrien ist der einzige   Verb&#252;ndete Russlands im Nahen Osten und der gr&#246;&#223;te Abnehmer russischer   Waffen in der Region. Der russische Kapitalismus f&#252;rchtet einen Wandel   des syrischen Regimes, der seinen Interessen zuwider laufen w&#252;rde.   Sollte ein neues, vom Westen unterst&#252;tztes Regime installiert werden,   w&#252;rde dies eine Verlagerung des Waffenhandels Richtung Westen bedeuten   und damit gro&#223;e Verluste f&#252;r die russische Waffenindustrie.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend die russische Regierung ihr Bedauern dar&#252;ber ausgedr&#252;ckt hat,   dass das syrische Regime so sp&#228;t zu einem &#8222;Dialog&#8220; aufgerufen hat, hat   sie sich gegen die Einmischung von USA und EU in Syrien gewendet. Der   Kreml bezeichnet Libyen als &#8222;erste Station&#8220; solcher imperialistischer   Interventionen, Syrien als zweite und Iran als dritte. Russland gab die   Schuld f&#252;r die Verz&#246;gerung der Reformen in Syrien den &#8222;vom Ausland   gesteuerten&#8221; Fraktionen in der Opposition (als wenn der russische   Kapitalismus und Stalinismus davor nicht selbst sehr lange das   repressive und korrupte Regime des Assad-Clan unterst&#252;tzt h&#228;tten!).<\/p>\n<h4>  Verschlechterung der sozialen und &#246;konomischen Bedingungen<\/h4>\n<p>  Die arbeitenden Menschen Syriens leben unter immer schlimmeren   Bedingungen, wie Benzinknappheit und Inflation. Die Arbeiter- und   Mittelklasse f&#252;hlen sich zunehmend &#246;konomisch ausgepresst, aufgrund der   fortschreitenden politischen Krise des Landes, die zu Knappheiten in   einer Reihe essentieller G&#252;ter f&#252;hrt, z.B. Dieselkraftstoff. Als die   Nachfrage nach Heiz&#246;l im Winter immer weiter stieg mussten einige   syrische ArbeiterInnen, die sich das Heiz&#246;l nicht leisten konnten,   &#8222;Alternativen&#8220; finden, um sich warm zu halten.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem wird der Preisanstieg f&#252;r Lebensmittel von einer Stagnation im   Konsum begleitet. Internationale Sanktionen gegen Syrien haben dem   Regime nicht so sehr geschadet wie den arbeitenden Menschen. Das Regime   hat arbeiterfeindliche Ma&#223;nahmen ergriffen, um mit den Sanktionen   umzugehen, wie Arbeitszeitverk&#252;rzung, Lohnsenkungen, Einfrieren der   Ausgaben, Massenentlassungen vor allem der Besch&#228;ftigten in der   Tourismusindustrie mit nur teilweiser Kompensation. Gleichzeitig   versicherte die Regierung den Menschen, dass alle Probleme mit   Knappheiten gel&#246;st w&#252;rden.<\/p>\n<h4>  Die BewohnerInnen von Damaskus m&#252;ssen feststellen, dass Diesel zu   h&#246;heren Preisen als den offiziell von der Regierung festgelegten   verkauft wird.<\/h4>\n<p>  Diese hatte am Beginn der Protestbewegung entschieden, die Preise f&#252;r   Diesel als Teil ihres &#8222;Reformpaketes&#8220; zu senken. Es gibt einen stetigen   Anstieg in Lebensmittelpreisen, obwohl die meisten Nahrungsmittel in   Syrien produziert werden. Der Verkauf neuer Autos ging massiv zur&#252;ck,   trotz der Entscheidung der Regierung, Importe zu verbieten. Die   Wirtschaftskrise wurde zum Teil versch&#228;rft durch die Entscheidung   einiger Gro&#223;banken, Kredite f&#252;r den Ankauf von Privatwagen nicht mehr zu   vergeben.<\/p>\n<p>  Sollten die Sanktionen vollst&#228;ndig umgesetzt werden und ein Embargo auf   syrische Exporte beinhalten, k&#246;nnten das zu einer &#246;konomischen   Katastrophe f&#252;hren, welche die einheimische Industrie am h&#228;rtesten   treffen und zu Entlassungen f&#252;hren w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Der Bausektor hat jedoch von der politischen Krise profitiert. Ohne die   Kontrolle des Regimes boomt der Bau in vielen Gebieten vor dem   Hintergrund der Wohnungskrise, besonders in Slums, wo mehrst&#246;ckige   Geb&#228;ude in Rekordzeit errichtet wurden. Der Bauboom f&#252;hrt zu einer   gestiegenen Nachfrage f&#252;r Baummaterial und infolgedessen einer   Preissteigerung, die sich in h&#246;here Profite im Bausektor umsetzt. Im   Kapitalismus wird alles m&#246;gliche, auch Revolutionen, f&#252;r die Profite der   Reichen ausgebeutet.