{"id":14738,"date":"2012-03-18T00:00:00","date_gmt":"2012-03-18T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14738"},"modified":"2012-03-18T00:00:00","modified_gmt":"2012-03-18T00:00:00","slug":"14738","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/03\/14738\/","title":{"rendered":"&#8222;Wer im Stich l&#228;sst seinesgleichen&#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Heute ist der &#8222;Tag der politischen Gefangenen&#8220;<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Erstmals wurde dieser Tag am 18. M&#228;rz 1923 auf Initiative der   &#8222;Internationale Rote Hilfe&#8220; (IRH) begangen. Hintergrund war damals die   gro&#223;e Repressionswelle in vielen kapitalistischen Staaten gewesen, die   in Folge der siegreichen sozialistischen Revolution in Russland gegen   revolution&#228;re Linke w&#252;tete. <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Ronald Luther, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Zehntausende Sozialisten, Kommunisten, Anarchisten usw. wurden damals   ermordet oder eingekerkert, ihre Familien wurden verfolgt und litten   meist unter gro&#223;er Not. 1924 befanden sich allein in Deutschland 7.000   Linke in Gef&#228;ngnissen und 18.000 standen unter Anklage. Dieses   versch&#228;rfte sich noch in den folgenden Jahren. 1932 schrieb die bekannte   deutsche Kommunistin Clara Zetkin zum zehnj&#228;hrigen Bestehen der   &quot;Internationalen Roten Hilfe &quot; (IRH): &quot;Das ganze kapitalistische   Gef&#228;ngnisregime ist darauf angelegt die politischen Gefangenen   k&#246;rperlich und seelisch zu zerm&#252;rben, Folterungen, Karzer, Einzelhaft,   geistt&#246;tende Arbeit, Schikanen wie Fernhaltung revolution&#228;rer Presse und   Literatur, schlechte Kost usw. sind t&#228;gliche Erscheinungen.&quot; Eine auch   heute g&#228;ngige Praxis gegen&#252;ber politischen Gefangenen.<\/p>\n<h4>  Internationale Solidarit&#228;t in den 1920er Jahren<\/h4>\n<p>  Die Rote Hilfe Deutschland (RHD) &#8211; die auf ihrem H&#246;hepunkt kurz vor der   Machtergreifung der Hitlerfaschisten &#252;ber eine Million Mitglieder hatte   &#8211; f&#252;hrte in den 1920er Jahren zahlreiche und umfangreiche Kampagnen   durch: So gegen den wei&#223;en Terror in Mussolinis Italien, den   faschistisch regierten Balkanl&#228;ndern, Polen und dem Baltikum, gegen die   Massaker an chinesischen Revolution&#228;ren und die Lynchjustiz an   Afroamerikanern in den USA. Unterst&#252;tzt wurden diese Kampagnen von   bekannten Pers&#246;nlichkeiten wie dem Physiknobelpreistr&#228;ger Albert   Einstein, der Malerin K&#228;the Kollwitz oder den Schriftstellern Heinrich   und Thomas Mann. Kurt Tucholsky geh&#246;rte dem Vorstand der RHD an. Die   gr&#246;&#223;te Kampagne der IRH mit Massencharakter hatte vor allem 1926 und   1927 die Kampagne f&#252;r die Freilassung der Anarchisten Sacco und Vanzetti   in den USA, die wegen eines nachweislich nicht begangenen Raubmordes   hingerichtet wurden. Gest&#252;tzt auf Sektionen in 71 L&#228;ndern mit 19   Millionen Mitgliedern sammelte die Internationale Rote Hilfe weltweit   Millionen von Unterschriften und f&#252;hrte riesige Kundgebungen und   Demonstrationen durch. Am Tag ihrer Hinrichtung gingen weltweit   Millionen auf die Stra&#223;e oder beteiligten sich an Streiks.