{"id":14527,"date":"2011-11-05T00:00:00","date_gmt":"2011-11-05T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14527"},"modified":"2011-11-05T00:00:00","modified_gmt":"2011-11-05T00:00:00","slug":"14527","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/11\/14527\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir haben die Fragen, ihr die Antworten&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  &#8211; Woher kommt der Piratenhype?<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Sie holten bei den Abgeordnetenhauswahlen in Berlin spektakul&#228;re   8,9%, laut Umfragen k&#246;nnten sie bundesweit auf zehn Prozent kommen. Auch   wenn ein Teil der W&#228;hlerInnen tats&#228;chlich jung und internetbeflissen   ist, erkl&#228;rt das allein noch nicht hinreichend den pl&#246;tzlichen Aufstieg   der Piraten. Was ist da los, und was ist dran an den Piraten?<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Anna Shadrova, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  In den Medien werden sie zu &#8222;Senkrechtstartern&#8220; und &#8222;neuen Politstars&#8220;   stilisiert. Mit ihrem jugendlich-naiven Auftreten f&#252;r pers&#246;nliche   (Netz-)freiheit und einer Reihe sozialer Forderungen, die eigentlich die   LINKE besetzen sollte, fangen sie gr&#252;ne und LINKE-Stimmen ab; Mit ihrer   Besinnung auf liberale Grundwerte sprechen sie auch W&#228;hlerInnen der   untergegangenen FDP an. Seit der Berliner Wahl nehmen die Piraten   w&#246;chentlich im Schnitt 1000 Neumitglieder auf. Sie sind jung, dynamisch,   demokratisch und engagiert, sie verstehen das Internet und sie tun nicht   so, als h&#228;tten sie Antworten, wo es keine gibt &#8211; oder? Sicherlich werden   die Piraten von einer breiten Schicht ihrer W&#228;hlerInnen als das   allerkleinste &#220;bel wahrgenommen, oder als diejenigen, die am wenigsten   Schaden anrichten k&#246;nnen (allein, weil sie ehrlich und ahnungslos wirken   und noch keine starken Bande der Korruption entwickeln konnten).<\/p>\n<h4>  Ein Potential links von der LINKEN? Sind die Piraten &#252;berhaupt links?<\/h4>\n<p>  Die Piraten verorten sich selbst nicht einheitlich, obwohl einzelne   Sprecher zunehmend von einer &#8222;Mitte-Links&#8220;-Verortung reden. Sie grenzen   sich nicht klar nach rechts ab: So wurde vor Kurzem bekannt, dass zwei   Vorstandsmitglieder der Piratenpartei aus Bayern und   Mecklenburg-Vorpommern wenige Jahre zuvor f&#252;hrende NPD-Mitglieder waren.   Sie wurden erst jetzt durch das Interesse der Presse an den Piraten   aufgefordert, ihren politischen Hintergrund zu erkl&#228;ren. Sicherlich kann   JedeR Fehler einsehen und seine politischen Positionen &#252;berdenken und   grundlegend ver&#228;ndern. Wer aber im Vorstand einer rassistischen Partei   sitzt und zwei Jahre sp&#228;ter behauptet, das sei nie seine Absicht   gewesen, erscheint unglaubw&#252;rdig. Bei den Piraten scheint das &#252;ber   l&#228;ngere Zeit keine Fragen aufgeworfen zu haben, was eine Offenheit nach   rechts zumindest nicht ausschlie&#223;t.<\/p>\n<p>  Allerdings ist die Piratenpartei bundesweit nicht einheitlich. Die   Berliner Piraten beziehen in ihrem Wahlprogramm Stellung zu   Migrationspolitik und Asylrecht, fordern eine Abschaffung der   Residenzpflicht, Abschiebestopp und Wahlrecht f&#252;r alle, die ihren   Lebensmittelpunkt in Berlin haben. Im bundesweiten Programmwiki hingegen   finden sich dazu keine Punkte.<\/p>\n<p>  So oder so sammelt die Piratenpartei ohne Zweifel (linke)   Proteststimmen. Sie tritt gegen Diskriminierung auf Grundlage von   Geschlecht oder sexueller Orientierung ein, f&#252;r kostenlosen &#246;ffentlichen   Nahverkehr und bessere Bildungschancen. Sie will eine Welt, in der JedeR   die Freiheit hat, sich nach eigenen Interessen und F&#228;higkeiten zu   entwickeln, ohne dabei an Geldfragen gebunden zu sein. Das sind   potentiell linke Forderungen &#8211; potentiell, weil die Piraten in ihrem   Programm nur Grunds&#228;tze und keine konkreten Handlungs- oder   Finanzierungsvorschl&#228;ge machen und ihr Programm weit auslegbar ist.   