{"id":14528,"date":"2011-11-02T00:00:00","date_gmt":"2011-11-02T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14528"},"modified":"2011-11-02T00:00:00","modified_gmt":"2011-11-02T00:00:00","slug":"14528","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/11\/14528\/","title":{"rendered":"Thessaloniki: Der Nationalfeiertag am 28. Oktober &#8230;mit &#220;berraschungen!"},"content":{"rendered":"<p>  Weitere Prosteste in Griechenland<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Gerade eine Woche war es her, dass die griechische Bev&#246;lkerung mit   dem massenhaftesten 48-st&#252;ndigen Generalstreik und mit   Massendemonstrationen mit nach Gewerkschaftsangaben 500.000 Menschen in   ganz Griechenland und 200.000 allein in Athen, mit dem massenhaftesten   Protest zumindest seit der Schuldenkrise oder gar seit 30 Jahren gegen   die Politik der sozialdemokratischen Regierung unter Jorgos Papandreou   demonstriert hat. (Griechenland hat 11 Mio. Einwohner.) Trotz gewisser   Differenzierungen richtet sich die Volksbewegung gegen die Parteien des   Establishments, gegen dessen drei, im Parlament vertretene Parteien: Die   sozialdemokratische PASOK, die konservative &#8222;Neue Demokratie&#8220; (ND) und   die rechtspopulistische ausl&#228;nderfeindliche Partei LAOS.<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Ilektra Kleitsa, von der Webseite von &#8222;Xekinima&#8220;, der   Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Griechenland, vom   28. Oktober 2011<\/i><\/p>\n<p>  Gerade eine Woche danach wollten die etablierten Parteien den   Nationalfeiertag vom 28. Oktober feierlich begehen. Dieser   Nationalfeiertag erinnert an den 28. Oktober 1940, als das faschistische   Italien unter Mussolini dem von dem faschistischen General und   Putschisten von 1936 Jannis Metaxas regierten Griechenland das Ultimatum   stellte, Grenzgebiete zu dem von Italien beherrschten Albanien mit   milit&#228;rischen Befestigungen abzutreten. Ansonsten w&#252;rde Italien in   Griechenland einmarschieren. Der genannte griechische Diktator antwortet   mit &#8222;Nein&#8220;, auf Griechisch &#8222;Ochi&#8220;, und es begann ein regelrechter   Volkskrieg der Griechen gegen die italienischen Eindringlinge, die weit   nach Albanien hinein zur&#252;ckgerieben wurden. Dieser Krieg hatte von der   griechischen Bev&#246;lkerung her trotz des faschistischen Regierungschefs   einen antifaschistischen Charakter und auch viele Antifaschisten, sogar   aus Gefangenenlagern des Regimes heraus, meldeten sich freiwillig an die   Front. Nach der italienischen Niederlage marschierte 1941   Hitlerdeutschland in Griechenland ein und das Land wurde in   Besatzungszonen der Deutschen, Italiener und Bulgaren aufgeteilt. Auch   die politische Linke begeht diesen Tag, nat&#252;rlich in antifaschistischem   Sinne, wogegen er von etablierten Kr&#228;ften und vom Staat als Tag der   nationalen Einheit mit dem &#252;blichen Pomp von Milit&#228;r- und uniformierten   Sch&#252;lerparaden zelebriert wird. (Vorbemerkung des &#220;bers.)<\/p>\n<p>  Die diesj&#228;hrigen Feierlichkeiten anl&#228;sslich des Nationalfeiertages am   28. Oktober bargen f&#252;r die Regierung eine Menge &#220;berraschungen: Absage   der Milit&#228;rparade in Thessaloniki, ein Hagel von Eiern auf die Trib&#252;ne   der Offiziellen in Patras, eine ungeordnete Flucht von Ministern,   Staatssekret&#228;ren, B&#252;rgermeistern, doch auch des Pr&#228;sidenten der Republik   (des Sozialdemokraten Papoulias, Anm. d. &#220;bers.), massenhafte   Versammlungen von Arbeitnehmern, gewerkschaftlichen Basisgliederungen   und Organisationen der Linken, die die Repr&#228;sentanten des Systems dazu   brachten, nach Verstecken zu suchen anstatt patriotische Reden &#252;ber die   Notwendigkeit der &#8222;Einigkeit&#8220; des griechischen Volkes in dieser &#8222;f&#252;r das   Vaterland kritischen Zeit&#8220; zu halten.