{"id":14701,"date":"2012-02-27T13:00:00","date_gmt":"2012-02-27T12:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14701"},"modified":"2012-06-08T20:16:28","modified_gmt":"2012-06-08T18:16:28","slug":"14701","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/02\/14701\/","title":{"rendered":"Auf nach Frankfurt im Mai!"},"content":{"rendered":"<p>  Aktionskonferenz beschlie&#223;t Protesttage<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  400 TeilnehmerInnen einer Aktionskonferenz haben am 24. bis 26. Februar   in Frankfurt am Main beschlossen, vom 17. bis 19. Mai zu gro&#223;en   Protesten im Frankfurter Bankenviertel aufzurufen. Damit soll auch aus   Deutschland ein Zeichen gegen die von der Bundesregierung ma&#223;geblich   durchgesetzte Europapolitik im Interesse der Banken und Konzerne und f&#252;r   die Solidarit&#228;t mit den K&#228;mpfen der ArbeiterInnen und benachteiligten   Massen in S&#252;deuropa gesetzt werden.<\/p>\n<h4>  <i>von Sascha Stanicic, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  SAV-Mitglieder haben sich an der Konferenz beteiligt. Wir begr&#252;&#223;en die   Entscheidung, auch in der Bundesrepublik eine zentrale Mobilisierung   durchzuf&#252;hren und rufen zu der internationalen Gro&#223;demonstration am 19.   Mai auf.<\/p>\n<p>  Allerdings lassen der Ablauf der Konferenz, der Charakter der   beschlossenen Aktionen und der verabschiedete inhaltliche Aufruf   bef&#252;rchten, dass das Potenzial f&#252;r Massenproteste nicht ausgesch&#246;pft   wird und die Konferenz kein Anfangspunkt f&#252;r die Reorganisierung von   breiten und demokratischen Strukturen einer Anti-Krisen-Bewegung in   Deutschland darstellt.<\/p>\n<h4>  Pseudodemokratischer Ablauf<\/h4>\n<p>  Der Konferenz war im Januar ein Vorbereitungstreffen voran gegangen, an   dem sich schon 250 Personen beteiligt haben. Der Einladerkreis umfasste   zwar auch ver.di Stuttgart, DIE LINKE Hessen und andere, aber die   Konferenz selber wurde dann stark von Kr&#228;ften aus der   Interventionistischen Linken (IL) und von attac dominiert.<\/p>\n<p>  Ohne ihre Vorschl&#228;ge im Vorfeld der Konferenz zu kommunizieren oder auch   nur in ausreichender Anzahl zu kopieren, wurde den 400 TeilnehmerInnen   aus vielen verschiedenen Gruppen und Bewegungen schon zu Beginn der   Konferenz von der IL ein detailliertes Aktionskonzept pr&#228;sentiert.   &#220;bliche (und sinnvolle) Diskussionsabl&#228;ufe wurden auf den Kopf gestellt.   Anstatt zuerst &#252;ber eine Einsch&#228;tzung der politischen Situation,   Stimmung in der Arbeiterklasse und der Jugend,   Mobilisierungsm&#246;glichkeiten und politische Inhalte zu sprechen und   daraus dann Aktionsvorschl&#228;ge abzuleiten, wurde mit einem   Aktionsvorschlag begonnen und dieser nach dem Motto &#8222;Friss oder stirb&#8220;   der Konferenz vorgelegt.<\/p>\n<p>  Vorbereitung und Durchf&#252;hrung der Konferenz waren f&#252;r TeilnehmerInnen,   die nicht zum engeren Organisatorenkreis geh&#246;rten, intransparent. So   wurde zu keinem Zeitpunkt dargelegt, wer eigentlich die verschiedenen   Konferenzdebatten vorbereitete und auch keine Konferenzleitung aus dem   Kreis der TeilnehmerInnen demokratisch bestimmt.<\/p>\n<p>  Der Aktionsvorschlag sieht nicht nur eine Gro&#223;demonstration am 19. Mai   vor, sondern eine Blockierung des Gesch&#228;ftsbetriebs im Bankenviertel am   Tag zuvor. Vom 17. Mai an sollen dort in der Tradition der   &#8222;Occupy&#8220;-Bewegung massenhaft Zelte errichtet und am 18. Mai das   Bankenviertel zum Stillstand gebracht werden. Es ist zu bezweifeln, dass   eine solche Aktionsform sich zum gegenw&#228;rtigen Zeitpunkt auf eine   entsprechende Stimmung in breiteren Teilen von Lohnabh&#228;ngigen und   Jugendlichen st&#252;tzen und &#252;ber die existierende radikale Linke hinaus   Menschen einbinden kann. VertreterInnen der IL erkl&#228;rten auch offen,   dass es darum ginge, nur die radikale Linke zu mobilisieren. Die Gefahr   eines selbstorganisierten Flops ist dementsprechend gro&#223;. Raum, dies   kritisch zu hinterfragen und das F&#252;r und Wider zu debattieren, wurde   durch eine sich demokratisch geb&#228;rende, aber tats&#228;chlich zumeist   autorit&#228;re Konferenzleitung nicht geschaffen.