Dort, wo sie konkrete Vorschl&#228;ge machen, wie bei der Finanzierung von   &#8222;kostenlosem&#8220; &#246;ffentlichem Nahverkehr, kommt man eher ins Schlucken:   Durch eine Kommunalabgabe w&#252;rden sogar noch mehr Leute zur Kasse gebeten   werden, der Nahverkehr w&#228;re nicht kostenlos, und die Umlage w&#252;rde   AutofahrerInnen und Menschen, die den &#214;PNV aus Kostengr&#252;nden nicht   nutzen, sogar zus&#228;tzlich zum Zahlen zwingen. Dennoch dr&#252;ckt die positive   Reaktion auf die Piratenpartei eine Zustimmung zu linken Grundideen aus.<\/p>\n<h4>  Idealismus vs. Materialismus<\/h4>\n<p>  Die Piraten legen gro&#223;en Wert auf Individualit&#228;t, Selbstentfaltung,   Freiheit, Vernunft und Chancengleichheit. Diese Grunds&#228;tze sind durch   und durch idealistisch. Der philosophische Idealismus geht davon aus,   dass die Wahrnehmung, und auch die Ver&#228;nderung, der Welt im Geist   beginnt: Eine gute Gesellschaft beginnt beim Einzelnen, durch gutes   Verhalten, geleitet von moralisch hochwertigen Prinzipien wie Vernunft   und G&#252;te. Das vern&#252;nftige Individuum ist der Ausgangspunkt allen   Handelns, in der Erweiterung entsteht eine funktionierende Gesellschaft,   wenn sich alle an die idealen Prinzipien halten. Gesetze d&#252;rfen   Ma&#223;losigkeit, aber nicht pers&#246;nliche Freiheit einschr&#228;nken &#8211; der   &#8222;informierte B&#252;rger&#8220; steht im Zentrum. Die Umgebung ist so zu schaffen,   dass der Einzelne die M&#246;glichkeit hat, geh&#246;rt zu werden.<\/p>\n<p>  Dem gegen&#252;ber steht das Konzept des Materialismus, das oft falsch   verstanden (und vermittelt) wird als Gier oder Konsumabh&#228;ngigkeit. Der   philosophische Materialismus geht davon aus, dass die materiellen   Bedingungen in engerem und weiterem Sinn &#8211; wie viel Geld steht mir zur   Verf&#252;gung, wie viele B&#252;cher hat meine Familie, aber auch: welche   Stellung nehme ich im Produktionsprozess ein, &#252;ber welche Technologien   verf&#252;gt meine Generation und so weiter &#8211; entscheidend sind f&#252;r die   meisten Entwicklungen der Gesellschaft. Das bedeutet, dass jemand, der   unter schlechteren materiellen Bedingungen aufw&#228;chst, im Schnitt   schlechtere M&#246;glichkeiten haben wird, auch wenn er oder sie sich   anstrengt und sich gut informiert. Gesellschaft setzt sich hier nicht   aus den Gedanken und Ideen Einzelner zusammen, sondern wird bestimmt von   den wirtschaftlichen und technischen M&#246;glichkeiten. Individueller   Ausdruck ist immer, bewusst oder unbewusst, auch Ausdruck der   materiellen Grundlagen des eigenen Daseins. Gesellschaft kann schwer   durch Ideen, aber leicht durch Ver&#228;nderung der materiellen Grundlagen   ver&#228;ndert werden.<\/p>\n<p>  Das Konzept des Idealismus wird von B&#252;rgerlichen als erstrebenswert,   wenngleich etwas naiv, propagiert. In Wahrheit verschleiert es   bestehende Widerspr&#252;che, denn Chancengleichheit ist eine Illusion,   solange nicht alle Zugang zu denselben Quellen von Wissen, Macht oder   Reichtum haben. Dazu z&#228;hlen auch kulturelle Aspekte wie der Habitus &#8211;   das gesamte soziale Sein einer Gruppe von Menschen (nach Bourdieu) &#8211; der   auf materiell-kultureller Grundlage entsteht und nicht oder nur schwer   individuell abgelegt werden kann und ein Grund daf&#252;r ist, dass   abgestiegene B&#252;rgerliche bessere (Wieder-)Aufstiegschancen haben als   Arbeiterkinder.<\/p>\n<h4>  Zwei Klassen<\/h4>\n<p>  Die materiellen Bedingungen der Menschen sind ungleich, weil es in der   Gesellschaft im Wesentlichen zwei Klassen gibt &#8211; die herrschende Klasse,   die Produktionsmittel und Kapital besitzt, und die Arbeiterklasse.   Letztere besteht aus denen, die arbeiten m&#252;ssen, um zu &#252;berleben, und im   weiteren Sinne aus Arbeitslosen, den meisten Sch&#252;lerInnen, RentnerInnen   und vielen Studierenden. Die Arbeiterklasse kann nicht frei sein, weil   sie von der Kapitalistenklasse abh&#228;ngig ist, solange ihr nicht die   Produktionsmittel geh&#246;ren. Zum Beispiel kann sie im Gegensatz zur   Kapitalistenklasse nicht dar&#252;ber entscheiden, wovon wieviel und zu   welchen Bedingungen produziert wird. Diese Unfreiheit gilt auch f&#252;r   h&#246;herbezahlte FacharbeiterInnen oder DienstleisterInnen, selbst wenn   diese nicht in die klassische Vorstellung vom Proletariat passen. Die   Unterteilung in Klassen ist sinnvoll, weil sie erkl&#228;rt, warum bei allem   guten Willen nicht &#8222;vern&#252;nftig&#8220; oder &#8222;im Sinne von Allen&#8220; gehandelt   wird. Kapitalisten haben ein Interesse daran, dass profitorientiert   gehandelt wird, und nicht im Sinne &#8222;von Allen&#8220; &#8211; Dass Politik nicht   verbindlich durch Mehrheitsentscheidungen durch die Bev&#246;lkerung   betrieben wird, liegt nicht so sehr an den etablierten Parteien. Es   liegt daran, dass Kapitalisten kein Interesse daran haben, dass ihre   Projekte (S21, Spreemedia, A100&#8230;) von der Bev&#246;lkerung gestoppt werden.   