{"id":14742,"date":"2012-03-21T15:00:00","date_gmt":"2012-03-21T14:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14742"},"modified":"2012-05-15T14:42:10","modified_gmt":"2012-05-15T12:42:10","slug":"14742","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/03\/14742\/","title":{"rendered":"DIE LINKE vor den NRW-Neuwahlen"},"content":{"rendered":"<p>  Mit k&#228;mpferischem und antikapitalistischem Profil die f&#252;nf Prozent   packen!<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>F&#252;r die Partei DIE LINKE sind die Neuwahlen in Nordrhein-Westfalen   von gro&#223;er Bedeutung. Sollte der linke, k&#228;mpferische Landesverband den   Einzug in den Landtag verpassen, w&#252;rde dies Krisentendenzen in der   Partei beschleunigen und vor allem den rechten Fl&#252;gel der   Mitregierungswilligen st&#228;rken, die es der NRW-Linken &#252;bel nehmen, allzu   oppositionell gegen SPD und Gr&#252;ne zu agieren. Schafft es DIE LINKENRW,   dann w&#252;rde hingegen dokumentiert, dass die Partei durchaus Wurzeln im   Westen geschlagen hat und dass es eine Basis f&#252;r eine   k&#228;mpferisch-oppositionelle Haltung gibt.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Claus Ludwig, Ratsmitglied, DIE LINKE.K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  Entgegen der medial gepushten Legende, der Haushalt w&#228;re gescheitert,   weil FDP und LINKE. zu dumm zum Pokern waren, wurden die Neuwahlen   bewusst von SPD und Gr&#252;nen provoziert. Zwar war es f&#252;r die   Parlamentarier und Beobachter &#252;berraschend, dass schon das Scheitern des   Haushaltes in der 2. Lesung die Dynamik zur Aufl&#246;sung des Landtages   einleiten w&#252;rde, aber dieses Ergebnis war von Hannelore Kraft (SPD) und   Sylvia L&#246;hrmann (Gr&#252;ne) geplant.<\/p>\n<p>  Da SPD und Gr&#252;ne eine Stimme zur Mehrheit im Landtag fehlte, waren sie   darauf angewiesen, dass Teile der Opposition dem Haushalt zustimmen oder   sich enthalten. 2011 hatte sich DIE LINKE enthalten, da die Regierung   Kraft auf Sozialk&#252;rzungen verzichtete und der Haushalt einige   Verbesserungen enthielt. Vor allem die SPD hatte sich im Wahlkampf 2010   sozial gegeben, um DIE LINKE nicht allzu stark werden zu lassen und war   daher unter Druck, die Wahlversprechen zumindest symbolisch im Haushalt   abzubilden.<\/p>\n<p>  Schon 2011 war die Enthaltung innerhalb der Linken kontrovers diskutiert   worden. Allerdings &#252;berwog damals das Gef&#252;hl, dass es viele W&#228;hlerInnen   nicht verstehen w&#252;rden, wenn DIE LINKE die Regierung Kraft durch eine   Ablehnung des Haushaltes st&#252;rzen w&#252;rde, ohne dass sie die Zeit gehabt   hatte zu zeigen, dass sie eine andere Politik als ihre schwarz-gelbe   Vorg&#228;ngerin machen w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Im Vorfeld der Haushaltsberatungen 2012, auf dem Landesparteitag im   September 2011, wurden eindeutige Bedingungen formuliert, damit DIE   LINKE im Landtag sich enthalten und damit den Haushalt passieren lassen   k&#246;nne, u.a. kein Personalabbau, keine Privatisierung, die Verwendung von   Steuer-Mehreinnahmen f&#252;r soziale Investitionen und nicht nur f&#252;r den   Schuldenabbau, die Einf&#252;hrung eines landesweiten Sozialtickets sowie   mehr Gelder f&#252;r die Kommunen.<\/p>\n<p>  Doch nur der Verzicht auf neue K&#252;rzungen, zus&#228;tzlichen Personalabbau und   neue Privatisierungen macht den Haushalt einer b&#252;rgerlichen Regierung   noch l&#228;ngst nicht zustimmungsf&#228;hig f&#252;r Linke. Ein Haushalt besteht nicht   nur aus den Ver&#228;nderungen gegen&#252;ber dem Vorjahr. Er enth&#228;lt ebenso die   Verschlechterungen der vergangenen Jahre. Die rot-gr&#252;ne Regierung hatte   nie vor, s&#228;mtliche unsozialen Ma&#223;nahmen ihrer Vorg&#228;nger-Regierungen   zur&#252;ckzunehmen.