<\/p>\n<h4>  Geschichte des 18. M&#228;rz<\/h4>\n<p>  Historisch nimmt der &#8222;Tag der politischen Gefangenen&#8220; vor allem Bezug   auf die Pariser Kommune, die am 18. M&#228;rz 1871 in Paris begann. Damals   &#252;bernahm erstmals in der Geschichte das Proletariat die Macht. In Folge   der blutigen Niederschlagung der Revolution wurden zehntausende Menschen   ermordet, eingekerkert oder mussten fliehen. Deshalb wurde anf&#228;nglich   der 18. M&#228;rz als &quot;Tag der Pariser Kommune&quot; begangen. Aber bereits vorher   war der 18. M&#228;rz ein bedeutender Tag in der Geschichte der   Arbeiterbewegung gewesen. An dem Tag gedachten seit der gescheiterten   b&#252;rgerlich-demokratischen Revolution 1848 in Deutschland Sozialisten und   andere fortschrittliche Kreise den M&#228;rzgefallenen, die im Kampf f&#252;r eine   deutsche Republik, gegen die kaiserliche Armee ihr Leben lie&#223;en.<\/p>\n<h4>  Repression heute<\/h4>\n<p>  An der Lage der politischen Gefangenen hat sich im Laufe der Zeit nichts   ge&#228;ndert. Auch heute werden weltweit unz&#228;hlige Menschen auf Grund ihrer   politischen Anschauung verfolgt, in Gef&#228;ngnisse gesperrt, gefoltert und   ermordet. Bekanntestes Beispiel ist das ehemalige Mitglied der Black   Panther Party, Mumia Abu Jamal, der seit 1982 wegen eines nicht   begangenen Mordes in einer Todeszelle der USA sitzt. Seit den Anschl&#228;gen   vom 11. September nimmt die Repression gegen GewerkschafterInnen und   linke Aktivisten auch in den sogenannten entwickelten L&#228;ndern Europas   und Nordamerikas zu, demokratische Rechte werden immer mehr   eingeschr&#228;nkt. So wird beispielsweise linken Aktivisten mittels Ein- und   Ausreise-Verboten die Teilnahme an europaweiten Demonstrationen   untersagt oder sie werden wegen ihrer politischen Aktivit&#228;t ins   Gef&#228;ngnis geworfen.<\/p>\n<h4>  Internationale Solidarit&#228;t ist auch heute n&#246;tig<\/h4>\n<p>  In den letzten Jahren sind viele Mitglieder unserer Internationalen, des   CWI, verfolgt und in Gef&#228;ngnisse gesteckt worden, so in Nigeria, Israel   und Kasachstan. Bekannteste Beispiele sind Clare Daly und der   Parlamentsabgeordnete Joe Higgins unserer irischen   Schwesterorganisation, die 2003 wegen der Teilnahme an Protesten gegen   die Einf&#252;hrung einer M&#252;llsteuer eingesperrt wurden. Auch Mitglieder der   SAV wurden verhaftet oder mit Gef&#228;ngnis bedroht, um sie unter anderem   daran zu hindern, an den Demonstrationen in G&#246;teborg und Genua   teilzunehmen.<\/p>\n<p>  Die Repression wird mit der fortschreitenden Krise des Kapitalismus und   des Entstehens einer Massenbewegung, die immer mehr die Grenzen des   Systems in Frage stellt und den Ausweg in einer sozialistischen   Gesellschaft sucht, auch in den sogenannten entwickelten L&#228;ndern Europas   und Nordamerikas weiter zunehmen. Wer selber schon von Repression   betroffen war wird wissen, wie wichtig gerade die internationale   Solidarit&#228;t ist. Wie es ist, wenn man allein im kasachischen Gef&#228;ngnis   einem Polizeiverh&#246;r ausgesetzt ist, wo einem offen Gewalt angedroht   wird. Und wie es ist, wenn sich die Polizeib&#252;ttel auf einmal   &#8222;freundlich&#8220; zur&#252;ckhalten, weil die Telefone hei&#223; laufen und es aus   vielen L&#228;ndern Proteste gegen die menschenunw&#252;rdige Behandlung der   politischen Gefangenen hagelt. Oder wie es ist, wenn Menschen   Solidarit&#228;t &#252;ben, indem sie in Briefen politischen Gefangenen Mut machen   und zeigen, dass sie nicht alleine sind. Clara Zetkin schrieb dazu   einst: &quot;Die wichtigste Unterst&#252;tzung f&#252;r die Gefangenen ist zweifellos   die moralische. Sie m&#252;ssen die Gewissheit haben, dass ihre Klassenbr&#252;der   sie nicht vergessen haben. Dieses Bewusstsein wird nicht nur ihr   Schicksal erleichtern, sondern sie auch als ungebrochene revolution&#228;re   K&#228;mpfer in die Reihen der Revolution zur&#252;ckf&#252;hren.