Sie haben auch ein Interesse daran, die Spaltung in der Bev&#246;lkerung   durch nationale Grenzen aufrecht zu erhalten, sei es durch rassistische   Gesetze oder durch Medienhetze gegen MigrantInnen.<\/p>\n<p>  Der un&#252;berbr&#252;ckbare Gegensatz ist materiell, nicht ideologisch: Alles   Kapital stammt urspr&#252;nglich daraus, dass der Gesellschaft der   Arbeitenden nicht der gesamte geschaffene Wert ihrer Arbeit (ausgedr&#252;ckt   in Geld) ausgezahlt wurde, sondern die Kapitalistenklasse einen Anteil   als Profit behalten hat. Dieser Anteil kann unterschiedlich   weiterentwickelt werden &#8211; durch Investitionen in neue Technologien,   Erweiterung der eigenen Best&#228;nde, Finanzspekulation, Konsum etc. In   jedem Fall gibt der Profit den Kapitalisten M&#246;glichkeiten, die die   Arbeiterklasse nicht hat. Die Kapitalistenklasse hat ein Interesse   daran, m&#246;glichst wenig Geld an die Arbeiterklasse abzugeben, die   Arbeiterklasse das gegenseitige. Dabei kommt es nicht darauf an, wie   gutherzig der einzelne Kapitalist ist, weil an dieser Stelle das   Konkurrenzprinzip greift. Ein &#8222;gesundes Gleichgewicht&#8220; zwischen den   Klassen kann es daher &#252;berhaupt nicht geben.<\/p>\n<p>  Die Piratenpartei verschleiert den Gegensatz der Interessen, indem sie   ihn nicht benennt und die Kapitalistenklasse nicht in die Verantwortung   f&#252;r bestehende Probleme zieht. Stattdessen konzentriert sie ihre Kritik   auf die etablierten Parteien und deren Vertreter &#8211; und &#252;bergeht deren   systematisches Vorgehen im Sinne der Kapitalistenklasse.<\/p>\n<h4>  Der neutrale Staat?<\/h4>\n<p>  Alle Rechte der Arbeiterklasse wurden in harten Auseinandersetzungen in   den vergangenen zweihundert Jahren erk&#228;mpft. Nie hat der b&#252;rgerliche   Staat ohne politische Notwendigkeit oder gewaltigen &#246;konomischen Druck   von sich aus Zugest&#228;ndnisse gemacht. Schon daraus wird deutlich, dass er   nie neutral war, sondern eine herrschaftserhaltende Funktion hat.<\/p>\n<p>  Die Piratenpartei verlangt eine St&#228;rkung der Judikative, der   Rechtsprechung im Staat, und vertraut darauf, dass dadurch die Freiheit   des Einzelnen gesch&#252;tzt w&#252;rde. Die Freiheit des Einzelnen ist aber auch   die Freiheit des einzelnen Kapitalisten. Sp&#228;testens an dieser Stelle   verkommt das &#8222;linke&#8220; Piratenprogamm zur neoliberalen Farce: Um die   Vorschl&#228;ge der Piraten zu finanzieren m&#252;sste man das Geld irgendwoher   holen. Zus&#228;tzliche LehrerInnen f&#252;r Klassen mit h&#246;chstens 15   Sch&#252;lerInnen, die Schaffung von Strukturen f&#252;r pers&#246;nliche Betreuung und   Information auf verschiedenen Verwaltungsebenen, Drogenaufkl&#228;rung, die   Schaffung von M&#246;glichkeiten zum Deutschlernen (alles aus dem Berliner   Wahlprogramm), das alles kostet Geld. Dass diese Angebote nicht   bestehen, ist nicht blo&#223; auf Ignoranz oder Desinteresse der kommunalen   Verwaltungen zur&#252;ckzuf&#252;hren, sondern auf deren systematische Ausbeutung   und die Umverteilung des Reichtums an die Kapitalistenklasse, zum   Beispiel durch Privatisierungen. Die Berliner Piraten sprechen sich   immerhin gegen weitere Privatisierungen aus, bieten aber keine   Vorschl&#228;ge zur Rekommunalisierung &#8211; kauft man die Betriebe zur&#252;ck? Woher   soll das Geld daf&#252;r kommen? Enteignet man die jetzigen Besitzer? In   jedem Fall wird klar: Wenn das, was wir brauchen, den anderen geh&#246;rt,   m&#252;ssen wir es zur&#252;ckholen. Das werden die nicht wollen. Wenn man das   Geld nicht von Banken und Konzernen holt, bleibt das Programm ein   sch&#246;ner, ferner Traum. Diesen Widerspruch umgeht die Partei, indem sie   einfach keine Stellung bezieht &#8211; der Staat erscheint als eine Art   Schatzkammer, dessen Reicht&#252;mer man nur sinnvoller verteilen m&#252;sste.   