<\/p>\n<p>  Eine Zustimmung zum Haushalt w&#228;re laut Beschluss des LINKE-Parteitages   allerdings nur bei einem grundlegenden Politikwechsel m&#246;glich: &#8222;Ein   solcher Politikwechsel w&#228;re unvereinbar mit dem Festhalten von SPD und   Gr&#252;nen an der sogenannten Schuldenbremse und nur im offenen Konflikt mit   den Superreichen, Banken und Konzernen m&#246;glich.&#8220;<\/p>\n<p>  In einem Argumentationspapier der AKL (Antikapitalistische Linke) zum   Landeshaushalt 2012 hei&#223;t es richtigerweise:<\/p>\n<p>  &#8222;Die Zustimmung zu einem Haushalt ist auch eine Vertrauenserkl&#228;rung an   die Regierung, die ihn vorlegt. Selbst aus b&#252;rgerlich-parlamentarischer   Sicht besteht daher die oppositionelle Gepflogenheit, die   Haushaltsdebatte zur politischen Generaldebatte zu machen und den   Haushalt abzulehnen. Umso mehr verbietet sich f&#252;r eine   antikapitalistische, systemkritische, sozialistische Opposition ein &#8222;Ja&#8220;   zu einem solchen Haushalt. Denn sie w&#252;rde sich in Mithaftung begeben f&#252;r   Ausgaben, Umst&#228;nde und Strukturen, f&#252;r die sie keine Verantwortung hat   und die sie ablehnt.&#8220;<\/p>\n<p>  Die Regierung Kraft hatte fr&#252;h deutlich gemacht, dass sie die sozialen   Wahlversprechen als Schnee von gestern ansieht. Sie war nicht einmal   bereit, mit der LINKEN ernsthaft &#252;ber das 15-Euro-NRW-Sozialticket zu   verhandeln, dass lediglich 65 Millionen Euro gekostet h&#228;tte, rund ein   Promille des Landeshaushaltes. In den Haushalt wurde seitens der   Regierung eine sogenannte &#8222;globale Minderausgabe&#8220; (GMA) in H&#246;he von 750   Millionen Euro eingestellt. Dies w&#228;re ein Freibrief f&#252;r die   Landesregierung gewesen, K&#252;rzungen in entsprechender H&#246;he vorzunehmen.<\/p>\n<p>  Trotz 4,1 Milliarden Steuer-Mehreinnahmen hatte die Regierung Kraft   keinen zus&#228;tzlichen Cent f&#252;r Zukunftsinvestitionen vorgesehen, weder f&#252;r   die Kommunen noch f&#252;r den dringenden notwendigen Ausbau der   Kinderbetreuung oder den sozialen Wohnungsbau wurden die Ans&#228;tze erh&#246;ht.   Der Haushalt war auf das Diktat der Schuldenbremse ausgerichtet.<\/p>\n<p>  Wegen dieser neoliberalen Akzentverschiebung wurde allgemein erwartet,   dass die FDP, zus&#228;tzlich motiviert durch die Panik bei Neuwahlen auch in   NRW parlamentarisch ausradiert zu werden, sich mit SPD und Gr&#252;nen   einigen w&#252;rde. Weder bei der FDP noch in der linken Landtagsfraktion   herrschte vor der zweiten Lesung allzu gro&#223;e Aufregung. Selbst der   rechte Parteifl&#252;gel, sonst immer mit Brotkr&#252;meln vom rot-gr&#252;nen Esstisch   zufrieden, verhielt sich ruhig, seine Protagonisten tingelten nicht   durch die linken Ortsverb&#228;nde, um &#228;ngstlich davor zu warnen, den   Haushalt durch allzu radikale Forderungen zu gef&#228;hrden.<\/p>\n<p>  Hinter den Kulissen hatte sich die Regierung Kraft allerdings schon   entschieden, sich der Notwendigkeit der Verhandlungen mit der Opposition   zu entledigen und Neuwahlen durchzusetzen, um die eigene Mehrheit zu   sichern. Sie war nicht einmal bereit, die billig-willige FDP zu   bedienen, von ernsthaften Verhandlungen mit der Linken ganz abgesehen.