<\/p>\n<p>  All das Obige beweist auf lauteste Weise das, was sowieso in der letzten   Zeit immer offensichtlicher Wird: Die griechische Gesellschaft ist ein   Kessel, der nicht einfach kocht, sondern begonnen hat, vor Zorn und Wut   &#252;berzulaufen. Es beweist auch die Angst der (PASOK-)Regierung, der ND,   von LAOS und der Massenmedien, die sich beeilten, ohne Umschweife die   &#8222;Besch&#228;digung&#8220; des Nationalfeiertages zu verurteilen und uns   gleichzeitig auch noch &#8230; Geschichtsunterricht zu erteilen!<\/p>\n<h4>  Boutaris und Venizelos<\/h4>\n<p>  Dem B&#252;rgermeister von Thessaloniki Boutaris nach waren die Proteste   w&#228;hrend der Parade ein &#8222;nicht zu akzeptierendes und unerh&#246;rtes Ereignis&#8220;   von &#8222;einer kleinen Handvoll&#8220; von Demonstranten &#8211; als ob nicht ganz   Griechenland die Aufnahmen mit den &#228;u&#223;erst massenhaften Versammlungen in   Thessaloniki gesehen h&#228;tte. &#220;ber die Demonstranten sagte er sogar, sie   versuchten, die &#8222;Diktatur der Minderheit&#8220; aufzuzwingen.<\/p>\n<p>  Was Herrn Venizelos (den Finanzminister, Anm. d. &#220;bers.) angeht, so   waren die &#8222;Zwischenf&#228;lle&#8220; das Werk dunkler Partei- und   gewerkschaftlicher Zentren, die isoliert seien von der wirklichen   Stimmung der Gesellschaft, mit der nat&#252;rlich er selbst und seine   Regierung nicht die geringste Beziehung haben:<\/p>\n<p>  &#8222;Diejenigen, die heute, am Nationalfeiertag, ihre kleinen Partei- und   Gewerkschaftsfahnen gehisst, eine Spitzenveranstaltung zur Ehrerweisung   gegen&#252;ber der Geschichte des Landes besch&#228;digt, und den Pr&#228;sidenten der   Republik beleidigt haben, dr&#252;cken nicht &#8211; denn weder k&#246;nnen, noch wollen   sie dies &#8211; die wirkliche Gesinnung und W&#252;rde des griechischen Volkes   aus.&#8220;<\/p>\n<p>  Die wirkliche Gesinnung und W&#252;rde des Volkes dr&#252;ckt so also wer aus? &#8230;   Venizelos!<\/p>\n<h4>  Ein Konzert von ND und LAOS<\/h4>\n<p>  Das tats&#228;chliche Konzert jedoch gaben Funktion&#228;re von ND und LAOS.<\/p>\n<p>  Der Frau Pipili von der ND nach &#8211; dies &#228;u&#223;erte sie in dem   au&#223;erordentlichen Nachrichtenbulletin des Senders Mega &#8211; verwechseln die   Sch&#252;ler (die keine B&#252;cher und keine Lehrer &#8230; haben), den 28. Oktober mit   dem 25. M&#228;rz. (Letzterer ist der andere, &#228;ltere griechische   Nationalfeiertag. Er erinnert an den Beginn des Freiheitskrieges gegen   die t&#252;rkische Herrschaft im Jahre 1821, aus dem 1830 der unabh&#228;ngige   griechische Nationalstaat der Neuzeit entstand, Anm. d. &#220;bers.) Und all   das bei den j&#252;ngsten nationalen Erfolgen bei Sportveranstaltungen.<\/p>\n<p>  Gl&#252;cklicherweise wei&#223; sie selbst sehr gut, welche die Botschaft des   nationalen Jahrestages ist, denn direkt bevor sie dies sagte, ermunterte   sie uns, &#8222;das NEIN des griechischen Volkes und des damaligen   Ministerpr&#228;sidenten Metaxas&#8220; zu ehren!!! Offensichtlich &#8222;verwechselt&#8220;   die &#8222;gebildete&#8220; Pipili den Diktator und Putschisten mit einem gew&#228;hlten   Ministerpr&#228;sidenten.<\/p>\n<p>  In einem entsprechenden Klima informierte uns A. Plevris von LAOS,   nachdem er ebenfalls die heroische Haltung des damaligen &#8222;Regierenden&#8220;   erw&#228;hnte, dass es unvorstellbar sei, dass die griechische Regierung   nicht den Erfolg der Milit&#228;rparade sicherstellen kann, w&#228;hrend A.   