{"id":14617,"date":"2011-12-24T00:00:00","date_gmt":"2011-12-24T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14617"},"modified":"2011-12-24T00:00:00","modified_gmt":"2011-12-24T00:00:00","slug":"14617","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/12\/14617\/","title":{"rendered":"China droht eine Bankenkrise"},"content":{"rendered":"<p>  Nach umfangreichem Konjunkturprogramm steigen Chinas Staatsschulden auf   europ&#228;isches Niveau<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <b>Dieser Artikel erschien am 17. Dezember auf der Webseite   socialistworld.net<\/b><\/h4>\n<p>  <i>von Vincent Kolo, chinaworker.info (China-Homepage des CWI, dem   &#8222;Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale&#8220;, dessen Sektion in Deutschland   die SAV ist )<\/i><\/p>\n<p>  Jetzt, da die Weltwirtschaft einer erneuten Rezession und abermaligen   Tumulten in der Finanzwirtschaft entgegentaumelt, sorgt man sich   zunehmend auch aufgrund des Zustands des Bankensystems in China, das   sich zum gr&#246;&#223;ten Teil in Staatsbesitz befindet. &#220;ber zwei Jahre lang   hatte eine nie dagewesene Flut an Bankkrediten zum gr&#246;&#223;ten Bauboom in   der Geschichte gef&#252;hrt. In dessen Verlauf wurden Rohstoffe aus der   ganzen Welt f&#246;rmlich aufgesogen und die Wachstumsraten der   Warenexporteure lie&#223;en das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufbl&#228;hen. Doch   nun kommen sie zur&#252;ck: Die Geister, die durch Pekings   Mega-Konjunkturpaket gerufen wurden, lassen die Schuldenst&#228;nde in die   H&#246;he schnellen.<\/p>\n<p>  Seit &#252;ber einem Jahr sorgt die Regierung f&#252;r eine Kreditbremse, um den   steigenden Schulden &#8211; vor allem der Provinzregierungen &#8211; zu begegnen und   die Inflation unter Kontrolle zu bringen. Aber das harte Durchgreifen   Pekings hat umgekehrt auch zu einem dramatischen Anwachsen einer   Schattenwirtschaft im Bankensystem gef&#252;hrt. &#220;berall existieren   sogenannte Untergrundbanken, die illegal sind, und auch &#8222;bilanzneutrale   Finanzierungen&#8220;, die von staatlichen Banken zur Verf&#252;gung gestellt   werden.<\/p>\n<p>  Banken und Finanzh&#228;user versuchen, die Kontrollmechanismen der Regierung   zu umgehen. Und so zeichnen sich die Banken der Schattenwirtschaft   mittlerweile f&#252;r atemberaubende 40 Prozent aller in China vergebenen   Kredite verantwortlich. Dieses Heranwachsen eines informellen Sektors im   Finanzwesen (kurz: einer Schatten-Geldwirtschaft) widerspiegelt auch,   was einige Kommentatoren bereits als &#8222;verdeckte Liberalisierung der   Finanzm&#228;rkte&#8220; bezeichnen. Das liegt daran, dass die Banken lieber den   &#8222;vom Markt gesetzten&#8220; Zinsraten hinterherjagen als sich mit den viel   niedrigeren Zinsen zufrieden zu geben, die von der Zentralbank   vorgegeben werden.<\/p>\n<p>  Diese explosionsartige Zunahme des informellen Geldverleihens l&#228;sst die   Probleme der chinesischen Regierung zu einem gef&#228;hrlichen Gemisch   werden. Sie k&#228;mpft darum, eine schwerwiegende, aus faulen Krediten   resultierende Krise zu verhindern. Im Dezember gaben 61 Prozent der   weltweit agierenden Finanzspekulanten (bzw. &#8222;Investoren&#8220;, wie sie lieber   bezeichnet werden wollen) in einer von Bloomberg durchgef&#252;hrten Umfrage   an, dass sie mit einem Crash in Chinas Finanzsektor innerhalb der   n&#228;chsten f&#252;nf Jahre rechnen. Und nur einer von zehn wagte die   Vorhersage, dass Chinas Banken dem &#196;rger entgehen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Rechnet man auch die Schulden der einzelnen Provinzregierungen, der   Eisenbahngesellschaft und weiterer Bereiche (wie z.B. die ungedeckten   Rentenverpflichtungen) mit ein, so hat sich die Gesamtverschuldung   Chinas raketenartig nach oben entwickelt. Nicholas Kwan, Chefvolkswirt   f&#252;r Asien bei der &#8222;Standard Chartered Bank&#8220;, hat errechnet, dass die   momentane Schuldenlast Chinas mittlerweile &#228;hnlich hoch ist wie die in   den europ&#228;ischen Staaten und bei rund 70 Prozent bis 80 Prozent des BIP   liegt. Vor drei Jahren waren es noch gut 20 Prozent des BIP. Kwan meint   ferner, dass es keiner besonders gro&#223;en Ausgabensteigerung mehr bedarf,   um China soweit zu dr&#228;ngen, dass man auch dort die Schuldenquote der   Vereinigten Staaten von Amerika erreicht, n&#228;mlich 100 Prozent des BIP.<\/p>\n<h4>  Konjunkturprogramme, Inflation und wirtschaftliches Ungleichgewicht<\/h4>\n<p>  Seit mehr als zwei Jahrzehnten sind die Banken das wesentliche Mittel   f&#252;r den chinesischen Staat, um f&#252;r Wachstum zu sorgen. Der Wendepunkt   daf&#252;r lag im &#220;bergang des chinesischen Regimes vom fr&#252;heren Modell einer   b&#252;rokratischen Planwirtschaft hin zum jetzigen &#8222;Staatskapitalismus&#8220;. Als   die Weltwirtschaftskrise 2008 dann mit voller Wucht durchschlug, war es   eine nie dagewesene Prasserei mit Bankkrediten, mit der die   Konjunkturma&#223;nahmen des Regimes finanziert wurden.