{"id":14723,"date":"2012-03-06T00:00:00","date_gmt":"2012-03-05T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14723"},"modified":"2012-06-15T20:03:43","modified_gmt":"2012-06-15T18:03:43","slug":"14723","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/03\/14723\/","title":{"rendered":"Polizeigewalt im Susatal"},"content":{"rendered":"<p>Massenproteste in Italien<\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p>Im Susatal, in Italien zwischen Turin und der franz\u00f6sischen Grenze, wehrt sich die Bev\u00f6lkerung seit \u00fcber 20 Jahren gegen den Bau einer Hochgeschwindigkeitszugverbindung. Obwohl es schon eine nur zu einem Drittel ausgelastete Zugverbindung zwischen Lyon und Turin gibt, soll eine zus\u00e4tzliche Zugverbindung in dem engen Tal gebaut werden, indem es au\u00dferdem eine Autobahn und zwei Bundesstra\u00dfen gibt. Die Tunnel sollen durch asbest- und uranhaltiges Gestein gebaut werden, weshalb die Bev\u00f6lkerung eine Gesundheitsgef\u00e4hrdung bef\u00fcrchtet. Ende 2005 konnte eine von der Polizei ger\u00e4umte geplante Baustelle durch eine Massenaktion von Zehntausenden wieder besetzt werden. Aber Ende Juni 2011 schlug die Staatsmacht wieder zu. Um das Verfallen von EU-Zusch\u00fcssen zu verhindern und einen Baubeginn vorzugaukeln wurde in einer polizeilichen Gro\u00dfaktion ein Gel\u00e4nde besetzt. Tats\u00e4chlich wurde dort keine Baustelle eingerichtet, sondern eine Festung f\u00fcr Polizei und Milit\u00e4r \u2013 einschlie\u00dflich einer direkt aus Afghanistan ins Susatal verlegten Gebirgsj\u00e4gereinheit. Nebenan errichteten AktivistInnen eine Mahnwache an der Stelle, wo ein Versorgungstunnel f\u00fcr den geplanten Eisenbahntunnel m\u00fcnden soll. Viele AktivistInnen kauften dort kleine St\u00fccke Land auf.<\/p>\n<p align=\"center\"><img src=\"\/20120306_Susa1.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Da sich eine R\u00e4umung dieser Mahnwache abzeichnete, fand am 25. Februar im Susatal eine friedliche Riesendemonstration mit 70.000 bis 100.000 TeilnehmerInnen von Bussoleno nach Susa statt. Aber im Anschluss daran schlug die Staatsmacht zu. Am Porta-Nuova-Bahnhof in Turin wurden heimreisende Demo-TeilnehmerInnen von hunderten Polizisten angegriffen und mit Tr\u00e4nengas beschossen. Viele wurden verletzt, einige am Kopf. Am Morgen des 27. Februar wurde die Mahnwache ger\u00e4umt, von No-Tav-AktivistInnen gekauftes Land gewaltsam enteignet, um die Baustelle zu vergr\u00f6\u00dfern. Dabei fiel der Aktivist Luca Abb\u00e0 von einem Hochspannungsmasten und verletzte sich lebensgef\u00e4hrlich. Die Polizei lie\u00df Luca 40 Minuten auf dem Boden liegen, bis sie einen Rettungswagen durchlie\u00df. Es gab Proteste im ganzen Land, im Susatal wurden Stra\u00dfen blockiert, einschlie\u00dflich einer Autobahn (die aber ohnehin nur ein die Landschaft verschandelndes Prestigeprojekt ist und kaum genutzt wird \u2013 au\u00dfer von dem auf der Baustelle stationierten Polizei- und Milit\u00e4reinheiten zum Schichtwechsel). Am Abend des 29. wurden die Blockaden mit Wasserwerfern, CS-Gas und Bulldozern gewaltsam ger\u00e4umt. AktivistInnen wurden in Bussoleno und anderen Orten durch die Stra\u00dfen gejagt, bis in Pizzerien und Bars verfolgt. Die Polizei schoss Tr\u00e4nengas in Wohnungen. Viele AktivistInnen wurden verletzt, unter anderem Nicoletta Dosio, Mitbegr\u00fcnderin der No-Tav-Bewegung und aktiv bei Controcorrente, der italienischen Schwesterorganisation der SAV.<\/p>\n<p align=\"center\"><img src=\"\/20120306_Susa2.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Die Polizeigewalt zeigt, dass die italienische Technokraten-Regierung die No-Tav-Bewegung zerschlagen will, weil sie f\u00fcrchtet, dass ihr Beispiel im ganzen Land den Widerstand gegen ihre Politik des Sozialkahlschlags ermutigen k\u00f6nnte. Aber bisher hat sie nur eine breite Solidarisierung erreicht. Am Abend des 1. M\u00e4rz gab es wieder landesweit zahlreiche Proteste.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Massenproteste in Italien\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[54,57,44],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14723"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14723"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14723\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14723"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14723"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14723"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}