{"id":14752,"date":"2012-04-02T00:00:00","date_gmt":"2012-04-02T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14752"},"modified":"2012-04-02T00:00:00","modified_gmt":"2012-04-02T00:00:00","slug":"14752","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/04\/14752\/","title":{"rendered":"Droht ein Krieg des Westens gegen den Iran?"},"content":{"rendered":"<p>  Massiver Aufbau einer Drohkulisse gegen das Mullah-Regime<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Ende M&#228;rz k&#252;ndigte das Pentagon an, die Zahl seiner Minenr&#228;umboote im   Persischen Golf von vier auf acht und die mit Kurzstreckenraketen   ausgestatteten US-Schnellboote von f&#252;nf auf zehn zu verdoppeln. Anfang   M&#228;rz hatte der israelische Pr&#228;sident Benjamin Netanjahu Washington   besucht, um Barack Obama daf&#252;r zu gewinnen, gemeinsam milit&#228;risch gegen   den Iran vorzugehen beziehungsweise sich der R&#252;ckendeckung der USA zu   versichern. Obama reagierte zur&#252;ckhaltend und unterstrich die Bedeutung   der Wirtschaftssanktionen. Die von den USA und der Europ&#228;ischen Union   (EU) verh&#228;ngten Sanktionen gegen den Iran werden mittelfristig die   wirtschaftliche Lage in dem Land weiter verschlechtern.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Claus Ludwig, K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  Der Iran wird von den westlichen Medien als eine Gefahr f&#252;r den Frieden   beschrieben, sein Atomprogramm als direkte Bedrohung f&#252;r die Existenz   Israels. Doch die bisherigen Fakten sind eindeutig: Das Mullah-Regime   hat noch nie ein anderes Land angegriffen. Kurz nach der Machtergreifung   der rechtsgerichteten Islamisten um Ayatollah Khomeini 1979 begann   stattdessen der Irak &#8211; mit Billigung des Westens &#8211; mit seinem   m&#246;rderischen Krieg gegen den Iran, bei dem auch Giftgas eingesetzt wurde.<\/p>\n<h4>  Wen bedroht der Iran?<\/h4>\n<p>  Nach dem Ende dieses Krieges hat der Iran zwar seine Stellung als   Regionalmacht ausgebaut, aber selbst keine aggressiven Milit&#228;raktionen   gegen andere gestartet. Das liegt keineswegs darin begr&#252;ndet, dass das   Regime in irgendeiner Weise menschenfreundlich oder friedlich w&#228;re.   Gegen die Opposition im Inneren hat der Iran seine Schl&#228;ger und Henker   h&#228;ufiger von der Kette gelassen. 1988 wurden in einem Jahr rund 30.000   Oppositionelle, vor allem Sozialist-Innen, in den Kerkern ermordet, im   Juni 2009 pr&#252;gelten und schossen die Bassidschi genannten Milizen die   Revolte gegen den Wahlbetrug nieder.<\/p>\n<p>  Der Iran ist auch kein Regime von &#8222;Verr&#252;ckten&#8220;, die komplett irrational   handeln. Die verschiedenen herrschenden Fraktionen im Iran &#8211; sowohl die   nationalistische, im Milit&#228;r verankerte Clique um Pr&#228;sident Mahmud   Ahmadinedschad als auch die religi&#246;sen Konservativen um Ayatollah   Khamenei &#8211; betreiben im Kern eine rationale Interessenpolitik zur   Sicherung der eigenen Herrschaft. Und dazu geh&#246;ren weder aktuell noch in   absehbarer Zeit milit&#228;rische Offensivaktionen gegen andere L&#228;nder.<\/p>\n<h4>  Atomprogramm<\/h4>\n<p>  Eine Einsch&#228;tzung, ob der Iran tats&#228;chlich an Nuklearwaffen baut, k&#246;nnen   wir unm&#246;glich vornehmen. Allerdings schafft die &#8222;friedliche&#8220; Nutzung der   Kernenergie immer die M&#246;glichkeit der milit&#228;rischen Komponente. Das   Regime k&#246;nnte durch Atomwaffen &#8211; oder das Ger&#252;cht, es w&#252;rde welche   besitzen &#8211; seine Gegner davon abschrecken, es milit&#228;risch zu   attackieren. Nordkorea ist es mit der Kombination von nuklearer   Abschreckung und w&#252;ster milit&#228;rischer Rhetorik gelungen, seine Gegner   auf Distanz zu halten.