{"id":14626,"date":"2012-01-25T00:00:00","date_gmt":"2012-01-24T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14626"},"modified":"2012-07-18T15:50:31","modified_gmt":"2012-07-18T13:50:31","slug":"14626","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/01\/14626\/","title":{"rendered":"Sozialismus: Lebensqualit&#228;t auch im Alter"},"content":{"rendered":"<p>  Welche Alternative gibt es zur heutigen Pflegeversorgung?<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i><b>von jeweils 100 BewohnerInnen in deutschen Pflegeheimen sind 34   nicht ausreichend mit Ern&#228;hrung und\/oder Fl&#252;ssigkeit versorgt, bestehen   bei 35 M&#228;ngel in der Dekubitusprophylaxe (=Vorbeugung vor   Wundliegegeschw&#252;ren) und bei 15 ist die Inkontinenzversorgung nicht   angemessen. Au&#223;erdem werden 30 nicht entsprechend ihrer   gerontopsychiatrischen Beeintr&#228;chtigung (vor allem Demenz und   Depression) betreut. Das ist die Realit&#228;t wie sie im 2.Bericht des   Medizinischen Dienstes der Spitzenverb&#228;nde der Krankenkassen (MDK) f&#252;r   das Jahr 2006 beschrieben wird. <\/b><\/i><\/p>\n<h4>  <i>von Julia Blum, Aachen <\/i><\/h4>\n<p>  Kein Wunder, denn mit dem Pflegebereich machen manche Unternehmen auf   Kosten der Pflegebed&#252;rftigen und auf dem R&#252;cken der Besch&#228;ftigten einen   Reibach. Laut Welt online wurden in Deutschland z.B. 2004 34 Milliarden   Euro f&#252;r Pflege ausgegeben. Das ist ein Markt, der f&#252;r das Kapital   durchaus attraktiv ist. Solange mit der Pflege von alten Menschen Profit   und damit Menschen zu Waren gemacht werden, solange wird es nicht um   gute Pflege gehen k&#246;nnen und sich an solchen Zust&#228;nden auch nicht viel   &#228;ndern. Nur in einer Gesellschaft, in der nicht der Profit, sondern die   Bed&#252;rfnisse von Natur und Mensch entscheidend sind, kann eine   menschliche Pflege gew&#228;hrleistet werden.<\/p>\n<h4>  Pflege vom Profitprinzip befreien<\/h4>\n<p>  Pflegebed&#252;rftige sollten die Pflege erhalten, die sie brauchen, und   Pflegekr&#228;fte sollten das tun k&#246;nnen, wof&#252;r sie eigentlich gedacht sind,   n&#228;mlich eine den Bed&#252;rfnissen entsprechende Pflege und Betreuung von   alten Menschen. Daf&#252;r ist es n&#246;tig, die Pflegeheime und auch die   ambulanten Pflegedienste zu vergesellschaften und unter demokratische   Kontrolle der arbeitenden Bev&#246;lkerung zu stellen. Es w&#252;rde dann nicht   mehr vom Geldbeutel abh&#228;ngen, welche Pflege man erh&#228;lt. Stattdessen   k&#246;nnten sich Besch&#228;ftigte, Pflegebed&#252;rftige, Angeh&#246;rige und   VertreterInnen der arbeitenden Bev&#246;lkerung nicht nur zusammensetzen, um   gemeinsam zu diskutieren, wie die Situation der Pflege verbessert werden   kann, sie h&#228;tten auch die Mittel in der Hand, um zu entscheiden, mit   welchen Ma&#223;nahmen das geschehen soll.<\/p>\n<h4>  Personalsituation verbessern<\/h4>\n<p>  Als erstes w&#252;rde man wohl mehr Personal einstellen und die Arbeitszeit   auf 30 Std\/Woche oder noch weniger senken. Nat&#252;rlich mit vollem Lohn-   und Personalausgleich. In einer sozialistischen Gesellschaft h&#228;tte   niemand etwas davon, wenn einerseits kompetentes Fachpersonal arbeitslos   zu Hause s&#228;&#223;e und andererseits Pflegekr&#228;fte und Angeh&#246;rige so viel   arbeiten m&#252;ssten, dass sie selbst bald krank w&#252;rden. Altenpflegekr&#228;fte   sind z.B. laut BGW-DAK Gesundheitsreport 2003 zu 44 Prozent h&#228;ufiger von   psychosomatischen Erkrankungen betroffen als die sonstige berufst&#228;tige   Bev&#246;lkerung.<\/p>\n<p>  Die vorhandene Arbeit w&#252;rde auf alle verteilt werden. Dadurch w&#252;rde die   Arbeitshetze nicht nur im Pflegebereich merklich reduziert. Es g&#228;be   keine Abfertigung von Menschen wie am Flie&#223;band mehr, sondern die   Pflegekr&#228;fte k&#246;nnten sich f&#252;r die Pflegebed&#252;rftigen so viel Zeit nehmen,   wie sie brauchen, um die notwendige Pflege, aber auch die soziale   Betreuung zu leisten. Niemand m&#252;sste fixiert oder durch Psychopharmaka   ruhig gestellt werden. Stattdessen k&#246;nnte man gemeinsam &#252;berlegen, wie   der Tag f&#252;r alle interessant und abwechslungsreich gestaltet werden   kann. Die Angeh&#246;rigen w&#228;ren von der sie oft &#252;berfordernden Pflege   entlastet und k&#246;nnten wieder Tochter, Sohn, Nichte oder Neffe sein. Und   die Besch&#228;ftigten w&#252;rden selbstverst&#228;ndlich genauso wie Besch&#228;ftigte   anderer Branchen mehr verdienen, damit sie nicht mit Finanzsorgen und   Existenz&#228;ngsten zur Arbeit kommen m&#252;ssten.