{"id":14560,"date":"2011-11-29T15:45:00","date_gmt":"2011-11-29T15:45:00","guid":{"rendered":".\/?p=14560"},"modified":"2011-11-29T15:45:00","modified_gmt":"2011-11-29T15:45:00","slug":"14560","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/11\/14560\/","title":{"rendered":"Volksabstimmung zu &#8222;Stuttgart 21&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Bittere Niederlage<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Daniel Behruzi<\/i><\/h4>\n<p>  Das Votum der Baden-W&#252;rttemberger in der Volksabstimmung vom Sonntag ist   f&#252;r die Gegner von &#8222;Stuttgart 21&#8220; eine klare Niederlage. Besonders   bitter ist, da&#223; selbst in der &#8222;Protesthauptstadt&#8220; Stuttgart eine   Mehrheit f&#252;r den Ausstieg knapp verfehlt wurde. Nun gilt es die Frage zu   beantworten: Warum hat die Mehrzahl der Menschen im S&#252;dwesten f&#252;r einen   milliardenteuren, verkehrspolitisch unsinnigen und sozial sch&#228;dlichen   Tiefbahnhof und damit gegen ihre eigenen Interessen gestimmt?<\/p>\n<p>  Das Ergebnis zeigt: Eine Volksabstimmung macht noch keine Demokratie.   Denn die gesellschaftlichen Machtverh&#228;ltnisse und Rahmenbedingungen   wirken auch, wenn die Menschen ihre Position zu einzelnen Sachfragen   direkt kundtun k&#246;nnen. Da ist zum einen der Zeitpunkt. Mit der   Unterschrift unter die Vertr&#228;ge, dem Abri&#223; des Nordfl&#252;gels am alten   Kopfbahnhof und dem Beginn der Bau- und Baumf&#228;llarbeiten wurden Fakten   geschaffen. Diese waren auch das zentrale Argument des Pro-Lagers   w&#228;hrend des Wahlkampfs: Bei einem Ausstieg Baden-W&#252;rttembergs aus der   Finanzierung k&#228;men Schadensersatzforderungen von 1,5 Milliarden Euro auf   das Land zu, so das von der Bahn AG gemalte Horrorszenario. Zum   Vergleich: Zugesagt hat das Bundesland 930 Millionen Euro &#8211; bei   angeblichen Gesamtkosten von 4,5 Milliarden. Die vermeintlich gut   rechnenden Schwaben liegen hier allerdings daneben, denn beide Zahlen   basieren auf L&#252;gen. Die 1,5 Milliarden Euro Ausstiegskosten wurden von   der Bahn herbei halluziniert und h&#228;tten niemals Bestand gehabt. Zugleich   ist sicher &#8211; und der Bahn erwiesenerma&#223;en bekannt &#8211;, da&#223; weit mehr als   die anvisierten 4,5 Milliarden Euro in der Bahnhofsgrube versickern   werden.<\/p>\n<p>  Der Abstimmungskampf war wie David gegen Goliath. Nur leider l&#228;uft es im   wirklichen Leben oft nicht wie in der Bibel. Die Gegner von &#8222;Stuttgart   21&#8220; haben sich mit bewundernswerter Energie, Ausdauer und Kreativit&#228;t   gegen die Tieferlegung ihres Bahnhofs gewehrt. Doch gegen die geballte   Macht von Medien, Parteiapparaten, Konzernen und Kirchen sind sie nicht   angekommen. Unternehmen wie der Autobauer Daimler haben sich vehement   f&#252;r dieses Anti-Schienenprojekt eingesetzt. Auf eine ausgewogene   Berichterstattung in den weitgehend monopolisierten und mit den   Tunnelparteien vielf&#228;ltig vernetzten &#246;rtlichen Zeitungen konnte man   nicht hoffen. Von der Hetze eines Pfarrers Johannes Br&#228;uchle, der den   S21-Gegnern SA-Methoden vorgeworfen und das Ausstiegsgesetz als   &#8222;Erm&#228;chtigungsgesetz&#8220; bezeichnet hatte, ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>  Auf der anderen Seite haben die Gewerkschaften &#8211; deren Gliederungen   teilweise formal, aber nicht praktisch die Kampagne &#8222;JA zum Ausstieg&#8220;   unterst&#252;tzten &#8211; ihr Gewicht in diesem Konflikt nicht in die Waagschale   geworfen. H&#228;tten sie auf Betriebs- und Mitgliederversammlungen, in   &#246;ffentlichen Veranstaltungen und auf der Stra&#223;e offensiv &#252;ber die   Nachteile von &#8222;Stuttgart 21&#8220; aufgekl&#228;rt, h&#228;tte das Ergebnis anders   aussehen k&#246;nnen. Dass sich insbesondere die Spitzen von IG Metall und   Konzernbetriebsr&#228;ten dem verweigert haben, hat einen bestimmten Grund:   Sie verteidigen die &#8222;Standortinteressen&#8220; der Autoindustrie, die vom   Antischienenprojekt &#8222;Stuttgart 21&#8220; profitiert. Dabei wurde das Argument,   der Bahnhofsbau schaffe Arbeitspl&#228;tze l&#228;ngst vom gewerkschaftsnahen   IMU-Institut widerlegt. Letztlich werden die abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten   sowohl im &#246;ffentlichen Dienst als auch in der Privatwirtschaft die Zeche   f&#252;r die Milliardenverschwendung von Steuergeldern zahlen.<\/p>\n<p>  Was sind die Lehren aus der Volksabstimmung? Zum einen gilt es,   alternative Medien und linke Zeitungen zu st&#228;rken. Zum anderen sollte   die Frage einer Vergesellschaftung und Demokratisierung der Massenmedien   aufgeworfen werden. Denn solange diese in Privatbesitz sind, werden sie   privaten Interessen dienen. Und: Der Widerstand wird weitergehen, wenn   auch deutlich geschw&#228;cht. Der jahrelange Bauproze&#223; &#8211; inklusive   abzusehender Kostensteigerungen &#8211; wird den ohnehin schon guten   Argumenten weitere hinzuf&#252;gen.<\/p>\n<p>  Leider wird sich k&#252;nftiger Protest wohl auch gegen die Gr&#252;nen und ihren   Ministerpr&#228;sidenten Winfried Kretschmann richten m&#252;ssen. Er hat   angek&#252;ndigt, &#8222;Stuttgart 21&#8220; durchzusetzen und nicht zu versuchen, das   Projekt &#252;ber die Kostenfrage zu kippen. Dabei hat die Bahn schon   unmittelbar nach der Abstimmung erkl&#228;rt, sie erwarte bei einer   &#220;berschreitung der 4,5-Milliarden-Grenze mehr Geld vom Staat. Wie in   Sachen Atomkraft zeigt sich: Die Halbwertszeit gr&#252;ner Grunds&#228;tze ist   kurz, sobald die Ex-Protestpartei &#8222;Regierungsverantwortung&#8220; &#252;bernimmt.   Auch daraus sollte die Bewegung lernen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bittere Niederlage\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[58],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14560"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14560"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14560\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14560"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14560"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14560"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}