{"id":14658,"date":"2012-02-09T00:00:00","date_gmt":"2012-02-09T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14658"},"modified":"2012-06-08T20:28:34","modified_gmt":"2012-06-08T18:28:34","slug":"14658","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/02\/14658\/","title":{"rendered":"Deutliche Lohnerh\u00f6hung erk\u00e4mpfen!"},"content":{"rendered":"<p>Metall-Tarifrunde muss Wende einl\u00e4uten<\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p><strong>Als sich die Tarifkommissionen von Hessen und drei weiteren Bundesl\u00e4ndern unmittelbar vor Weihnachten in Frankfurt am Main trafen, um die Forderungen f\u00fcr die IG-Metall-Tarifrunde 2012 zu beraten, hie\u00df es hinter vorgehaltener Hand: IGM-Vize Detlef Wetzel w\u00fcrde f\u00fcr M\u00e4\u00dfigung pl\u00e4dieren. Schlie\u00dflich bahne sich eine schwierige wirtschaftliche Lage an. Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor. Kurzer Blick zur\u00fcck: In der Tarifrunde 2008 lie\u00df man die achtprozentige Lohnforderung aufgrund des Kriseneinbruchs von heute auf morgen fallen. 2010 stellte man erst gar keine Forderung auf.<\/strong><\/p>\n<h4><em>von Aron Amm, Berlin<\/em><\/h4>\n<p>W\u00e4hrend die Unternehmens- und Verm\u00f6genseinkommen (preisbereinigt) seit dem Jahr 2000 um 36 Prozent gestiegen sind (nur 2009 gab es einen R\u00fcckgang der Profite), sanken die Reall\u00f6hne im gleichen Zeitraum um 4,5 Prozent. Damit ist Deutschland \u2013 laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) \u2013 Schlusslicht unter 26 entwickelten Industriestaaten!<\/p>\n<p>Wen wundert es da, dass die Gewerkschaftsoberen eine hohe Erwartungshaltung an der Basis einr\u00e4umen m\u00fcssen. Da Europa und wahrscheinlich auch Deutschland in diesem Winterhalbjahr in einer \u201emilden Rezession\u201c stecken, die sich nicht zuletzt angesichts der weiter schwelenden Euro-Krise noch versch\u00e4rfen k\u00f6nnte, wird die Unternehmerseite jedoch sicherlich \u201eharte Kante\u201c zeigen.<\/p>\n<h4>Was sagt die IG-Metall-Spitze?<\/h4>\n<p>Endg\u00fcltig festlegen will sich der IGM-Hauptvorstand erst am 24. Februar (Mitte M\u00e4rz beginnen die Verhandlungen). Mit der in Baden-W\u00fcrttemberg erhobenen Forderung \u201evon bis zu\u201c 6,5 Prozent mehr Geld hat die Gewerkschaft jedoch eine erste Wegmarke gesetzt. Diese Formulierung muss einem gleich zu denken geben. \u201eDenn das kann ja vieles hei\u00dfen\u201c, so Jakob Sch\u00e4fer von der Gewerkschaftslinken. Und warum reduziert der IGM-Bezirksleiter J\u00f6rg Hofmann die Forderung gleich weiter, wenn er sagt: \u201e4,8 Prozent muss mindestens sein\u201c? Dann brauchen die Konzernvertreter nur noch eine Laufzeit von \u2013 wie 2010 geschehen \u2013 knapp zwei Jahren festklopfen, und schon darf man sich sorgen, ob das Ergebnis \u00fcberhaupt einen Inflationsausgleich sicherstellt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist die Krise nicht vorbei. Das darf die MetallerInnen aber nicht davon abhalten, eine deutliche Lohnsteigerung einzufordern. Schlie\u00dflich ist es nicht \u201eunsere\u201c Krise. Und die Reallohneinbu\u00dfen der Besch\u00e4ftigten hierzulande haben die wirtschaftliche Talfahrt 2009 auch nicht verhindert.<\/p>\n<p>Besonders dreist zeigt sich der Verbandschef Rainer Dulger von S\u00fcdwestmetall, der davor warnt, \u201eTarifvertr\u00e4ge r\u00fcckwirkend korrigieren\u201c zu wollen. \u201eWenn der Kuchen verteilt und aufgegessen ist, l\u00e4sst sich das im Nachhinein nicht mehr umkehren.