{"id":14682,"date":"2015-02-12T11:11:00","date_gmt":"2015-02-12T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14682"},"modified":"2015-02-10T09:51:46","modified_gmt":"2015-02-10T08:51:46","slug":"14682","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/02\/14682\/","title":{"rendered":"Karneval, Fasnacht und Fasching \u2013 zwischen Anpassung und Rebellion"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_29874\" aria-describedby=\"caption-attachment-29874\" style=\"width: 246px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Karnevalswagen_Kardinal_Meisner_2005.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-29874\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Karnevalswagen_Kardinal_Meisner_2005-246x173.jpg\" alt=\"\u201eKarnevalswagen Kardinal Meisner 2005\u201c von Jacques Tilly Lizenziert unter CC BY 3.0\" width=\"246\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Karnevalswagen_Kardinal_Meisner_2005-246x173.jpg 246w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Karnevalswagen_Kardinal_Meisner_2005-493x347.jpg 493w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Karnevalswagen_Kardinal_Meisner_2005-600x422.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Karnevalswagen_Kardinal_Meisner_2005.jpg 1142w\" sizes=\"(max-width: 246px) 100vw, 246px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-29874\" class=\"wp-caption-text\">\u201eKarnevalswagen Kardinal Meisner 2005\u201c von Jacques Tilly Lizenziert unter CC BY 3.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>\u00dcber historische Wurzeln und soziale Widerspr\u00fcche der \u201ef\u00fcnften Jahreszeit\u201c <\/strong><\/p>\n<p>Frauen erst\u00fcrmen die Rath\u00e4user und das Volk hat die Macht \u00fcbernommen! Revolution an Rhein und Main? Fast! Es ist Karneval, die 5.Jahreszeit der Masken, Narren und Jecken. Wie jedes Jahr l\u00e4sst man Arbeit Arbeit sein, l\u00e4sst mal heftig die Sau raus und h\u00e4lt der Politik den Spiegel vor. Aber wie jedes Jahr kehrt man dann auch wieder mit einem Kater zwar aber doch ohne zu murren zur\u00fcck an seinen Arbeitsplatz, denn am Aschermittwoch ist alles vorbei.<\/p>\n<p><i>von Jenni W\u00f6rl, Aachen<\/i><\/p>\n<p>Karneval ist kein Ph\u00e4nomen, das auf den S\u00fcdwesten Deutschlands beschr\u00e4nkt ist. Heutzutage wird Karneval in vielen L\u00e4ndern der Welt gefeiert, ob die Sambaparade in Rio de Janeiro, Brasilien, der Teufeltanz in Oruro, Bolivien, der Mardi Gras in New Orleans, USA, der kanarische oder andalusische Karneval in Spanien, die Maskenb\u00e4lle in Venedig, Italien oder eben Karneval, Fasnacht und Fasching in Teilen Deutschlands. Karneval hat viele Traditionen und wird in zahlreichen Formen und Farben gefeiert.<\/p>\n<h4>Die Vorl\u00e4uferfeste der Antike<\/h4>\n<p>Das Bed\u00fcrfnis, ausgelassen zu feiern, ist so alt wie die menschliche Gesellschaft \u00fcberhaupt. Viele alte V\u00f6lker ver\u00fcbten Fruchtbarkeitsriten nach dem Winter. Ob das alt\u00e4gyptische Osirisfest, der Dionysoskult im antiken Griechenland, die r\u00f6mischen Baccanalien oder das germanische Julfest, sie alle dienten dazu, durch V\u00f6llerei, Ausgelassenheit und sexuelle Freiz\u00fcgigkeit das Leben nach dem kalten Winter wieder neu zu erwecken.