{"id":14539,"date":"2011-11-12T00:00:00","date_gmt":"2011-11-11T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14539"},"modified":"2012-06-24T16:32:51","modified_gmt":"2012-06-24T14:32:51","slug":"14539","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/11\/14539\/","title":{"rendered":"Berlusconi k&#252;ndigt R&#252;cktritt an"},"content":{"rendered":"<p>  Drittgr&#246;&#223;te Volkswirtschaft der Eurozone von Schuldenkrise getroffen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>&#8222;Es kann sein, dass Italien sich bereits jenseits von Gut und B&#246;se   befindet&#8221;, so der d&#252;stere Bericht der drittgr&#246;&#223;ten Bank Gro&#223;britanniens   &#8222;Barclays Capital&#8220; von dieser Woche. &#8222;Wir haben Zweifel, dass die   italienischen Wirtschaftsreformen alleine ausreichen, um die   italienische Kreditw&#252;rdigkeit wiederherzustellen und die M&#246;glichkeit   einer Vertrauenskrise mit ihren negativen Auswirkungen abzumildern&#8220;. Und   dann kam es zu den dramatischen Entwicklungen in Rom. <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Chris Thomas, &#8222;ControCorrente&#8220; (Schwesterorganisation der SAV und   Sektion des CWI in Italien)<\/i><\/h4>\n<p>  Der italienische Premierminister Silvio Berlusconi hat nach dem Verlust   der absoluten Mehrheit im Parlament am Ende zugestimmt zur&#252;ckzutreten.   Nach Monaten, in denen von Seiten der Europ&#228;ischen Union, des   Internationalen W&#228;hrungsfonds (IWF) und der Finanzm&#228;rkte intensiver   Druck ausge&#252;bt wurde, und der italienische Arbeitgeberverband   &#8222;Confindustria&#8220;, die katholische Kirche und schlie&#223;lich auch Mitglieder   seiner eigenen Regierungskoalition und seiner Partei, der von ihm selbst   gegr&#252;ndeten &#8222;Partei der Freiheit (PDL), sich von ihm abgewendet hatten,   sagte er, dass er gehen wird. &#8211; Allerdings erst nach der Umsetzung einer   abermaligen Runde an Sparma&#223;nahmen, wie sie in einem abermaligen Brief   der EU von Italien gefordert wurde.<\/p>\n<p>  Berlusconi &#8222;zu opfern&#8220; sollte die &#8222;G&#246;tter&#8220; an den M&#228;rkten beruhigen.   Stattdessen hat dies zu weiterer politischer und &#246;konomischer   Destabilisierung mit all den daraus resultierenden R&#252;ckwirkungen auf   Europa und die Welt gef&#252;hrt. Weltweit brachen die B&#246;rsenm&#228;rkte ein, und   die Zinsen auf italienische Staatsanleihen haben die Marke von sieben   Prozent &#8211; das ist der Satz, ab dem Griechenland, Irland und Portugal mit   sogenannten Rettungspaketen &#8222;versorgt&#8220; werden mussten, &#252;berschritten.   Italien befindet sich wirtschaftlich nun in einer sehr &#228;hnlichen   Situation. Beobachter von IWF und EU &#252;berpr&#252;fen regelm&#228;&#223;ig, dass der   Patient die ihm verordnete Medizin an K&#252;rzungen, Privatisierungen und   Angriffen auf Arbeitnehmerrechte einnimmt. Allerdings kommt die Idee,   Italien (mit einem Schuldenstand von neun Billionen Euro und damit mehr   als Griechenland, Portugal und Irland zusammen) mit Hilfe des   EFSF-Fonds, der insgesamt nur 250 Milliarden umfasst, &#8222;zu retten&#8220;, dem   Vorhaben gleich, als wolle man die Titanic mit einem Fingerhut vor dem   Versinken bewahren.<\/p>\n<p>  Die Politik der EZB, italienische Staatsanleihen aufzukaufen, hat die   Krise nicht einged&#228;mmt, die weit mehr als nur die gesamte Eurozone   bedroht. Deshalb wurde in der Hoffnung, eine andere Regierung w&#252;rde die   M&#228;rkte beruhigen und die Sparpakete umsetzen, die er aufzulegen nicht   Willens schien, Druck auf Berlusconi ausge&#252;bt, das Handtuch zu schmei&#223;en.<\/p>\n<h4>  Was wird jetzt passieren?