{"id":14556,"date":"2011-11-30T00:00:00","date_gmt":"2011-11-30T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14556"},"modified":"2011-11-30T00:00:00","modified_gmt":"2011-11-30T00:00:00","slug":"14556","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/11\/14556\/","title":{"rendered":"B&#252;rgerentscheid &#252;ber Dresdens Krankenh&#228;user erzwungen"},"content":{"rendered":"<p>  Eine Koalition aus CDU, FDP, B&#252;ndnisgr&#252;nen und der B&#252;rgerfraktion plant   aus den beiden Krankenh&#228;usern Dresden-Neustadt und Dresden   Friedrichstadt eine GmbH zu machen. SAV Dresden hat Erfolge beim Kampf   gegen diese Pl&#228;ne<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Es ist nur ein Beispiel f&#252;r den seit Jahren vor sich gehenden sozialen   Kahlschlag, nur ein Beispiel f&#252;r den Kahlschlag im Gesundheitswesen, der   f&#252;r Besch&#228;ftigte und PatientInnen unannehmbar geworden ist. In   Deutschland wurden in den letzten Jahren derart vielen Krankenh&#228;user   privatisiert, dass es inzwischen mit 27 Prozent privaten Kliniken in   Europa hinter Frankreich auf Platz 2 steht. Allein in Sachsen wurden   seit 1990 30 Krankenh&#228;user geschlossen. Zuzahlungen steigen,   Krankenkassenbeitr&#228;ge ebenfalls, nur die Leistungen sinken. Die   Besch&#228;ftigten arbeiten unter immer schlechteren Bedingungen. Dieser   Sozialabbau zu Gunsten der Gro&#223;konzerne hat alle D&#228;mme gebrochen. Da mag   es fast anachronistisch wirken f&#252;r den Erhalt der st&#228;dtischen   Eigenbetriebe Krankenhaus Dresden-Neustadt und &#8211;Friedrichstadt und damit   gegen weitere Verschlechterungen zu k&#228;mpfen.<\/p>\n<h4>  Fatale Folgen<\/h4>\n<p>  Eine Zusammenlegung der beiden Krankenh&#228;user zu einer GmbH h&#228;tte selbst   dann schon fatale Folgen, wenn sich diese GmbH zun&#228;chst noch komplett &#8211;   wie angek&#252;ndigt &#8211; in der Hand der Stadt Dresden befinden w&#252;rde. Denn   schon eine solche gemeinn&#252;tzige GmbH w&#228;re eine Kapitalgesellschaft, die   Profit erwirtschaften soll, also der Behandlung teurer Krankheiten und   nicht der Regelversorgung den Vorzug geben w&#252;rde. Sie w&#252;rde versuchen   Kosten zu senken, also Stellen abbauen und Stationen schlie&#223;en, somit   das medizinische Angebot ausd&#252;nnen und die Versorgung verschlechtern.<\/p>\n<p>  Die Besch&#228;ftigten ihrerseits h&#228;tten mit Stellenabbau, also   Arbeitsverdichtung und Gehaltsverlusten zu k&#228;mpfen (die CDU verlangt den   Tarifvertrag zur Zukunftssicherung, was bis zu 6 Prozent Lohnverlust   bedeutet und plant nach Ablauf einer Frist den Austritt aus dem   kommunalen Arbeitgeberverband und so den Verlust des Tarifs). Zudem   w&#252;rde, anders als im st&#228;dtischen Eigenbetrieb, der Verkauf an einen   privaten Investor und so weitere Verschlechterungen.<\/p>\n<p>  Die Kosten f&#252;r die Gr&#252;ndung der (g)GmbH sollen nach dem Willen der CDU   die Besch&#228;ftigten tragen, die GmbH soll ein Tendenzbetrieb werden, in   dem die Rechte der Besch&#228;ftigten stark eingeschr&#228;nkt sein w&#252;rden.<\/p>\n<p>  Die Begr&#252;ndung f&#252;r diese &#8222;Rechtsform&#228;nderung&#8220; ist die &#252;bliche: Es sei   kein Geld da, die Krankenh&#228;user schreiben rote Zahlen.