<\/p>\n<p>  Das Rechtsgutachten, dass schon das Scheitern in der 2. Lesung   zwangsl&#228;ufig zur Aufl&#246;sung des Landtages f&#252;hren w&#252;rde, wurde zu einem   Zeitpunkt aus dem Hut gezaubert, als weder LINKE. noch FDP einen   R&#252;ckzieher von der Ablehnung der Teilhaushalte machen konnten ohne sich   l&#228;cherlich zu machen.<\/p>\n<p>  Alle Vorw&#252;rfe, wie sie im Nachhinein von Teilen des rechten   Parteifl&#252;gels verbreitet werden, dass die linke Landtagsfraktion sich   taktisch dumm angestellt oder unm&#246;gliche Forderungen gestellt habe,   entbehren jeder Grundlage. Ein Durchwinken dieses Haushaltes durch   Enthaltung oder gar Zustimmung h&#228;tte bedeutet, dass die Partei s&#228;mtliche   Prinzipien &#252;ber Bord geworfen und sich damit &#252;berfl&#252;ssig gemacht h&#228;tte.   Sie h&#228;tte sich vor den Augen der &#214;ffentlichkeit in Krafts Scho&#223;h&#252;ndchen   verwandelt, dem ein paar abgenagte Knochen und der warme Platz in   Frauchens K&#246;rbchen das Wichtigste sind.<\/p>\n<p>  Selbst kurzfristig taktisch gedacht war die Ablehnung des Haushaltes   ohne Alternative. H&#228;tte DIE LINKE brav vor der Regierung gekuscht, w&#228;re   sie ohne eigene Linie von dieser abh&#228;ngig geworden. Kraft h&#228;tte   jederzeit Neuwahlen provozieren k&#246;nnen. DIE LINKE h&#228;tte sich die M&#252;he   eines Wahlkampfes nach solch einem Kniefall gar nicht erst machen   m&#252;ssen. Jetzt kann die Partei immerhin aufrecht in den Wahlkampf ziehen,   weil die Ablehnung eines asozialen Haushaltes ihr offensichtlich   wichtiger war als das parlamentarische Leckerli.<\/p>\n<h4>  SPD beginnt Wahlkampf mit L&#252;gen-Kampagne<\/h4>\n<p>  W&#228;hrend DIE LINKE.NRW noch geschockt schien und einige f&#252;hrende   GenossInnen vor lauter Verwirrung die parlamentarische Routine-Arbeit   fortsetzen wollten, reagierte die SPD blitzschnell und initiierte eine   Kampagne zu den kommunalen Finanzen. In mehreren St&#228;dten wurde seitens   der SPD wahrheitswidrig behauptet, den Kommunen w&#252;rden akut dreistellige   Millionenbetr&#228;ge fehlen, weil das Gemeindefinanzierungsgesetz (GFG)   nicht beschlossen worden sei. FDP und LINKE. w&#228;ren f&#252;r diese dramatische   Lage verantwortlich.<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich wirkt das GFG von 2011 nach, es werden sogar auf der   Grundlage neuer Steuersch&#228;tzungen erh&#246;hte S&#228;tze f&#252;r 2012 f&#252;r die   Kommunen bereit gestellt, im Rahmen der vorl&#228;ufigen Haushaltsf&#252;hrung f&#252;r   jeden Monat ein Zw&#246;lftel der Jahressumme. Das inszenierte Jammern der   SPD und auch Schritte wie die Einstellung vom Land finanzierter   Ma&#223;nahmen wie des Sozialtickets des Verkehrsverbundes im K&#246;lner Umland   sind reine Wahlkampfman&#246;ver.<\/p>\n<p>  Im rot-gr&#252;n regieren K&#246;ln k&#252;ndigte die Stadtspitze an, dass der   st&#228;dtische Haushalt wegen dem Scheitern des Landeshaushaltes   m&#246;glicherweise nicht wie geplant im Juni verabschiedet werden k&#246;nne.   Offensichtlich soll die K&#246;lner Bev&#246;lkerung im laufenden   Landtagswahlkampf nicht erfahren, welche K&#252;rzungen SPD und Gr&#252;ne auf   kommunaler Ebene planen.<\/p>\n<p>  Die SPD-Kampagne soll zudem davon ablenken, dass die rot-gr&#252;ne   Landesregierung ihrem Versprechen, die Lage der Kommunen zu verbessern,   nicht nachgekommen ist. Die Forderungen der LINKE., den kommunalen   Anteil am Steuerverbund des Landes sofort von 23 auf 25% und sp&#228;ter auf   den alten Stand von 28,5% zu erh&#246;hen, wurde von der Regierung Kraft   abgelehnt.