{"id":14530,"date":"2011-11-03T00:00:00","date_gmt":"2011-11-02T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=14530"},"modified":"2012-06-24T16:34:00","modified_gmt":"2012-06-24T14:34:00","slug":"14530","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/11\/14530\/","title":{"rendered":"Verstaatlichung der Stahlproduktion unter Arbeiterkontrolle!"},"content":{"rendered":"<p>  ArcelorMittal will die Fl&#252;ssigstahlproduktion in L&#252;ttich (Belgien)   endg&#252;ltig schlie&#223;en<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Es kam wie aus heiteren Himmel: ArcelorMital k&#252;ndigte k&#252;rzlich die   endg&#252;ltige Schlie&#223;ung der Fl&#252;ssigstahlproduktion in L&#252;ttich an.   Jahrelang wurden die Arbeiter zwischen Versprechungen und Entt&#228;uschungen   hin und her gerissen. Jetzt droht ihnen ihnen der Verlust ihrer   Arbeitspl&#228;tze. Es geht um beinah 1000 Jobs (581 feste Stellen und 400   Zeitarbeiterstellen), die direkt betroffen sind, dar&#252;ber hinaus soll es   noch einige mehr auf indirekte weise treffen. Aber auch die Zukunft der   &quot;kalten Phase&quot; des l&#252;tticher Standortes ist unsicher. Wie k&#246;nnen wir die   Arbeitspl&#228;tze retten?<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Nicolas Croes, CWI Belgien<\/i><\/h4>\n<p>  Seit der Pleite von Forges de Clabeq 1997 haben die Metallarbeiter immer   wider geh&#246;rt geh&#246;rt, dass die Stahlproduktion in Belgien keine Zukunft   hat. Der Refrain wurde in den letzten 10 Jahren systematisch Benutzt, um   den Arbeitern Zugest&#228;ndnisse in Form von bspw. mehr Flexibilit&#228;t   abzuringen und seit 2009 einen Lohnstopp durchzusetzen. Das einzige was   damit jedoch gesichert wurde, waren die Gewinne des Konzerns.<\/p>\n<p>  Mit dem gleichen Argument Arbeitspl&#228;tze zu sichern, wurden   Steuervorteile gew&#228;hrt, darunter der ber&#252;hmte Eigenkapital-Zinsabzug   (Steuerverg&#252;nstigungen bei Investitionen mit Eigenkapital besser bekannt   unter den franz&#246;sischen Begriff &quot;Int&#233;r&#234;ts notionnels&quot;), wodurch der   Gesellschaft riesige Summen an Steuergeldern entgehen. Der offizielle   Steuersatz in Belgien betr&#228;gt 33,99%. Der Finanzbereich von   ArcelorMittal (ArcelorMittal Finance and Services Belgium) machte im   letzten Jahr 1,394 Mrd. &#8364; Gewinn, aber bezahlte daf&#252;r keinen einzigen   Cent Steuern. Im selben Jahr machte ArcelorMittal Belgium, der   industrielle Zweig des Unternehmens 59 Mio. Gewinn. und zahlte daf&#252;r   gerade mal 42.000 &#8364; Steuern. ArcelorMittal Upstream, dessen Schlie&#223;ung   angek&#252;ndigt wurde, machte 35 Mio. &#8364; Gewinn und zahlte darauf ganze 936 &#8364;   Steuern. Die Steuervorteile sollten den Arbeitspl&#228;tzen zugute kommen,   sie haben aber keinen einzigen gerettet!<\/p>\n<h4>  Verstaatlichen?<\/h4>\n<p>  Die vereinte Gewerkschaftsfront bei ArcelorMittal hat offiziell bei   Regierungsbildner di Rupo angefragt, die l&#252;tticher Stahlproduktion zu   verstaatlichen. Die Regierung hat immerhin geschafft innerhalb eines   Wochenendes 4 Mrd. &#8364; f&#252;r Dexia aufzutreiben, um Spekulanten und   Anteilseigner der Bank zu retten, warum sollten sie dann keine Milliarde   finden, um die warme Phase in L&#252;ttich zu retten? Didier Van Caillie,   Professor f&#252;r Betriebswirtschaft an der L&#252;tticher Universit&#228;t, sieht   darin &#8222;eine Idee, die zumindest untersucht werden muss.&#8220; Er betont   jedoch, dass eine Verstaatlichung nur &#8222;vor&#252;bergehend&#8220; sein m&#252;sste und   die Stahlproduktion schnellstm&#246;glich wieder in private H&#228;nde &#252;bertragen   werden muss.<\/p>\n<p>  &#196;hnlich h&#246;rt sich die Argumentation von verschiedenen   Gewerkschaftsf&#252;hrern an. Fabrice Jacquemart von der FBTB M&#233;tal   Luik-Luxemburg : &#8222;Unserer Ansicht nach, sollten wir zur&#252;ck zu der   Situation, die wir 1980 &#8211; 1990 hatten, vor dem Verkauf an Usinor. Das   bedeutet, eine starke Einflussnahme der wallonischen Regierung bis ein   neuer Unternehmer gefunden wird der den Betrieb &#252;bernimmt.