{"id":14531,"date":"2011-11-03T00:00:00","date_gmt":"2011-11-03T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14531"},"modified":"2011-11-03T00:00:00","modified_gmt":"2011-11-03T00:00:00","slug":"14531","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/11\/14531\/","title":{"rendered":"Wahlsieg von Ennahda ver&#228;ndert die politische Landschaft in Tunesien"},"content":{"rendered":"<p>  Die sogenannte Erfolgsgeschichte der Wahlen verschleiert die wachsende   Wut von unten<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von BerichterstatterInnen des CWI (&#8222;Komitee f&#252;r eine   Arbeiterinternationale&#8220;, deren Sektion in Deutschland die SAV ist) in   Tunis<\/i><\/h4>\n<p>  Mit einer breit angelegten Medienkampagne in Fernsehen, Radio, Zeitungen   und auf den Stra&#223;en wurde wochenlang im voraus die Werbetrommel ger&#252;hrt,   um die Menschen in Tunesien zu ermahnen, sich zu den Wahlen f&#252;r die   Verfassunggebende Versammlung am 23. Oktober in die Wahllokale zu   begeben. Die nun bestimmte Versammlung soll die Verfassung &#252;berarbeiten,   eine neue &#220;bergangsregierung einsetzen und den Termin f&#252;r die   Parlaments- und die Pr&#228;sidentschaftswahlen festlegen.<\/p>\n<p>  Gekennzeichnet wurden die Wahlen durch den Sieg der islamistischen   Partei &#8222;Ennahda&#8220;, der eine neue, komplexe Situation vor dem Hintergrund   mit sich bringt, dass sich eine Krise auf wirtschaftlicher Ebene   fortsetzt und unter den Massen gro&#223;es Verlangen nach gesellschaftlichem   Wandel besteht.<\/p>\n<p>  Nach Jahrzehnten der Diktatur und Wahlf&#228;lschungen, die bei allen   vorangegangenen Urneng&#228;ngen unter der Herrschaft von Ben Ali   charakteristisch waren, waren diese Wahlen f&#252;r viele TunesierInnen nun   die erste Gelegenheit in ihrem Leben, im Rahmen von &#8222;echten Wahlen&#8220; ihre   Stimme abzugeben. Und das, ohne das Ergebnis schon im vorhinein zu   kennen. Das ist die wichtigste Erkl&#228;rung f&#252;r die enorme Wahlbeteiligung:   Viele entschieden sich daf&#252;r, ein Recht wahrzunehmen, dass ihnen &#252;ber so   viele Jahre hinweg vorenthalten wurde. Au&#223;erdem hat die Revolution   breite Bev&#246;lkerungsschichten politisiert und viele entschieden sich zu   w&#228;hlen, weil sie nicht wollten, dass die herrschenden Eliten hinter   ihrem R&#252;cken weiterhin tun, was sie wollen.<\/p>\n<p>  Bisher, so erkl&#228;rt Dali, ein tunesischer Aktivist &#8222;ist die Beteiligung   nicht so stark wie die Medien uns glauben machen wollen. Die Meldungen,   wonach mehr als 90 Prozent der Bev&#246;lkerung ihre Stimme abgegeben haben,   sind nichts als Manipulation der Zahlen, weil dieser Prozentsatz nur auf   den 4,1 Millionen Menschen basiert, die sich im Vorfeld f&#252;r die   Wahllisten registrieren lie&#223;en. In Wirklichkeit liegt die   Wahlbeteiligung wohl eher um die 60 Prozent.&#8220; Und in der Tat: Trotz der   relativ hohen Wahlbeteiligung und der Erwartungen, dass die ersten   angeblich &#8222;demokratischen&#8220; Wahlen einige neue Schichten mobilisieren   konnten, herrschten Skepsis und ein bedeutsames Ma&#223; an Misstrauen   gegen&#252;ber den Politikern, vor allen unter den jungen Leuten und in den   sozial abgeh&#228;ngten Regionen im Binnenland.<\/p>\n<h4>  Ennahda ins Amt gew&#228;hlt<\/h4>\n<p>  Auch wenn die vollst&#228;ndigen Ergebnisse immer noch nicht verk&#252;ndet   wurden, ist klar, dass die islamistische Partei &#8222;Ennahda&#8220; mit Abstand   auf den ersten Platz gekommen ist. Sie liegt in fast allen Regionen vorn   und heimste mit 40 Prozent der Stimmen rund 90 der insgesamt 217 Sitze   in der Verfassunggebenden Versammlung ein. Auf den ersten Blick mag das   &#252;berraschen, weil diese Partei bei den Massenprotesten zu Jahresbeginn   kaum sichtbar war. Und eine Rolle in der Revolution spielte sie gar   nicht. Dennoch hat diese Partei von der Tatsache profitiert, dass auf   der Linken keine Alternative vorhanden ist, die eine Herausforderung   h&#228;tte darstellen k&#246;nnen. Das Fehlen einer strategischen Vision, eines   klaren revolution&#228;ren Programms, um die Revolution weiterzuentwickeln   und in den Wohnvierteln Wurzeln schlagen zu lassen, hat &#8222;Ennahda&#8220; die   M&#246;glichkeit er&#246;ffnet, das Vakuum f&#252;r sich zu nutzen. Dali erkl&#228;rt: &#8222;Die   Rhetorik der Linken &#8211; radikal in der Form, aber ziemlich arm, was ihr   programmatisches Gehalt angeht, hat nicht ausgereicht, um die Massen zu   erreichen. Dies hat sie daran gehindert, unter der Armen, die von den   Islamisten gewonnen werden konnten, eine echte Basis zu erlangen.