{"id":14739,"date":"2012-03-19T00:00:00","date_gmt":"2012-03-18T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14739"},"modified":"2012-10-08T11:20:45","modified_gmt":"2012-10-08T09:20:45","slug":"14739","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/03\/14739\/","title":{"rendered":"S&#252;dafrika: Eint&#228;giger Generalstreik zeigt den Widerstandswillen der       ArbeiterInnen"},"content":{"rendered":"<p>  200.000 auf Demos in ganz S&#252;dafrika<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Als die gr&#246;&#223;te und k&#228;mpferischste Gewerkschaftsf&#246;deration S&#252;dafrikas,   der Kongress S&#252;dafrikanischer Gewerkschaften (Cosatu), am 7. M&#228;rz einen   eint&#228;gigen Generalstreik ausrief, den ersten seit mehr als zehn Jahren,   nachdem sie sich monatelang gegen diesen Schritt gestellt und mehrere   vorher angek&#252;ndigte Streiks abgesagt hatte, wurde der Aufruf von der   Arbeiterklasse als lang erwarteter frischer Wind begr&#252;&#223;t. Trotz einer   bestenfalls halbherzigen Mobilisierung durch die Gewerkschaftsf&#252;hrung   war die Beteiligung an den Demonstrationen in Johannesburg, Kapstadt und   Durban hoch und auch in weiteren 29 St&#228;dten und D&#246;rfern fanden Demos   statt. Insgesamt gingen landesweit 200000 Menschen auf die Stra&#223;e, der   gr&#246;&#223;te Protest seit der Massenbewegung gegen die Apartheid Anfang der   1980er.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Reportern des Democratic Socialist Movement (CWI in S&#252;dafrika)<\/i><\/h4>\n<p>  An der gr&#246;&#223;ten Demo nahmen in Johannesburg etwa 100000 ArbeiterInnen   teil. Ungef&#228;hr 20000 demonstrierten in Kapstadt und weitere 20000 in   Durban. In vielen Branchen, insbesondere im Bergbau, der Metall- und   weiteren Industrien und im Einzelhandel wirkte sich der Streik deutlich   wirtschaftlich aus.<\/p>\n<p>  ArbeiterInnen nutzten die Gelegenheit, ihre Wut &#252;ber die besonders   ausbeuterische Praxis der Leiharbeit und die faktische Privatisierung   der Autobahnen in der Provinz Gauteng durch ein &#8222;E-Maut&#8220;-System, das im   n&#228;chsten Monat eingef&#252;hrt werden soll (dagegen richteten sich die   Hauptforderungen des Cosatu) auszudr&#252;cken. Die DemonstrantInnen zeigten   auch eine allgemeinere Wut &#252;ber die unbarmherzigen schleichenden   Angriffe auf die Lebensstandards der ArbeiterInnen und die schamlose   Bereicherung der korrupten Politiker und ihres Umfelds. S&#252;dafrika ist   offiziell das Land mit der gr&#246;&#223;ten Ungleichheit auf der Erde, eine   H&#228;lfte der Bev&#246;lkerung bekommt 92% des gesamten Einkommens, die andere   H&#228;lfte nur 8%.<\/p>\n<h4>  Prek&#228;re Besch&#228;ftigung<\/h4>\n<p>  Ein sehr gro&#223;er Teil der Arbeitenden in S&#252;dafrika, bis zu 30%, arbeiten   f&#252;r Zeitarbeitsfirmen oder unter &#228;hnlich prek&#228;ren Bedingungen, sie   bekommen &#252;blicherweise nur ein Drittel der L&#246;hne der Stammbelegschaften   und haben keinen K&#252;ndigungsschutz, keine automatischen   Gehaltserh&#246;hungen, keine Boni und kein Recht sich zu organisieren. Davon   profitiert eine Armee ausbeuterischer Mittelsm&#228;nner. In S&#252;dafrika wie   &#252;berall ist die Leiharbeit ein Werkzeug, um die Arbeiterklasse zu   spalten (die schon unter einer Arbeitslosenquote von 40% leidet) und   Ausbeutung zu intensivieren. Die ANC-Regierung von Jacob Zuma hatte im   Wahlkampf 2009 ein Verbot der Leiharbeit versprochen. &#196;nderungen im   Arbeitsrecht, die die Leiharbeitsbranche