{"id":14548,"date":"2011-11-21T09:00:00","date_gmt":"2011-11-21T09:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14548"},"modified":"2011-11-21T09:00:00","modified_gmt":"2011-11-21T09:00:00","slug":"14548","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/11\/14548\/","title":{"rendered":"Kasachstan: Regime gesteht streikenden &#214;larbeiterInnen &#8222;Verhandlungen&#8220; zu"},"content":{"rendered":"<p>  Entschlossene Aktion notwendig, um die Forderungen der ArbeiterInnen   durchzusetzen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Anfang dieser Woche fand ein Treffen in Zhanaozen, dem Zentrum des   seit Monaten andauernden Streiks der &#214;larbeiterInnen, statt. Daran   nahmen Vize-Arbeitsminister Birzhan Nurymbetov, der B&#252;rgermeister der   Stadt Orak Sarbopeyev und VertreterInnen der Streikenden von   OzenMunaiGaz und KarazhanbasMunai teil. Anwesend waren auch   VertreterInnen der &#214;lfirma, der Staatsanwaltschaft, der Polizei und   anderer Staatsorgane.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von CWI Reportern in der GUS<\/i><\/h4>\n<p>  Nach Angaben der streikenden ArbeiterInnen hat Vize-Arbeitsminister   Nurymbetov zugegeben, das der Streik weiter andauert und den entlassenen   Streikenden die vollst&#228;ndige Wiedereinstellung angeboten, allerdings   ohne die Lohnzuschl&#228;ge f&#252;r gef&#228;hrliche Arbeit, f&#252;r die der Streik   urspr&#252;nglich begonnen wurde. Die ArbeiterInnen haben diesen Vorschlag   vorerst abgelehnt, weitere Verhandlungen sind m&#246;glich.<\/p>\n<p>  Die Streikenden bekamen vom Minister das wichtige Eingest&#228;ndnis, dass   die Entlassung der Streikenden durch das Unternehmen nicht legal war,   weil die Gerichtsverhandlungen zu dem Fall noch nicht abgeschlossen   waren. Indem er diese Tatsache eingestand, hat der Minister den Streik   faktisch anerkannt, obwohl das Regime zuvor behauptet hatte, er sei   beendet. Als Zeichen des &#8222;guten Willens&#8220; bot der Minister den   Streikenden die Wiedereinstellung aller Entlassenen an ihren bisherigen   Arbeitspl&#228;tzen zu den bisherigen L&#246;hnen an.<\/p>\n<p>  Die VertreterInnen der Streikenden lehnten diesen Vorschlag ab. Sie   erkl&#228;rten, dass die Wiedereinstellung zwar zu den Hauptforderungen der   Streikenden geh&#246;rt, aber gleichzeitig auch Natalia Sokolova, die   Anw&#228;ltin der Streikenden, freigelassen werden muss. Sie wurde w&#228;hrend   des Streiks auf Betreiben der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung verhaftet und zu 6 Jahren   Gef&#228;ngnis verurteilt. Die Streikenden wollen ihre Anw&#228;ltin nicht im   Stich lassen.<\/p>\n<p>  Der Vize-Arbeitsminister spricht nicht mehr davon, f&#252;r die ausgesperrten   ArbeiterInnen andere Arbeitspl&#228;tze zu finden. Seine Rhetorik hat sich   v&#246;llig ver&#228;ndert und er appelliert jetzt an die Streikenden, an ihre   alten Arbeitspl&#228;tze zur&#252;ckzukehren. Das steht im scharfen Gegensatz zur   Position von Timur Kulibayev, dem Schwiegersohn des Pr&#228;sidenten und Chef   des gr&#246;&#223;ten Anteilseigners der &#214;lfirma, der behauptet hatte, der Streik   sei vorbei und 2500 ArbeiterInnen w&#228;ren gefeuert. Seine &#8222;L&#246;sung&#8220; war,   250 Hilfsarbeiterjobs zu deutlich schlechteren L&#246;hnen in anderen   Betrieben anzubieten.<\/p>\n<p>  Nurymbetov und seine Mitarbeiter haben f&#252;r n&#228;chste Woche   &#8222;Detailverhandlungen&#8220; vorgeschlagen, um &#252;ber die Forderungen der   streikenden ArbeiterInnen in den beiden Betrieben zu diskutieren. Bei   diesen Verhandlungen werden f&#252;r beide Seiten die gleiche Anzahl an   VertreterInnen teilnehmen. Sie schlugen vor, dass die Streikenden sich   von VertreterInnen der &#8222;freien&#8220; Gewerkschaften Belkin und Chaika aus   Karaganda &#8222;unterst&#252;tzen&#8220; lassen sollten, die f&#252;r ihre Regimetreue   bekannt sind. Diese sogenannten Gewerkschaften haben den Streik der   &#214;larbeiterInnen geschw&#228;cht, indem sie Ersatzarbeitspl&#228;tze f&#252;r die   Streikenden gefordert haben.