{"id":14680,"date":"2012-02-17T00:00:00","date_gmt":"2012-02-17T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14680"},"modified":"2012-02-17T00:00:00","modified_gmt":"2012-02-17T00:00:00","slug":"14680","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/02\/14680\/","title":{"rendered":"Niederlande: Oppositionelle Sozialistische Partei in Umfragen st&#228;rkste \r\n      Kraft"},"content":{"rendered":"<p>  ArbeiterInnen brauchen eine Partei mit einem sozialistischen Programm   gegen K&#252;rzungen, und keine Koalitionen mit kapitalistischen Parteien!<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  von Pieter Brans, Socialistisch Alternatief (niederl&#228;ndische   Schwesterorganisation der SAV) Amsterdam<\/h4>\n<p>  In der letzten Zeit hat in den Niederlanden die Sozialistische Partei   deutlich an Unterst&#252;tzung gewonnen und ist jetzt in einigen Umfragen mit   &#252;ber 30 Prozent st&#228;rkste Partei. In der internationalen Presse wurde   behauptet, dass die Popularit&#228;t der Partei wegen ihrer Ablehnung   gegen&#252;ber Br&#252;ssel und seinen Sparpaketen w&#228;chst. Das stimmt zum Teil.   Die Sozialistische Partei hat bis zu einem gewissen Grad die   sozialdemokratische PvdA (Partei der Arbeit) als die Partei abgel&#246;st,   die als Interessenvertretung der ArbeiterInnen wahrgenommen wird. Als   sie 2006 25 von insgesamt 150 Parlamentssitzen bekam wurden gro&#223;e   Hoffnungen in die SP gesetzt. Als sie trotz der beginnenden   Weltwirtschaftskrise 2007\/8 die Interessen der ArbeiterInnen nicht   gen&#252;gend vertrat machte sich Entt&#228;uschung breit. Davon profitierte   seinerzeit haupts&#228;chlich die Partei f&#252;r die Freiheit (PVV) um Geert   Wilders, eine rechtspopulistische Partei, die anti-islamische Politik   mit verbaler Ablehnung von Sozialk&#252;rzungen kombinierte.<\/p>\n<p>  Die PVV ist jetzt Teil der Regierung. Sie stellt keine Minister, aber   toleriert die Koalition aus Liberaler Partei und Christdemokraten, den   traditionellen Parteien des niederl&#228;ndischen Kapitalismus. In diesem   Arrangement deckt die PVV mit ihrer antiislamischen Rhetorik die   K&#252;rzungen der Regierung im Umfang von 18 Mrd. Euro. Offensichtlich hat   die Partei f&#252;r die Freiheit auf gro&#223;e Teile ihres sozialen und   &#246;konomischen Programms verzichtet, zum Beispiel bei   Renteneintrittsalter, das von 65 auf 67 Jahre angehoben werden soll.   Jetzt, wo die K&#252;rzungen beginnen sich auszuwirken und weitere K&#252;rzungen   angedacht sind (die Regierung wird im M&#228;rz &#252;ber ein weiteres   schmerzhaftes K&#252;rzungspaket von 5-10 Mrd. Euro entscheiden) verlieren   die Regierung und die PVV an Popularit&#228;t. Einige anti-islamische   Ma&#223;nahmen wurden eingef&#252;hrt, etwa ein Burkaverbot, aber sie haben   vorwiegend symbolische Bedeutung (fast niemand hat in den Niederlanden   jemals eine Burka gesehen). Die K&#252;rzungen sind jedoch Realit&#228;t.<\/p>\n<h4>  SP in Koalitionen auf kommunaler Ebene<\/h4>\n<p>  Deshalb bewegt sich eine gro&#223;e Gruppe von W&#228;hlerInnen von der Partei f&#252;r   die Freiheit zur Sozialistischen Partei, die von vielen   Niederl&#228;nderInnen als einzige Opposition im Parlament gesehen wird, die   den Namen verdient. Es ist gut m&#246;glich, dass viele von diesen   W&#228;hlerInnen nach 2006 von der SP zur PVV gewandert waren. Aber w&#228;hrend   viele W&#228;hlerInnen ihre Sehnsucht nach einer Anti-K&#252;rzungs-Partei zeigen,   geht die SP-F&#252;hrung in Richtung Koalitionen mit prokapitalistischen   Parteien. In einigen St&#228;dten und Provinzen wie Brabant