{"id":14636,"date":"2012-01-24T00:00:00","date_gmt":"2012-01-23T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14636"},"modified":"2012-06-08T20:31:43","modified_gmt":"2012-06-08T18:31:43","slug":"14636","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/01\/14636\/","title":{"rendered":"Tarifrunde Bund und Kommunen:"},"content":{"rendered":"<p>  &#8222;Nachholbedarf&#8221; &#8211; Diesmal ernst machen!<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i><b>Dokumentiert: Stellungnahme des Netzwerks f&#252;r eine k&#228;mpferische   und demokratische Ver.di vom 22. Januar 2012 <\/b><\/i><\/h4>\n<h4>  <i><b>Die Stellungnahme ist <a href=\"\/media\/2012\/2012-stellungnahme-tarifrunde-bund-kommunen.pdf\">hier<\/a>   als PDF zu finden.<\/b><\/i><\/h4>\n<p>  Laut ver.di Vorsitzendem Frank Bsirske gibt es in der vor uns stehenden   Tarifrunde einen &#8222;deutlichen Nachholbedarf&#8220;. Das ver.di-Tarifinfo Nr.1   bezieht sich vor allem auf die schlechtere Entwicklung von L&#246;hnen und   Geh&#228;ltern im &#214;ffentlichen Dienst im Vergleich zur Privatindustrie. Das   ist richtig, aber eigentlich geht es um viel mehr. In den letzten zehn   Jahren sind die Reall&#246;hne aller Besch&#228;ftigten in Deutschland in der   Tendenz durchschnittlich gesunken &#8211; ganz im Gegensatz zu den Gewinnen   der Konzerne und Banken. Die Reichen zahlen immer weniger Steuern. Das   ist das Geld was f&#252;r notwendige &#246;ffentliche Dienstleistungen und   angemessene Bezahlung fehlt.<\/p>\n<p>  Deutschland ist das Land der arbeitenden Armen geworden &#8211; bez&#252;glich der   Einkommensentwicklung war es in den letzten Jahren das Schlusslicht. Nur   im letzten Jahr ist Deutschland in Europa auf Platz 9 ger&#252;ckt. Dies ist   nicht auf eine bessere Lohnentwicklung hierzulande zur&#252;ckzuf&#252;hren,   sondern auf die K&#252;rzungsprogramme in anderen krisengesch&#252;ttelten   L&#228;ndern. Auch vom letzten Aufschwung haben also weder die Besch&#228;ftigten   in der Privatindustrie noch im &#214;ffentlichen Dienst ihren Teil   abbekommen. Dazu haben auch die mehr als bescheidenen Tarifabschl&#252;sse   beigetragen. Das muss ge&#228;ndert werden. Mit einer starken Tarifbewegung   kann auch eine Ver&#228;nderung dieser Politik im Interesse der Banken und   Konzerne durchgesetzt werden.<\/p>\n<p>  Allerdings stehen nun die Zeichen schon wieder auf Abschwung. Das darf   aber nicht bedeuten, dass wieder verzichtet wird! Die Arbeitgeber werden   auf die Eurokrise und die Verschuldung der &#246;ffentlichen Haushalte,   insbesondere der Kommunen, verweisen. Bsirske sagt &#8222;Die Arbeitnehmer im   &#246;ffentlichen Dienst sind aber nicht bereit, f&#252;r eine falsche   Steuerpolitik der Bundesregierung die Zeche zu zahlen.&#8220;(ND 02.01.12) Das   muss bedeuten, dass es diesmal kein Einknicken geben darf. Geld ist   genug da, es ist nur in den falschen H&#228;nden. An dieses Geld kommt man   aber nur, wenn Druck durch Arbeitskampf erzeugt wird.<\/p>\n<h4>  <b>Mobilisierende Forderungen aufstellen<\/b><\/h4>\n<p>  F&#252;r eine gute Mobilisierung m&#252;ssen Forderungen aufgestellt werden, f&#252;r   die es sich lohnt zu k&#228;mpfen. Dabei reichen 6 bis 7 Prozent, wie in der   Presse verlautbart wird, nicht aus. Wenn schon 2008 die ver.di Forderung   nach 8 Prozent aber mindestens 200&#8364; nicht ausreichte, um den Trend   umzukehren, warum sollte diesmal noch weniger den &#8222;Nachholbedarf&#8220;   ausgleichen?! 