{"id":14545,"date":"2011-11-16T00:00:00","date_gmt":"2011-11-15T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14545"},"modified":"2012-06-13T17:09:28","modified_gmt":"2012-06-13T15:09:28","slug":"14545","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/11\/14545\/","title":{"rendered":"Die Reichstagswiese zur Wall Street machen?"},"content":{"rendered":"<p>  Wo stehen die #occupy-Proteste?<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Am 12. November gingen in Frankfurt und Berlin 18.000 Menschen unter   dem Motto &#8222;Banken in die Schranken&#8220; auf die Stra&#223;e. Seit dem 15. Oktober   gibt es zahlreiche Aktionen die Bezug auf die Bewegung in den USA und   anderen L&#228;ndern nehmen. Gleichzeitig k&#228;mpfen die Besetzer mit ihren   Zelten gegen die Winterk&#228;lte. Was ist los mit den #occupy Protesten?<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Michael Koschitzki, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Inspiriert sind die #occupy-Proteste durch die Massenbewegungen und   Platzbesetzungen weltweit. Bereits als Reaktion auf die   Emp&#246;rten-Bewegung in Spanien gab es vereinzelte sehr kleine Aktionen in   Deutschland. Die #occupy Wall Street Proteste in New York fanden im   f&#252;hrenden imperialistischen Land statt und im Herz der internationalen   Finanzwelt. Die Proteste gaben international den Startschuss sich dem   durch die spanische Bewegung ausgerufenen Protesttag am 15. Oktober   anzuschlie&#223;en.<\/p>\n<p>  In Deutschland gingen an diesem Tag mit Aktionen in 45 St&#228;dten 40.000   Menschen auf die Stra&#223;e. Die gr&#246;&#223;ten Demonstrationen fanden in Berlin,   Frankfurt und Stuttgart statt. Sie dr&#252;ckten die Wut auf Schwarz-Gelb und   ihre Politik im Interesse der Banken und Konzerne aus. Ausweitung von   Niedriglohn und prek&#228;rer Besch&#228;ftigung hat trotz Wirtschaftsaufschwung   die Unterst&#252;tzung f&#252;r das System und die Politik nicht gesteigert.<\/p>\n<h4>  Dynamik der Bewegung<\/h4>\n<p>  Die Mobilisierung zum 15. Oktober wurde auch durch die Partei DIE LINKE   verst&#228;rkt, die kurzfristig ihre Webseite, Newsletter und Interviews   nutzte, um zur Teilnahme an den Protesten aufzurufen. In Frankfurt kam   es zur Errichtung einer Zeltstadt, in Berlin zu regelm&#228;&#223;igen   Versammlungen auf der Reichstagswiese.<\/p>\n<p>  Aber im Gegensatz zu L&#228;ndern in S&#252;deuropa traf die Bewegung hier nicht   auf eine explosive Stimmung in weiten Teilen der Bev&#246;lkerung. Die   Arbeitslosigkeit ist (nat&#252;rlich auch durch F&#228;lschung der Statistik) auf   einem niedrigen Stand und es sind zur Zeit keine K&#252;rzungspakete wie in   Portugal geplant. Dort k&#252;ndigte die Regierung im Oktober ein weitere   &#8222;Einsparungen&#8220; an, was der Bewegung half 100.000 Menschen in Lissabon   auf die Stra&#223;e zu bekommen.<\/p>\n<p>  In den USA fand der Unmut &#252;ber die wirtschaftliche Situation, aber auch   die abnehmenden Illusionen in Obama ein Ventil in den #occupy Protesten.   Das angek&#252;ndigte K&#252;rzungsmassaker, Zwangsr&#228;umungen von H&#228;usern und so   weiter geben der Bewegung in den USA eine Grundlage. In einer Umfrage   haben 60 % der US-Amerikaner ihre Unterst&#252;tzung der #occupy-Proteste   ausgedr&#252;ckt. Die Beteiligung von Gewerkschaften und   Besch&#228;ftigtenvertreterInnen fand und findet in den USA in einem anderem   Ausma&#223; statt.<\/p>\n<p>  Hier ist die Situation noch etwas davon entfernt. Das f&#252;hrte dazu, dass   die Versammlungen und weitere Demonstrationen nicht an die Gr&#246;&#223;e vom 15.   Oktober ankn&#252;pfen konnten und es keine aufsteigende Dynamik der #occupy   Proteste gab. Trotz Medienhype gelang es den Besetzungen nicht, auf mehr   als ein paar Dutzend TeilnehmerInnen anzuwachsen, die bereit waren, dem   Herbstwetter trotzend, im Freien zu campen.<\/p>\n<h4>  Wen soll man wie erreichen?