<\/h4>\n<p>  Einige bef&#252;rchten, dass Berlusconi nur Zeit gewinnen will, um   unzuverl&#228;ssige Abgeordnete &#8222;einzukaufen&#8220; und seine Mehrheit   sicherzustellen, wie er es in der Vergangenheit auch getan hat. Auch   wenn dies jetzt unwahrscheinlich zu sein scheint, ist noch nicht klar,   wie die Zeit nach Berlusconi aussehen wird. Wird es zu vorgezogenen   Wahlen kommen? Berlusconi selbst hat diese M&#246;glichkeit in Aussicht   gestellt. Aber die meisten in seiner Partei und unter seinen   Koalitionspartnern, der &#8222;Lega Nord&#8220;, sehen das anders, weil sie eine   Niederlage bef&#252;rchten m&#252;ssen. Doch auch die wichtigste   Oppositionspartei, die PD (&#8222;Demokratische Partei&#8220;), ger&#228;t ob der   M&#246;glichkeit vorzeitiger Wahlen in Panik. Sie hat weder intern noch   zusammen mit m&#246;glichen Koalitionspartnern ein beschlossenes politisches   Programm zu bieten und ist bei jeder Frage &#8211; au&#223;er in der Haltung gegen   Berlusconi &#8211; gespalten. Sie bevorzugen die Bildung einer   technokratischen Regierung (gef&#252;hrt von einem Nicht-Politiker wie Mario   Monti, dem ehemaligen EU-Kommissar), um den schmutzigen Job zu machen   und Sparma&#223;nahmen umzusetzen. Auch die M&#246;glichkeit einer Regierung der   &#8222;nationalen Verantwortung&#8220; unter Einbeziehung aller Parteien geh&#246;rt zu   ihren Priorit&#228;ten. Beide Optionen scheinen im Bereich des M&#246;glichen.   Desweiteren ist nicht ausgeschlossen (wenn auch weniger wahrscheinlich),   dass die PDL eine neue, breitere Koalition unter F&#252;hrung von Angelino   Alfano, Parteisekret&#228;r von Berlusconis politischer Kraft und ehemaliger   Justizminister, bilden k&#246;nnte.<\/p>\n<p>  Was auf politischer Ebene auch immer am Ende dabei herauskommen mag: Es   steht ziemlich fest, was auf die Arbeiterklasse und die Mittelschicht in   Italien zukommen wird. Die j&#252;ngste EU-Verordnung fordert die   Privatisierung von Staatsbesitz und lokalen Diensten, Angriffe auf die   Renten, K&#252;rzungen bei den &#246;ffentlichen Ausgaben, Arbeitsplatzabbau und   weitere Ma&#223;nahmen zur vereinfachten Entlassung von ArbeiterInnen.<\/p>\n<p>  Auch wenn es reichlich Jubel geben wird, wenn die Arbeiterklasse endlich   den Abgang von Berlusconi erlebt, erzeugt die Aussicht auf eine von der   PD gef&#252;hrte Regierung kaum Begeisterung. Teile der PD haben das erste   Schreiben der EZB, das Einsparungen anmahnt, offen begr&#252;&#223;t, als es im   August bekannt wurde. Und die Partei hat keine Alternative zum Vorhaben,   den ArbeiterInnen die Medizin der Sparma&#223;nahmen zu verabreichen. Auch   wenn es anfangs aufgrund der allgemeinen Abneigung der Leute gegen&#252;ber   den Politikern einiges an Unterst&#252;tzung f&#252;r eine technokratische   Regierung gab, so kann diese Stimmung sich schnell in eine   oppositionelle Haltung entwickeln, wenn klar wird, was auch diese in   Wirklichkeit f&#252;r den &#246;ffentlichen Dienst, die Arbeitsplatzsituation und   die Lebensstandards bedeutet.<\/p>\n<p>  Berlusconi wurde durch eine &#8222;Palastrevolution&#8220; gezwungen, seinem eigenen   R&#252;cktritt zuzustimmen &#8211; nicht durch eine Massenbewegung der   ArbeiterInnen. Acht &#8222;Verr&#228;ter&#8220; (wie er sie nennt) aus seiner eigenen   Partei stimmten mit der Opposition, indem sie sich bei der Abstimmung   &#252;ber Verwaltungsfragen der Stimme enthielten. Aber die &#8222;Massen&#8220; sind   weit davon entfernt, unt&#228;tig zu sein. Im September folgten Millionen von   ArbeiterInnen dem Aufruf zum Generalstreik durch die Gewerkschaft CGIL.   Hunderttausende zogen am 15. Oktober nicht nur gegen die Regierung   sondern gegen das &#8222;System&#8220; an sich durch die Stra&#223;en Roms.<\/p>\n<p>  Eine neue Generation junger Menschen rebelliert gegen eine   perspektivlose Zukunft (die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Italien bei   30 Prozent) und ein System, in dem die Profite und Interessen einer   Minderheit unangefochten an erster Stelle stehen. Die Periode nach   Berlusconi wird gekennzeichnet sein durch K&#252;rzungen, Krise, Kampf und   Widerstand, in der die Kr&#228;fte einer wirklichen, massenhaften,   politischen Alternative zum Kapitalismus gest&#228;rkt werden k&#246;nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Drittgr&#246;&#223;te Volkswirtschaft der Eurozone von Schuldenkrise getroffen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[44],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14539"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14539"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14539\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14539"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14539"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14539"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}