{"id":14599,"date":"2012-01-04T00:00:00","date_gmt":"2012-01-04T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14599"},"modified":"2012-01-04T00:00:00","modified_gmt":"2012-01-04T00:00:00","slug":"14599","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2012\/01\/14599\/","title":{"rendered":"Volksabstimmung zu S21 kein Schritt zu direkter Demokratie"},"content":{"rendered":"<p>  Interview mit Tom Adler, Stadtrat der Fraktionsgemeinschaft S&#214;S\/LINKE in   Stuttgart und Vertreter von &#8222;Gewerkschafter gegen Stuttgart 21&#8220; im   Aktionsb&#252;ndnis. Die Fragen stellte Daniel Behruzi<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Die Volksabstimmung gegen Stuttgart 21 hat f&#252;r die Gegner des   Tiefbahnhofs mit einer Niederlage geendet. Was sind die zentralen   Ursachen?<\/h4>\n<p>  Ich w&#252;rde den Begriff der Niederlage relativieren. Nat&#252;rlich ist das   Ergebnis kein Sieg, aber es ist auch nicht &#8211; wie zum Teil von Vertretern   der Bewegung kommuniziert &#8211; eine &#8222;krachende&#8220; oder &#8222;verheerende&#8220;   Niederlage. Welche au&#223;erparlamentarische Bewegung kann von sich, wie in   Stuttgart, behaupten, die H&#228;lfte der Bev&#246;lkerung der Stadt steht hinter   uns? Dass die Volksabstimmung nicht gewonnen werden konnte, liegt vor   allem an der gigantischen Medienmacht und den Millionen der Konzerne,   die hinter dem Projekt stehen, am immer noch ungebrochenen Einfluss des   reaktion&#228;ren Filzes. Die haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um einen   Erfolg der Kritiker zu verhindern.<\/p>\n<p>  Es ging eben nicht nur um einen Bahnhof. Die Fakten wurden dabei in   ihrer Propagandakampagne unglaublich dreist verdreht, den Demonstranten   wurde knallhart best&#228;tigt, wie zutreffend ihre &#8222;L&#252;genpack&#8220;-Parole ist.<\/p>\n<h4>  Welche Fehler haben die Gegner des Projekts gemacht?<\/h4>\n<p>  Wir als Gewerkschafter waren von Beginn an der Meinung, dass die   behauptete &#8222;Schaffung von Arbeitspl&#228;tzen&#8220; und die bei R&#252;ckzug des Landes   angeblich verschwendeten 1,5 Milliarden Euro zentrale Propagandafiguren   sein w&#252;rden. Das hat sich gerade in der Endphase best&#228;tigt. Es war   sicher eine Schw&#228;che, dass unsere Kampagne das nicht fr&#252;hzeitig ins   Zentrum ger&#252;ckt hat.<\/p>\n<p>  Falsch war auch, die Volksabstimmung zu einem &#8222;bedeutenden Fortschritt   in Richtung direkte Demokratie&#8220; zu &#252;berh&#246;hen. Bis sie von SPD und Gr&#252;nen   be-schlossen wurde, war breiter Konsens: Unter den gegebenen Bedingungen   handelt es sich nicht um Erweiterung von Demokratie, sondern um deren   Simulation. Damit wurde denen der Weg geebnet, die jetzt mit dem   Ergebnis das Herunterfahren der Proteste begr&#252;nden und herbeif&#252;hren   wollen.<\/p>\n<p>  Und ich behaupte: An der Spitze der Gr&#252;nen waren die Volksabstimmung und   ihr Ergebnis von Anfang an strategisch als Legitimation eines Ausstiegs   aus dem Widerstand gegen Stuttgart 21 gedacht. Kretschmanns &#196;u&#223;erungen,   dass die Ergebnisse bindend seien und jetzt das Baurecht der Bahn   durchgesetzt werden m&#252;sse, deuten in diese Richtung.<\/p>\n<h4>  Wie bewertest du die Rolle, die die Gewerkschaften in dieser   Auseinandersetzung gespielt haben?<\/h4>\n<p>  Es war positiv, dass sich der DGB-Landesbezirk &#246;ffentlich zu den   Beschl&#252;ssen seiner Konferenzen gegen Stuttgart 21 bekannt hat. Um der   geballten Macht der Unternehmen und Medien etwas entgegenzusetzen, w&#228;re   aber der Einsatz ganz anderer gewerkschaftlicher Ressourcen n&#246;tig   gewesen als Auftritte auf Demos und Versammlungen. Das hat nur der   ver.di-Bezirk Stuttgart geleistet. Die DGB-Gewerkschaften, insbesondere   die IG Metall, h&#228;tten eine eigene Massenkampagne gegen das unsoziale   Projekt Stuttgart 21 f&#252;hren und die Ausstiegskosten- und   Arbeitsplatzpropaganda kontern m&#252;ssen. Das h&#228;tte den Unterschied gemacht.<\/p>\n<h4>  Wie geht es jetzt mit dem Widerstand weiter?<\/h4>\n<p>  Die Bewegung ist heterogen, insofern gibt es nach dem   Abstimmungsergebnis nat&#252;rlich auch Verunsicherung. Die ersten Aktionen   und Versammlungen haben aber klar gezeigt: Ganz viele Menschen wollen   den Protest fortsetzen. Ich bin optimistisch, dass der harte Kern der   Aktiven von einigen tausend Leuten meint: Mit der Volksabstimmung ist   nicht das letzte Wort gesprochen. Deshalb ist es wichtig, die Proteste   und auch die w&#246;chentlichen Montagsdemos zumindest als Kundgebungen   fortzusetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Interview mit Tom Adler, Stadtrat der Fraktionsgemeinschaft S&#214;S\/LINKE in<br \/>\n      Stuttgart und Vertreter von &#8222;Gewerkschafter gegen Stuttgart 21&#8220; im<br \/>\n      Aktionsb&#252;ndnis. 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