<\/p>\n<p>  Diese ausbordende, in erster Linie durch die Provinzregierungen und die   Staatsbetriebe hervorgebrachte Kreditvergabe enthob China nicht nur aus   der Rezession sondern half auch, eine globale &#8222;Gro&#223;e Depression&#8220; zu   vermeiden oder zumindest zu verz&#246;gern. Hinzu kamen nat&#252;rlich die   Konjunkturma&#223;nahmen in den meisten gro&#223;en Volkswirtschaften. Wenn   staatlich finanzierte Investitionen auch in unterschiedlicher Form   vonstatten gehen kann, so war Chinas Kreditvergabeprogramm doch &#8211; wie in   anderen L&#228;ndern &#8211; mit einem fetten Preisschild versehen. Die   Menschenmassen haben diesen Preis bezahlt, da sie Opfer eines steilen   Anstiegs der Inflation, beklemmender Baugrund-Spekulation und weiterer   damit einhergehender Effekte wurden. Zusammengenommen hat dies zu einem   Rekordtief des chinesischen Binnenkonsums gef&#252;hrt. In China liegt dieser   bei nur 35 Prozent des BIP &#8211; sogar Indien hat 57 Prozent!<\/p>\n<p>  In der zweij&#228;hrigen Phase der Konjunkturprogramme nahm das   Kreditvergabevolumen der Banken um 71 Prozent oder um 26,7 Billionen   Yuan zu (das entspricht 3,1 Billionen Euro). Im selben Zeitraum stieg   die Kreditvergabe des chinesischen Staates laut &#8222;Credit Suisse&#8220; im   Verh&#228;ltnis zum BIP von 120 Prozent am Ende des Jahres 2008 auf 166   Prozent im M&#228;rz 2011.<\/p>\n<p>  Ein Ergebnis dieser Kreditvergabe-Flut war die zus&#228;tzliche und   ungewollte, akute Zunahme des Geldbestands &#8211; ein wesentlicher Faktor f&#252;r   wachsende Inflation. Nach Angaben der Zeitung &#8222;Southern Weekly&#8220; stieg   die mittlere Geldmenge (M2) Chinas am Ende des Jahres 2010 auf 71,03   Billionen Yuan (~ 8,5 Billionen Euro) an. Sie &#252;berstieg damit die der   USA und lag fast doppelt so hoch wie das BIP Chinas. Diese   &#220;berliquidit&#228;t hat den Immobilienmarkt und weitere Verm&#246;gensanlagen   &#252;berschwemmt &#8211; was die Preise f&#252;r Bauland, Wohnraum und Gebrauchsg&#252;ter   in den Himmel schnellen lie&#223;.<\/p>\n<p>  Die enorme Zunahme an Bankkrediten hat somit zu weiteren schwerwiegenden   Verwerfungen in der chinesischen Wirtschaft gef&#252;hrt, die vorher bereits   an Gleichgewichtsst&#246;rungen litt (&#220;ber-Investment, &#220;berkapazit&#228;ten,   ineffizienter Einsatz von Energie- und Naturreserven, gr&#246;&#223;er werdende   Einkommensunterschiede und ged&#228;mpfter Konsum aufgrund extrem niedriger   L&#246;hne).<\/p>\n<p>  Weit davon entfernt, als bewusste und geleitete Politik bezeichnet zu   werden, fand diese Kreditexplosion auf wahnhafte und planlose Art und   Weise statt. Es gab nur wenig Kontrolle oder &#220;berpr&#252;fungen durch   Bankh&#228;user oder Beh&#246;rden der Zentralregierung. Zudem wurde es den   Provinzregierungen und den staatlichen Betrieben erm&#246;glicht, ihren   Zugang zu schnellen Krediten auszunutzen und sich somit allem m&#246;glichen   hinzugeben: vom Extravaganten (Prestigeprojekte wie aufw&#228;ndige   Sportevents oder zehnst&#246;ckige Polizeikommissariate) bis zum rein   Spekulativen (ein enormer Anteil der Finanzmittel aus dem   Konjunkturprogramm wurde in den Immobilienmarkt und andere   Spekulationsformen gepumpt).<\/p>\n<p>  Seit 2007 sind die durchschnittlichen Immobilienpreise landesweit um 140   Prozent angestiegen (wobei es sich lediglich um den Durchschnittswert   handelt und in einigen Gro&#223;st&#228;dten sogar eine Verdreifachung im selben   Zeitraum zu verzeichnen ist). H&#228;ufig wird berichtet, dass in China   sch&#228;tzungsweise 64 Millionen Wohnungen leerstehen, die von wohlhabenden   Einzelpersonen (darunter viele Regierungsbeamte) und von Unternehmen nur   deshalb gebaut wurden, um als Finanzinvestment zu dienen &#8211; nicht zur   Schaffung von Wohnraum. Unterdessen leben Sch&#228;tzungen zufolge allein in   der Hauptstadt eine Million sogenannter &#8222;M&#228;use-Menschen&#8220;, die im   Untergrund in Tunneln und umfunktionierten Kellern leben, weil es nicht   gen&#252;gend bezahlbaren Wohnraum gibt.<\/p>\n<h4>  Rekordprofite f&#252;r die Banken<\/h4>\n<p>  Wie das Finanzhaus &#8222;Credit Suisse&#8220; in seinem Monatsbericht vom Juni 2011   berichtet, &#8222;[&#8230;] besteht das Problem darin, dass, w&#228;hrend die   Zentralregierung urspr&#252;nglich geplant hatte, ein Konjunkturpaket im   Umfang von rund vier Billionen Yuan f&#252;r zwei Jahre aufzulegen, sich das   Gesamtvolumen der Investitionen in diesem Zeitraum auf 18,3 Billionen   Yuan belief und damit mehr als vier Mal &#252;ber dem avisierten Rahmen lag.   