<\/p>\n<p>Sich zu verkleiden und Masken zu tragen ist genauso alt und auch der Rollentausch ist eine alte Tradition, auch wenn er f\u00fcr die Untergebenen mit gewissen Risiken verbunden war. Im alten persischen Reich wurde ein Spottk\u00f6nig aus verurteilten Verbrechern gew\u00e4hlt, der kurze Zeit Privilegien genoss, dann aber hingerichtet wurde. Bei den antiken R\u00f6mern wurden bei den Festen zu Ehren des Gottes Saturn ebenfalls vor\u00fcbergehend die Standesunterschiede aufgehoben. Herr und Sklave tauschten die Rollen und unter den Sklaven wurde ein Scheink\u00f6nig ausgelost, der w\u00e4hrend der Feiern regierte, aber dann zum Ende der Festzeit ebenfalls hingerichtet wurde.<\/p>\n<h4>Historische Wurzeln im Mittelalter<\/h4>\n<p>Der Begriff \u201eKarneval\u201c kommt vom italienischen \u201ecarnevale\u201c, was als Kurzform des kirchenlateinischen \u201ecarnislevamen\u201c so viel bedeutet wie \u201eFleischwegnahme\u201c. Der Begriff \u201eFasnacht\u201c macht es noch deutlicher, denn er bezeichnet den Zeitraum vor der Fastenzeit. Im engeren Sinne ist Karneval damit ein Fest, das mit christlichen Inhalten verbunden ist, auch wenn viele Jecken die Wurzeln lieber in den heidnischen Br\u00e4uchen des Winteraustreibens sehen. Der eigentliche Karneval ist dann auch erst seit dem Mittelalter dokumentiert. Im Jahr 1094 wird der venezianische Karneval zum ersten Mal urkundlich erw\u00e4hnt. In K\u00f6ln wird 1234 zum ersten Mal vom n\u00e4rrischen Treiben berichtet.<\/p>\n<p>Schon damals erf\u00fcllte Karneval f\u00fcr die Herrschenden den Zweck, das Volk mit rauschenden Festen zu bes\u00e4nftigen. Die Armen konnten einmal im Jahr ihrem elenden Dasein entkommen und ihre Unzufriedenheit abreagieren. Sie konnten sogar Kritik \u00e4u\u00dfern und die etablierten M\u00e4chte l\u00e4cherlich machen, gesch\u00fctzt durch Maske und Verkleidung. Allerdings ging das den Herrschenden irgendwann zu weit, so dass sie ab dem 16.Jahrhundert versuchten, dem bunten Treiben mit gesetzlichen Bestimmungen und Verboten Herr zu werden. Auch Teile der Kirche wehrten sich gegen die Ausschweifungen des Karnevals, vorne weg Martin Luther. Das hatte zwar zur Folge, dass der Karnevalsbrauch in protestantischen Gebieten zur\u00fcckging und er stattdessen bis heute vor allem in katholisch gepr\u00e4gten L\u00e4ndern oder Landesteilen besonders gern gefeiert wird, aber insgesamt lie\u00df sich der Karneval nicht kontrollieren. Die Narren lie\u00dfen es sich nicht nehmen, Missst\u00e4nde anzuprangern und Ausw\u00fcchse von B\u00fcrokratie und Zensur satirisch aufs Korn zu nehmen. So stellen beispielsweise die verschiedenen Garden wie die K\u00f6lner Roten Funken, die im Laufe des 19.Jahrhunderts oder sp\u00e4ter entstanden, eine Persiflage auf unterschiedliche milit\u00e4rische Einheiten dar. Urspr\u00fcnglich zum Zweck gedacht, sich \u00fcber die Stadtwache o.\u00e4. lustig zu machen, stellt der in dieser Weise gefeierte Karneval aber auch eine Reproduktion feudaler, reaktion\u00e4rer Traditionen dar. So ist es kein Zufall, dass die Figur des Karnevalsprinzen bzw. zun\u00e4chst des \u201eHeld Karneval\u201c zusammen mit dem Rosenmontagszug 1823 eingef\u00fchrt wurde, als das B\u00fcrgertum den Karneval f\u00fcr sich entdeckte und ihn \u201eromantisch\u201c reformierte. Dem aufstrebenden B\u00fcrgertum schien das anst\u00f6\u00dfige, p\u00f6belhafte und ungeordnete Treiben der Massen in den Stra\u00dfen zu missfallen, so dass es sich anschickte, den Karneval f\u00fcr das B\u00fcrgertum zu erobern \u2013 bis heute.