&#8220;<\/p>\n<p>  Indem sie sich auf ein Netzwerk von wohlt&#228;tigen Organisationen st&#252;tzen   konnte, die in den &#228;rmsten Wohnquartieren und Ortschaften aktiv sind,   und auf enorme finanzielle Unterst&#252;tzung, die angeblich von den   Golf-Monarchien stammt, konnte &#8222;Ennahda&#8220; einen &#252;ber das ganze Land   ausgedehnten Wahlkampf f&#252;hren und die Frustration der Menschen f&#252;r sich   ausnutzen. Dabei spielte sie mit den religi&#246;sen Gef&#252;hlen der Leute und   einer populistischen Sozial-Rhetorik. So versprach sie zum Beispiel die   Schaffung von &#8222;590.000 Arbeitspl&#228;tzen in f&#252;nf Jahren&#8220; und ein Ende der   jahrzehntelangen regionalen Ungleichheit. &#8222;Ich w&#228;hle Ennahda,   weil die anderen Parteien wollen, dass 10 Prozent der Bev&#246;lkerung im   Luxus leben, w&#228;hrend der Rest des Volkes in Armut verharren soll&#8220;,   erkl&#228;rte ein alter Mann im Interview mit einer franz&#246;sischsprachigen   Zeitung.<\/p>\n<p>  Der Sieg von &#8222;Ennahda&#8220; basiert auch auf deren Versprechen, die Moral   zur&#252;ck ins politische Leben zu bringen, Schluss zu machen mit der   sogenannten &#8222;Mafiokratie&#8220; und der staatlichen Korruption. Dessen   ungeachtet war die Praxis des Stimmenkaufs auch ihnen nicht fremd. Doch   &#252;berdies haftet ihnen auch das Image an, M&#228;rtyrer zu sein, weil sie   unter dem Regime von Ben Ali verboten, verfolgt und viele ihrer   Mitglieder inhaftiert, gefoltert und ins Exil gezwungen wurden. In einer   Situation, in der bis zu 40 der mehr als 100 zur Wahl angetretenen   Parteien im Verdacht standen, Sch&#246;pfungen der ehemals herrschenden   Partei RCD zu sein, erschien &#8222;Ennahda&#8220; f&#252;r viele als glaubw&#252;rdiger   Kandidat und &#8222;echter Bruch&#8220; mit der Vergangenheit.<\/p>\n<p>  Die Tatsache, dass einige der politischen Gegner von &#8222;Ennahda&#8220; sich in   einer Gegenkampagne engagierten, einen inhaltslosen s&#228;kularen Jargon von   sich gaben und dabei &#252;berhaupt nicht die dr&#228;ngenden Bed&#252;rfnisse der   breiten Masse der Menschen aufgriffen &#8211; und das in einem Land mit einer   zum Gro&#223;teil moslemischen Bev&#246;lkerung, spielte im Endeffekt nur   &#8222;Ennahda&#8220; in die H&#228;nde. Das ist etwas, vor dem das CWI von Beginn an   gewarnt hat.<\/p>\n<p>  SozialistInnen sollten die Notwendigkeit, Staat und Religion voneinander   zu trennen, mit Feingef&#252;hl thematisieren. SozialistInnen verteidigen das   Recht der Menschen auf individuellen religi&#246;sen Glauben und darauf,   diesen auch auszuleben. Das muss aber unabh&#228;ngig vom Staat geschehen.   Aus historischen Gr&#252;nden wird der S&#228;kularismus von vielen MoslemInnen in   Tunesien dennoch oft als Negierung dieser Rechte betrachtet.<\/p>\n<p>  Die Geheimpolizei von Ben Ali verfolgte Menschen, die ihre Religion   praktizierten oder &#8222;zu viel&#8220; an Religiosit&#228;t auslebten und sch&#252;chterte   sie ein. So konnten Leute dem Regime als suspekt erscheinen oder sogar   von Inhaftierung bzw. Polizeigewalt bedroht werden, nur, weil sie in   einer Moschee beteten. Frauen wurde in Universit&#228;ten und &#246;ffentlichen   Einrichtungen das Tragen des Schleiers verboten etc. Die Menschen   erinnern sich noch gut daran, dass Ben Ali, nachdem er an die Macht   gekommen war, die Bedrohung durch den Islamismus ausnutzte und damit   seine Herrschaft rechtfertigte. Bald darauf wurden alle R&#228;ume, in denen   noch Freiheit herrschte ausgemerzt und seine abscheuliche Diktatur nach   und nach aufgebaut errichtet.