{"id":14607,"date":"2011-12-24T00:00:00","date_gmt":"2011-12-24T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14607"},"modified":"2011-12-24T00:00:00","modified_gmt":"2011-12-24T00:00:00","slug":"14607","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/12\/14607\/","title":{"rendered":"Massenproteste in Russland"},"content":{"rendered":"<p>  Wie es zu den Gro&#223;demos nach der Parlamentswahl kam<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Seit dem Zerfall der stalinistischen Sowjetunion hatte die russische   Arbeiterklasse wenig zu lachen: Zwar verbesserte sich der Lebensstandard   nach dem katastrophalen Einbruch der neunziger Jahre in der Zeit des   Wirtschaftsbooms Anfang des letzten Jahrzehnts. Diese Erholung war   jedoch mehr Schein als Sein.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Anna Shadrova, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Die in den Neunzigern begonnene Privatisierungspolitik wurde fortgesetzt   und begann, an der Gesundheitsversorgung, der Rente und am   Bildungssystem zu nagen. Die Auswirkungen der Privatisierungen &#8211; leere   Stadt- und Staatskassen, weitere K&#252;rzungen, Preiserh&#246;hungen im   Nahverkehr, die Abw&#228;lzung nahezu aller Medikamentenkosten auf die   Bev&#246;lkerung &#8211; sind seit ein paar Jahren versch&#228;rft zu sp&#252;ren. Mehr noch:   Sei es bei den massiven Waldbr&#228;nden 2010, die zahlreiche H&#228;user   zerst&#246;rten (deren Ausweitung haupts&#228;chlich auf die K&#252;rzungen bei der   Feuerwehr und in der Forstwirtschaft zur&#252;ckzuf&#252;hren war) und die die   Lebensmittelpreise in die H&#246;he trieben, oder sei es bei der Bildung, wo   F&#228;cher wie Mathe, Biologie oder Literatur aus dem Lehrplan gestrichen   werden sollen, um sie gegen Extrageb&#252;hr &#8222;freiwillig&#8220; anzubieten &#8211; alle   Lohnerh&#246;hungen gehen f&#252;r Mehrkosten an anderer Stelle drauf.<\/p>\n<h4>  Demokratieabbau<\/h4>\n<p>  Gleichzeitig tut sich Russland auch im Hinblick auf Menschenrechte und   Demokratie nicht gerade hervor: &#220;ber 600 ReporterInnen wurden in den   letzten zwei Jahrzehnten ermordet oder kamen unter dubiosen Umst&#228;nden   ums Leben. Scharfe Einschnitte bei der Presse- und Versammlungsfreiheit   sollten jeden Versuch, Widerstand aufzubauen, unterdr&#252;cken.<\/p>\n<h4>  Putin und seine Freunde<\/h4>\n<p>  Die nach der &#8222;Rubelkrise&#8220; 1998, beg&#252;nstigt von den &#214;l- und Gasvorkommen,   einsetzende wirtschaftliche Erholung und der kurzfristig steigende   Lebensstandard trugen dazu bei, dass Wladimir Putins &#8222;Politik der harten   Hand&#8220; von vielen erstmal geschluckt wurde. Bei Teilen der Bev&#246;lkerung   verfing die Medienpropaganda, die ihn als genau denjenigen, &#8222;den   Russland jetzt braucht&#8220; und der sich vom Westen nichts sagen l&#228;sst,   pr&#228;sentierte.<\/p>\n<p>  In dieser Zeit vollzog sich ein Machtkampf innerhalb der neu   entstandenen Kapitalistenklasse. W&#228;hrend einige Million&#228;re wie Michail   Chodokowski ausgeschaltet wurden, vertrat Putin die Interessen der   &#8222;schweren Bataillone&#8220; der Wirtschaft. Demgegen&#252;ber bauten pro-westliche   Unternehmer gerade, im Dienstleistungsbereich oder im Einzelhandel, eher   auf Dmitri Medwedew.<\/p>\n<p>  Nachdem dieser Konflikt durch die Ank&#252;ndigung von Putins Kandidatur zur   Pr&#228;sidentschaftswahl am 4. M&#228;rz 2012 beigelegt schien, bekommt das Bild   vom &#8222;Einigen Russland&#8220; (so der Name der dominanten Partei der Landes)   nun an ganz anderer Stelle gef&#228;hrliche Risse: Pl&#246;tzlich bricht sich die   &#252;ber Jahre hinweg angestaute Unzufriedenheit breiter   Bev&#246;lkerungsschichten Bahn.<\/p>\n<h4>  Und jetzt diese Wahl&#8230;<\/h4>\n<p>  Bei der Parlamentswahl vom 4. Dezember 2011 kam es zu dreisten   F&#228;lschungen: Im Rostower Umland ergaben die addierten Ergebnisse eine   Gesamtsumme von 146,47 Prozent. Berichte von Leuten, die im Bus von   Wahllokal zu Wahllokal gefahren wurden oder mit Hunderten von P&#228;ssen zu   den Urnen gingen und f&#252;r andere gleich mitw&#228;hlten, sowie von Urnen, die   mit ausgef&#252;llten Stimmzetteln in Wahllokalen ankamen, dr&#252;cken eine   unglaubliche Absurdit&#228;t aus.<\/p>\n<p>  Dieser Wahlbetrug l&#246;ste die gr&#246;&#223;ten Proteste seit 20 Jahren aus. In   Moskau beteiligten sich am 10. Dezember 100.000 Menschen an der   Demonstration, parallel dazu fanden in 100 weiteren St&#228;dten Demos statt.   Bei diesen Protesten waren Schilder mit Spr&#252;chen wie &#8222;Ich bin doch kein   Hornochse&#8220; oder &#8222;Die Wahl ist gef&#228;lscht &#8211; das wahre Ergebnis lautet: 146   Prozent f&#252;r Putin&#8220; zu sehen.<\/p>\n<h4>  Zeit f&#252;r eine Partei im Interesse der Mehrheit der Bev&#246;lkerung!<\/h4>\n<p>  Aber was ist die Alternative? AktivistInnen vor Ort sch&#228;tzen: Selbst bei   nicht gef&#228;lschten Wahlen h&#228;tten alle neoliberalen Parteien, die die   offizielle Opposition darstellen, zusammen nicht mehr als zehn oder 15   Prozent erhalten. Ihre Politik w&#228;re ebenfalls nicht im Interesse der   Arbeitenden und Armen im Land. Auch die heutigen Oppositionsparteien   sind auf die Bereicherung Einzelner aus.<\/p>\n<p>  Was fehlt, ist eine starke politische Interessenvertretung der   Arbeiterklasse und der Jugend. Bei der Moskauer Gro&#223;demo brachte ein   Schild das aktuelle Dilemma gut auf den Punkt: &#8222;Ich habe meine Stimme   nicht diesen Bastarden gegeben &#8211; ich habe sie den anderen Bastarden   gegeben!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Wie es zu den Gro&#223;demos nach der Parlamentswahl kam\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[102],"tags":[243],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14607"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14607"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14607\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14607"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14607"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14607"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}