<\/p>\n<h4>Karneval im Faschismus<\/h4>\n<p>In der Zeit des deutschen Faschismus zeigt vor allem der organisierte Karneval seine eher unr\u00fchmliche Seite, indem er sich von den Faschisten instrumentalisieren lie\u00df. Zum Zweck der Gleichschaltung wurde 1937 von den Faschisten der Dachverband \u201eBund Deutscher Karneval\u201c gegr\u00fcndet, dem sich alle Karnevalsvereine anzuschlie\u00dfen hatten, wenn sie weiterhin Karneval feiern wollten. Die Vereine wurden gezwungen, Juden auszuschlie\u00dfen und auch inhaltlich wurde faschistisches Gedankengut transportiert bzw. war die ideologische Beeinflussung zu sp\u00fcren. Der Mainzer Karneval spielte 1935 mit der Wahl des Motto \u201eAlles unner \u00e4nner Kapp!\u201c zwar noch kritisch auf die Gleichschaltung durch die Nazis an und auch 1937 wurden in Mainz zum Teil noch systemkritische B\u00fcttenreden gehalten, aber zum Beispiel in K\u00f6ln wurde sich den inhaltlichen Vorgaben angepasst, auch wenn man durch die sogenannte Narrenrevolte 1935 organisatorisch unabh\u00e4ngig blieb. So wurden nicht nur in den K\u00f6lner Rosenmontagsz\u00fcgen Juden verh\u00f6hnt und verspottet, sondern im M\u00fcnchener Faschingsumzug nahmen sogar einzelne NS-Organisationen wie die SS-Standarte Deutschland oder Pionierbataillone der Wehrmacht teil. Insgesamt gab es nur wenige Karnevalisten, die der Vereinnahmung des Karnevals durch die Faschisten Widerstand entgegensetzten. Einer der wohl bekanntesten ist Karl K\u00fcpper, der 1939 wegen \u201eVer\u00e4chtlichmachung des Deutschen Gru\u00dfes\u201c Redeverbot erhielt. Zum erhobenen Arm hatte er nicht \u201eHeil Hitler\u201c, sondern \u201eSo hoch liegt bei uns der Dreck im Keller.\u201c gesagt.<\/p>\n<p>Den wohl nachhaltigsten Einfluss auf den Karneval nahmen die Faschisten auf die Mariechent\u00e4nze. Bis dahin wurden auch weibliche Rollen des Karnevals von M\u00e4nnern verk\u00f6rpert. Die Karnevalsvereine hatten nicht gerade ein fortschrittliches Frauenbild, sondern vertraten die Ansicht, dass die T\u00e4nze zu schwer f\u00fcr Frauen und die Witze au\u00dferdem zu derbe seien, so dass Karneval in der Hauptsache M\u00e4nnersache war. Seit den 30er Jahren \u00fcbernahmen auf Gehei\u00df der Faschisten immer mehr Frauen die weiblichen Rollen des Karnevals. Das hatte aber nichts mit Emanzipation zu tun, sondern mehr mit Homophobie. Dass M\u00e4nner in Frauenkleidern auftraten, passte nicht in das faschistische M\u00e4nnerbild.<\/p>\n<h4>Geburt des alternativen Karneval<\/h4>\n<p>In Folge der gesellschaftlichen Umbruchzeit der 70er und der daraus resultierenden gr\u00f6\u00dferen politischen Aktivit\u00e4t vieler Menschen in Deutschland wurde einigen Jecken der herk\u00f6mmliche Karneval zu angepasst und traditionell. Sie fingen an, ihre eigenen Karnevalssitzungen zu veranstalten. 1984 fanden die ersten dieser alternativen Sitzungen, die Stunksitzung in K\u00f6ln und das Pink Punk Pantheon in Bonn, statt. Andere St\u00e4dte wie Aachen, Mainz oder das M\u00fcnsterland haben ebenfalls ihre Alternative. Im Gegensatz zum herk\u00f6mmlichen Karneval wird bei den alternativen Karnevalssitzungen die Politik von links aufs Korn genommen. Da wird eine Bankerjagd veranstaltet, Vader Abraham und seine Natoschl\u00fcmpfe singen \u00fcber den Afghanistan-Krieg und die 10 Gebote werden unter Mitsprache verschiedener Lobbyisten neu geschrieben. An keiner der etablierten Parteien wird ein gutes Haar gelassen und auch die Partei Die Linke muss sich Kritik gefallen lassen.