{"id":14690,"date":"2012-02-21T00:00:00","date_gmt":"2012-02-21T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14690"},"modified":"2012-06-08T20:21:05","modified_gmt":"2012-06-08T18:21:05","slug":"14690","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/02\/14690\/","title":{"rendered":"Rettung durch Genossenschaft?"},"content":{"rendered":"<p>Der Drogerieriese Schlecker ist insolvent. Eine Debatte um die Zukunft der Arbeitspl\u00e4tze ist entbrannt.<\/p>\n<p><strong>Geht es nach den Pl\u00e4nen der Schlecker Familie und dem Insolvenzverwalter ist die Antwort auf die Frage, wie es mit dem Unternehmen weitergehen soll, ziemlich klassisch. Die Kolleginnen, die nicht die Krise des Familienbetriebs zu verantworten haben, sollen bluten. Ein Gro\u00dfteil der Filialen soll geschlossen, Tausende Stellen gestrichen und die L\u00f6hne gesenkt werden. Traditionelle, kapitalistische \u201eSanierungsmethode\u201c eben. <\/strong><\/p>\n<h4><em>von Torsten Sting, Rostock<\/em><\/h4>\n<p>Lange Jahre war Schlecker f\u00fcr seine \u00fcblen Ausbeutermethoden bekannt. Niedrigl\u00f6hne, Schikanen gegen unliebsame MitarbeiterInnen, Verhinderung von Betriebsratsgr\u00fcndungen, skandal\u00f6se Sicherheitsm\u00e4ngel, die Menschenleben forderten. In den letzten Jahren gab es endlich Verbesserungen infolge gewerkschaftlicher Kampagnen und verst\u00e4rkter Berichterstattung \u00fcber Schlecker.<\/p>\n<h4>Ursache der Krise<\/h4>\n<p>Die Krise ist Resultat verschiedener Faktoren. Anton Schlecker hat den Betrieb einerseits mit eiserner Hand auf Kostensenkung und anderseits auf Expansion getrimmt. Das Unternehmen sollte m\u00f6glichst viele Filialen haben, dass hei\u00dft kurze Wege zu den Kunden erm\u00f6glichen. Billige Waren und der Drogeriemarkt um die Ecke, dass sollte mehr Kunden und mehr Profit ergeben. Diese Rechnung ging nicht auf, die Filialen erwirtschaften zu wenig Umsatz, statt Gewinnen entstanden Verluste. Insbesondere die Konkurrenten Rossmann und dm konnten im laufe der Zeit vom miesen Image ihres Konkurrenten und eines vielseitigeren Angebotes, dass \u00e4hnliche Preise anbot, profitieren. Letztlich dr\u00fcckt der Niedergang von Schlecker jedoch eines aus, n\u00e4mlich das sich auch auf diesem Markt \u00dcberkapazit\u00e4ten entwickelt haben. Also zu wenig kaufkr\u00e4ftige Nachfrage trifft auf ein zu gro\u00dfes Angebot.<\/p>\n<h4>Wie weiter?<\/h4>\n<p>Im Rahmen einer Insolvenz, kann ein verschuldetes Unternehmen Verbindlichkeiten abbauen und damit einen neuen Anlauf wagen. Der bisherige Eigent\u00fcmer, Firmenpatriarch Anton Schlecker, bis zum vorigen Jahr noch mehrfacher Milliard\u00e4r, gibt nun an auch pers\u00f6nlich pleite zu sein. Vor diesem Hintergrund wird nun die Debatte unter den Besch\u00e4ftigten gef\u00fchrt, wie das Unternehmen weitergef\u00fchrt und Jobs gesichert werden k\u00f6nnen. Bei Teilen von ver.di und der Partei DIE LINKE wird die Gr\u00fcndung einer Genossenschaft diskutiert.<\/p>\n<p>Angesichts der drohenden Pleite des Unternehmens und der grundlegenden Krise des Kapitalismus ist es zu begr\u00fc\u00dfen, wenn AktivistInnen nach L\u00f6sungen suchen, die \u00fcber bekannte Reaktionen des Gewerkschaftsapparats in solchen F\u00e4llen hinausgehen: \u201eSozialvertr\u00e4glicher Arbeitsplatzabbau\u201c, Besch\u00e4ftigungsgesellschaft usw..