Von dieser Summe sch&#228;tzen wir, dass rund 14,5 Billionen Yuan durch die   Provinzregierungen eingebracht wurden. F&#252;r den Fall, dass derlei   Geldvergabe-Praxis zum Problem wird, bleibt zweifelhaft, ob die   Zentralregierung die komplette Rechnung am Ende auch &#252;bernehmen wird.   Und sollte die Zentralregierung in dem Fall dann nicht mit einem   Rettungspaket eingreifen, so wird daraus ein Problem des Privatsektors   und hat damit Auswirkungen auf das Bankensystem.&#8220;<\/p>\n<p>  Die Banken beeilten sich, in der Zeit der Konjunkturprogramme neue   Darlehen anzubieten. Sie taten dies nicht zuletzt deshalb, weil es   einfach enorm profitabel war. Die Profite der chinesischen Banken   schnellten in den Jahren von 2009 bis 2011 um 95 Prozent in die H&#246;he und   machen laut Finanzmagazin &#8222;The Banker&#8220; heute mehr als ein F&#252;nftel der   gesamten weltweiten Bankenprofite aus. Der Profit der ICBC (gemessen an   der Bilanzsumme die gr&#246;&#223;te Bank Chinas; Anm. d. &#220;bers.) in H&#246;he von 32,5   Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 stellte alle anderen Banken weltweit   in den Schatten. Auf Rang zwei landete mit Profiten i.H. von 26,4   Milliarden US-Dollar die &#8222;China Construction Bank&#8220;. Den dritten Platz   belegte mit 24,9 Miliarden Dollar &#8222;JPMorgan&#8220; (&#8222;Wall Street Journal&#8220;, 13.   Oktober 2011).<\/p>\n<p>  Da sichergestellt war, dass es sich bei den Kreditkunden um mit dem   Staat verbundene K&#246;rperschaften wie z.B. staatliche Konzerne (SOEs) oder   Finanzagglomerate von Provinzregierungen (LGFVs) handelte, scherten sich   die Banken wenig um Fragen der Wirtschaftlichkeit oder &#252;berhaupt um die   Glaubw&#252;rdigkeit der jeweiligen Projekte. In westlichen Bankh&#228;usern f&#252;hrt   derlei Verhalten zur Benutzung des Begriffs vom &#8222;subjektiven Risiko&#8220;.   Gemeint ist die waghalsige Geldvergabe im Glauben, dass der Staat   einspringen wird, um f&#252;r m&#246;gliche Verluste geradezustehen. Korruption   und der Missbrauch von Geldanlagen haben in China Rekordniveau erreicht.   Dies spiegelte sich in der Absetzung der fr&#252;heren Leiter des   Eisenbahnministeriums wider, die im Februar wegen Korruption in   besonderem Ausma&#223; angeklagt wurden, w&#228;hrend sie gleichfalls nie   dagewesene Schulden angeh&#228;uft hatten.<\/p>\n<p>  Die Schulden der Provinzregierungen hatten vor den Konjunkturprogrammen   ein zu vernachl&#228;ssigendes Ausma&#223;. Danach jedoch schwollen sie auf   gesch&#228;tzte 10,7 Billionen Yuan bzw. 27 Prozent des BIP an. Ein g&#228;nzlich   neues Netzwerk von &#252;ber 10.000 gr&#246;&#223;tenteils keinerlei Regulation   unterliegenden Finanzagglomeraten der Provinzregierungen schoss in den   vergangenen drei Jahren wie Pilze aus dem Boden, um die billigen Kredite   abzugreifen, die in der Zeit der Konjunkturma&#223;nahmen zur Verf&#252;gung   stand. Die Zentralregierung r&#228;umt ein, dass wahrscheinlich Schulden der   Provinzregierungen im Wert von drei Billionen Yuan (rund 355 Milliarden   Euro) nicht zur&#252;ckbezahlt werden k&#246;nnen. Wobei das Finanzunternehmen   &#8222;Standard Chartered&#8220; sch&#228;tzt, dass neun Billionen Yuan (1,1 Milliarden   Euro) Gefahr laufen auszufallen. &#8222;Mit anderen Worten k&#246;nnten die   potenziellen Ausf&#228;lle sogar noch umfangreicher sein als die 700   Milliarden US-Dollar, auf die sich das US-Rettungspaket w&#228;hrend der   Krise von 2008 belief&#8220;, warnte die Nachrichtenagentur &#8222;Reuters&#8220; am 24.   Oktober 2011.<\/p>\n<p>  Doch nicht nur die Schulden der Provinzregierungen geben Anlass, um   Alarm zu schlagen. Kredite an Bautr&#228;ger (von denen etliche bereits in   den kommenden Monaten Pleite gehen werden), an Industriezweige mit hohen   &#220;berkapazit&#228;ten, an Immobilienh&#228;ndler und Firmen, die Anlagefonds zur   Immobilien- oder B&#246;rsenspekulation umfunktioniert haben &#8211; all diese   Bereiche sind in hohem Ma&#223;e von der gravierenden Gefahr eines Ausfalls   betroffen.<\/p>\n<p>  Im Versuch eine Bankenkrise abzuwenden, hat die chinesische Regierung   seit letztem Jahr sch&#228;rfere Kontrollen im Bereich der Kreditvergabe und   des Grundst&#252;cksverkehr eingef&#252;hrt. Das hat zu vielen   Infrastrukturprojekten gef&#252;hrt, die aufgrund von unzul&#228;nglicher   Finanzierung und wegen des Vorgehens von Banken, die Kreditlinien an   Provinzregierungen und deren Finanzagglomerate gek&#252;rzt hatten, auf Eis   lagen.