<\/h4>\n<p>  Die Proteste kopierten oberfl&#228;chlich viele Eigenschaften der Bewegung   vor allem aus den USA. Weil an der Wall Street der Einsatz von Megafonen   verboten ist, hatten die AktivistInnen durch Weiterrufen, dem Mic Check,   einen eigenen Weg gefunden, sich zu organisieren. Bei den Protesten in   Berlin und Frankfurt wurde trotz aller Verf&#252;gbarkeit von Megafonen das   gleiche Prinzip eingesetzt. Doch nur weil man Zelte aufbaut, wie in   Spanien oder Israel wird das Herbstwetter nicht w&#228;rmer. Nur weil man   kein Megafon einsetzt, wird es noch kein Protest mit massenhafter   Unterst&#252;tzung wie in den USA.<\/p>\n<p>  Das gilt auch, weil die Organisationsform wenig geeignet sind,   massenhaft Besch&#228;ftigte, Jugendliche und Erwerbslose zu erreichen. In   Berlin haben sich beispielsweise streikende Besch&#228;ftigte aus der Charit&#233;   an den Demonstrationen beteiligt. Sie wurden eindringlich mehrfach dazu   aufgefordert ihre Gewerkschaftsfahne einzupacken, was sie   verst&#228;ndlicherweise nicht getan haben. (Video dar&#252;ber <a href=\"http:\/\/www.streik.tv\/video\/1365\/Banken_in_die_Schranken.html\">hier<\/a>)   Stundenlange Debatten der Asambleas, die zu wenig Ergebnissen f&#252;hren und   in denen nur die mit dem meisten Sitzfleisch die Entscheidung   letztendlich treffen, haben die Einbeziehung m&#246;glichst vieler Menschen   nicht erm&#246;glicht.<\/p>\n<p>  Die Wortf&#252;hrerInnen der #occupy Proteste loben die absolute   Unabh&#228;ngigkeit von Organisationen. In Wirklichkeit ist das ein   R&#252;ckschritt. Sie sagen bei den Protesten w&#252;rden nur Individuen reden,   Organisationen m&#252;ssen au&#223;en vor bleiben und jeder k&#246;nne mitmachen.   Gleichzeitig wird impliziert, dass es gar keine Klassengesellschaft   g&#228;be, die in die Besitzenden und die Besch&#228;ftigten und Erwerbslosen   geteilt w&#228;re. Denn wenn man das anerkennt, wird man feststellen, dass   die Herrschenden in diesem Land sehr gut organisiert sind und viele   Parteien und Organisationen haben, w&#228;hrend die Mehrheit der Bev&#246;lkerung   nur sehr wenige hat. Politische Organisationen sollten in der Bewegung   ihre Positionen transparent darstellen k&#246;nnen, ihre Erfahrungen   einbringen k&#246;nnen und ihre Ressourcen zur St&#228;rkung der Proteste nutzen.   In echten demokratischen Strukturen w&#252;rde verhindert werden, dass   einzelne Organisationen oder wie jetzt Individuen dominieren k&#246;nnten.<\/p>\n<h4>  Banken in die Schranken<\/h4>\n<p>  F&#252;r den 12. November hatten Campact und Attac zu Gro&#223;demonstrationen in   Frankfurt und Berlin unter dem Titel &#8222;Banken in die Schranken&#8220;   aufgerufen. Mit intensiver Vorbereitung, zahlreichen Plakaten und   Unterst&#252;tzung hatten sie versucht an dem Potential vom 15. Oktober   anzukn&#252;pfen.<\/p>\n<p>  Die Protestinitiativen der #occupy Bewegung hatte sich geweigert eigene   Forderungen aufzustellen und wenig Diskussionen &#252;ber Forderungen   gef&#252;hrt. Dadurch dass man nicht einmal formuliert gegen was genau man   demonstriert, bleiben die Proteste wage und weniger anziehend. Das f&#252;hrt   auch dazu, dass die Proteste eher Bitten an die &#8222;Politik&#8220; formulieren,   als gegen die Politik f&#252;r Banken und Konzerne zu demonstrieren.   Gleichzeitig erleichterte das Attac und Campact die Forderungen der   Demonstration am 12. November begrenzt zu halten. Im Aufruf zum 12.   November wird das Privateigentum an Banken nicht angetastet. Eine   Zerschlagung von Gro&#223;banken wird statt der Verstaatlichung gefordert.   Mit Formulierungen, wie &#8222;Die Profiteure der bisherigen Rettungsschirme   m&#252;ssen endlich angemessen an den Kosten der Krise beteiligt werden.