{"id":14598,"date":"2011-12-28T00:00:00","date_gmt":"2011-12-28T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14598"},"modified":"2011-12-28T00:00:00","modified_gmt":"2011-12-28T00:00:00","slug":"14598","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/12\/14598\/","title":{"rendered":"Die Frage des NPD-Verbots"},"content":{"rendered":"<p>  Welche Haltung sollten Linkspartei und antifaschistische Bewegung   einnehmen?<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die Ermittlung in Sachen &#8222;Nationalsozialistischer Untergrund&#8220; (NSU)   macht es m&#246;glich: Die B&#252;rgerlichen schrecken reflexartig zusammen. Ach,   Herrje, es gibt doch ein Problem mit Nazis. &#8211; Was sind die Reaktionen?   Aufdeckung der Verbindungen zwischen staatlichen Beh&#246;rden und   Nazi-Strukturen? Ein Ende des Sozialabbaus, damit den Nazis der Boden   f&#252;r ihre rassistische Propaganda entzogen wird? Nat&#252;rlich nicht.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Steve K&#252;hne, Dresden<\/i><\/h4>\n<p>  Im Zusammenhang mit dem stockenden Ermittlungsgang im Fall NSU erkl&#228;rte   Gesine L&#246;tzsch f&#252;r die Partei DIE LINKE am 1. Dezember: &#8222;Die   Ermittlungen zeigen, dass ein NPD-Verbot dringend erforderlich ist. Die   NPD unterst&#252;tzt offensichtlich Gewalttaten. Die Unterst&#252;tzung der NSU   ist daf&#252;r nur ein Beleg.&#8220; Ohne Zweifel w&#228;re das Verbot der NPD &#8211; und   aller rechtsextremen Organisationen &#8211; von Vorteil. Zun&#228;chst w&#228;ren gro&#223;e   Teile des Nazi-Personals stetem Verfolgungsdruck ausgesetzt. Der   Knotenpunkt zwischen &#8222;Autonomen Nationalisten&#8220;, &#8222;Freien   Kameradschaften&#8220;, militanten Nazi-Gruppen und dem biederen   NPD-Abgeordneten w&#228;re verschwunden.<\/p>\n<p>  Millionen, die an Wahlkampfkostenerstattung, in die Taschen der   Nazi-Partei gesp&#252;lt werden, Gelder f&#252;r Abgeordnete und Fraktionen &#8211; vom   Steuerzahler finanziert &#8211;, w&#252;rden nicht mehr flie&#223;en.<\/p>\n<h4>  Die Beispiele FAP und Wiking-Jugend<\/h4>\n<p>  Allerdings w&#252;rde ein Verbot die Probleme l&#228;ngst nicht l&#246;sen. Als 1995   die &#8222;Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei&#8220; (FAP) verboten wurde, kam es   flugs zu Reorganisierungen. So gehen die heutigen &#8222;Freien   Kameradschaften&#8220; wesentlich auf die FAP zur&#252;ck.<\/p>\n<p>  Eine langwierige Debatte um das Verbot der NPD k&#246;nnte den Nazis zudem in   die H&#228;nde spielen, wie das Beispiel der verbotenen &#8222;Wiking-Jugend&#8220;   zeigt. Der 1952 gegr&#252;ndete rechte Jugendverband sah sich ganz klar in   der Tradition der &#8222;Hitler-Jugend&#8220; und war ein Durchlauferhitzer f&#252;r   Nazi-Personal. &#220;ber Jahre wurde das Verbot immer wieder diskutiert. Erst   1994 entschloss man sich dazu. Dann gab es bereits zahlreiche   Nachfolgeorganisationen, deren Gr&#252;ndung schon vor dem Verbot der   Organisation vorbereitet wurde. Je l&#228;nger die Debatte bis zu einem   Verbotsverfahren, desto gr&#246;&#223;er die Wahrscheinlichkeit, dass die NPD   &#228;hnlich handeln wird.<\/p>\n<p>  Es gibt noch weitere Wenn und Aber. Verfolgungsdruck entst&#252;nde nur dann,   wenn der Staat seine Beh&#246;rden einsetzen w&#252;rde, um jene zu verfolgen, die   die NPD im Untergrund aufrecht erhalten w&#252;rden. Der Fall der   Nazi-Terroristen der NSU zeigt jedoch, dass man sich darauf wohl kaum   verlassen kann.