<\/p>\n<p>  Die Eisenbahnbranche ist daf&#252;r das wohl krasseste Beispiel. In diesem   Bereich kam es zu rund einem Drittel an Streichungen bereits geplanter   Projekte, und viele der sechs Millionen prek&#228;r besch&#228;ftigten   WanderarbeiterInnen, die f&#252;r Bauprojekte der Bahn besch&#228;ftigt wurden,   warten seit Monaten auf ihre L&#246;hne. Gleichzeitig wird die Schuldenkrise   genutzt, um hinsichtlich der Privatisierungen bis ans &#196;u&#223;erste zu gehen.   Als Folge der S&#228;uberung vom Februar wurde das Eisenbahnministerium   &#8222;reformiert&#8220; und Vorschl&#228;ge f&#252;r mehr privates Investment, Beteiligungen   und &#220;bernahmen wurden formuliert, um im Gegenzug eine Refinanzierung zu   erm&#246;glichen.<\/p>\n<p>  Ein weiteres Beispiel f&#252;r verschuldete Infrastrukturprojekte sind die   Verkehrswege und Autobahnen. Trotz des &#8222;Gro&#223;en Sprungs&#8220; im Bereich der   Nutzung des Automobils (China hat 2009 die USA als gr&#246;&#223;ter Automarkt   abgel&#246;st) rechtfertigt die Zahl der Pkw in keinster Weise den   ungehinderten Ausbau von geb&#252;hrenpflichtigen Stra&#223;en. Es gibt etliche   Geschichten von blitzblanken, neuen Fernstra&#223;en ohne jeden Verkehr.   J&#252;ngste Berichte aus zw&#246;lf Provinzen offenbaren eine Gesamtverschuldung   i.H. von 759,3 Milliarden Yuan (~ 90 Milliarden Euro), die aus dem Bau   von geb&#252;hrenpflichtigen Stra&#223;en resultieren, welche im Allgemeinen in   Kooperation zwischen Betreibergesellschaften und Provinzregierungen   zustande gekommen sind. In nur einem Fall, dem Stadtbezirk von Peking,   werfen diese Stra&#223;en Profite ab. Die Angst besteht laut der Tageszeitung   &#8222;Shenzhen Daily&#8220; vom 19. Oktober 2011 darin, dass &#8222;die Zeit der   Kostenr&#252;ckerstattung anhalten kann und somit nachhaltige Schulden f&#252;r   die Provinzregierungen bedeutet, die ja schon unter anderen Schulden zu   leiden haben&#8220;.<\/p>\n<h4>  Finanziell angespannte Lage und die Regierung geht an die   &#8222;Feinjustierung&#8220;<\/h4>\n<p>  Da der Staatsrat (das h&#246;chste Verwaltungsorgan Chinas) die monet&#228;re   Bremse gezogen hat, hat die Zentralbank seit 2010 die Zinss&#228;tze f&#252;nf Mal   und die Mindestreserveanforderungen (der Betrag, den eine Bank an   Kapital bei der Zentralbank nachweisen muss) neun Mal angehoben. Letzten   Monat senkte die Zentralbank die Mindestreserve zum ersten Mal in drei   Jahren ab: um 0,5 Prozent. Das ist m&#246;glicherweise das Signal f&#252;r einen   Kurswechsel in Richtung gelockerterer Politik, da die beschleunigte   wirtschaftliche Flaute das Regime zusehends in Unruhe versetzt. Bisher   beharrt Peking jedoch darauf, dass seine Restriktionen auf dem   Immobilienmarkt Bestand haben werden.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend die Zentralregierung momentan an die &#8222;Feinjustierung&#8220; ihrer   straffen Finanzpolitik gehen mag und dabei z.T. behauptet, dar&#252;ber w&#252;rde   die Inflation besiegt, bleibt das Problem der ma&#223;losen Kreditvergabe   bestehen. &#8222;Fitch Ratings&#8220; prognostiziert, dass das gesamte Kreditwesen   einschlie&#223;lich der nicht von den Bankh&#228;usern get&#228;tigten Beleihungen im   Jahr 2011 sich auf 18 Billionen Yuan belaufen wird. Das l&#228;sst das   Regierungsziel von sieben Billionen winzig erscheinen. Die Kreditkrise   von morgen wird damit weiter angeheizt.<\/p>\n<p>  Um an Pekings Kreditaufsicht vorbeizukommen und ihre Profite   aufrechtzuerhalten, haben sich die Banken neue Praktiken ausgedacht: Sie   erweitern ihre &#8222;bilanzneutralen Finanzierungsaktivit&#228;ten&#8220; massiv und   lagern neue &#8222;Investmentprodukte&#8220; einfach aus. Man ahmt also die   Finanztricksereien der Wall Street nach. Zu diesem atemberaubenden   Ausma&#223; an monet&#228;ren &#8222;Innovationen&#8220; ist es erst vor kurzem gekommen und   das hat die Alarmglocken nicht nur in China sondern weltweit klingeln   lassen.<\/p>\n<h4>  Die Krise des Privatsektors in der Provinz Zhejiang<\/h4>\n<p>  In der letzten Periode konnten wir die ph&#228;nomenale Ausweitung des   Schattensystems im Bankensektor miterleben, zu dem viele staatliche   Unternehmen und Provinzregierungen als ein aktiver Teil dazu geh&#246;ren. Zu   dieser Schattenwirtschaft geh&#246;ren auch private &#8222;Untergrund-Banken&#8220; und   Investmentgesellschaften, die in erster Linie von im Privatbesitz   befindlichen und mittelgro&#223;en Firmen (SMEs) Wucherzinsen verlangen.<\/p>\n<p>  Diese illegalen Finanzinstitutionen habe rapide an Zahl zugenommen und   nutzen f&#252;r sich den Druck der Regierung auf die staatlichen Banken.   