{"id":14716,"date":"2012-03-22T00:00:00","date_gmt":"2012-03-21T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14716"},"modified":"2012-06-08T20:08:43","modified_gmt":"2012-06-08T18:08:43","slug":"14716","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/03\/14716\/","title":{"rendered":"Werkvertr&#228;ge &#8211; das neue Billiglohn-Modell"},"content":{"rendered":"<p>  Nicht nur Leiharbeits-, auch Werkvertr&#228;ge sind auf dem Vormarsch<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Jahrelang setzten Unternehmen auf Leiharbeit. Angeblich sollte damit   flexibel auf Schwankungen der Wirtschaft reagiert werden. Seit einiger   Zeit beobachten gewerkschaftliche und betriebliche AktivistInnen, dass &#8211;   noch viel st&#228;rker als bisher &#8211; zus&#228;tzlich Werkvertr&#228;ge mit   Sub-Unternehmen abgeschlossen werden.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Ronald Luther, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Statt wie bisher Besch&#228;ftigte f&#252;r eine Weile &#252;ber Zeitarbeitsfirmen   auszuleihen, werden mittlerweile verst&#228;rkt &#252;ber Werkvertr&#228;ge bestimmte   Leistungen eingekauft. Damit werden verbesserte Vereinbarungen f&#252;r   LeiharbeiterInnen wieder unterlaufen. Ein weiterer Vorteil f&#252;r die   Kapitalisten besteht darin, dass sie bei Werkvertrags-Besch&#228;ftigten die   Betriebsr&#228;te komplett von der Personalplanung und den   Einstellungsprozessen ausschlie&#223;en k&#246;nnen, da Werkvertr&#228;ge nicht als   Personal-, sondern als Sachkosten behandelt werden.<\/p>\n<h4>  Lohndumping noch leichter gemacht<\/h4>\n<p>  Bei den Einzelhandelsketten Netto und Kaufland hat man Werkvertr&#228;ge mit   Subunternehmen abgeschlossen, durch die L&#246;hne im Lager um rund 30   Prozent gedr&#252;ckt wurden. Es geht aber noch schlimmer: In der   Schlachtindustrie sollen bereits bis zu 90 Prozent der Besch&#228;ftigten   &#252;ber Werkvertr&#228;ge eingestellt werden. Viele Besch&#228;ftigte sind aus   Rum&#228;nien, die f&#252;r drei oder vier Euro Stundenlohn teilweise zw&#246;lf bis 16   Stunden am St&#252;ck arbeiten.<\/p>\n<p>  Aber auch in der tariflich besser abgesicherten Metall- und   Elektroindustrie wird verst&#228;rkt auf Werkvertr&#228;ge gesetzt. In den   s&#228;chsischen Fabriken von Porsche und BMW sollen bereits die H&#228;lfte aller   Besch&#228;ftigten mit Werkvertr&#228;gen arbeiten. BMW Leipzig (wo   LeiharbeiterInnen eigentlich den IGM-Tariflohn erhalten) hat mit 26   Dienstleistungsfirmen Werkvertr&#228;ge abgeschlossen, darunter Wisag. Obwohl   Wisag-Angestellte die gleichen Achsen wie BMW-Festangestellte   zusammenschrauben, bekommen sie bis zu 1.000 Euro brutto weniger im   Monat.<\/p>\n<h4>  IG-Metall-Tarifrunde<\/h4>\n<p>  In der aktuellen Metall-Tarifrunde strebt die Gewerkschaft auch an, dass   Betriebsr&#228;te &#252;ber Dauer, Einsatz und Umfang von Leiharbeit mitbestimmen   d&#252;rfen. Parallel dazu hat die Gewerkschaft Verhandlungen mit den   Zeitarbeitsverb&#228;nden BAP und iGZ aufgenommen, um Branchenzuschl&#228;ge und   Einsatzzulagen durchzusetzen.<\/p>\n<p>  Statt in der aktuellen Tarifrunde au&#223;erdem die Problematik Werkvertr&#228;ge   anzugehen, erkl&#228;rte Helga Schwitzer, gesch&#228;ftsf&#252;hrendes   IGM-Vorstandsmitglied, in einem Interview f&#252;r igmetall.de vom 21.   Februar: &#8222;Nach dem Sommer will die IG Metall das Thema Werkvertr&#228;ge mit   einer Kampagne angehen.&#8220; Also erst nach der Tarifrunde.<\/p>\n<h4>  Ein Betrieb &#8211; eine Belegschaft!<\/h4>\n<p>  Die Mindestl&#246;hne f&#252;r LeiharbeiterInnen betragen seit 1. Mai 2011 7,79   Euro im Westen und 6,89 Euro pro Stunde im Osten. Erstrebenswert ist   generell ein Mindestlohn von zehn Euro pro Stunde als ersten Schritt hin   zu einem Mindestlohn von zw&#246;lf Euro pro Stunde. Ziel muss sein, dass in   allen Betrieben gleicher Lohn f&#252;r gleiche Arbeit gezahlt wird. Derzeit   wird ein Gesetzesbeschluss &#252;ber &#8222;Equal Pay&#8220; diskutiert. F&#252;r   Verbesserungen ist aber immer der gewerkschaftliche Kampf entscheidend &#8211;   mit der Sto&#223;richtung: Festeinstellungen und Tarifl&#246;hne statt unsichere   Billigjobs! Verbot von Leiharbeit! Nein zum Missbrauch von   Werkvertr&#228;gen! Drastische Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem Lohn- und   Personalausgleich!<\/p>\n<h2>  Die unendliche Geschichte<\/h2>\n<ul>\n<li>    Bis 1967 war Leiharbeit in der Bundesrepublik verboten. Seitdem wurdeder Einsatz stetig ausgeweitet, 2002 durften Leiharbeits-Besch&#228;ftigtemaximal zwei Jahre in einem Betrieb eingesetzt werden. Nachdem dieAgenda 2010 unter Rot-Gr&#252;n beschlossen wurde, gab es kein Halten mehr.Heute gibt es etwa eine Million LeiharbeiterInnen.  <\/li>\n<li>    Jede dritte von der Arbeitsagentur angebotene Stelle wird heute voneiner Zeitarbeitsfirma gemeldet.  <\/li>\n<li>    Leihbesch&#228;ftigte verdienen im Schnitt 34 bis 46 Prozent weniger alsFestangestellte.  <\/li>\n<li>    Im Zust&#228;ndigkeitsbereich der IG Metall soll es etwa zehn ProzentLeihbesch&#228;ftigte direkt im Hauptbetrieb geben. &#220;ber Besch&#228;ftigte beiWerkvertrags-Firmen liegen keine genauen Zahlen vor. In derStahlindustrie wird die Zahl auf acht Prozent gesch&#228;tzt. Tats&#228;chlichsind es wohl deutlich mehr (metallzeitung 1\/2012).  <\/li>\n<li>    In immer mehr Betrieben werden nicht nur LeiharbeiterInnen undWerkvertrags-Besch&#228;ftigte von Sub-Unternehmen (undSub-Sub-Unternehmen) eingesetzt, sondern auch Leihbesch&#228;ftigte, dievon Werkvertrags-Firmen geholt werden.  <\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Nicht nur Leiharbeits-, auch Werkvertr&#228;ge sind auf dem Vormarsch\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[9],"tags":[245],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14716"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14716"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14716\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14716"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}