beteiligt sich   die SP schon an Lokalregierungen. Der aktuelle Parteivorsitzende Emile   Roemer war in Brabant Beigeordneter in einer kommunalen Koalition mit   der liberalen VVD. Er hat angek&#252;ndigt, auch auf nationaler Ebene mit den   Liberalen koalieren zu wollen. Zu seiner Entt&#228;uschung hat der aktuelle   Vorsitzende der Liberalen und Ministerpr&#228;sident erkl&#228;rt, dass er Herrn   Roemer zwar pers&#246;nlich mag, eine Koalition aber nicht f&#252;r realistisch   h&#228;lt! Aber eine Koalition der SP mit anderen &#8222;Mainstream&#8220;-Parteien wie   der PvdA, den &#8222;Gr&#252;nen Linken&#8220; oder vielleicht den Christdemokraten ist   f&#252;r kommende Wahlen eine m&#246;gliche Variante.<\/p>\n<p>  SozialistInnen lehnen die Zusammenarbeit mit anderen Parteien zu   konkreten Themen nicht grunds&#228;tzlich ab, solange K&#252;rzungen und andere   Angriffe auf die Rechte und Lebensbedingungen der arbeitenden Menschen   prinzipiell abgelehnt werden. Aber die Beteiligung an einer Koalition   oder die Tolerierung einer Regierung, die Arbeiterrechte und   Lebensstandards angreift muss entschieden abgelehnt werden.<\/p>\n<h4>  Fehlender Widerstand der Gewerkschaften<\/h4>\n<p>  Ein weiterer Faktor, der zum Wachstum der SP in den Umfragen beitr&#228;gt   ist der Mangel an gewerkschaftlichem Widerstand. Im September 2011   schlossen die Gewerkschaftsspitzen ein Rentenabkommen mit der Regierung   und den Unternehmen, durch das alle Investitionsrisiken auf die   ArbeiterInnen abgew&#228;lzt werden. Die Mehrheit der Mitglieder der gr&#246;&#223;ten   Gewerkschaften in der Privatwirtschaft und im &#246;ffentlichen Dienst   lehnten den Vertrag ab, aber weil viele kleine Gewerkschaften die   Mehrheit der Stimmen im gr&#246;&#223;ten Gewerkschaftsbund der Niederlande, dem   FNV stellen kam er trotzdem zustande. Das f&#252;hrte zu einem unl&#246;sbaren   Konflikt zwischen dem FNV und den Vorsitzenden der gr&#246;&#223;ten   Gewerkschaften, die etwa 60% der Mitglieder des FNV vertreten. Ein   Ex-Banker und PvdA-Politiker wurde als &#8222;Vermittler&#8220; eingesetzt und der   Gewerkschaftsbund FNV &#8222;aufgel&#246;st&#8220;. Im kommenden Jahr wird ein Plan f&#252;r   eine neue Gewerkschaftsbewegung ausgearbeitet, unter Federf&#252;hrung eines   weiteren sozialdemokratischen Politikers, der viele Sozialk&#252;rzungen   verantwortet hat. Das bedeutet, dass gro&#223;e gewerkschaftliche   Mobilisierungen gegen die K&#252;rzungen der Regierung, wie die in Belgien   und Britannien, momentan nicht m&#246;glich sind und ArbeiterInnen sich auf   die parteipolitische Ebene orientieren.<\/p>\n<p>  Der Zuwachs der SP in den Umfragen zeigt das Potential f&#252;r eine   antikapitalistische, sozialistische Alternative, aber bis zu den   Kommunalwahlen 2014 wird es keine gr&#246;&#223;eren Wahlen geben und bis dahin   k&#246;nnte die Situation f&#252;r die SP sehr anders aussehen, besonders wenn die   F&#252;hrung ihre &#8222;koalitionsorientierte&#8220; Politik beibeh&#228;lt.<\/p>\n<p>  Die niederl&#228;ndische herrschende Klasse ist stark vom europ&#228;ischen   Binnenmarkt und dem Euro abh&#228;ngig und besorgt &#252;ber die Ablehnung der EU   unter den W&#228;hlerInnen. Nur die Partei f&#252;r die Freiheit und die SP   sprechen sich gegen die EU aus. Aber die Haltung der PVV ist f&#252;r die   anderen Regierungsparteien kein gro&#223;es Problem, weil sie zusammen mit   der PvdA eine EU-freundliche Mehrheit im Parlament bilden k&#246;nnen. Daher   wechseln viele PvdA-Unterst&#252;tzerInnen zur SP. Wenn eine Regierung unter   Beteiligung der SP gebildet w&#252;rde, k&#246;nnte die herrschende Klasse ein   ernsthaftes Problem bekommen.