bis zur Handlungsunf&#252;higkeit   einschr&#228;nken und einem Verbot gleichkommen w&#252;rden wurden im letzten Jahr   angek&#252;ndigt (Verbot der Zeitarbeit &#252;ber mehr als 3 Monate und der   unterschiedlichen Entlohnung gleicher Arbeit, &#8222;Arbeitgeber&#8220;-Status des   entleihenden Unternehmens usw). W&#228;hrend die Regierung unter dem Druck   der ver&#228;ngstigten Unternehmer versucht, die &#196;nderungen (die als eine Art   peinlicher Fehler dargestellt werden) in Schweigen und endlosen   Formalit&#228;ten zu begraben werden sie auch von der Cosatu-F&#252;hrung   abgelehnt, die nur ein explizites &#8222;Verbot&#8220; akzeptieren will. Die   Verhandlungen dauern an, und die Arbeitgeberseite hat schon die   Verl&#228;ngerung der H&#246;chstdauer von Leiharbeitsvertr&#228;gen auf 6 Monate   erreicht. Aus der Sicht des Democratic Socialist Movement (CWI-Sektion   in S&#252;dafrika) ist die Position des Cosatu scheinradikal und hilft den   Bossen beim Versuch, die &#8222;Regulierungs&#8220;-Vorschl&#228;ge komplett zu   verhindern. Stattdessen rufen wir zu einer Kampagne f&#252;r die Einf&#252;hrung   und Durchsetzung der Gesetzes&#228;nderungen zu Leiharbeit auf, die auf dem   Papier ein faktisches Verbot bedeuten. Die Kampagne muss f&#252;r einen   echten Schlag gegen Leiharbeit k&#228;mpfen, denn egal wie klar ein Verbot   formuliert ist &#8211; die meisten bereits in den Arbeitsgesetzen verankerten   Verbesserungen werden nicht durchgesetzt. ArbeiterInnen suchen   verzweifelt nach einem wirksamen Mittel gegen den neoliberalen Angriff   Zeitarbeit, und viele &#252;bernehmen die Position des Cosatu.<\/p>\n<p>  Die Einf&#252;hrung eines neuen Mautsystems auf den Stra&#223;en (zun&#228;chst in   Gauteng, aber wenn es dort funktioniert, wird es wahrscheinlich auch in   weiteren Provinzen eingef&#252;hrt) wird zu dramatisch steigenden   Lebenshaltungskosten f&#252;hren, nicht nur f&#252;r AutofahrerInnen sondern f&#252;r   Alle, durch allgemein steigende Preise. Die Maut ist ebenso wie die   Ausbreitung der Leiharbeit ein Angriff auf die Arbeiterklasse. Dagegen   gibt es verbreitete Wut, auch in der Mittelklasse.<\/p>\n<h4>  Der Cosatu-F&#252;hrung zum Trotz&#8230;<\/h4>\n<p>  Die Frage des Generalstreiks hing wie ein Schatten &#252;ber den K&#228;mpfen der   letzten Jahre und konnte nicht mehr ignoriert werden. Die Cosatu-F&#252;hrung   schreckte davor zur&#252;ck, obwohl sich der Generalstreik beim massiven   Streik im &#246;ffentlichen Dienst 2010 als n&#228;chster Schritt anbot und der   logische Schluss der Streikwelle 2011 gewesen w&#228;re. Als der Streik nach   zwei abgebrochenen Versuchen endlich stattfand, hielten sich die   Gewerkschaftsf&#252;hrer auffallend zur&#252;ck. Es gab praktisch keine   &#246;ffentliche Mobilisierung, in Johannesburg war kein einziges Flugblatt   oder Plakat zu sehen, in Durban wurden erst am Tag vor dem Streik am   sp&#228;ten Nachmittag Flugbl&#228;tter verteilt. Au&#223;erhalb der anscheinend   unvollst&#228;ndig Mobilisierung innerhalb der Cosatu-Gewerkschaften wurden   Aufrufe nur &#252;ber die Medien und Zeitungen verbreitet, und selbst das   passierte erst in letzter Minute. Die Cosatu-F&#252;hrung traute sich trotz   ihrer Vorliebe f&#252;r radikale Phrasen nicht einmal, den Generalstreik beim   Namen zu nennen und sprach lieber von &#8222;landesweiten Demonstrationen&#8220;.   