Damit bleibt die Piratenpartei sogar hinter der sp&#228;tsozialdemokratischen   Idee der Solidargemeinschaft, wie sie von den B&#252;rgerlichen propagiert   wird, zur&#252;ck.<\/p>\n<h4>  Chancengleichheit, Recht und pers&#246;nliche Freiheit: Kleinb&#252;rgerliche   Ideale<\/h4>\n<p>  Der oben beschriebene Widerspruch zwischen &#8222;Linkssein&#8220; und &#8222;Niemandem   etwas wegnehmen wollen&#8220; ist darauf zur&#252;ckzuf&#252;hren, dass die   Piratenpartei Ausdruck kleinb&#252;rgerlicher Ideen ist. Das Kleinb&#252;rgertum   ist eine Zwischenklasse, die materielle und ideologische Aspekte beider   Klassen vereint. Der klassische Kleinb&#252;rger ist der kleine Ladenbesitzer   oder Handwerker, der &#8222;sein eigener Chef ist&#8220;, also seine eigene   Arbeitskraft ausbeutet. Zwar besitzt er seine eigenen Produktionsmittel   und kann &#252;ber seinen Tagesablauf entscheiden, jedoch muss er arbeiten   (selbst wenn er einige wenige Angestellte hat) und verf&#252;gt nicht   ansatzweise &#252;ber die Mittel und die damit verbundenen Freiheiten des   &#8222;echten&#8220;, gr&#246;&#223;eren Kapitals. Er verkauft sich praktisch an sich selbst.   Das Kleinb&#252;rgertum ist um Aufstieg bzw. Klassenerhalt bem&#252;ht, durch die   kapitalistische Konkurrenz und die Tendenz zur Monopolisierung jedoch   stets von einem Abstieg in die Arbeiterklasse bedroht. Heute geh&#246;ren zum   Kleinb&#252;rgertum auch viele Selbstst&#228;ndige und Menschen, die so viel   verdienen, dass sie sich f&#252;r eine Zeit vom Zwang, ihre Arbeitskraft zu   verkaufen, befreien k&#246;nnen. Genau zu fassen ist das Kleinb&#252;rgertum   aufgrund seiner schwankenden Position und der stark ausgepr&#228;gten   Ideologie, die auch Teile der Arbeiterklasse umfasst, nicht so leicht.   Die starke Betonung von Individualit&#228;t und pers&#246;nlicher Freiheit ist im   materiellen Status des Kleinb&#252;rgers verwurzelt, der hofft, sich durch   Engagement, spezielles K&#246;nnen oder Wissen gemessen an seinen   gesellschaftlichen M&#246;glichkeiten oben halten zu k&#246;nnen oder noch weiter   aufzusteigen. Die Tellerw&#228;scher-Million&#228;rs-Idee ist der klassisch   kleinb&#252;rgerliche Aufstiegstraum. Gerade die Unis, und insbesondere die   Geisteswissenschaften, sind historisch eine Quelle kleinb&#252;rgerlicher   Ideologie &#8211; akademische Bildung steht f&#252;r Aufstieg, aber auch gerade die   Lehrenden sind beeinflusst von der Tatsache, f&#252;r kluge Gedanken und   Selbstentfaltung vom gesellschaftlichen Produktionsprozess freigestellt   zu sein, weil sie f&#252;r wichtig genug befunden werden. Es ist daher nicht   verwunderlich, wenn gerade StudentInnen von idealistischen,   kleinb&#252;rgerlichen Ideen angesprochen werden.<\/p>\n<h4>  Individualit&#228;t<\/h4>\n<p>  An der Individualit&#228;t als solche ist nichts einzuwenden. Dass Menschen   unterschiedliche Interessen und F&#228;higkeiten haben, ist unstrittig. Echte   Individualit&#228;t basiert jedoch auf echter Gleichheit in der Frage von   Rechten und M&#246;glichkeiten. Diese Gleichheit kann nicht unter der   Bedingung eintreten, dass eine Minderheit von Besitztenden &#252;ber eine   Mehrheit von abh&#228;ngigen Arbeitenden und deren Familien herrscht. Sie   kann nur eintreten, wenn Jede und Jeder, der oder die Lust hat, Sport,   Musik, Kunst oder Literatur zu machen, zu programmieren, Roboter oder   H&#228;user zu bauen, an Entscheidungen teilzunehmen, St&#228;dte zu entwickeln   oder am Bildungsplan mitzuarbeiten, dazu die gleiche M&#246;glichkeit, gleich   viel Zeit und keine existenziellen &#196;ngste hat, die Kraft und   Konzentration rauben. Nur dann kann das menschliche Potential Aller voll   entfaltet werden. Das ist selbst f&#252;r Deutschland im Kapitalismus   illusorisch, und f&#252;r die ganze Welt v&#246;llig undenkbar. Die herrschende   Klasse bietet F&#246;rderung f&#252;r Einzelne, aber t&#228;glich verhungern und   verdursten Menschen oder sterben an heilbaren Krankheiten, weil kein   Interesse besteht, ihre Leben zu retten. Von echter Individualit&#228;t kann   nicht einmal getr&#228;umt werden, wenn man den Kapitalismus als System   akzeptiert.