Angaben der Zentralbank zufolge halten diese &#8222;Untergrund-Banken&#8220; rund   2,6 Billionen Yuan (~ 315 Milliarden Euro) an Krediten, wobei es sich   wahrscheinlich um eine Untersch&#228;tzung handelt. Sie ziehen Investitionen   von anderen Kapitalisten und wohlhabenden Regierungsbeamten (die   ebenfalls Sicherungen beibringen) an, weil sie hohe Renditen bis zu 100   Prozent aus den Zinseink&#252;nften in Aussicht stellen. Die staatliche   Nachrichtenagentur &#8222;Xinhua&#8220; zitierte den Besitzer einer 800-Millionen   Yuan schweren illegalen Bank, der sagte, dass 80 Prozent ihrer Einlagen   auf Staatsbedienstete zur&#252;ckgehen w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Auch ist es in zunehmendem Ma&#223;e f&#252;r Staatsbetriebe, die viel leichter an   Bankkredite kommen, zur Normalit&#228;t geworden, auf diesem &#8222;Markt&#8220;   mitzumischen. Wegen der niedrigen Eink&#252;nfte aus ihren Kerngesch&#228;ften   (als Folge von &#220;berkapazit&#228;ten und tobenden Preisk&#228;mpfen) haben sich   viele staatliche Betriebe in diesem Jahr neu orientiert &#8211; als Antwort   auf Pekings hartes Durchgreifen auf dem Immobilienmarkt. Sie sind von   der Immobilienspekulation abger&#252;ckt und als &#8222;Kredithaie&#8220; aktiv geworden,   um ihre Profite hochzutreiben. Das w&#228;re das illegale Akzeptieren, das in   zunehmendem Ma&#223;e und unter der Schirmherrschaft der Banken selbst   abl&#228;uft, die ihrerseits als Mittelm&#228;nner f&#252;r die ihnen &#8222;anvertrauten   Kredite&#8220; zwischen einem (&#252;blicherweise im Staatsbesitz befindlichen)   Unternehmen und dem (meist im Privatbesitz befindlichen) anderen agieren.<\/p>\n<p>  Die j&#252;ngsten Entwicklungen in der Provinz Zhejiang, mit ihrer hohen   Konzentration an privaten Unternehmen, haben ein Licht auf dieses   Ph&#228;nomen geworfen. Die Zentralregierung hat gerade erst ein   19-Milliarden-Euro schweres Rettungspaket f&#252;r die SMEs (Small and medium   Enterprises, kleine und mittlere Betriebe) in Zhejiang angek&#252;ndigt, die   aufgrund ihrer Abh&#228;ngigkeit von der Schatten-Finanzwirtschaft wie eine   Weihnachtsgans ausgenommen worden sind. Mehr als 200 hochverschuldete   Konzernchefs in Zhejiang sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres   geflohen. Sie schulden insgesamt 15.000 ArbeiterInnen ihren Lohn. Einige   der privaten Kapitalisten in dieser Provinz haben Selbstmord begangen.   In Wenzhou, wirtschaftliches Zentrum der Provinz Zhejiang, hat Berichten   zufolge ein F&#252;nftel der 360.000 SMEs in diesem Jahr die Produktion   aufgrund von Bargeldknappheit eingestellt. Und viele Kapitalisten in   Wenzhou fordern, dass die &#8222;Untergrund-Banken&#8220; legalisiert werden, damit   der Markt reguliert werden kann.<\/p>\n<p>  Inoffizielle Sch&#228;tzungen deuten an, dass wenigstens die H&#228;lfte aller von   den &#8222;Untergrund-Banken&#8220; vergebenen Krediten in die Finanzspekulation   gegangen sind. &#8222;Verschiedene Unternehmer in Zhejiang sagten, die von den   im Untergrund agierenden Banken gesetzten und unangemessen hohen   Zinss&#228;tze bedeuten, dass niemand sich mehr leisten kann, sie aus   unternehmerischer Sicht zu bedienen [&#8230;]&#8220;, so eine Stimme, die Daniel Ren   aufgreifen konnte (&#8222;Yangtze Briefing&#8220;, SCMP, 15. Oktober 2011).<\/p>\n<p>  Und Zhejiang ist alles andere als ein Einzelfall. Eine k&#252;rzlich   ver&#246;ffentlichte, von &#8222;Pearl River Delta&#8220; in der Provinz Guangdong   durchgef&#252;hrte Meinungsumfrage weist aus, dass 72 Prozent der SMEs in den   n&#228;chsten sechs Monaten keinen Gewinn machen werden. &#8222;Viele SME-Besitzer   sagen, das Gesch&#228;ft laufe jetzt schlechter als zu Zeiten der tiefsten   Weltfinanzkrise im Jahr 2008&#8220;, berichtete die &#8222;South China Morning Post&#8220;   (15. Oktober 2011). Wirtschaftswissenschaftler warnen, dass die Provinz   Innere Mongolei die n&#228;chste sein k&#246;nnte, die eine Welle von   Zusammenbr&#252;chen im privaten Sektor erlebt.<\/p>\n<p>  Unter Bezugnahme auf das &#8222;Entwicklungs- und Forschungszentrum des   chinesischen Staatsrates&#8220; zeichnen die SMEs f&#252;r 80 Prozent der   st&#228;dtischen Arbeitspl&#228;tze verantwortlich. Sie entwickeln demnach 70   Prozent der chinesischen Patente und steuern 60 Prozent des BIP bei. Das   &#246;konomische Gewicht dieses Sektors ist so gro&#223;, dass die Regierung nun   eine ganze Reihe an Rettungsma&#223;nahmen ergreifen will (wie in Zhejiang zu   sehen) und Banken anweist, vermehrt diesem Bereich Kredite zu geben.   Derweil werden Kontrollma&#223;nahmen verst&#228;rkt, um zu verhindern, dass sich   noch mehr Kapitalisten davonmachen und ihre Schulden zur&#252;cklassen.<\/p>\n<h4>  Wachstum des Schatten-Bankensystems<\/h4>\n<p>  &#8222;Seit gut vier Jahren existiert in China eine Schatten-Finanzwirtschaft,   aber der j&#252;ngst zu verzeichnende Schub in diesem Bereich der   Kreditvergabe ist so noch nie da gewesen.