<\/p>\n<h4>  Die Notwendigkeit, sich gegen den syrischen Kapitalismus zu erheben<\/h4>\n<p>  Der syrische Kapitalismus ist weder willens noch f&#228;hig, die sozialen und   &#246;konomischen Reformen durchzuf&#252;hren, die die Lebensbedingungen der   Massen verbessern w&#252;rden. Die schlechten Lebensbedingungen waren jedoch   der Ausl&#246;ser f&#252;r die ersten Proteste in Daraa und anderen Gebieten in   Syrien. W&#252;rden den Massen in Syrien wirkliche demokratische Rechte   zugestanden, dann w&#252;rden die Proteste schnell anwachsen und sich   ausbreiten. Nicht nur das syrische Regime w&#252;rde seinen Sturz riskieren,   sondern alle Konzernchefs und korrupten F&#252;hrer w&#252;rden zur Rechenschaft   gezogen.<\/p>\n<p>  &#196;hnlich wie im Libanon wird die herrschende Elite die ihr verbleibende   Waffe des religi&#246;sen Sektierertums nutzen &#8211; teilen und herrschen -, wenn   sie in Syrien eine Arbeiterrevolte im Anmarsch sieht. Die syrischen   ArbeiterInnen m&#252;ssen sich vereinen f&#252;r ihre Forderungen nach   Arbeitspl&#228;tzen, Wohnungen und Sozialsystemen. Aber die Reichen werden   den Kuchen nicht mit den Armen teilen wollen. Unter dem hohen Druck der   Massen und der Arbeiterklasse kann das Regime gezwungen werden,   Zugest&#228;ndnisse und Reformen zu machen, um sich und das System als Ganzes   zu retten. Aber jede Reform der pro-kapitalistischen Regierung, auch   einer Nachfolgeregierung Assads, wird begrenzt sein und die herrschende   Klasse wird immer versuchen, diese Reformen zur&#252;ck zu nehmen, wenn sie   kann.<\/p>\n<p>  Die sozialen und wirtschaftlichen Lebensumst&#228;nde der ArbeiterInnen unter   dem derzeitigen Regime zu verbessern, hie&#223;e, den enormen Reichtum des   Assad-Clans anzutasten, der die Hauptmacht in der syrischen Regierung   hat. Genau wie sich der libanesische Kapitalismus unter einer   hisbollahfreundlichen Regierung keine dauerhaften arbeiterfreundlichen   Reformen &#8222;leisten&#8220; kann, so kann Assad das auch nicht. Um an der Macht   zu bleiben, k&#246;nnte das Regime versuchen, die b&#252;rgerliche   &#8222;Opposition&#8220;oder Teile davon in ein neu gestaltetes syrisches Regime zu   locken. Die herrschende Klasse Syriens, die regionalen Despoten und der   Imperialismus f&#252;rchten sich am meisten davor, dass die syrische   Arbeiterklasse sich organisieren und in einen revolution&#228;ren Kampf   eintreten k&#246;nnte. Um die Arbeiterklasse zu spalten und den Kapitalismus   zu erhalten, sind die Kr&#228;fte der Reaktion bereit Krieg zu f&#252;hren, was   B&#252;rgerkrieg oder einen regionalen Krieg bedeutet.<\/p>\n<h4>  Der Kampf f&#252;r demokratische Rechte und das Ende der Korruption ist der   Kampf f&#252;r Arbeiterdemokratie<\/h4>\n<p>  Der Kampf, den sowohl Assads Regime als auch die herrschende Klasse   weltweit am meisten f&#252;rchten, ist der Klassenkampf, voran getrieben von   den ArbeiterInnen und den armen Massen, gegen die korrupte und   repressive kapitalistische Klasse an der Macht. Eine unabh&#228;ngige   Arbeiterbewegung w&#252;rde nicht nur f&#252;r demokratische Rechte k&#228;mpfen, die   essentiell sind im Nahen Osten, aber auch Massenaktionen und Streiks   organisieren, um die Macht der syrischen herrschenden Klasse und des   Kapitalismus zu bedrohen. Indem sie die syrische Industrie und das   syrische Kapital in &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hren und unter   demokratischer Arbeiterkontrolle und -verwaltung stellen, k&#246;nnen die   arbeitenden und armen Massen Syriens aller religi&#246;ser und nationaler   Hintergr&#252;nde beginnen ihre Zukunft zu bestimmen, basierend auf ihren   Bed&#252;rfnissen anstatt f&#252;r den Profit weniger.<\/p>\n<p>  Eine Regierung der VertreterInnen der ArbeiterInnen und armen B&#228;uerInnen   w&#252;rde mit dem Kapitalismus brechen. Es w&#252;rde damit begonnen, eine Basis   f&#252;r eine wirklich sozialistische Gesellschaft zu legen, die nichts   gemein hat mit den fr&#252;heren b&#252;rokratischen Ein-Parteien-Diktaturen der   stalinistischen Staaten in der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa oder   ihren autokratischen Verb&#252;ndeten im Nahen Osten, wie dem syrischen   Assad-Regime.