<\/p>\n<h4>  Chancengleichheit<\/h4>\n<p>  Die Idee von Chancengleichheit klingt sch&#246;n, ist aber an nichts messbar.   Wann hat jemand die gleichen Chancen? Ist z.B. Konzentrationsf&#228;higkeit   oder Ausdauer eine Frage von Wollen oder eine Frage von K&#246;nnen, und sind   Wollen und K&#246;nnen &#252;berhaupt unterscheidbar? Wenn man unterschiedliche   Menschen mit unterschiedlichen materiellen, k&#246;rperlichen, geistigen,   kulturellen und sozialen M&#246;glichkeiten mit derselben Aufgabe betraut,   und ihnen gleiche Betreuung vorsetzt und sie darum bittet, das Beste   daraus zu machen, hat man noch keine Gleichheit hergestellt. Das Problem   an der &#8222;Chancengleichheit&#8220; ist die Akzeptanz des Oben und Unten in der   Gesellschaft gepaart mit der Idee, dass die eigene Zugeh&#246;rigkeit   pers&#246;nlich zu verantworten ist. Nat&#252;rlich gibt es notwendigerweise   VerliererInnen der Chancengleichheit. Damit ist sie eine nahe Verwandte   des Sozialdarwinismus (&#8222;Die Besten setzen sich durch, jedeR muss nach   Kr&#228;ften flei&#223;ig und innovativ sein. Wer nicht durchkommt war zu   schwach\/zu dumm\/zu faul und ist gerechterma&#223;en auf der Strecke   geblieben&#8220;). Dieser wiederum ist die &#220;bertragung nicht nur des   evolution&#228;ren Prozesses, der auf &#220;berlebensf&#228;higkeit fu&#223;t, sondern auch   des kapitalistischen Konkurrenzprinzips, auf die soziale Ebene. Auch das   ist eine direkte Folge des kleinb&#252;rgerlichen Bem&#252;hens um soziale und   ideologische Stabilit&#228;t, selbst die Ideen von den anderen Klassen   &#252;bernommen werden. Das Ideal des Kleinb&#252;rgertums ist eine durchl&#228;ssige   Gesellschaft, in der diejenigen aufsteigen, die individuell Gro&#223;es   leisten. Weil Aufstieg mit Besitzstandserweiterung oder zumindest   -wahrung einhergeht und nur durch pers&#246;nliche Leistung erreichbar ist,   ist jede Einschr&#228;nkung pers&#246;nlicher Freiheit &#8211; zum Beispiel durch   Enteignung und Vergesellschaftung oder das Aufb&#252;rden von Steuern &#8211;   unattraktiv f&#252;r das Kleinb&#252;rgertum. Die Einschr&#228;nkung von   Monopolisierung und Kartellbildung hingegen dient dem Schutz des   Kleinb&#252;rgertums. Mit wem sich das Kleinb&#252;rgertum politisch zusammentut,   h&#228;ngt von der spezifischen politischen Lage ab. Die Piratenpartei ist   eine eher linke kleinb&#252;rgerliche Str&#246;mung, so wie gro&#223;e Teile der Gr&#252;nen   das lange waren. Allerdings ist auch die Massenbasis des Faschismus das   Kleinb&#252;rgertum in Sorge um seine soziale Stellung. Das bedeutet nicht,   dass es nicht &#8222;ehrliche&#8220; Linke unter Kleinb&#252;rgerInnen geben kann, oder   dass das gesamte Kleinb&#252;rgertum eine einheitliche Str&#246;mung w&#228;re. Das   bedeutet auch nicht, dass der einzelne Kleinb&#252;rger nicht in der Lage   w&#228;re, sich ein eigenes politisches Bild zu machen. Dennoch sind die   eigenen Interessen pr&#228;gend f&#252;r die politische Positionierung, so dass in   der gegebenen historischen Situation bestimmte Tendenzen zu Tage treten.<\/p>\n<h4>  Piraten und ArbeiterInnen<\/h4>\n<p>  Das Verh&#228;ltnis zwischen Arbeiterklasse und Kleinb&#252;rgertum ist nicht   unver&#228;nderlich. Es gibt Momente, in denen das Kleinb&#252;rgertum B&#252;ndnisse   mit der Arbeiterklasse eingeht und deren Forderungen unterst&#252;tzt, um die   eigene Position zu verbessern (das funktioniert auch andersrum). Es gibt   andere Momente, in denen gro&#223;e Teile des Kleinb&#252;rgertums einen   arbeiterfeindlichen Kurs fahren, z.B. indem sie neoliberale Politik   unterst&#252;tzen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein B&#252;ndnis von Linken   mit der Piratenpartei unter gegebenen Umst&#228;nden Sinn macht. Eine   hypothetische M&#246;glichkeit w&#228;re, dass sich in Deutschland Teile der   #Occupy- und Emp&#246;rtenbewegungen um die Piraten herum organisieren. Eine   solche Entwicklung w&#252;rde die Piratenpartei f&#252;r breite Schichten von   radikalisierten Jugendlichen attraktiv machen, und in der Situation w&#228;re   ein B&#252;ndnis denkbar. Es ist auch m&#246;glich, dass