2010 wurden die Erwartungen von vornherein   heruntergeschraubt, indem die Forderung nur 5 Prozent &#8222;Gesamtvolumen&#8220;   betrug. Das Ergebnis, 1,2 Prozent ab Januar 2010, 0,6 Prozent ab Januar   2011 und 0,5 Prozent ab August 2011 bedeutete bei einer Inflationsrate   von durchschnittlich 2,3 Prozent im Jahr 2011 Reallohnverluste! Es ist   ein Fortschritt, wenn &#252;ber Sockelbetr&#228;ge versucht wird, die unteren   Lohngruppen verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig anzuheben. Jedoch sind deutlichere   Erh&#246;hungen n&#246;tig, um zu verhindern, dass die Schere sich weiter &#246;ffnet.   Das Netzwerk pl&#228;diert seit Jahren f&#252;r monatliche Festgelderh&#246;hungen. Ein   Beispiel f&#252;r eine solche Forderung war die der Charite Besch&#228;ftigten,   die 300 Euro monatlich mehr forderten.<\/p>\n<p>  Die Vertrauensleute im Klinikum Kassel haben als ihre Forderung   beschlossen: 100 Euro Sockelerh&#246;hung f&#252;r alle plus 6 Prozent   Tabellensteigerung. Das geht in die richtige Richtung. Das Netzwerk hat   sich bereits in der letzten Tarufrunde f&#252;r eine Festgelderh&#246;hung von 300   Euro monatlich eingesetzt und h&#228;lt unter den momentanen Bedingungen   diese Gr&#246;&#223;enordnung f&#252;r weiterhin richtig, um die es mindestens gehen   muss. Die L&#246;hne im &#246;ffentlichen Dienst sind deutlich unter denen in der   Privatwirtschaft, der TV&#214;D hat das Lohnniveau um bis zu 20 Prozent   abgesenkt. Dass muss aufgeholt werden. Zudem muss, anders als in den   Vorjahren. eine Laufzeit von maximal 12 Monaten vereinbart werden. Denn   gerade in Anbetracht der Eurokrise kann es schnell zu Entwicklungen   kommen, die wiederum eine finanzielle Mehrbelastung f&#252;r   ArbeitnehmerInnen bedeutet.<\/p>\n<h4>  <b>&#220;bernahme verbindlich regeln<\/b><\/h4>\n<p>  Zur &#220;bernahme der Auszubildenden muss endlich eine verbindliche Regelung   erstritten werden &#8211; und zwar nicht etwas, wo die Arbeitgeber sich   herauswinden k&#246;nnen, sondern eine tarifliche Regelung zur unbefristeten   &#220;bernahme aller Auszubildenden im erlernten Beruf, und zwar in volle   Stellen. Denn es darf nicht hingenommen werden, dass sich immer mehr   Jugendliche in prek&#228;ren und schlecht bezahlten Arbeitsverh&#228;ltnissen   wiederfinden. Deshalb muss im &#214;ffentlichen Dienst ausgebildet und   &#252;bernommen werden.<\/p>\n<h4>  <b>Arbeitsdruck, Arbeitszeit, mehr Stellen im &#214;ffentlichen Dienst <\/b><\/h4>\n<p>  Die meisten Besch&#228;ftigten leiden unter immer gr&#246;&#223;erem Arbeitsdruck.   Viele f&#252;hlen sich am Ende ihrer Kr&#228;fte.W&#228;hrend die einen sich kaputt   arbeiten, haben die anderen keine Arbeit. Mit einer Versch&#228;rfung der   Krise drohen Stellenabbau und Entlassungen. Daher muss ein   gewerkschaftlicher Kampf f&#252;r mehr Stellen gef&#252;hrt werden. Es ist ein   Fehler, dass das Thema Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem Lohn- und   Personalausgleich in den letzten Jahren von den Gewerkschaften nicht auf   die Tagesordnung gesetzt wurde &#8211; ganz im Gegensatz zu den Arbeitgebern,   die mit ihrer Forderung nach Arbeitszeitverl&#228;ngerung immer wieder ein   St&#252;ckchen weiter kommen. Ein erfolgreicher Kampf in diesem Jahr f&#252;r eine   deutliche Einkommensverbesserung w&#228;re eine hervorragende Voraussetzung,   um in Zukunft auf einen Kampf f&#252;r eine deutliche Arbeitszeitverk&#252;rzung   bei vollem Lohn- und Personalausgleich vorzubereiten.<\/p>\n<h4>  <b>Vorbereitung <\/b><\/h4>\n<p>  Wie einen Erfolg f&#252;r diese Tarifrunde organisieren? In den Tarifrunden   2008 und 2010 haben die Besch&#228;ftigten von Bund und Kommunen mit massiver   Beteiligung an Warnstreiks gezeigt, dass sie zum K&#228;mpfen bereit sind.   