<\/p>\n<p>Einen alternativen Karnevalsumzug gibt es seit 1991. W\u00e4hrend des Irak-Kriegs herrschte unter der Bev\u00f6lkerung eine breite Stimmung, dass man nicht feiern k\u00f6nne, wenn woanders in der Welt Krieg herrsche. So lie\u00dfen die offiziellen Veranstalter Karneval ausfallen, die Karnevalsumz\u00fcge wurden abgesagt. Bezugnehmend auf eine Tradition von n\u00e4chtlichen Karnevalsumz\u00fcgen im 19.Jahrhundert fand stattdessen in K\u00f6ln am Abend des Karnevalssamstag unter dem Motto \u201eKamelle statt Bombe\u201c zum ersten Mal der Geisterzug statt. Antikriegsaktivisten und Jecke demonstrierten gemeinsam gegen den 2.Golfkrieg, der aus ihrer Sicht nur aus Profitinteressen gef\u00fchrt wurde. In den Folgejahren wurde der Geisterzug zur festen Institution des K\u00f6lner Karneval. Es folgten weitere Geisterz\u00fcge z.B. 2003 unter dem Motto \u201eColonia Corrupta!?\u201c, mit dem auf den K\u00f6lner Korruptionsskandal rund um eine umstrittene M\u00fcllverbrennungsanlage und damit verbundene Schmiergelder Bezug genommen wurde. Seit 2006 findet in K\u00f6ln-Ehrenfeld ein alternativer Geisterzug statt, da vielen der offizielle Geisterzug in den letzten Jahren zu b\u00fcrgerlich und unkritisch geworden ist.<\/p>\n<h4>Keine Plattform f\u00fcr Rassismus, Sexismus und andere Formen der Diskriminierung!<\/h4>\n<p>In den letzten Jahren boomt die Fasnacht. Neue Narrenz\u00fcnfte sprie\u00dfen aus dem Boden. Viele sind begeistert und der S\u00fcdwesten Deutschlands befindet sich im Fasnet-Fieber. Allerdings steht dabei f\u00fcr viele Party machen und Spa\u00df haben im Vordergrund. Die saisonalen Stimmungslieder haben an Bedeutung gewonnen, w\u00e4hrend die Inhalte weniger wichtig geworden zu sein scheinen. Kritische Stimmen nehmen diese Entwicklungen zum Anlass, den herk\u00f6mmlichen Karneval als zu unpolitisch zu bewerten und nehmen sogar eher eine Anbiederung an die Herrschenden wahr. Kein Wunder! Anstatt die Politik zum Beispiel f\u00fcr die Agenda 2010 am Schlawittchen zu packen, wurden in den letzten Jahren mehrere namhafte Politiker geehrt, die unter anderem f\u00fcr Rassismus und unsoziale K\u00fcrzungspolitik verantwortlich sind. Den international bekannten Orden \u201ewider den tierischen Ernst\u201c des Aachener Karnevalsvereins erhielten zum Beispiel Edmund Stoiber (2000), Guido Westerwelle (2001), Friedrich Merz(2006), J\u00fcrgen R\u00fcttgers (2010) und Karl Theodor zu Guttenberg (2011). Vorl\u00e4ufiger H\u00f6hepunkt bildete die Ehrung Thilo Sarrazins 2009 durch die Mainzer Ranzengarde. Allerdings regte sich zurecht Widerstand, als er 2011 die Laudatio auf den aktuellen Preistr\u00e4ger halten sollte. Unter dem Motto \u201eMer wolle &#8222;n net roilosse\u201c wurde w\u00e4hrend seiner Rede dagegen protestiert, dass Rassismus dadurch salonf\u00e4hig gemacht wird, dass man Rassisten wie Sarrazin eine Plattform gibt. Abgesehen von solchen skandaltr\u00e4chtigen Vorf\u00e4llen ist der politisch-kritische Aspekt im offiziellen Karneval vielleicht nicht ganz verloren, aber die politische Kritik bleibt an der Oberfl\u00e4che und selbst der alternative Karneval ist flacher geworden und bedarf einer sch\u00e4rferen W\u00fcrzung.<\/p>\n<h4>Gegen Kommerzialisierung \u2013 holen wir uns unseren Karneval zur\u00fcck!