sich breitere Schichten   von unzufriedenen Jugendlichen und auch ArbeiterInnen an den Piraten   orientieren und die Partei f&#252;r einige Zeit an politischem Gewicht   zunimmt. Das ist ein Ausdruck der Schw&#228;che der politischen Vertretung   der Arbeiterklasse &#8211; die LINKE nimmt nicht die Position ein, die sie   sollte. Sie ist keine Anlaufstelle f&#252;r das Protestpotential der   Arbeiterklasse und betreibt keine konsequente Politik in ihrem Sinne,   stattdessen tritt sie sehr parlamentsorientiert auf. Allerdings gibt es   im Moment auch nur wenige K&#228;mpfe der Arbeiterklasse. Sobald es wieder zu   mehr Auseinandersetzungen kommt, wird sich die Organisationsfrage neu   stellen. Die Piratenpartei kann die Position der notwendigen   Massenpartei der Arbeiterklasse nicht &#252;bernehmen, au&#223;er sie wird von der   Arbeiterklasse f&#252;r die Vertretung ihrer Interessen vereinnahmt und zu   einer grunds&#228;tzlich anderen Partei hin ver&#228;ndert und. Diese Perspektive   erscheint derzeit angesichts des geringen Organisationsinteresses, des   mangelnden Klassenbewusstseins und der politischen Verwirrung der   Gesellschaft unwahrscheinlich. Diese Verwirrung ist es aber gerade, die   eine lose Organisation mit geringem politischen Anpassungsdruck wie die   Piratenpartei f&#252;r eine gewisse Zeit attraktiv machen kann.<\/p>\n<h4>  Mehr Demokratie wagen?<\/h4>\n<p>  Gerade die Forderung nach B&#252;rgerbeteiligung und direkter Demokratie   wirkt ansprechend auf Viele: Endlich will mal jemand h&#246;ren, was man f&#252;r   richtig h&#228;lt. Das Gef&#252;hl, dass &#252;ber den eigenen Kopf entschieden wird,   ist im Kapitalismus allgegenw&#228;rtig, denn erstens wird &#252;ber den eigenen   Kopf hinweg entschieden, und zweitens geschieht das nach   Profitinteressen und nicht nach gesellschaftlichem oder individuellem   Bedarf, so dass der Lebensstandard weiter Teile der Bev&#246;lkerung st&#228;ndig   sinkt.<\/p>\n<p>  Die Piraten sehen das zentrale Problem darin, dass die etablierten   Parteien sich nicht daf&#252;r interessieren, was die W&#228;hlerschaft will. Auch   das ist eine verst&#228;ndliche Reaktion mit viel   Identifikationspotential.Als Gegenmittel fordern sie mehr   B&#252;rgerbeteiligung zum Beispiel durch bindende Volksabstimmungen &#252;ber   wichtige Entscheidungen. Zur Durchf&#252;hrung bieten sich ihrer Ansicht vor   Allem internetbasierte L&#246;sungen an. In den vergangenen Jahren ist anhand   von Gro&#223;projekten, Privatisierungen und K&#252;rzungspaketen immer wieder   deutlich geworden, dass nicht im Interesse der Menschen entschieden   wird, sondern dar&#252;ber hinweg. Demokratisch wird das Land von direkten   Abstimmungsmechanismen allein jedoch nicht, wenn auch der Wunsch   verst&#228;ndlich ist: Erstens sind Onlineabstimmungen nicht   f&#228;lschungssicher, au&#223;er man f&#252;hrt Kontrollmechanismen wie elektronisch   lesbare Personalausweise ein (und auch dann ist die freie Wahl nicht   gew&#228;hrleistet). Zweitens geschieht Meinungsfindung nicht objektiv und   unabh&#228;ngig, sondern wird am st&#228;rksten von denjenigen beeinflusst, die   die gr&#246;&#223;te Pr&#228;senz oder Autorit&#228;t haben und die meiste Werbung und   Aufkl&#228;rung in ihrem Sinne machen k&#246;nnen. Zwar hat das Internet einen   Beitrag zur Demokratisierung der Meinungsfindung geleistet. Trotzdem   haben b&#252;rgerliche Medien &#8211; z.B. die Zeitungswebseiten &#8211; eine h&#246;here   Autorit&#228;t gegen&#252;ber kleineren Seiten und Blogs. B&#252;rgerliche Medien   werden mit viel Geld im Interesse der Herrschenden gemacht. Wer am   lautesten schreien kann, wird am ehesten geh&#246;rt. Auch wenn die Piraten   die F&#246;rderung der internetbasierten Selbstbestimmung fordern, wird das   nicht die Macht der gro&#223;en Medien brechen. Eine Demokratisierung   erreicht man nur durch Einbeziehung in den Diskussionsprozess, nicht   durch die Einladung zur Abstimmung allein. Der Bedarf nach   Demokratisierung, den die Partei ausdr&#252;ckt, ist im Kapitalismus aber   auch nicht zu decken. Wertungsfreie Information ist nicht vor dem   Hintergrund von Kapitalinteressen denkbar. Whistleblowing allein kann   dem wenig entgegensetzen, denn es sind nicht einzelne &#8222;b&#246;se&#8220;   Kapitalisten, die Probleme durch Fehl- oder Unterinformationen oder   blanke L&#252;gen versursachen. Es ist ein System, das nicht auf   gesellschaftliche, sondern auf Profitinteressen setzt.