{"id":14713,"date":"2012-03-15T00:00:00","date_gmt":"2012-03-14T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14713"},"modified":"2012-06-08T20:09:10","modified_gmt":"2012-06-08T18:09:10","slug":"14713","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/03\/14713\/","title":{"rendered":"Leider nicht im deutschen Kino: MissRepresentation"},"content":{"rendered":"<p>  Sehenswerter Film &#252;ber die Darstellung von Frauen aus den USA<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>Langfassung des Artikels aus der <a href=\"\/media\/ssz\/Nr110.pdf\">Solidarit&#228;t   Nr. 110.<\/a><\/i><\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>MissRepresentation, 2011 in den USA erschienen, ist eine   Bestandsaufnahme der Situation von Frauen in den Medien und der Politik   in den USA. Der Film ist &#228;u&#223;erst sehenswert, um einen &#220;berblick &#252;ber die   Lage zu bekommen. Er liefert viele Zahlen und Fakten und zeigt auf 90   Minuten konzentriert das Bild, das von Frauen vermittelt wird. <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Anna Shadrova, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  235,6 Milliarden US-Dollar wurden 2009 f&#252;r Werbung und Medien in den USA   ausgegeben. Das ist mehr, als das Bruttoinlandsprodukt von 80% der   L&#228;nder in der ganzen Welt. 97% der US-amerikanischen Medien werden von   M&#228;nnern gemacht. Die Mehrheit der ZuschauerInnen ist weiblich. In   Reality-TV-Sendungen sind Frauen zickig, dumm, geldgeil, gierig,   eifers&#252;chtig, rachs&#252;chtig und Personen, denen man auf keinen Fall trauen   sollte &#8211; schon gar nicht als Frau. Frauen, das sind diejenigen, die   &#252;berall und st&#228;ndig als sexualisierte Objekte auftreten, die es   &#8222;eigentlich gern hart m&#246;gen&#8220;, die immer zur Verf&#252;gung stehen, die &#8222;mit   ihrem provokanten Aussehen nur darauf aus sind, den M&#228;nnern die   Kontrolle zu entrei&#223;en&#8220;. Der Anteil der weiblichen Figuren in Familien-   und Kinderfilmen (g-rated), die in sexuell anz&#252;glicher Kleidung   dargestellt werden, ist genauso hoch wie in FSK18-Filmen (r-rated). &#220;ber   Frauen in den Medien oder in der Politik wird in jedem Fall zuerst, oft   auch ausschlie&#223;lich, mit Blick auf ihr Aussehen, ihre K&#246;rper, ihre   Kleidung berichtet. Es existieren so gut wie keine komplexen   Frauencharaktere in Serien und Mainstream-Filmen. Die zwei bekanntesten   Politikerinnen der USA, Sarah Palin und Hillary Clinton, werden als   gegens&#228;tzliche Stereotype medial aufgebaut: Erstere als &#8222;echte&#8220; Frau mit   &#8222;femininem Charme&#8220; und Familienbezug. In Talkshows wird dar&#252;ber   diskutiert, wie oft wer schon in Gedanken an Sarah Palin masturbiert   h&#228;tte. Clinton wird als &#8222;Mannsweib&#8220; mit sexuell abt&#246;rnender und   m&#228;nnerabschreckender Wirkung dargestellt. &#220;ber die Inhalte ihrer Politik   &#8211; in beiden F&#228;llen &#252;brigens frauenfeindlich, weil Frauen von K&#252;rzungen   im &#246;ffentlichen Dienst und im Sozialsystem als erste betroffen sind &#8211;   redet niemand.<\/p>\n<h4>  Probleme, die daraus erwachsen?<\/h4>\n<p>  Die Tatsache, dass 79% der 17-j&#228;hrigen Frauen in den USA mit ihrem   K&#246;rper unzufrieden sind. Dass die Depressionsrate unter jungen Frauen   sich zwischen 1997 und 2007 verdreifacht hat. Dass Frauen, die lernen,   sich selbst als Objekt zu betrachten, mit h&#246;herer Wahrscheinlichkeit an   Essst&#246;rungen und Depressionen erkranken und ihre Ambitionen geringer   werden, eine bedeutende Rolle in der Welt zu spielen. Die fehlenden   Vorbilder f&#252;r M&#228;dchen &#8211; Frauencharaktere, die durch Arbeit, Klugheit und   Interesse etwas erreichen, und die sich &#252;ber ihre Erfolge definieren und   nicht &#252;ber ihr Aussehen, und die genauso fehlenden Vorbilder f&#252;r Jungen   &#8211; M&#228;nner, die Frauen mit Respekt behandeln und nicht als Sexobjekte und   dumme Zicken betrachten.