<\/p>\n<p>  Statt s&#228;mtlichen Kommunen zu helfen und die &#246;rtliche Infrastruktur zu   retten, wurden lediglich &#8222;Hilfspakete&#8220; f&#252;r die am meisten &#252;berschuldeten   Kommunen geschn&#252;rt. Diese &#8222;Hilfen&#8220; sind im Stil der   &#8222;Griechenland-Hilfen&#8220; von EU, EZB und IWF an strenge Sparauflagen   gebunden. Die St&#228;dte erhalten nur zus&#228;tzliche Gelder vom Land, wenn sie   ihre eigene sozialen Dienste schneller zerst&#246;ren als bisher.<\/p>\n<h4>  Soziale Lage an Rhein und Ruhr<\/h4>\n<p>  Der wirtschaftliche Aufschwung der letzten Jahre hat auch in NRW dazu   gef&#252;hrt, dass die Arbeitslosigkeit gesunken ist. Doch die Armut und die   Schulden der Kommunen sind keineswegs gesunken. Die Gro&#223;st&#228;dte im Westen   sind zu Armenh&#228;usern der Republik geworden und haben den Osten, Berlin   und die norddeutschen St&#228;dte teilweise &#252;berholt. Die offizielle   Kinderarmut ist auf einem Rekordniveau und liegt landesweit bei 17,6%,   im Ruhrgebiet bei 25,6%. Viele der neuen Jobs sind wie im Rest des   Landes schlecht bezahlt und prek&#228;r.<\/p>\n<p>  In vielen Kommunen findet ein umfassender Kahlschlag bei der sozialen   Infrastruktur statt. Jugendzentren, Kultur- und Sporteinrichtungen   werden geschlossen, ganze Stadtteile verkommen. Trotzdem wachsen die   kommunalen Schulden weiter.<\/p>\n<p>  Erste Zeichen eines wirtschaftlichen Abschwungs sind zu erkennen. Das   Opel-Werk in Bochum ist weiterhin bedroht. Ford K&#246;ln hat massive   Absatzprobleme. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass der drohende Abbau   von Arbeitspl&#228;tzen schon im nur sechs Wochen dauernden Wahlkampf zur   Sprache kommt.<\/p>\n<h4>  Wie kann der Wahlkampf gef&#252;hrt werden?<\/h4>\n<p>  Anders als in den Stadtstaaten und kleineren Bundesl&#228;ndern gibt es im   gr&#246;&#223;ten Bundesland oft kein zentrales Thema, das f&#252;r das ganze Land im   Mittelpunkt steht. In Wahlk&#228;mpfen spielen neben origin&#228;ren Landesthemen   sowohl bundespolitische Aspekte als auch kommunale Fragen eine Rolle.   Das ist keine einfache Ausgangslage f&#252;r DIE LINKE. Die Versuchung ist   gro&#223;, ein buntes Sortiment von Einzelforderungen zu pr&#228;sentieren.<\/p>\n<p>  Die Partei sollte dieser Versuchung nicht erliegen, sondern die   zentralen Verteilungsfragen &#8211; Haushalt, Umverteilung, Reichtum und   Armut, die finanziellen N&#246;te der Kommunen &#8211; in den Mittelpunkt stellen   und damit an den internationalen Protesten gegen die Bankenmacht und der   Occupy-Bewegung ankn&#252;pfen. In diesem Zusammenhang sollten die   Mobilisierungen zu den Mai-Protesten in Frankfurt\/Main gegen die   Verarmungspolitik der europ&#228;ischen Regierungen aufrecht erhalten und zu   einem Bestandteil des Wahlkampfs gemacht werden.<\/p>\n<p>  Die Debatten um die jeweiligen kommunalen Haushalte sollten von den   Ratsfraktionen dazu genutzt werden, zu erkl&#228;ren, dass das Kaputtsparen   der St&#228;dte und Gemeinden nur durch zus&#228;tzliche Landesmittel verhindert   werden kann und dass es daf&#252;r n&#246;tig ist, sich mit den Banken und   Konzernen anzulegen, die weit h&#246;her besteuert werden m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  DIE LINKE sollte, solange die Tarifrunde des &#246;ffentlichen Dienstes noch   l&#228;uft, das Thema aufgreifen, die Streiks aktiv unterst&#252;tzen und die   Erf&#252;llung der gewerkschaftlichen Forderungen in allen St&#228;dten und   Gemeinden zum Thema machen.<\/p>\n<p>  Das Motto des letzten Landesparteitages im Herbst letzten Jahres war   &#8222;Opposition! F&#252;r soziale Gerechtigkeit!