<\/p>\n<p>  Zu den Parteien, die ihren Wahlkampf entlang vergleichbarer Linien   ausrichteten und versuchten, die politische Landschaft zu polarisieren,   indem sie sich gegen die sogenannten &#8222;Modernisten&#8220; und &#8222;obskuren   Figuren&#8220; stellten, geh&#246;rten auch der &#8222;Pole D&#233;mocrate Moderniste&#8220; (PDM;   eine von der sich mittlerweile als &#8222;mitte-links&#8220; bezeichnenden, aus der   alten &#8222;Tunesischen Kommunistischen Partei&#8220; hervorgegangenen Ettajdid   gelenkte Liste) und die PDP. Sie haben viele W&#228;hlerInnen &#8211; vor allem aus   der Arbeiterklasse und den verarmten Schichten &#8211; abgeschreckt. Au&#223;erdem   sind diese beiden Parteien aufgrund ihrer offenen Zusammenarbeit mit der   &#220;bergangsregierung, die direkt auf Ben Ali folgte und ma&#223;geblich mit   konterrevolution&#228;ren Personen aus der Zeit der Diktatur best&#252;ckt war,   abgestraft worden. Die PDP hat auch f&#252;r ihr notorisch aufrecht   erhaltenes B&#252;ndnis mit den Konzernen und ehemaligen Mitgliedern der Ben   Ali-Partei RCD und anderen &#220;berbleibseln des alten Regimes, denen in   einigen F&#228;llen sogar gehobene Funktionen in der PDP angeboten wurden,   ihren Preis zahlen m&#252;ssen. Die Partei, welche noch vor einem Monat immer   noch davon ausgegangen war, st&#228;rkste Partei in Tunesien zu werden,   erlitt eine verheerende Niederlage, die zu einer internen Krise f&#252;hrte.<\/p>\n<p>  Dali meint dazu: &#8222;Monatelang konnten wir eine von b&#252;rgerlichen Kr&#228;ften,   Leuten des alten Regimes und rechtsgerichteten Medien dominierte Debatte   verfolgen, deren Ziel darin bestand, soziale und &#246;konomische Themen   auszublenden, die f&#252;r die &gt;einfachen Leute von gr&#246;&#223;ter Bedeutung sind.   Stattdessen konzentrierte man sich auf abstrakte Fragen &#252;ber Identit&#228;t,   S&#228;kularismus und Religion. Allgemein haben die Menschen f&#252;r Parteien   gestimmt, die eine solche &gt;Teile und Herrsche-Herangehensweise ablehnten   &#8211; sie stimmten f&#252;r die, die soziale Themen ansprachen und echte Fragen   aufwarfen.&#8220;<\/p>\n<p>  Das war auch hinsichtlich der Liste &#8222;Congress for the Republic&#8220; (CPR)   der Fall, die vom B&#252;rgerrechtsaktivisten Moncef Marzouki gegr&#252;ndet und   gemeinhin als ehrliche, politische und prinzipientreue Formation   angesehen wurde, die schon historisch gegen die Ben Ali-Diktatur stand.   Auch kann man das vom &#8222;Democratic Forum for Labour and Liberties&#8220;   (arab.: &#8222;Ettakatol&#8220;; dt.: &#8222;Demokratisches Forum f&#252;r Arbeit und   Freiheit&#8220;; Erg. d. &#220;bers.) behaupten. Beide haben einiges daf&#252;r getan,   um bei den Wahlen laut Sch&#228;tzungen nun auf 30 bzw. 21 Sitze zu kommen.<\/p>\n<p>  Die Liste &#8222;El Aridha&#8220; (sinngem&#228;&#223;: Partei f&#252;r die Belange des Volkes; d.   &#220;bers.) schaffte einen unerwarteten Durchbruch. Angef&#252;hrt wird sie vom   Million&#228;r Hechmi Haamdi, einem ehemaligen Islamisten, der dann zum   offenen Verb&#252;ndeten des Ben Ali-Regimes wurde, um sich sp&#228;ter wieder   gegen ihn zu stellen. Ihm geh&#246;rt ein Fernsehsender, der via Satellit von   London aus sendet. Er versprach Baguettes zum Preis von 100 Millimes   (rund f&#252;nf Euro-Cent; Erg. d. &#220;ners), 200 Dinar (rund 100 Euro) an   Unterst&#252;tzung f&#252;r jede arbeitslose Person, kostenlosen Nahverkehr f&#252;r   alte Menschen, den Bau von Sozialwohnungen und eine kostenlose   Gesundheitsversorgung. Er war in der Lage, etliche Stimmen auf sich   vereinen zu k&#246;nnen, indem er einfach die wirtschaftliche Misere der   BewohnerInnen der &#228;rmsten Regionen des Landes auszunutzen verstand, als   auch aufgrund eines Unterst&#252;tzer-Netzwerks bestehend aus ehemaligen   RCD-Mitgliedern in eben diesen Gebieten. Zudem machte er sich die   Tatsache zunutze, dass er selbst aus (der zentral-tunesischen Stadt;   Erg. d. &#220;bers.) Sidi Bouzid stammt und somit mit regionalen   Ressentiments gegen&#252;ber den vergleichsweise h&#246;heren Lebensstandards in   den n&#246;rdlich gelegenen K&#252;stenst&#228;dten spielte. All das war m&#246;glich, fast   ohne w&#228;hrend des Wahlkampfs &#252;berhaupt einen Fu&#223; auf tunesischen Boden zu   setzen.