<\/h4>\n<p>Auch wenn sich der Karneval gerade dadurch auszeichnet, dass man ihn auch ohne dicke Brieftasche feiern kann, denn ein Kost\u00fcm aus alten Klamotten kann wohl fast jeder zusammen schustern, so zieht doch ein gro\u00dfer Industriezweig seinen Profit aus unserer Feierlaune. Laut Handelsblatt-online gehen Sch\u00e4tzungen f\u00fcr die bundesweiten zus\u00e4tzlichen Einnahmen durch den Karneval von drei bis f\u00fcnf Milliarden Euro aus. Das ist ein Riesengesch\u00e4ft! F\u00fcr die Teilnahme und vor allem die inhaltliche Gestaltung des offiziellen Karnevals muss man tief in die Tasche greifen. Den Gipfel des Kommerz bildet da der Karneval in Rio de Janeiro, bei dem Zuschauer des Umzugs Eintrittsgeld berappen m\u00fcssen. Es ist aber wohl nichts neues, dass das Prinzenamt hierzulande mit nicht unerheblichen Kosten verbunden ist, die normale Arbeiter oder Angestellte in der Regel nicht aufbringen k\u00f6nnen. Die Karten zu den verschiedenen Karnevalssitzungen sind auch nicht billig. Ein anderes Problem stellt die Verf\u00fcgbarkeit dar. Wer kennt es nicht, dass die Sitzungen in der Regel schon am Tag des Vorverkaufsbeginns ausverkauft werden, besonders die des alternativen Karnevals. Die Teilnahme an den gro\u00dfen Festumz\u00fcgen ist ebenfalls schwierig, da sie oft nur \u00fcber die Vereine m\u00f6glich ist und meist stark reglementiert und kostenpflichtig ist. Private Fu\u00dftruppen beim Aachener Rosenmontagszug zahlen mindestens 75 Euro bei maximal zehn Personen, dar\u00fcber hinaus acht Euro pro Person. F\u00fcr einen gr\u00f6\u00dferen Mottowagen inklusive zwanzig Personen zahlt man 250 Euro Geb\u00fchr und da sind die jeweiligen Kosten f\u00fcr die Herstellung des Wagens oder der Kost\u00fcme noch nicht einberechnet. Es liegt auf der Hand, dass solche Kosten f\u00fcr die Karnevalsvereine nur \u00fcber erhebliche Spenden zu stemmen sind. Die M\u00f6glichkeit zur Teilnahme am Karneval sollte aber nicht beschr\u00e4nkt sein. Sie sollte weder davon abh\u00e4ngen, ob man genug Geld hat, ob man am ersten Tag des Vorverkauf der Karnevalssitzungen stundenlang in der Schlange stehen kann oder was der Chef zum bunten Treiben denkt.<\/p>\n<p>Es ist wichtig, dass wir uns unseren Karneval wieder zur\u00fcckholen, ihn selbst gestalten und ihn vor allem als Inspiration begreifen, auch au\u00dferhalb der tollen Tage die bestehenden Verh\u00e4ltnisse in Frage zu stellen.<\/p>\n<ul>\n<li>Gegen Rassismus, Sexismus und andere Diskriminierung im Karneval<\/li>\n<li>Schluss mit Kommerzialisierung und Zwei-Klassen-Karneval<\/li>\n<li>Nein zu Karneval durch finanzielle Gro\u00dfspender, stattdessen zensurfreie \u00f6ffentliche F\u00f6rderung Kulturschaffender des Karnevals<\/li>\n<li>Karneval bzw. alternativen Karneval selbst organisieren und wieder politisieren<\/li>\n<li>Gemeinsamer Kampf f\u00fcr eine Gesellschaft, in der man nicht mehr vor der Realit\u00e4t fl\u00fcchten muss<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber historische Wurzeln und soziale Widerspr\u00fcche der \u201ef\u00fcnften Jahreszeit\u201c <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":29874,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[296],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14682"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14682"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14682\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/29874"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14682"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14682"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14682"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}