Erst am Tag vor den Demos gab die F&#252;hrung &#252;ber die Medien den   Generalstreikaufruf bekannt, durch den alle Besch&#228;ftigten im Land   unabh&#228;ngig von ihrer Gewerkschaftsmitgliedschaft rechtlich gesch&#252;tzt   sind. Deshalb blieb trotz der gro&#223;en Beteiligung an den Demonstrationen   der angek&#252;ndigte komplette Stillstand der Wirtschaft aus. In   Johannesburg schlossen sich PassantInnen der Demo an, die vorher nicht   vom Generalstreik gewusst hatten.<\/p>\n<h4>  Kampfeswille der ArbeiterInnen gest&#228;rkt<\/h4>\n<p>  Die trotz der halbherzigen Politik der F&#252;hrung gro&#223;e Beteiligung zeigt   den Kampfeswillen und die -f&#228;higkeit der s&#252;dafrikanischen   Arbeiterklasse. Gleichzeitig versuchte die F&#252;hrung, den Generalstreik   als Beweis f&#252;r ihre k&#228;mpferische Haltung zu nutzen. Der   Cosatu-Generalsekret&#228;r Zwelinzima Vami bezeichnete in seiner Rede in   Johannesburg den Streik als &#8222;Warnschuss&#8220; und versprach weitere Aktionen,   darunter Autobahnblockaden, wof&#252;r er massiven Applaus bekam. S&quot;dumo   Dlamini, der Pr&#228;sident des Cosatu, sagte in Durban dass es im August   einen zweiten Streik geben k&#246;nnte. Der Streik hat eindeutig den   Kampfeswillen der ArbeiterInnen und Jugendlichen gest&#228;rkt, die auf   weitere Aktionen dr&#228;ngen. Spaltungen in der Cosatu-F&#252;hrung scheinen sich   im Zusammenhang mit den bevorstehenden K&#228;mpfen um den Vorsitz des   regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), der Partner-Partei   des Cosatu, schnell zu vertiefen. Beim Generalstreik trat auch Julius   Malema auf, der Vorsitzende des ANC-Jugendverbandes, der k&#252;rzlich aus   der Partei ausgeschlossen wurde. Die Anwesenheit Malemas, der sich gegen   die Wiederwahl des s&#252;dafrikanischen Pr&#228;sidenten Jacob Zuma zum   ANC-Vorsitzenden auf dem Parteitag im Dezember 2012 einsetzt, auf der   Demo in Johannesburg wurde von vielen TeilnehmerInnen begr&#252;&#223;t. In   Limpopo, Malemas Heimatprovinz, weigerten sich Streikende Berichten   zufolge, sich Reden von Malema nahestehenden ANC-Politikern anzuh&#246;ren.<\/p>\n<p>  Der Versuch des sich als links ausgebenden rechten Demagogen Malema,   zusammen mit der Cosatu-F&#252;hrung auf dem Tiger Arbeiterklasse zu reiten   schafft einige Komplikationen f&#252;r das Bewusstsein der Arbeiterklasse,   aber keine die sich nicht im Lauf der K&#228;mpfe kl&#228;ren werden, die in   S&#252;dafrika in den kommenden Jahren zweifellos ausbrechen werden.<\/p>\n<p>  In weiteren gro&#223;en Klassenk&#228;mpfen wird die organisierte Arbeiterklasse   die Politik der Klassenzusammenarbeit zur&#252;ckweisen und die Basis wird   f&#252;r Demokratie in den Gewerkschaften und f&#252;r die Gr&#252;ndung einer   Massenpartei der Arbeiterklasse eintreten. Eine solche Partei kann alle   Str&#228;nge des Kampfes der Arbeiterklasse zusammenf&#252;hren &#8211; in Wohngebieten,   Arbeitspl&#228;tzen und sozialen Bewegungen &#8211; und mit unabh&#228;ngiger   Klassenpolitik f&#252;r eine Regierung der ArbeiterInnen und Armen k&#228;mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      200.000 auf Demos in ganz S&#252;dafrika\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36,17],"tags":[284],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14739"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14739"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14739\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14739"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14739"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14739"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}