<\/p>\n<p>  Wegen der Anzahl offensichtlicher Unregelm&#228;&#223;igkeiten, die seine   Wahlkampagne allerdings kennzeichnete, wurden die von Haamdi angef&#252;hrten   Listen jedoch in sechs Regionen f&#252;r ung&#252;ltig erkl&#228;rt. Das zwang ihn, im   Nachhinein auch die anderen Listenvorschl&#228;ge zu streichen, und er   beklagte am Ende den &#8222;verrotteten&#8220; Charakter der zu w&#228;hlenden   Versammlung. Da seine Partei gut 30 Sitze gewann, k&#246;nnte dies dazu   f&#252;hren, dass die Anzahl der Sitze insgesamt jetzt auf alle anderen   Parteien neu umgerechnet werden muss. Die ganzen Umst&#228;nde und   Geschichten um Haamdi waren der wesentliche Anlass f&#252;r die explosiven   Proteste und Ausschreitungen am Donnerstag in Sidi Bouzid, wobei auch   die &#246;rtliche Zentrale von &#8222;Ennahda&#8220; niedergebrannt wurde.<\/p>\n<p>  Die zuletzt beschriebene Begebenheit widerspiegelt die in den &#228;rmsten   Regionen des Landes herrschende soziale Hoffnungslosigkeit. Aber auch   den Umstand, dass &#8211; obwohl diese Wahlen unvergleichlich demokratischer   abliefen als in der &#196;ra Ben Ali &#8211; sie nichtsdestotrotz infiziert waren   mit all den schmutzigen Facetten, die Urneng&#228;nge im Kapitalismus zu   eigen sind. Da w&#228;re zuerst die Abh&#228;ngigkeit davon zu nennen, wie viel   jede Partei und jeder Kandidat an Geld zur Verf&#252;gung hat, wie auch jede   Form von Manipulationsversuchen. Dali kommentiert: &#8222;Es ist schon zu mehr   als 800 Beschwerden &#252;ber Verst&#246;&#223;e gegen das Wahlrecht,   Unregelm&#228;&#223;igkeiten bei der Wahlkampf-Finanzierung, Versuche des   Stimmenkaufs, Einsch&#252;chterung von Menschen, um sie zur Stimmabgabe f&#252;r   die eine oder andere bestimmte Partei zu bringen, Korruption jeglicher   Art [&#8230;] gekommen. Und das kommt nicht von Seiten der &gt;gro&#223;en Verlierer   wie der PDP, die &#228;u&#223;erten, dass es sich bei diesen Wahlen um ein Modell   der Demokratie gehandelt habe, sondern vielmehr von den w&#252;tenden   &gt;einfachen Leuten, die keine Parteien wollen, welche &#228;hnliche Methoden   anwenden wie das alte Regime.&#8220;<\/p>\n<h4>  Was kommt als n&#228;chstes?<\/h4>\n<p>  W&#228;hrend der Wahlausgang von den wichtigsten kapitalistischen Kr&#228;ften und   deren Kommentatoren in den Medien im Allgemeinen begr&#252;&#223;t wird, so wird   die Tatsache, dass &#8222;Ennadha&#8220; dabei zur st&#228;rksten politischen Kraft   geworden ist, doch einer detaillierten Pr&#252;fung unterzogen. Und dies   geschieht nicht ohne Sorgen. Klar ist, dass die F&#252;hrung von &#8222;Ennadha&#8220;   grundlegend konzernfreundlich eingestellt ist. Ihr F&#252;hrungspersonal hat   in Reden und Mitteilungen vielfach deutlich gemacht, dass die   Wirtschaftspartner des Landes (vor allem der europ&#228;ische Kapitalismus)   keinen Grund zur Sorge haben. &#8222;Wir hoffen, sehr schnell zu Stabilit&#228;t   und g&#252;nstigen Bedingungen f&#252;r Investitionen zur&#252;ckkehren zu k&#246;nnen&#8220;,   sagte Abdelhamid Jlassi, Vorsitzender des Parteipr&#228;sidiums. Die   F&#252;hrungsriege von &#8222;Ennadha&#8220; hat zahlreiche Versuche unternommen, um   unter Beweis zu stellen, dass man in der Lage ist, eine respektable,   moderate und pro-westliche islamistische Partei zu sein. Rachid   Ghannouchi, ihr wichtigster F&#252;hrer, beruft sich unentwegt auf die   t&#252;rkische Regierung unter Premierminister Tayyip Erdogan und seiner   &#8222;Partei f&#252;r Gerechtigkeit und Aufschwung&#8220; (AKP). Er beschreibt seine   &#8222;Ennadha&#8220; als Partei der Mitte, demokratisch \/ mitte-rechts und &#8222;mit   religi&#246;sen Wurzeln&#8220;.<\/p>\n<p>  Auf der anderen Seite herrschen vor allem unter gut ausgebildeten jungen   Leuten, der st&#228;dtischen Mittelschicht aber auch bei vielen Menschen aus   der Arbeiterklasse und vor allem Frauen &#196;ngste vor, dass der Sieg von   &#8222;Ennadha&#8220; als Versuch zu deuten sein kann, einige ihrer Rechte wieder in   Frage zu stellen, die Islamisierung der Gesellschaft voranzubringen und   reaktion&#228;re Einschr&#228;nkungen gesellschaftlicher Werte zu bringen (wie   etwa regressive Gesetze zu Heirat, Scheidung und Erbschaften, Polygamie,   Alkohol, Kopft&#252;chern usw.). Diese &#196;ngste sind vor allem deshalb nicht   unbegr&#252;ndet, weil innerhalb dieser Partei ein aggressiver Fl&#252;gel   existiert, der sich aufgrund des errungenen Wahlsiegs selbstbewusster   geben und versuchen k&#246;nnte, eine extremere Agenda durchzusetzen.