&#8220;   wird der Eindruck erweckt, dass auch die Masse der Bev&#246;lkerung ihren   Anteil an den Kosten der Krise zu tragen hat. Das Antikrisenb&#252;ndnis in   Berlin dagegen hatte einen eigenen Aufruf zur Demonstration verfasst, in   dem sie sagen: Andere Gesch&#228;ftsregeln f&#252;r Banken und eine Besteuerung   von Finanzgesch&#228;ften alleine reichen nicht aus, um zu verhindern,dass   die Mehrheit der Menschen f&#252;r die Krise zahlt, w&#228;hrend die Profite   steigen. [&#8230;]Wir m&#252;ssen die Banken, Konzerne und Verm&#246;gensbesitzer   entmachten und die Spardiktate von EU, IWF und EZB stoppen!&#8220;<\/p>\n<p>  In Hinblick auf einen kommenden schweren Einbruch der Wirtschaft und   eine Zuspitzung der Eurokrise m&#252;ssen Linke und AktivistInnen das   Programm weiter diskutieren. Eine Bewegung wird auf Dauer nur   erfolgreich sein, wenn sie bereit ist die Bankenmacht anzutasten und   Banken zu verstaatlichen und mit der Macht der Banken und Konzerne   grundlegend zu brechen, den Kapitalismus als Ganzes in Frage zu stellen   und eine sozialistische Perspektive aufzuzeigen.<\/p>\n<h4>  Vor weiteren Herausforderungen<\/h4>\n<p>  Am 17. November findet der Bildungsstreik statt. Schon 2009 hatten   Bildungsproteste &#8222;Geld f&#252;r Bildung statt f&#252;r Banken&#8220; gefordert. Darin   liegt die Schnittmenge der Proteste. DIE LINKE.SDS hat an Universit&#228;ten   deshalb zu Gr&#252;ndung von #occupy university Gruppen aufgerufen. In Berlin   waren bis zu 60 Studierende bei den Treffen. Durch die &#220;berf&#252;llung der   Universit&#228;ten, Stress und Auslese bei den Bachelor\/Master-Studieng&#228;ngen   und mangelnde Ausfinanzierung der Lehrg&#228;nge ist die Wut gegeben. Der   Bildungsstreik ist regional sehr unterschiedlich vorbereitet und vom 12.   November sollte das Signal ausgehen, die Wut am 17. November   entschlossen auf die Stra&#223;e zu tragen. Besetzungen von H&#246;rs&#228;len um den   17. November k&#246;nnen der Ort f&#252;r weitere Diskussionen sein und das   Zentrum n&#228;chste Proteste zu organisieren.<\/p>\n<p>  An der Beteiligung von 18.000 Menschen an den Demonstrationen am 12.   November l&#228;sst sich ankn&#252;pfen und weitere Protest aufbauen. Jedoch zeigt   es, dass es nicht reicht, die #occupy Bewegung in Deutschland   auszurufen, um eine Bewegung der gleichen Dynamik wie in den USA und   anderswo hervorzurufen. Bei den Besetzungen besteht die Gefahr, dass   sich zu wenige beteiligen und diejenigen, die campen sich irgendwann   frustriert zur&#252;ckziehen.<\/p>\n<p>  Wir m&#252;ssen gemeinsam diskutieren, wie der Widerstand gegen   Bankenrettung, Prekarisierung und Umverteilung gest&#228;rkt und aufgebaut   werden kann. AktivistInnen, Gewerkschaften und Organisationen m&#252;ssen   bundesweit gemeinsam diskutieren, wie sich auf die abzeichnende Angriffe   im Zuge der Wirtschaftskrise und Eurorettung vorbereitet werden kann und   eine m&#246;glichst gute Vorbereitung auf diese Phase m&#246;glich ist.<\/p>\n<h4>  Aktiv werden und organisieren<\/h4>\n<p>  Wir brauchen eine Alternative zum weltweiten kapitalistischen Chaos. Die   SAV ist international in &#252;ber 40 L&#228;ndern organisiert und aktiv in den   Bewegungen in den USA, Griechenland, Spanien, Portugal, Israel,   Gro&#223;britannien usw. Wir bringen uns f&#252;r eine demokratische und   k&#228;mpferische Bewegung ein. Wir k&#228;mpfen f&#252;r eine sozialistische   Demokratie, wo anders als in der DDR keine Minderheit &#252;ber eine   Mehrheit, sondern demokratisch von unten &#252;ber die Gesellschaft und die   Wirtschaft bestimmt wird. Schlie&#223;e dich uns an und werde aktiv.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Wo stehen die #occupy-Proteste?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[134],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14545"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14545"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14545\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14545"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14545"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14545"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}