{"id":14743,"date":"2012-03-22T14:00:00","date_gmt":"2012-03-22T14:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14743"},"modified":"2012-03-22T14:00:00","modified_gmt":"2012-03-22T14:00:00","slug":"14743","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/03\/14743\/","title":{"rendered":"Debatte um Ostf&#246;rderung: Gute alte neue Spaltungslinie"},"content":{"rendered":"<p>  Ruhrgebietsoberb&#252;rgermeister wollen &#8222;Solidarpakt&#8220; aufk&#252;ndigen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Vor dem Hintergrund der anstehenden Landtagwahl in NRW sind die   Oberb&#252;rgermeister des Ruhrgebiets mit einem Paukenschlag an die   &#214;ffentlichkeit gegangen. Sie wollen den sogenannten Solidarpakt   aufk&#252;ndigen.<\/p>\n<h4>  <i>von Torsten Sting, Rostock<\/i><\/h4>\n<p>  Durch staatliche Transfers, sollte Ostdeutschland nach der Wende dem   westlichen Standard angeglichen werden. Finanziert wird dies u.a. mit   dem &#8222;Solidarit&#228;tszuschlag&#8220; der Steuerzahler. Im &#252;brigen zahlen diesen   auch die Ostdeutschen, obwohl sich bis heute anders lautende Mythen im   Umlauf befinden.<\/p>\n<p>  Mit dem Solidarpakt II bekommen die ostdeutschen St&#228;dte und Gemeinden   von 2005 bis 2019 insgesamt 156 Milliarden Euro aus den Kassen von Bund,   L&#228;ndern und Kommunen. Die Finanzlage der zahlenden St&#228;dte spielt keine   Rolle: Sie m&#252;ssen zur Not selber Schulden machen, um ihren Beitrag   aufzubringen. (Handelsblatt, 21.3.)<\/p>\n<p>  Konkreter Anlass f&#252;r den Vorsto&#223; der Lokalpolitiker ist ein Gesetz der   damaligen schwarz-gelben NRW-Landesregierung aus dem Jahre 2010. Dieses   sieht die finanzielle Beteiligung der klammen Kommunen des Bundeslandes   f&#252;r den &#8222;Solidarpakt&#8220; vor.<\/p>\n<h4>  Bl&#252;hender Osten?<\/h4>\n<p>  Bis heute hat der Osten Deutschlands eine gegen&#252;ber dem Westen etwa   doppelt so hohe Arbeitslosigkeit. Die Einkommen sind deutlich geringer,   prek&#228;re Arbeitsverh&#228;ltnisse weit verbreitet. Einige Regionen wie   Ostvorpommern sind komplett abgeh&#228;ngt, Abwanderung der Jugend ist die   Folge. Zweifellos ist die Infrastruktur besser geworden und die   Sanierung von Wohnraum bzw. die Neugestaltung der Innenst&#228;dte ist weit   voran geschritten. Gerade letzteres irritiert viele Urlauber aus den   alten Bundesl&#228;ndern, wenn sie zum Beispiel &#252;ber die bunte Einkaufsmeile   in Rostock schlendern. In der Tat ist gerade in den gr&#246;&#223;eren St&#228;dten   Ostdeutschlands, das sich dem Beobachter bietende Bild definitiv sch&#246;ner   als jenes im Ruhrpott. Aber was sind die Gr&#252;nde?<\/p>\n<h4>  Armut an der Ruhr<\/h4>\n<p>  In den letzten Monaten haben einige Studien &#252;ber die Entwicklung der   Armut in Deutschland f&#252;r Aufsehen gesorgt. Besonders jene, in denen   darauf hingewiesen wird, dass im Ruhrgebiet, dem einstiegen   Industriezentrum Deutschlands, die Armut h&#246;her ist, als in der Ex-DDR.   Nirgends ist in NRW die Arbeitslosigkeit so hoch und folglich der Anteil   der Menschen die Hartz IV beziehen m&#252;ssen. Dies ist die Folge des   Kahlschlags in Bergbau und Stahlindustrie (siehe auch Artikel <a href=\"\/?p=14619&#038;ds=print.htm\">hier<\/a>   ) von dem sich das Ruhrgebiet trotz aller Phrasen der Politiker und   Bosse vom &#8222;Strukturwandel&#8220; bis heute nicht erholt hat.<\/p>\n<h4>  Ungerechtes Steuersystem<\/h4>\n<p>  Die finanzielle Situation der Kommunen im &#8222;Pott&#8220; ist ausgehend vom   herrschenden Steuersystem miserabel. Neben Zuweisungen durch Bund und   Land, sind die Kommunen (in Ost und West) von den Steuern der lokalen   Unternehmer abh&#228;ngig. Wirtschaftlich schlecht dastehende St&#228;dte und   Gemeinden geraten in einen Teufelskreis. Die Kombination aus zu geringen   Einnahmen und erh&#246;hten Ausgaben im sozialen Bereich infolge hoher   Erwerbslosigkeit, lassen die Verschuldung empor schnellen. Es ist daher   richtig &#252;ber den Status Quo zu klagen, die Frage ist nur welche   Schlussfolgerungen daraus gezogen werden.<\/p>\n<h4>  Gemeinsam gegen die Reichen<\/h4>\n<p>  Das Gejammer der Oberb&#252;rgermeister aus dem Ruhrgebiet ist aber   scheinheilig. Geh&#246;ren sie doch mehrheitlich der SPD an, jener Partei,   die ma&#223;geblich die Verarmung mittels Agenda 2010 vorangetrieben hat.   Zudem hat die Rot-Gr&#252;ne Koalition unter Schr&#246;der die Politik der   Kohl-&#196;ra auf die Spitze getrieben, in dem sie den Kommunen noch mehr   Lasten aufb&#252;rdete und deren finanzielles Fundament durch Steuerreformen   weiter untergrub. Es ist also kein Ost-West Problem, auch wenn einige   dies so darstellen, um von den eigentlichen Problemen abzulenken. Die   Situation des Ruhrgebiets wie auch anderer armer Regionen in Deutschland   wird sich nur &#228;ndern, wenn die Arbeitslosigkeit und Armut erfolgreich   bek&#228;mpft wird. N&#246;tig ist ein massives, bundesweites   Investitionsprogramm, welches gerade den &#8222;strukturschwachen&#8220; Regionen   egal in welchem Landesteil, zugute kommt. Zudem muss ein Steuersystem   her, das die Kommunen nicht mehr von der lokalen Gewerbesteuer abh&#228;ngig   macht. Der jetzige Solidarpakt muss weg, weil er von der Masse der   Bev&#246;lkerung bezahlt wird. Stattdessen m&#252;ssen die Reichen und Konzerne   zur Kasse gebeten werden um die gesellschaftlich n&#246;tigen Aufgaben   finanzieren zu k&#246;nnen. Dies geht nur, wenn wir uns nicht in Ost und West   spalten lassen und gemeinsam k&#228;mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Ruhrgebietsoberb&#252;rgermeister wollen &#8222;Solidarpakt&#8220; aufk&#252;ndigen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14743"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14743"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14743\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14743"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14743"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14743"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}