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich f&#252;hrt die Aufnahme von Verhandlungen, bei denen werder die   Tagesordnung noch die Legitimation der Beteiligten feststehen, nicht   automatisch zu einem erfolgreichen Ende des Streiks oder zur Erf&#252;llung   der Forderungen der ArbeiterInnen.<\/p>\n<h4>  Maximale demokratische Rechenschaftspflicht<\/h4>\n<p>  Vor dem Hintergrund der sich vertiefenden Krise in Kasachstan, der   Vorbereitungen zu Arbeiterprotesten in anderen Bereichen und der Anfang   2012 anstehenden Parlamentswahlen wollen die Beh&#246;rden den &#214;lstreik   dringend beenden. Sie wagen nicht, ihn mit Gewalt niederzuschlagen, weil   sie bef&#252;rchten, einen breiteren Konflikt zu provozieren. Sie versuchen   stattdessen, die Auseinandersetzung mit Hilfe verschiedener &#8222;Vermittler&#8220;   von den &#8222;gelben&#8220; (&#8222;offiziellen&#8220;) Gewerkschaften zu beenden und einen   vor&#252;bergehenden faulen Kompromiss zu erreichen. Anscheinend versuchen   sie als Ablenkungsman&#246;ver eine &#8222;Vers&#246;hnungskommission&#8220; zu schaffen.<\/p>\n<p>  Daher ist es wichtig, Ma&#223;nahmen zu treffen damit die VertreterInnen der   ArbeiterInnen in den Verhandlungen keinen f&#252;r die Streikenden nicht   akzeptablen Vorschl&#228;gen zustimmen. Sie sollten unter gr&#246;&#223;tm&#246;glicher   demokratischer Kontrolle die Forderungen der Streikenden klar und   entschlossen formulieren.<\/p>\n<p>  Die streikenden &#214;larbeiterInnen sollten ihre eigenen VertreterInnen   w&#228;hlen, mit der M&#246;glichkeit sie w&#228;hrend der Verhandlungen jederzeit   abzuw&#228;hlen. Die ArbeiterInnen m&#252;ssen sich gegen regierungsnahe   &#8222;Schlichter&#8220; stellen, die nicht die Interessen der ArbeiterInnen   vertreten, sondern die Regierungsseite verst&#228;rken werden.<\/p>\n<p>  Alle Verhandlungen sollten &#246;ffentlich und transparent gef&#252;hrt werden,   Entscheidungen sollten von allen Streikenden in Abstimmungen getroffen   werden, nicht nur von den Unterh&#228;ndlerInnen. Bei den Verhandlungen   sollten die Forderungen nach der Freilassung von Natalia Sokolova und   der Wiedereinstellung aller ArbeiterInnen im Mittelpunkt stehen, um   Spaltungen unter den entlassenen ArbeiterInnen zu vermeiden. F&#252;r die   Arbeitgeber ist die Wiedereinstellung eines Teils der Streikenden,   w&#228;hrend der Rest arbeitslos bleibt die beste M&#246;glichkeit, die   Streikenden zu spalten. So k&#246;nnten sie AktivistInnen und   Streikf&#252;hrerInnen loswerden. Alle Streikenden m&#252;ssen auf ihren   bisherigen Arbeitspl&#228;tzen wieder eingestellt werden und nicht auf   Ersatzarbeitspl&#228;tzen mit schlechteren Bedingungen.<\/p>\n<p>  Nur wenn die &#214;larbeiterInnen und ihre VertreterInnen eine klare,   prinzipientreue Haltung einnehmen, k&#246;nnen sie den Streik zum Erfolg   bringen. Gewonnene Errungenschaften k&#246;nnen verfestigt werden, wenn auf   der Grundlage der Erfahrung des heroischen Streiks eine vereinte   Gewerkschaft f&#252;r die ganze &#214;lindustrie entsteht, mit einer   kampferfahrenen F&#252;hrung und vollst&#228;ndig demokratischen Strukturen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Entschlossene Aktion notwendig, um die Forderungen der ArbeiterInnen<br \/>\n      durchzusetzen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14548"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14548"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14548\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14548"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14548"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14548"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}