<\/p>\n<h4>  Das Ding mit der eigenen Nase<\/h4>\n<p>  Die Struktur der Piraten ist nicht demokratischer als die jeder anderen   Partei, mit dem einzigen Unterschied, dass keine Delegierten gew&#228;hlt   werden, sondern jedes Mitglied bei Parteitagen stimmberechtigt ist. In   innerparteilichen Online-Debatten darf Jede und Jeder kommentieren und   &#8222;liken&#8220;. Dass sie darin den Inbegriff der Demokratie entdeckt haben   wollen, ist angesichts der sonstigen Satzung erstaunlich: Es ist kein   Fraktionsrecht vorgesehen, Bundesvorstandsmitglieder bleiben ein Jahr im   Amt und sind nicht zuvor abw&#228;hlbar. Ein Bundesparteitag kann nicht auf   Wunsch eines Anteils der Mitglieder einberufen werden. Mandatstr&#228;ger   erhalten keine Auflagen wie etwa Rechenschaftspflicht oder eine   Beschr&#228;nkung ihres Gehalts auf eine bestimmte Summe, was ein Abheben von   der Basis verhindern k&#246;nnte. Es d&#252;rfte den B&#252;rgerlichen im Parlament   leicht fallen, PiratInnen einzukaufen und sie von ihrer Basis zu   entfernen, denn was sie Demokratie nennen ist bestenfalls Transparenz   durch nachtr&#228;gliche Dokumentation &#8211; aber selbst dann h&#228;tte der einzelne   Pirat vier oder f&#252;nf Jahre pro Legislaturperiode Zeit, (transparente)   Entscheidungen gegen den Willen seiner W&#228;hlerschaft zu f&#228;llen, zumal   Videoschaltungen und Onlineabstimmungen bei Parlamentssitzungen   rechtlich ausgeschlossen sind.<\/p>\n<h4>  Politik wird immer noch auf der Stra&#223;e gemacht<\/h4>\n<p>  Was die Piratenpartei nicht versteht ist die Welt au&#223;erhalb des   Internets. Politik ist ein Machtkampf zwischen verschiedenen Interessen,   nicht der Versuch, die Gesellschaft m&#246;glichst effizient zu verwalten.   Ein solches System, basierend auf geplanter Wirtschaft, unter Kontrolle   &#252;ber die Produktionsmittel mit Mehrheits- und Delegiertenabstimmungen   auf allen Ebenen, beispielsweise in Stadtteil-, Betriebs-, Schulr&#228;ten   und so weiter, w&#228;re eine sozialistische Demokratie. Politiker der   etablierten Parteien sind nicht einfach die falschen Fachleute auf ihrem   Gebiet, deren Wissen man sich nur ergoogeln muss, damit man es besser   machen kann &#8211; sie sind Vertreter der Kapitalinteressen. Entweder, weil   sie selbst zur Klasse geh&#246;ren, oder weil sie eingekauft wurden, oder   weil sie darauf hoffen, den Klassensprung zu schaffen. Wenn man nicht   genauso zum Vertreter der Kapitalinteressen werden will, muss man sich   eindeutig gegen Korrumpierungsversuche positionieren. Daf&#252;r ist ein   Klassenstandpunkt n&#246;tig, denn das eigene Korrumpiert-Werden ist leicht   mit Aufstieg durch pers&#246;nliches Engagement zu verwechseln. Wenn man sich   nicht von Anfang an gegen das Losrei&#223;en von der Gruppe, die man   vertritt, wehrt, indem man nur ein durchschnittliches Gehalt annimmt und   Boni und kleine Geschenke wie kostenlose Fl&#252;ge oder Einladungen in   Edelhotels nicht annimmt. Wer keinen Klassenstandpunkt bezieht, kann   nicht argumentieren, warum er oder sie anders werden soll, als die, die   schon oben sind.<\/p>\n<p>  Parteien wurden als Instrumente zur Vertretung der Interessen der   eigenen Gruppe entwickelt, nicht als lose Ansammlung m&#246;glichst   individueller Individuen, die jederzeit ihre Meinung und Position &#228;ndern   k&#246;nnen. Das ganze Konzept von Organisation basiert auf der Einsicht,   dass man als Einzelner weniger erreicht als in einer Gruppe, die   geschlossen die eigene Position vertritt. Das m&#252;ssten auch diejenigen   verstehen, die in die Piratenpartei eingetreten sind. Was n&#252;tzt eine   Onlineabstimmung &#252;ber die Erh&#246;hung von L&#246;hnen oder die Verk&#252;rzung von   Arbeitszeit? Welcher Arbeitgeber f&#252;gt sich dem Willen seiner   Besch&#228;ftigten, nur, weil sie eine Mehrheit sind? Ein bindendes   Abstimmungssystem sehen die Piraten nur auf kommunal-verwaltender oder   stadtpolitischer Ebene vor. Auch dort schon wird es auf keinen Fall   widerstandsfrei durchgesetzt werden. Auf der privaten Wirtschaftsebene   ist die Einf&#252;hrung eines bindenden Systems dieser Art nicht m&#246;glich,   ohne dass enormer politischer Druck durch massive K&#228;mpfe und   Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse aufgebaut wird. In einer solchen   Situation w&#228;ren aber nicht die Piraten das Zentrum, sondern eine   Massenpartei mit antikapitalistischem Programm.