Georgiadis etwas sp&#228;ter erg&#228;nzte, dass die Regierung &#8222;die Kontrolle des   Staates verloren hat&#8220; und dass &#8222;sie die Gesetze nicht umsetzen kann.&#8220;<\/p>\n<p>  Es ist offensichtlich, dass es LAOS vorzieht, in ihrer eigenen   Zauberwelt zu leben, die aus Milit&#228;rparaden, Dankgottesdiensten,   nationalen Feiern und Ehrenbezeigungen f&#252;r das Phantom Metaxas besteht.   Wir haben sogar von dem Vorsitzenden der Partei (Karatzaferis, Anm. d.   &#220;bers.) erfahren, dass die Demonstrationen im Verlauf der   Feierlichkeiten des nationalen Jahrestages ein organisierter Versuch war   von &#8222;Gruppen, die die Abschaffung der Paraden anstreben.&#8220; Was die   offizielle Erkl&#228;rung der Partei angeht, so erw&#228;hnt sie eine   Ersch&#252;tterung von Gesetz und Ordnung und erkl&#228;rt, dass die Polizei h&#228;tte   einschreiten m&#252;ssen, um die &#8222;Gesetzm&#228;&#223;igkeit&#8220; sicherzustellen:   &#8222;Offensichtlich hat Herr Papoutsis im Ministerium zum Schutzes des   B&#252;rgers nichts zu suchen seit dem Moment, wo er die harmonische   Durchf&#252;hrung der Paraden nicht besch&#252;tzen konnte.&#8220;<\/p>\n<h4>  Und Manolis Glezos<\/h4>\n<p>  Wenn alle oben erw&#228;hnten Herren glauben, dass die zornigen   Demonstranten, die Arbeitnehmer mit einem Einkommen von 300, 400 und 500   &#8364;, die Entlassenen, die Zeitarbeiter, die Sch&#252;ler, die Arbeitslosen, die   die Stra&#223;en von Thessaloniki, Patras und anderer gro&#223;er St&#228;dte   &#252;berflutet haben, nationale Verr&#228;ter sind, deren Ziel es ist, die   patriotische Gesinnung der Griechen zu zerst&#246;ren, dann haben sie   wirklich keinen Kontakt mit der Wirklichkeit, die die griechische   Gesellschaft erlebt.<\/p>\n<p>  Die Wirklichkeit der vollst&#228;ndigen Vernichtung ihres Lebensstandards,   die Ausl&#246;schung ihrer Rechte und Errungenschaften, die   Hoffnungslosigkeit und die Unsicherheit hinsichtlich der Zukunft, doch   auch den gewaltigen Zorn auf Alle, die f&#252;r den heutigen Zustand   verantwortlich sind.<\/p>\n<p>  Deshalb meinen wir auch, dass die n&#252;tzlichsten Kommentare, die man vom   heutigen Tag festhalten kann, die von Manolis Glezos sind (Manolis   Glezos ist der &#8211; inzwischen hochbetagte &#8211; bekannteste Widerstandsk&#228;mpfer   gegen die deutsche Besatzung Griechenlands (1941-1944), der die von den   Deutschen auf der Akropolis gehisste Hakenkreuzfahne nachts gemeinsam   mit einem Gef&#228;hrten herunterriss und damit ein Fanal zum   Widerstandskampf setzte. Er hat immer unersch&#252;tterlich seine linke   politische &#220;berzeugung bewahrt. Anm. d. &#220;bers.):<\/p>\n<p>  &#8222;Heute wurde der wirkliche Sinn des 28. Oktober wiederhergestellt! Vor   71 Jahren hat unser Volk NEIN gesagt, wie es das auch heute getan hat.&#8220;<\/p>\n<p>  Manolis Glezos wei&#223; doch wohl etwas mehr von &#8222;Gesinnung&#8220; als Venizelos   und als Adoni&#8230;<\/p>\n<p>  <i>&#220;bersetzung aus dem Neugriechischen von Hubert Sch&#246;nthaler<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Weitere Prosteste in Griechenland\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[44],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14528"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14528"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14528\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14528"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14528"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14528"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}