<\/p>\n<h4>  Die Wahrheit &#252;ber roten Zahlen<\/h4>\n<p>  Die beiden Krankenh&#228;user Dresden-Neustadt und Dresden-Friedrichstadt   schreiben tats&#228;chlich rote Zahlen, doch die Gr&#252;ndung einer (g)GmbH wird   das kaum ver&#228;ndern. Der Grund f&#252;r die schlechte finanzielle Situation   ist der Sozialabbau der letzten Jahre: Seit der Einf&#252;hrung der   Fallpauschalen (bezahlt werden Krankenh&#228;user nach Diagnose, nicht nach   realen Behandlungskosten), den Gesundheitsreformen, dem Teilr&#252;ckzug von   Bund und L&#228;ndern aus der Krankenhausfinanzierung, dem Anstieg prek&#228;rer   Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse (was auch Verluste der Krankenkassen nach   sich zieht) und dem Ausscheiden Besserverdienender aus der gesetzlichen   Versicherung, ist es f&#252;r Krankenh&#228;user im st&#228;dtischen Eigenbetrieb so   gut wie unm&#246;glich geworden schwarze Zahlen zu schreiben. Hinzu kommt   eine Dresdner Besonderheit: Bis 2007 haben die Krankenh&#228;user Neustadt   und Friedrichstadt schwarze Zahlen geschrieben. Die Stadt entnahm ihnen   jedes Jahr 1.000.000 Euro. H&#228;tten die H&#228;user dieses Geld zur&#252;cklegen   k&#246;nnen, g&#228;be es bis heute kein Finanzierungsproblem der Krankenh&#228;user.<\/p>\n<h4>  B&#252;ndnis f&#252;r Krankenh&#228;user<\/h4>\n<p>  Ganz unabh&#228;ngig von der finanziellen Situation, wollten CDU und FDP in   den letzten Jahren immer wieder die Rechtsform&#228;nderung. Schon einmal,   2007, waren es nicht zuletzt die Aktivit&#228;ten der Dresdner   SAV-Ortsgruppe, die diese Pl&#228;ne vereitelte. Damals initiierten Stadtr&#228;te   der Linkspartei.PDS ein B&#252;rgerbegehren gegen diese Pl&#228;ne. Die SAV   Dresden gr&#252;ndete die B&#252;rgerinitiative &#8222;H&#228;nde weg von unseren   Krankenh&#228;usern!&#8220; und organisierte Aktionen und Kundgebungen &#8211; mit gro&#223;em   Erfolg: CDU und FDP nahmen Abstand von ihren Privatisierungsabsichten.<\/p>\n<p>  Immer wieder verlangte die SAV Dresden einen Zusammenschluss aller   Gegner der Rechtsform&#228;nderung in einem B&#252;ndnis. Im September kam es   endlich zustande: &#8222;Das B&#252;ndnis f&#252;r Krankenh&#228;user!&#8220; In diesem B&#252;ndnis   sitzen DIE LINKE, die Gewerkschaft ver.di, die SAV, die SPD, die   Personalr&#228;te der H&#228;user und die B&#252;rgerinitiative.<\/p>\n<h4>  Schwierige Zusammenarbeit<\/h4>\n<p>  Dass die SPD Mitglied des B&#252;ndnisses ist, ist einigerma&#223;en eigenartig.   War es doch diese Partei, die durch ihre Politik und Bund und L&#228;ndern   den Privatisierungsdruck auf st&#228;dtische Eigenbetriebe erh&#246;hte und somit   die Situation der Dresdner Krankenh&#228;user mit verursacht hat. Den   Gro&#223;teil der praktischen Arbeit (Erstellung von Material, Vorbereitung   von Veranstaltungen und Aktionen) tr&#228;gt ein sehr kleiner Personenkreis,   meist um die Sav und die B&#252;rgerinitiative. So ist es auch unseren   Aktivit&#228;ten zu verdanken, dass der Stadtrat &#8211; entgegen anderslautender   Verlautbarungen &#8211; mit den Stimmen der LINKEN, der SPD und der   B&#252;ndnisgr&#252;nen den B&#252;rgerentscheid von 2007\/08 am 03.11. anerkannt hat   und so den Weg f&#252;r einen B&#252;rgerentscheid &#252;ber den Erhalt der st&#228;dtischen   Eigenbetriebe Dresden-Neustadt und Dresden-Friedrichstadt am 29.01.2012   frei gemacht hat.<\/p>\n<p>  Doch wie der Volksentscheid &#252;ber Stuttgart 21 gezeigt hat, ist ein   B&#252;rgerentscheid kein Garant f&#252;r den Erhalt der st&#228;dtischen   Eigenbetriebe. Im Gegensatz zu den S21 GegnerInnen tut das B&#252;ndnis viel   zu wenig, um das Thema im Bewusstsein der Bev&#246;lkerung zu verankern.   