&#8220;, Titel des beschlossenen   Leitantrages &#8222;Opposition gegen Sozialabbau und Niedrigl&#246;hne &#8211; Profiteure   der Krise zur Kasse!&#8220;. Darin hei&#223;t es unter Anderem: &#8222;&#8230; muss DIE LINKE   die soziale Frage und die Eigentumsfrage wieder ins Zentrum ihrer   Politik r&#252;cken.&#8220; An diesen Beschl&#252;ssen sollte die Partei auch im   Wahlkampf ankn&#252;pfen. Sie bilden eine Grundlage f&#252;r eine k&#228;mpferische   sozialistische Politik. DIE LINKE.NRW hat damit dem Anpassungsdruck von   in- und au&#223;erhalb der Partei und einige Eckpfeiler antikapitalistischer   Politik formuliert.<\/p>\n<p>  Die Mitglieder der SAV in der NRW-Linken treten daf&#252;r ein, dass die   Partei nicht angesichts der Wahlen vor klarer Analyse und radikalem   Auftreten zur&#252;ckschreckt und nicht vor lauter Wahlkampf-Zittern zum   lauen &#8222;Pragmatismus&#8220; zur&#252;ckkehrt, der um die Landtagswahlen 2010 herum   das Bild der Partei pr&#228;gte.<\/p>\n<p>  Bisher lavierte die linke Landtagsfraktion oft zwischen der   Selbstbehauptung als prinzipielle soziale Opposition und der Idee, man   k&#246;nne &#252;ber das Agieren im Landtag die Politik von SPD und Gr&#252;nen nach   links verschieben. Letzteres war nicht hilfreich, das Profil der Partei   ist dadurch undeutlicher geworden.<\/p>\n<p>  Nun sind ohnehin s&#228;mtliche Illusionen zerplatzt. Rechnerisch ist es sehr   unwahrscheinlich, dass DIE LINKE.NRW wieder zum Z&#252;nglein an der Waage   wird, eine SPD-Gr&#252;ne-Mehrheit ist die wahrscheinlichste Variante. Es   gibt keinen Verwendungszweck f&#252;r ein linkes Anh&#228;ngsel der   Kraft-Regierung.<\/p>\n<p>  Hingegen werden es viele potenzielle linke W&#228;hlerinnen und W&#228;hler   verstehen, dass eine entschlossene Opposition im Landtag, eine   Vertretung der 99%, ein Widerstandsnest gegen die Macht der Banken n&#246;tig   ist. Ohne eine linke Opposition w&#228;re es f&#252;r rot-gr&#252;n umso leichter,   ebenso wie schwarz-gelb ein asoziales Programm gegen die   ArbeitnehmerInnen und Armen durchzusetzen.<\/p>\n<p>  DIE LINKE.NRW hat ein gro&#223;es Potenzial, was jedoch in letzter Zeit nicht   ausgesch&#246;pft werden konnte. Das zeigt das Beispiel K&#246;ln: Dort w&#228;hlten   bei den Bundestagswahlen 2009 &#252;ber 51.000 Menschen DIE LINKE, bei den   Landtagswahlen 2010 jedoch nur rund 27.000 und bei den Kommunalwahlen   2009 lediglich ganze 17.000. Das Problem der Partei in NRW ist   eindeutig, dass die eigenen Unterst&#252;tzerInnen bei verschiedenen Anl&#228;ssen   nicht mobilisiert werden konnten.<\/p>\n<p>  Dieses Potenzial mag durch den Aufstieg der Piraten, die gerade von   jungen Leuten als Anti-Establishment-Alternative angesehen und von   manchen irrt&#252;mlich f&#252;r links gehalten werden, nun umk&#228;mpfter sein. Aber   im Kern existiert es noch, gerade in den armen Vierteln der Gro&#223;st&#228;dte.   Diese Menschen w&#228;hlen allerdings keine Partei, die einen bunten Strau&#223;   von Nettigkeiten anbietet und diese per parlamentarischem Klein-Klein   durchsetzen m&#246;chte. Diese Menschen w&#228;hlen eine klare soziale Opposition,   die anders ist als die Establishment-Parteien, anders ist als die   Di&#228;ten-Abzocker.<\/p>\n<p>  Der Wahlkampf wird nicht einfach f&#252;r DIE LINKE Politische   Fehlentwicklungen wie der Anpassungskurs kommunaler Ratsfraktionen an   rot-gr&#252;n, allen voran in der Partei-Hochburg Duisburg, aber auch in   K&#246;ln, der gr&#246;&#223;ten Kommune des Landes (der Autor dieser Zeilen befindet   sich innerhalb dieser Ratsfraktion in der Minderheit), haben die Partei   in den Augen eines Teils der W&#228;hlerInnen &#252;berfl&#252;ssig werden lassen.