<\/p>\n<p>  Bef&#252;rchtungen, es w&#252;rde bei &#8222;Ennahda&#8220; ein &#8222;Geheimplan&#8220; existieren,   wurden durch die Tatsache best&#228;rkt, dass einige Gruppen von Salafisten   in den vergangenen Monaten ihre Muskeln haben spielen lassen. So haben   sie wegen ihrer Meinung nach gottesl&#228;sterlichen Materials ein Kino und   eine Fernsehstation angegriffen, demonstriert, um ihrer Forderung nach   einer &#8222;Islamischen Revolution&#8221; Geh&#246;r zu verschaffen, und linke   AktivistInnen und Frauen physisch brutal angegriffen.<\/p>\n<p>  Die Verbindung zwischen &#8222;Ennahda&#8220; und diesen fundamentalistischen   Aufwieglern bleibt nebul&#246;s. Und es kursiert der schlimme Verdacht, dass   einige dieser Gruppen auch vom Geheimdienst manipuliert und infiltriert   sind, der versucht hat, &#196;ngste vor der &#8222;vollkommenen Gefahr&#8221; zu sch&#252;ren,   um f&#252;r Chaos zu sorgen und m&#246;glicherweise eine Razzia rechtfertigen zu   k&#246;nnen, sollte es zu einer gr&#246;&#223;er werdenden Opposition gegen&#252;ber dem   Regime kommen. Betrachtet man den historischen Konflikt zwischen dem   tunesischen politischen Islam und dem alten s&#228;kular-authorit&#228;ren System   Ben Alis, dessen Strippenzieher weiterhin in Amt und W&#252;rden sind, so   besteht durchaus das Potential f&#252;r Zusammenst&#246;&#223;e zwischen der nun   herrschenden islamistischen Partei und dem Polizeiapparat, der h&#246;heren   Verwaltungsebene und dem Netzwerk der alten RCD.<\/p>\n<p>  &#8222;Ennahda&#8220; wird in der nun bestimmten Versammlung keine absolute Mehrheit   und somit Schwierigkeiten haben, eine extreme Linie zu fahren. Bedingt   wird dies vor allem auch dadurch, dass Tunesien ein Land ist, das gerade   erst die Erfahrung einer Revolution gemacht hat und von einer starken   s&#228;kularen Tradition gepr&#228;gt ist. Dali best&#228;tigt dies: &#8222;Die islamistische   Gefahr ist insofern begrenzt, als dass diese Kr&#228;fte kurz nach einer   Revolution an die Macht gekommen sind, und die Menschen sie nicht machen   lassen werden, was sie wollen. Die Leute haben gelernt zu k&#228;mpfen, wann   immer sie das Gef&#252;hl haben, dass ihre Rechte in Gefahr sind.&#8220; Die   Zugest&#228;ndnisse, die &#8222;Ennahda&#8220; bei der Darlegung einer neuen Verfassung   und innerhalb einer neuen Regierungskoalition abverlangt werden k&#246;nnten,   f&#252;hren wom&#246;glich auch zur Abspaltung der Hardliner von der Partei.   Letzteren k&#246;nnte es dann &#8222;zu liberal&#8220; werden und zu sehr angepasst an   &#8222;westliche Werten&#8220;.<\/p>\n<p>  Wenn aber die Linke nicht die Initiative ergreift und der Arbeiterklasse   sowie den armen Massen kein seri&#246;ses Alternativ-Programm f&#252;r echten   Wandel anbietet, so kann andererseits nicht ausgeschlossen werden, dass   &#8222;Ennahda&#8220; die Oberhand gewinnt und sich f&#252;r einen weitaus   fundamentalistischeren Kurs entscheidet. Was das angeht, so schrieben   wir bereits im Mai dieses Jahres: &#8222;Die Doppelz&#252;ngigkeit dieser Partei   zeigt, dass sie in internen Widerspr&#252;chen zerrissen bleibt. Die   einflussreicheren F&#252;hrungspersonen der Partei zeigen momentan den   Willen, die Unterst&#252;tzung des Imperialismus im Tausch gegen einige   Garantien eingehen zu wollen, die ihr mehr Ansehen und den Eindruck   verschaffen, als seien sie den Regeln der &gt;Demokratie gegen&#252;ber loyal   eingestellt. Auch wollen sie den Eindruck erwecken, als st&#252;nden sie den   Aktivit&#228;ten fundamentalistischer Gruppen grunds&#228;tzlich ablehnend   gegen&#252;ber. Wie weit dies gehen kann, bleibt allerdings abzuwarten. Es   kann zu Abspaltungen bzw. &#220;bertritten von Mitgliedern zu anderen   Formationen kommen oder zu Entwicklungen in die eine oder andere   politische Richtung. Ma&#223;geblich daf&#252;r sind die noch bevorstehende   Entwicklungen, wenn &gt;Ennahdha gezwungen sein wird, &#252;ber das Level der   reinen Propaganda hinauszugehen.&#8220;<\/p>\n<p>  All diese sich widersprechenden Elemente werden in den kommenden Monaten   eine Reihe von Tests durchlaufen m&#252;ssen.<\/p>\n<h4>  Ist die Revolution zu Ende?