{"id":14728,"date":"2012-03-07T20:00:00","date_gmt":"2012-03-07T20:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14728"},"modified":"2012-03-07T20:00:00","modified_gmt":"2012-03-07T20:00:00","slug":"14728","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/03\/14728\/","title":{"rendered":"&#8220;Das ist erst der Anfang!&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>  Bericht von Warnstreik im &#214;ffentlichen Dienst in Aachen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Im Rahmen der Tarifverhandlungen im &#214;ffentlichen Dienst der   Besch&#228;ftigten bei Bund und Kommunen wurde heute in NRW gestreikt. Auch   in Aachen erzielte der Warnstreik eine gute Resonanz: Auch wenn noch   keine offiziellen Zahlen zur Teilnahme an der zentralen Kundgebung   bekannt sind, war der Willy-Brandt-Platz gut gef&#252;llt. Aus allen   relevanten Betrieben des &#214;ffentlichen Dienstes waren Delegationen   anwesend. Der &#246;ffentliche Nahverkehr kam praktisch zum Erliegen, nur   wenige Kitas hatten ge&#246;ffnet, und ein Krankenhaus konnte nur Notf&#228;lle   behandeln.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Christian Walter, Aachen<\/i><\/h4>\n<p>  Gewerkschaften hatten f&#252;r 10 Uhr zur zentralen Kundgebung zum   Willy-Brandt-Platz gerufen. Doch schon eine halbe Stunde fr&#252;her, als ich   eintraf, war der Platz voller Menschen mit Streikwesten, Fahnen,   Trillerpeifen etc. Nicht Wenige hatten Transparente mitgebracht.<\/p>\n<h4>  K&#228;mpferische Reden&#8230;<\/h4>\n<p>  Ein Redner betonte, dass die Arbeitgeber &#8211; Bund und Kommunen &#8211; sich in   der Dreistigkeit geradezu &#252;bertr&#228;fen, das Anliegen der Streikenden zu   diskreditieren. Und tats&#228;chlich: W&#228;hrend &#252;ber Nacht Milliarden f&#252;r   Banken und Konzerne bereitgestellt werden oder ein Wulff hunderttausende   Euros j&#228;hrlich geschenkt bekommen soll &#8211; wof&#252;r? &#8211; echauffieren sie sich   &#252;ber berechtigte Forderungen nach 6,5% Lohnerh&#246;hung, mindestens aber 200   Euro. Eine weitere Gewerkschafts-Forderung ist, dass Auszubildende 100   Euro h&#246;here Verg&#252;tung erhalten sollen. Tats&#228;chlich w&#252;rden diese   Lohnerh&#246;hungen, sollten sie erf&#252;llt werden, kaum den Reallohnverlust   durch Inflation der letzten Jahre wett machen. Das Motto &#8220;Wir sind es   wert!&#8221; war dann auch eines der gefl&#252;gelten Worte, eine Parole, auf die   sich viele RednerInnen bezogen.<\/p>\n<h4>  &#8230;und k&#228;mpferische Stimmung!<\/h4>\n<p>  Ein besonderes Highlight war der Einzug der M&#252;llabfuhr &#8211; etwa 50   ArbeiterInnen, die mit ihren riesigen Maschinen auffuhren. Sie wurden   zurecht mit Applaus und Freude begr&#252;&#223;t. In den Stadtwerken gibt es   mittlerweile einen gewerkschaftlichen Organisationsgrad von etwa 80%.<\/p>\n<p>  Positiv erw&#228;hnt werden muss aber auch, dass eine Kollegin von Schlecker   von der B&#252;hne reden konnte. Das Signal ist deutlich: Ob &#214;ffentlicher   Dienst oder Einzelhandel &#8211; wir sitzen im selben Boot, wir haben die   gleichen Probleme. Gleichzeitig zeigte sich aber auch die breite   Verzweiflung der Schlecker-KollegInnen, wo es laut der Rednerin darum   ginge, den Kahlschlag zu begrenzen.<\/p>\n<h4>  Beitr&#228;ge der Betriebe<\/h4>\n<p>  Nach einigen Reden von Gewerkschafts-Funktion&#228;rInnen sowie einem   Mitglied der Verhandlungskommission kamen VertreterInnen aus den   Betrieben zu Wort. Ein Kollege des Theaters berichtete, dass er zu Fu&#223;   kommen musste, weil kein Bus fuhr. Das Aachener Theater war in den   letzten Jahren bevorzugtes K&#252;rzungsobjekt bei kommunalen K&#252;rzungsorgien.<\/p>\n<p>  Ein Kollege der ASEAG, des &#246;ffentlichen Nahverkehrs-Unternehmens,   stellte den v&#246;llig richtigen Vergleich her zwischen der Behauptung, es   sei kein Geld f&#252;r h&#246;here L&#246;hne da und dem Fakt, dass Prestigeobjekte   auch in Aachen keine Seltenheit sind. Nur wenige hundert Meter vom   Kundgebungsort entfernt soll die Kaiserplatz-Galerie entstehen, eine   Mega-Projekt, f&#252;r das bereits 2007 begonnen wurde, Wohn- und   Gesch&#228;ftsh&#228;user abzureissen. Seitdem ziert eine riesige Brache den   Kaiserplatz.