<\/p>\n<p>  Der Kapitalismus ist ein System der Unterdr&#252;ckung der Mehrheit durch   eine besitzende Minderheit, die kein Interesse an den Entscheidungen der   Mehrheit hat. Das bedeutet notwendigerweise, dass diese Minderheit dem   Willen der Mehrheit zuwider handelt, solange kein starker politischer   oder &#246;konomischer Druck sie zum Gegenteil zwingt. Zwar k&#246;nnen Bewegungen   die neuen technischen M&#246;glichkeiten nutzen, Proteste und Revolutionen   finden dennoch auf echten Stra&#223;en mit echter Repression statt.<\/p>\n<h4>  Wir haben die Fragen&#8230;<\/h4>\n<p>  Wer will, dass alle Menschen frei, gleich und von Profitinteressen   befreit unter open-source-Bedingungen leben, muss f&#252;r die Abschaffung   des Kapitalismus k&#228;mpfen. Er oder sie muss k&#228;mpfen, weil der   Kapitalismus sich nicht einfach totl&#228;uft und die herrschende Klasse an   ihrer Position festh&#228;lt. Um sie zu st&#252;rzen braucht es kampfstarker und   massenbasierter Organisationen: Sozialistischer, demokratischer   Arbeiterparteien weltweit und k&#228;mpferischer Gewerkschaften, die die   Interessen der Arbeiterklasse gegen die Kapitalistenklasse durchsetzen.   Die Suche der Piraten nach Antworten auf die dr&#228;ngenden Fragen der   Menschheit ist historisch l&#228;ngst beendet: Die Geschichte der   Arbeiterbewegung h&#228;tte sie ihnen geben k&#246;nnen. Jedoch ist der   Innovationszwang des Kleinb&#252;rgertums und sein Versuch, sich nicht anti-   oder prokapitalistisch zu positionieren klassenbedingt und damit   nat&#252;rlich &#8211; Sie werden daher nicht auf diese Antworten zur&#252;ckgreifen   k&#246;nnen. Sie versuchen, eine Abk&#252;rzung zu nehmen, indem sie die   Einbeziehung Aller fordern, ohne den Konflikt mit der herrschenden   Klasse einzugehen. Diese Abk&#252;rzung f&#252;hrt leider ins Leere.<\/p>\n<p>  Die Piratenpartei saugt ein gewisses Protestpotential auf, sie zeigt,   dass die Arroganz der hochbezahlten Politiker nicht mehr als   selbstverst&#228;ndlich hingenommen wird, und dass Teilhabe und Mitsprache   gerade von Menschen unter 45 eingefordert wird. Das Erstarken der   Piraten ist aber vor Allem ein Ausdruck der Schw&#228;che der Organisationen   der Arbeiterklasse. Weil die LINKE und die Gewerkschaftsf&#252;hrungen nicht   den Protestkurs fahren, der notwendig w&#228;re, weil es keine starke Kraft   gibt, die gegen &#220;berwachungsstaat und f&#252;r pers&#246;nliche Freiheit auf Basis   der materiellen Gleichstellung &#8211; also gegen Kapitalismus &#8211; auftritt,   sammelt sich bei den Piraten Potential, das eigentlich dort nicht   hingeh&#246;rt. Charakter und Wahrnehmung der Partei sind dabei sehr   verschieden. Ihr jugendliches Image und die Internetfrage sind dabei nur   eine Teilerkl&#228;rung des Ph&#228;nomens.<\/p>\n<p>  Ihr Aufstieg ist aber keine positive Entwicklung im Sinne des   Klassenkampfes. Es ist gut m&#246;glich, dass die Partei f&#252;r eine gewisse   Zeit ein Sammelbecken f&#252;r Leute bleibt, die frustriert und genervt sind   von den Auswirkungen des krisendurchsch&#252;ttelten Kapitalismus. Sie hat   jedoch kein Potential, echte Ver&#228;nderungen zu erk&#228;mpfen. Sie verwirrt   mehr, als sie aufkl&#228;rt, indem sie das alte Lied von der Individualit&#228;t   singt, statt ein neues von der Solidarit&#228;t der &#8222;99%&#8220; der Bev&#246;lkerung   anzustimmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#8211; Woher kommt der Piratenhype?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14527"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14527"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14527\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14527"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14527"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14527"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}