{"id":14519,"date":"2011-11-10T00:00:00","date_gmt":"2011-11-09T23:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=14519"},"modified":"2012-05-09T15:26:29","modified_gmt":"2012-05-09T13:26:29","slug":"14519","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2011\/11\/14519\/","title":{"rendered":"Pauken, pauken, pauken"},"content":{"rendered":"<p>  und wenns nicht reicht: Nachhilfe!<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Tretm&#252;hle Schule: In den letzten Jahren ist der Bedarf an Nachhilfe bei   Kindern und Jugendlichen sprunghaft gestiegen. Woran liegt das?<\/p>\n<h4>  <i>von Simon, Aachen<\/i><\/h4>\n<p>  Verschiedene Punkte fallen ins Auge, wenn man die Entwicklung genauer   anguckt:<\/p>\n<h4>  Leistungsdruck<\/h4>\n<p>  Der Leistungsdruck auf Sch&#252;lerInnen hat in den letzten Jahren enorm   zugenommen. Er entsteht durch das nun in fast allen Bundesl&#228;ndern   durchgesetzte Turbo-Abitur, bei dem die Schulzeit von 13 auf 12 Jahre   herabgesetzt wurde. Derselbe Stoff muss nun in k&#252;rzerer Zeit gelernt   werden, dazu kommen st&#228;ndige Leistungsvergleiche in der Schule und NCs   als Zulassungsvoraussetzung f&#252;r die Uni. Die durchgeboxten   Doppeljahrg&#228;nge erh&#246;hen die Zahl der BewerberInnen. Besonders haut die   st&#228;ndige Vergleichbarkeit rein &#8211; was im Zentralabi abgepr&#252;ft wird, h&#228;ngt   nicht davon ab, wie viel Unterricht man zu welchem Thema hatte.   Stundenausfall wird zu einem echten Problem und f&#252;hrt besonders stark   dazu, dass die Sch&#252;lerInnen vermehrt Nachhilfe ben&#246;tigen. Die kostet und   muss aus privater Tasche gezahlt werden, gar nicht so leicht f&#252;r   Familien mit wenig Geld. F&#252;r viele Sch&#252;lerInnen ist Nachhilfe trotzdem   notwendig, da ihnen der Unterricht schon lange nicht mehr reicht um den   ganzen Lernstoff zu schaffen &#8211; von echtem Verstehen und einer Vertiefung   des Wissens kann gar nicht gesprochen werden. Richtig &#228;tzend, wenn man   dar&#252;ber nachdenkt: Da verbringt man 30, 40 Stunden die Woche in der   Schule, und auch dann kann man noch nicht, was abgepr&#252;ft wird.<\/p>\n<p>  So wird Nachhilfeunterricht zu einer gro&#223;en Industrie, welche mit   &#252;berteuerten Stundenpreisen, von denen die meisten NachhilfelehrerInnen   an Instituten &#252;brigens wenig sehen, den Nachholzwang zu einer Marktl&#252;cke   machen. Genaue Zahlen sind schwer zu erheben, aber laut Sch&#228;tzungen   liegt der Anteil der Sch&#252;lerInnen, die regelm&#228;&#223;ig Nachhilfe nehmen,   zwischen 30 und 50 Prozent. Im Schnitt geben Familien zwischen 750 Euro   (bei privaten NachhilfelehrerInnen) und 1150 Euro j&#228;hrlich f&#252;r Nachhilfe   aus (in Nachhilfeinstituten). Klar ist: Das k&#246;nnen sich viele gar nicht   leisten. Wer weniger Stunden nimmt oder arbeiten muss, um sich   ausreichend Nachhilfe zu finanzieren, hat Pech gehabt und entweder   weniger Zeit zum Verstehen oder mehr Stress durch Arbeit. Bildung wird   mal wieder zur sozialen Frage.<\/p>\n<h4>  Sch&#246;n billig.<\/h4>\n<p>  Gro&#223;e Klassen kosten weniger Geld, weil LehrerInnen und Material   eingespart werden k&#246;nnen &#8211; ganz zu schweigen von einem gesamten   Jahrgang, der durch G8 weggek&#252;rzt wurde.Weil Bildung nicht im Interesse   der Sch&#252;lerInnen geplant wird, sondern sich rechnen muss, wird an den   Lernbedingungen gespart, wo es nur geht. Der Staat gibt zwar Geld f&#252;r   Bankenrettung und Militarisierung aus, aber f&#252;r Bildung ist keins mehr   &#252;brig, wollen sie uns weismachen.<\/p>\n<h4>  Wem n&#252;tzt der Leistungsdruck?<\/h4>\n<p>  Die Sch&#252;lerInnen werden an die wirtschaftlichen Vorgaben angepasst. Ein   starrer Lehrplan soll bestimmtes Wissen in die Sch&#252;lerInnen pumpen und   sie auf das sp&#228;tere Berufsleben vorbereiten, dabei kommen im Endeffekt   v&#246;llig &#252;berforderte Menschen aus den Klassen, die jede Lust und jeden   Spa&#223; am Lernen verloren haben. Durch stupides Durchgehen des Lernstoffes   bleibt wenig Zeit f&#252;r kritische Nachfragen und Kreativit&#228;t. Erst recht   bleibt keine Zeit f&#252;r politische Aktivit&#228;ten der Sch&#252;ler. Selbst wenn   Leistungsdruck nicht &#252;berall gezielt eingef&#252;hrt wird, nimmt die Politik   ihn doch wohlwollend hin. Es ist auch nicht im Interesse der   Herrschenden im Kapitalismus, wenn Sch&#252;lerInnen Geschichte oder   Umweltschutz allzu genau betrachten und auf kritische Gedanken kommen:   Was auch immer der Lehrer gesagt hat, stimmt und Sch&#252;lerInnen gew&#246;hnen   sich daran, nicht mehr als das Geforderte wiederzugeben. Auch im   Berufsleben sollen sie parieren, leistungsbereit und flexibel sein, und   nicht mehr Zeit oder Ressourcen verbrauchen als unbedingt n&#246;tig.<\/p>\n<h4>  Es reicht!<\/h4>\n<p>  Radikale &#196;nderungen sind dringend notwendig &#8211; Lerndruck und Stress bei   Sch&#252;lerInnen m&#252;ssen ein Ende haben. Daf&#252;r fordern wir die R&#252;cknahme des   G8-Abiturs und die Abschaffung von Zentralabi und Vergleichsarbeiten.   Bei Bedarf muss es kostenfreie Nachhilfe und ein   Hausaufgabenhilfeangebot durch qualifizierte LehrerInnen in allen   Schulen geben, um den bestehenden Druck wenigstens abzufangen. Schulen   m&#252;ssen bedarfsgerecht vollfinanziert werden, damit auch Geld f&#252;r   VertretungslehrerInnen &#252;brigbleibt. In einem weiteren Schritt m&#252;ssten   Lehrpl&#228;ne und Schulkonzepte demokratisch unter Mitbestimmung von   Sch&#252;lerInnen, LehrerInnen, Eltern und GewerkschaftsvertreterInnen   umgearbeitet und der Druck rausgenommen werden. Wir sollten bestimmen,   was, wie und wof&#252;r wir lernen, und nicht reingew&#252;rgt kriegen, was die   Kapitalisten und ihre Politiker uns glauben lassen wollen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      und wenns nicht reicht: Nachhilfe!\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[49,53],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14519"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14519"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14519\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14519"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14519"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14519"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}