<\/p>\n<p>  Ein Arbeiter bei der M&#252;llabfuhr sagte nicht viel, aber daf&#252;r das   Richtige: &#8220;Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich kann euch versprechen:   Das ist erst der erste Aufruf. Ich kann euch aber versprechen: Wir   k&#246;nnen noch mehr! Und das werden wir auch zeigen!&#8221;<\/p>\n<p>  Vom Medizinischen Zentrum W&#252;rselen waren 150 KollegInnen bei der   Kundgebung. Das Krankenhaus konnte damit kaum mehr als Notf&#228;lle   behandeln.<\/p>\n<p>  Insgesamt waren die Reden der VertreterInnen aus den Betrieben die wohl   K&#228;mpferischsten &#8211; kurz und knapp kam in jeder Rede r&#252;ber, dass es eine   gro&#223;e Wut und eine entsprechend gro&#223;e Kampfbereitschaft gibt. Das   Studentenwerk wollte beispielsweise nur mit einer kleinen Delegation   anreisen. Als Reaktion auf die Arroganz der Arbeitgeber, ohne eigenes   Angebot die Forderung der Gewerkschaften zur&#252;ckzuweisen, entschieden   sich die KollegInnen aber anders &#8211; die Folge: Die Belegschaft der   Hauptmensa trat geschlossen in den Streik. Ein Vertreter der KollegInnen   dort begann, weil er meinte, kein guter Redner zu sein, zu singen: &#8220;Alle   R&#228;der stehen still, wenn unser starker Arm es will!&#8221;<\/p>\n<p>  Und ein Personalrat der Bundeswehr sagte, die Azubis der Bundeswehr   st&#252;nden &#8220;Gewehr bei Fu&#223;, um unsere Forderungen zu erreichen. Wir sind   st&#228;rker als die Ehrensoldsempf&#228;nger da oben!&#8221;<\/p>\n<p>  Viele Streikende konnten, weil kaum Busse fuhren, gar nicht zur   Kundgebung gelangen. Vor allem aus D&#252;ren waren ganze Betriebe, wo   KollegInnen streikten, nicht vertreten. Aber auch ein anderes Ph&#228;nomen   wirkte sich bei manchen ArbeiterInnen demobilisierend aus: Massiver   Druck und angedrohte Repression. So berichtete eine Kollegin von den   Heilp&#228;dagogischen Anstalten D&#252;ren, dass Teamleiter dort die KollegInnen   so massiv unter Druck gesetzt h&#228;tten, dass manche deswegen nicht, wie   geplant, gestreikt h&#228;tten.<\/p>\n<h4>  Alle Forderungen voll durchsetzen!<\/h4>\n<p>  Ein Redner betonte: &#8220;Wir sind heute hier angetreten, um f&#252;r 6,5% zu   streiten. Und wir sollten uns nicht, wie in den letzten Jahren, mit 2   oder 2,5% zufrieden geben!&#8221;. Recht hat er! Eine deutliche Lohnerh&#246;hung   ist l&#228;ngst &#252;berf&#228;llig. Genug des Geredes, es sei kein Geld da &#8211; man muss   nur einmal eine Zeitung aufschlagen, dann sieht man, wof&#252;r Geld da ist:   F&#252;r Banken-Rettungen, Steuergeschenke an Konzerne, Umverteilungen von   Steuergeldern an deutsche Konzerne in Form von &#8220;Hilfszahlungen an   Griechenland&#8221;, Aufr&#252;stung, und und und&#8230; Und es nicht nicht nur genug   Geld da &#8211; es ist auch genug Kampfkraft da! Und wenn die da Oben die   Forderungen nicht erf&#252;llen wollen, muss ihnen halt gezeigt werden, wer   die Macht hat &#8211; und das sind bestimmt nicht die, die keinen Schimmer   davon haben, wie man Bus f&#228;hrt, Kinder betreut, Kranke pflegt oder sich   zu fein sind, M&#252;ll wegzur&#228;umen. Und es gibt es Solidarit&#228;t &#8211; so haben   sich KollegInnen bei Regio IT frei genommen, um den Streik zu   unterst&#252;tzen.<\/p>\n<p>  Ein paar RednerInnen forderten, angesichts explodierender Renten- und   Gesundheitskassen seien die Forderungen umsetzbar. Diese Forderung   beinhaltet eine Gefahr &#8211; denn die KollegInnen selber sind es doch, die   diese Kassen gef&#252;llt haben! Stattdessen sollte die Forderung aufgeworfen   werden, wenn die Frage kommt, woher das Geld kommt: Nehmt&quot;s von den   Reichen! Sie haben uns schon immer ausgepresst, und werden es solange   weiter tun, wie wir sie lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bericht von Warnstreik im &#214;ffentlichen Dienst in Aachen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14728"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14728"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14728\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14728"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14728"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14728"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}