&#8220; Der   wallonische Wirtschaftsminister Jean-Claude Marcourt (PS) &#8211; der sich   einst ohne ironischen Unterton, Anti-Kapitalist nannte &#8211; hat ganz   schnell erkl&#228;rt, dass das unm&#246;glich sei, weil das nicht die Aufgabe der   wallonischen Regierung ist und au&#223;erdem verbietet das die Europ&#228;ische   Union. In seinem Kabinett verteidigt man die Ansicht, dass nur die   &#220;bernahme durch ein anderes Unternehmen die &#8222;warme Phase&#8220; in L&#252;ttich   retten kann. Dazu m&#252;sste aber ArcelorMittal bereit sein, auch die   Produktionsmittel zu verkaufen, was alles andere als sicher ist.<\/p>\n<p>  Die Richtlinien sind offensichtlich etwas dehnbarer, wenn es um die   Interessen der Bosse und Banken geht. Als 2008 mehrere Banken in   Schwierigkeiten gerieten und verstaatlicht wurden, war da keine   Europ&#228;ische Union, die etwas dagegen hatte, dass die Mitgliedsstaaten   Banken verstaatlichen. Hier ging es um die Rettung der B&#228;nker. Jetzt, wo   es um die Rettung von Arbeitspl&#228;tzen geht, ist eine Verstaatlichung   unm&#246;glich. Wenn die Stahlproduktion verstaatlicht wird und mit der   gleichen Gewinnlogik wie die SNCB gef&#252;hrt wird, dann m&#252;ssen wir doch   einige Fragezeichen dahinter stellen. Wir verstehen unter   Verstaatlichung etwas anderes&#8230;.<\/p>\n<h4>  Jobs und nicht Gewinne retten<\/h4>\n<p>  Gibt man sich in die H&#228;nde eines potentiellen K&#228;ufers, dann werden die   Arbeitspl&#228;tze wieder den Profitinteressen der Privatwirtschaft   &#252;berlassen. Es geht hier nicht nur um die direkten Arbeitspl&#228;tze,   sondern auch um die der Subunternehmer, die Gemeinden (in Seraing kommen   5 Mio. &#8364; von einem Gesamthaushalt von 90 Mio. &#8364; von ArcelorMittal,   Oupeye bekommt 3,7 Mio. &#8364;) und den &#246;ffentliche Dienst. Der Bahnhof von   Kirnkempois wird zu 70% von AcelorMittal benutzt. Auch wenn die   Schlie&#223;ung der Fl&#252;ssigstahlproduktion den Bahnhof nicht unmittelbar   trifft, ist auch die Zukunft des Bahnhofs ungewiss, da auch die kalte   Phase zur Diskussion steht.<\/p>\n<p>  Ein so bedeutender Industriezweig wie die Stahlproduktion darf nicht den   Privaten &#252;berlassen werden. Das f&#252;hrt nur zu sozialen Dramen. Die   Jugendarbeitslosigkeit in Seraing betr&#228;gt jetzt schon 35%&#8230;. Mehrere   &#214;konomen best&#228;tigen, dass die durch die Schlie&#223;ung zu erwartenden   Auswirkungen auf die Region die &#220;bernahme der Produktionsmittel durch   die Regierung rechtfertigt. Aber warum sollte die Regierung etwas f&#252;r   diesen Betrieb bezahlen? Die Gemeinschaft ist durch die Stahlindustrie   jetzt schon genug ausgeraubt worden. Zus&#228;tzlich zu den Steuergeschenken,   werden noch &quot;zig Millionen f&#252;r die CO2 Quote bezahle, die wallonische   Regierung gab 20 Mio. &#8364; f&#252;r Forschung f&#252;r ArcelorMittal aus. Anstelle   f&#252;r die Produktionsmittel zu bezahlen, sollten wir dieses Geld   zur&#252;ckfordern.<\/p>\n<p>  Auf der ganzen Welt gibt es Aktionen von Arbeitern und Jugendlichen   gegen das nur am Profit interessierte System. Sie besetzen Pl&#228;tze und   f&#252;hren dort regelm&#228;&#223;ig unabh&#228;ngige und f&#252;r alle offen stehende und   Versammlungen durch in denen sie ihre Aktionen planen und steuern. Wir   m&#252;ssen f&#252;r die Verstaatlichung der gesamten Stahlindustrie k&#228;mpfen, ohne   Entsch&#228;digung f&#252;r ArcelorMittal und unter demokratischer Kontrolle der   Arbeiter und der Gemeinschaft. Die Metallarbeiter kennen ihren Betrieb   durch und durch und sind gemeinsam f&#228;hig deren Leitung zu &#252;bernehmen.   Warum nicht einen ersten Schritt in diese Richtung tun und die Fabrik   besetzen, demokratische Streikkomitees aufstellen und regelm&#228;&#223;ig   allgemeine f&#252;r alle offene Versammlungen durchf&#252;hren? So wird aus der   Besetzung von Pl&#228;tzen die Besetzung von Arbeitspl&#228;tzen und die   Produktionsmitteln in die H&#228;nde der Arbeiter und Gemeinschaft &#252;berf&#252;hrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      ArcelorMittal will die Fl&#252;ssigstahlproduktion in L&#252;ttich (Belgien)<br \/>\n      endg&#252;ltig schlie&#223;en\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,126,46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14530"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14530"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14530\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14530"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14530"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14530"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}