<\/p>\n<p>  Man w&#252;rde wohl ebenfalls daf&#252;r sorgen, dass auch in Zukunft genug   Personal zur Verf&#252;gung st&#228;nde. Das statistische Bundesamt prognostiziert   f&#252;r das Jahr 2025 einen Mangel von 112000 vollzeitbesch&#228;ftigten   Pflegekr&#228;ften und da ist eine Arbeitszeitverk&#252;rzung und eine Entlastung   der Angeh&#246;rigen noch gar nicht mit ein gerechnet. Obwohl man das wei&#223;,   ist man im Kapitalismus nicht dazu in der Lage, dem zu begegnen. Es   werden sogar Ausbildungskapazit&#228;ten abgebaut. Eine sozialistische   Gesellschaft dagegen beruht auf gesellschaftlicher Planung. Man w&#252;rde   ausgehend vom ermittelten Bedarf die Kapazit&#228;ten zur Ausbildung weiteren   Personals massiv ausweiten und das Berufsbild Altenpflege insgesamt   attraktiver gestalten. Die Ausbildungsinhalte k&#246;nnten von Lehrenden und   Lernenden gemeinsam gestaltet werden und so regelm&#228;&#223;ig den   Erfordernissen angepasst werden. Die Ausbildung d&#252;rfte die   Auszubildenden au&#223;erdem nichts kosten.<\/p>\n<h4>  Gute Ern&#228;hrung, kostenloses Gesundheitswesen und bessere   Arbeitsbedingungen<\/h4>\n<p>  Allerdings w&#228;ren in einer sozialistischen Gesellschaft auch die   Lebensmittelproduktion, das Gesundheitswesen und Wissenschaft und   Forschung staatliche Aufgaben und w&#252;rden entsprechend dem Gemeinwohl   organisiert. Die Lebensmittel w&#228;ren frei von Dioxin, Antibiotika und   Rinderwahn, so dass Lebensmittel das sein k&#246;nnten, was ihr Name   verspricht, &#8222;Lebens&#8220;mittel. Ein kostenloser Zugang zu medizinischen   Einrichtungen und Medikamenten w&#252;rde f&#252;r jede\/n die bestm&#246;gliche   Versorgung und Behandlung im Krankheitsfall bedeuten, aber vor allem   w&#252;rde man auch effektiver vorbeugen, weil die Gesellschaft ein Interesse   daran h&#228;tte, dass Menschen gesund bleiben und niemand mehr daran   verdienen w&#252;rde, wenn jemand krank w&#252;rde. Au&#223;erdem w&#252;rde es enorme   Durchbr&#252;che in der Medizin geben, wenn nicht in Konkurrenz zueinander   geforscht w&#252;rde, sondern alle vorhandenen Ressourcen gemeinsam genutzt   w&#252;rden, um Diagnose und Behandlung von Erkrankungen zu verbessern. Die   Lebensbedingungen w&#252;rden somit enorm verbessert und eine wichtige   Voraussetzung f&#252;r ein l&#228;ngeres und ges&#252;nderes Leben w&#228;re damit gegeben.<\/p>\n<p>  Ein Hauptaspekt liegt aber in der Arbeitswelt: Stress,   Arbeitsverdichtung, zu lange Lebensarbeitszeit, Nachtarbeit und   Schichtdienst. Das alles tr&#228;gt dazu bei, dass Menschen krank werden   und\/oder k&#252;rzer leben. W&#252;rde man die Arbeitsbedingungen im Interesse der   Besch&#228;ftigten konsequent verbessern, w&#252;rde das einen Meilenstein zur   Genesung der Menschheit darstellen.<\/p>\n<h4>  Sch&#246;ner wohnen<\/h4>\n<p>  Trotzdem werden auch in einer sozialistischen Gesellschaft weiterhin   Menschen krank und pflegebed&#252;rftig werden. Diese w&#252;rden aber nicht mehr   in gro&#223;en Pflegeghettos zusammengepfercht werden. Jede\/r m&#246;chte wohl   eher in der vertrauten Umgebung alt werden, die bekannten Nachbarn,   Freunde und Familie um sich haben und Kontakt nicht nur zur eigenen   Generation, sondern auch zu den j&#252;ngeren Generationen pflegen. Nach der   Maxime &#8222;so dezentral wie m&#246;glich und so zentral wie n&#246;tig&#8220; k&#246;nnte man   ambulante Pflegest&#252;tzpunkte errichten und auf Mehrgenerationenblocks   oder &#228;hnliche Konzepte setzen, um ein Miteinander Wohnen der   verschiedenen Generationen zu gestalten. Generell h&#228;tte man ja durch die   Arbeitszeitverk&#252;rzung mehr Raum f&#252;r Beziehungen zu anderen Menschen und   w&#252;rde eine nicht auf Konkurrenz basierende Gesellschaft eine   gesellschaftliche Kultur von Solidarit&#228;t und Gemeinschaft erm&#246;glichen,   in der aufeinander geachtet und sich umeinander gek&#252;mmert wird. Da   h&#228;tten nicht nur die &#228;lteren Menschen etwas von, sondern auch das Leben   der J&#252;ngeren w&#252;rde z.B. durch die Lebenserfahrung der &#196;lteren bereichert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Welche Alternative gibt es zur heutigen Pflegeversorgung?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[111],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14626"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14626"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14626\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14626"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14626"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14626"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}