&#8220;, vermerkte das &#8222;Wall Street   Journal&#8220; am 13. Oktober 2011. Der Zeitung zufolge hat sich das   Schatten-Banken-System seit Ende 2009 in Ausma&#223; und Gr&#246;&#223;e mehr als   verdoppelt und sorgt mittlerweile f&#252;r 17 Billionen Yuan an laufenden   Krediten bzw. 40 Prozent des BIP. Das bedeutet, dass zwei F&#252;nftel der in   China vergebenen Kredite in den letzten 18 Monaten von den Banken aus   der Schattenwirtschaft gekommen sind.<\/p>\n<p>  Die Zinss&#228;tze, die in diesem g&#228;nzlich deregulierten Sektor erhoben   werden, belaufen sich auf 25 Prozent oder mehr (einige Kredithaie   erheben sogar 180 Prozent) und erh&#246;hen so die Wahrscheinlichkeit einer   ganzen Welle von Zahlungsausf&#228;llen der Privatschuldner, da die   Immobilienpreise zu fallen beginnen und die Produktionsertr&#228;ge sich   verringern.<\/p>\n<p>  Im Folgenden sind einige Finanz-Innovationen aufgelistet, wie sie von   den Banken &#8211; egal, ob privat oder staatlich &#8211; weidlich praktiziert   werden, um Pekings Kontrolle &#252;ber das Kreditwesen zu umgehen und gr&#246;&#223;ere   Profite aus h&#246;heren, &#8222;marktbestimmten&#8220; Zinsen einzuheimsen:<\/p>\n<h4>  &#8226; Verm&#246;gensverwaltungsprodukte<\/h4>\n<p>  Die Zunahme an &#8222;bilanzneutraler&#8220; Kreditvergabe hat in China ganz   unterschiedliche Formen angenommen. Dazu geh&#246;rt auch die der sogenannten   Verm&#246;gensverwaltungsprodukte. Hierbei handelt es sich um &#8222;verbriefte&#8220;   Schulden (bereits bestehende Darlehen, die als &#8222;Investitionen&#8220; neu   deklariert werden) f&#252;r Infrastrukturprojekte von Provinzregierungen.   Diese Schulden werden von den Banken an Treuhandgesellschaften verkauft,   die sie ihrerseits &#8211; und &#252;blicherweise mit einer von der Bank   ausgegebenen Garantie f&#252;r hohe Ertr&#228;ge &#8211; weiterverkaufen. F&#252;r die Banken   ist das ein gutes Gesch&#228;ft, da es die Kredite aus ihren Bilanzen   herausnimmt, und es ihnen erlaubt, sich neues Geld zu besorgen, ohne   dabei die von Peking vorgegebenen Kreditquoten zu verletzen. Die Banken   kontrollieren ihrerseits oft die Treuhandgesellschaften, mit denen sie   zusammenarbeiten, und sie verwalten Fonds f&#252;r wohlhabende Einzelpersonen.<\/p>\n<p>  Der Handel mit beschriebenen Verm&#246;gensverwaltungsprodukten hat in China   explosionsartig zugenommen. In der ersten H&#228;lfte 2011 haben kommerzielle   Banken derartige Papiere im Wert von 8,5 Billionen Yuan ausgegeben. Das   ist mehr als die Gesamtsumme aller von den Banken im Jahr 2010 gew&#228;hrten   Darlehen (8,36 Billionen Yuan). Zum Vergleich: 8,5 Billionen Yuan sind   eine Billion Euro. Und das ist die Summe, die von den f&#252;hrenden K&#246;pfen   Europas zur Einrichtung ihres &#8222;Europ&#228;ischen Stabilit&#228;tssystems&#8220; (ESFS)   zur &#8222;Rettung&#8220; der Eurozone und ihrer Banken angestrebt wurde.<\/p>\n<p>  Es ist nicht verwunderlich, dass viele Kommentatoren &#8211; darunter auch   Regierungsvertreter &#8211; vor Risiken auf dem Subprime-Markt warnen. Das   liegt vor allem daran, dass die Banken den Markt derart rasch und   umfangreich mit solchen komplexen und schwer zu durchschauenden   Finanzprodukten &#252;berrollen und an der geringen regulativen Kontrolle   &#252;ber dieselben. Wie kann eine Regierung auch ein Ph&#228;nomen regulieren,   das erst seit wenigen Monaten existiert?<\/p>\n<h4>  &#8226; anvertraute Kredite<\/h4>\n<p>  Hierbei handelt es sich um eine andere Form des &#8222;bilanzneutralen&#8220;   Geldverleihens. Die Banken agieren als Mittelsm&#228;nner zwischen zwei   externen Parteien. Weil bei dieser Art von Krediten formal auf kein   bankeigenes Kapital zur&#252;ckgegriffen wird, k&#246;nnen sich die Banken im   Rahmen der von der Regierung vorgegebenen Kreditquoten bewegen.   Gleichzeitig erheben sie satte Geb&#252;hrens&#228;tze daf&#252;r, dass sie   &#8222;anvertraute Kredite&#8220; arrangieren. In Wirklichkeit sind die dabei Banken   dennoch &#8222;die letztendliche Quelle der Fonds f&#252;r die Kreditvergabe   zwischen einzelnen Unternehmen. Sie verleihen das Geld zu niedrigen   Zinss&#228;tzen an staatliche Unternehmen und diese geben es zu wesentlich   h&#246;heren S&#228;tzen weiter an den Privatsektor&#8220;, wie die &#8222;South China Morning   Post&#8220; es zusammenfasst (&#8222;Monitor&#8220;, 12. Oktober 2011).<\/p>\n<p>  Es sind auch schon F&#228;lle bekannt geworden, in denen Banken ihre Kunden   dazu gezwungen haben, als Bedingung f&#252;r die Beschaffung von   &#8222;anvertrauten Krediten&#8220; zun&#228;chst deren Verm&#246;gensverwaltungsprodukte zu   kaufen. Die Zunahme an &#8222;anvertrauter Kreditvergabe&#8220; im Verlauf der   ersten H&#228;lfte 2011 hat die von der Regierung angeordnete Verlangsamung   auf dem handels&#252;blichen Kreditmarkt nahezu aufgehoben.