<\/p>\n<p>  Die Zuspitzung der Debatte um den Bau von Atomwaffen durch den Iran ist   rein propagandistisch. Das zeigt allein die &#196;u&#223;erung des CIA, dass der   Iran zur Zeit wohl keine Atomwaffen baue. Tats&#228;chlich war und ist es das   Ziel des US-Imperialismus und der EU, die Regionalmacht Iran zu   schw&#228;chen und letztendlich zu knacken. Schlie&#223;lich tanzt dieses Regime   (die N&#228;he Russlands und Chinas suchend) aus Sicht des Westens seit jeher   &#8211; in dieser &#246;lreichen und geostrategisch bedeutenden Region &#8211; aus der   Reihe. Der mehrheitlich schiitische Iran nahm auch starken Einfluss auf   die im Irak nach 2003 an die Macht gelangten schiitischen Parteien.<\/p>\n<h4>  Ver&#228;ndertes internationales Kr&#228;fteverh&#228;ltnis<\/h4>\n<p>  Paradoxerweise hat der &#8222;arabische Fr&#252;hling&#8220;, ein Massenaufstand in   verschiedenen L&#228;ndern auch und gerade gegen die Marionetten des Westens   in der Region, diese M&#246;glichkeit n&#228;her r&#252;cken lassen. Durch den   syrischen B&#252;rgerkrieg ist dieser wichtige Verb&#252;ndete des Irans faktisch   aus dem Spiel genommen worden und der vom Iran unterst&#252;tzten Hisbollah   im Libanon droht eine verst&#228;rkte Isolation.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend die Frage der atomaren Bewaffnung des Irans propagandistisch   &#252;bertrieben wird, hat diese auch einen realen Gehalt: Ein mit nuklearer   Abschreckung ausger&#252;steter Iran w&#228;re kaum noch milit&#228;risch erpressbar   oder angreifbar. Insofern haben das iranische Atomprogramm und die   Schw&#228;chung des Assad-Regimes dazu gef&#252;hrt, dass ein Zeitfenster in 2012   ge&#246;ffnet wurde, in dem sich entscheiden wird, ob es zu einem Krieg gegen   den Iran kommt.<\/p>\n<h4>  Ein Spiel mit dem Feuer<\/h4>\n<p>  Ein Krieg gegen den Iran w&#252;rde vor allem aus einer Kombination von   Luftangriffen und terroristischen Aktionen durch Spezialeinheiten sowie   einer Blockade bestehen. Eine Besetzung des 75 Millionen Menschen   z&#228;hlenden Landes durch Bodentruppen scheint nicht machbar f&#252;r die USA   und ihre Verb&#252;ndeten.<\/p>\n<p>  Die USA w&#252;rden versuchen, das Regime zu schw&#228;chen, die Bev&#246;lkerung zu   demoralisieren und die Existenz unterdr&#252;ckter Nationalit&#228;ten wie der   Kurden, Belutschen, Aserbaidschaner und anderer im Iran auszunutzen, um   eine Spaltung des Landes von innen voranzutreiben &#8211; in der Hoffnung, so   einen Regimewechsel zu bewirken.<\/p>\n<p>  Der Erfolg einer solchen Strategie ist keineswegs sicher. Bombenangriffe   w&#252;rden auch dazu f&#252;hren, dass sich Teile der iranischen Bev&#246;lkerung   verst&#228;rkt hinter das Regime stellen. Der Iran k&#246;nnte mit   Vergeltungsma&#223;nahmen reagieren, zum Beispiel mit Angriffen in der Stra&#223;e   von Hormuz, welche zu weltweiten &#246;konomischen Verwerfungen f&#252;hren   w&#252;rden. Die US-Armee k&#246;nnte dann gegen iranische H&#228;fen vorgehen; sogar   begrenzte Bodenkriegsaktionen k&#246;nnten die Folge sein.<\/p>\n<h4>  Die USA, die EU &#8230;<\/h4>\n<p>  Die Spitzen der herrschenden Klasse in den USA scheinen wenig begeistert   von einem weiteren Krieg zu sein, der viel unkalkulierbarer w&#228;re als das   begrenzte Engagement des Westens in Libyen. Obama hat beim Besuch des   israelischen Pr&#228;sidenten Netanjahu deutlich gemacht, dass das Wei&#223;e Haus   (gerade w&#228;hrend des Pr&#228;sidentschaftswahlkampfes) weiter auf   nicht-milit&#228;rische Ma&#223;nahmen setzt.