<\/h4>\n<p>  &#8222;Die herrschende Klasse und deren Sprachrohre tun so, als ob diese   Wahlen der H&#246;hepunkt seien, der Endpunkt unserer Revolution. Die Klagen   &#252;ber die sozialen und wirtschaftlichen Unzul&#228;nglichkeiten seinen demnach   nur ein Detail und die Revolution h&#228;tte die freien Wahlen zum Ziel   gehabt. Schluss und aus.&#8220;, so der Kommentar Dalis dazu.<\/p>\n<p>  Und weiter: &#8222;Jetzt werden sie versuchen, die &gt;Erfolgsgeschichte dieser   Wahlen zu nehmen, um das Kapitel der Revolution zu schlie&#223;en, die   Politik von der Stra&#223;e zur&#252;ck in die Institutionen zu holen, weg von der   kreativen Energie der Massen zur&#252;ck zur &gt;Professionalit&#228;t der   politischen Kaste, von der die Mehrheit in der Revolution jedoch nicht   die geringste Rolle gespielt hat. Doch &gt;die Menschen aus den   Versammlungen sind nicht die &gt;Menschen der Revolution&#8220;.<\/p>\n<p>  Diese Sichtweise widerspiegelt nat&#252;rlich das Fehlen einer Partei, die   vollends die Menschen der Arbeiterklasse und die Armen repr&#228;sentiert und   eine Plattform gewesen w&#228;re, &#252;ber die die Interessen der Massen im Zuge   der Wahlen ehrlich und aufrichtig h&#228;tten vertreten werden k&#246;nnen. Die   PCOT und das &#8222;Movement of Patriot-Democrats&#8220; &#8211; zwei linke Parteien, die   bei diesen Wahlen kandidierten &#8211; waren bis zu einem bestimmten Grad in   der Lage, eine solche Rolle zu spielen. Zusammen sind sie Sch&#228;tzungen zu   Folge auf vier Sitze gekommen: drei f&#252;r die PCOT und einer f&#252;r die MPD.   Was ihr Wirtschaftsprogramm angeht, so sind beide leider ziemlich   ausweichend geblieben. Au&#223;erdem haben sie eine Gelegenheit vertan, weil   sie es ablehnten, bis kurz vor Schluss und explizit die   &#220;bergangsregierung von Essebsi herauszufordern. Dass sie dabei z&#246;gerten,   gegen die verr&#228;terische Politik der f&#252;hrenden B&#252;rokratie des   Gewerkschaftsbundes UGTT in Opposition zu treten und darin versagten,   f&#252;r eine eindeutig sozialistische Politik Stellung zu beziehen, hat ihre   Position aufgeweicht und ihren Bezug zur Arbeiterklasse, den B&#228;uerinnen   und Bauern sowie den Armen geschw&#228;cht.<\/p>\n<p>  Vor den Wahlen hielt die Essebsi-Regierung einsch&#252;chternde Reden und   bezog sich damit auf die Proteste, Sit-Ins und Streiks. Man beschrieb   die daran Beteiligten als Minderheit, die die Wahlen st&#246;ren wollten.   Eine Schande war es, dass derlei Reden von Mitgliedern der   Gewerkschaftsvorst&#228;nde aufgegriffen wurden, die ihre verschiedenen   regionalen und branchenm&#228;&#223;ig unterteilten Gliederungen anwiesen, vor den   Wahlen jede Streikhandlung zu vermeiden.<\/p>\n<p>  Auf diese Attacken auf das Streikrecht, die aus der Mitte der   Gewerkschaftsbewegung kamen, gab es keine ernstzunehmende Reaktion von   Seiten der Linken. Wenn aber derlei Verhalten nicht ernsthaft begegnet   wird, wird die Gewerkschaftsb&#252;rokratie bei jeder Gelegenheit ihre   f&#252;hrende Rolle weiterhin nutzen, um Aktivit&#228;ten der Arbeiterklasse zu   sabotieren. Was wird dann ihr n&#228;chstes Argument sein? &#8211; Dass   ArbeiterInnen, die streiken, die Legitimation einer demokratisch   gew&#228;hlten Regierung unterminieren?<\/p>\n<p>  Wirklich linke und dem Gewerkschaftsgedanken verhaftete AktivistInnen   d&#252;rfen nicht l&#228;nger damit warten, vor dem bevorstehenden UGTT-Kongress   im Dezember eine alternative Plattform aufzubauen. Die folgende Phase   muss genutzt werden, um den Kampf zur Abwahl der korrupten und   verkommenen Unterst&#252;tzer von Ben Ali vorzubereiten, die immer noch in   der Gewerkschaft den Ton angeben und die wieder und wieder gezeigt   haben, dass sie die schlimmsten Feinde der Arbeiterklasse sind. Das   erfordert demokratisch gew&#228;hlte Komitees in den Betrieben und den   Wohnvierteln wie auch eine Demokratisierung der UGTT insgesamt.<\/p>\n<h4>  Bevorstehende K&#228;mpfe<\/h4>\n<p>  Trotz dieses Klimas der Einsch&#252;chterung ist es regelm&#228;&#223;ig zu   vereinzelten Protesten und Streiks gekommen. Die Wahlen waren kaum   beendet, als es in Redeyef zu einer wichtigen Demonstration kam. Redeyef   ist eine Bergbaustadt mit k&#228;mpferischem Bewusstsein in der N&#228;he von   Gafsa (Zentraltunesien) und hier wurde in besonderem Ma&#223;e Gerechtigkeit   f&#252;r die M&#228;rtyrer der Revolution eingefordert, deren Belange von den   momentanen Autorit&#228;ten bisher systematisch verunglimpft wurden. Es wurde   alles daf&#252;r getan, Kriminelle und M&#246;rder vor jedweder Art von   rechtlicher Verfolgung zu sch&#252;tzen.