<\/p>\n<h4>  &#8226; zunehmende Belastung auch f&#252;r Hong Kong<\/h4>\n<p>  Die US-amerikanische Ratingagentur &#8222;Fitch&#8220; warnte im Oktober, sie werde   die Kreditw&#252;rdigkeit der Banken in Hong Kong wegen der zunehmenden   Belastung durch Kontinentalchina herabsetzen. Die Banken und Konzerne   des chinesischen Kerngebietes (ohne Hong Kong und Taiwan) halten   mittlerweile 24 Prozent aller Banken-Verm&#246;genswerte in Hong Kong. Im   Vergleich zu vor zwei Jahren ist das eine Verdopplung. Vor allem   Filialen von staatlichen chinesischen Banken in Hong Kong haben ihr   Kreditgesch&#228;ft mit Kontinentalchina rapide gesteigert. Teilweise handelt   es sich hierbei auch um eine Reaktion auf die Kreditaufsicht durch   Peking, die f&#252;r Hong Kong nicht gilt. Aber auch die Spekulation mit   &#8222;Kursunterschieden&#8220;, die aufgrund der niedrigeren Zinsen in Hong Kong   zustande kommen, und der fallende Wert der dortigen W&#228;hrung gegen&#252;ber   dem Yuan geh&#246;ren dazu.<\/p>\n<h4>  Krise aufgrund fauler Kredite<\/h4>\n<p>  Wegen dieser &#8222;Innovationen&#8220; strebt China einer neuen Krise entgegen, die   auf faule Kredite zur&#252;ckgeht und dann h&#246;chstwahrscheinlich auch einer   wie auch immer gearteten Bankenrettung bedarf. Die Folgen davon k&#246;nnen   u.a. ein langfristig schleppend verlaufendes Wirtschaftswachstum sein,   da Fonds aufgesogen werden, die ansonsten f&#252;r Investitionen oder zur   Finanzierung von grundlegenden Sozialleistungen verwendet worden w&#228;ren.   Seit Jahren werden sie zwar schon versprochen, man wartet bisher jedoch   vergebens auf sie. Das beschriebene Szenario wird auch deshalb immer   wahrscheinlicher, weil die Wirtschaft an Fahrt verliert,   Immobilienpreise fallen und die Provinzregierungen im tiefer in die   Schulden geraten.<\/p>\n<p>  Der klapprige Zustand der Banken infolge der &#8222;&#220;berreichweite von   Konjunkturma&#223;nahmen&#8220; hat die Spekulanten ins Schauern versetzt und einen   Wertverfall bei chinesischen Bankaktien ausgel&#246;st. Nicht weniger als 128   Milliarden US-Dollar an Aktienwerten mussten in diesem Jahr bei den vier   gr&#246;&#223;ten Banken abgeschrieben werden. Der Index des Finanzdienstleisters   &#8222;Morgan Stanley Capital International&#8220; f&#252;r Chinas Finanzwesen (&#8222;MSCI   China Financials Index&#8220;) fiel um 43 Prozent. Die chinesischen Banken   schmierten in st&#228;rkerem Umfang an den B&#246;rsen ab als die europ&#228;ischen &#8211;   und dies trotz weit verbreiteter Erwartungen eines Bankencrashs f&#252;r   Europa.<\/p>\n<p>  F&#252;r Peking ist das Schrumpfen der Aktienwerte von Bedeutung, weil man   weitere milliardenschwere Angebote plant, um den Banken bei der   Rekapitalisierung zu helfen und R&#252;ckstellungen f&#252;r den Fall   abzuschreibender Schulden anzulegen. Die gr&#246;&#223;ten Banken k&#246;nnten   gezwungen sein, in den n&#228;chsten f&#252;nf Jahren bis zu 500 Mrd. Yuan an   zus&#228;tzlichem Kapital aufzunehmen. Jedenfalls &#228;u&#223;ert Wu Xiaoling, ein   ehemaliger Vertreter der Zentralbank, diese Ansicht.<\/p>\n<p>  Notleidende Kredite (NPLs) werden &#8222;in den n&#228;chsten paar Jahren&#8220;   voraussichtlich von acht auf 12 Prozent des Gesamtkreditaufkommens   zulegen, so das Finanzdienstleistungsunternehmen &#8222;Credit Suisse&#8220;. Dabei   liefert die Ratingagentur &#8222;Moody&#8217;s&#8220; in diesem Zusammenhang eine   wesentlich h&#246;here Einsch&#228;tzung und spricht von zu erwartenden 18   Prozent. Zhang Yi, einer der Analysten bei &#8222;Moody&#8217;s&#8220;, sagt, dass die   Sch&#228;tzungen der Regierung &#252;ber die H&#246;he der Schulden der   Provinzregierungen um rund 3,5 Billionen Yuan zu niedrig veranschlagt   sind. Das momentan offiziell angenommene Ausma&#223; an NPLs liegt Angaben   der Zentralbank zufolge bei nur einem Prozent der Gesamtschulden. Das   ist eine Zahl, von der nicht ernsthaft ausgegangen werden darf.<\/p>\n<p>  Das erh&#246;ht die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Bankenrettungspakets in   China. Nur, dass man im Vergleich zu Beginn dieses Jahrhunderts dann von   einem weit gr&#246;&#223;eren Volumen ausgehen muss, als die Zentralregierung 650   Mrd. US-Dollar (rund 40 Prozent des BIP) f&#252;r die Rekapitalisierung der   Banken und die Abschreibung fauler Kredite ausgab. Durch das Aufbl&#228;hen   der Wirtschaft, der Bankverm&#246;gen aber auch des   Kredit-zu-BIP-Verh&#228;ltnisses hat man es diesmal mit einem wesentlich   gr&#246;&#223;eren Volumen bei so ziemlich allen Finanzwerten zu tun. Ein weiterer   entscheidender Unterschied besteht heute in der globalen Gro&#223;wetterlage   eines Weltwirtschaftssystems, das in einer umfassenden Schuldenkrise   steckt, stagniert und einem zunehmenden nationalen Protektionismus   ausgesetzt ist. Das beschr&#228;nkt Chinas M&#246;glichkeiten, seinen Ausweg aus   der Krise zu exportieren, wie es in der Phase zwischen den Jahren 2000   und 2007 mit der Verdreifachung der Ausfuhrzahlen noch ging.