<\/p>\n<p>  Eine Revolution der ArbeiterInnen und Armen in Syrien w&#228;re eine   machtvolle Inspiration f&#252;r die ArbeiterInnen und Armen im ganzen Nahen   Osten und der Region. Solch eine Revolution w&#228;re eine Appell an   ArbeiterInnen aller ethnischen und religi&#246;sen Hintergr&#252;nde, ihre eigenen   Revolutionen durchzuf&#252;hren und ihre eigenen korrupten und   ausbeuterischen F&#252;hrer loszuwerden, und f&#252;r Arbeitereinheit und wahre   Selbstbestimmung zu k&#228;mpfen. Vereinte Arbeiterbewegungen, die sich   grenz&#252;bergreifend zusammenschlie&#223;en, um den Kapitalismus in ihren   L&#228;ndern herauszufordern, w&#252;rden den Imperialismus aus der Region   vertreiben und an ArbeiterInnen international appellieren, f&#252;r eine   sozialistische Welt zu k&#228;mpfen.<\/p>\n<h4>  Das CWI fordert:<\/h4>\n<h4>  F&#252;r den Aufbau von Massenkomitees der ArbeiterInnen in den   Wohnorten\/-vierteln und Betrieben, als Basis f&#252;r eine unabh&#228;ngige   Arbeiterbewegung<\/h4>\n<p>  F&#252;r den sofortigen Aufbau von unabh&#228;ngigen und demokratisch gew&#228;hlten   Verteidigungskomitees der ArbeiterInnen unter demokratischer Kontrolle,   um Proteste, Wohnungen, Stadtviertel und Betriebe gegen die brutale   Staatsmaschinerie Assads zu verteidigen<\/p>\n<h4>  F&#252;r die Steigerung von Arbeiterprotesten und Streiks und die   Vorbereitung eines Generalstreiks und von Betriebsbesetzungen<\/h4>\n<p>  F&#252;r einen Appell an die einfachen Soldaten auf Klassenbasis, sich gegen   die Armeespitzen zu organisieren und sich den Aufst&#228;ndischen   anzuschlie&#223;en. F&#252;r gewerkschaftliche Rechte f&#252;r die einfachen Soldaten<\/p>\n<p>  F&#252;r die Niederlage des syrischen Kapitalismus und westlichen   Imperialismus in Syrien und dem Nahen Osten durch eine unabh&#228;ngige   vereinte Arbeiterbewegung<\/p>\n<h4>  F&#252;r eine Arbeitermassenbewegung gegen die Herrschaft des Assad-Clans und   des Gro&#223;kapitals<\/h4>\n<h4>  Massives &#246;ffentliches Investitionsprogramm in Sozialsysteme und   R&#252;ckverstaatlichung der Schl&#252;sselindustrien unter Arbeiterkontrolle und   -verwaltung<\/h4>\n<p>  Ein Ende der Privatisierung und der K&#252;rzungen im Sozialsystem &#8211; f&#252;r   demokratische Arbeiterkontrolle und -verwaltung der Wirtschaft, um die   Lebensbedingungen zu verbessern, Arbeitspl&#228;tze zu schaffen zu einem Lohn   von dem man leben kann f&#252;r alle, freie qualifizierte Ausbildung und   Gesundheitsversorgung f&#252;r alle<\/p>\n<h4>  Der Aufbau einer Arbeitermassenpartei mit unabh&#228;ngiger sozialistischer   Politik<\/h4>\n<p>  Die &#196;chtung des Assad-Regimes und f&#252;r einen Aufruf aller ArbeiterInnen   der Region auf Klassenbasis, die Revolution auszuweiten, die Tyrannen   raus zu werfen, den Kapitalismus und Imperialismus in der Region zu   besiegen, der israelischen Besatzung und Unterdr&#252;ckung der   Pal&#228;stinenserInnen ein Ende zu setzen, und f&#252;r die Niederlage des   israelischen Kapitalismus durch Arbeitereinheit und kollektiven   Massenkampf<\/p>\n<h4>  Das Recht auf Selbstbestimmung f&#252;r die Kurdischen Massen und ihre   Befreiung aus dem syrischen, t&#252;rkischen, iranischen und irakischen   Kapitalismus<\/h4>\n<h4>  Ein sozialistisches Syrien, als Teil einer freiwilligen und   sozialistischen Konf&#246;deration des Nahen Ostens<\/h4>\n<p>  Aysha Zaki ist Mitglied der libanesischen Gruppe des Komitees f&#252;r eine   Arbeiterinternationale (CWI). Der Artikel erschien erstmals am 18.2.2012   auf www.socialistworld.net. Aktuelle Entwicklungen seitdem konnten in   der &#220;bersetzung nicht ber&#252;cksichtigt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der Kampf f&#252;r demokratische Rechte und die soziale Lage in Syrien\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[261],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14766"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14766"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14766\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14766"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14766"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14766"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}