&#8220;<\/p>\n<h4>  &#8222;Solidarit&#228;t ist die Z&#228;rtlichkeit der V&#246;lker&#8220; (Che Guevara)<\/h4>\n<p>  Der 18. M&#228;rz als &#8222;Tag der politischen Gefangenen&#8220; kann nur darauf   aufmerksam machen, dass es weltweit viele politische Gefangene gibt, die   unsere Unterst&#252;tzung brauchen. Enorm wichtig ist die t&#228;gliche   Solidarit&#228;tsarbeit. Beteiligt euch an den Kampagnen des CWI und der SAV   f&#252;r die Freiheit politischer Gefangener und den Aufrufen zur Solidarit&#228;t   mit linken und gewerkschaftlichen Aktivisten!<\/p>\n<p>  Aus Anlass des &#8222;Tages der politischen Gefangenen&#8220; hier das bekannte   deutsche Arbeiterlied &#8222;Solidarit&#228;tslied&#8220;, dass Bertolt Brecht (Text) und   Hanns Eisler (Musik) 1931 f&#252;r den Arbeiterfilm &quot;Kuhle Wampe&quot; von Slatan   Dudow (uraufgef&#252;hrt in Berlin) verfassten:<\/p>\n<h4>  Solidarit&#228;tslied<\/h4>\n<p>  Vorw&#228;rts und nicht vergessen,<\/p>\n<p>  worin unsere St&#228;rke besteht!<\/p>\n<p>  Beim Hungern und beim Essen,<\/p>\n<p>  vorw&#228;rts und nie vergessen: die Solidarit&#228;t!<\/p>\n<p>  Auf ihr V&#246;lker dieser Erde,<\/p>\n<p>  einigt euch in diesem Sinn,<\/p>\n<p>  da&#223; sie jetzt die eure werde,<\/p>\n<p>  und die gro&#223;e N&#228;hrerin.<\/p>\n<p>  Vorw&#228;rts und nicht vergessen&#8230;<\/p>\n<p>  Schwarzer, Wei&#223;er, Brauner, Gelber!<\/p>\n<p>  Endet ihre Schl&#228;chterei!<\/p>\n<p>  Reden erst die V&#246;lker selber,<\/p>\n<p>  werden sie schnell einig sein.<\/p>\n<p>  Vorw&#228;rts und nicht vergessen&#8230;<\/p>\n<p>  Wollen wir es schnell erreichen,<\/p>\n<p>  brauchen wir noch dich und dich.<\/p>\n<p>  Wer im Stich l&#228;&#223;t seinesgleichen,<\/p>\n<p>  l&#228;&#223;t ja nur sich selbst im Stich.<\/p>\n<p>  Vorw&#228;rts und nicht vergessen&#8230;<\/p>\n<p>  Unsre Herrn, wer sie auch seien,<\/p>\n<p>  sehen unsre Zwietracht gern,<\/p>\n<p>  denn solang sie uns entzweien,<\/p>\n<p>  bleiben sie doch unsre Herrn.<\/p>\n<p>  Vorw&#228;rts und nicht vergessen&#8230;<\/p>\n<p>  Proletarier aller L&#228;nder,<\/p>\n<p>  einigt euch und ihr seid frei.<\/p>\n<p>  Eure gro&#223;en Regimenter<\/p>\n<p>  brechen jede Tyrannei!<\/p>\n<p>  Vorw&#228;rts und nicht vergessen<\/p>\n<p>  und die Frage korekt gestellt<\/p>\n<p>  beim Hungern und beim Essen:<\/p>\n<p>  Wessen Morgen ist der Morgen?<\/p>\n<p>  Wessen Welt ist die Welt?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Heute ist der &#8222;Tag der politischen Gefangenen&#8220;\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[90],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14738"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14738"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14738\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14738"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14738"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14738"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}