<\/p>\n<p>  Am Donnerstag begann ein offener, landesweiter Streik der   Postbesch&#228;ftigten f&#252;r h&#246;here L&#246;hne. Jetzt, da die Wahlen vor&#252;ber sind,   kann es zu neuen Aktionen der ArbeiterInnen kommen, weil die   Arbeiterklasse &#8222;Demokratie&#8220; will und damit grundlegenden Wandel   bez&#252;glich Lebensstandards und Arbeitsbedingungen meint.<\/p>\n<p>  Der Eindruck relativer Stabilit&#228;t und die Hoffnungen auf eine   allm&#228;hliche, ordnungsgem&#228;&#223; verlaufende demokratische Transformation   k&#246;nnten von nur kurzer Dauern sein, weil die tunesische Gesellschaft vor   einer tiefen Krise steht und weiterhin von gro&#223;en sozialen Widerspr&#252;chen   gekennzeichnet ist. Und tats&#228;chlich hat sich das Alltagsleben der   tunesischen Massen kaum ver&#228;ndert. Wenn &#252;berhaupt, so muss man von einer   Verschlechterung sprechen.<\/p>\n<p>  Die Preise f&#252;r Grundbedarfsg&#252;ter &#8211; vor allem f&#252;r Lebensmittel &#8211; sind   aufgrund von Handelsspekulationen, einer gro&#223;en Zahl von Fl&#252;chtlingen   aus Libyen und vereinzelten Panikk&#228;ufen durch &#8222;einfache Leute&#8220;   kontinuierlich gestiegen. Seit Beginn des Jahres ist die   Arbeitslosenrate offiziell von 14 Prozent auf 19 Prozent gewachsen. Und   das ist nur die Spitze des Eisbergs.<\/p>\n<p>  In den &#228;rmsten Regionen liegt die Arbeitslosigkeit teilweise bei &#252;ber 40   Prozent. Anfang September haben sich f&#252;nf Menschen auf einem   &#246;ffentlichen Platz im westlich gelegenen Kasserine gemeinschaftlich   aufzuh&#228;ngen versucht, weil sie jahrelang keine Arbeit gefunden haben.<\/p>\n<p>  Der dramatische Mangel an Arbeitspl&#228;tzen, der die Grundlage f&#252;r die   Revolution war, wirkt wie eine Zeitbombe. Eine alte Frau, die in einer   Schlange vor einem Wahllokal stand und von einem Fernsehsender gebeten   wurde, einen Kommentar abzugeben, sagte: &#8222;Kann ich wirklich sagen, was   ich will? Diese Parteien, wenn sie unseren Kindern keine Arbeit geben,   dann, schw&#246;re ich, werden wir zu den Waffen greifen und sie   rausschmei&#223;en!&#8220;<\/p>\n<p>  Mehr noch: Der Grad an politischer Freiheit, der im Lande herrscht,   steht auf wackeligen F&#252;&#223;en. Anders kann es auch gar nicht sein, weil die   politische Szenerie nicht grundlegend ausgetauscht wurde, und der   Staatsapparat weiterhin von korrupten Elementen durchdrungen ist, die   auf Rache aus sind und eine konterrevolution&#228;re Linie verfolgen. Die   Sicherheitskr&#228;fte bilden weiterhin eine Gefahr f&#252;r &#8222;einfache Leute&#8220;,   f&#252;hren willk&#252;rlich Verhaftungen durch, wenden Gewalt an und foltern   tagt&#228;glich.<\/p>\n<h4>  K&#246;nnen die Erwartungen erf&#252;llt werden?<\/h4>\n<p>  Es herrscht das weit verbreitete Gef&#252;hl, dass, wenn Politiker den   Belangen der Menschen nach echtem Wandel nicht entsprechen k&#246;nnen, eine   weitere Revolution bevorsteht. Bisher deutet alles darauf hin, dass es   nicht zu einem solchen Wandel kommen wird, wenn die Massen nicht   einbezogen und dahingehend organisiert werden. Das ist die erste Lehre   aus der revolution&#228;ren Erfahrung der vergangenen zehn Monate und dem   Sieg von &#8222;Ennahda&#8220;.<\/p>\n<p>  Die beiden Parteien, die sich an Gespr&#228;chen zur Bildung einer Koalition   mit &#8222;Ennahda&#8220; beteiligen, CPR und FDTL, haben ihre Intentionen   klargemacht. Mitte September sagte Moncef Marzouki, f&#252;hrender Kopf der   CPR, in einem Interview, dass Investoren &#8222;mit sauberen H&#228;nden [&#8230;]   willkommen&#8220; in seiner Partei sind. Als die FDTL angesprochen wurde,   argumentierte man f&#252;r ein konzernfreundliches Klima und n&#246;tige   Gespr&#228;che, um &#8222;soziale Spannungen zu abzufedern&#8220;.