Diese Bereitschaft w&#252;rde mit einer mobilisierenden Forderung gesteigert.<b>   <\/b><\/p>\n<p>  Von Vertrauensleute- und Mitgliederversammlungen muss ein klares Signal   ausgehen: Diesmal wird ernst gemacht. Die Mitglieder m&#252;ssen darauf   eingeschworen werden, dass nur mit einem konsequenten Arbeitskampf etwas   zu holen ist &#8211; das hei&#223;t Warnstreikwellen wie 2008 und 2010 als   Vorbereitung. Wenn die Arbeitgeber sich nicht bewegen, was zu erwarten   ist, dann muss z&#252;gig eine Urabstimmung erfolgen. Dann darf vor einem   bundesweiten Vollstreik nicht zur&#252;ck geschreckt werden.<\/p>\n<h4>  2012 zum Jahr der gewerkschaftlichen Kampfkraft machen<\/h4>\n<p>  2012 ist das Jahr der Tarifrunden. Fast zeitgleich stehen die   Besch&#228;ftigten der Telekom, der Metallindustrie, der Chemieindustrie und   einige andere in Tarifauseinandersetzungen. Und 2012 wird das Jahr der   Eurokrise sein, in der wie seit der Finanzkrise Politiker daf&#252;r sorgen   werden, dass die Kosten der Krise auf die Besch&#228;ftigten abgew&#228;lzt werden   sollen, w&#228;hrend Banken und Konzerne weiter ihre Gewinne scheffeln. 2012   sollte aber das Jahr werden, in dem die Gewerkschaften f&#252;r eine Wende   sorgen.<\/p>\n<p>  F&#252;r &#252;ber neun Millionen Besch&#228;ftigte stehen in diesem Jahr   Tarifauseinandersetzungen an. Der Tarifvertrag der Metall- und   Elektroindustrie endet nur einen Monat nach dem TV&#214;D. Dies w&#228;re DIE   Chance, durch zeitgleiche Streiks, gemeinsame Demonstrationen und   Kundgebungen den Druck aus den Betrieben aufzubauen, um tats&#228;chlich die   massiven Reallohnverluste aus den letzten zehn Jahren zur&#252;ckzuholen.   Mehr noch &#8211; es w&#228;re eine M&#246;glichkeit, gemeinsam St&#228;rke zu zeigen,   Kampfkraft zu erproben. Die Bedeutung der Gewerkschaften als   Kampforganisationen w&#252;rde wieder aufgezeigt und viele Besch&#228;ftigte   w&#252;rden wieder einen Sinn darin sehen, sich zu organisieren. Noch   wichtiger: die Besch&#228;ftigten w&#252;rden ihre eigene St&#228;rke sp&#252;ren und die   Arbeitgeberseite in ihre Schranken verwiesen. Es w&#252;rde die   Ausgangsposition f&#252;r die Masse der Besch&#228;ftigten in zuk&#252;nftigen   Auseinandersetzungen, die in Anbetracht der Krise des Kapitalismus sehr   hart werden, enorm verbessern. Es wird also Zeit, Alleing&#228;nge und   Konkurrenzverhalten der Einzelgewerkschaften abzuschaffen und   stattdessen daf&#252;r zu sorgen, dass an einem Strang gezogen wird. Davon   profitieren letztlich alle Einzelgewerkschaften und ihre Mitglieder.<\/p>\n<p>  F&#252;r eine solche Politik muss Druck von unten organisiert werden. Das   &#8222;Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und demokratische ver.di&#8220; ist ein   Angebot f&#252;r KollegInnen, sich dar&#252;ber auszutauschen, wie f&#252;r einen   k&#228;mpferischen Kurs in der kommenden Tarifauseinandersetzung gesorgt   werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#8222;Nachholbedarf&#8221; &#8211; Diesmal ernst machen!\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17,18],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14636"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14636"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14636\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14636"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14636"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14636"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}