<\/p>\n<h4>  Gro&#223;e wirtschaftliche Gefahren<\/h4>\n<p>  In den Niederlanden gibt es keine gro&#223;en &#196;u&#223;erungen des Klassenkampfs   wie etwa Generalstreiks, aber viele kleine K&#228;mpfe, zum Beispiel   Widerstand von ArbeiterInnen gegen K&#252;rzungen f&#252;r Besch&#228;ftigte mit   Behinderung und gegen K&#252;rzungen bei der Krankenversicherung,   Studierendproteste gegen die Streichung von Stipendien und Aktionen von   Besch&#228;ftigten im &#214;PNV. Gegen die Schlie&#223;ung einer Mitsubishi-Fabrik in   S&#252;dholland wurden Streikpl&#228;ne aufgestellt.<\/p>\n<p>  Das Land steht vor potentiell gro&#223;en wirtschaftlichen Gefahren, z.B.   Hypotheken. In den Niederlanden stehen 7 Millionen Quadratmeter   B&#252;rofl&#228;chen leer. Viele Menschen sind &#8222;Selbstst&#228;ndig&#8220;, haben aber   geringe oder gar keine Einkommen und tauchen nicht in   Arbeitslosenstatistiken auf.<\/p>\n<p>  Eine sozialistische Partei mit einem k&#228;mpferischen sozialistischen   Programm k&#246;nnte in dieser Situation einen riesigen Unterschied machen.   Aber eine Sozialistische Partei, die versucht den Kapitalismus besser zu   verwalten als die kapitalistischen Parteien oder diese sogar aufruft,   mit ihr k&#252;nftige Koalitionsregierungen zu bilden ist f&#252;r die   ArbeiterInnen und Armen in den Niederlanden kein wirtklicher Fortschritt.<\/p>\n<h4>  F&#252;r ein sozialistisches Programm!<\/h4>\n<p>  Die einzige echte M&#246;glichkeit f&#252;r die Sozialistische Partei, gro&#223;e   Popularit&#228;tsverluste durch weitere Katastrophenkoalitionen mit   kapitalistischen K&#252;rzungsparteien auf kommunaler und m&#246;glicherweise   nationaler Ebene zu vermeiden ist eine Orientierung auf Besch&#228;ftigte,   Arbeitslose und Jugendliche durch entschlossenen Widerstand gegen   K&#252;rzungen und die Abschaffung des Wohlfahrstaates; mit einer klaren   sozialistischen Alternative: Jobs f&#252;r Alle, bedarfsgerecht finanzierte   Bildung und Gesundheitsversorgung, gute und erschwingliche Wohnungen,   Ablehnung imperialistischer Kriege und so weiter. Nur wenn die gro&#223;en   Banken und Konzerne unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch   die ArbeiterInnen in &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt werden k&#246;nnen die   riesigen Ressourcen der Gesellschaft eingesetzt werden um die   Berd&#252;rfnisse der Arbeiterklasse zu erf&#252;llen. Die SP muss sich auch   radikal ver&#228;ndern, sie braucht offene und demokratische Strukturen um   f&#252;r neue Schichten der ArbeiterInnen und der Jugend attraktiv zu sein.   Ein klares sozialistisches Programm und entschlossener   gewerkschaftlicher Widerstand gegen K&#252;rzungen k&#246;nnen die Arbeiterklasse   &#252;ber ethnische und religi&#246;se Spaltungslinien hinweg vereinen und wirken   so gegen die giftigen L&#252;gen der PVV.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      ArbeiterInnen brauchen eine Partei mit einem sozialistischen Programm<br \/>\n      gegen K&#252;rzungen, und keine Koalitionen mit kapitalistischen Parteien!\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[28,46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14680"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14680"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14680\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14680"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14680"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14680"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}