Besonders DIE LINKE verh&#228;lt sich passiv.<\/p>\n<p>  Die Situation wird noch dadurch erschwert, dass die Bef&#252;rworter der   Rechtsform&#228;nderung st&#228;ndig davon sprechen, dass es sich nicht um eine   Privatisierung der H&#228;user handle &#8211; was so nicht zutrifft, im besten Fall   aber zu einfach ist. Hinzu kommen die problematischen &#196;u&#223;erungen der   SPD, die sich auch eine Verschmelzung der beiden Eigenbetriebe und damit   auch Stellenabbau, Mehrarbeit und eine Verschlechterung der Versorgung   vorstellen k&#246;nnte.<\/p>\n<h4>  T&#252;cken des B&#252;rgerentscheids<\/h4>\n<p>  Wenigstens 108.000 Ja-Stimmen ben&#246;tigt das B&#252;ndnis zum Erhalt der beiden   st&#228;dtischen Eigenbetriebe. Dieses Quorum ist aberwitzig, bedenkt man,   dass es bei einer Kommunalwahl nicht existiert. W&#252;rden 10 W&#228;hlerInnen   zur Kommunalwahl gehen, w&#252;rde das ausreichen, um Geltung zu erlangen.<\/p>\n<p>  CDU und B&#252;ndnis 90\/Die Gr&#252;nen wollen eine &#8222;Nein-Kampagne&#8220; durchf&#252;hren.   Sie werden wie bisher auf Spaltung setzen und den gerade protestierenden   Sch&#252;lerInnen erkl&#228;ren, sie k&#246;nnten die Einsparungen bei den Schulen nur   zur&#252;cknehmen, wenn sie nicht mehr die Krankenh&#228;user &#8222;am Hals&#8220; haben   w&#252;rden.<\/p>\n<h4>  Gr&#252;ne L&#252;gen<\/h4>\n<p>  Die Gr&#252;nen haben ihre ganz eigene Version der Rechtsform&#228;nderung. Trotz   der dramatischen Erfahrungen mit &#228;hnlichen F&#228;llen in ganz Sachsen, trotz   der Vorlage der CDU, stellen sie die Rechtsform&#228;nderung als attraktive   Alternative dar. Der enorme Abbau, der auch in den beiden H&#228;usern in den   letzten Jahren stattgefunden hat, k&#246;nne durch die gGmbH wett gemacht   werden. Die Gr&#252;nen behaupten, es w&#252;rden dann endlich neue Leute   eingestellt werden. Das wird, wenn &#252;berhaupt, dann nur im &#8222;Austausch&#8220;   f&#252;r Hungerl&#246;hne geschehen.<\/p>\n<h4>  Was jetzt?<\/h4>\n<p>  Die 108.000 Stimmen m&#252;ssen erk&#228;mpft werden. Laut einer repr&#228;sentativen   Umfrage der Technischen Universit&#228;t Dresden im Auftrag der Tageszeitung   &#8222;Dresdner Neueste Nachrichten&#8220;, sind 56 Prozent der DresdnerInnen f&#252;r   den Erhalt der st&#228;dtischen Eigenbetriebe. Das ist eine gute   Ausgangslage. Aber die Bef&#252;rworter der Rechtsform&#228;nderung werden nicht   unt&#228;tig verharren! Sie werden die Werbetrommel r&#252;hren und ihren Zugang   zur Presse ausnutzen. Gerade deshalb m&#252;ssen wir verst&#228;rkt um das &#8222;Ja&#8220; zu   den st&#228;dtischen Eigenbetrieben werben. Daf&#252;r brauchen wir jede(n)! Wer   uns unterst&#252;tzen will, der kann sich unter eigenbetriebe.dresden@web.de   melden. Weitere Infos zu Aktivit&#228;ten und den Folgen einer   Rechtsform&#228;nderung, kann man unter <a href=\"http:\/\/www.eigenbetriebe.wordpress.com\">eigenbetriebe.wordpress.com<\/a>   finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Eine Koalition aus CDU, FDP, B&#252;ndnisgr&#252;nen und der B&#252;rgerfraktion plant<br \/>\n      aus den beiden Krankenh&#228;usern Dresden-Neustadt und Dresden<br \/>\n      Friedrichstadt eine GmbH zu machen. 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