<\/p>\n<p>  Doch die Partei hat die Chance mit einer k&#228;mpferischen, engagierten   Wahlkampagne ihr Potenzial abzurufen und erneut &#252;ber die 5%-H&#252;rde zu   kommen. Viele Menschen wissen trotz des medialen Piraten-Hypes und der   sozialen Phrasen der Kraft-SPD, dass diese Partei nicht die Armen und   die ArbeitnehmerInnen vertritt.<\/p>\n<h4>  Was DIE LINKE in NRW erreicht hat<\/h4>\n<p>  In den zwei Jahren seit der Landtagswahl konnte DIE LINKENRW Einiges   durchsetzen. Dies wurde nat&#252;rlich dadurch erleichtert, dass Kraft keine   eigene Mehrheit hatte. DIE LINKE konnte, zusammen mit den Studierenden,   Druck erzeugen, die Studiengeb&#252;hren schon in 2011 abzuschaffen. Erst ein   von der linken Landtagsfraktion vorbereiteter Gesetzentwurf hat die   Abwahl des Duisburger Oberb&#252;rgermeister Sauerland, politisch   verantwortlich f&#252;r die Durchsetzung der Loveparade auf einem daf&#252;r nicht   geeigneten Gel&#228;nde, erst m&#246;glich gemacht.<\/p>\n<p>  Die Residenzpflicht f&#252;r Asylbewerber, die diesen verbot, die ihr   zugewiesene Gemeinde zu verlassen, wurde auf Initiative der LINKE. vom   NRW-Landtag aufgehoben. Es gelang zwar nicht, ein wirkliches, dem   Hartz-IV-Satz f&#252;r Mobilit&#228;t entsprechendes Sozialticket f&#252;r 15 Euro   durchzusetzen, aber immerhin war die Regierung Kraft gezwungen, ein   Sozialticket genanntes 30-Euro-Ticket f&#252;r Erwerbslose und   Geringverdiener auf den Weg zu bringen.<\/p>\n<p>  DIE LINKE hat nicht nur parlamentarisch gewirkt. Die   Landtagsabgeordneten nutzten ihre Position und ihre M&#246;glichkeiten zur   &#214;ffentlichkeitsarbeit, um wichtige au&#223;erparlamentarische Aktionen zu   unterst&#252;tzen. So wurden die Dortmunder Aktivit&#228;ten gegen   Neonazi-Aufm&#228;rsche unterst&#252;tzt, ebenso die NRW-Mobilisierung gegen den   ehemals gr&#246;&#223;ten Nazi-Aufmarsch Europas in Dresden 2011 und 2012.<\/p>\n<p>  Eine Landtagsfraktion darf weder das einzige Ziel der Partei in NRW noch   Selbstzweck sein. Aber die parlamentarische Vertretung auf Landesebene   kann ein wichtiges Werkzeug sein, um Alternativen zum Kapitalismus   &#246;ffentlich sichtbar zu machen und dar&#252;ber die Partei und die   antikapitalistische Bewegung nach vorne zu bringen.<\/p>\n<p>  Die Mitglieder der SAV in Nordrhein-Westfalen werden sich am Wahlkampf   beteiligen und ihre Kr&#228;fte einsetzen, um m&#246;glichst viele W&#228;hlerInnen f&#252;r   die Partei zu gewinnen. Gleichzeitig werden wir die Mobilisierung zu den   Anti-Banken-Protesten in Frankfurt\/Main um den 19. Mai, in Solidarit&#228;t   mit der griechischen Bev&#246;lkerung, aufrecht erhalten und die Verbindungen   zwischen den harten Angriffen des Kapitals auf Demokratie und soziale   Rechte in Griechenland und den kommenden K&#252;rzungen in NRW und   Deutschland aufzeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Mit k&#228;mpferischem und antikapitalistischem Profil die f&#252;nf Prozent<br \/>\n      packen!\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[261],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14742"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14742"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14742\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14742"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14742"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14742"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}