<\/p>\n<h4>  Wessen Interesse?<\/h4>\n<p>  Der Film liefert auch Erkl&#228;rungen f&#252;r die gegenw&#228;rtig extrem   sexualisierte Darstellung, und das erstaunlich offen: &#8222;It&quot;s all about   capitalism&#8220; &#8211; es geht nur um den Kapitalismus, sagt eine Sprecherin von   NBC. Der fr&#252;here Vorstandschef von Walt Disney wird zitiert: &#8222;Wir m&#252;ssen   nicht Geschichte schreiben.Wir m&#252;ssen keine Kunst machen. Wir m&#252;ssen   keine Aussagen treffen. Unser einziges Ziel ist es, Geld zu machen&#8220;.   Seit den 80er Jahren wurde die Deregulierung der Medien vorangetrieben,   die zur Erschlie&#223;ung eines &#8222;Sensationsmarktes&#8220; insbesondere in den   Nachrichtensendungen gef&#252;hrt hat &#8211; &#8222;Prominachrichten&#8220; und das   &#246;ffentliche Daherl&#228;stern &#252;ber Personen des &#246;ffentlichen Lebens (Frauen   und ihr Aussehen, vor Allem) nehmen seitdem gro&#223;en Raum ein auf Sendern   wie Fox, CBS und mittlerweile auch CNN.<\/p>\n<p>  Was nicht gesagt oder gezeigt wird, ist der riesige Unterschied zwischen   den wenigen dargestellen Politikerinnen, die als reiche Frauen der   Klasse der Herrschenden im Kapitalismus angeh&#246;ren, und den vielen   Arbeiterinnen. Diese sind neben der inakzeptablen Mediendarstellung auch   von Niedrigl&#246;hnen, zus&#228;tzlicher Belastung durch Haushalt und   Kinderbetreuung, noch mehr Alltagssexismus und noch viel geringeren   Aufstiegschancen betroffen. Sie haben im Kapitalismus nichts zu gewinnen   und nichts zu verlieren. Weil dieser Unterschied nicht aufgezeigt wird,   kranken auch die L&#246;sungsans&#228;tze im Film.<\/p>\n<h4>  Was tun?<\/h4>\n<p>  Das klassische Ghandi-Zitat &#8222;Sei die Ver&#228;nderung, die du in der Welt   sehen willst&#8220; wird herangezogen, um Frauen Mut zu machen, sich trotzdem   und den Umst&#228;nden entgegen durchzusetzen. Frauen sollen ihre Kaufkraft   einsetzen, um Produkte und Medien zu bef&#246;rdern, die ohne Sexismus   auskommen. Die Perspektive eines gemeinsamen Kampfes von Frauen und   M&#228;nnern gegen Sexismus wird gar nicht erst aufgemacht. Nur durch   Eigenerm&#228;chtigung (Empowerment) sollen Frauen ihre Lage verbessern, als   w&#228;ren alle Frauen gleich betroffen und &#8222;chancengleich&#8220;.<\/p>\n<p>  Zur Information, und auch, um die Empowerment-Argumentation besser   kennenzulernen, lohnt sich der Film in jedem Fall. Was den Ausweg   betrifft, gibt es bessere Vorschl&#228;ge. Eine Frau an der Macht ist an sich   keine Hilfe f&#252;r die Frauen der Arbeiterklasse. In der Geschichte der USA   gab es 2319 Gouverneure und 34 Gouverneurinnen &#8211; aber keineR von ihnen   hat die Lage f&#252;r Frauen verbessert. Nur Bewegungen haben das erreicht,   und nur die Arbeiterklasse an der Macht kann die Frauenfrage in der   Arbeiterklasse l&#246;sen. Trotz der Einschr&#228;nkungen w&#228;re es w&#252;nschenswert   den Film auch in deutschen Kinos sehen zu k&#246;nnen. F&#252;r alle die sich am   Englisch nicht st&#246;ren, ist er aber im Internet leicht zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Sehenswerter Film &#252;ber die Darstellung von Frauen aus den USA\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[68,32],"tags":[245],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14713"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14713"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14713\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14713"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14713"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14713"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}