<\/p>\n<h4>  Die B&#252;rgerlichen und das NPD-Verbot<\/h4>\n<p>  Generell muss die Ernsthaftigkeit der B&#252;rgerlichen beim Vorgehen gegen   Rechts bezweifelt werden. Schon bei Gr&#252;ndung der NPD 1964 h&#228;tte man sie   problemlos verbieten k&#246;nnen. Personell wie politisch wies sie gro&#223;e   Kontinuit&#228;ten zur in der BRD verbotenen rechten &#8222;Sozialistischen   Reichspartei&#8220; und zur NSDAP auf. Stattdessen wurde die Partei bis heute   von staatlicher Seite nicht nur geduldet, sondern finanziell unterst&#252;tzt   und von sogenannten V-Leuten mit aufgebaut. Mehr noch: Aufm&#228;rsche von   NPD und anderen rechtsextremen Kr&#228;ften d&#252;rfen unter Polizeischutz   stattfinden. Etablierte Parteien wetteifern seit Jahren, wer   rassistischer ist. Von diesen Parteien und diesem Staat ein konsequentes   Vorgehen gegen die Nazis zu erwarten, w&#228;re gef&#228;hrlich. Dass die Nazis   auf die brennenden Fragen keine Antworten haben, sondern MigrantInnen   die Schuld geben, finden die Herrschenden ganz n&#252;tzlich, lenkt es doch   von ihrer eigenen Verantwortung ab.<\/p>\n<p>  &#220;ber das Ausma&#223; des NSU-Terrors zeigen sie sich allerdings auch emp&#246;rt.   Schlie&#223;lich ist das schlecht f&#252;r das Image der deutschen Industrie und   damit f&#252;r das Export-Gesch&#228;ft. Au&#223;erdem sorgen sie sich um die   destabilisierenden Folgen.<\/p>\n<h4>  Auf Mobilisierung von unten setzen<\/h4>\n<p>  Die B&#252;rgerlichen tarnen mit der Forderung nach einem Verbot der NPD nur   ihre bisherige &#8211; nett formuliert &#8211; Unt&#228;tigkeit im Kampf gegen die braune   Gefahr. Sollten DIE LINKE und andere antifaschistische Kr&#228;fte jetzt die   Verbotsforderung in den Vordergrund stellen, w&#252;rden sie die Illusion   wecken, dass der Staat stellvertretend f&#252;r die antifaschistische   Bewegung im Kampf gegen Rechts aktiv werden kann. Noch dazu ein Staat,   der Polizisten gegen linke DemonstrantInnen einsetzt, AntifaschistInnen,   die sich Nazis in den Weg stellen, verurteilt, und der prinzipiell   Unternehmerinteressen sch&#252;tzt. Ein NPD-Verbotsverfahren l&#228;ge in der Hand   von Organen, die gerade im Fall der NSU wenig Drang zur Aufkl&#228;rung   haben. Im Gegensatz zu Kampagnen, die zum Ziel haben, Nazi-Propaganda am   Kiosk oder rechte Aufm&#228;rsche zu verhindern, w&#228;ren AntifaschistInnen bei   einem NPD-Verbotsverfahren auf die Rolle von ZuschauerInnen degradiert.<\/p>\n<p>  Nazis stoppen, Nazis outen, Nazi-Propaganda verhindern, Rassismus,   Sozialk&#252;rzungen und Kapitalismus bek&#228;mpfen &#8211; daf&#252;r sollte sich DIE LINKE   jetzt in der antifaschistischen Bewegung stark machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Welche Haltung sollten Linkspartei und antifaschistische Bewegung<br \/>\n      einnehmen?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[243],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14598"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14598"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14598\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14598"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14598"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14598"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}