<\/p>\n<p>  Die Herrschenden in den USA und der EU setzen darauf, dass   wirtschaftliche Sanktionen langfristig zu mehr Unzufriedenheit im Land   f&#252;hren und Spaltungen in der herrschenden Clique im Iran beg&#252;nstigen, so   dass erneut &#8222;pro-westliche&#8220; Tendenzen entstehen.<\/p>\n<h4>  &#8230; und Israel<\/h4>\n<h4>  Wenn es nach den USA geht, wird es 2012 keinen Krieg gegen den Iran   geben. Damit wird Israel zum entscheidenden Faktor.<\/h4>\n<p>  Die rechte Regierung Israels scheint sich entschieden zu haben, auf eine   Bombenkampagne gegen den Iran hinzuarbeiten. Sie beginnt, die   israelische Bev&#246;lkerung auf m&#246;gliche Folgen psychologisch vorzubereiten.   Das hei&#223;t aber noch nicht, dass die gesamte herrschende Klasse Israels   davon &#252;berzeugt ist.<\/p>\n<p>  Lediglich einzelne Luftschl&#228;ge gegen die unterirdisch gesicherten   Atomanlagen w&#228;ren reine Symbolik. Die Alternative dazu w&#228;re eine   mehrt&#228;gige Bomben-Kampagne zur Zerst&#246;rung der Anlagen sowie von Teilen   der industriellen, milit&#228;rischen und Verkehrs-Infrastruktur des Irans.   Milit&#228;rexperten zweifeln daran, dass die israelischen Streitkr&#228;fte dies   allein schaffen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Insofern kann man davon ausgehen, dass die Regierung Netanjahu   verschiedene Optionen pr&#252;ft, wie man die USA doch noch dazu bringen kann   mitzumachen, offen oder verdeckt, oder ob israelische Erstschl&#228;ge und   die folgende iranische Vergeltung ohnehin zu einem Eingreifen der   US-Armee f&#252;hren w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Imperialistische Kriege basieren nicht auf Wahn oder Raserei, sondern   sind im Kern Produkte &#246;konomischer Interessen der jeweils Herrschenden.   Doch das hei&#223;t nicht, dass nicht auch die Herrschenden in Kriege dieser   Art hineinstolpern k&#246;nnen. Rund um den Persischen Golf l&#228;uft die   technische, organisatorische und psychologische Kriegsvorbereitung.   Obwohl sowohl die USA als auch der Iran kein Interesse an einer   unkontrollierten Eskalation haben, k&#246;nnte genau eine solche in Gang   gesetzt werden.<\/p>\n<h4>  Aufgaben f&#252;r die Linke<\/h4>\n<p>  Die Linke und die Arbeiterbewegung in den imperialistischen Staaten   m&#252;ssen eine klare Haltung gegen die Wirtschaftssanktionen und einen   drohenden Krieg einnehmen. Die einseitige D&#228;monisierung des Irans muss   zur&#252;ckgewiesen, die aggressiven Pl&#228;ne Israels, der USA und der EU m&#252;ssen   aufgedeckt werden.<\/p>\n<p>  Doch es w&#228;re fatal, auch nur den Verdacht aufkommen zu lassen, man w&#252;rde   die m&#246;rderischen Regime in Syrien oder dem Iran unterst&#252;tzen. Diese sind   die &#8222;Feinde&#8220; unserer imperialistischen Feinde, aber l&#228;ngst nicht unsere   &#8222;Freunde&#8220;. Sie unterdr&#252;cken die Arbeiterbewegung, die Frauen, die   Jugend, s&#228;mtliche demokratischen Rechte. Ohne Zweifel muss das Regime   Ahmadinedschad fallen, aber es muss von innen gest&#252;rzt werden, durch die   iranischen Massen.<\/p>\n<p>  Die Linke in Deutschland sollte Kontakte zu iranischen Oppositionellen   und israelischen KriegsgegnerInnen kn&#252;pfen, um eine   internationalistische Haltung gegen den Krieg zu verdeutlichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Massiver Aufbau einer Drohkulisse gegen das Mullah-Regime\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[246],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14752"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14752"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14752\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14752"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14752"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14752"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}