<\/p>\n<h4>  Kontroverse um Aufruf<\/h4>\n<p>  Eine Kontroverse entwickelte sich um den Inhalt der <a href=\"http:\/\/www.european-resistance.org\/de\/ak\/resolution\">von   der Konferenz verabschiedeten Erkl&#228;rung<\/a>. Von VertreterInnen der   IL, attac und &#8222;Occupy&#8220;-AktivistInnen wurde ein Aufruftext vorgelegt, der   keine inhaltlichen Forderungen enthielt und nur in allgemeiner Form die   Krisenpolitik der europ&#228;ischen Regierungen kritisierte.<\/p>\n<p>  Ein Workshop anwesender GewerkschafterInnen hatte zuvor dar&#252;ber   diskutiert, dass es f&#252;r eine erfolgreiche Mobilisierung zu den   Mai-Protesten unter Besch&#228;ftigten wichtig ist, konkrete Forderungen   aufzustellen, die an den Problemen der Menschen in Deutschland ankn&#252;pfen   und dass die Konferenz dazu aufrufen sollte, die Besch&#228;ftigten in den   anstehenden Tarifrunden f&#252;r die Durchsetzung ihrer Forderungen aktiv zu   unterst&#252;tzen. Die SAV hatte diese Vorschl&#228;ge zum Teil eingebracht und   mitgetragen und erkl&#228;rt, dass es darum gehen muss, nicht nur die   radikale Linke anzusprechen und zu mobilisieren, sondern durch eine   Verbindung zur Lebensrealit&#228;t der Arbeiterklasse in Deutschland eine   breitere Mobilisierung zu erm&#246;glichen. Forderungen unter anderem nach   Mindestlohn, zur Abschaffung von Leiharbeit und prek&#228;ren   Arbeitsverh&#228;ltnissen, f&#252;r radikale Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem   Lohn- und Personalausgleich sollten dazu dienen.<\/p>\n<p>  Dieser Vorschlag wurde mit dem Argument nicht aufgegriffen, dass dann   weitere Gruppen ihre spezifischen Forderungen einbringen wollen und   keine Zeit f&#252;r eine solche Debatte da sei. Ebenso wurde der von   verschiedenen sozialistischen Kr&#228;ften und der Gewerkschaftslinken   formulierte Vorschlag, Forderungen f&#252;r die Streichung der Staatsschulden   und zur &#220;berf&#252;hrung der privaten Banken in &#246;ffentliches Eigentum bei   demokratischer Kontrolle aufzunehmen, mehrheitlich in einer Abstimmung   abgelehnt. Damit formuliert der Konferenzaufruf leider weder konkrete   Forderungen, die mobilisierend in der Arbeiterklasse in Deutschland   wirken k&#246;nnen, noch unterst&#252;tzt er die zentralen Forderungen der   griechischen Linken als Antwort auf die durch Berlin und Br&#252;ssel   diktierte K&#252;rzungspolitik.<\/p>\n<h4>  Fazit<\/h4>\n<p>  Trotz dieser Defizite und inhaltlichen Schw&#228;chen bietet der Beschluss   der Konferenz die Basis f&#252;r eine gemeinsame Mobilisierung von   gewerkschaftlichen Kr&#228;ften, der Partei DIE LINKE, sozialen Bewegungen,   linken Gruppen f&#252;r eine gemeinsame Mobilisierung im Rahmen der europa-   und weltweiten Proteste gegen das Abladen der Krisenfolgen auf dem   R&#252;cken der Massen.<\/p>\n<p>  Diese Mobilisierung sollte auch genutzt werden, um den Kampf um die   Deutungshoheit der europ&#228;ischen Krise aufzunehmen. Denn zur Zeit   herrscht in den K&#246;pfen der Mehrheit der Bev&#246;lkerung die Idee vor, &#8222;die   Griechen&#8220; seien im Wesentlichen selber f&#252;r ihre Lage verantwortlich.   Diese Idee muss herausgefordert werden und die wirklich Verantwortlichen   in den Chefetagen der Banken und Konzerne und der Regierungen der   dominierenden kapitalistischen Staaten benannt werden. Vorschl&#228;ge von   SAV-Mitgliedern und anderen, konkrete Aktivit&#228;ten zur Solidarit&#228;t mit   den K&#228;mpfen der griechischen Arbeiterklasse in den Fokus linker   Aktivit&#228;ten zu r&#252;cken, fanden jedoch leider auch keine mehrheitliche   Unterst&#252;tzung.<\/p>\n<p>  Die Debatte um die inhaltliche Ausrichtung von Anti-Krisen-Protesten, um   Forderungen und die Verbindung zu den allt&#228;glichen K&#228;mpfen in der   Bundesrepublik muss fortgesetzt werden. SAV-Mitglieder werden sich daran   beteiligen.<\/p>\n<h4>  Sascha Stanicic ist SAV-Bundessprecher<\/h4>\n<h4>  Vorschl&#228;ge der SAV zur Aktionskonferenz: <a href=\"\/?p=14694\">hier   klicken<\/a><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Aktionskonferenz beschlie&#223;t Protesttage\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[23,78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14701"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14701"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14701\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14701"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14701"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14701"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}