\u201c Ihm m\u00f6chte man zurufen: Selbst wenn der Kuchen verputzt sein mag, die B\u00e4ckerei ist noch da \u2013 dann m\u00fcssen wir die halt \u00fcbernehmen, wenn das Kapital uns weiter so abspeisen m\u00f6chte!<\/p>\n<h4>Was fordern?<\/h4>\n<p>Die \u201eAlternativen Metaller\u201c bei Daimler in Berlin-Marienfelde schlagen in ihrer Betriebszeitung vom 30. November folgende Sto\u00dfrichtung vor: \u201eIn den letzten vier Jahren sprang f\u00fcr uns fast nichts heraus. Dabei bel\u00e4uft sich die Inflation auf 2,5 Prozent im Jahr. Als Inflationsausgleich br\u00e4uchten wir also zehn Prozent mehr Lohn. Darum schl\u00e4gt die \u201aAlternative\u2018 als Forderung vor: Zehn Prozent Lohnerh\u00f6hung, aber mindestens 300 Euro Festgeld, bei einer Laufzeit von zw\u00f6lf Monaten!\u201c Wie zum Beispiel auch die IGM-Delegiertenversammlung Freudenstadt argumentiert die Berliner \u201eAlternative\u201c f\u00fcr eine Festgeldforderung. Zu Recht. Schlie\u00dflich vergr\u00f6\u00dfern prozentuale Einkommenserh\u00f6hungen absolut betrachtet die Schere zwischen den unteren und oberen Entgeltgruppen.<\/p>\n<p>Parallel zur Lohnauseinandersetzung will die Gewerkschaft die unbefristete \u00dcbernahme der Auszubildenden (20 Prozent bekommen derzeit nur eine befristete Anstellung), tariflich fixierte Mitbestimmungsrechte beim Einsatz von Leiharbeitern sowie eine Vereinbarung mit den Zeitarbeitsverb\u00e4nden \u00fcber Branchenzuschl\u00e4ge erreichen. Hier schl\u00e4gt die Berliner \u201eAlternative\u201c als Losung vor: \u201eFesteinstellung statt mies bezahlte, unsichere Leiharbeitsverh\u00e4ltnisse!\u201c Au\u00dferdem sollte auch eine \u00dcbernahme der \u00fcberbetrieblichen Auszubildenden (im Osten ein wachsender Teil der Azubis) \u2013 durch die Unternehmen der Branche erstritten werden \u2013 wozu sich die IG Metall-F\u00fchrung bislang gar nicht \u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<h4>Wie den Kampf f\u00fchren?<\/h4>\n<p>Die \u201eInitiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken\u201c verweist darauf, dass die IG Metall in den letzten zehn Jahren, seit 2002, in den Metall-Tarifrunden nicht mehr zum Streik aufgerufen hat. Das muss dieses Mal anders laufen. Nat\u00fcrlich l\u00e4sst sich der Schalter nicht einfach umlegen. Streiks m\u00fcssen vorbereitet werden. Aber die 3,6 Millionen MetallerInnen sind eine Kraft, die dem Lohnraub und der Billigjob-Offensive den Riegel vorschieben k\u00f6nnte. Wenn man \u2013 wie es das \u201eNetzwerk f\u00fcr eine k\u00e4mpferische und demokratische ver.di\u201c vorschl\u00e4gt \u2013, die K\u00e4mpfe bei den fast gleichzeitig verlaufenden Tarifrunden von Metallindustrie und \u00d6ffentlichem Dienst zusammenbringt, dann k\u00f6nnte 2012 das Jahr werden, in dem die jahrelange Lohnspirale nach unten endlich gestoppt und umgekehrt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Metall-Tarifrunde muss Wende einl&#228;uten\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[244],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14658"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14658"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14658\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14658"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14658"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14658"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}