<\/p>\n<p>  Chinas eigene Krise entl&#228;dt sich im Kontext eines allm&#228;hlichen   wirtschaftlichen R&#252;ckgangs, und seine momentane, enorm angewachsene   Investitionst&#228;tigkeit ist nicht l&#228;nger aufrechtzuerhalten. Das   Finanzunternehmen &#8222;Barclays Capital&#8220; warnt davor, dass die chinesische   Wirtschaft ihrer ersten Bruchlandung in zwei Jahrzehnten entgegengeht.   Dabei verlangsamt sich das Wachstum im n&#228;chsten Jahr auf rund sechs   Prozent. Der US-amerikanische National&#246;konom Nouriel Roubini sagte   j&#252;ngst, dass China eine wirtschaftliche Bruchlandung nicht mehr   verhindern kann. Das sei eine &#8222;mission impossible&#8220;.<\/p>\n<p>  Dies h&#228;tte folgenreiche Auswirkungen f&#252;r den globalen Kapitalismus und   nicht nur f&#252;r die chinesische &#214;konomie, die in den vergangenen Jahren   f&#252;r rund 30 Prozent des weltweiten BIP-Wachstums sorgen konnte. Die   Zunahme an problembehafteten Krediten innerhalb des Bankensystems   bedeutet, dass es f&#252;r Chinas Regime au&#223;erhalb des Bereichs des M&#246;glichen   liegt, seine Ankurbelungsleistungen derJahre 2009\/-10 zu wiederholen &#8211;   zumindestens nicht auf dieselbe Art und Weise. Dies macht es in hohem   Ma&#223;e unwahrscheinlich, dass China erneut zum &#8222;Wei&#223;en Ritter&#8220; und damit   zum Retter des globalen Kapitalismus werden kann; etwas, das vor allen   die f&#252;hrenden K&#246;pfe Europas zu hoffen scheinen. Die sich im Herzen   Asiens ausbreitende Krise bedeutet, dass alle Bereiche der   Weltwirtschaft in der kommenden Phase von Umbruch und Krise bedroht   sind. Die Notwendigkeit einer Antwort der Arbeiterklasse darauf &#8211; der   Gr&#252;ndung einer Massenpartei mit sozialistischer Alternative &#8211; ist gr&#246;&#223;er   als je zuvor.<\/p>\n<h2>  Die Hochgeschwindigkeitsverschuldung der Eisenbahn<\/h2>\n<p>  Im Oktober war die Zentralregierung gezwungen, ein Rettungspaket i.H.   von 300 Milliarden Yuan (~ 36,5 Milliarden Euro) f&#252;r das   Eisenbahnministerium aufzulegen. Das unterstreicht &#8211; vor allem nach dem   Zugungl&#252;ck in Wenzhou vom 23. Juli 2011, wie wackelig die Finanzlage des   Ministeriums ist. Berichten zufolge verweigern mittlerweile sogar   staatliche Banken Kredite f&#252;r neue Bahnprojekte zu vergeben oder   Anleihen zu zeichnen.<\/p>\n<p>  In den letzten f&#252;nf Jahren verdreifachten sich die Schulden des   Eisenbahnministeriums, da es mit einer nie dagewesenen Ausweitung des   Streckennetzes nach vorne preschte. Dabei sind jedoch viele ChinesInnen   nicht in der Lage, die gestiegenen Fahrkartenpreise zu bezahlen. Das   gilt vor allem f&#252;r die neue Generation der abgehobenen   Hochgeschwindigkeitsstrecken, deren Erl&#246;se weit hinter den Erwartungen   zur&#252;ckblieben.<\/p>\n<p>  &#8222;In den letzten paar Jahren ist der Eisenbahnbau zu schnell und in zu   gro&#223;em Umfang vonstatten gegangen. Einige [Langstrecken-] Verbindungen   wurden parallel zu den Kurzstrecken errichtet.&#8220;, sagt Li Hongchang,   Professor f&#252;r Wirtschaftswissenschaften an der Jiaotong Universit&#228;t in   Peking.<\/p>\n<p>  Ein unausgeglichenes und schlecht koordiniertes Wachstum,   Immobilienspekulation, die die Kosten f&#252;r Rohstoffe hoch trieb sowie   eine andauernd und geh&#228;uft auftretende Korruption bei der   Auftragsvergabe haben Unsummen verschwendet. Das hat die Schulden des   Ministeriums auf 2,1 Billionen Yuan (~ 253 Milliarden Euro) anwachsen   lassen &#8211; mehr als f&#252;nf Prozent des chinesischen BIP.<\/p>\n<p>  Homepage des CWI f&#252;r China: <a href=\"http:\/\/www.chinaworker.info\">www.chinaworker.info<\/a><\/p>\n<p>  Homepage von &#8222;Socialist Action&#8220; (Schwesterorganisation der SAV und   Sektion des CWI in Hong Kong): w<a href=\"http:\/\/www.socialism.hk\">ww.socialism.hk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Nach umfangreichem Konjunkturprogramm steigen Chinas Staatsschulden auf<br \/>\n      europ&#228;isches Niveau\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38,127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14617"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14617"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14617\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14617"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14617"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14617"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}