<\/p>\n<p>  Keine Partei oder Koalition, die an der Fortf&#252;hrung des Kapitalismus   festh&#228;lt, wird eine starke Basis finden oder eine Chance auf   langfristigen Erfolg haben. Der wirtschaftliche Aufruhr, den der   Welt-Kapitalismus gegenw&#228;rtig erf&#228;hrt, und die Armutsl&#246;hne und   Massenarbeitslosigkeit, mit denen die Massen in Tunesien zu k&#228;mpfen   haben, verbauen jeden Weg hin zu einer nachhaltigen Entwicklung des   Landes &#8211; so lange wie die Wirtschaft im Interesse einer d&#252;nnen Schicht   von gro&#223;en, pl&#252;ndernden Konzernen und Banken gef&#252;hrt wird. Indem sie   versprechen, das &#246;konomische Modell Tunesiens zu respektieren, das f&#252;r   die Lebensumst&#228;nde von Millionen von Menschen ein Desaster bedeutet,   werden diese Parteien nicht in der Lage sein, sp&#252;rbare L&#246;sungen f&#252;r die   sozialen Bed&#252;rfnisse der ArbeiterInnen und Armen zu bringen. Und dass   ist ihnen bewusst.<\/p>\n<p>  In einer Fernsehdebatte am Montag sprach sich Mustafa Ben Jafaar (FDTL)   f&#252;r eine breite Regierung der nationalen Einheit aus. Er beklagte, dass   es nicht fair sei, wenn ein paar Oppositionsparteien &#8222;das ganze Ausma&#223;   der Wut des Volkes zu sp&#252;ren kriegen&#8220;. Die vorherrschende soziale und   &#246;konomische Instabilit&#228;t wird voraussichtlich zu einer nie dagewesenen   politischen Situation f&#252;hren, welche von Krise und Unw&#228;gbarkeit   gekennzeichnet ist, weil der revolution&#228;re Geist f&#252;r Wandel unter den   Massen &#8211; wenn auch in der jetzigen Phase noch relativ niederschwellig   vorhanden &#8211; noch nicht unter Kontrolle gebracht worden ist.<\/p>\n<p>  Die tunesische Revolution ist noch lange nicht vorbei. Es liegt auf der   Hand, dass neue K&#228;mpfe ausbrechen werden, da es nur zu einer   Restauration und Stabilisierung des bestehenden Wirtschaftssystems   kommen kann, wenn die Anliegen der Massen nach einem neuen Leben negiert   werden. Diese aber wurden durch die Revolution gen&#228;hrt.<\/p>\n<p>  Dali sagt dazu: &#8222;Die F&#252;hrer von &gt;Ennahda sagen jetzt, dass die Menschen   Ruhe bewahren m&#252;ssen. Die Leute sollen warten, weil sie keinen   Zauberstab haben w&#252;rden, um ihre Probleme zu l&#246;sen. Aber die Menschen   werden nicht warten, weil die Bedingungen es uns nicht erlauben. Die   revolution&#228;re Bewegung kann nicht aufgeben. Die arbeitenden Massen, die   Gewerkschaften, m&#252;ssen sich auf K&#228;mpfe vorbereiten. Die Geschichte aller   Revolutionen zeigt, dass Wahlen nicht das Ende sein k&#246;nnen. Betrachtet   man die Natur der bei diesen Wahlen siegreichen Parteien, so wird die   wirkliche Zukunft der Menschen in Tunesien nicht in der   Verfassunggebenden Versammlung bestimmt: Sie wird auf der Stra&#223;e, in den   Betrieben und den Gewerkschaften festgelegt. Die Massen m&#252;ssen die Macht   dieser Versammlung entzaubern, um ihre eigene Macht durchzusetzen.&#8220;<\/p>\n<p>  Die linken Kr&#228;fte, die die ArbeiterInnen und jungen Leute   repr&#228;sentieren, m&#252;ssen erkl&#228;ren, wie die bestehenden Hoffnungen auf   Basis des alten Kapitalismus, dem Kumpan des alten Regimes, nicht   erf&#252;llt werden k&#246;nnen. Wenn sie Forderungen nach Vollbesch&#228;ftigung, der   Verteilung der Arbeit auf alle, das Auflegen eines breiten   Wohnungsbauprogramms und zur Verstaatlichung der Industrie, des Bodens   und der Banken unter demokratischer Kontrolle und Gesch&#228;ftsf&#252;hrung der   Besch&#228;ftigten aufstellen, dann k&#246;nnen sie rasch zu einer einflussreichen   Kraft werden. Es ist sowohl eine Massenpartei n&#246;tig, die wirklich die   Interessen der ArbeiterInnen und all jener vertritt, die vom   Kapitalismus ausgebeutet werden, als auch ein sozialistisches Programm,   das die soziale Revolution weiterf&#252;hrt und sie auf internationale Ebene   ausweitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die sogenannte Erfolgsgeschichte der Wahlen verschleiert die wachsende<br \/>\n      Wut von unten\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14531"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14531"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14531\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14531"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14531"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14531"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}