<\/p>\n<h4>Ursprung der Idee<\/h4>\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts, mit der dynamischen Entwicklung von Sozialdemokratie und Gewerkschaftsbewegung entstanden auch genossenschaftliche Ideen. Vor dem Hintergrund der sozialen Not (lange Arbeitszeiten, geringe L\u00f6hne, schlechte Versorgung in den Arbeitervierteln) wurden Konsumgenossenschaften gegr\u00fcndet. Diese sollten im Rahmen des Kapitalismus den ArbeiterInnen vern\u00fcnftige Lebensmittel zu g\u00fcnstigen Preisen anbieten. Zugleich sollten die Arbeitsbedingungen der Angestellten und das Miteinander besser, eben kollegial sein.<\/p>\n<p>Statt individuellem Eigentum einer oder weniger Personen, beteiligen sich Viele an der Gr\u00fcndung einer Genossenschaft. Jeder erwirbt einen gewissen Anteil vom Ganzen, im Regelfall gibt es gleiches Stimmrecht, egal wie viele Genossenschaftsanteile man besitzt.<\/p>\n<h4>Erfahrung mit co op<\/h4>\n<p>Bis in die 1980er Jahre gab es in Westdeutschland den Handelsriesen co op. Dieser war, faktisch ein gewerkschaftseigenes Unternehmen. Das Ende ist aufschlussreich und Warnung zugleich. Von Preisen bis hin zum Gesch\u00e4ftsgebaren und Management war co op nicht mehr von einem gew\u00f6hnlichen kapitalistischen Konzern zu unterscheiden. Dies ist auch unvermeidlich, steht doch dieser in einem harten Wettbewerb mit anderen Anbietern, die weniger auf die Rechte der Besch\u00e4ftigten R\u00fccksicht nehmen brauchen und infolgedessen kosteng\u00fcnstiger anbieten k\u00f6nnen. Entweder stellt sich die Genossenschaft diesem Wettbewerb (und passt sich an) oder sie wird eher fr\u00fcher als sp\u00e4ter untergehen.<\/p>\n<h4>Verstaatlichung<\/h4>\n<p>In der momentanen Situation gibt es f\u00fcr die nicht gerade \u00fcberbezahlten Kolleginnen bei Schlecker zudem das Problem, woher sie das Geld f\u00fcr die Anteile einer \u201eSchlecker eG\u201c nehmen sollen.Statt kollektivem Privateigentum, sollten die Besch\u00e4ftigten und ihre gewerkschaftlichen Vertreter demokratisch dar\u00fcber bestimmen, wie der Betrieb in G\u00e4nze und die jeweiligen Filialen gef\u00fchrt werden. Sie wissen, im Gegensatz zu Managern und Staatsb\u00fcrokraten, wie der \u201eHase l\u00e4uft\u201c. Mit den heute zur Verf\u00fcgung stehenden Statistiken und unter Einbeziehung der KonsumentInnen ist es m\u00f6glich, den Bedarf zu ermitteln und pr\u00e4zise zu planen. Eigent\u00fcmer sollte der Staat sein, der die finanziellen Mittel zur Verf\u00fcgung stellen muss.<\/p>\n<p>Wenn man \u00fcber Alternativen redet, muss man sich dar\u00fcber im klaren sein, dass im Rahmen dieses Systems enge Grenzen gesetzt sind. Dieses Vorhaben muss eingebettet sein von der Vorstellung einer anderen, sozialistisch-demokratischen Gesellschaft und damit einhergehender Mobilisierung der lohnabh\u00e4ngigen Bev\u00f6lkerungsmehrheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der Drogerieriese Schlecker ist insolvent. 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